Netzwerk Sektenausstieg e.V.

Gordon B. Hinckley, der derzeitige Prophet und Präsident der Kirche, hat die Mitglieder aufgefordert, die Zahl der Anwesenden in vier Jahren zu verdoppeln.

Die Mitglieder werden die Hände über der Kopf zusammenschlagen, wenn sie das schon wieder hören angesichts der offensichtlichen Unerfüllbarkeit. Dennoch fühlt sich jedes gute Mitglied hier verpflichtet, denn der Prophet hat ja gesprochen.

Rechnen wir doch einmal großzügig: Von den fast 10 Millionen Mitgliedern sind bestenfalls 3 Millionen aktiv, so müssen höchstens weitere 3 Millionen hinzukommen. Jedes Jahr werden ungefähr 300.000 Mitglieder neu getauft, das wären etwa 1,4 Millionen in 4 Jahren. Das bedeutet eine benötigte Reaktivierung von 1,6 Millionen Mitgliedern in 4 Jahren - was sehr unwahrscheinlich ist - oder eine Bekehrungssteigerung um etwa 110% bei 100%iger oder um mehr als 750% bei bisheriger Aktivität der neugetauften Mitglieder. Da kann man die Reaktion der Mitglieder sehr gut verstehen. Dabei müßten sie laut Kirchenführung nur ein bißchen Glauben haben und Gott würde es möglich machen.

Da ein derartiges Ziel beim besten Willen in kaum einer Region der Welt erreicht werden kann, stehen damit praktisch alle Mitglieder in der Gewissensschuld, nicht genug zu tun und/oder nicht genug Glauben zu haben. Und das ist nur eine ihrer Verfehlungen, dergleichen gibt es noch reichlich in der Kirche. Die Antwort der Kirche darauf ist immer gleich: Demut entwickeln und mehr für den Herrn arbeiten. Wenn das mal keinen psychologischen Druck auf das einzelne Mitglied ausübt. Denn das überzeugte Mitglied glaubt ja fest, daß der Prophet solche Forderungen nicht stellen würde, wenn sie nicht erfüllbar wären.

Die Ziele der hohen Herren in Salt Lake sind klar: erstens soll die Kirche schneller wachsen, Mitgliederzahlen sind toll und Zehntenzahler sind noch toller; zweitens lassen sich gedemütigte Mitglieder besser lenken; und drittens haben überarbeitete Mitglieder nicht noch Zeit für irgendwelche Mätzchen wie morden, fremdgehen oder kirchenfeindliche Literatur studieren. 750% mehr Neubekehrte oder bessere Arbeit bei der Eingliederung der Neuen in die eigenen Reihen. Gottes Willen wird im hochgebildeten deutschsprachigen Raum wohl einen starken Dämpfer bekommen. Aber da waren ja noch zwei weitere positive Auswirkungen dieser Forderung ...