Religion rechtfertigt nichts

Vorwort:

Aus gegebenen Umständen spreche ich im Folgenden von monotheistischen Religionen und ihrem Gott.

Religion

Der protestantische Theologe Paul Tillich sagte einmal, Religion sei, was uns unbedingt angeht. Und damit hat er vollkommen Recht. Religion geht uns an. Unbedingt. Dabei ist es völlig egal, ob man nun Christ, Muslim, Jude, Buddhist, Atheist, Agnostiker oder was auch immer ist. Religion geht uns unbedingt an. Warum?

Diese Frage ist ganz einfach mit wenigen Worten zu beantworten. Religion wirkt auf uns ein, direkt sowie indirekt. In meinem Fall war es die religiöse Erziehung und das bestehende Interesse an Glaubensfragen sowie an der Religion allgemein. Bei meinem Nachbar ist es die anstehende Kirchensteuer, obwohl er sonst mit der Kirche eigentlich gar nichts am Hut hat. Die Kassiererin im Supermarkt an der Ecke mag einmal im Quartal in den Tempel gehen, wobei ihre Chefin darauf schwört, in der Esoterik Gott in sich selbst zu finden. Und der Kunde will von alledem nichts wissen, muss aber samstags morgens den Zeugen Jehovas erklären, dass er kein Interesse hat. Ein guter Freund von mir, der sehr religionsneutral erzogen wurde, war der Meinung, er habe mit Religion nichts am Hut. Dennoch gingen 90% unserer Gespräche um Gott, die Welt, die Bibel, den Koran und diverse Glaubensrichtungen.

Religion ist wie feiner Sand, irgendwo und irgendwie kommt immer etwas durch, auch wenn man denkt, man sei völlig geschützt. Meiner Meinung nach ist eben das sehr gut. Es hat den Anschein, als ob Religion wieder mehr und mehr an Einfluss gewinnt. Sehr deutlich wird diese Tatsache unter anderem dadurch, dass im UN-Menschenrechtsrat jegliche Kritik an der islamischen Scharia verboten wurde – als sakral erklärt. An anderer Stelle wird der steigende Einfluss von Religion in dem Zulauf durch Megachurches, besonders in den U.S.A., stark vor Augen geführt.

Worin besteht die Attraktivität der Religion, dass sie seit Menschendenken so viel Macht und Einfluss erlangte? Nun, Religion beschäftigt sich mit den tiefgehenden Fragen des Lebens.

Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was geschieht nach dem Tod? Was für ein Sinn hat mein Leben? Wie kann ich meinem Leben einen Sinn geben?

Darüber hinaus gibt sie Hoffnung. Und das in vielerlei Hinsicht. Sie lässt hoffen, verstorbene Menschen wieder zu sehen, die man geliebt hat. Sie lässt hoffen, nach dem Tod in ein schöneres Dasein zu kommen. Sie lässt hoffen, dass jemand hilft, wenn man allein ist, dass Leiden gelindert werden, die Welt ein besserer Ort wird. Und vor allem: Sie verspricht Frieden.

Diese Hoffnung(en) sind für unzählige Menschen ein ungeheurer Trost für diverse Lebenslagen. Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sich dadurch das Lebensgefühl (und somit womöglich die Lebensqualität) der Betroffenen sehr verbessert. Hinzu kommen Einrichtungen wie Diakonische Werke, Schulen und andere Institutionen, die "Dienst am Menschen" anbieten.

Nicht zu verachten sind sicherlich auch gewisse moralische Grundbausteine, zu deren Erhalt Religion beitragen mag. Dazu gehören Eckpfeiler des sozialen Gefüges wie die Regel, seinen Gegenüber so zu behandeln, wie man es sich selbst als Behandlung wünscht. Nicht stehlen, Wahrheit sprechen, sich in Demut üben.

Sicherlich könnte man noch diverse weitere Beispiele hinzufügen, welche die positive Seite der Religion mehr verdeutlichen. Aber schon diese Beispiele reichen aus um zu sagen, dass Religion für viele Menschen einen großen Nutzen darstellt.

