Mentale Misshandlungen

Betrachtungen nach der Fachtagung "Ritulle Gewalt", vom 24. Juni 2010 in Münster, veranstaltet von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe

Dokumentation der Fachtagung:

„Rituelle Gewalt – das Unheimliche unter uns“ Der Umgang mit ideologisch motivierten Straftaten aus multiprofessioneller Sicht

Erkenntnisse und Reflexionen zum Leben in einer Sekte

Verantwortung für Leben/Tod von anderen durch eigene Handlungsweisen

  • „Achte auf deinen Lebenswandel“
  • Man sollte viel Zeit im Predigtdienst verwenden um andere Menschen zu Jehova zu bringen
  • Man sollte versuchen immer Heimbibelstudien einzurichten
  • Durch seinen Lebenswandel soll man andere davon überzeugen, dass das Leben als Zeuge Jehovas, dass einzig Richtige ist
  • Wenn man einen falschen Lebenswandel an den Tag legt, dann „rettet“ man keine anderen Menschen, sondern man ist verantwortlich für ihre Vernichtung in Harmagedon
  • Durch falsche Handlungen lädt man Blutschuld auf sich

Permanente Todesdrohung gegenüber der eigenen Person aber auch anderen.

  • Der eigene Lebenswandel und Reinheitszustand entscheidet über den Fortbestand des eigenen Lebens am Tag des Gerichts Gottes
  • Jesu Loskaufsopfer
  • Ererbte Sündhaftigkeit
  • Vorbildfunktion als Zeuge Jehovas

"Eigene Schuld" an Strafe.

  • Man soll immer sein Äußertes geben, jedoch ist dies nie genug
  • Durch die eigene Unvollkommenheit macht man Fehler, für diese ist man selbst verantwortlich, denn man hat sich nicht genug angestrengt

Selbst wenn das Opfer tut was von ihm verlangt wird, wird die Maßnahme verstärkt, da angeblich seine Anstrengungen nicht genug seien

  • Aussicht auf Vernichtung in Harmagedon, da man keinen gerechten Lebenswandel führt aufgrund der eigenen Sündhaftigkeit
  • Rechtskomitees Spießrutenlaufen für Mitglieder
  • „Seelenstriptease“
  • Alles haargenau den Ältesten erzählen

Opfern wird gesagt, ihre Mißhandler wüßten genau, was sie denken Opfern wird dauernd Kritik den eigenen Gedanken und Wünschen beigebracht sowie, sich vollkommen mit ihren Mißhandlern zu identifizieren.

  • Jehova sieht, hört … weiß einfach alles, Jehova ist allmächtig

Konditionierung beginnt im Kindesalter – klassische Konditionierung (wenn-dann).

  • Kinder müssen sobald sie sitzen können die 2 mal wöchentlich 90 Minuten durchhalten still zu sitzen, wenn sie nicht still sitzen geht es kurz raus zur Strafe (Schläge, andere eher weniger sichtbare Züchtigungen – Ohr umdrehen, Kneifen, „beschwörend – bedrohend auf sie einreden, Ängste einreden)
  • Passende Trigger (Auslöser) setzen „Sollen wir in die 2. Klasse gehen?“, „Sollen wir Rausgehen?“, Sollen wir auf die Toilette gehen?“

Mißbrauch und Folter sind Realitäten, die Menschen sozial isoliert, psychologisch fragmentiert und physiologisch dissoziert werden.

Diane Poole Heller

Schmerzliche Geheimnisse werden vom Bewusstsein abgetrennt um dem Individuum die Möglichkeit zur Adaption an die Umgebung zu erhalten.

  • Sich getrennt/abgeteilt von der Welt halten, zwar zur Schule gehen aber an keinen weltlichen Feiertagen oder Aktivitäten teilnehmen (keine Weihnachtslieder singen, keine Klassenfahrten, kein Fasching, alles ist von Satan um uns des baldigen ewigen Lebens zu berauben, Tod am Ende des Systems der Dinge)

Jehova ist sowohl der liebende väterliche Gott, als auch der mit dem Tode bestrafende.

Abschließende Gedanken:

  • Der Mensch war vollkommen
  • Gott erschuf ihn vollkommen
  • Durch den Sündenfall von Adam und Eva Unvollkommenheit als Strafe
  • Der Mensch ist/wird nie gut genug sein um ewiges Lebens zu erlangen und Jehova zu erfreuen
  • Des Menschen streben sollte sich danach richten Vollkommenheit zu erlangen um den Tag des Herrn zu überleben
  • Man lernt, dass man nie gut genug ist, dass nichts ausreichend ist, dass man immer mehr geben muss…
  • Man will immer mehr tun um Gott gefälliger zu handeln