Die zwei Gesichter der Zeugen Jehovas - Am Beispiel ihrer Haltung zu Kindern Drucken E-Mail
Geschrieben von: Bernd   
Sonntag, den 07. Februar 2010 um 18:57 Uhr
Ianus Münze
Bild: wikipedia

Wer bisher geglaubt hat, Religion sei Privatsache und Eltern sollten ihren Kindern selbstverständlich auch ihre Weltsicht bzw. ihre Glaubensansichten ohne Einmischung des Staates vermitteln, sollte unbedingt noch einmal innehalten und gründlich darüber nachdenken, ob er die ganze Tragweite einer solchen Sicht verstanden hat.

Warum sage ich das?

Weil es leider auch Glaubensansichten gibt, die bei näherer Betrachtung dazu geeignet sind, das Wohl von Kindern zu beeinträchtigen, wenn nicht gar zu schädigen.

Endzeit-Vernichtungsphantastereien gehören nicht in Kinderseelen, und Kinderbücher, in denen eine Bajahung der Vernichtung menschlichen Lebens zu Zwecken einer "Bereinigung der Erde" insinuiert werden soll, sollten nicht unter den Schutz des Grundgesetzes in punkto Religionsfreiheit gestellt werden.

Wenn eine Glaubensgemeinschaft in ihren Schriften darüber schwadroniert, ab welchem Alter ein Kind die "Unterweisung Jehovas" versteht und infolgedessen dafür von Gott verantwortlich gemacht werden kann, ob es am "Tage seines Zornes" auf "seiner Seite" gestanden hat, dann sind hier eindeutig Grenzen des menschlichen Anstandes und einer zum Wohle des Kindes gedachten Nichteinmischung von außen überschritten.

"Was? So etwas sollen die Zeugen Jehovas lehren? Unmöglich!" -
"Das ist doch wieder nichts anderes als die typische Propaganda der Ausgeschlossenen, derer, die doch aus freien Stücken entschieden haben, nicht mehr dieser Gemeinschaft angehören zu wollen." -
"Ist doch klar, dass sie in ihrem Ärger, mit ihren verkehrten Ansichten nicht durchgekommen zu sein, jetzt anfangen, ihre ehemaligen Gefährten mit Dreck der übelsten Sorte zu bewerfen. Aber wir wissen natürlich, dass es nichts als unverschämte Lügen sind, die die Abtrünnigen da verbreiten."

Doch ist das so? Habe ich wieder einmal nichts als pure Verleumdungspropaganda zu bieten?

Nun, werfen wir doch einfach mal einen Blick in das interne Schriftmaterial der Zeugen Jehovas und überprüfen mit eigenen Augen das, was der staunenden Öffentlichkeit gern vorenthalten wird.

Ich zitiere direkt aus der Ausgabe des Wachtturm mit Datum vom 15. Oktober des Jahres 2009.
Man wird es mir sicher nicht verdenken, dass ich das Zitierte mit eigenen Gedanken versehe, denn das, was man hier in etwas merkwürdigem Wachtturm-Deutsch mit seiner spezifischen Kodierung und Umdeutung der Begrifflichkeiten in eigenartigem, zuweilen befremdlichen Duktus zu lesen bekommt, ruft förmlich nach einer Übersetzung und Interpretation in verständlichem Deutsch.

Das Thema des hier zu kommentierenden Artikels lautet:

Der Studierabend der Familie: überlebenswichtig!
Der Wachtturm 15.10.09

Gleich zu Beginn sind hier mehrere Begrifflichkeiten zu klären:
"Studieren" - an anderer Stelle habe ich es schon einmal übersetzt -  in der Wortbedeutung der Wachtturm-Sprache heißt hier nichts anderes als das unhinterfragte, kritiklose Lesen und Verinnerlichen der Schriften der Wachtturm-Gesellschaft.
Damit das so Gelesene auch nicht so leicht in Vergessenheit gerät, gibt es in den wöchentlichen Treffen der Gruppe die Frage-und-Antwort-Spiele, im Zeugen-Jargon: "Wachtturm-Studium" und "Buchstudium", bei denen der sogenannte "Studiumleiter" vom Podium aus die Fragen am unteren Ende jeder Seite der Schriften stellt und die Zuhörer im Saal die Antworten entweder vom Blatt ablesen oder idealerweise aus dem Gedächtnis aufsagen.
In diesem konkreten Fall ist davon die Rede, dass die Familienväter gehalten sind, "die geistige Unterweisung" der Familie, also Frau und Kinder zu übernehmen. Dazu gibt es die Institution des o.g. "Studierabends der Familie", in früheren Zeiten hieß das: "Familienstudium".

