Schulbildung ist (eigentlich) unwichtig

Nach außen vermittelt die Wachtturm-Gesellschaft gerne den Eindruck, als wären die Zeugen Jehovas an der Bildung und geistigen Entwicklung ihrer Kinder interessiert. Wer jedoch ihr Zentralorgan, den Wachtturm, aufmerksam liest, kommt zu einer ganz anderen Schlussfolgerung.

Die wirkliche Einstellung zur Schulbildung

Die Erwachet!-Ausgabe vom 22. Januar 2004 ist sehr ergiebig. Die Folge aus der Serie Junge Leute fragen sich ist diesmal überschrieben "Wie finde ich Zeit für meine Hausaufgaben?.

Sollte man es an diesem Punkt noch begrüßen, dass sich die Fragen Junger Leute-Autoren dieses Mal einem produktiven Thema widmen, merkt man beim Lesen des Artikels schnell, dass die Hausaufgaben jugendlicher ZJ diese Leute einen Dreck interessieren!

Hier soll nur den armen, überforderten ZJ-Kindern die "Ausrede" genommen werden, wegen Hausaufgaben "theokratische" Tätigkeiten zu vernachlässigen. Der Artikel fängt ganz harmlos an, wie immer mit O-Ton überforderter Teenager und nichtssagenden Statistikzahlen. Doch dann merkt man gleich, in welche Richtung die Reise geht:

Da die Schule für dich wichtig ist, kannst du dir fest vornehmen, den Fernseher erst einzuschalten, wenn du deine Haushaltspflichten erledigt, dich auf die Zusammenkünfte vorbereitet hast und deine Hausaufgaben gemacht hast.

Und in der Reihenfolge bitteschön - wobei mich wundert, dass die Zusammenkünfte nicht an erster Stelle kommen. Dann wird praktischer Rat erteilt:

Doch auch die Zusammenkünfte dürfen nicht ins Hintertreffen geraten. Wenn ein wichtiger Test oder eine größere Hausaufgabe ansteht, könntest du versuchen, rechtzeitig etwas dafür zu tun, damit du keine Zusammenkünfte versäumst. Eventuell könntest du den Lehrern sogar deine Situation schildern und sie bitten, größere Hausaufgaben, die den Zusammenkünfte in die Quere kämen, möglichst im Voraus anzukündigen. Manche Lehrer gehen vielleicht darauf ein.

Mahnend die Worte:

Bist du "besorgt und beunruhigt um viele Dinge", weil du vielleicht Hausaufgaben und einen Job unter einen Hut bringen willst? Braucht ihr als Familie wirklich das Geld, das du beim Jobben verdienst? Oder findest du es einfach nur schön, mehr Geld zu haben, um dir etwas kaufen zu können, was du dir wünschst, aber nicht unbedingt brauchst? [...] Warum sich unnötig belasten? Wenn deine schulischen Leistungen unter deinem Job leiden, könntest du eventuell weniger arbeiten oder ganz aufhören? [...] Eine weitere Möglichkeit wäre, weniger Wahlfächer zu belegen. Auch den den AGs (Arbeitsgemeinschaften) ließe sich vielleicht etwas streichen. Dadurch hättest du mehr Zeit zum Lernen.

Mit anderen Worten: ZJ Kinder sollen ein spartanisches Leben führen und auf die zusätzliche Qualifikation durch "Wahlfächer" verzichten, um dreimal die Woche an langweiligen, nichtsnutzigen Indoktrinationsstunden teilzunehmen.

So hat auch der Schlusssatz des Artikel nichts mehr mit dem scheinheiligen Thema "Mehr Zeit für Hausaufgaben" zu tun:

Achte darauf, dass etwas so Wichtiges wie das Bibellesen, der Predigtdienst und die Zusammenkünfte, was dir bis in alle Ewigkeit zugute kommt, nicht vor lauter Hausaufgaben vernachlässigt wir (Psalm 1:1, 2; Hebräer 10:24, 25).

Ich möchte einen Satz aus dem Artikel etwas umwandeln:

Warum sich unnötig belasten? Wenn deine schulischen Leistungen unter deinen "theokratischen Anforderungen" leiden, könntest du eventuell weniger machen oder ganz aufhören!"

Grüße von German, einem ehemaligen ZJ-Schüler


Abschließend noch einige Auszüge aus der Literatur zum Thema "Hausaufgaben", denn schließlich sollen auch die Schüler ihre Priorität "richtig" setzen - zuungunsten einer guten Bildung, wie viele Erfahrungen (leider) belegen.

Oder gesetzt den Fall, du bist ein Schüler. Auf deinem Schreibtisch stapeln sich die unerledigten Hausaufgaben. Das meiste davon wurde dir schon vor einiger Zeit aufgegeben, aber du hast es vor dir hergeschoben, und jetzt sind mehrere Arbeiten auf einmal fällig. Du spielst mit dem Gedanken, deine Eltern zu bitten, zu Hause bleiben zu dürfen und deine Aufgaben zu erledigen, statt in die Zusammenkunft zu gehen.

Wem würdest du den Vorrang einräumen: den Überstunden am Arbeitsplatz, der Bügelwäsche, den Schulaufgaben oder der Zusammenkunft der Versammlung? Was ist damit gemeint, auf geistigem Gebiet dem Wichtigsten den Vorrang einzuräumen? Wie denkt Jehova darüber?

Der Wachtturm 1.9. Seite 19 "Dem Wichtigsten unbedingt den Vorrang einräumen"

Und ihnen war bewußt, daß die Vorbereitung auf christliche Zusammenkünfte und den Predigtdienst trotz der Schulaufgaben nicht vernachlässigt werden durfte. Ich ermunterte sie zwar, in der Schule ihr Bestes zu geben, bestand jedoch nie darauf, daß sie nur Einsen schrieben [im englischen "making a high grade" - bedeutet auch "höheren Schulabschluß"], da ich befürchtete, sie würden dies zum Wichtigsten in ihrem Leben machen.

Der Wachtturm 1.2.1991 S. 28 "Als Witwe fand ich wahren Trost"

Mache deine Hausaufgaben sorgfältig, aber richte es so ein, daß sich die Schularbeiten nicht mit theokratischen Aktivitäten überschneiden.

Unser Königreichsdienst August 1998 Seite 1 "Ihr Jugendlichen - macht euch die Schulzeit zunutze"

Lassen einige von uns zu, daß unnötige weltliche Arbeit, Müdigkeit, Hausarbeiten, leichtes körperliches Unwohlsein oder etwas schlechteres Wetter sie von der Verpflichtung abhalten, regelmäßig die Zusammenkünfte zu besuchen?

Unser Königreichsdienst Januar 1994 Seite 1 "Der Besuch der Zusammenkünfte - eine ernste Verantwortung"

Einige mögen die Kinder zu Hause lassen, damit sie die Hausaufgaben machen. Weise Eltern bringen ihre Kinder jedoch mit in die Zusammenkünfte.

Unser Königreichsdienst Mai 1988 Seite 1 "Kindern helfen, aus den Zusammenkünften größeren Nutzen zu ziehen"

Gib den Zusammenkünften Vorrang. Wenn du außergewöhnlich viel Hausaufgaben aufhast, bemühe dich, sie vor der Zusammenkunft zu erledigen. "Ich unterhalte mich noch gern nach der Zusammenkunft und bin oft unter den letzten, die gehen", sagt Simeon. "Aber wenn ich noch Hausaufgaben machen muß, gehe ich gleich."

Junge Leute Fragen sich Kapitel 39 "Wie kann ich mich Gott nahen?"