Wie stehen Jehovas Zeugen zur Erziehung ihrer Kinder?

Die offizielle Antwort der Zeugen Jehovas:

Jehovas Zeugen betrachten die Kindererziehung als eine ihnen von Gott übertragene, ehrenvolle und verantwortungsvolle Aufgabe. Sie sind überzeugt, Gott selbst darüber rechenschaftspflichtig zu sein, wie sie ihre Kinder erziehen.

Sie akzeptieren die Bibel als praktische und zuverlässige Anleitung für das Familienleben und für die Erziehung ihrer Kinder, jedoch treffen sie alle ihre Familie betreffenden Entscheidungen in völliger Eigenverantwortung. „In Gottes Augen sind der Vater und die Mutter Partner in der Kindererziehung“, heißt es in dem 1996 von Jehovas Zeugen herausgegebenen Buch "Das Geheimnis des Familienglücks" auf Seite 52.

Obwohl die Bibel kein Erziehungshandbuch ist, enthält sie doch Wertvorstellungen, deren Vermittlung sich viele Eltern, auch Zeugen Jehovas, verpflichtet fühlen. Zu diesen gehören unter anderem: Liebe und Nächstenliebe, Mitgefühl und Rücksichtnahme, Respekt und Toleranz gegenüber anderen Meinungen, Kritikfähigkeit und selbstständiges, eigenverantwortliches Denken, Hilfsbereitschaft und soziale Verantwortung, Ehrlichkeit und Zivilcourage sowie die Vermittlung von Allgemeinbildung und biblischen Kenntnissen. (http://www.jehovaszeugen.de/fua/fam/erz/default.htm)

kurz kommentiert:

Den hier angeführten Werten, denen die Erziehung der Kinder angabegemäß folgt, können sich vermutlich die meisten anschließen. Was ist auch einzuwenden gegen Liebe und Hilfsbereitschaft? Und dass religiöse Menschen ihre Kinder anhand der Bibel erziehen, mag zwar dem ein oder anderen Atheisten ein Dorn im Auge sein, fußt aber zutiefst in unserer Kultur.

Also kein Grund zur Beunruhigung? Die von den Zeugen Jehovas selbst formulierte Frage umfasst weit mehr als ihre Antwort. Im folgenden wird erläutert, welche Hauptziele Zeugen Jehovas in der Kindererziehung haben und welche Methoden sie anwenden. Im Anschluss wird auf jede einzelne der von den ZJ erwähnten Wertvorstellungen eingegangen und was genau JZ darunter verstehen.

Wie sieht es mit der „völligen Eigenverantwortung“ der Eltern aus und was sind die Hauptziele der Erziehung?

Durch positive, erbauende Gespräche über die biblische Wahrheit, die Versammlung Gottes und die ernannten Ältesten lehren wir unsere Kinder, Jehova zu achten und seine geistigen Vorkehrungen zu schätzen. Kinder durchschauen schnell Inkonsequenz; deshalb muß mündliche Unterweisung dadurch untermauert werden, daß an unserem Verhalten und unserer Einstellung die eigene tiefe Wertschätzung für geistige Dinge erkennbar ist. Welch ein Segen ist es, wenn für Eltern sichtbar wird, daß ihre Kinder dank ihres guten Beispiels Jehova von ganzem Herzen lieben! (Sprüche 23:24, 25)…

…Wie dankbar sind wir doch, daß Jehova für eine Fülle von Informationen zur Unterweisung und geistigen Förderung von Familien gesorgt hat! Ziehen wir persönlich den größtmöglichen Nutzen aus allem, was durch die Klasse des treuen und verständigen Sklaven [die WTG, d.Verf.] zur Verfügung gestellt wird? (Matthäus 24:45-47).

Ganz besonders wichtig ist es, regelmäßig und konsequent als Familie in entspannter Atmosphäre die Bibel zu studieren… Es wäre zum Beispiel passend, sich vorzunehmen, täglich in der Bibel zu lesen, ein regelmäßiger Verkündiger der guten Botschaft zu werden und so weit Fortschritte zu machen, daß man sich Gott hingeben und sich taufen lassen kann. Ein anderes Ziel könnte der Vollzeitdienst als Pionier, im Bethel oder als Missionar sein. Ayumi, eine junge Japanerin, war noch in der Grundschule, als sie sich vornahm, jedem ihrer Klassenkameraden Zeugnis zu geben… In ihrer sechsjährigen Grundschulzeit richtete Ayumi dreizehn Bibelstudien ein. Eine der Personen, mit denen sie die Bibel studiert hatte, sowie mehrere von deren Angehörigen sind heute getaufte Christen.

Für eine gute geistige Gesundheit ist es zudem erforderlich, regelmäßig die Zusammenkünfte zu besuchen… Kindern sollte beigebracht werden, aufmerksam zuzuhören. Ganz wichtig ist es auch, sich auf die Zusammenkünfte vorzubereiten, denn den größten Nutzen hat man, wenn man sich daran beteiligt, indem man Kommentare gibt. Ein kleines Kind fängt vielleicht damit an, ein paar Worte zu sagen oder etwas aus einem Absatz vorzulesen, doch am meisten profitieren Kinder, wenn man sie schult, die Antworten selbst herauszufinden und sie in eigene Worte zu kleiden. Geben wir als Eltern ein gutes Beispiel, indem wir uns ebenfalls regelmäßig beteiligen und inhaltsreiche Kommentare geben? Empfehlenswert ist außerdem, daß jedes Familienmitglied seine eigene Bibel, ein eigenes Liederbuch und ein Exemplar der Veröffentlichungen besitzt, mit deren Hilfe die Bibel betrachtet wird.

