| Braucht Gott eine menschliche Organisation? |
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| Geschrieben von: Specht |
| Montag, den 10. Oktober 2005 um 11:10 Uhr |
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In der Vergangenheit hat Jehova mit der Nation Israel auf organisierte Weise gehandelt – Gesetze und Vorschriften wurden durch Priester, Richter, Könige und Propheten übermittelt. Auf die Nichteinhaltung solcher Gesetze standen genau festgelegte Strafmaßnahmen. Alles in allem ein durchorganisiertes System des Zusammenlebens im Altertum. Leider hat diese Art nicht zur erhofften Rettung geführt und die Menschen nicht unbedingt besser gemacht. Das beweisen des öfteren göttliche Zuchtmaßnahmen selbst an der führenden geistigen und politischen Elite dieser Nation. Nicht ohne Grund wurde von Gott durch seinen König Salomo gesagt: "...das der Mensch über den Mensch zu seinem Schaden geherrscht hat." (Pred. 8:9b) oder in Psalm 146:3 lesen wir "Setzt euer vertrauen nicht auf Edle noch auf den Sohn des Erdenmenschen, bei dem es keine Rettung gibt." Diese, als universelle Grundsätze formulierten Aussagen, gelten bestimmt nicht nur in politischen Angelegenheiten, sondern bei jeder Machtausübung einschließlich religiöser Art. Vielleicht gerade aus diesen und anderen Gründen hat Gott nach neuen, besseren Wegen zur Rettung Ausschau gehalten. Christus ist nunmehr Grundlage des Glaubens und die Erfüllung des Gesetzes (vergl. Gal. 2:21 und 3:24,25). Wenn also Christen nicht mehr unter dem Gesetz stehen, braucht es folglich keine menschliche Exekutive oder Judikative. Wozu also eine Organisation? Gott als oberster Richter und Vater und Christus, der als der Weg, die Wahrheit und das Leben bezeichnet wird (Joh. 14:6) und uns als Herr und Hirte Anleitung gibt, reichen völlig aus. Selbst die gute Botschaft, die Jesus seinen Nachfolgern zu verkünden aufgetragen hat, ist bei weitem nicht so schwer zu verstehen, dass es eines menschlichen Sprachrohres bedarf. Er lehrte damals einfache Volksmengen auf direkte Weise, nicht mithilfe irgendwelcher Sprecher und Deuter. Nach seiner Auferstehung war er als Herr der Christenversammlung durchaus in der Lage, seine Jünger durch den Geist anzuleiten, weitere Schriften zu verfassen und an die ersten Versammlungen zu verteilen. Diese geistige Speise zur rechten Zeit (Matt. 24:45) ist genau so gut noch heute anwendbar. Zu Recht gehören sie zu den inspirierten christlichen Schriften und jeder, der etwas anderes verkündigt, er sei verflucht (Gal. 1:8,9, Offb. 22:18,19). Die Einheit der Christenversammlung erwächst ganz automatisch aus der Liebe untereinander und der Verbundenheit zu Christus als dem wahren Weinstock. (Joh. 13:35; 15:1-7) ohne dabei die Freiheit einzelner ungebührlich zu beschneiden. (Joh. 8:32; 2. Kor. 3:17). Die Taufe erfolgt durch einen Geist und zu einem Leib, welcher Christus ist, obwohl aus verschiedenen Gliedern bestehend (siehe 1. Kor. 12:12-27). Nur Gott ruft verschiedene geistige Kundgebungen hervor bzw. setzt die Glieder des Leibes an ihren bestimmten Platz (1. Kor. 12:6,24) nicht irgendeine Organisation. Somit verliert auch die zweite Tauffrage, wie sie unter Zeugen Jehovas zur Zeit üblich ist, ihre biblische Begründung. Die christliche Ethik, verbunden mit Vernunft und dem Gewissen des Einzelnen (Röm. 2:14-16) sollten eine Lebensführung zur Folge haben, die von einer viel höheren Qualität zeugt, als die bedrückende geistige Sklaverei zur Zeit des ersten Jahrhunderts, die von Jesus verurteilt und bekämpft wurde, und die