Des weiteren ist zu klären, wieso "studieren" überlebenswichtig sein soll.
Im herkömmlichen Sinne studieren die jungen Leute, weil sie

  • den nötigen Grips dazu haben,
  • dadurch ein breites Spektrum an Wissen erwerben, das ihnen
  • bessere Chancen für eine erfolgreiche Zukunft bietet, da sie
  • mit einem solch qualifizierten Bildungsabschluss gute Aussichten auf eine dementsprechend qualifizierte Berufslaufbahn haben, die ihnen
  • ein auskömmliches Einkommen verschafft.

Nun steht also das "Studieren" der Zeugen Jehovas mit Überleben in Zusammenhang. Wie kommt es zu einer solch dramatischen Verbindung zweier ihrem Wesen nach grundverschiedener Begriffe?

Der "Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen", wird furchteinflößend sein! Sehr plastisch beschreibt ihn der Prophet Micha: "Die Berge sollen zerschmelzen, und die Tiefebenen, sie werden sich spalten wie Wachs vor dem Feuer, wie Gewässer, die einen Abhang hinabgegossen werden." (Micha 1, 4) Mit Menschen, die Jehova nicht dienen, wird es schlimm ausgehen, denn die Bibel sagt: "Die von Jehova Erschlagenen werden schließlich an jenem Tag gewiss von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde sein.
Der Wachtturm 15.10.09

Nun mag den Worten der Bibel heutzutage noch glauben, wer will. Wer denn unbedingt glauben will, dass das Ende der Welt dereinst kommt, mag dies für sich persönlich so glauben. Das allein ist nichts Bedrohliches, oder etwas, das ein rasches, beherztes Eingreifen des Staates und seiner Institutionen rechtfertigen würde. Die Religions- sowie die Glaubens- und Gewissensfreiheit genießen nicht von ungefähr Verfassungsrang in unserem Lande.
Problematisch aber wird ein solcher Glaube da, wo er Grundlage und Ausgangspunkt einer Ideologie wird, die solche drastischen Bilder dazu benutzt, ihren Gläubigen den Gehorsam gegenüber den Führern der Gemeinschaft einzuschärfen und abzuverlangen.Schauen wir, wie die Wachtturm-Gesellschaft nun, nachdem sie die "passenden" Bibeltexte zitiert hat, ganz allmählich zur "praktischen Nutzanwendung" übergeht:

Das sind sehr ernste Worte. Und da nicht wenige von uns Kinder haben, die schon in der Lage sind, Zusammenhänge zu begreifen, wäre es wirklich gut, wenn man sich als Familienoberhaupt (auch die vielen Alleinerziehenden) frage würde: Wird mein Kind dieses einschneidende Ereignis überleben? Das wird gemäß der Bibel der Fall sein, wenn es ein enges Verhältnis zu Jehova hat, so wie man es halt von ihm in seinem Alter erwarten kann.
Der Wachtturm 15.10.09

Nicht genug damit, dass dem erwachsenen Gläubigen mit Vernichtungsphantastereien gedroht wird, falls er je auf die Idee kommen sollte, "Jehova zu verlassen", was, wie ich an anderer Stelle bereits ausführte, nichts anderes heißt als die Wachtturm-Gesellschaft zu verlassen. Nein, zusätzlich bringt man hier ganz schleichend unschuldige Kinder ins Spiel, an deren Verderben doch wohl kein vernünftiger, fühlender Erwachsener ein Interesse haben könnte.

Im Klartext:
"Also, Ihr Gläubigen, bleibt schön brav bei der Stange, gehorcht und kommt ja nicht auf die Idee, euren Glauben aufzugeben. Ihr wisst ja, was euch dann blüht: Eure Vernichtung und die Vernichtung eurer Kinder. Wollt ihr das? Also. Dann hütet euch vor abweichenden Gedanken oder selbständigem eigenmächtigen Handeln!
Ach und wo wir schon mal dabei sind: Am besten, ihr verschwendet nicht allzu viele Emotionen, und menschliche Bindungen an eure Kinder. Bedenkt immer, dass sie von Jehova nicht verschont werden, sollten sie in ihrem Herzen nicht zu ihm gehören."

Doch damit nicht genug. Nein, jetzt geht es in direkter Weise auch den Kindern an den Kragen:
"Also, ihr Kinderchen, sobald ihr genug von Jehova und seinem Willen verstanden habt, seid ihr für euer Überleben im Krieg Gottes selbst verantwortlich. Jehova kennt euch ja. Ihm könnt ihr nichts vormachen, bei ihm gibts keine Entschuldigung, wenn ihr euch gegen ihn entschieden habt. Ihr werdet genauso umkommen wie jeder Erwachsene auch, der nicht Jehova folgt."