Kluge Eltern lenken den jugendlichen Tatendrang ihrer Kinder in die richtige Bahn — der Dienst für Jehova —, indem sie ihnen helfen, das Predigen zu einem wichtigen Teil ihres Lebens zu machen (Hebräer 13:15). Nur wenn sie mit ihren Kindern gemeinsam in den Predigtdienst gehen, können Eltern sicherstellen, daß ihre Kinder die nötige Schulung erhalten, um zu Dienern Gottes zu werden, die sich ‘wegen nichts zu schämen haben, die das Wort der Wahrheit recht handhaben’ (2. Timotheus 2:15). … Kinder zu lehren, alle Hilfsmittel und Veröffentlichungen richtig zu nutzen, die durch den ‘treuen Sklaven’ zur Verfügung gestellt werden, trägt dazu bei, daß sie ein enges Verhältnis zu Jehova entwickeln (1. Samuel 2:21b). Sprechen sie dann mit den anderen in der Familie über die Ergebnisse ihrer biblischen Nachforschungen, wird das Geistiggesinntsein der Familie noch mehr gestärkt... Erbauende Musik anzuhören und vor allem Lieder zum Lobpreis Gottes zu singen wird einem Kind helfen, eine gesunde Einstellung zu entwickeln, die maßgeblich dazu beitragen kann, sein Verhältnis zu Jehova zu stärken (Kolosser 3:16). (Der Wachtturm, 15.05.2001, S. 21-26)

Die Eltern erhalten hier bereits klare und eindeutige Vorgaben, wie sie ihre Kinder zu erziehen haben. Nicht nur der Besuch, auch die Beteiligung an den Zusammenkünften von klein auf ist selbstverständlich. „Kindern sollte beigebracht werden,…“ Ist das die zitierte völlige Eigenverantwortung?

Auch die Ziele der Erziehung werden in diesem Zitat bereits deutlich: Zunächst einmal soll das Kind „Verkündiger“ werden, später dann „Pionier“ oder „Betheldiener“. Außerdem soll es in der Schule bei den Klassenkameraden mit dem Predigen beginnen.

Wie steht es mit der „völligen Eigenverantwortung“ der Eltern bei Verfehlungen der Kinder, z.B. gegen den Sexualkodex der Gemeinschaft (Hier reicht z.B. schon das Küssen einer „Person vom anderen Geschlecht“)?

Was ist aber, wenn sich der Jugendliche eines ernsten Vergehens schuldig macht? In diesem Fall benötigt er besondere Hilfe und geschickte Lenkung. Begeht jemand, der zur Christenversammlung gehört, eine schwerwiegende Sünde, wird er ermuntert, zu bereuen und die Ältesten um Hilfe zu bitten (Jakobus 5:14-16). Bereut der Betreffende, arbeiten die Ältesten mit ihm daran, sein Geistiggesinntsein wiederherzustellen. In der Familie liegt die Verantwortung, dem auf Abwege geratenen Jugendlichen zu helfen, bei den Eltern, obgleich sie die Sache eventuell mit den Ältesten besprechen sollten. Es wäre verkehrt, irgendwelche schweren Sünden ihrer Kinder vor der Ältestenschaft verbergen zu wollen. (Das Geheimnis des Familienglücks, 1996, S. 86)

Lediglich innerhalb der Familie tragen also die Eltern die Verantwortung, in der Gemeinde oder Versammlung dagegen liegt sie - auch für Jugendliche - offensichtlich bei den Ältesten. Wenn aber die Ältesten eine Mitverantwortung für die Erziehung tragen, so ist der Begriff der „völligen Eigenverantwortung der Eltern“ offensichtlich unzutreffend, wie auch die folgende Anweisung an die Ältesten der Versammlung zeigt:

Die Jüngeren in der Versammlung müssen gestärkt werden, den “Begierden, die der Jugend eigen sind”, zu widerstehen (2. Tim. 2:22). In erster Linie sind die Eltern dafür verantwortlich, für die Bedürfnisse ihrer Kinder zu sorgen (Eph. 6:4; Kol. 3:21). Die Jüngeren sind jedoch ein Teil der Versammlung, und die Ältesten tragen auch ihnen gegenüber Verantwortung und sollten aufrichtiges Interesse an ihnen bekunden…
Achtet auf Möglichkeiten, wie ihr und andere die Jüngeren in der Versammlung unterstützen und ermuntern könnt, und laßt sie ständig spüren, daß ihr an ihnen interessiert seid. Geht auf sie zu und unterhaltet euch mit ihnen im Königreichssaal und anderswo…
Nehmt euch der Jugendlichen an, die Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden haben. Gebt ihnen das Gefühl, daß sie in der Versammlung erwünscht sind und gebraucht werden. Helft ihnen zu erkennen, wie sie sich durch ihre Gegenwart und Beteiligung in den Zusammenkünften und im Predigtdienst nützlich machen und andere ermuntern können…
Schlagt ihnen erreichbare Ziele vor, auf die sie hinarbeiten können, z. B. die wöchentliche Beteiligung am Predigtdienst oder die Beteiligung am Kommentare geben in jeder Zusammenkunft. Sprecht mit ihnen über den Pionierdienst, Betheldienst, Missionardienst, Hilfspionierdienst usw. Arbeitet mit ihnen im Predigtdienst. Helft ihnen, in verschiedenen Bereichen dieser Tätigkeit Fortschritte zu machen, z.B. im Ausfüllen von Haus-zu-Haus-Notizzetteln, Ordnen der Predigtdiensttasche, Durchführen von Rückbesuchen und Einrichten von Bibelstudien. Überprüft, was getan wird, um die Jüngeren in eurer Versammlung zu ermuntern und ihnen beizustehen…
Wenn ein getaufter Minderjähriger eine Missetat begeht, die die Reinheit der Versammlung gefährdet, sollte das beauftragte Komitee mit ihm genauso wie mit einem anderen Versammlungsmitglied zusammenkommen. Am besten wäre es, mit dem Jugendlichen und seinen christlichen Eltern zusammenzukommen; es ist die Aufgabe der Eltern, ihn zu erziehen und zu schulen. Versucht, den Betreffenden nach Möglichkeit wieder zurechtzubringen (Gal. 6:1, Fn.). Falls er sich trotz eurer Bemühungen nicht zurechtbringen läßt, ist es angebracht, ihm die Gemeinschaft zu entziehen. Wenn Minderjährigen die Gemeinschaft entzogen wird, sind die Eltern weiterhin verpflichtet, sie zu erziehen, zu schulen und zu belehren, ja sogar mit ihnen zu studieren, sofern sie noch im elterlichen Heim wohnen (w88 15.11. S.20). (Gebt acht auf Euch selbst und die ganze Herde, 1991)

Die primären Erziehungsziele werden eindeutig von der WTG vorgeben und bestehen darin, sein gesamtes Leben unentgeltlich in den Dienst der WTG zu stellen. Die Erziehungsrichtlinien der WTG, die Aktivitäten der Ältesten und die Erziehung durch die Eltern ergänzen sich gegenseitig. Eine völlige Eigenverantwortung der Eltern kann daher ausgeschlossen werden.

