Netzwerk Sektenausstieg e.V.

(Disposition für einen Programmpunkt der Dienstzusammenkunft in der Woche vom 24. Februar 2003)

Hinweis für den Redner:

Der folgende Stoff ist größtenteils aus der dreiseitigen "Anleitung zum Ausfüllen unserer drei Dokumente zur medizinischen Versorgung" entnommen. Die meisten in kursiv aufgeführten Abschnitte dieser Disposition sind Auszüge aus dieser Anleitung und sollten der Zuhörerschaft im Rahmen der Betrachtung des Stoffes vorgelesen werden.

Einleitung:

Gottes Wort lehrt uns, dass Blut in den Augen unseres Gottes und Lebengebers als etwas Heiliges betrachtet wird. Er unterweist sein Volk, sich 'von Blut zu enthalten', was auch die Verweigerung von Bluttransfusionen einschließt (Psalm 36:9; Apostelgeschichte 15:28, 29). "Der treue und verständige Sklave unterstützt uns hervorragend, damit wir Gottes Gesetz über Blut befolgen können" (Matthäus 24:45‑47).

Ein Hauptmerkmal dieses Programmpunkts besteht darin, uns mit den hilfreichen Anweisungen besser vertraut zu machen, um drei wichtige Dokumente auszufüllen und zu verwenden. Im ersten Abschnitt der Anleitung heißt es:

Die Religionsgemeinschaft stellt drei Dokumente zur medizinischen Versorgung zur Verfügung, die dich (und deine Kinder) vorsorglich vor einer unerwünschten Bluttransfusion schützen: das Dokument zur ärztlichen Versorgung, den Ausweis und die Ergänzende Patientenverfügung und Vollmacht mit Betreuungsverfügung. Jedes Dokument dient einem bestimmten Zweck.

Durch eine Betrachtung einiger Hauptabschnitte der Anleitung werden wir besser ausgerüstet, Gottes Gebot in Bezug auf Blut zu gehorchen und unsere Haltung bezüglich medizinischer Versorgung klar und verständlich darlegen zu können.

Lasst uns jeden dieser Abschnitte im Einzelnen betrachten, so wie sie in der Anleitung erscheinen.

Dieses Dokument ist dafür vorgesehen, in einer Notsituation deinen Willen zum Ausdruck zu bringen, insbesondere wenn du nicht in der Lage sein solltest, für dich selbst zu sprechen. Es erklärt eindeutig deine Ablehnung von Vollblut oder irgendeinem der Hauptbestandteile des Blutes (rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplättchen oder Blutplasma). Es enthält eine Haftungsbefreiung und ein Feld um diejenigen zu benennen, die im Notfall zu verständigen sind.

Falls gewünscht, kann sich der Verkündiger an den Buchstudienaufseher wenden, der bei weiteren Fragen in Verbindung mit dem Ausfüllen des Dokuments behilflich sein könnte. Es empfiehlt sich, die Unterschrift zur Beglaubigung erst vor einem Notar oder einer zuständigen Behörde zu leisten, um die Echtheit der Unterschrift nachweisen zu können.

AUSWEIS

Dieses Dokument bringt zum Ausdruck, dass es sich um ungetaufte minderjährige Kinder von Zeugen Jehovas handelt. Es enthält Informationen über Kontaktaufnahme zu den Eltern und erklärt auf verständliche Weise deine Wahl fremdblutfreier medizinischer Behandlungsmethoden für deine Kinder. Dein Kind sollte den Ausweis immer bei sich tragen.

Zusätzlich zum Ausweis sollten christliche Jugendliche in der Lage sein, deutlich und bestimmt ihre ernsthafte religiös begründete Ablehnung von Fremdblut erklären zu können. Eltern können mit ihren Kindern proben, um ihnen zu helfen, ihre persönliche Überzeugung darzulegen. (Siehe Wachtturm vom 15. Juni 1991, Seite 18.) Ermuntere die Familien, in ihrem nächsten Familienstudium die Erklärungen aus dem Studienartikel "Gemäß der Unterweisung Jehovas wandeln" im Wachtturm vom 15. Juni 1991, Seite 13 zu betrachten. Behandelt auch kurz die Beilage Unseres Königreichsdienstes für September 1992, "Unsere Kinder vor einer Bluttransfusion schützen", Absatz 5 und 6.*

* Jede Versammlung sollte Exemplare dieser nachgedruckten Beilage vorrätig haben. Der Sekretär sollte sicherstellen, dass ein Exemplar für diejenigen erhältlich ist, die nach der Zusammenkunft darum bitten.