Nein, so direkt schreiben das die altehrwürdigen Herren in Brooklyn selbstverständlich nicht. Schließlich kann man doch nicht so offen und möglicherweise justiziabel formulieren. Daher wählt man obige Art, die Grausamkeiten gewissermaßen "durch die Blume" zu sagen.
Und da nun festgestellt ist, welches Ende für diejenigen aufbehalten ist, die nicht Jehova anbeten, was folgt daraus für alle "Diener Gottes"?

Unter anderem das nun folgende:

Sich unbedingt Zeit für das Familienstudium nehmen
Als Vater oder Mutter solltest Du zusehen, dass du wirklich alles tust, um deine Kinder "in der Zucht und in der ernsten Ermahnung Jehovas" zu erziehen. Dazu gehört einfach, mit den Kindern die Bibel zu studieren.
Der Wachtturm 15.10.09

An dieser Stelle sei es mir einmal erlaubt, aus persönlich Erlebtem zu berichten, dass dieses "Studium" der Bibel für Kinder meist langweilig ist, da Kinder eben nicht alles verstehen, was da in dem alten Buch steht. Kinder haben einfach nicht die intellektuelle Ausstattung, sich distanziert oder gar kritisch mit dem auseinanderzusetzen, was ihnen zu glauben beigebracht wird. Infolgedessen gleicht das Bibelstudium auch weniger dem echten Kennenlernen aller zu einem solchen Studium erforderlichen Aspekte, als viel eher dem Lesen und Bejahen alles dessen, was man da vorgesetzt bekommt. Zudem gilt es darüber nachzudenken, wie man das alles in die Tat umsetzt, was gelehrt wird.

Gehen wir weiter:

Wir möchten doch, dass unsere jungen Leute Jehova bereitwillig gehorchen [...]
Der Wachtturm 15.10.09

Dann kommt wieder ein "biblisches" Beispiel und zwar jenes der Christen in Philippi, von denen es hieß, sie sollten ihre "eigene Rettung [...] mit Furcht und Zittern [...] bewirken." (Nach Philipper 2, 12)

Das Folgende braucht nicht "übersetzt" oder interpretiert zu werden. Es lässt an Deutlichkeit und Unverblümtheit in seinen Forderungen nichts zu wünschen übrig:

Halten sich deine Kinder an die Gesetze Jehovas, auch wenn du nicht anwesend bist? Zum Beispiel in der Schule? Wie kannst du ihnen helfen, sich selbst davon zu überzeugen, dass die Gesetze Jehovas immer zu ihrem Besten sind, sodass sie sich auch dann daran halten, wenn du nicht dabei bist.
Der Wachtturm 15.10.09

An dieser Stelle wäre es gut, einmal kurz innezuhalten. Denn wenn man es genau analysiert, was hier durch die Spalten des Wachtturms installiert wird, mag dem Leser durchaus ein kalter Schauer über den Rücken laufen.

Um es klar auszudrücken:
Hier wird der Kern einer lebenslangen Paranoia gelegt. Dem kindlichen Gemüt und Geist wird hier ein künftiger "ständiger Begleiter" in den Sinn gepflanzt, dem es Zeit seines Lebens nicht mehr entkommen kann. "Jehova sieht dich", dies unselige Mantra als wirkmächtige Schere im Kopf jedem Zeugen Jehovas von Kindheit an eingeimpft, ist wesentlich effizienter und furchteinflößender, als der best ausgestattete, bis an die Zähne bewaffnete Spitzelapparat.

Die Zeugen Jehovas eine harmlose Gruppe etwas schräger Glaubensvögel? - Wohl kaum.

Es nicht dem Zufall überlassen
Wie die Bibel andeutet, finden sich die Engelsöhne zu festgelegten Zeiten in Gottes Gegenwart ein.
Der Wachtturm 15.10.09

Abgesehen davon, dass dies eine recht eigenwillige Interpretation des angegebenen Bibelverses aus Hiob 1, 6 ist,

Nun geschah es eines Tages, da kamen die Gottessöhne, um vor den Herrn hinzutreten; [...]

ist die "Nutzanwendung" für die "christliche Familie" einfach nur noch hanebüchen:

So solltest du es auch mit deinen Kindern machen. Lege Tag und Uhrzeit für den Studierabend der Familie fest und halte dich dann daran. Hab auch einen Ausweichtermin parat, falls einmal etwas außer der Reihe passiert.
Im Lauf der Monate könnte sich leicht ein gewisser Schlendrian einschleichen. Lass das aber nicht zu. Regelmäßig mit deinen Kindern zu studieren ist wichtiger als mit irgendjemand anders!
Der Wachtturm 15.10.09

Kurze Zwischenbemerkung:
Man könnte hier eine gewisse Resignation der Wachtturm-Gesellschaft darüber herauslesen, dass sie den Rest der Welt wohl nicht wird bekehren können...

