| über die Bruder- und Geldliebe sogenannter Vorbilder... |
|
|
| Geschrieben von: freiermensch | |||||
| Dienstag, den 06. November 2007 um 12:24 Uhr | |||||
Seite 1 von 4 Als ich mit neun Jahren auf dem Sportplatz mit meiner Klasse „zweiter Weltkrieg“ nachspielte und theatralisch als russischer Offizier „starb“, beobachteten mich meine Eltern. Natürlich hatte ich da das Gefühl, Har-Magedon nicht zu überleben. Aber grundsätzlich blieb ich „linientreu“.Hier kannst du dich an der Diskussion dieses Artikels im Forum beteiligen. Hallo liebe Freunde der wahren, oder sagen wir lieber der transparenten „Wahrheit“, Ich kam 1976 im späten Frühjahr in einer kleineren, beschaulichen Stadt in Süddeutschland zur Welt. Mein Vater, ein sehr intelligenter aber totalitärer und dominanter Mensch, versehen mit der Sucht nach Harmonie. Meine Mutter, eine eher seduktive, sehr liebevolle, aber mit Problemen des täglichen Lebens und Ihrer eigenen Vergangenheit vorbelasteten Frau. Mein frühestes Kindheitserlebnis an welches ich mich erinnern kann, ist sehr bezeichnend. Ich war noch kein Jahr alt, begann wohl zu zahnen. Mein Allerwertester muss wund gewesen sein, ich schrie weil es sehr weh tat und brannte. Alles war dunkel. Die Tür geht auf, mein Vater schaut kurz rein. Er drehte sich um und ging wieder, die Tür blieb einen Spalt auf – offenbar wollte er mich nicht wickeln. Meine Mutter kam kurz darauf hinterher, machte ein warmes Licht an und nahm mich aus dem Bett – klar, sie wickelte mich, cremte mich ein. Mein Vater war nicht dabei. An meine Mutter habe ich sehr viele guten Erinnerungen. Vielleicht auch aufgrund dieser kleinen Geschichte aus der Zeit, in der ich selber noch ein Baby war. Meine ältere Schwester, 20 Monate älter als ich, mochte ich sehr. Obgleich sie wie mein Vater eine dominante Persönlichkeit hatte und in sehr vielen Situationen ziemlich gemein zu mir war. Aber auch heute mag ich sie noch, auch wenn wir nahezu keinen Kontakt mehr haben. Als ich drei Jahre alt war, war sie bereits fünf. Mein Vater verbrachte abends öfters Zeit mit uns. Wir malten und spielten, hatten immer viel Spaß – natürlich merkte ich nicht, dass wir bereits hier eine Doktrin eingetrichtert bekamen, die uns wohl ein Leben lang verfolgen würde. Mein Vater versuchte meiner Schwester lesen und schreiben beizubringen, kam sie doch in Kürze in die Schule. Leider verfehlte sein Versuch das Ziel bei ihr. Ich hatte aber Interesse daran gefunden, lesen zu können. Daher lernte ich lesen und schreiben ohne dass dies das eigentliche Ziel meines Vaters war. Die folgenden Wochen verbrachte ich damit, lesen zu üben, natürlich im Buch „Mein Buch mit biblischen Geschichten“, oder wie man früher sagte „das gelbe Paradiesbuch“. Noch heute kann ich alle Geschichten den Nummern zuordnen. Damit ich die Nummern kann, brachte ich mir die Grundzüge der Mathematik bei. Also Einser, Zehner, Hunderter, sowie Addition und Subtraktion. Mein Vater war hierauf natürlich total stolz und führte mich seither regelmäßig den vielen Besuchern vor, waren wir doch im ausländischen Gebiet tätig (hier kamen viel häufiger externe Vortragsredner, meist von weiter her. Daher blieben die meistens den Rest des Tages zu Besuch). Häufig verweigerte ich in dieser Zeit den „Dienst“ beim vorführen. Ich mochte das nicht. Dennoch brachte mir mein Vater dann bei, alle 66 Bibelbücher in der richtigen Reihenfolge aufzählen zu können, die Könige des 10 und des 2 Stämmereiches aufzählen zu können, den Zeiten zuordnen zu können, sowie weitere, für das eigentliche Leben völlig unsinnige Dinge auswendig vortragen zu können. „Bereichert“ durch diese Erfahrung stand meine erste Aufgabe in der theokratischen Schule an. Damals war das die Aufgabe Nummer zwei. Man musste ca. 15 bis 25 Verse aus