Bilden diese Aspekte, welche die positive Seite der Religion darstellen, irgendwelche Rechtfertigungsgründe? Das ist die Frage, mit der sich mein Essay beschäftigt. Im Folgenden möchte ich von einigen, zum Teil sehr bekannten, zum Teil eher unbekannten, Ereignissen und Beispielen für religiöse Interaktionen berichten, welche unweigerlich zu einer gewissen Konsequenz führen. Dieser Konsequenz werde ich mich in einem Unterpunkt zuwenden und sie in selbigem belegen.

Im Verlauf möchte ich darum bitten, die Bedeutung des Wortes „Rechtfertigungsgründe“ im Hinterkopf zu behalten:

Umstände, die bei einer Straftat oder unerlaubten Handlung die Rechtswidrigkeit ausschließen...

Brockhaus

Let’s talk, Volk Gottes!

Das Volk Gottes - Die Christen

Okay, blöder Anfang, davon gibt es ja, gemäß eigenem Anspruch, recht viele. Zuerst einmal geht es um ein wirklich großes Volk Gottes. Es hat 2.1 Milliarden Anhänger und folgt dem Christus – das Christentum.

Zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts startete das Christentum eine große Aktion – die Inquisition. Gerichtet war sie hauptsächlich gegen Häretiker, Juden sowie angebliche Hexen nahm man aber auch gern. Zwischen 1481 und 1808 löschte sie 31000 Menschenleben aus, 2700000 wurden „lediglich“ zu Kerkerstrafen verurteilt.

Wenigstens kann man der Inquisition unterstellen, für das Seelenheil einiger gesorgt zu haben, da das Verbrennen der Verurteilten ein „Akt der Rettung der sonst zu ewigen Verdammnis verurteilten Seele des Ketzers“ (Quelle: Der Brockhaus). Ketzer waren im Übrigen unter anderem diejenigen, die das Gleiche für sich beanspruchten, wie die Katholische Kirche – das richtige Verständnis von Wahrheit. Das Andersdenkende wurde beseitigt, im großen und mehr als brutalen Stil.

Deus lo vult. Gott wollte aber scheinbar nicht nur das, sondern auch viel mehr. Die Beseitigung von Ungewünschten im Namen Gottes ist seit jeher für seine Völker ein adäquates Mittel, um den Willen mit Gewalt durchzusetzen.

Hier ein weiteres Beispiel:
Der erste Selbstmordattentäter der Geschichte war ein Mann des christlichen Gottes. Sein Name war Simson und in seiner Gefangenschaft brachte er 3.000 Menschen auf einen Schlag um – heutige Attentäter können von so einer Quote wohl nur träumen, selbst bei dem Anschlag auf das World Trade Center im Jahre 2001 kamen weniger Menschen um. Jedoch war die Geschichte Simsons als Diener des wahren Gottes keinesfalls verpönt – immerhin geschah es im Namen Gottes.

Dass Ungerechtigkeit im Namen Gottes gern zur Gerechtigkeit gewandelt wird, ist also wirklich nichts Neues. Aber zu alt sicherlich auch noch nicht. Und selbst, wenn es nicht im Namen Gottes geschieht und später der Menschheit als wahrhaftiges Übel offenbar wird, „Jesus setzt sich ja auch an den Tisch der Sünder“ (Zitat Ratziger in „Die geheime Inquisition“, Aussage im Kontext des Vorwurfes der Inquisition). Eben diese Ungerechtigkeiten sind so wie der eingangs erwähnte feine Sand, der durch jede noch so feste Naht zu rieseln scheint.

„Homosexuelle Beziehungen (…) sind in keinem Fall zu billigen.“ Dieses Zitat entstammt aus dem Dokument mit dem Titel Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen. Herausgegeben vom Vatikan, um für den Widerstand gegen die Legalisierung homosexueller Partnerschaften zu wetteifern. Joseph Ratzinger als Oberhaupt der Katholischen Kirche formulierte es etwas deutlicher als es aus obigem Zitat hervorgeht.