immer dann entsteht, wenn Menschen sich über andere erheben. (Pred. 8:9) Richten und Verurteilen sollten der Vergangenheit angehören, alle begreifen sich als gleichgestellt und nur Gott und Christus rechenschaftspflichtig. Verschiedene Geistesgaben wie oben beschrieben sollten der Allgemeinheit zu Gute kommen und zur Ehre Gottes dienen. Wenn es Gottes Wille wäre, dass wir immer von selbsternannten Führern Anleitung in fast allen Lebensfragen übernehmen, dann hätte er diese deutlicher kenntlich gemacht. Dazu würde allerdings unser Stammhirn völlig ausreichen. Individualität und Meinungsfreiheit müssen nicht unbedingt dem christlichen Verhaltenskodex widersprechen, erst so wird Gottes Weisheit offenbar, weil er die Größe besitzt, viele unterschiedlich geartete Menschen auf Grund einfacher, ins Herz geschriebener Gebote (siehe Bergpredigt) so zu vereinen, dass ein Optimum an Lebensqualität möglich wird. Vorausgesetzt, die Menschen möchten diese Einheit. So sind wir gut beraten, die Dinge, die wir verstehen, auch umzusetzen und genau danach wird uns Gott auf Grundlage seines Wortes auch beurteilen.(Hebr. 4:12 bes. letzter Teil) Die Rettung erfolgt aus Glaube und Gnade. Bei nicht eindeutigen Sachverhalten, wie etwa diversen Prophezeiungen, sollten wir lieber eine wartende Haltung einnehmen (Micha 7:7), schließlich werden wir uns damit begnügen müssen, Gottes Wege nie völlig zu begreifen. (Pred. 3:11; Röm. 11:33). Der Wunsch, mehr zu wissen als die Bibel hergibt, führte ja gerade bei der WT Organisation des öfteren in eine Sackgasse. Außerdem werden bei zu viel "Einflussnahme von Außen" die wahren Beweggründe der Menschen verwischt, am Ende steht wieder eine Machthierarchie, die nach Äußerlichkeiten be- und verurteilt. Messbare Parameter (etwa Predigtdienststunden) werden als Maß des Glaubens missgedeutet. Versammlungen, Kongresse usw. werden als "Einladung Jehovas" deklariert und wehe, wer ohne schriftgemäßen Grund fernbleibt. Schnell meldet sich das von der Organisation eingeredete schlechte Gewissen und setzt den gutgläubigen ZJ unter den erforderlichen Druck. Die Herzenseinstellung und die eigene ehrliche Meinung sind zweitrangig und sogar gefährlich, wenn nicht identisch mit der allgemeinen Glaubensdoktrin. Gottes Wirkungsbereich wird so immer mehr beschnitten. Menschen spielen sich als Herren über den Glauben auf. Jesu Tadel an den Pharisäern hatte genau dieses Problem zum Inhalt (Matt. 15:6 und Kap.23) Gern wird von der WTG Sacharja 8:23 zitiert, um zu beweisen, dass die große Volksmenge vorbehaltlos dem gesalbten Überrest folgen sollte. Bei genauer Untersuchung dieser Textstelle fällt allerdings auf, dass damals zehn Männer aus den Nationen irgendwie gehört haben mussten, dass Gott mit dem Juden ist. "Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist." Dass diese Einschätzung von dem Juden selbst ausging, wird nirgends berichtet. Einem ähnlichen Prinzip wollte unser Herr Jesus folgen, wenn er in Joh. 5:31 sagt: "Wenn ich allein über mich Zeugnis ablege, so ist mein Zeugnis nicht wahr." Er hatte den Vorteil, dass Gott persönlich für ihn als Zeuge auftrat. (Joh. 5:37) In der Vergangenheit war es bisher auch immer üblich, dass Gott seine auserwählten Führer und Propheten im voraus über ihre Aufgaben und ihr Amt unterrichtet hat (z.B. Noah, Abraham, Moses, Samuel, David Jeremia, Daniel, Paulus und vor allem Jesus) und die betreffenden Personen wussten in dem Moment Bescheid. Warum fehlt gerade heute, in der so genannten Zeit des Endes, wo das ewige Leben auf dem Spiel steht, eine