Widersprüche und Schwierigkeiten im Buch Mormon

Das Buch Mormon bildet zweifellos das Fundament der mormonischen Kirchen. Kein Wunder, daß es ihr Gründer als das richtigste Buch auf Erden anpries. Doch wird es diesem Anspruch auch gerecht?

Zur Beantwortung dieser Frage wird man meist auf die Verheißung in Moroni 10:3-5 verwiesen. Demnach soll das Gefühl über seine Wahrheit entscheiden. Im Test führt das zu stochastisch verteilten Ergebnissen, die sich also notwendigerweise widersprechen müssen.

Missionare lassen ihre Untersucher die Prozedur so oft wiederholen, bis diese ein gutes Gefühl dabei verspüren und identifizieren dieses dann als den Einfluß des Heiligen Geistes, der von der Wahrheit des Buches kündet. Obwohl diese Methode sehr lange dauern kann und die Verlustrate an Untersuchern nicht marginal ist, so verspricht sie doch größeren Erfolg als der Versuch, das Buch durch Fakten überzeugen zu lassen. Das überrascht besonders, weil es sich doch gerade die Wahrheit auf die Fahne schreibt.

Um die Wahrheit zu identifizieren legen wir einmal unsere vergänglichen Gefühle beiseite und lassen die klarere Sprache der Fakten sprechen:

Er zog in die Wildnis; zurück ließ, er sein Haus und das Land seines Erbteils, sein Gold, sein Silber und seine Kostbarkeiten; er nahm nichts mit als nur seine Familie sowie Vorräte und Zelte, und er zog in die Wildnis. Und er kam hinab in die Gegend am Gestade des Roten Meeres; er zog in die Wildnis in die Gegend, die ganz nahe am Roten Meer liegt; in die Wildnis zog er mit seiner Familie, die sich aus meiner Mutter Saria und meinen ältesten Brüdern, nämlich Laman, Lemuel und Sam, zusammensetzte. Und es begab sich: Als er drei Tage lang durch die Wildnis gezogen war, baute er sein Zelt in einem Tal auf, nahe an einem Wasserlauf. (1. Nephi 2:4-6)

Die Entfernung von Jerusalem zum nächstgelegenen Punkt des Roten Meeres beträgt etwa 250 km Luftlinie, darüber hinaus werden auf der gesamten Reise keine Last- oder Reittiere erwähnt, so daß die Gruppe wahrscheinlich zu Fuß unterwegs war. Doch selbst reitend wäre die Entfernung nur schwer in drei Tagen zu bewältigen.

Nephi schildert eine Vision:
Und es begab sich: Ich schaute und sah die große Stadt Jerusalem uns auch andere Städte. Ich erblickte die Stadt Nazaret, und in der Stadt Nazaret erblickte ich eine Jungfrau, die war überaus schön und weiß. (1. Nephi 11:13)

Hieraus ergeben sich zwei Probleme: Erstens paßt ’überaus weiß‘ nicht zum jüdischen Hauttyp. Zweitens fragt man sich, warum Nephi, der von dort stammte und den Hauttyp kannte und selbst hatte, diese Hautfarbe besonders erwähnen sollte.
Und ich lehrte mein Volk, Gebäude zu errichten und allerart Holz zu bearbeiten, ebenso Eisen und Kupfer und Messing und Stahl und Gold und Silber und kostbares Erz, die alle überreichlich vorhanden waren.

Und ich, Nephi, baute einen Tempel; und errichtete ihn ganz nach dem Muster des Tempels Salomos, außer daß er nicht aus so vielen Kostbarkeiten erbaut war; denn diese waren in dem Land nicht zu finden, und darum konnte er nicht so ausgeführt werden, wie der Tempel Salomos. (2. Nephi 5:15,16)

Der Tempel Salomos war ein gewaltiges Bauwerk, für das das Volk Israel erhebliche Mittel aufbrachte. Auch die Zahl der Bauleute war nicht unerheblich. „Du hast Handwerker in großer Anzahl, Steinmetzen, Maurer, Zimmerleute und zahllose Künstler, die jede Arbeit in Gold, Silber, Bronze und Eisen ausführen können“ (1 .Chronik 22:15,16). Um einen Eindruck von dieser Anzahl zu bekommen, seien einige Zahlen genannt: 30.000 Fronpflichtige, von denen jeweils 10.000 als Holzfäller beschäftigt waren, 70.000 Lastträger und 80.000 Steinhauer mit 3.600 Aufsehern (siehe 1. Könige 5:27-30).

