| Warum sind die Zeugen Jehovas eine gefährliche Sekte? |
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| Geschrieben von: Bernd |
| Freitag, den 11. Dezember 2009 um 14:57 Uhr |
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"Was, die Zeugen Jehovas gefährlich? Diese netten Leutchen, die da in
den Fußgängerzonen der Städte ihre Heftchen anbieten? Die sollen
gefährlich sein? Die tun doch keinem was. Ich habe sie immer als sehr
zuvorkommend, freundlich und höflich kennengelernt, wenn sie mal an der
Tür klingelten. Klar, ihre Besuche sind meist unangemeldet und zuweilen
kommen sie zur falschen Zeit, nämlich am Samstag- oder Sonntagmorgen.
Aber gefährlich? Nein, gefährlich sind sie nicht."
Ganz sicher würden sehr viele den obigen Worten ohne weiteres zustimmen. Denn tatsächlich benehmen sich die Zeugen Jehovas in der Regel ausgesprochen vorbildlich. Ja, auf ihren jährlichen Großveranstaltungen (Bezirkskongressen) haben die diensthabenden Polizisten wenig zu tun. Und selbstverständlich würde ein Zeuge Jehovas auch nicht schwere Straftaten begehen, sodass man also sagen kann, dass im Allgemeinen von ihnen keinerlei Gefahren für Leib, Leben und Eigentum ausgehen. Und hier kommen wir ein erstes Mal an einen Punkt, an dem man sehr schnell in die Gedankenfalle dieser Glaubensgemeinschaft hineintappt, wenn man nicht die Distanz wahrt. Denn das oben Beschriebene trifft doch auch auf mindestens 80% der BürgerInnen in Europa und eben auch im deutschsprachigen Raum zu. In der Regel verhalten sich die Leute hierzulande regel- und gesetzeskonform, für sich genommen nichts Besonderes. Indem aber die Zeugen Jehovas auf ihr Wohlverhalten mit besonderer Betonung gegenüber Behörden, Gerichten und gegenüber der Politik hinweisen, und dies dann selbstverständlich auf ihre Bibelgläubigkeit zurückführen, haben sie bereits den ersten Köder der Manipulation der öffentlichen Meinung ausgelegt. Ja, die Zeugen Jehovas sind friedliche Leute, aber das sind meine NachbarInnen auch. Also sind die Zeugen Jehovas im Grunde ganz normale Leute. - Ja und nein. Ja in Bezug auf das oben geschilderte. Meine Arbeitsthese für diesen Essay lautet ja: Damit man diese Frage eindeutig beantworten kann, reichen die eingangs geschilderten Erfahrungen mit Anhängern dieser Glaubensgemeinschaft selbstverständlich nicht aus. Hier muss man nun den näheren Blick wagen, muss eine Innensicht versuchen. Wie könnte eine solche Betrachtung der Interna beginnen? Nun, ich denke, eine Auseinandersetzung mit dem umfangreichen Schriftmaterial der Zeugen Jehovas könnte nützlich dabei sein, den Blick etwas zu schärfen. Daher möchte ich den geneigten Leser einladen, mich auf einen Streifzug durch solche Schriften der Zeugen zu begleiten, die der Öffentlichkeit bewusst vorenthalten werden. Diese Schriften sind nicht dazu bestimmt und konzipiert, neue Adepten anzuwerben. Vielmehr sollen diese internen Texte den bereits Gläubigen enger an die Gemeinschaft heranführen, ihn tiefer einbinden und ihn mit dem Regelwerk und den Anforderungen der Sekte vertraut machen. Mein Streifzug geht durch die Ausgabe des "Wachtturm" mit Datum vom 15. Dezember 2009: Alle Hände voll zu tun und trotzdem viel Freude im Dienst für Gott Schon die Überschrift des nun folgenden Artikels verrät einiges über die innere Verfasstheit einer Sekte, deren oberstes Prinzip und deren Hauptzweck die Einbindung des Gläubigen in das weltweite Missionierungswerk ist. Der gruppeninterne Zwang zur möglichst häufigen Teilnahme an dieser Aktivität wird hier verharmlosend "Dienst für Gott" genannt. "Dienst für Gott" ist dabei eben nicht zu verwechseln mit dem im deutschen Sprachraum aus kirchlichem Kontext wohlvertrauten "Gottesdienst", der bekanntlich etwas ganz anderes meint. Wenn die Zeugen Jehovas vom "Dienst für Gott" sprechen, meinen sie damit alle Aktivitäten, die die Glaubensgemeinschaft dem Einzelnen ständig zu tun befiehlt: Misionierung, Aufsuchen der Zusammenkunftsstätten, Beten, "Studieren" (damit ist nicht ein Studium im herkömmlichen, wohlverstandenen Sinne gemeint, sondern das kritiklose Lesen der Schriften der Wachtturm-Gesellschaft, die Verinnerlichung derselben und die möglichst wort- oder sinngenaue Wiedergabe beim Frage-und Antwortspiel in einer der Zusammenkünfte der Gruppe.) Der Zeiteinsatz eines