Mormone - Encyclopædia Britannica

Mormone, ein Mitglied irgendeiner von mehreren Glaubensgemeinschaften und Sekten, deren größte die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist, die ihren Ursprung auf eine Religion zurückführen, die 1830 von Joseph Smith in den Vereinigten Staaten gegründet wurde. Die Religion, die diese Kirchen ausüben, wird oft als Mormonismus bezeichnet.

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, der Hauptzweig innerhalb des Mormonismus, hatte Ende des 20. Jahrhunderts ungefähr zehn Millionen Mitglieder und hat ihren Hauptsitz in Salt Lake City, Utah. Etwa 50 Prozent der Kirchenmitglieder leben in den Vereinigten Staaten, der Rest lebt in Lateinamerika, Kanada, Europa und Teilen Ozeaniens. Die nächstkleinere Mormonengemeinschaft, die Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, hat ihren Sitz in Independence, Missouri, und hatte Ende des 20. Jahrhunderts eine Mitgliedschaft von über 250 000.

Der Mormonismus wurde im nördlichen Teil des US-Bundesstaates New York von Joseph Smith gegründet, nachdem er das Buch Mormon vorgeblich durch Offenbarung übersetzt hatte. Es erzählt die Geschichte bestimmter Stämme Israels, die Jahrhunderte vor Christus nach Amerika auswanderten und ähnliche Erfahrungen machten, wie sie im Alten Testament erzählt werden. Die von Smith gegründete Religion hat ihren Ursprung in der Endzeitbegeisterung des frühen 19. Jahrhunderts. Der Mormonismus rief eine neue Evangeliumszeit und die Wiederherstellung der „wahren Kirche“ aus, da er die verschiedenen christlichen Gemeinschaften als vom wahren Glauben abgefallen ansah. Die Mormonen glauben, dass geistige Vervollkommnung und damit Göttlichkeit durch einen Prozess der geistigen Entwicklung erlangt werden kann. Sie glauben an das Millennium und damit an das Zweite Kommen Jesu Christi, unter dessen Herrschaft ein tausendjähriges Reich des Friedens beginnen wird. Die Mormonen versahen den Millenniumglauben mit dem Ziel, Zion im amerikanischen Westen unter der Führung von Propheten zu errichten. Diesen wurde dabei nicht nur theologische Wahrheit offenbart, sondern auch Anweisungen für den Alltag. Sie griffen neue weltliche Ideen auf, darunter Volkseigentum (später in ein Zehntensystem verwandelt) und Vielehe, die von Smith selbst und den meisten führenden Mormonen praktiziert wurde, bis die Praxis unter dem Druck der US-Regierung aufgegeben worden war. Die mormonische Lebenseinstellung ist noch immer geprägt von Achtung und Respekt vor Autoritäten, kirchlichem Engagement, starker Gruppenkonformität und missionarischen Eifer

Geschichte

Im westlichen Teil des Staates New York behauptete der Bauernjunge Joseph Smith jun. 1827 in einer Zeit religiöser Erweckungsbewegung, ein Engel namens Moroni gab ihm goldene Platten, deren Inschriften Smith als das Buch Mormon ins Englische übersetzte. So wird es nach Mormon genannt, einem alten amerikanischen Propheten, der eine Abschrift von vielen älteren Platten machte. 1830 veröffentlichte Smith das Buch Mormon und organisierte seine neue Kirche. Seine Anhänger siedelten bald nach Kirland, Ohio, über, wo sich ein bekannter Prediger, Sidney Rigdon, und seine Anhängerschaft dem Mormonismus anschlossen. Smith schuf in Kirtland und im Kreis Jackson, Missouri, wohin einige Mormonen umsiedelten, die kommunistische Vereinigte Ordnung Enochs. Aber Streit mit Nichtmormonen führte in diesen Ortschaften zu Morden und zu Brandstiftungen an mormonischem Eigentum. Trotz dieser Verfolgung machten die Mormonen Konvertiten und ihre Anzahl vergrößerte sich. Die Spannungen zwischen den Mormonen und den ortsansässigen sklavenhaltenden Missouriern, die sie als religiöse Fanatiker und mögliche Sklavereigegner ansahen, führten zu bewaffneten Auseinandersetzungen, die 15 000 Mormonen zum Umzug von Missouri nach Illinois zwangen. Dort errichtete Smith eine neue Stadt, Nauvoo, aber der wirtschaftliche Erfolg und der wachsende politische Einfluss der Mormonen rief erneut Feindseligkeit von den „Ungläubigen“ hervor, und Smiths selbstherrliche Niederschlagung einer Abwendung vom Glauben unter den Nauvoo-Mormonen im Jahr 1844 verstärkte den nichtmormonischen Unmut und gab der Staatsregierung gute Gründe für seine Verhaftung. Smith wurde am 27. Juni 1844 während seiner Haft im Gefägnis in Carthage nahe Nauvoo vom Mob ermordet.