In Abschnitt 5 heißt es auszugsweise:

Tatsächlich werden nur sehr wenige Ärzte bei der Behandlung eines Kindes die feste Zusage geben, unter keinen Umständen Blut zu verwenden. Aus medizinischen und rechtlichen Gründen glauben die meisten Ärzte fälschlicherweise, eine solche Garantie nicht geben zu dür­fen. Dennoch sind immer mehr Ärzte bereit, sich der Kinder von Zeugen Jehovas anzunehmen und dabei so weit zu gehen, wie es ihrer Ansicht nach möglich ist, unsere Wünsche in Bezug auf Blut zu respektieren."

Besprecht, wie Eltern und Ärzte zusammenarbeiten können, so wie dies in der Beilage Unseres Königreichsdienstes für September 1992, Absatz 6 und 7 erklärt wird.

ERGÄNZENDE PATIENTENVERFÜGUNG UND VOLLMACHT MIT BETREUUNGSVERFÜGUNG

Weitere Exemplare der Vollmacht werden nach der Zusammenkunft auf Wunsch an getaufte Verkün­diger ausgehändigt.

Diese Patientenverfügung und Vollmacht wurde konzipiert, um zwei Funktionen zu erfüllen.

Erstens ermöglicht dir diese Vollmacht die schriftliche Festlegung deiner spezifischen Behandlungsanweisun­gen über Blut, Blutfraktionen und den Gebrauch von Eigenblut sowie Entscheidungen über lebensverlängern­de Maßnahmen, falls keine Hoffnung auf Besserung deines lebensbedrohlichen Zustandes bestehen sollte. Es können weitere Behandlungsanweisungen niedergeschrieben werden. Deine Vollmacht wird sofort wirk­sam, und sie dient auch deinem Arzt als Hilfe bei der Vorbereitung einer Behandlung.

Zweitens ermöglicht dir die Vollmacht die Bevollmächtigung einer oder mehrerer Personen, die Entscheidun­gen in gesundheitlichen Fragen für dich treffen können, für die du keine genauen Anweisungen festgelegt hast, und du nicht in der Lage bist, dies selbst zu tun.

Solltest du sowohl das Dokument zur ärztlichen Versorgung als auch die Vollmacht ausfüllen?

Das ist der beste Schutz gegen eine unerwünschte Bluttransfusion.

Falls dein Dokument nicht auffindbar sein sollte, kann die Vollmacht an dessen Stelle treten, weil darin auf dein ausgefülltes Dokument Bezug genommen wird. So kann sich der Bevollmächtigte darauf berufen.

Warum ist es weise, im Dokument den Namen des Bevollmächtigten als Kontaktperson für Notfälle im dafür vorgesehenen Feld einzutragen?

Es ist wichtig, im Dokument unter "im Notfall verständigen Sie bitte" den Namen des Bevollmächtigten und unter "Oder verständigen Sie" den Namen des Ersatzbevollmächtigten einzutragen, um deutlich zu machen, dass du eine Vollmacht ausgestellt und einen Bevollmächtigten benannt hast. Dies ist bestimmt sinnvoll, da er auch gleichzeitig als Kontaktperson fir Notfälle benannt ist.

Falls sich deine Wahl eines Bevollmächtigten von der unterscheidet, die du vorher als Kontaktperson für Notfälle auf deinem Dokument angegeben hast, solltest du ein neues Dokument ausfüllen.

Sollte die Vollmacht nur von Personen ausgefüllt werden, denen eine Behandlung im Krankenhaus bevorsteht?