Dieses gilt im übrigen auch deswegen, weil bei Mitgliedern eines „destruktiven Kultes“ eine völlige Eigenverantwortung per definitionem ausgeschlossen werden kann.

Welche Methoden wenden Zeugen Jehovas in der Erziehung an?

Auf die elterliche Autorität bezogen, ist mit der „Rute“ nicht einzig und allein die körperliche Züchtigung gemeint. Sie umfaßt alle Formen der Zucht, die zumeist nicht körperlich erfolgen müssen. Wird körperlich gezüchtigt, dann in der Regel, weil andere Methoden nicht erfolgreich waren… Des weiteren hat wirkungsvolle Zucht ihre Grenzen. „Ich [werde] dich züchtigen müssen in rechtem Maße“, sagte Jehova gemäß Jeremia 46:28 zu seinem Volk. Das sollte man besonders bei einer körperlichen Züchtigung im Sinn behalten. Ein kleines Kind zu schlagen oder zu schütteln kann Gehirnschäden oder sogar den Tod zur Folge haben. (Erwachet!, 08.09.1992, S. 26f)

Allerdings ist die Benutzung von "Hilfsmitteln" durchaus üblich und erlaubt. Jehovas Zeugen betrachten körperliche Züchtigung als ein von Gott verliehenes Recht der Eltern:

Obwohl solche Bezugnahmen auf die „Rute“ verschiedene Arten elterlicher Züchtigung einschließen können, gehört die körperliche Züchtigung sicher dazu. Ob die Eltern sie nun mit der Hand, einem Stock oder einer geeigneten „Rute“ anderer Art vornehmen — sie haben von Gott die Befugnis, ihre Kinder auf liebevolle Weise körperlich zu züchtigen.
Allerdings hilft die Bibel den Eltern, Exzesse zu meiden… Die Bibel billigt es in keiner Weise, ein Kind aus Wut zu schlagen oder zu verprügeln, wobei es verletzt oder auf die Dauer geschädigt werden kann. Das ist Kindesmißhandlung, aber keine liebevolle Zucht.
Weise Eltern erkennen, daß es verschiedene Möglichkeiten gibt, ein Kind zurechtzuweisen oder zu bestrafen. Manchmal genügt ein ernstes Wort. In anderen Fällen braucht man das Kind nur kurzzeitig von der Familiengemeinschaft auszuschließen…
Doch zeigt die Bibel, daß die körperliche Züchtigung als eine gelegentlich geübte Form der Zucht ihren Wert hat, vor allem bei kleinen Kindern... Nicht, daß das Kind zur Untertänigkeit geprügelt werden sollte — aber ein paar feste Klapse mögen ihm zeigen, wer die Autorität hat…
Der kurze Schmerz einiger fester, aber nicht grober Klapse zur rechten Zeit ist sicherlich besser als der Kummer, den Teenager bereiten können, die diese Lektionen nicht gelernt haben…
Der Rat unseres Schöpfers und die erzielten Erfolge beweisen, daß sich die Mühe lohnt. Es ist so, wie Die Gute Nachricht Sprüche 23:13, 14 wiedergibt: "Erzieh deinen Sohn mit Strenge. Eine Tracht Prügel bringt ihn nicht um. Aber wenn du ihm seine Unarten austreibst, wirst du ihm das Leben retten." (Erwachet!, 8.8.1979)

 

Psychologen, die dafür eintreten, daß man Kindern alle Freiheiten läßt, sagen, es sei ein Ausdruck von Haß, sein Kind zu schlagen. Das ist nicht wahr. Laxheit ist ein Zeichen von Haß. (Erwachet!, 22.05.1987, S. 11)

In der Heiligen Schrift wird wiederholt betont, wie nützlich Schläge als Strafmittel sein können. Sprüche 20:30 zeigt, daß die Züchtigung bis ins Innerste dringen und bewirken kann, daß sich der Gezüchtigte bessert. Der Text lautet: „Quetschwunden sind es, die das Schlechte wegscheuern, und Schläge die innersten Teile des Leibes.“ Der Gezüchtigte sollte erkennen, daß er töricht gehandelt hatte und daß er sich ändern sollte (Spr 10:13; 19:29). Wer wirklich weise ist, läßt sich mit Worten zurechtweisen, so daß es nicht nötig wird, ihn zu schlagen.

Da alle Menschen „in Vergehen“ hervorgebracht und „in Sünde“ empfangen werden (Ps 51:5), gibt die Bibel Eltern den Rat, die Rute der Autorität konsequent anzuwenden, manchmal auch in Form der buchstäblichen Rute (Spr 22:15). Dadurch mag das Kind vor Schaden oder gar vor dem Tod bewahrt werden (Spr 23:13, 14). (Einsichten über die heilige Schrift, Band 2, 1992, S. 848)


Und welches Elternteil möchte sein Kind nicht vor Schaden oder dem Tod bewahren? Natürlich, Schläge gibt es nur, wenn Worte nicht helfen. Aber es gibt sie als finales Erziehungsmittel. Und was hat ein Kind alles zu beachten?