Smiths Tod löste seine Präsidentschaft auf und legte die Führung der Kirche in die Hände des Rates der Zwölf Apostel, dessen dienstältestes Mitglied Brigham Young war. Trotz der Ansprüche Rigdons entschied sich die Mehrheit der Mormonen, Young zu folgen, der Präsident der Kirche wurde. Zunehmende Ausschreitungen des Mobs machten ein Verbleiben der Mormonen in Illinois unmöglich, und unter Youngs Führung unternahmen sie 1846/47 eine Massenauswanderung in das 1 800 km entfernte Utah. Dort hofften die Mormonen ein Gemeinwesen zu errichten, in dem sie ihre Religion ohne Verfolgung ausüben könnten. Eine Vorhut von etwa 170 Siedlern erreichte das Tal des großen Salzsees im Juli 1847. Es wird geschätzt, dass bis zur Inbetriebnahme der Eisenbahn 1869 etwa 80 000 Mormonenpioniere Salt Lake City erreicht hatten. Von dieser Zeit an wurde die Reise erheblich einfacher.

Nach ihrer Ankunft im fernen Westen begannen die Mormonen neben dem Salzseetal auch andere Täler zu besiedeln. Sie machten trotz der für die Wüstenlandschaft des Großen Beckens typischen Hindernisse stetigen Fortschritt im Bebauen der Wüste, teils durch die Anwendung wissenschaftlicher Methoden in der künstlichen Bewässerung, worin sie Pionierarbeit leisteten. 1849 lehnte die US-Regierung das Gesuch der Utah-Mormonen um Aufnahme als Bundesstaat ab, stattdessen wurde das Gebiet 1850 als Territorium mit Young als Gouverneur organisiert. Das Haupthindernis für die Aufnahme war die Ausübung der Vielehe durch die Mormonen. Konflikte brodelten zwischen Young und US-Bundesbeamten in den 1850ern wegen dieser Ausübung und allgemein wegen der theokratischen Regierung der Mormonen, und im Anschluss an das Mountain Meadows Massaker von 1857 sandte US-Präsident James Buchanan eine Militärabordnung nach Utah, um einen angenommenen mormonischen „Aufstand“ gegen die Bundesautorität nieder zu werfen. Diese gescheiterte Militäraktion rief Sympathien der Öffentlichkeit für die Mormonen hervor und wurde als „Buchanans Fehltritt“ bekannt, aber sie setzte der direkten mormonischen Kontrolle über die Politik Utahs ein Ende.

Unter Youngs Führung weiteten die Mormonen die Besiedlung auf den gesamten Westen aus, bauten Tempel und Versammlungsgebäude, gründeten Schulen und betätigten sich in unterschiedlichen Handels- und Industrieunternehmungen. Youngs Nachfolger nach seinem Tod 1877 wurde John Taylor, dienstältester Apostel im Rat der Zwölf. 1890 sagte sich die Kirche von der Ausübung der Vielehe los, um den Zivilgesetzen zu entsprechen, die polygame Praktiken untersagten, und 1896 wurde das Territorium von Utah als 45. Staat in die Union aufgenommen.

Eine Minderheit der Mormonen lehnte Young als Führer ab und verblieb in Iowa und Illinois, wo sie in den Jahren 1852-60 mit Smiths Sohn, der ebenfalls Joseph Smith hieß, die Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage bildeten. Nach Smiths Tod entstanden auch viel kleinere Splittergruppen. Eine wurde von Rigdon geführt, eine andere zog mit Lyman Wight, der ein Apostel war, nach Texas. David Withmer und Martin Harris, zwei Zeugen der goldenen Platten, eröffneten letztlich eine Kirche in Kirtland. Der kürzlich konvertierte James Jesse Strang fand die Unterstützung von John C. Bennett und etablierte ein polygames Gemeinwesen mit etwa 3000 Anhängern auf Beaver Island im Michigansee. Dieser Zweig der Mormonen wurde als Strangiten bekannt.