Neben anderen Arbeitern, auch „die Abteilungen der Priester und Leviten stehen da, zu jeder Dienstleistung im Haus Gottes bereit“ (1.Chronik 28:21). „Die Leviten waren von dreißig Jahren an aufwärts gezählt worden. Ihre Zahl betrug 38.000 Mann“ (1.Chronik 23:3), von denen sicher die Hälfte für den Tempelbau entbehrt werden konnte (siehe Verse 4,5). Mit diesem Arbeitsheer dauerte der Bau des Tempels siebeneinhalb Jahre (siehe Bible Dictionary, LDS Holy Bible, 1989, S.783).

Die Nephiten, „die aus der gegebenen teilweisen Aufzählung (2.Nephi 5:6) etwa die Hälfte der Kolonie gewesen sein muß – die ganze Kolonie konnte damals einhundert Seelen nicht überstiegen haben“ (Roberts: Studies of the Book of Mormon, 1992, S.165), wollen einen ganz gleichen Tempel – mit der einen Ausnahme, daß nicht so viele Kostbarkeiten verwendet wurden: Nephi lebte in Jerusalem, er wußte also, wovon er sprach – in einer Zeit von weniger als 18 Jahren (zw. 588 u. 570 v.Chr.) erbaut haben, obwohl die Zahl der Arbeiter am Ende dieser Zeit 130 unmöglich überschritten haben kann, und trotzdem soll es ihnen in dieser Zeit ’über die Maßen wohl‘ (2.Nephi 5:13) ergangen sein.
...Dem Leser sage ich Lebewohl und hoffe, daß viele meiner Brüder meine Worte lesen mögen. Brüder, adieu. (Jakob 7:27)

Hier haben wir ein französisches Wort, das von einem Hebräer in Amerika im Jahr 421 v.Chr. gebraucht wird. Keine schlechte Leistung, wenn man bedenkt, daß es dem Altfranzösischen (700–1300 n.Chr.) oder dem Mittelfranzösischen (1300–1600 n.Chr.) zugerechnet wird. Im Deutschen wurde das Problem bereinigt.

Omni 13-19: Das Volk Zarahemla, das elf Jahre nach Lehi aus Jerusalem ausgewandert war, soll bis zu seiner Entdeckung durch Mosia 300 Jahre später – B. H. Roberts erlaubt sogar nur 200 bis 250 Jahre (Studies of the Book of Mormon, S.206) – sein gesamtes Wissen von Lesen und Schreiben sowie seinen Gottesglauben verloren und eine Sprache entwickelt haben, die völlig verschieden war, nur weil sie keine Aufzeichnungen mitgebracht hatten; während ihre Anzahl sehr groß und ihre restliche Zvilisation weitgehend erhalten geblieben war. Das erscheint in einer so kurzen Zeit ethnologisch und philologisch extrem unwahrscheinlich.

Mosia 21:28: Der Originaltext liest sich so: „...king Benjamin had a gift from God...” In Mosia 6:5 wurde aber bereits erklärt: „Und König Benjamin lebte noch drei Jahre und starb dann.” Ähnlich ist die Referenz in Ether 4:1, die sich im Original so liest: „...and for this cause did king Benjamin keep them...” Das Problem wurde bereinigt:
Und weiter, meine Brüder, möchte ich eure Gedanken vorwärtslenken auf die Zeit, da der Herr Gott seinen Kindern diese Gebote gegeben hat ... (Alma 13:1)

Alma lenkt hier die Gedanken seiner Zuhörer vorwärts zurück:
Und so sehen wir, daß diese Lamaniten, nachdem sie so weit gebracht worden waren, daß sie die Wahrheit glaubten und erkannten, fest waren und lieber den Tod erleiten wollten als Sünde begehen; und so sehen wir, daß sie ihre Friedenswaffen begruben, ja, sie begruben die Waffen des Krieges um des Friedens willen. (Alma 24:19)

Was ist eine Friedenswaffe? Ist sie materiell, so daß sie begraben werden kann? Kann eine Friedenswaffe das gleiche sein wie eine Kriegswaffe
Auf der anderen Seite aber fiel nur hier und da einer von den Nephiten durch das Schwert und durch Blutverlust, denn sie waren vor den wichtigsten Teilen des Leibes geschützt... (Alma 43:38)

Der biologisch vorbelastete Leser mag sich fragen, wie man sich vor den wichtigsten Teilen seines Körpers schützen kann. Im Deutschen wurde das Problem bereinigt.
Nun, unmittelbar nachdem der Richter ermordet worden war – er war von seinem Bruder mit einem Vermummungsgewand erstochen worden, und dieser geflohen war... (Helaman 9:6)

Wie kann man mit einem Gewand erstochen werden? Im Deutschen wurde das Problem bereinigt.