Kinder können erzogen werden, zu Hause und auch in der Versammlung ruhig zu sitzen, ohne daß sie zur Toilette gehen, wenn es nicht nötig ist. Eine solch gute Schulung zahlt sich anläßlich des Kongresses aus, indem sowohl die Eltern wie auch die Kinder aus dem Programm vollen Nutzen ziehen. Kinder können sich von Natur aus nicht so lange auf eine Sache konzentrieren wie Erwachsene. Abhilfe kann geschaffen werden, wenn die Eltern empfehlen, daß die Kinder Schriftstellen aufschreiben, statt Bilder usw. zu malen. (Unser Königreichsdienst Juni 1983, S. 4)

Wenn Eltern sich an den Zusammenkünften beteiligen und ihnen die volle Aufmerksamkeit schenken, werden ihre Kinder wahrscheinlich dasselbe tun. Es ist nicht vernünftig, Spielzeug und Malbücher mitzunehmen, um Kinder bei Laune zu halten. Unnötiges Aufsuchen der Toilette hindert sie ebenfalls daran, gut zuzuhören. Eltern sollten sich ernsthaft darum bemühen, daß ihre Kinder in den Zusammenkünften stillsitzen und zuhören, da ‘Torheit an das Herz eines Knaben geknüpft ist’ (Spr. 22:15). (Unser Königreichsdienst Januar 2001, S. 1)


Während der zweistündigen Versammlung zappeln, malen, nicht gerade-sitzen, … all das zeugt von mangelnden Respekt Jehova gegenüber und bedarf züchtigender Maßnahmen. Natürlich, zunächst mit Worten…

Und auch außerhalb der Versammlung sind die Erziehungs- und Lehrmethoden nur auf ein Ziel gerichtet:

Um Eltern behilflich zu sein, das Herz ihres Kindes zu erreichen, haben Jehovas Zeugen für Veröffentlichungen gesorgt, wie zum Beispiel das Buch Auf den Großen Lehrer hören... Du kannst dir die ansprechende Methode des Lehrer-Buches zunutze machen, indem du sagst: „Wir wissen, daß alles seinen Grund hat, wenn es in der Bibel steht.“ Stelle dann die Frage: „Was möchte uns Gott also deiner Meinung nach über Geburtstagsfeiern zeigen?“ Auf diese Weise wird deinem Kind geholfen, über die Sache nachzudenken und richtige Schlüsse zu ziehen. Eltern können außer dem Lehrer-Buch noch weitere Schriften benutzen, unter anderem Mein Buch mit biblischen Geschichten und die Artikelserie „Jesu Leben und Wirken“, die seit April 1985 in jeder Ausgabe des Wachtturms erscheint. Verwendest du diese Artikel zur Belehrung deiner Kinder, und ziehst du auch selbst Nutzen daraus?

Du solltest mit deinem Kind immer wieder Stoff besprechen, der von Streitfragen oder Situationen handelt, mit denen es in der Schule konfrontiert wird. Mache deinem Kind klar, daß ihr beide Jehova Rechenschaft abzulegen habt (Römer 14:12). Hebe all das Gute hervor, was Jehova für uns tut, so daß sich in dem kleinen Herzen des Kindes der Wunsch regt, Jehova zu gefallen (Apostelgeschichte 14:17). Laß die Unterweisung zur Freude werden. Kinder hören gern Geschichten. Bemühe dich deshalb, die Belehrung auf eine lebendige Weise zu erteilen, die das Herz des Kindes erreicht…

Die Belehrung sollte auf das Alter des Kindes abgestimmt werden. Bei einem kleinen Kind, dessen Aufmerksamkeit nicht lange anhält, solltest du mehrmals täglich eine kurze Zeit dafür vorsehen. Dehne dann die Belehrung allmählich zeitlich aus, und gestalte sie inhaltsreicher. Es kann nicht genug betont werden, wie wichtig es ist, regelmäßige Zeiten für das Belehren der Kinder festzusetzen (1. Mose 18:19; 5. Mose 11:18-21). (Der Wachtturm, 01.08.1988, S. 13f)


Zeugen Jehovas befürworten Schläge als Erziehungsmittel, wenn mündliche Ermahnungen nicht fruchten. Auch kleine Kinder sollen die Zeit in den Zusammenkünften (ca. 2 Stunden) nicht malend o.ä. verbringen. Außerhalb der Zusammenkünfte werden kleine Kinder mehrmals täglich anhand der WTG-Schriften unterwiesen, bei größeren Kindern wird diese Belehrung weiter ausgedehnt.

Was bedeutet für einen Zeugen Jehovas Erziehung zu

Liebe und Nächstenliebe?

Viele aufrichtige Menschen sind der Ansicht, die wirksamste Art der Nächstenliebe bestehe darin, Krankenhäuser und Schulen zu bauen und zu unterhalten, für wohltätige Zwecke zu spenden und sich an verschiedenen Formen der Sozialarbeit zu beteiligen…

Obwohl Mitleid Jesus veranlaßte, für die physischen Bedürfnisse der Menschen zu sorgen, bestand in Wirklichkeit sein Hauptinteresse darin, ihnen die geistige Hilfe zukommen zu lassen, die ihnen ihre religiösen Führer vorenthalten hatten… Weil er der Predigttätigkeit — nicht der Sozialarbeit, dem Bau von Krankenhäusern oder der Unterhaltung von Hilfswerken — den Vorrang in seinem Leben gab, konnte er später zu Pilatus sagen: „Dazu bin ich geboren worden und dazu bin ich in die Welt gekommen, damit ich für die Wahrheit Zeugnis ablege“ (Johannes 18:37).

Jesus verlieh seinen Aposteln zwar die Fähigkeit, durch Wunderheilungen Gutes zu tun, doch in seinen letzten Anweisungen vor seiner Auffahrt in den Himmel erwähnte er diese Fähigkeit nicht. Statt dessen gebot er ihnen: „Geht daher hin, und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe.“ Zweifellos bestand der wichtigere Auftrag darin, ‘Jünger zu machen, sie zu taufen und sie zu lehren’ (Matthäus 28:19, 20).

