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In der Frage des Weihnachtsfestes sind die Zeugen Jehovas doch eindeutig, oder? "Heidnisches Fest", römische Saturnalien, Sonnenwendfeier, damit nichts für Christen. Oder etwa doch nicht immer ganz so klar?

Titelblatt 1924

Heidnisch soll der Gebrauch des Tannenbaums sein, haben einige gesagt. Ob das wohl richtig ist? An und für sich ist es wahr, dass den Christen in der Bibel keineswegs geboten wird, Tannenbäume zu schmücken und Lichter anzuzünden, um den Geburtstag unseres Herrn und Erlösers zu feiern, und doch ist dies kleine bescheidene Bäumchen ein vorzügliches Symbol alles Hoffens und Sehnens der ganzen bedrängten Menschheit und vermag so gut, eine stille Predigt zu sein überall da, wo es die Liebe anzündet und leuchten macht.

Der Tannenbaum stammt aus der Heidenzeit? Deshalb ist es unchristlich, den Großen und den Kleinen die Freude des Hoffens auf das Licht der Welt sinnbildlich darzustellen durch jenes kleine Bäumchen am Weihnachtsabend? Es gibt ein Christentum, das groß ist im Kleinsein und mit einem engen Herzen die Schüsseln von außen rein hält, wie Jesus den Pharisäern seinen Zeit sagte, das eine Mücke seihet und einen Elefanten verschluckt. … O wie wenig haben diese Herzen verstanden, was es heißt, erfüllt zu sein mit dem Geiste des Evangeliums der Liebe und des Friedens, das auf Bethlehems Fluren ausgerufen wurde. … Ein großes Herz ist sein Ruhm, das aller Selbstgerechtigkeit und allem Pharisäertum abhold ist.

Zündet euer Weihnachtsbäumlein an, Väter und Mütter, und erzählet getrost euren Kindern, daß das Bäumlein zwar keine biblische Anordnung sei, daß es aber als glückhaftes Symbol des Hoffens aller Welt auf das Licht, das wahrhaftige Licht, dass in die Welt kommt, am Weihnachtsabend erinnert an das, was Gottes Vaterliebe tat, als er „also die Welt geliebt hat, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben.“ Der bekannte Schriftsteller und Kanzelredner Charles Russell sagte einmal über das Weihnachtsfest und die Gewohnheit der Menschenkinder, an diesem Tage sich gegenseitig kleine Freuden zu bereiten, unter der Überschrift: „Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird, denn euch ist heute ein Heiland geboren in Davids Stadt, welcher ist Christus der Herr“ (Lukas 2 : 10,11) folgendes: „Obgleich wir der Annahme, daß dies der richtige Tag zur Feier der Geburt unseres teuren Erlösers sei, nicht beipflichten können, sondern vielmehr daran festhalten müssen, daß es annähernd der erste Oktober ist, so ist dies doch unwesentlich, zumal der Herr einen Wunsch, daß wir seinen Geburtstag feiern sollten, nicht kundgegeben hat. Auch ist es von geringer Wichtigkeit, wann wir diesen Tag mit dem für alle so bedeutungsvollen Ereignis feiern. Für uns ist es daher auch nicht unpassend, daß wir uns an diesem so allgemein gefeierten Tage mit allen solchen vereint fühlen, deren Herzen so stehen, daß sie Gott und den Heiland lieben und wertschätzen. Die Gepflogenheit, einander kleine Geschenke zu dieser Zeit des Jahres zu machen, scheint uns sogar sehr gut zu sein. Gott ist der Geber aller guten und vollkommenen Gaben. Er gibt unaufhörlich, und wir nehmen beständig aus seiner Fülle Gnade um Gnade; aber von allen seinen Gaben ist uns die Gabe seines Sohnes, unseres Erlösers, die bedeutsamste.“ Wir können uns diesen gesegneten Worten nur anschließen und wünschen von ganzem Herzen unseren lieben Freunden und Lesern des Goldenen Zeitalters, daß auch sie am Weihnachtsabend in stiller Erinnerung der wunderbaren Hoffnungen, die Gottes Vaterliebe der Menschheit in seinem Sohn, unserem Herrn Jesus, machte, erfüllt werden möchten mit einem reichen Maße jener Liebe, die seine Fürsorge atmete, jener Liebe, die das Liebste nicht verschonte, um der Menschheit Gutes zu tun. Liebe und Wohlwollen und Güte und Freundlichkeit können gedeihen in reichem Maße in allen Wohnungen derer, die die stille Predigt jenes kleinen eiseskalter Erde entnommenen Bäumchens hören; es predigt, daß nahe ist: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ Seine Predigt heißt:

„Gesegnete“ Weihnachten.

Das Goldene Zeitalter, 15. Dezember 1924