Diese Thematik betitelte er als „Legalisierung des Bösen“ (ZEIT Online, 6. August 2003). Den Höhepunkt aber findet der angewandte Schwulenhass in dem bereits erwähnten Dokument. Dort heißt es, die Beziehung zwischen homosexuellen Personen stelle ein objektives Hindernis auf dem Weg zum Frieden dar. Interessant, dass diese Organisation sich so stark gegen die Homosexualität sträubt – jedoch allein in den vergangenen 50 Jahren sich 4.392 ihrer Priester der sexuellen Belästigung Minderjähriger vor Gericht wieder finden durften, wobei 81% der Opfer männlich waren.

Diese Tatsachen im Hinderkopf behaltend mutet es schon fast albern an, dass sich der Vatikan über eine „homosexuelle Atmosphäre“ auf Priesterseminaren beschwerte. Wenig zu lachen haben jedoch wohl die Mitarbeiter, welche mit Entlassungen vom Arbeitsplatz rechnen dürfen – aufgrund ihrer Homosexualität.

Der Psychologieprofessor Udo Rauchfleisch spricht in diesen Belangen von einem „innerlichen Druck“ und einem „permanenten Kampf der eigenen Orientierung“ seitens der Betroffenen.

Dass die Katholische Kirche damit indirekt gegen das Grundgesetz verstößt, scheint eher wenige zu stören. Dabei spricht Artikel 1 (1) direkt von der Unantastbarkeit der Würde des Menschen, Artikel 2 (1) von dem Recht der freien Entfaltung der Persönlichkeit. Wie stark die Katholische Kirche die Würde der Betroffenen sowie die freie Entfaltung der Persönlichkeit angreift, liegt auf der Hand (vielleicht mit einem Gedankenschwenker hinüber zu den tausenden Opfern von „liebevoller Zuwendung des Klerus“) – wird dennoch großzügig toleriert.

Warum? Gibt es in dieser Religion Gründe, die das Genannte rechtfertigen? Wird irgendeine Kleinigkeit gerechtfertigt?

Nun zu einem anderen Volk Gottes.

Noch ein Volk Gottes - Der Islam

Weitgehend berühmt (und berüchtigt) als selbsternannte „Religion des Friedens“ – der Islam. Das zweitgrößte Volk Gottes mit 1.3 Milliarden Mitgliedern. Der mitunter größte Unterschied zum Christentum besteht wohl darin, dass der Islam als Religion nicht vom Staat und der Politik klar getrennt ist. So werden basierend auf der Scharia Rechtsfragen, Kultvorschriften, Normen in der Sozialethik gemäß den religiösen Vorgaben geregelt. Die Scharia bildet somit eine umfassende Lebensordnung, der man sich in entsprechenden Ländern zu beugen hat. Was Verstöße gegen die religiösen Vorgaben nach sich ziehen können und wie sie zuweilen aussehen, möchte ich nun beschreiben.

2005 schrieb das vom Islam geprägte Saudi-Arabien eine Hochbilanz. Um mehr als das doppelte steig die Zahl der Todesurteile, meist verübt durch Enthauptung an, auf 82. Gründe für das Todesurteil sind viele vorhanden, mal ist es Vergewaltigung, mal Mord, mal Drogenhandel und auch gerne die Gotteslästerung. Und, natürlich nicht zu vergessen, die via Religion verurteilte Homosexualität. Das Alter spielt in Saudi-Arabien da eine untergeordnete Rolle, ist die Person zur Tatzeit noch minderjährig, darf sie dennoch zum Tode verurteilt werden.

Ähnlich wie im Iran – nur einen Katzensprung weiter wurde im Jahre 2005 dort auf zwei Jugendlich die Todesstrafe ausgesprochen. Mahmoud Asgari, zu dem zeitpunkt 16 Jahre alt, und Ayaz Marhoni, hingerichtet im Alter von 18 Jahren, wurden gehängt. Der Grund ist eher unklar. Die BILD-Zeitung spricht in einem gewohnt reißerischen Artikel von der Hängung zweier Kinderschänder, die einen 13jährigen Jungen vergewaltigt haben sollte (BILD-Zeitung vom 27. August 2005). Jedoch soll dieses Geständnis erst unter Folter, die während der ca. 2 Jahre dauernden Haft angewandt wurde, wobei öffentliches Auspeitschen dazugehörte, entstanden sein. Nach Angaben der iranischen Studentenbewegung ISNA jedoch war der Grund für die Hinrichtung die homosexuelle Beziehung beider Jugendlichen zueinander. Ein Verbot der Religion.

