Bericht über die Fachtagung am 2.- 4. Juli 2010 in Regenstauf

Freitag, 02.07.10, 9:15 Uhr

Die "Germanische Neue Medizin"- Ideologische Hintergründe

Einem breiteren Publikum bekannt geworden ist Hamer durch einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Report München", in welchem über seine zweifelhaften Heilmethoden besonders bei Krebserkrankungen berichtet wurde, die in manchen tragischen Fällen sogar zum Tod der nicht schulmedizinisch weiterbehandelten Patienten geführt haben.

Einige der absonderlichen Lehren Hamers:

  • Alle Juden der Welt erhalten bei der Diagnose Krebs keine Chemotherapie, sondern werden ausnahmslos nach den Methoden der "Germanischen Neuen Medizin" behandelt, Dies sei Teil einer weltweiten Verschwörung zur Ausrottung der nichtjüdichen Völker. Indem alle Juden nach der GNM behandelt würden, blieben sie vor der Vernichtung durch die Chemotherapie bewahrt. Sämtliche Rabbiner der Juden sind zugleich Heiler der GNM und daher heilen sie ihre Glaubens- und Rassegenossen nur nach der GNM-Methode.
  • Hamer wortwörtlich:

    Diese Chips, die werden in die Kanüle vorne eingesetzt. Die Kanüle hat einen Durchmesser von 0,3 Millimeter und da können sie so einen Chip einsetzen, beliebig lang einen Millimeter oder zwei je nach dem. Und der hat dann also Giftkammern und da ist ja ein Patent angemeldet sogar und die können sie dann beliebig, per Satellit auslösen. Und denn ist er tot."

    Bayerischer Rundfunk, REPORT München am 18.1.2010
  • Teil der jüdischen Weltverschwörung ist außerdem das Implantieren eines Chips (Ø ca. 0,3mm), mit dem der so Implantierte mittels Satelitenübertragung von jedem Punkt der Erde aus steuerbar ist. Zudem ist diesem Chip eine winzige Ampulle tödlichen Gifts beigefügt, die bei Fehlverhalten ferngesteuert entleert wird und so den Tod des ahnungslosen Trägers herbeiführt.
  • Es gibt kein HI-Virus. AIDS ist eine Allergie gegen das Smegma.

Wer ist Ryke Geerd Hamer?

Bei Wikipedia erfährt man über ihn folgendes:

Ryke Geerd Hamer wurde am 17. Mai 1935 in Mettmann geboren. Nach eigenen Angaben wuchs er in Friesland auf und machte 1953 sein Abitur in Krefeld. 1953 begann er in Tübingen an der Eberhard Karls Universität mit dem Studium der Humanmedizin und der evangelischen Theologie; 1957 legte er nach eigenen Angaben in Erlangen sein Magister in evangelischer Theologie ab. Die Approbation erfolgte am 10. April 1962, im Dezember 1963 wurde er mit der Arbeit Untersuchungen über den Einfluss des Adaptinols auf die Dunkeladaptation des gesunden Auges promoviert. 1972 legte er die Facharztprüfung zum Internisten ab.

>1979, wenige Monate nach dem Tod seines Sohnes Dirk, erkrankte Hamer an Hodenkrebs. Auf eigenen Wunsch ließ sich Hamer diesen Tumor an der Uniklinik Tübingen chirurgisch entfernen. In der Folge entwickelte er seine Theorie über die Entstehung von Krebserkrankungen, die er im Oktober 1981 mit dem Titel „Das Hamer-Syndrom und die Eiserne Regel des Krebs“ an der Universität Tübingen als Habilitationsschrift einreichte. Das Habilitationsgesuch wurde jedoch nach Begutachtung aufgrund wissenschaftlicher Mängel in Form und Methodik der Arbeit abgelehnt. Hamer hat – bisher erfolglos – versucht, mit juristischen Mitteln eine erneute Überprüfung seiner Habilitationsschrift zu erwirken; der Rechtsstreit dazu dauert noch an.

Stand 2008

Von psychologischer Seite sind ihm, so Fathi, "Schwäche seiner geistigen Kräfte, Unzuverlässigkeit sowie eine psychopathologische Persönlichkeitsstruktur und mangelnde Einsichtsfähigkeit" bescheinigt worden.

Deswegen auch ist ihm vom Verwaltungsgericht Koblenz mit Urteil vom 19. Juli 1989 die Zulassung als Arzt entzogen worden.
...

Seine Theorie zur Entstehung von Krebs sei, so Hamer, im Wesentlichen auch durch Träume seines Sohnes inspiriert worden.