Zu den bedeutendsten Faktionen der Heiligen der Letzten Tage, die im 20. Jahrhundert entstanden sind, gehören die Fundamentalisten, Gruppierungen, die die Polygamie ausüben. Sie erschienen erstmals 1902, nachdem die Kirche die Exkommunikation als Strafe für das Eingehen oder Schließen von Vielehen verhängte. Eine Kolonie entstand in Short Creek (heute Colorado City, Arizona), und weitere Kolonien erblühten in Mexiko. Über 30 000 Mitglieder gehören fundamentalistischen Gruppierungen an, trotz der Anstrengungen von Kirchenautoritäten, diese auszulöschen.

Schriften

Mormonen anerkennen die Bibel „so weit sie richtig übersetzt ist“. Smith beendete seine Übersetzung der Bibel nicht, die Prophezeiungen über sein eigenes Kommen und das des Buches Mormon enthält. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil mormonischen Glaubens. Das Buch Mormon lehnt sich in Stil und Thematik wesentlich an das Alte Testament an. Es gibt die Geschichte einer Gruppe Hebräer wieder, die etwa 600 v. Chr. aus Jerusalem nach Amerika übersiedelten. Dabei wurden sie von dem Propheten Lehi geführt. Dort vermehrten sie sich und teilten sich in zwei Gruppen auf: die rechtschaffenen, fleißigen Nephiten, die eine Zeit lang gediehen, aber letztlich von der anderen Gruppe ausgerottet wurden, den sündigen Lamaniten. Ein vertrauter Moralzyklus ist erkennbar: die Rechtschaffenheit des Volkes Gottes führt zu Wohlstand, dann zu Stolz, Laster, Dekadenz und Sünde, und deshalb zu Gottes Züchtigung und zur Buße des Volkes. Smiths andere offenbarte Schriften wurden später in die Köstliche Perle aufgenommen, gemeinsam mit seinen Übersetzungen von Papyri, die er als das Buch Abraham und das Buch Mose ausgab. Lehre und Bündnisse ist eine Auswahl aus Offenbarungen an Smith und eine an Young, und es enthält das Manifesto von Präsident Wilford Woodruff zur Beendigung der Polygamie. Die Ausgabe der Reorganisierten Kirche enthält weniger Offenbarungen aus Smiths letztem Lebensjahrzehnt.

Lehren

In mancher Hinsicht ähneln die Ansichten der Kirche denen der orthodoxen Christenheit, sie unterscheiden sich aber auch wesentlich von ihnen. Ihr Glaubensbekenntnis bestätigt den Glauben an Gott den Vater, an Seinen Sohn Jesus Christus und an den Heiligen Geist. Mormonen sehen sie nicht als in der Trinität vereint, sondern als unterschiedliche Wesensheiten. Sie glauben, dass Christus auf die Erde kam, um alle zu erretten, halten jedoch daran fest, dass die Zukunft einer Person von ihren eigenen Handlungen bestimmt wird. Mormonen legen Wert auf Glauben und Gehorsam zu den Sakramenten der Kirche, wie Buße, Taufe durch Untertauchen und Händeauflegen für die Gaben des Geistes (z. B. Prophezeiung, Offenbarung und Sprechen in Zungen).

Sie glauben, dass treue Mitglieder der Kirche als Götter ewiges Leben erlangen, und dass selbst jene, die Gottes Gebote verworfen haben, in Herrlichkeit leben werden. Mormonen glauben, dass Christi Wiederkehr auf die Erde zur ersten Auferstehung und zum Tausendjährigen Reich führen wird, währenddessen die Hauptbeschäftigung aus „Tempelarbeit“ bestehen wird, insbesondere aus Taufen für die Verstorbenen. Nach dem Millennium und der zweiten Auferstehung wird die Erde in eine himmlische Sphäre verwandelt, und alle Menschen werden für die Ewigkeit den Königreichen zugeordnet.

Mormonen sehen die christlichen Kirchen als Apostaten an, denen Offenbarungen, Wunder sowie die Gaben des Geistes fehlen, und die verdorbene Rituale, Priestertümer sowie Lehren haben. Sie glauben, dass Smith die Kirchenorganisationen und das Gesetz Gottes in der Gesellschaft wiederherstellen sollte. Obwohl Smith die Menschen zur Buße aufrief, zeigte sein Bekenntnis doch eine zeitgemäße Zuversicht auf, indem es auf die dem Menschen innewohnende Güte und seine unbegrenzten Fortschrittsmöglichkeiten abstellte. Smith verfeinerte den Millenniumglauben, indem er die Gläubigen aufrief, sich zu sammeln und Zion als neue Gesellschaftsordnung zu errichten. Die Präsidenten der Kirche haben weiterhin göttliche Inspiration vorgegeben.

