Netzwerk Sektenausstieg e.V.

Die nachfolgenden Berichte und Erfahrungen sollen Aussteigern dabei helfen, ihre eigene Situation besser einzuordnen. Außerdem erlauben sie auch Außenstehenden und „Interessierten“ einen realistischen Einblick in die Denkwelt, die im Inneren der Sekte herrscht. Wer einen Beitrag für diese Rubrik hat, ist herzlich eingeladen, ihn uns zukommen zu lassen.

Ich traue mich eigentlich nicht wirklich, meine Geschichte hier zu posten. Aber anlässlich meines 10-jährigen Jubiläums als Nicht-mehr-Eingeschlossene, habe ich mir genau das vorgenommen. Also wage ich's:

Ich wuchs im Nord-Osten Deutschlands als einzige Tochter eines atheistisch-humanistisch gebildeten Vaters und einer sehr liebevollen, emanzipierten Mutter auf. Ich war gut in der Schule und eher ein einzelgängerisches Wesen und als Teenager schon irgendwie auf der Suche nach dem sprichwörtlichen Sinn des Lebens. Ich schmökerte ab und zu in der Bibel rum, und sympathisierte mit einigen nicht-christlichen Religionen. Allerdings nicht sehr ernsthaft. Ich war einfach neugierig und wohl auch sehr naiv...

Nachdem Herr Galeski im Rahmen seines Erfahrungsberichtes eine Menge grundsätzlicher Dinge besprochen hat, möchte ich Sie nun noch auf zwei weitere Aspekte aufmerksam machen, die den Ausstieg so schwierig gestalten.

  1. Aufhören heißt nicht aussteigen
  2. Aussteigen ohne aufzuhören

Vortrag, der anlässlich der Fachtagung Seelennot und Seelenriss der Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus e. V. (EI) und der ADK-Bayerische Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Kreise e.V. in Regenstauf gehalten wurde.

Hallo,

ich wurde 1980, als älteste Tochter, in eine Zeugen Jehovas Familie geboren, außer mir gab es noch zwei Geschwister.

Meine Großeltern lebten im selben Ort wie wir. Mein Großvater ist Ende der 60er Jahre in ein Hilfe-Not Gebiet gezogen und war nun in dieser Versammlung Vorsitz führender Aufseher. Er hatte kurz vor 1975 sein gesamtes Hab und Gut verkauft, das Haus und seine Lebensversicherung, und hat alles der Organisation gespendet. Danach musste er bis zu seinem Tod in seinem eigenen Haus Miete zahlen.