Berichte über solche Hinrichtungen lassen sich zu Hauf finden. So gibt es Videos, in denen die Hinrichtungen direkt mitgefilmt wurden. Und nicht selten mit einem Chor aus „Allahu akbar“ (= Gott ist der Größte/Gott ist unvergleichlich groß) untermalt. Deus lo vult.

Und wieder will er noch viel mehr. Einige seiner islamischen Vertreter rufen mehr denn je zu Attentaten auf. „Selbstmordattentate sind nach islamischen Gesetz erlaubt“ sagt der religiöse Führer der Sunniten, Mohammed Sajjid Tantawi. Darüber hinaus nannte er diese Attentäter Märtyrer, auch, wenn bei den Anschlägen jüdische Frauen und Kinder getötet werden würde (Quelle: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 18.04.02) Da ist der Artikel 12 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Islam“ vom 19. 9. 1981 auch nicht weiter verwunderlich. Dort heißt es:

a) Jeder kann denken, glauben und zum Ausdruck bringen, was er denkt und glaubt, ohne dass ein anderer einschreitet oder ihn behindert, solange er innerhalb der allgemeinen Grenzen, die die šarî’a vorschreibt, bleibt.

Verwunderlich ist es erst, wenn man den Titel des Artikels hinzufügt, der da lautet: „Das Recht auf Gedanken-, Glaubens- und Redefreiheit“. Gedankenfreiheit? Glaubensfreiheit? Redefreiheit? Formt man seine Gedanken zu einer Rede, welche den eigenen Glauben widerspiegelt, dieser aber nicht mit dem Islam konform geht, ist mit der Todesstrafe zu rechnen. Keine Aussicht auf Freiheit.

Wobei ich natürlich auf keinen Fall sagen möchte, dass der Islam eine Religion des Terrors ist. Nun aber wieder die gleiche Frage, die ich zum Christentum stellte. Gibt es in dieser Religion irgendetwas, das diese Dinge rechtfertigt?

Wird irgendeine Kleinigkeit rechtfertigt?

Was hat nun diese kleine Nachhilfestunde in Sachen „Menschenverachtung seitens der Religion“ gebracht? Natürlich sind diese wenigen Beispiele nur stellvertretend für diverse weitere Ereignisse. Hinzufügen könnte man die Paktierungen der Kirchen mit dem Naziregime, gesetzliche Verstümmelung von Frauen im Islam, die steuerlichen Finanzierungen der Kirchen, die unzähligen Todesopfer der Kreuzzüge, die Forderungen im Koran sowie in der Bibel, welche pure Menschenverachtung darstellen, und, und, und... Aber schon die genannten Beispiele lassen eine gewisse Schlussfolgerung, eine Konsequenz zu. Und meiner Meinung nach lassen sie sie nicht nur zu, sondern sie führen direkt zu ihr. Die tragweite dieser Konsequenz spiegelt sich unter anderem darin wieder, dass diese beiden angesprochenen Glaubensrichtungen 3.4 Milliarden Menschen beherbergen und somit ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen. Was genau sie ist, möchte ich gerne im folgenden Abschnitt darlegen.

Der Theokratische Imperativ

Was benötigt eine Religion oder ein Glauben, damit es wert ist, sich danach zu richten? Meines Erachtens nach gibt es eine große Anforderung, die für die komplette Ausrichtung des Lebens nach den Maßstäben dieser Religion erfüllt sein muss: Den Wahrheitsanspruch.