solche göttliche Legitimation? Vielmehr warnt Jesus in Matt. 24:23: "wenn dann jemand zu euch sagt: Siehe hier ist der Christus oder dort, glaubt es nicht." Vers 26: "Wenn man daher zu euch sagt, siehe er ist in der Wildnis, geht nicht hinaus. Er ist in den inneren Gemächern, glaubt es nicht." Kann dann mit Recht behauptet werden, der Christus sei ausgerechnet in Brooklyn oder in Selters anzutreffen? Oder sollten wir diese Selbstbehauptung nicht wenigstens in Frage stellen dürfen? Warum erkannte die Leitende Körperschaft erst 8 Jahre später, dass sie angeblich von Gott für dieses Amt auserwählt wurde, wie gesagt, eine Machtkundgebung wie zu Pfingsten des Jahres 33 u.Z. blieb aus. Woran soll beispielsweise ein Außenstehender erkennen, dass es sich gerade bei der WTG um die einzig wahre Organisation Gottes handelt? "Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger ... [Anm: nicht meine Organisation] seid, wenn ihr Liebe unter euch habt" sagte Jesus in Johannes 13:35. Auch bei anderen Gelegenheiten ging es immer um einzelne Menschen als Nachfolger Christi, die an Ihren Handlungen zu erkennen sind. Der Organisationsbegriff fehlt völlig im NT und ist vielmehr künstlich eingeführt worden. Man könnte ebenso gut darauf verzichten. Im Gegensatz dazu wird die leitende Körperschaft nicht müde, immer wieder ihre göttliche Legitimation Kraft eigener Behauptung zu betonen. (Siehe dazu ihre eigene Veranstaltung am 10. April 2005 in Utrecht.) Selbst in Rechtsangelegenheiten sollten wenigstens 2 oder 3 Zeugen den Wahrheitsgehalt eines Sachverhaltes bestätigen. Warum fehlen gerade hier diese unabhängigen Zeugenaussagen, die den göttlichen Ursprung der LK bekräftigen könnten? Der treue und verständige Sklave wird zwar glücklich sein, wenn der Herr bei seiner Ankunft ihn beschäftigt findet, aber dieser Umstand kann sich ebenso gut auf alle wahren Christen erstrecken, die sich zum Ziel setzen, anderen Mitverbundenen (Hausknechte) irgendwie zu dienen (Speise austeilen kann vieles bedeuten). Das passierte bereits im ersten Jhd. nach dem Tod Jesu (z.B. Austeilung der ersten christlichen Botschaften an einzelne Gemeinden) und erstreckte sich zweifelsohne über alle weiteren Epochen, bis eben Jesus erscheint. Wichtig auch der Umstand, dass der Sklave den Tag des Herrn nicht kennt und gerade deswegen wachsam sein sollte. (Luk. 12:35-43). Und dieses ständige beschäftigt sein war dazu sicherlich eine Hilfe. Wer aber meinte, schon bei Zeiten zu wissen, wann der Herr eintrifft? Wurde nicht von den damaligen Bibelforschern das Jahr 1914 anvisiert und noch bis heute verteidigt? Könnte es sein, dass nicht der Herr, sondern die LK in Brooklyn sich quasi selbst über die Habe Jesu setzte, nach dem Motto, der Herr ist nun da und wird uns sicherlich beauftragt haben, weil wir sowieso die Richtigen sind. Das hieße weiterhin, ab 1919 sind die Weichen gestellt und das "geistige Paradies voll in Funktion", aber bemerkt wurde es noch nicht. Immerhin 1927 wurde in einem Wachtturm darüber berichtet. Doch die zeitliche Reihenfolge der "Erkenntnisse" und die ständigen Änderungen und Irrtümer in den Lehren, nicht nur in den zwanziger Jahren, sondern auch noch später, zeugen nicht gerade von einer Einsetzung des Sklaven von "Oben" und sind eher ein Zeichen für falsche Propheten (5. Mose 18: 22) Wie sind die Aussagen über den bösen Sklaven zu verstehen, der gewisse Erwartungen nicht erfüllt sieht und auf einmal anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen und trunken zu werden? Das können doch unmöglich damalige