der Bibel vorlesen und entsprechend kommentieren. Da ich erst vier Jahre alt war, wurde hierzu das Pult von der Bühne auf den Boden gestellt, das obere Teil abgemacht und dann durfte ich loslegen. Ich war danach zwar der Liebling aller Omas in unserer Versammlung, aber eigentlich kam ich mir da richtig fehl am Platz vor. Sogleich erkannten die Ältesten (das waren damals drei absolut auf sich eingeschworene…) auf die „gute“ Idee, den Jungen binden wir mehr ein, dann wird der in unserem Geiste aufgezogen und wir haben „Nachwuchs“. Da wir im fremdsprachigen Gebiet waren, war mein Vater bereits mit SEHR jungen Jahren nicht nur Ältester, VA usw., sondern wurde von Anfang an immer mit besonderen Aufgaben wie Kongressaufseher, Leiter des Ordnungsdienstes etc. betraut. Somit waren seine Ansprüche seinerseits, sowie seitens der anderen beiden Älteste an mich immer sehr hoch. Was passiert? Ein Junge, der von Erwachsenen akzeptiert wird, gefördert wird und dadurch Anerkennung genießt, wandelt natürlich so lange auf diesem Pfad, bis die Pubertät ihm so viel Selbstbewusstsein mitgibt, dass er anfängt „alleine“ nachzudenken. Davor gab es natürlich auch schon Erlebnisse, die außerhalb „des Guten“ waren. Als ich mit neun Jahren auf dem Sportplatz mit meiner Klasse „zweiter Weltkrieg“ nachspielte und theatralisch als russischer Offizier „starb“, beobachteten mich meine Eltern. Natürlich hatte ich da das Gefühl, Har-Magedon nicht zu überleben. Aber grundsätzlich blieb ich „linientreu“. In mir nagte aber bereits sehr früh das Interesse an Waffen und Kampfkunst. Pistolen faszinierten mich, Bruce Lee war der Größte. Ausleben durfte ich diese Interessen natürlich nicht. Vielmehr verbrachte ich, allerdings freiwillig, meine Kindheit nach der Schule häufig in der Firma meines Vaters. Es bereitete mir stets große Freude, ihm beim Arbeiten zu zusehen, bzw. zu helfen. Ab und zu bekam ich hierfür ein Paar Mark, so dass ich mir mein Taschengeld verdiente. In der Schule wurde ich natürlich ständig damit konfrontiert, dass ich als Zeuge Jehovas ein echter Außenseiter war. Ich konnte es damals überhaupt nicht verstehen, dass die anderen Kinder keine Geschichten über Jehova und Jesus, über das Paradies und Har-Magedon, über Jona und Noah, oder Adam und Eva hören wollten. Aber ich verstand dass die anderen Kinder mich nicht wirklich mochten, weil ich ein Zeuge Jehovas war. Ich war immer nur dann akzeptiert, wenn ich doch Weihnachtslieder mitsang, Ostereier bemalte oder vom Nikolaus Bonbons aus dem Säckchen annahm. Automatisch war ich gezwungen, ein Doppelleben zu führen. Zu Hause war ich daher der weiterhin brave Junge, in der Schule lebte ich dann meine Persönlichkeit aus. Ich akzeptierte bereits hier keine „Obrigkeit“, also war ich ständig auf Kriegsfuß mit meinen Lehrern. Darüber hinaus konnte ich ja in der Schule erstmal nichts lernen, da ich ja bereits lesen, schreiben und rechnen konnte. Somit entwickelte ich mich zu einem „schlechten“ Schüler, einer der immer Interesse daran hatte die Klasse mit Späßen zu unterhalten, statt den Lehrern zu lauschen und den Stoff in der Schule aufzusaugen. „Natürlich“ nahm ich auch nicht am Religionsunterricht teil, auch wenn ich fleißig Weihnachtslieder, Adventslieder sang und alles andere, was „verboten“ war mitmachte. Die Einstellung zur Bildung war seitens meiner Eltern wie die aller Zeugen Jehovas in den frühen 80’er Jahren sehr spartanisch. Nur das Mindestmaß ist in Ordnung, schließlich ist es viel wichtiger, rechtzeitig vor Har-Magedon viele Leute über den Pionierdienst zu erreichen. Geld verdienen, Technologien lernen sowie alle anderen „weltlichen“ Dinge waren nicht gut, auch wenn mein Vater eine Firma hatte und selber nur für zwei Sachen Zeit hatte: das „Werk“, sowie die Firma. |