Predigen ist nützlich, weil es Menschen hilft, die Grundsätze der Bibel anzuwenden…

Zugegeben, Predigen löst nicht jedes Problem. Dennoch ist es sehr wirksam, weil es eine Hoffnung vermittelt. Unter Gottes Königreich wird jedes Problem gelöst werden. Jesus wird dann zum Wohl aller Lebenden — nicht nur einiger weniger — Wunder wirken. Und dies wird nicht lediglich eine vorübergehende Erleichterung bringen, sondern von bleibendem, ja ewigem Nutzen sein. (Siehe Johannes 17:3.) Somit wird dadurch, daß man andere lehrt, Glauben an das Loskaufsopfer Jesu und die daraus resultierenden Segnungen auszuüben, auf lange Sicht am meisten Gutes bewirkt. (Der Wachtturm, 01.10.1986, S. 22ff)

Unsere Nächstenliebe veranlaßt uns, unsere Nächsten zu ermuntern, Erkenntnis über Gottes Willen und seine Vorsätze zu erlangen, damit sie wie wir Jehova liebenlernen und die Aussicht auf den Preis des ewigen Lebens haben. (Unser Königreichsdienst April 1998, S. 1)


Nicht in sozialen Diensten, sondern im Predigtdienst zeigt sich für einen Zeugen Jehovas die Nächstenliebe. Erziehung zur Nächstenliebe bedeutet Erziehung zum Predigtdienst.

Mitgefühl und Rücksichtnahme?

Bestimmt sollten … wir alle, die zur Versammlung gehören, mitfühlend und freundlich behandeln. Es kann schon sein, dass der eine oder andere darunter ist, mit dem nicht so leicht auszukommen ist oder der geistig nicht so stark ist. Aber wenn sie Jehova lieben, wollen wir ihnen trotzdem helfen und ihnen Mitgefühl erweisen. (Der Wachtturm, 15.08.2003, S. 19f)

In der Versammlung können wir auf die Gefühle anderer dadurch Rücksicht nehmen, daß wir ihre Würde wahren, sie so behandeln, wie wir gern behandelt werden möchten (Matthäus 7:12). Das würde einschließen, darauf zu achten, was wir sagen und wie wir es sagen (Kolosser 4:6). Bedenken wir, daß ‘gedankenlose Worte wie Schwertstiche’ sein können (Sprüche 12:18). Wie verhält es sich mit der Familie? Mann und Frau, die einander wirklich lieben, haben ein Gespür für die Gefühle des anderen (Epheser 5:33). Sie vermeiden scharfe Worte, harte Kritik und beißenden Sarkasmus — all das kann Gefühle verletzen, etwas, was nicht unbedingt leicht zu überwinden ist. Auch Kinder haben Gefühle, und liebevolle Eltern berücksichtigen diese. (Der Wachtturm, 15.02.2000, S. 18)


ZJ werden aufgefordert, Ihren Glaubensbrüdern und Familienangehöigen gegenüber mitfühlend, rücksichtsvoll und freundlich zu sein. Und im Verhältnis zu allen anderen Menschen?

Ein Terroranschlag versetzte viele Bürger des betroffenen Landes in einen Schockzustand. Nicht wenige verloren Familienangehörige, den Geldverdiener, Freunde, die Arbeitsstelle oder etwas anderes, was ihnen ein Gefühl der Sicherheit gegeben hatte. Zeugen Jehovas boten den Menschen in ihrem Wohnort Hilfe an, drückten denen ihr Mitgefühl aus, die einen Verlust erlitten hatten, und zeigten ihnen tröstende Worte aus der Bibel. (Der Wachtturm, 01.05.2003, S. 22)

Wenn wir wie Jesus Mitgefühl mit den Menschen haben und ihnen wirklich helfen möchten, zeigt sich das darin, wie wir mit ihnen reden. Unsere Herzlichkeit muss aufrichtig sein, nicht übertrieben. Sie kann ausschlaggebend dafür sein, wie die Menschen reagieren. Beinahe alles, was wir im Predigtdienst sagen, bietet sich für eine herzliche Ausdrucksweise an, vor allem, wenn wir überzeugen, ermuntern, gut zureden und unser Mitgefühl ausdrücken möchten.

Dein Gesichtsausdruck sollte von herzlichem Mitgefühl zeugen, das du anderen gegenüber hast. Offenbarst du Herzlichkeit, fühlen sich die Zuhörer zu dir hingezogen wie zu einem Feuer in einer kalten Nacht. (Nutze die Belehrung der Theokratischen Predigtdienstschule, 2002, S. 119)

Sei rücksichtsvoll. In dieser Hinsicht kannst du vieles um der guten Botschaft willen tun. Wenn du rücksichtsvoll bist, wirst du ältere oder kränkliche Personen nicht lange an der Tür aufhalten. Du könntest vorschlagen, dich mit ihnen in der Wohnung zu unterhalten, wo es für sie bequemer ist. Oder vielleicht entschließt du dich unter den gegebenen Umständen, deinen Besuch abzukürzen. Sei auf jeden Fall rücksichtsvoll. Zeige, daß dir die Person am Herzen liegt (Matthäus 9:35, 36). (Der Wachtturm, 15.11.1989, S. 13)


Aus Mitgefühl gehen Zeugen Jehovas in den Predigtdienst. Und aus Rücksichtnahme schlagen sie vor, sich doch in der warmen Wohnung statt der kalten Tür weiter zu unterhalten. Erziehung zum Mitgefühl ist Erziehung zum Predigtdienst.

Respekt und Toleranz gegenüber anderen Meinungen?