abgefallene Glieder der LK sein, denn wenn diese ausgeschlossen oder von selbst weggegangen sind, können sie auch nicht zur Gefahr werden, geschweige denn, andere schlagen. Außerdem wird gesagt, der Herr kommt an einem Tag an dem er ihn (der böse Sklave) nicht erwartet (Luk. 12: 46) aber auch die alten "abgefallenen Russel-Anhänger" haben die Ankunft des Herrn 1914 erwartet. Und die großen Kirchen erwarteten das kommen des Herrn sowieso in einer ganz anderen Form. Wer bleibt also übrig? Ein ähnliches Bild vermittelt Hesekiel 34, ein interessanter Bericht über sogenannte schlechte Hirten und im Konsens wird gesagt, dass nur Jehova sich persönlich der Schafe annimmt, weil die besagten Hirten ihren Aufgaben nicht nachkamen und sich eher selbst geweidet haben (z.B. Hesk. 34:9). Die Erwähnung eines guten und schlechten Sklaven oder der schlechten Hirten sollte unseren Blick in dieser Angelegenheit besonders schärfen, zu viel Macht- und Führungsanspruch in eigener Sache wirken verdächtig, dass kann nicht Gottes Wille sein. Als Johannes zu Jesus sagte "Lehrer wir sahen jemand unter Benutzung deines Namens Dämonen austreiben, und wir suchten ihn zu hindern, weil er uns nicht begleitete", sagte Jesus: "Sucht ihn nicht zu hindern denn da ist niemand der eine Machttat aufgrund meines Namens tun wird der rasch imstande sein wird, mich zu beschimpfen, denn wer nicht gegen uns ist, ist für uns." (Mark. 9:38-40). Besteht hier ein Widerspruch zu Matt. 12:30 wenn es dort heißt: "Wer nicht auf meiner Seite ist, ist gegen mich und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut."? Man beachte die unterschiedlichen Pronomen im Text, einmal wird im Markusevangelium in der Mehrzahl geschrieben "...wer nicht gegen uns ist, ist für uns..." offensichtlich sind in Jesu Augen alle angesehen, die in seinem Namen Gutes tun und einzelne Gruppen von Christen sollten keine Urteile über andere fällen die sich ihnen nicht in der gewohnten Weise anschließen. Doch im Matthäusevangelium geht es in der Einzahl "...wer nicht auf meiner Seite ist, ist gegen mich" eindeutig nur um Jesus d.h. ohne ihn als Grundlage wären Glaubenswerke unmöglich. Dieser Vergleich zeigt einmal mehr, dass der Alleinvertretungsanspruch irgendeiner christlichen Religion nicht begründet ist, vielmehr sollten alle, die sich zu Christus bekennen durch gegenseitige Achtung und Respekt die Lehre ihres Retters schmücken und dadurch die Welt ein Stück erträglicher gestalten. Wäre Christus an irgendeiner Organisation gelegen, dann müsste dass heute deutlicher zu erkennen sein.(Hebr. 2:4). Dabei könnten die großen Kirchen auf ihr soziales Arrangement genau so gut verweisen wie die Zeugen auf ihr Predigtwerk. Sicher hat alles seine Berechtigung und mag auch bei manchen aus innerer Überzeugung getan werden. Aber das Haupt über alle Versammlungen ist immer noch der Christus, nicht eine Organisation (1. Kor. 11:3; Eph. 1:22,23) und nur er sollte uns motivieren. Zum Vergleich stelle man sich bitte vor, welche Auswirkungen spürbar werden, wenn von der Weltbühne zum einen alle christlichen Kirchen oder zum anderen die WTG verschwinden würde. Wie kleinbürgerlich muss uns Gott eigentlich vorkommen, wenn dieser große Schöpfer auf der einen Seite Milliarden Galaxien geschaffen hat und die Sterne mit Namen ruft (Jes. 40:26) auf der anderen Seite aber gerade bei der Krönung der Schöpfung unbedingt eine irdische Organisation benötigt, um den "Tropfen am Eimer" geistig zu überwachen? (Jes. 40:15) Wird dadurch nicht Gottes Macht in höchsten Maße geschmälert? |