Netzwerk Sektenausstieg e.V.

Die nachfolgenden Berichte und Erfahrungen sollen Aussteigern dabei helfen, ihre eigene Situation besser einzuordnen. Außerdem erlauben sie auch Außenstehenden und „Interessierten“ einen realistischen Einblick in die Denkwelt, die im Inneren der Sekte herrscht. Wer einen Beitrag für diese Rubrik hat, ist herzlich eingeladen, ihn uns zukommen zu lassen.

Mein Band zur Gesellschaft zu zerschneiden, war eher ein Prozeß als ein einmaliges Ereignis. 1987 hörte ich auf, die Zusammenkünfte zu besuchen, aber ich war nicht in der Lage, mich ohne Hilfe völlig von den Auswirkungen einer lebenslangen geistlichen und geistigen Sklaverei zu befreien.

Der Gedanke, für immer in einer künstlich gesüßten Gesellschaft programmierter Drohnen zu leben, erfüllte mich mit Furcht, und doch war ich seit meiner Kindheit überzeugt gewesen, daß das DIE WAHRHEIT war.

Ich war eine Zeugin in der dritten Generation und verbrachte die ersten 30 Jahre meines Lebens in der Organisation. Die Eltern meines Vaters bekehrten sich in den 30er Jahren, kurz nachdem ihre 13-jährige Tochter starb.

Die Auferstehungshoffnung hielt sie aufrecht; offensichtlich sah die Person, die bei ihnen an der Tür stand, ihr Leid und benutzte das Auferstehungs-Buch, um sie zu erreichen.

Enttäuscht von den beiden konfessionellen Kirchen haben meine Frau und ich uns im Alter von ca. 20 Jahren auf der "Suche" nach der "wahren Religion"gemacht. Auch die Gespräche und diverse Erfahrungen mit Gläubigen anderer Konfessionen waren nicht gerade das, was wir uns unter "Religion"vorstellten.

Wahrscheinlich waren es nicht ganz 180 Tage. Es ist aber trotzdem so etwas wie eine Weltreise, oder wie wenn man die Erde ohne Ziel und mit ungewissen Aussichten verlässt.