Nein. In den meisten Fällen wäre es unklug mit der Erstellung einer Vollmacht zu warten, bis ein Kranken­hausaufenthalt nötig ist. Keiner kann eine Notfallsituation voraussehen, weshalb es umso wichtiger ist, vor­beugend eine Vollmacht auszufüllen (Prediger 9.11; Sprüche 22.3).

GEWISSENSENTSCHEIDUNGEN

Akzeptieren Jehovas Zeugen irgendwelche medizinischen Produkte, die aus Blut gewonnen werden?

Wir glauben, dass das biblische Gebot, sich 'des Blutes zu enthalten' eine Transfusion von Vollblut oder dessen Hauptbestandteilen (rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Blutplättchen und Plasma) ein­schließt (Apostelgeschichte 15.28, 29). Was Fraktionen aus einem dieser Hauptbestandteile anbelangt, muss jeder einzelne Christ unter Berücksichtigung wichtiger biblischer Grundsätze und seines persönli­chen Verhältnisses zu Jehova eine eigene Gewissensentscheidung treffen. (Siehe Wachtturm vom 15. Juni 2000, Seite 29 bis 31.)

Wie ist ein Zeuge Jehovas zu medizinischen Verfahren eingestellt, bei denen Eigenblut verwendet wird?

Statt ausschließlich auf der Grundlage persönlicher Vorlieben oder medizinischer Empfehlungen zu ent­scheiden, wird jeder Christ ernstlich untersuchen, was die Bibel sagt. Jehovas Zeugen spenden kein Blut und lassen auch ihr Blut, das 'ausgegossen' werden sollte, nicht für eine spätere Transfusion lagern. An­dere Verfahren oder Untersuchungsmethoden, bei denen das Eigenblut eine Rolle spielt, stehen nicht so deutlich im Widerspruch zu den ausdrücklichen Grundsätzen Gottes. Ein Christ muss daher gemäß dem, was sein Gewissen zulässt, selbst entscheiden, wie sein eigenes Blut im Verlauf eines chirurgischen Ein­griffs, eines medizinischen Untersuchungsverfahrens oder einer gängigen Therapie verwendet werden soll.

Wachtturm vom 15. Oktober 2000, Seite 30, 31.

Ermuntere alle Anwesenden, den Stoff der beiden zuvor erwähnten Wachtturm‑Artikel sorgfältig zu studieren, bevor sie ihr Dokument beziehungsweise ihre Vollmacht ausfüllen.

BESTELLUNG EINES ODER MEHRERER BEVOLLMÄCHTIGTER

Welche Rolle spielt der Bevollmächtigte?

Der Bevollmächtigte wird deine Behandlungsentscheidungen übermitteln und durchsetzen, wenn du nicht in der Lage bist, dies selbst zu tun. ... Wenn ... du im Koma liegst und der Arzt wissen möch­te, welche Behandlung er bei dir durchführen soll, wird ‑ wenn deine schriftlichen Anweisungen dies nicht festlegen ‑ dein Bevollmächtigter für dich die Entscheidung treffen.

Wen solltest du zu Bevollmächtigten bestellen?

Grundsätzlich können mehrere Personen als Bevollmächtigte bestellt werden. Falls ein Bevollmächtig­ter nicht erreichbar ist, kann ein anderer Bevollmächtigter tätig werden. Bevollmächtigter sollte jemand sein, dem du vertraust und der dir nahe steht, ‑ jemand der deine persönlichen Glaubensansich­ten und Wertvorstellungen versteht, wie zum Beispiel ein naher Familienangehöriger oder ein guter Freund. Er sollte volljährig (18. Lebensjahr vollendet) und geschäftsfähig sein. Bevor du einen Bevoll­mächtigten bestellst, frage dich selbst. (1) Kann ich darauf vertrauen, dass er Entscheidungen in Über­einstimmung mit meinem Glauben und meinen Wertvorstellungen als wahrer Christ treffen wird, wenn Fragen über meine Behandlung entstehen, die nicht durch die Anweisungen in meiner Vollmacht bekannt gemacht werden? (2) Ist er in der Lage, Schritte zu unternehmen, damit meine Wünsche respektiert werden, wenn jemand meine schriftlichen Anweisungen anzweifelt? Wie würde er reagieren, wenn in einem Krankenhaus oder bei einer Gerichtsverhandlung meine Anweisungen infrage gestellt wer­den?