Satan würde dir deine Kinder nur zu gern entreißen. Würdest du euren wertvollen Studierabend für etwas so Banales wie einen Fernsehabend opfern, dann hätte Satan schon einen Erfolg für sich verbucht.
Der Wachtturm 15.10.09

Auffällig hier ist m. E. besonders der Tonfall, in welchem hier erwachsene Menschen angesprochen werden. Eine solche gängelnde Entmündigung würde sich kein Leser eines Ratgeber-Magazins bieten lassen. Doch das nur als Randbemerkung.

Weitaus skandalöser ist die Tatsache, dass ganz normale Aktivitäten, hier am Beispiel des "Fernsehabends" in den Ruch "satanischen" Einflusses gestellt werden - geht es eigentlich noch perfider?
Auch dass man einen künstlich herbeigebogenen Bibeltext als himmlisches Vorbild für irdische Familienväter heranzieht, ist an weltfremder Maßlosigkeit kaum zu überbieten.
Weil die "Götterwelt" nach der himmlischen Uhr [wie sieht die wohl aus?] lebt und sich mit Gottvater sogar regelmäßig trifft, sollen irdische Väter sich für das "Familienstudium" der gleichen Pünktlichkeit und Verlässlichkeit befleißigen; trefflicher kann man nicht den Glauben der absoluten Lächerlichkeit preisgeben.

Hier sollten die christlichen Kirchen ihre etwas übereifrigen Brüder und Schwestern dringlichst unter ihre Fittiche nehmen.

Es praxisorientiert gestalten
Das Familienstudium ist nicht dazu gedacht, einfach nur Wissen zu vermitteln. Versuche, euren Studierabend praxisorientiert zu gestalten. Du könntest Stoff zu Situationen heraussuchen, die auf deine Kinder in den folgenden Tagen oder Wochen zukommen werden. Zum Beispiel kannst Du mit ihnen beim Studierabend für den Predigtdienst üben. Wenn Kinder und Jugendliche etwas gut beherrschen, dann machen sie es auch richtig gern. Und wenn man mit ihnen Einleitungen übt und gemeinsam überlegt, wie man auf Gesprächsblocker reagiert, gibt ihnen das in den unterschiedlichen Bereichen des Königreichspredigtwerks gleich viel mehr Sicherheit.
Der Wachtturm 15.10.09

Hier wird also die Absicht hinter diesem "Studium" für die Familie mehr als unverhohlen offen ausgesprochen, und man ist zutiefst verstimmt:
Mittels dieses neuen Instruments des "Studierabends" soll nicht einfach bloß nützliches Wissen vermittelt werden. Nein, vielmehr sollen hier die neuen Missionierer für "das Werk" herangezüchtet werden. Kinder sollen erfolgreiche Hausierer der "guten Botschaft" werden, sie sollen "Gesprächsblocker" elegant überwinden, und ihrerseits für neue Mitglieder werbend sorgen.
Man könnte also diese Art des "Familienstudiums" getrost auch Dressur nennen.

Ja, wenn Kinder etwas gut beherrschen, machen sie es auch gern. Allerdings sollte das, was die Kinder beherrschen lernen sollen und dürfen vor allem eines sein: kindgerecht!
Das Missionieren von Haus zu Haus, das Abseitsstehen in der Schule, weil man gewisse Aktivitäten nicht mitmacht, weil's die Wachtturm-Geselllschaft befiehlt, das erfolgreiche Parieren von "Gesprächsblockern" zum Zwecke der Neurekrutierung von Adepten ist nicht kindgerecht.
Aber das stört diese Glaubensgemeinschaft und ihre Anhänger nicht im mindesten.

