Netzwerk Sektenausstieg e.V.

Die nachfolgenden Berichte und Erfahrungen sollen Aussteigern dabei helfen, ihre eigene Situation besser einzuordnen. Außerdem erlauben sie auch Außenstehenden und „Interessierten“ einen realistischen Einblick in die Denkwelt, die im Inneren der Sekte herrscht. Wer einen Beitrag für diese Rubrik hat, ist herzlich eingeladen, ihn uns zukommen zu lassen.

Um es vorwegzunehmen, dies soll kein Rachefeldzug gegen die Zeugen Jehovas werden sondern dem Leser einen Einblick in das System dieser „Wachtturmgesellschaft“ geben, einen Einblick in eine (nach außen) gut funktionierende Organisation, deren schneeweiße Fassade geradezu unantastbar scheint.

Alles, was ich hier zu Papier bringe entspricht der vollen, selbstredend subjektiven Wahrheit. Es geht hier um Vergangenheitsbewältigung und nicht um Verunglimpfung, Verleumdung oder Rache.

Bis circa zu meinem 10. Lebensjahr fehlen mir Erinnerungen, Bilder und Details, wahrscheinlich nicht ohne Grund. Erinnerungsblitze, Fetzen und einzelne Sequenzen, was diese „Löcher" anbelangt kommen manchmal an die Oberfläche, denn der Körper vergisst nie.

Das Internet spielte eine wichtige Rolle auf der letzten Etappe meiner Reise von den Zeugen weg. Ich sage deshalb "Reise", weil es fast 27 Jahre von der Zeit an brauchte, als ich die ersten schweren Zweifel hatte, bis zu dem Punkt, wo ich "Genug" sagte.

Eine Menge Leute, die ich im Internet angetroffen habe, haben die Wachtturm-Gesellschaft verlassen, weil sie in verschiedenen Lehrpunkten anderer Meinung waren. Meine Geschichte ist mehr persönlich.

Ich ging aufgrund meiner Erfahrungen als jemand, der in der Wahrheit aufgewachsen war und meiner Erfahrungen als Erwachsene.