Organisationen und Bräuche der Mormonen

Bei den Mormonen verwischen die Grenzen zwischen Priesterschaft und Laien. Im Alter von zwölf Jahren werden alle würdigen Jungen Diakone im Aaronischen Priestertum, sie werden Lehrer, wenn sie 14 Jahre alt sind, und Priester im Alter von 16 Jahren. Zwei Jahre später können sie als Älteste das Melchisedekische Priestertum erhalten und in die höheren Ebenen der Kirchenhierarchie aufsteigen. Männer im Alter zwischen 19 und 21 Jahren erfüllen eine zweijährige Bekehrungsmission, und Frauen ab 21 sowie auch ältere Ehepaare gehen für 18 Monate auf Mission. Diese Missionarsarbeit hat den Mormonismus zu einer der am schnellsten wachsenden Religionen der westlichen Welt werden lassen.

Die Erwachsenentaufe als Zeichen von Buße und Gehorsam hat ein zusätzliches Gewicht bekommen als ein Ritual, das stellvertretend für die Erlösung derer vollzogen werden kann, die ohne ein Wissen der Wahrheit verstorben sind. Das Interesse der Mormonen an der Familienforschung rührt von ihrer Sorge um die Erlösung verstorbener Vorfahren her. Totentaufen, Endowment und Sieglung (die ebenfalls stellvertretend für Verstorbene stattfinden) sind geheime und doch grundlegende Zeremonien, die im Tempel stattfinden. Beim Endowment wird die Person rituell gewaschen, mit Öl gesalbt und mit Tempelunterwäsche bekleidet. Den so Eingeführten wird eine dramatische Darstellung der Schöpfungsgeschichte gezeigt, sie erlernen geheime Passwörter und Griffe, und sie empfangen einen geheimen Namen. Die Sieglungszeremonie, die eine besondere Bedeutung zu der Zeit hatte, als die Mormonen die Polygamie lebten, siegelt mormonische Männer und Frauen zu einer Ehe für die Ewigkeit aneinander. Obwohl sich Mormonen dem Endzeitglauben und den Gaben des Geistes verpflichtet fühlen, beschäftigen sie sich doch mit weltlichen Angelegenheiten, dem Geschäft und der Politik. Trotz des Verbots von Alkohol, Tabak, Tee und Kaffee sowie einen großen Arbeitseifer ist der Mormonismus nicht asketisch; Erholung, Sport und Ausbildung sind positive Werte. Die positive Einstellung zur Erholung mit einer Betonung auf Ordnung und Moral sind für die Mormonen von großer Wichtigkeit gewesen.

Aufbau der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Die Erste Präsidentschaft (Kirchenpräsident und zwei Ratgeber), der Rat der Zwölf, das Erste Kollegium der Siebzig (und seine Präsidentschaft, beschäftigt sich insbesondere mit Missionsarbeit), und der Präsidierende Bischof mit zwei Ratgebern (die dem Aaronischen Priestertum vorstehen) bilden die „Generalautoritäten“ der Kirche. Sie werden „im Amt bestätigt“ durch ein regelmäßiges und inzwischen obligatorisches Aussprechen des Vertrauens auf der halbjährlichen Generalkonferenz, an der alle Mormonen teilnehmen können.

n der Basis sind die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage aufgeteilt in „Pfähle“, die durchschnittlich 4 000 bis 5 000 Mitglieder unter der Führung von Pfahlpräsidenten umfassen, sowie Gemeinden mit jeweils ein paar hundert Mitgliedern unter der Leitung eines Bischofs. Das Leben des einzelnen Mitglieds wird durch diese lokalen Einheiten stark beeinflusst, durch die die religiösen, ökonomischen und sozialen Aktivitäten, die Zehntenzahlung und der umfangreiche Wohlfahrtsplan der Kirche organisiert werden. Die Missionarsarbeit der vielen jungen Männer und Frauen hat den Mormonismus zu einer der am schnellsten wachsenden Religionen der westlichen Welt werden lassen.

Reorganisierte Kirche und weitere Mormonengruppierungen

Die Reorganisierte Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage hält streng am Buch Mormon fest, verwirft jedoch die weiterentwickelten Auffassungen über die Gottheit und den damit verbundenen Polytheismus, den neuen Bund der himmlischen Ehe, die Taufe für die Toten, die Polygamie und den Zehnten. Geheime Zeremonien finden im Tempel in Kirtland, Ohio, für den die Reorganisierte Kirche 1890 den Rechtstitel zugesprochen bekam, nicht statt, und das Buch Abraham wird nicht als göttlichen Ursprungs anerkannt. Die Präsidenten der Kirche sind direkte Nachkommen Smiths, beginnend mit Joseph Smith (1832–1914).