Zeugen Jehovas variiert daher je nach Intellekt und Auffassungsgabe von einigen Minuten pro Woche bis hin zu mehreren Stunden. Bei alldem soll er, wie der Titel besagt und wie wir es im weiteren Verlauf der Betrachtung dieses Artikels noch sehen werden, "viel Freude" empfinden, denn schließlich, so das Mantra der Gemeinschaft, "macht der Dienst für Gott Freude und glücklich". Aber gehen wir weiter: Jehova wünscht sich für dich ein Leben voller Freude. (Psalm 100, 2) Wahrscheinlich hast du im Dienst für ihn alle Hände voll zu tun, womöglich viel mehr als vor deiner Hingabe. Vielleicht weißt du wegen all der Anforderungen, die das Leben und der Dienst für Jehova mit sich bringen, jetzt auch gar nicht mehr, wo dir der Kopf steht. Eventuell hast du sogar mitunter ein schlechtes Gewissen, weil du nicht alles schaffst, was du dir vorgenommen hast. Wie kannst du da alles gut ausbalancieren und dir die "Freude Jehovas" erhalten? (Nehemia 8, 10) "Jehova", das ist die von den Zeugen Jehovas bevorzugte deutsche Transskrption des hebräischen Tetragrammatons JHVH, des Eigennamens des Gottes des AT. Die in Klammern gesetzte Bibelstelle sagt folgendes aus: Dient dem Herrn mit Freude! / Kommt vor sein Antlitz mit Jubel! Nun könnte es interessant sein, zu erforschen, was dieser Text im
konkreten Fall wirklich meint bzw. in welchem allgemeinen und welchem
historischen Kontext er zu betrachten wäre. Dies alles will ich mit
meinem Essay nicht versuchen, da die Exegese sicher weitere unzählige
Seiten dieser Schrift füllen würde. Vielmehr ist es für unsere
Betrachtung interessant, in welchen Kontext die Zeugen Jehovas einen
solchen Psalm stellen, der aus einer längst vergangenen Zeit stammt.
Für den folgenden Artikel ihrer Schrift kommt es einzig auf das
Wörtchen "dient" an. Weiter oben habe ich ja bereits erläutert, was
dieser "Dienst" meint. Die geforderte Geisteshaltung, nämlich "Freude"
und "Jubel" hatte ich ja schon erörtert. Die Formulierung "Jehova wünscht..." heißt nichts anderes als: "Die Wachtturm-Gesellschaft wünscht...", dass das Mitglied der Gruppe trotz der Anstrengungen glücklich und fröhlich sei. Verräterisch die folgenden Zeilen: Wahrscheinlich hast du im Dienst für ihn alle Hände voll zu tun, womöglich viel mehr als vor deiner Hingabe. "Hingabe und Taufe", das für jeden Zeugen wichtigste Ritual seines Lebens. Mit dem Schritt des öffentlich Getauftwerdens vollzieht er den vollständigen Bruch mit seinem vorherigen Leben. Von nun an gelten alle Energien, aller Lebensschwung, alle Ressourcen, die geistigen, seelischen und materiellen, einzig der Erfüllung der durch die WT-Gesellschaft auferlegten Glaubenspflichten. Von diesen zu erfüllenden Glaubenpflichten erfährt der noch zu Bekehrende in der Kennenlernphase nichts oder es wird mit einem freundlichen Lächeln verharmlosend heruntergespielt. Erst wenn aus dem noch zu Bekehrenden, durch sein Getauftwerden ein festes Mitglied der "Diener Jehovas" - was, wie ich schon erwähnte, nichts anderes meint, als ein Diener der Wachtturm-Gesellschaft - geworden ist, macht man ihn mit dem "Kleingedruckten" des Vertrages bekannt, ab sofort ist von den "christlichen Verpflichtungen" die Rede. Und diese können, so gibt es die Wachtturm-Gesellschaft in den internen Schriften unumwunden zu, so umfangreich sein, dass der Gläubige "alle Hände voll zu tun" hat. Perfide auch, vom "schlechten Gewissen" zu reden, das einen plagt, wenn man sein Pensum nicht schafft. Hier wird mit den am schlechtesten zu durchschauenden Mitteln der Manipulation gearbeitet. Nein, die Wachtturm-Gesellschaft verursacht nicht dies schlechte Gewissen, es ist der Gläubige selbst, der inzwischen die Ziele der Gesellschaft derart verinnerlicht hat, dass er meint, seine eigenen Überlegungen verursachten in ihm zuweilen das schlechte Gewissen. Aber glücklicherweise ist "Jehova" zur Stelle und befreit etwa den Gläubigen von der zu schweren Last? Nein, selbstverständlich nicht. "Jehova schenkt Freude" am Dienst. Dann wieder ein aus seinem historischen und sinnstiftenden Kontext herausgerissener Bibelvers und fertig ist die "biblische Unterweisung". Da wir in Krisenzeiten leben und jeder so sein Päckchen zu tragen hat, darf man nichts dem Zufall überlassen. Ein Ratschlag, den Jehova den Apostel Paulus aufschreiben ließ, ist da