„Die Werke seiner Hände sind Wahrheit und Recht; alle seine Ordnungen sind beständig. Sie stehen fest für immer und ewig; sie sind recht und verlässlich. Er sendet eine Erlösung seinem Volk; er verheißt, dass sein Bund ewig bleiben soll. Heilig und hehr ist sein Name. Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Klug sind alle, die danach tun. Sein Lob bleibt ewiglich.“

Luther

Psalm 111:7-10 macht es ziemlich deutlich. Es ist die Wahrheit, es ist Recht, man kann sich darauf verlassen, sich danach zu richten ist klug. Diesen Anspruch muss eine Religion erfüllen. Würde man sein Leben auf einen Umstand ausrichten, seine Hoffnung auf etwas setzen, von dessen Wahrheit man nicht überzeugt ist, um dessen Rechtschaffenheit man nicht weiß und was dumm erscheint? Wahrscheinlich nicht.

Und ist der Wahrheitsanspruch erst einmal festgesetzt, geniert es sich ganz ungeschickt. Damit einher geht eine religiöse Rechtfertigung, die ich Theokratischen Imperativ nenne. Jedwede Ungerechtigkeit, insofern folgend aus der Interpretation eines scheinbar göttlichen Umstandes, wird zu einer Gerechtigkeit, da sie als Befehl einer höheren, unfehlbaren Macht angesehen wird. Da diese Macht unfehlbar ist, ist die Sache ebenso unfehlbar, so fehlerhaft sie auch dem menschlichen Auge erscheinen mag.

Der Theokratische Imperativ bildet somit die universelle Rechtfertigung für absolut jede Ungerechtigkeit, welche die Religion begeht.

Was geht mit dem Theokratischen Imperativ einher? Ein existentieller Bestandteil dieses Imperativs ist die große Erlösung und Errettung der Welt aus den Fängen der Ungerechtigkeit (was einen ironischen Beigeschmack hat, behält man obigen Absatz im Hinterkopf).

Diese Errettung wird erwirkt durch Gott, welcher jene rettet, die sich gemäß seinen Anweisungen verhalten. Diese Anweisungen bilden die Grundbausteine der jeweiligen Religion. Mitunter zählt die Bekämpfung derer zu diesen Grundbausteinen, die das entsprechende Glaubensgebilde nicht annehmen. Denn diese Menschen eifern im Grunde genommen gegen die Wahrheit, somit gegen Gott, somit gegen das Gute. Diese Überzeugung verhindert etwas von immenser Bedeutung für die Menschen – Toleranz.

Die Überzeugung des Gegenübers kann nicht als geltend akzeptiert und somit toleriert werden. Die Quintessenz ist das, was die Religion geschafft hat. Sie hat es geschafft, ihr Konto mit den schlimmsten Greueltaten der Menschheitsgeschichte zu füllen – mit dem Theokratischen Imperativ als Rechtfertigung.

Wenn man ihr bisheriges Tun berücksichtigt, kann Religion das schaffen, wonach sie zu streben scheint, wahren Frieden für die Menschen? Nimmt man es genau, darf sie sich den Frieden nicht einmal erlauben. Denn durch das Eintreten des Friedens würde Religion sehr viel an Attraktivität verlieren.

Der Theokratische Imperativ, von jeder Seite für sich beansprucht, verhindert genau das, wonach die Religionen zu streben scheinen. Religion verhindert den Frieden.

Und rechtfertigt sich selbst für das absolute Entgegenwirken gegen den Frieden. Steven Weinberg sagte einmal: „Religion ist eine Beleidigung für die menschliche Würde. Mit oder ohne sie würden gute Menschen Gutes tun und schlechte Menschen Schlechtes. Aber damit gute Menschen Schlechtes tun, dafür braucht es Religion“

Recht hat er. Scheinbar ist es nicht nur so, dass Religion sich nicht den Frieden erlauben darf, sondern viel eher darf sich der Frieden keine Religion erlauben. Nur hat er keine Wahl.

Die Menschheit ist wie der Esel, auf dessen Rücken der schwere Reiter der Religion sitzt und mit einer Angel die Karotte des Friedens immer ein Stückchen vom Maul des Esels entfernt hält. Nahe genug, um zu glauben, ihn erreichen zu können, aber dennoch außer Reichweite.

Ich persönlich kann nur hoffen, dass der Esel irgendwann den Reiter abwerfen wird und sich das nimmt, was der Reiter ihm solange vorenthielt.