Die Jeremia-Klasse (Zeugen Jehovas, d.Verf.) hat die Geistlichkeit schonungslos bloßgestellt. In einer Stellungnahme anläßlich des internationalen Kongresses „Göttlicher Wille“, der 1958 in New York stattfand, sagte zum Beispiel der Vizepräsident der Watch Tower Society unter anderem: „Ohne zu zögern und unzweideutig erklären wir, daß die Ursache aller Verbrechen und der Pflichtvergessenheit, des Hasses und Streites und der Voreingenommenheit . . . und der wahnsinnigen Verwirrung in der falschen Religion zu suchen ist, hinter der der unsichtbare Feind des Menschen, Satan, der Teufel, steht. Die Hauptverantwortung für die gegenwärtige Weltlage tragen die religiösen Unterweiser und Führer, von denen die Geistlichen der Christenheit am meisten zu tadeln sind…“ Junge Leute können leicht in die Falle verderblicher Videofilme und verderblicher Musik tappen. Wir dürfen nicht vergessen, daß die heute vorherrschende Einstellung „Alles ist erlaubt“ unmittelbar darauf zurückzuführen ist, daß die Geistlichkeit Irrlehren verbreitet und es versäumt hat, die gerechten Maßstäbe Gottes hochzuhalten. Die Jeremia-Klasse kämpft gegen dieses unsittliche Gedankengut an und hilft Jehovas Dienern, die Schlechtigkeit zurückzuweisen, von der die Christenheit überflutet wird. (Der Wachtturm, 01.03.1994, S. 11f)


Hinter den Geistlichen der Christenheit (allen Christen, die nicht ZJ sind), steht demnach der Teufel höchstpersönlich. Inwieweit diese Auffassung von „Respekt gegenüber Andersdenken“ zeugt, wird der Schlussfolgerung des Lesers überlassen. Und zum Thema Toleranz?

Da uns durch die Gesetze der weltlichen Nationen, unter denen wir leben, und durch die Gesetze Gottes durch Christus Jesus Schranken auferlegt sind, können wir nur bis zu einem gewissen Grade gegen Abgefallene Schritte unternehmen, das heißt in Übereinstimmung mit beiden Gesetzgebungen. Das Gesetz des Landes und das Gesetz Gottes durch Christus Jesus verbietet uns, Abgefallene zu töten, auch wenn sie Glieder unserer eigenen Blutsverwandtschaft sind. Gottes Gesetz verlangt jedoch von uns, den Entzug der Gemeinschaft mit der Versammlung anzuerkennen, und dies trotz der Tatsache, daß das Gesetz des Landes, in dem wir leben, von uns aus natürlicher Verpflichtung verlangt, mit solchen Abgefallenen unter einem Dach zu leben und mit ihnen Umgang zu haben. (Der Wachtturm, 15.01.1953, S. 63f)


Diese Aussage ist zwar schon etwas älter, bis heute jedoch nicht zurückgenommen worden. An Deutlichkeit ist sie kaum zu überbieten.

Kritikfähigkeit?

Zweifellos wirst du als Jugendlicher fast mit der gleichen Regelmäßigkeit von deinen Eltern zurechtgewiesen, wie du etwas ißt. So sehr dich das manchmal auch ärgern mag, es ist nicht unbedingt schlecht. Jeder von uns muß von Zeit zu Zeit zurechtgewiesen werden; konstruktive Kritik kann förderlich und nützlich sein.

Allerdings schießen Eltern manchmal etwas über das Ziel hinaus und treiben ihre Kinder durch ihr Nörgeln schier zur Verzweiflung (Kolosser 3:21). Oder sie bekommen ihre Gefühle nicht mehr unter Kontrolle, beschimpfen ihre Kinder und demütigen sie wegen geringfügiger Fehler. Aber ungeachtet dessen, wie Kritik geübt wird, kann man davon profitieren… Da dir deine Eltern sehr nahestehen, mag ihre Nörgelei natürlich äußerst schmerzhaft sein. Lernst du jedoch, auf Kritik klug zu reagieren, kannst du den Schmerz verringern und den Nutzen vergrößern…

„Jedesmal, wenn er etwas anstellt, sage ich: ‚Du Trottel!‘ “ gibt ein Vater zu. Was tun, wenn deine Eltern dich auch noch beschimpfen oder beleidigen?…

Konzentriere dich nicht auf die vermeintlich ungerechte Äußerung; das macht dich noch ärgerlicher. Konzentriere dich statt dessen auf die Gebiete, auf denen du dich verbessern mußt. Denke daran, daß deine Eltern dich lieben und daß sie dir wahrscheinlich nicht feindlich gesinnt sind…

Statt einen „Gegenangriff“ zu starten, könntest du die Beleidigung etwas abschwächen. Versuche zum Beispiel, das, was deine Eltern gesagt haben, etwas anders zu formulieren, so daß ihre Aufmerksamkeit auf das eigentliche Problem gelenkt wird. Wenn dein Vater dich Trottel nennt, weil er nicht damit einverstanden ist, wie du das Auto gewachst hast, versuche zu antworten: „Du ärgerst dich, weil ich das Auto nicht gut gewachst habe.“ Du könntest die Kritik auch einfach annehmen. („Du hast recht, Vati. Ich hätte mir mehr Mühe geben sollen.“) Oder du fragst, was konkret du verbessern kannst. (Erwachet!, 08.12.1992, S. 10ff)


Kritik von Eltern oder anderen „Autoritätspersonen“ anzunehmen, ist Erziehungsziel. Dabei „darf“ der Jugendliche den Ausruf „Du Trottel!“ auch ruhig mit „Du hast recht, Vati“ erdulden.

Wie sieht es mit Kritik „nach oben“ aus?

