Peter - Licht und Schatten in den Versammlungen

Ich bin ein Noch-ZJ, der sich zurückgezogen hat. Meine Frau ist aktive ZJ, wie auch Angehörige ihrer Familie. Ich möchte Kontakte nicht durch Ausschluss verlieren. Seit über 20 Jahre getauft, zeitweise Dienstamtgehilfe, beobachte ich Licht und Schatten in den Versammlungen.

Es gibt viele liebe Menschen darunter, auch autoritäre, machtversessene, demütige, hilfsbereite - solche und solche. Zu solchen zuzurufen = "Erwachet", ist leider zuwenig, so nach und nach Zweifel säen, aufklären und selber die Früchte des Geistes hervorbringen, - bringt mehr als die Holzhammermethode. - Daher ärgere ich mich manchmal auch über einen hetzerischen Ton, die Ehemalige von sich geben. (obwohl in vielen Fällen auch Wahrheitsgehalt gefunden wird).

Meine Einstellung verdanke ich Raymond Franz, dessen Buch "Gewissenskonflikt" in sachlicher und auch liebevoller Art und Aufklärung geschrieben ist. Ich beschäftige mich weiterhin mit der Geschichte und beobachte den weiteren Verlauf der WT-Gesellschaft.

Teils zurecht fragt sich mancher Zeuge Jehovas: "Wenn dieses nicht die Wahrheit ist, was bleibt uns denn dann noch?" Sie scheinen jegliche Hoffnung verloren zu haben. Geschichtlich lässt es sich doch beweisen, das ZJ nicht die absolute Wahrheit besitzen. Es ist wie bei vielen anderen Dingen auch - man darf nicht alles in einen Topf werfen.

Es gibt viel Gutes zu berichten (über ZJ); aber auch viel Schlechtes (Organisation, die behauptet, Gottes Kanal zu sein). Doch das Dilemma bleibt oft für den Einzelnen, der meint, ganz alleine dazustehen. Wenn man zu der Erkenntnis gelangt, dass die WT-Philosophie nicht stimmen kann, fällt man in ein dunkles Loch, denn der "Schutz der Versammlung" fällt, die Gemeinschaft und Verbundenheit ist weg.

Was kann der Einzelne dann tun? Wie wird er mit der psychologischen Lage fertig?

Es gibt wohl die verschiedenartigsten Reaktionen in einer solchen Situation. Dabei trifft dem Gott der Bibel allerdings keine Schuld. - Es gibt soviel Unrecht in der Welt, soviel Verlogenheit und Betrug - die WT-Gesellschaft bildet da keine Ausnahme. Obwohl dort auch Köpfe zu finden sind, die es gut meinen und das Gute wollen. Dennoch gehören sie zu der Gruppe der Betrogenen. Man muss diesen Leuten helfen, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Es ist der Wille Gottes, dass Menschen befreit werden von jeglicher Sklaverei, die Organisationen aufbauen. Dafür brauchen sie Ersatz. Und dieser Ersatz ist das Wort Gottes; Ersatz sind Menschen, die zuhören und verstehen; Ersatz ist der Gott der Bibel, der Hoffnung, Glauben und Liebe vermittelt. (Nicht der WT, der behauptet, Gott hätte einen verstoßen).

Helfen kann das Lesen bestimmter Bücher und Artikel, die aufklären. Wie erwähnt, half mir persönlich das Buch "Der Gewissenskonflikt" von Raymond Franz. Er schreibt nicht hetzerisch anklagend, sondern aufrichtig, ehrlich und offen. Es gibt ja Schriften, die verbal ansetzen und schon die Überschrift stößt Menschen (ZJ) ab, solches überhaupt einmal nüchtern und aufrichtig zu untersuchen. Ich verlor nicht den Glauben an Gott, ich verlor den Glauben an die Organisation, die sich anmaßt, Gottes Kanal zu sein. Aber ich wurde von Gott befreit - befreit von den ganzen Machenschaften der Neue-Welt-Gesellschaft. Und diese Befreiung wünsche ich jedem Zeugen Jehovas, der Gott mit Geist und Wahrheit anbetet. Die Zeit spielt für uns - denn 1914 liegt mit jedem Tag weiter hintenan, die Generation ist bald verschwunden. Zu seiner Zeit wird der Allmächtige eingreifen und viele von denen, die dann sagen: "Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Namen prophezeit und ... in deinem Namen viele Machttaten vollbracht?" Und doch will ich ihnen dann bekennen: Ich habe euch nie gekannt! Weicht von mir, ihr Täter der Gesetzlosigkeit." (Matth. 6:21-23). Da will ich nicht in der Haut derer stecken, die Verantwortung und besondere Positionen in der Organisation eingenommen haben. - Das Wort wird sich erfüllen, - doch nicht im Sinne des Wachtturms. Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit - die Früchte des Geistes zusammen mit wahrer Liebe - dies sind begehrenswerte Dinge, die man sich zum Ziel setzen kann. (Und dessen Dinge die ersten Bibelforscher wohl getan haben. Doch der Verlauf der Geschichte nahm einen anderen Weg).