Einige mormonische Splittergruppen führten eine kommunistische Lebensweise ein. Die Anhänger von Granville Hedrick sahen es als ihre Aufgabe an, den von Smith geplanten Tempel in Missouri zu errichten und erwarben einen Teil dieses Flurstücks (den „Temple Lot“) in Independence, Missouri. Nachdem die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage 1890 die Vielehe verwarf, führten einige Mormonengruppen in Utah und im Norden Arizonas diesen Brauch im Verborgenen fort. (B.R.W./Hrsg.)

Literatur

Eine hervorragende soziologische Betrachtung des Mormonismus ist in Thomas F. O'Dea: The Mormons (1957, Neuauflage 1964) zu finden. Jan Shipps argumentiert in Mormonism (1985), dass der Mormonismus außerhalb der jüdisch-christlichen Tradition steht. Die Geschichte der Kirche im 19. Jahrhundert wird in Richard L. Bushman: Joseph Smith and the Beginnings of Mormonism (1984) behandelt; Marvin S. Hill betrachtet in Quest for Refuge: The Mormon Flight from American Pluralism (1989) die frühe Geschichte des Mormonismus im größeren Zusammenhang der damaligen religiösen Erfahrungen in Amerika; Klaus J. Jensen analysiert in Mormonism and the American Experience (1981) die gegenseitige Beeinflussung von Kirche und amerikanischer Kultur im prägenden Zeitraum 1820–1890; und Leonard J. Arrington und Davis Bitton bieten mit The Mormon Experience, 2. Aufl. (1992), eine thematisch geordnete wertende Geschichte bis zur Jahrhundertwende. Thomas G. Alexander untersucht in Mormonism in Transition die sich verändernden Ansichten zu verschiedenen Themen in dem kritischen Zeitraum 1890–1930. Daniel H. Ludlow (Hrsg.): Encyclopedia of Mormonism, 5 Bände (1992), ist ein gut sortiertes Nachschlagewerk mit zahlreichen Stichpunkten zu aktuellen Themen; es wurde überwiegend von Mormonen verfasst. (The New Encyclopædia Britannica, 15. Aufl., 2002, Bd. 8, S. 327ff.)

Mormon, Buch

Werk, das in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und in anderen Mormonenkirchen zusätzlich zur Bibel als Heilige Schrift anerkannt wird. Erstmals 1830 in Palmyra, New York, veröffentlicht, wurde es seither häufig gedruckt und übersetzt. Mormonen halten es für ein göttlich inspiriertes Werk, das dem Gründer ihrer Religion Joseph Smith offenbart und von ihm übersetzt wurde.

Das Buch Mormon vermittelt die Geschichte einer Gruppe Hebräer, die etwa 600 v. Chr. geführt von dem Propheten Lehi von Jerusalem nach Amerika übersiedelten. Sie vermehrten sich und teilten sich letztlich in zwei Gruppen auf. Die eine Gruppe, die Lamaniten, vergaß ihren Glauben, sie wurden Heiden und waren die Vorfahren der Indianer. Die andere Gruppe, die Nephiten, entwickelten sich kulturell und bauten große Städte, wurden aber letztlich etwa 400 n. Chr. von den Lamaniten vernichtet. Vor dieser Ausrottung erschien allerdings der auferstandene Jesus den Nephiten und belehrte sie. Die Geschichte und Lehren wurden von dem Propheten Mormon zusammengefasst und auf Goldplatten übertragen. Sein Sohn Moroni machte noch einige Ergänzungen und vergrub dann diese Platten. Dort verblieben sie etwa 1 400 Jahre lang, bis Moroni als auferstandenes Wesen oder Engel sie an Joseph Smith aushändigte; später gab Smith sie an Moroni zurück.

Nichtmormonische Kritiker sind sich uneinig über den Ursprung des Buches; einige Kritiker nehmen an, dass es ausschließlich von Joseph Smith selbst geschrieben wurde. Eine andere inzwischen unhaltbare Theorie besagt, dass es auf einer Romanvorlage des Geistlichen Solomon Spaulding basierte.

The New Encyclopædia Britannica, 15. Aufl., 2002, Bd. 8, S. 329, © 2002. Aus dem Englischen übersetzt mit freundlicher Genehmigung von Encyclopædia Britannica, Inc.