Netzwerk Sektenausstieg e.V.

Die nachfolgenden Berichte und Erfahrungen sollen Aussteigern dabei helfen, ihre eigene Situation besser einzuordnen. Außerdem erlauben sie auch Außenstehenden und „Interessierten“ einen realistischen Einblick in die Denkwelt, die im Inneren der Sekte herrscht. Wer einen Beitrag für diese Rubrik hat, ist herzlich eingeladen, ihn uns zukommen zu lassen.

Ich heile die Wunden, sagt die Zeit.
Ich glaub ihr nicht, geduldig wartet sie
und schlägt dann zu
und bringt ihn immer wieder
den neuen alten Schmerz.Beate Palfrader

Ja, dieser Spruch spiegelt mein Leben wieder.

Denn ich bin schon seit 35 Jahren von den Smiths Freunden ausgetreten und habe erst jetzt meine Demütigungen und tiefen Verletzungen aufgearbeitet. Ungefähr 12 Jahre war ich als Kind und Jugendliche bei den Smiths Freunden. Bis jetzt habe ich keinen Kontakt zu anderen Aussteigern gehabt, darum war ich mit meinen Problemen, Ängsten und Sorgen ganz allein. Ich wollte keine Schwäche zeigen, denn es wurde mir ja vorausgesagt, dass es mir in der Welt schlecht gehen wird. Mein Stolz war zu gross um jemanden mein Leid zu erzählen.

Damals, es war im Jahr 1968 und ich war sieben Jahre alt, hatten meine Eltern zum ersten Mal Kontakt zu Zeugen Jehovas.

Seinerzeit besuchte uns einmal wöchentlich abends ein älteres Ehepaar, mit dem meine Eltern die Bibel studierten. Wir Kinder, mein zwei Jahre älterer Bruder, meine damals zwei jüngeren Geschwister und ich wurden zu Bett gebracht. Einmal wurde ich kurz darauf wieder wach und schlich mich leise an die Wohnzimmertür. Drinnen wurde gerade „studiert“. Ich sah das Ehepaar L. damals zum ersten Mal, verstand aber nichts davon, was da gerade geredet wurde.

Die folgende Niederschrift wird es guten und bösen Menschen leicht machen, mich zu identifizieren.

Um rechtliche Scherereien, wie Abmahnungen oder gerichtliche Auseinandersetzungen auszuschließen, erkläre ich hiermit, daß im Folgenden keine gerichtlich verwertbaren Tatsachenbehauptungen gemacht werden. Bei der folgenden Niederschrift handelt es sich um die Erinnerungen eines 74-jährigen Mannes an sein bisheriges Leben und eine Darstellung seiner gegenwärtigen Befindlichkeit.

Ich bin durch Zufall (über einen Link auf der Diskussionsseite der Wikipedia zu Zeugen Jehovas) auf diese Webseite gestoßen. Nachdem mir die Berichterstattung auf der Webseite sehr einseitig vorkam, beschloss ich, mich mal im Forum umzusehen und dachte mir, ich könnte ein paar nützliche Beiträge schreiben und vielleicht einigen Leuten etwas helfen.

Wie jeder Mensch, der schon einmal persönlich mit einer Sache zu tun hatte, habe ich natürlich einen subjektiven Blick auf die Zeugen Jehovas, der auch eher negativ ausfällt (oh Wunder). Es ist aber mein Ziel, in Dualität zu denken und keine negativen, aber auch keine positiven Eigenschaften herunterzuspielen.