Es ist jedenfalls am besten, wenn deine Bevollmächtigten Zeugen Jehovas sind. Schwestern können eben­falls als Bevollmächtigte benannt werden.

Ehepartner oder Angehörige, die keine Zeugen Jehovas sind, mögen in einem medizinischen Not­fall deine Entscheidung für eine fremdblutfreie medizinische Behandlung nicht befürworten.

VORBEREITUNG DER VOLLMACHT

Erkläre, wie die Ältesten beim Ausfüllen der Vollmacht behilflich sein können:

sie können Älteren oder denen, die sich der Wichtigkeit der Vollmacht nicht bewusst sind, freundlich ihre Hilfe anbieten;

jeder in der Versammlung mag sich frei fühlen, die Ältesten anzusprechen;

jeder Einzelne muss seine eigenen Entscheidungen über seine Vollmacht und die darin enthaltenen Be­handlungsanweisungen treffen.

NACH DEM AUSFÜLLEN DER VOLLMACHT

Wer sollte Exemplare der ausgefüllten Vollmacht erhalten?

Gib je zwei Originale jedem deiner Bevollmächtigten. Wenn du es als sinnvoll erachtest, gib eine Kopie an deinen Hausarzt (bitte ihn, sie zu einem Teil deiner Patientenkartei zu machen) und an andere Familien­mitglieder oder enge Freunde, soweit diese nicht selbst bevollmächtigt sind. Es mag auch gut sein, eine Ko­pie in das Handschuhfach deines Autos zu legen. Wenn du in ein Krankenhaus eingeliefert wirst, ist es gut, eine Kopie deines Formulars zu den Krankenakten legen zu lassen.

Erkläre, warum der Verkündiger seine Anweisungen und die Bestellung von Bevollmächtigten mit sei­nem Arzt besprechen sollte.

Je besser dich dein Arzt versteht, umso weniger wahrscheinlich ist es, dass Probleme entstehen werden

AUF WELCHE WEISE KANN DIR DAS KRANKENHAUS‑VERBINDUNGSKOMITEE HELFEN?

Solltest du einen Krankenhausaufenthalt und eine damit verbundene medizinische Behandlung pla­nen, wäre es gut, frühzeitig die Ältesten davon zu unterrichten. Auf diese Weise können sie je nach Bedarf um Unterstützung durch das KVK bitten.

Wann sollten die Ältesten mit dem Krankenhaus‑Verbindungskomitee Kontakt aufnehmen?

Es ist weise, vom KVK im Voraus Hinweise auf kooperative Ärzte für jemanden einzuholen, der sich einer größeren Operation oder einer ernsten medizinischen Behandlung unterziehen muss, insbeson­dere wenn es sich um ältere Patienten, um Kinder oder Schwangere handelt. Auf diese Weise kann der Patient dazu beitragen, Komplikationen und mögliche Konfrontationen zu vermeiden. Außerdem wäre es angebracht, das KVK unverzüglich einzuschalten, wenn eine Bluttransfusion oder eine ge­richtliche Anordnung angedroht wird.

Ergänzend hieß es in einem Brief an alle Ältestenschaften vom 15. September 1995:

Die Vorkehrung der Krankenhaus‑Verbindungskomitees ist nur für getaufte und ungetaufte Verkündiger so­wie für ihre Kinder bestimmt.

Schluss: Damit unsere persönlichen Wünsche in dieser Angelegenheit respektiert werden, sollten wir Weis­heit und Voraussicht bekunden, indem wir von den Formularen Gebrauch machen und indem wir durch das Quellenmaterial, das dieser Betrachtung zugrunde liegt, unsere Überzeugung vertiefen. Auf diese Wei­se wird uns geholfen, Gottes Gesetz über Blut zu befolgen (Sprüche 9:9).