Sie besagt u.a.:

  • Krebs entsteht spontan durch hochdramatische, isolative Schockerlebnisse.
  • Konflikte als Krebsauslöser sind im sogenannten "Hamerschen Herd" lokalisierbar.
  • Wasserkonflikt - die Angst zu ertrinken.
  • Mutter-Kind-Konflikt als Auslöser von Brustkrebs. Vermehrte Milchproduktion, um das Kind besser zu versorgen. Wird nicht gestillt, entsteht Krebs.
  • Metastasen sind "Zweitkrebs", ausgelöst durch den Schock bei der Erstdiagnose Krebs.

Laut Hamer besteht folgendes Naturgesetz:

Eine jede Krankheit ist nichts anderes als ein sinnvolles, biologisches Sonderprogramm der Natur.

Dabei will ich es belassen. Wer mehr über Hamers absonderliche, z.T. gefährliche, auf jeden Fall aber immer auch antisemitische Theorien wissen will, dem sei folgende Site empfohlen:

http://www.agpf.de/Hamer.htm

Verschwörungstheorien haben Konjunktur

Thomas Gandow, Sektenberater der Lutherisch-Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg

http://www.ekbo.sekteninformation.de/5.html

Zuerst nahm Thomas Gandow eine Korrektur hinsichtlich des von ihm beabsichtigten Themenschwerpunktes vor. Sein Thema seien nicht Verschwörungstheorien im allgemeinen, er habe vielmehr vor, über einen Aspekt im Umgang mit Sekten zu reden, der bisher wenig öffentliche Beachtung gefunden habe.

Daher habe er das Thema seiner Erörterung folgendermaßen verändert:

Wahn oder Politik? Politischer Einfluss von Kulten - Realität oder Verschwörungstheorie?

Mach es so unglaublich, dass es keiner glaubt.

Dieses Motto von Scientology im Hinblick auf deren Medienpräsenz gibt einen erschreckend unverblümten Einblick in die Art des Umgangs von Kulten bei ihren öffentlichen Verlautbarungen und Selbstdarstellungen. Diese Selbstdarstellungen und die perfekte Zusammenarbeit mit der Politik in sehr vielen Fällen waren Hauptgegenstand der Erörterung Gandows.

Gandow schilderte exemplarisch, dass so bekannte Politiker wie Richard Nixon, Bill und Hillary Clinton, aber auch Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit sich nicht zu schade waren, mit so prominenten Sektenführern oder -mitgliedern wie Mun oder Tom Cruise zusammenzuarbeiten, ihren Organisationen Steuervergünstigungen oder -befreiung zuzusichern oder sich dafür einzusetzen.

Kulte überlassen bei der Verfolgung ihrer Ziele nichts dem Zufall. So sind ihre politischen Aktivitäten mitunter beträchtlich. Sie gliedern sich in theoretische und ganz praktische Vorgehensweisen.

Die theoretischen Aktivitäten sind (nach Dr. V. Martinovich):

  1. Interpretation der Politik aus der Perspektive des Kults,
  2. Beeinflussung der Politik auf spirituellem Wege ("Kampfgebete" evangelikaler Abtreibungsgegner vor Abtreibungskliniken...),
  3. Entwicklung einer religiös-politischen Doktrin.

Die praktischen Aktivitäten:

  1. Unterstützung bestehender politischer Parteien und Regierungen,
  2. ideologische Infiltration politischer Parteien und Regierungsorganisationen,
  3. Organisierung einer neuen politischen Partei,
  4. Beeinflussung der öffentlichen Meinung
  5. Protestaktionen, Kungebungen,
  6. Destabilisierung der existierenden politischen Ordnung und revolutionäre Aktionen.

Organisationen wie Scientology, die LaRouche-Bewegung oder auch die Mun-Sekte werden auf sonderbare Weise nicht stark genug durch den Staat beaufsichtigt, so Gandow.

Dadurch können sie recht erfolgreich politische Lobbyarbeit in eigener Sache betreiben. So heißt es beispielsweise in internen Anweisungen von Scientology:

Die lebenswichtigsten Ziele, in die wir die meiste Zeit investieren müssen:

  1. Den Feind unbeliebt machen bis zu seiner völligen Vernichtung,
  2. Erlangung der Kontrolle oder Loyalität der führenden Vertreter oder Besitzer aller Nachrichtenmedien,
  3. Erlangung der Kontrolle oder Loyalität der politischen Schlüsselfiguren,
  4. Erlangung der Kontrolle oder Loyalität der Personen, die internationale Finanzströme steuern,
  5. die Gesellschaften, in denen wir operieren, generell neu beleben,
  6. eine überwältigende öffentliche Unterstützung gewinnen,
  7. alle ähnlichen Gruppen als Verbündete benutzen."

Doch auch Politiker betreiben Lobbyarbeit für Kulte.

So helfen sie beispielsweise tatkräftig beim "Positioning" dieser Gruppen.

Selbst solche Figuren, die für Massaker an ihren Anhängern verantwortlich waren, wurden in ihrer Anfangszeit durch Politiker "geadelt". Unrühmlichstes Beispiel hierfür ist Jim Jones, der Schlächter von Jamestown in Guyana, der seinerzeit bei der amerikanischen Politik anerkannt war.

