Infolink Trier in den Medien

Über die Gründung der Infolink Gruppe in Trier berichtete nicht nur das Südwestfernsehen in seinem Magazin "Ländersache". Auch der Trierische Volksfreund brachte einen ganzseitigen Titel über das Problem Zeugen Jehovas und die beiden Gründerinnen des neuen Gesprächskreises in der Domstadt an der Mosel.

„Eine Sekte, die Gefahren birgt”

Fachmann des Bistums äußert sich kritisch zu „Zeugen Jehovas”: Autoritäre Züge der Organisation und Isolation der Mitglieder

Von unserer Redakteurin MARION MAIER

TRIER. Zwei ehemalige „Zeuginnen Jehovas” gründen in Trier eine Selbsthilfegrupppe für Sektenaussteiger. Die Sektenbeauftragten von Land und Bistum begrüßen diese Entscheidung. Die Zeugen Jehovas gelten als die Sekte schlechthin.

„In der Region gibt es bislang keine Angebote für Sektenaussteiger, doch ist für diese Menschen Hilfe dringend nötig.” Die Frau, die das sagt, weiß wovon sie redet. Sie war einige Jahre aktives Mitglied der „Zeugen Jehovas”. Die Sekte brachte ihr Weltbild dermaßen ins Wanken, dass sie überlegte, sich umzubringen (siehe unten). Um eventuellen Unannehmlichkeiten mit den „Zeugen Jehovas” aus dem Weg zu gehen, will sie ihren Namen nicht in der Zeitung nennen. Deshalb nennen wir sie Anja Schulte. Schulte will zusammen mit Rita Maurer (Name ebenfalls geändert), die sie über die Homepage des Netzwerks Sektenausstieg kennen gelernt hat, eine Selbsthilfegruppe für Sektenaussteiger mit Schwerpunkt Zeugen Jehovas gründen.

Matthias Neff vom Referat Weltanschauungsfragen und Sekten des Bistums begrüßt die Gründung dieser Gruppe. „Ich bin sehr froh darüber”, sagt der Kirchenmann, an den sich schon viele Sektenaussteiger mit der Bitte um Hilfe gewandt haben. Neff weiß um die Einsamkeit der Aussteiger, kennt das Loch, in das diese Menschen fallen, und hat bereits von vielen Selbstmorden unter ehemaligen „Zeugen Jehovas” gehört. Er selbst kann zwar keine therapeutische Hilfe anbieten, aber er kann über Religionsgemeinschaften informieren und Kontakte zu weiteren Hilfsangeboten wie Beratungsstellen, Juristen und Therapeuten vermitteln. Zu den „Zeugen Jehovas” sagt er: „Auch wenn ich Mitglieder kenne, die dort glücklich und zufrieden leben – was ich respektiere – so sind die ‚Zeugen Jehovas‘ für mich doch eine Sekte, die Gefahren birgt.”

Neff unterscheidet Sekten im religionsgeschichtlichen Sinn – das sind religiöse Gruppen, die sich von einer anderen Religion abgespalten haben – und Sekten im umgangssprachlichen Sinn – das sind Gruppen mit einem erhöhten gesellschaftlichem Konfliktpotential. Die „Zeugen” hält Neff für eine Sekte in beiden Kategorien. Als Gefahr sieht er es an, dass die „Zeugen” – außer zum Missionieren – weitestgehend nur noch unter sich bleiben. Neff: „Diese Isolation kann gut gehen. Doch wenn sie schief geht, wird es schwierig für diese Menschen, sich zu orientieren.”

Zudem spielten Angst und der Druck, zu missionieren angesichts der nahe bevorstehenden Endzeit, an die die „Zeugen” glauben, eine große Rolle innerhalb der Organisation. Neff sieht auch ausgesprochen autoritäre Züge. „Man hat den Eindruck, Kritik ist bei den Zeugen nicht erwünscht. Die leitende Körperschaft, das wichtigste Gremium der Wachtturm-Gesellschaft, definiert für ihre Anhänger die ganze Welt.” Brigitte Dewald-Koch, Ansprechpartnerin für neue religiöse Gruppen beim Land Rheinland-Pfalz, begrüßt ebenfalls, dass sich eine Selbsthilfegruppe für Sektenaussteiger in Trier gründet.

Wie Neff hält sie Hilfe für Aussteiger auch therapeutischer Art für wichtig. Bei der Beurteilung der „Zeugen Jehovas” ist sie jedoch sehr viel vorsichtiger und verweist auf das Neutralitätsgebot des Staates in Sachen Religion. Schwierigkeiten seien mit den „Zeugen” bereits aufgetreten bei der Ablehnung von Bluttransfusionen und aufgrund der Erziehung der Kinder in einem sehr endzeit-orientierten Umfeld, sagt Koch. Auch habe es Bedenken gegeben, weil Kinder bis abends in den Predigtdienst mit eingebunden würden. Um Gefahren, die von der Sekte ausgehen könnten, beurteilen zu können, müsse jedoch immer der Einzelfall betrachtet werden.

Ein erstes Treffen zur Gründung der Selbsthilfegruppe Ex-ZJ Mosel/Hunsrück mit Schwerpunkt „Zeugen Jehovas” ist am Freitag, 10. September, ab 19 Uhr im Balkensaal im Bürgerhaus Trier-Nord, Franz-Georg-Straße 36.

Wer Interesse hat, kann sich an das Info-Telefon unter 0175/5484541 oder 0160/92182507 wenden oder an die E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die Homepage des Netzwerks Sektenausstieg Deutschland informiert über die Zeugen Jehovas und bietet Aussteigern eine Plattform zum Gedankenaustausch. Adresse: www.sektenausstieg.net