Es mißfiele Jehova sehr, wenn wir den christlichen Aufsehern nicht gehorchten und ihnen gegenüber nicht unterwürfig wären… In der Welt herrscht eine Abneigung gegen die Führung durch andere. So sagte ein Dozent: „Das steigende Bildungsniveau hat den Talentpool stark verbessert, und die Schüler sind deshalb dermaßen kritisch, daß sie fast nicht mehr zu führen sind.“ Aber in Gottes Organisation herrscht kein unabhängiges Denken vor, und wir haben gute Gründe, den Männern zu vertrauen, die unter uns die Führung übernehmen… Statt wegen der begrenzten Fähigkeiten der Ältesten enttäuscht zu sein und ihren Rat leichtzunehmen, wollen wir ihre biblisch begründete Leitung als von Gott kommend annehmen und schätzen…

Als Zeugen Jehovas sind wir für die Organisation, die Gott in den gegenwärtigen letzten Tagen geschaffen hat, dankbar, und diese Dankbarkeit veranlaßt uns, die Ältesten zu respektieren. Wir sollten die Vorkehrungen, die sie zu unserem Nutzen treffen, freudig und uneingeschränkt unterstützen… Wir haben allen Grund, die wiederholten Ermahnungen, den Rat und die Anweisungen der Organisation Jehovas und der ernannten Ältesten zu befolgen, auch anzunehmen. (Der Wachtturm, 15.09.1989, S. 22ff)

Wie daher Kinder verpflichtet sind, ihren Eltern in allem zu gehorchen, so müssen Eltern gleicherweise in allem gehorsam sein, was Jehova von ihnen fordert… Wer würde die Aussicht, ewig zu leben, dadurch aufs Spiel setzen wollen, daß er es versäumt, Gehorsam zu lernen, weil er Zucht nicht annimmt? (Der Wachtturm, 1.10.1992, S. 29)


Gehorsam, und nicht Kritik ist gefragt. Und zwar „in allem“. Dieses gilt auch dann, wenn man „unter Freunden“ ist:

Es ist nichts dagegen einzuwenden, aufrichtige Fragen zu einem biblischen Thema zu stellen. Doch was wäre, wenn wir eine negative Einstellung entwickeln würden, die in kritischen Diskussionen im engsten Freundeskreis zum Ausdruck käme? Wir wären gut beraten, uns zu fragen: „Wohin wird das wahrscheinlich führen? Wäre es nicht viel besser, demütig um Weisheit zu beten, statt weiter zu murren?“ (Jakobus 1:5-8; Judas 17-21). Korah und seine Unterstützer, die gegen die Autorität von Moses und Aaron rebellierten, mögen so sehr von der Richtigkeit ihrer Ansicht überzeugt gewesen sein, daß sie sich gar keine Gedanken über ihre Beweggründe machten. Trotzdem waren sie ganz und gar im Unrecht. Dasselbe traf auf die Israeliten zu, die wegen der Vernichtung Korahs und der anderen Rebellen murrten. Wie weise ist es doch, solche Beispiele zum Anlaß zu nehmen, unsere Beweggründe zu überprüfen, vom Murren oder Klagen abzustehen und uns von Jehova läutern zu lassen! (Psalm 17:1-3). (Der Wachtturm, 15.6.1996, S.21f)


selbstständiges, eigenverantwortliches Denken?

Heute müssen Christen es vermeiden, sich unnötig mit schädlichem Gedankengut zu befassen… Auf Jehova zu vertrauen schließt ein, jeden Gedanken zurückzuweisen, der dem Wort Gottes widerspricht, ob er nun unserer eigenen Überlegung entspringt oder der unserer Mitmenschen.… Befassen wir uns mit… der Fülle von Ansichten einiger Wissenschaftler und Gelehrter, die an der Echtheit der Bibel zweifeln. (Vergleiche Jakobus 3:15.) Solches Material erscheint wiederholt in bekannten Zeitschriften und Büchern, und es kann das Vertrauen in die Bibel untergraben… Christen … wehren sich gegen den Kontakt mit irgendwelchen Informationen, die womöglich in geistiger Hinsicht schädlich sind (Der Wachtturm, 1.5.2000)

Die heutige Welt ist von dem Hang zur Unabhängigkeit von Gott und seinen Gesetzen durchdrungen. Daher müssen wir diesem Geist entgegenwirken… Dazu ist es nötig, den deutlichen Rat der Bibel zu beachten: „Liebt nicht die Welt noch die Dinge in der Welt. Wenn jemand die Welt liebt, so ist die Liebe des Vaters nicht in ihm“ (1. Johannes 2:15). Deshalb verabscheuen wir den Geist der Welt — ihren Hang zur Unabhängigkeit.. Wir machen es uns zur Gewohnheit, auf Jehova zu hören… Wie herzerfreuend ist es daher, zu sehen, wie die große Volksmenge [dieser Begriff bezeichnet nahezu alle heute lebenden ZJ, d.Verf.] diese kostbare Gelegenheit nutzt und sich mit Eifer von Jehova durch sein Wort und seine liebevolle Organisation unterweisen lässt sowie vereint in Richtung neue Welt auf seinen Pfaden wandelt! (Den allein wahren Gott anbeten, 2002, S. 12f)


Die dargelegten Fakten zeigen, dass die Eigenverantwortung im Denken darin besteht, stets so zu denken, wie es Jehova und seine Organisation tun. Unabhängiges Denken ist verpönt. (Mehr zu diesem Thema unter diesem Link.) Dieses betrifft bei weitem nicht nur das religiöse Leben, sondern zieht sich durch jeden Bereich des Privatlebens.

Hilfsbereitschaft und soziale Verantwortung?

Warum betreiben Jehovas Zeugen keine Krankenhäuser oder Kliniken und beteiligen sie sich nicht an Hilfswerken oder anderen sozialen Einrichtungen, wie es viele andere religiöse Gruppen tun?

Jehovas Zeugen … sind Gott hingegebene Diener des Evangeliums, und sie haben den Auftrag, die gute Botschaft von Gottes Königreich in aller Welt zu einem Zeugnis zu predigen und zu lehren, bevor das Ende kommt (Matthäus 24:14). Wie Jesus sagte, ist die Ernte groß, und der Arbeiter sind wenige. Es wäre unverzeihlich, dieses höchst wichtige Werk zu vernachlässigen, um sich anderen Aktivitäten zuzuwenden, so lobenswert diese auch sein mögen (Matthäus 9:37, 38). (Der Wachtturm, 1.12.1990, S. 23f)


Wie bereits weiter oben (Liebe und Nächstenliebe) ausgeführt, bedeutet Erziehung zu sozialer Verantwortung in erster Linie Erziehung zum Predigtdienst.