Diese Lobbyarbeit von Politikern wird durch die Kulte gern erwidert und zwar durch Lobbyarbeit von Kulten für Politiker.

Für den Wahlkampf Clintons erhielten die Demokraten von Scientology 70 000 US $.

Der koreanische Sektenführer Mun setzte sich für die Contras in Nicaragua ein.

Dann gibt es politische Institutionen als Kultunterstützer.

Beispielsweise wurde durch die Intervention der CIA die Abteilung des griechischen Nachrichtendienstes, die sich mit neureligiösen Bewegungen befasst, abgeschafft und die Mitarbeiter gefeuert.

Präsident Clinton bedankte sich bei Scientology für deren "gesellschaftlich wertvolle Dienste".

Auch intervenierte er gern auf Betreiben von Tom Cruise bei den Aktivitäten seiner Außenministerin Madeleine Albright gegen Scientology.

Man kann sagen, dass es kein Verbot von Scientology in Deutschland gibt, liegt nicht zuletzt auch an einer dauerhaften Unterstützung Scientologys durch die die US-Administration.

Gandow:

"Die aggressive Lobby-Tätigkeit der Kult-Organisationen und ihrer Unterstützer richtet sich gegen das europäische Konzept von Menschenrechten und Menschenwürde und die damit verbundene Errungenschaft der institutionellen Trennung von Politik und Religion bzw. Politik und Ideologie in unseren Ländern.

Diese Trennung bedeutet: Weder darf die Religion sich staatliche, politische Funktionen anmaßen, noch darf sich der Staat als Heilsvermittler aufspielen. Der Staat ist nach europäischer Auffassung und Erfahrung nicht dazu berufen und nicht dazu geeignet, die Menschen zu erlösen; auch nicht durch die Spiritualität der globalen Märkte.

Diese Trennung von Politik und Religion, von Politik und Ideologie wollen die Kult-Organisationen und ihre Unterstützer aufheben. Dabei sind sie teils selbst ideologiegesteuert, teils zynisch, weil sie ideologisierte Menschen für die Durchsetzung ihrer politischen Ziele benötigen.

Was die Kulte interessant für die Benutzung für politische Operationen von der Desinformation bis zu praktischen Aktionen macht, ist ihre Eignung für offene und verdeckte politische Operationen.

  1. Kulte und Sekten werden nicht ernst genommen, werden belächelt; Kritik an den Organisationen kann als überzogen, hysterisch oder „abwegig“, sogar als verschwörungsgläubig abqualifiziert werden;
  2. dadurch wird die direkte Zielsetzung verdeckt;
  3. verdeckte Vorgehensweise ermöglicht Unterwanderung von Bürgergruppen und sogar staatlichen Stellen.
  4. Die Organisationen betreiben interessante Netzwerke auch in die Wissenschaft hinein und für Wissenschaftler.
  5. Weltweite detaillierte personenbezogene Datensammlungen ermöglichen die Tätigkeit als „private“ Nachrichtendienste.
  6. Besondere Visabestimmungen für religiöse Funktionäre erleichtern weltweites Agieren.
  7. Internationale Vernetzung erlaubt kaum aufklärbare finanzielle Transaktionen.

Was tun?

Kulte sind ein politisches Problem.

Sie müssen wegen ihrer politischen Wirksamkeit von den politisch Verantwortlichen und von der Zivilgesellschaft ernst genommen werden. Staatliche Stellen argumentieren, darauf angesprochen, stets, dass sie auf Grund ihrer Neutralitätspflicht nichts gegen die Kulte unternehmen könnten. Ihre Neutralitätspflicht sollte sie wenigstens dazu zwingen, auch nichts für die Kulte zu unternehmen.

Es gibt mehrere gut belegte Fälle der Zusammenarbeit von Kulten mit Politikern und politischen Institutionen. – egal ob in gutem Glauben bzw. naiv oder auf Grund von absichtlicher, z.T. verdeckter gegenseitiger Unterstützung.

Deshalb ist generelles politisches Misstrauen gegenüber Kulten durchaus angebracht. Die Organisationen und ihre Vorstellungen und Ideologien müssen deshalb öffentlich diskutiert werden.

Betroffene müssen gehört und unterstützt werden."

Nach diesen ausführlichen Informationen (, die man im übrigen in voller Länge hier nachlesen kann) ging es in der anschließenden Diskussion mit dem Auditorium um die Frage:

Cruise in Deutschland
Die einhellige Lobhudelei der Medien - zielgerichtete Kampagne oder einfach Medienhype?

Gandow sprach sich vehement für eine Kampagne der Medien aus, Teile der Zuhörerschaft votierten eindeutig dagegen.

Es bleibt spannend.