Ihr könnt auch bestimmte Situationen durchspielen, damit dein Kind besser mit Gruppendruck fertig wird.
Der Wachtturm 15.10.09

Gruppendruck kommt selbstverständlich nur in der "bösen Welt" vor. Vom Gruppendruck der Glaubensgemeinschaft, die erst durch ihre elitären Absonderungsvorschriften die Gläubigen in ein permanenetes Außenseitertum drängt, haben sie natürlich keine Ahnung, daher nehmen sie diesen Druck auch nicht wahr.
Interessant auch der Hinweis auf das von der Wachtturm-Gesellschaft herausgegebene Buch: Fragen junger Leute - praktische Antworten , Band 2, in dem auf den "Gruppenzwang-Planer" auf Seite 132 und 133 hingewiesen wird. Dort kann man u.a. folgendes lesen:

Übe deine Reaktionen mit deinem Vater und deiner Mutter oder einem erwachsenen Freund.
Fragen junger Leute, Band 2

Ja, wenn man dem Gruppendruck der bösen Welt ausgesetzt wird, die doch partout nicht einsehen will, dass man als "Diener Gottes" eben abgesonderte Elite ist, dann müssen die Kinder natürlich frühzeitig auf dieses Dasein dressiert werden. Schließlich sollen sie doch immer und überall "Jehova preisen".
Dazu passt dann ganz hervorragend , dass in den Folgeabsätzen betont wird, wie wichtig es ist, den Kindern die richtigen Ziele im Leben vor Augen zu führen. Welche Ziele könnten das sein?

Das Junge-Leute-Buch (Band 2) enthält in Kapitel 38 "Was mache ich aus meinem Leben?" hevorragende Anregungen [...] Das Beste, was man machen kann, ist so zu leben, dass sich alles darum dreht, etwas für Jehova zu tun. Fördere in ihm [dem Kind] den Wunsch, einmal Vollzeitdiener zu werden - vielleicht Pionier [Wachtturmsprech für Missionierer in Vollzeit] oder Bethelmitarbeiter [Mitarbeiter in einer Filiale der Wachtturm-Gesellschaft, Entlohnung: null, Kost und Logis: frei, zudem ein Taschengeld für persönliche Auslagen] - oder auch die Schule zur dienstamtlichen Weiterbildung [Kaderschmiede für junge Anwärter auf das Amt eines Gemeindevorstehers oder dessen Gehilfen im In- und Ausland] zu besuchen.
(Text in [...] von Bernd)
Der Wachtturm 15.10.09

Wie ich bereits schrieb:
Der "Studierabend" als Dressureinstieg zur Heranzüchtung willfähriger "Gottesdiener".

Den Rest des Artikels aus dem Wachtturm können wir uns an dieser Stelle ersparen. Hier geht es darum, Tricks zu verraten, wie der "Studierabend" mit Rollenspielen beim Bibellesen oder mit der Darstellung praxisnaher Alltagssituationen individuell auf die "Bedürfnisse der Kinder" zugeschnitten werden kann, damit ihnen diese Abende auch "Freude machen".
Alles in allem aber lässt diese Schrift, die - ich möchte es nochmal betonen - ausdrücklich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und konzipiert ist, an Deutlichkeit über die wahren Motive der Wachtturm-Gesellschaft nichts zu wünschen übrig.

Zusammenfassend kann man also sagen:
Aus Sicht der Wachtturm-Gesellschaft sind Kinder bereits mit sehr jungen Jahren religionsmündig - sobald sie etwas von "Jehova und seinem Vorhaben" verstehen - und daher schon sehr früh für ihr Überleben in der Schlacht Gottes am jüngsten Tage [Harmagedon oder Armagheddon] selbst verantwortlich. Eltern sind vor die Wahl gestellt:
Entweder es gelingt ihnen, mithilfe des Instruments des "Studierabends" ihren Kindern schon früh und dauerhaft "die Furcht Jehovas" einzuimpfen [Stichwort: "Jehova sieht dich"] und so deren "Rettung zu bewirken" oder sie versagen in dieser Hinsicht, dann sollten sie sich schon mal innerlich von ihren Kindern verabschieden, denn "Jehova wird sie dann in Armagheddon sicher nicht verschonen".

Daher also tun sie besser daran, schon möglichst früh mit der Glaubensdressur ihrer Kinder zu beginnen.
Ja, mag sein, dass ihre Kinder in der Schule und anderswo dadurch zu einem Außenseiterdasein verurteilt sind, aber besser für relativ kurze Zeit ein Außenseiter, als nachher im Krieg Gottes umzukommen, so die Logik des Glaubens der Zeugen Jehovas.

Wer vermutet schon eine solch krude, brutale und gewissenlose Glaubenswelt hinter der Fassade der fröhlich lächelnden Gesichter beispielsweise auf den Großveranstaltungen dieser Sekte, auf denen sie der staunenden Öffentlichkeit ihre "heile, saubere Welt" vorführt?

 

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