besonders aktuell: "Wacht ... streng darüber, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise, indem ihr die gelegene Zeit für euch auskauft, weil die Tage böse sind." Epheser 5, 15,16 "Jehova ließ den Apostel Paulus" obigen Vers aufschreiben. Nach Lesart der Zeugen Jehovas dachte der Herr selbstverständlich an die "gelegene Zeit des Dienstes", die es auszukaufen gilt. Auch hier wieder ein aus seinem sinnhaften und historischen Kontext herausgebrochener Vers, um die eigene Auslegung und die eigene Theologie zu stützen. Dann noch der Bogen in die heutige Zeit, denn der HERR ist zeitlos, und fertig ist auch hier wieder die "biblische" Untermauerung der Vorgaben der Wachtturm-Gesellschaft. Kannst du dich noch an das freudige Gefühl bei deiner Hingabe und Taufe erinnern? Woher kam diese Freude? Von all dem, was du in einem intensiven Studium so alles über Jehova und sein Vorhaben gelernt und verstanden hast. War das nicht die Mühe mehr als wert? Dein Leben hat sich dadurch definitiv zum Besseren gewendet. All die Anstrengungen, all die Mühen, all die aufgewendete Zeit sind es wert, da man doch soviel von "Jehova" erhalten hat. Und falls man mal schlapp macht, kein Problem: Ein bisschen den persönlichen Zeitplan noch besser auf die Vorgaben der WT-Gesellschaft abgestimmt und schon läufts ganz wie von selbst. Das nun folgende lass ich jetzt mal unkommentiert, denn ich denke, dass auch der anfangs im Jargon der WT-Gesellschaft ungeübte Leser numehr die Haken und Ösen dieses merkwürdigen Duktus erkennt und die Formulierungen richtig deuten kann: Jeden Tag nur ein paar Minuten zu studieren und die Gedanken zu verinnerlichen, bringt dich Jehova schon um einiges näher! Und damit steigt unter Garantie auch deine Freude. … und so weiter und so fort. Probleme, die ob der Überbelastung durch die ständige Dienstbereitschaft oder den permanenten Leistungs-Gruppendruck entstehen, macht der Gläubige mit sich und "Jehova" aus, andere, vor allem eventuell geschulte Psychologen, Psychotherapeuten und Ärzte, aber auch die eigenen Glaubensgenossen müssen und sollen nichts davon wissen. So befindet sich der Zeuge Jehovas, der seinen Glauben ernst nimmt, in einem stetig sich verschärfenden, schier aussichtslosen Dilemma: Die Gemeinschaft hat die Losung ausgegeben, "der Dienst für Jehova" mache Freude. Tut er das aus irgendeinem Grunde nicht oder nicht mehr, so liegt das einzig und allein an der Einstellung und/oder dem erschlaffenden Glauben des Einzelnen. Dieser Glaube an die belebende, glückverheißende Wirkung des ständigen Dienstes kann nur durch die Wiederaufnahme eben jenes Dienstes wiedererlangt werden. Und so lautet auch das allumspannende, ewige und stets wiederkehrende
Patentrezept für sämtliche durch dieses Glaubensleistungshamsterrad
hervorgerufenen Probleme: Kann man sich eigentlich willfährigere Sklaven als solcherart konditionierte Menschen für die eigenen Zwecke heranzüchten? Denn all das Strampeln, all das Rennen von Haus zu Haus, all die Missionierung, sogar im Ausland, all die Besuche der örtlichen Versammlungsstätten und der alljährlichen Großveranstaltungen, die geleistete Arbeit zum Bau neuer Versammlungsstätten, Druckereien, Wohn- und Verwaltungskomplexe der verschiedenen Filialen der Wachtturm-Gesellschaft, all dieser "Dienst für Jehova" geschieht zu Gotteslohn. Materieller Nutznießer dieser ganzen Aktivitäten ist allein die Wachtturm-Gesellschaft, der ideelle Wert der Glaubenserhebung und -festigung ist den Gläubigen als einziges Vermächtnis vorbehalten. Kein Wunder, dass so viele auf die Dauer diesem permanenten Leistungs-
und Gesinnungsdruck nicht mehr gewachsen sind und ausscheren. Hier erfahren sie mitunter erst nach Jahren des einsamen, stillen Leidens zum ersten Mal echte Anteilnahme und ehrlich gemeinten Zuspruch, hier "dürfen" sie zum ersten Mal nach einer langen Odyssee auf einem Meer des Unverständnisses auf tiefempfundenes Mitgefühl hoffen. Eine Glaubensgemeinschaft, die solches "Strandgut" psychisch zutiefst
verletzter Seelen produziert, darf mit Fug und Recht als gefährlich
bezeichnet werden. Dies alles, verehrte Leserinnen und Leser, gehört dazu, will man sich
dem Phänomen jener doch hauptsächlich aus mangelndem Interesse zu
Unrecht als verschrobene Glaubensgemeinschaft angesehenen Sekte nähern. |