Damals auf meiner Arbeitsstelle war ich stolz, Stellung für ZJ zu beziehen. Ein Kollege machte sich einmal einen Spaß und malte Karikaturen von jedem Mitarbeiter. Der eine wurde dargestellt als Wanderer in den Bergen, ein anderer war als Taucher bekannt. Ich war stolz, als er mich malte, mit dem Wachtturm in der Hand im Straßendienst.

Es nahte der Bezirkskongress. Ich bat um Urlaub für zwei Tage, was abgelehnt wurde. Ich bestand aber darauf, und hätte auch eine Kündigung in Kauf genommen, sollte man mir diese nicht gewähren. So musste der Vorgesetzte umstellen, so dass ich den Kongress besuchen konnte. - Auf Kongressen sind furchtbar viele Leute. Fast alles ZJ und Interessierte. Schon bevor die Toren geöffnet wurden, bildete sich eine Menschenansammlung vor dieser Stätte. Als schließlich geöffnet wurde, drängte alles hinein. Die besten Plätze waren sehr begehrt, auch solche am Rand, wo etwas mehr Bewegungsfreiheit herrscht. Es wurde mit Taschen, Decken, Bibeln und dergleichen viele Plätze besetzt, so dass ich mich furchtbar ärgerte, da ich selbst nicht so einen guten Platz erhielt. Es war doch schon ziemlich rücksichtslos, was manche da so trieben. Wenn man etwas sagte, wurde man mit finsteren Blicken konfrontiert. Ich will nicht alle über einen Kamm ziehen - viele sind rücksichtsvoll und zuvorkommend. Aber nicht überall scheint hier die Sonne.

Bevor ich zum Dienstamtgehilfen ernannt wurde, hatte ich ein Vorgespräch mit einem Ältesten. Es wird ja immer vorher mit den Ältesten unter sich abgesprochen, wer in Frage kommt oder wenn Veränderungen getroffen werden müssen. Er fragte mich, ob ich noch die Horrorfilme hätte, die ich damals gerne gesehen hatte. Ich war sehr erstaunt, dass dieser davon Kenntnis hatte, denn eigentlich gab es nur einen Ältesten aus einer anderen Versammlung, der davon wusste. Mit diesem hatte ich vor längerer Zeit studiert. Und diesem hatte ich mein Vertrauen geschenkt - und siehe da, selbst Dinge, die nicht für jedermanns Ohren bestimmt sind, werden weitergetragen. Dadurch erkannte ich, dass man solchen Personen nicht vertrauen darf. Was man auch erzählt, es wird registriert und weitergegeben. Das riecht verdammt stark nach einem Spitzelsystem.

Auch als Dienstamtgehilfe hatte ich kein persönliches Interesse an meiner Person gespürt. Man hatte seine Arbeit, sein Aufgabengebiet, hatte treu in den Predigtdienst zu gehen und immer schön in der Reihe zu sitzen. Meine Persönlichkeit wollte keiner kennen. Jahre später wurde ich als Dienstamtgehilfe ohne Angaben von Gründen gestrichen. Ich hatte wohl zuwenig Predigtdienststunden berichtet. Außerdem widerte mich die Scheinheiligkeit und Selbstherrlichkeit mancher Personen wie auch der Organisation an. Ich sah diesen Rausschmiss als Dienstamtgehilfe als illegal an und drei Älteste, die mich besuchten, um mir diese Tatsache mitzuteilen, schafften es nicht, meine Zustimmung zu erhalten. Später erfuhr ich von einem anderen Ältesten, der bei der Besprechung zugegen war, dass er gegen diese ganze Konspiration gewesen sei. Ich sah also, dass auch Uneinigkeit bei den Ältesten herrschte.

