Netzwerk Sektenausstieg e.V.

Die nachfolgenden Berichte und Erfahrungen sollen Aussteigern dabei helfen, ihre eigene Situation besser einzuordnen. Außerdem erlauben sie auch Außenstehenden und „Interessierten“ einen realistischen Einblick in die Denkwelt, die im Inneren der Sekte herrscht. Wer einen Beitrag für diese Rubrik hat, ist herzlich eingeladen, ihn uns zukommen zu lassen.

Ich habe meine Mutter öfter gefragt, was sie und meinen Vater bewogen hat, Zeugen Jehovas zu werden. Mit meinem Vater habe ich nie darüber gesprochen. Aber meine Mutter hat oft und gerne erzählt – von früher, von den Großeltern, von ihrer Kinderzeit, von den Verwandten und Freunden, auch von der Hitlerzeit und dem Krieg. Sie hat oft erwähnt, wie enttäuscht sie waren – von den Großkirchen, von den Versprechungen der Politiker und dass ihnen kein Pfarrer ihre vielen Fragen zufrieden stellend beantworten konnte.

Zuerst möchte ich mich einfach mal vorstellen. Ich bin heute 38 Jahre alt, seit 15 Jahren verheiratet und habe drei Kinder im Alter von 11, 13 und 14. Seit 17 Jahren bin ich eine Ex-Zeugin Jehovas.

Hallo zusammen,

meine Eltern erzogen mich nach bestem Wissen und Gewissen. Ich bin ihnen dafür dankbar. Bis zu meinem 19. Lebensjahr war ich der "brave, kleine Bub" - gehorsam, zurückhaltend und loyal.

Es begann im Jahre 1991. Ein Zeuge Jehovas stand an der Türe und brachte mir das Paradiesbuch. Ich war begeistert, weil ich schon immer mal Gott und die Bibel kennen lernen wollte, da ich atheistisch aufgewachsen war. Ich hatte schon so viel Leid erlebt und ich fragte mich, wo Gott wohl ist und ob er an mir interessiert ist.