Netzwerk Sektenausstieg e.V.

Kommentar zu dem Urteil
Eine interessante Begründung, die eigentliche jedem Zeugen Jehovas die Augen öffnen müßte. Hatte man ihm nicht bisher immer beigebracht, er und "Jehovas Organisation" seien "kein Teil der Welt"?

Hatte man ihm nicht die Beteiligung an Wahlen aus gerade diesem Grund verboten? Und hatte man nicht immer die "falsche Religion" (also alle anderen Religionsgemeinschaften) dafür verurteilt, daß sie mit den politischen System dieser Welt gemeinsame Sache mache? Trotzdem sucht die WTG ganz unverblümt die Nähe dieses Staates, um mit ihm zusammenzuarbeiten und als Körperschaft des öffentlichen Rechts ein Teil von ihm werden.

Es ist letztendlich auch der aktiven Informationsarbeit von InfoLink zu verdanken, daß der Senat von Berlin dieses Mal sehr gut vorbereitet in den Prozeß gehen konnte. Wir haben lange Telefongespräche geführt und paketeweise Beweismaterial nach Berlin geschickt, aus dem zweifelsfrei hervorgeht, wie es hinter der freundlich sauberen Fassade der Wachtturm Gesellschaft wirklich aussieht.

Es ist geradezu ein Hohn, wenn eine durch und durch totalitär strukturierte Glaubensgemeinschaft, wie die Zeugen Jehovas, den Anspruch erhebt, integrierter Bestandteil eines demokratischen Staates zu werden. Eine Gemeinschaft, die weder Diskussionen noch kritische Auseinandersetzungen kennt. Eine Religion, deren Gläubige nocht nicht einmal das Recht haben, vollwertige Mitglieder ihrer eigenen Versammlung zu werden. Ein Verlag, in dem Menschen jahrzehntelang für ein Taschengeld arbeiten, um dann im Alter noch nicht einmal eine Rente zum Leben haben. Ein multinationaler Konzern, der Jahr für Jahr über eine Milliarde Umsatz macht und nicht einen Pfennig für den Staat übrig hat, von dessen sozialer, rechtlicher und wirtschaftlicher Infrastruktur er profitiert.

Die Zeugen Jehovas haben angekündigt, bis vor das Bundesverfassungsgericht zu gehen, um das durchzusetzen, das sie als ihr Recht ansehen. Wer sie kennt, weiß, daß sie das durchaus ernst meinen. Und wer ihre Motive kennt, weiß auch, daß sie durchaus kompromißbereit sind, um ihre Ziele zu erreichen.

Die allmähliche Auflösung ihrer Endzeitprophezeihungen ist ein deutliches Anzeichen für eine religiöse Neuorientierung der Wachtturm Gesellschaft. Das "neue Licht" zum Thema Wehrersatzdienst ist vielleicht nur ein erstes Beispiel für die zunehmende Abkehr von radikalen Positionen. Wer weiß, vielleicht können die Zeugen jehovas schon bald in ihrem Wachtturm lesen, daß Bluttransfusionen ja eigentlich schon immer eine Gewissensfrage waren. Und vielleicht gehen sie schon in absehbarer Zeit ganz selbstverständlich zur Wahl, weil je eigentlich nirgends in der Bibel steht, das man das nicht dürfe.