Irgendwann sollte man etwas unterschreiben, weil es das Gesetz verlangte, dass man einverstanden war, dass Predigtdienstberichte bei der Organisation weitergegeben wurde. Dies lehnte ich ab. Ich war sowieso ein Gegner dieser Methode, als ob die Verkündiger nur Roboter und Zahlen wären. Man antwortete, dies ist doch für den weltweiten Bericht. - Na, auf diesen kann man getrost verzichten. Dies sieht ja nicht wie eine Christengemeinde aus, sondern wie ein Wirtschaftsunternehmen, dem es nur an Zahlen, Menschenmaterial usw. geht. Eine ganz nicht christliche Antwort von einigen Ältesten konnte ich an den finsteren Gesichtsausdrücken ablesen. Diese Geisteshaltung der Entgegnung widerte mich an - wo ist die allumfassende Liebe?

Die Versammlung wurde geteilt und so auch die Gebiete, die von Zeugen Jehovas bearbeitet werden. Nun gab es auf beiden Seiten interessierte Menschen, die besucht wurden und zu dem jeweiligen Zeugen ein bestimmtes Vertrauen hatten, die diese aufgesucht hatten. Es kam die Frage auf, wer zukünftig diese Personen besucht, um das Interesse beizuhalten und zu fördern. Die einen sagten, dass wie bisher diese Personen von den bekannten Zeugen betreut werden sollten. Andere argumentierten, dass sich manche Zeugen aber nicht mehr in dessen Versammlungsbereich befänden. Bei dieser Uneinigkeit wurde die Gesellschaft in der Zentrale in Deutschland angefragt und diese entschied, dass nach der Teilung auch die Aufgaben nur in den zuständigen Bereichen von denen betreut werden sollten, die dafür auch eingeteilt waren. Die persönliche Beziehung zu den Interessierten hat keine Bedeutung. - Ich war darüber erbost, denn ich lehne solche Grenzen und Bevormundungen ab. Es sollte doch jeder selber wissen, wie er sich hierbei entscheidet.

Als Dienstamtgehilfe muss man immer top aussehen. Anzug, Krawatte, kurzer Haarschnitt, rasiert. Ich trug einen Anzug, den ich geschenkt bekommen hatte und der nicht mehr der Mode nach zeitgemäß erschien. Nun hatten sich die Ältesten doch tatsächlich zusammengetan, um darüber zu diskutieren. Einer von ihnen musste mich besuchen und mich wieder auf den rechten Pfad führen. Die Israeliten damals mussten ja auch immer besondere Kleidung tragen, um sich von den fremden Nationen abzugrenzen. Dieses Beispiel wurde mir vorgelegt. Im Klartext - ich sollte doch ein wenig mit der Mode gehen, weil ich ja öffentlich tätig war. Sauberkeit und Einfachheit genügen nicht, nein - ich sollte mich doch bitte anpassen. - Erst später, als der Älteste fortging und ich darüber nachdachte, bekam ich einen Wutanfall. Was hatte dieses mit dem wahren einfachen Christentum zu tun? Damals passte ich mich dennoch an.

