Netzwerk Sektenausstieg e.V.

Die nachfolgenden Berichte und Erfahrungen sollen Aussteigern dabei helfen, ihre eigene Situation besser einzuordnen. Außerdem erlauben sie auch Außenstehenden und „Interessierten“ einen realistischen Einblick in die Denkwelt, die im Inneren der Sekte herrscht. Wer einen Beitrag für diese Rubrik hat, ist herzlich eingeladen, ihn uns zukommen zu lassen.

Was zu meinem Ausstieg von Jehovas Zeugen führte.

Ich, Prüter Klaus, bin Jahrgang 1934 und nach 29 Jahren Beteiligung am Leben der Zeugen Jehovas 1979 dort ausgestiegen weil ich mich nicht in deren Schablone pressen lassen wollte, denn ich habe selbständiges Denken nie ganz aufgegeben.

Ich wurde am 5.9.1972 in Slavonski Brod (heutiges Kroatien) geboren. Mein Vater, Blazan, wuchs in den schweren Nachkriegsjahren in einer Großfamilie auf und wollte Priester werden.

Tatsächlich war er über ein Jahr in einem katholischen Kloster. Meine Mutter, Marica, war eine von vier Kindern und liebte meinen Vater nicht. Doch als ich unterwegs war, mussten sie heiraten. Meine Mutter war nach meiner Geburt von ihren natürlichen Gefühlen so sehr abgeschnitten, dass sie mich einfach weggab, um meinem Vater in das reiche Deutschland zu folgen. Ich wuchs also bei meiner Großmutter auf. Das sollte eine schöne Zeit werden.

Jehovas Zeugen beanspruchen demnächst eine Körperschaft des öffentlichen Rechts zu werden. Aber wie steht es mit den unveräußerlichen Menschenrechten? Ist bei ihnen die Würde des Menschen wirklich unantastbar?

Meine ausgeschlossene Ehefrau wollte reumütig zurückkehren, weil sie meinten nur bei den Zeugen gäbe es "gute Menschen"; die Weltmenschen sind ja so schlecht! Wurde sie etwa aufgenommen wie der ‘verlorene Sohn’?

Es war im Spätsommer 2003 und ich ging mit meiner Ehefrau Helga am Krupunder See spazieren. Es waren wenige Spaziergänger unterwegs. Wir setzten uns am Ufer des Sees auf den Rasen. Ich holte, meinem Brauch gemäß, meine Mundharmonika aus der Tasche und begann Volkslieder zu spielen.