Jahrelang hatte ich andere Brüder besucht, sammelte Predigtdienststunden für einen guten Bericht und suchte überall Kontakt. Eines Tages musste ich umziehen und besuchte eine andere Versammlung. Was war nun mit den ganzen vielen Kontakten? Man gerät in Vergessenheit, bekommt noch nicht einmal einen Anruf. Auf persönlicher Ebene hatte sich nichts, aber auch gar nichts gehalten. Allein in einer anderen Versammlung versuchte ich dort, neue Kontakte zu schließen. Doch im Grunde sind die Menschen ja alle gleich - jeder ist zu beschäftigt - es sei denn, er wittert selber persönliche Vorteile. So kenne ich auch viele ältere Brüder, die allein und krank, kaum beachtet, in Vergessenheit geraten. Viele von diesen hatten sich früher verausgabt, heute werden sie links liegengelassen. Eine Seltenheit, wenn sie besucht werden. Vielleicht mal im Rahmen des Ältestenprogrammes, der sogenannten Hirtentätigkeit. Dort werden Brüder aufgeschrieben, die besucht werden sollen - eigentlich eine gute Sache. Aber solches ist ja nur auf Papier geplant, und schnell als lästige Pflicht durchgeführt. Evtl. haben manche Ältesten auch keine Gewissensbisse, diese Zeit als Predigtdienststunden zu berichten. Ich habe eine andere Vorstellung an persönlicher Hilfe, an persönlichem Interesse. An uneigennützige Liebe, die nicht auf die Uhr schaut.

Überhaupt wird bei allen Dingen vor allem der Predigtdienst hervorgehoben. Im Grunde eigentlich eine gute Sache. So können Menschen unterschiedlicher Herkunft etwas über den Schöpfer der Bibel erfahren. Wenn es nur dabei bliebe. - Es sieht aber so danach aus, dass es nicht nur darum geht, Menschen zu "retten", sondern sie für die Organisation zu gewinnen. Dies heißt, diese sollten später dann ebenfalls von Haus zu Haus gehen, um weitere potenzielle Verkündiger zu werben. Es gibt aber noch andere christliche Pflichten, die zwar genannt werden, aber in der Praxis nicht so sehr angewendet werden wie der Predigtdienst. Es steht z.B. geschrieben, dass man sich um Ältere und Kranke kümmern sollte. Darauf wird meines Erachtens viel zu wenig Gewicht gelegt. In meinem Umkreis gibt es ältere Brüder, die kaum besucht und betreut werden. Wo liegt denn der Schwerpunkt des christlichen Daseins? Es wird doch in der Schrift immer darauf hingewiesen, dass man sich umeinander kümmern sollte und die allumfassende Liebe ist ein starker Antrieb dazu. Diese Liebe zieht Menschen bekanntlich ja auch an. Ich lernte bei den Zeugen nette, freundliche Personen kennen, und auch solche, die offensichtlich andere Ziele verfolgten. Eigentlich besteht kein allzu großer Unterschied zu anderen Religionen - die geistigen Früchte, die hervorgehoben werden, sind ausschlaggebend für den Wert des Menschsein.

Ich erinnere mich an damals. - Ja, damals war alles anders.

Wir hatten eine Richtung, eine Hoffnung.

Gegen andere Personen verteidigten wir die Wachtturm-Politik, hielten die Gesellschaft für Gottes Organisation. Davon waren wir überzeugt.

So sind wir einem Betrug aufgesessen - was bleibt, ist Gottes Wort, welches man nicht mit Zeugen Jehovas gleichsetzen sollte. Die Bibel von unverwechselbarem Wert.

Die sich auch in vielen Bereichen vom Wachtturm unterscheidet, wie auch vom angeblichem Volke Gottes, welches individuell vielleicht am wahren Gehalt der Bibel interessiert und bemüht ist, wo aber auch eine Menge blinder Menschen irren.

So steht geschrieben: Wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide nicht in eine Grube fallen? - Jesu Worte. Zutreffend auf die Führungsriege der ZJ, Älteste mit eingeschlossen. Deren Machterhalt ist wichtiger als die aufopfernde Liebe, die Jesus offenbarte. Die Sicherheit, die die angebliche Organisation bietet, zerplatzt wie eine Seifenblase, wenn man nur andeutet, das deren Zeitrechnung falsch ist. Doch deren Anhänger schauen zur Organisation auf, (welches da steht wie ein goldenes Kalb). Sie wissen nicht, dass sie betrogen werden.

Würden sie Bücher von Ausgeschlossenen lesen (oder Informationen aus dem Internet wie z.B. sektenausstieg.net), wo ja nicht nur gehetzt, sondern mit knallharten Beweisen argumentiert wird, würden ihre blinden Augen vielleicht geöffnet werden.

So aber gehen sie zu den wöchentlichen fünf Versammlungen und nebenbei in den Predigtdienst. Eine ständige einseitige Beeinflussung (Organisationsdenken) findet statt. Man kann gar nicht mehr klar unterscheiden zwischen deren Argumenten oder ganz anderen Gedanken, die der Wahrheit näher kommen.

Wenn man mit wahren, vernünftigen Argumenten kommt, die eine andere Denkweise als wie der Wachtturm vertritt, heißt es gleich: Der Teufel ist listig und führt die ganze Erde irre. Der Bibelspruch stimmt ja auch, nur übersieht der Wachtturm, dass er selbst in die Irre führt. Nun, das Argument zielt darauf ab, dass man schon im vornhinein davon abgehalten werden soll, die Wahrheit zu erkennen - dass man nämlich zwei Seiten betrachten sollte, um zu einer Schlussfolgerung zu gelangen.

Ich schreibe diese Zeilen nicht aus Hass gegen die Wachtturm-Gesellschaft, sondern weil ich aufrichtig an der Wahrheit interessiert bin. Ich bin für Aufklärung und gegen Unterdrückung freier Gedanken. Menschen werden leider geistig versklavt. Ich möchte deren Befreiung. Menschen sollen sich dem Gott der Bibel nähern, nicht einer menschlichen Organisation, wo man in die Gefahr kommt, ausgeschlossen und abgeschnitten zu werden, nur wenn man eigene Gedankengänge aufstellt.

Nachtrag im April 2001:

Du wirst es nicht für möglich halten - heute war ich in der Versammlung gewesen. Die Versammlung der Zeugen Jehovas, die denken, sie wären die auserwählte Gruppe.

Es sind gemischte Gefühle, die da in mir toben.

Hauptsächlich bin ich wegen meiner Frau mitgegangen. Es ist nicht die Heimatversammlung, sondern eine Nebenversammlung gewesen. Kenne trotzdem dies eine oder andere Gesicht. Es war recht interessant - ich gab mich sehr zurückhaltend.

Mir gefällt die Freundlichkeit (die leider auch umschlagen kann, wenn sie wüssten, was ich denke). Es wurde über den Tod Jesu gesprochen - ein Aspekt, den ich schätze und respektiere. Ich gedenke des Todes Jesu, und weiß, warum er für Menschen als Mensch gestorben ist. Okay - was mir nicht gefällt, ist der Gedanke des Klassendenkens. Es ist offensichtlich, dass viele denken, dass sie vor Gott besser stehen als die sogenannten Weltmenschen. Sie besitzen ja die wahre Erkenntnis. Erhalten von Gottes Organisation.

Dies betonte ein Redner im Gebet.

Und da sehen wir auch schon wieder eine schädliche Seite - das Organisationsdenken, der treue Sklave, den der Herr über alles gesetzt hat. Der seine geistige Speise austeilt und seine Richtlinien befolgt (ein Abweichen davon bedeutet Rausschmiss und geistiger Tod).

Lächelnde Gesichter - freudige Antlitze - herausgeputzte Kleidung.

Bestimmt war ich der einzigste Anwesende, der da mit ihnen stand, der aber sehr von deren Gedanken abweicht. Zum Schluss wurde empfohlen, Gottes Wort zu lesen und zu studieren. (Leider nur mit den Richtlinien und Gedanken, die der Wachtturm herausgibt) Daran schließt sich der regelmäßige Versammlungsbesuch an. (Wo nur deren Denken widergegeben wird) Das Predigen der guten Botschaft von Haus zu Haus hat Priorität. (Menschen sollen in die WT-Gefangenschaft geführt werden)

Sie tun mir wirklich leid - diese ganzen Brüder.

Ich würde dem einen oder anderen gerne von der Wahrheit unterrichten - die Fehler der Organisation aufdecken. Ich habe da kritischen Lesestoff - sogar Abzüge des Wachtturms von 1898. Insbesondere die Zeitrechnung, die in den Reihen der Zeugen Jehovas oft hervorgehoben wird, kann widerlegt werden.

Doch ich kenne die Folgen.

Ausschluß - Absonderung - Verurteilung als einer vom Teufel Besessener - der Abtrünnige.

Schade.

Dabei liebe ich die Wahrheit sehr.