Ehrlichkeit und Zivilcourage?

Ein treuer Zeuge wird keinen Meineid leisten. Seine Aussagen sind nicht mit Lügen gespickt. Das bedeutet aber nicht, dass er denen, die dem Volk Jehovas schaden möchten, alles, was er weiß, preisgeben muss. Die Patriarchen Abraham und Isaak enthielten Personen, die keine Anbeter Jehovas waren, bestimmte Informationen vor (1. Mose 12:10-19; 20:1-18; 26:1-10). Rahab aus Jericho schickte Gesandte des Königs in die falsche Richtung (Josua 2:1-7). Auch Jesus Christus gab keine Informationen preis, die ihn nur unnötig in Gefahr gebracht hätten (Johannes 7:1-10). Er sagte: „Gebt das Heilige nicht Hunden.“ Warum nicht? Damit sie sich nicht „umwenden und euch zerreißen“ (Matthäus 7:6). (Der Wachtturm, 15.11.2004, S.27f)

Warum täuschte Rahab die Männer des Königs, die nach den Kundschaftern suchten? Rahab schützte die Kundschafter unter Einsatz ihres Lebens, weil sie an Jehova glaubte. Daher fühlte sie sich nicht verpflichtet, den Aufenthaltsort der Kundschafter an Männer zu verraten, die dem Volk Gottes schaden wollten (Matthäus 7:6; 21:23-27; Johannes 7:3-10). Rahab wurde „durch Werke gerechtgesprochen“; dazu zählte, dass sie die Abgesandten des Königs in die falsche Richtung schickte (Jakobus 2:24-26) (Der Wachtturm, 1.12.2004, S. 8f)


Wer, wie die ZJ, die angeführten Bibeltexte nachschlägt, wird schnell feststellen, dass es nicht nur um das Vorenthalten, also das Verschweigen von Fakten geht, sondern das die betreffenden Personen jeweils die Unwahrheit sagten. Die WTG lehrt somit, dass immer dann, wenn die Wahrheit den ZJ schaden könnte, die Unwahrheit gesagt werden sollte.

Weitere Ausführungen zu diesem Thema siehe auch: Werden Zeugen Jehovas zum Lügen erzogen?

Und welchen Wert hat Allgemeinbildung?

Für viele junge Leute in der Welt ist Bildung ein Statussymbol, etwas, was ihnen hilft, auf der gesellschaftlichen Stufenleiter emporzukommen, der Schlüssel zu einem Leben in materiellem Wohlstand. Für andere ist der Schulbesuch eine unangenehme Pflicht, die man so schnell wie möglich hinter sich bringen sollte. Keine dieser Ansichten ist für wahre Christen angebracht. Was könnte als „ausgeglichene Ansicht“ bezeichnet werden? Christen sollten Bildung als Mittel zum Zweck betrachten. Es ist ihr Ziel, Jehova in den letzten Tagen so viel und so wirkungsvoll wie möglich zu dienen. Wenn sie in dem Land, in dem sie leben, mit einer minimalen Schulbildung oder nach einer Lehre nur Arbeitsstellen finden können, die keinen ausreichenden Verdienst bieten, daß sie Pionier sein können, dann mag eine zusätzliche Ausbildung oder Schulung in Betracht gezogen werden. Das eigentliche Ziel dabei wäre allerdings der Vollzeitdienst. (Der Wachtturm, 1.11.1992, S. 18)


Dem ist an Deutlichkeit nichts mehr hinzuzufügen.

Wie wird „biblisches Wissen“ interpretiert?

Es erscheint notwendig, darauf hinzuweisen, was genau die ZJ unter einem Studium der Bibel verstehen:

Das Buch Den allein wahren Gott anbeten soll Neuen helfen, Fortschritte in der Wahrheit zu machen und ihre Wertschätzung für Jehova und seine Organisation zu vertiefen. Es kann bei Personen, die die Bibel studieren, als zweites Studienbuch verwendet werden. In Unserem Königreichsdienst für Juni 2000 wird auf Seite 4 erklärt: „Wenn klar ist, dass jemand Fortschritte macht — obwohl langsam — und dass er Wertschätzung für das entwickelt, was er lernt, dann setzen wir das Studium mit einem zweiten Buch fort, nachdem die Erwartet-Broschüre und das Erkenntnis-Buch durchgenommen worden sind. ... In jedem Fall werden die Erwartet-Broschüre und das Erkenntnis-Buch zuerst studiert. (Unser Königreichsdienst, März 2003, S. 7)


Ein Bibelstudium ist demnach gleichbedeutend mit einem „Studium“ von Broschüren und Büchern der WTG. Erziehung, die „biblisches Wissen“ vermittelt, manifestiert sich demnach wie folgt:

Verstehen deine Kinder die Lehren der Bibel? Haben sie die für das tägliche Leben gültigen Grundsätze kennengelernt? Führst du ein regelmäßiges Familienbibelstudium mit ihnen durch? Hast du, falls sie noch klein sind, mit ihnen die 46 Themen des Buches „Auf den Großen Lehrer hören“ betrachtet, die für Kinder geschrieben sind? Wenn ja und wenn deine Kinder bereits größer sind, hast du dann mit ihnen das Buch „Mache deine Jugend zu einem Erfolg“ studiert, das vorzüglichen Aufschluß enthält, der jungen Leuten hilft, dem Leben gewachsen zu sein? (Der Wachtturm, 15.1.1983, S. 26)


Fazit

Eltern erhalten eine Fülle von Anweisungen zur Kindererziehung. Schläge werden, sofern Worte nicht helfen, unverändert ausdrücklich empfohlen, wenngleich sie in Deutschland bereits seit mehreren Jahren gesetzlich verboten sind.

In der Versammlung (Gemeinde) achten die Ältesten auf eine WTG-konforme Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Werte wie Nächstenliebe, Toleranz, Hilfsbereitschaft haben innerhalb der Zeugen Jehovas eine eigene Bedeutung, die sich dem Außenstehenden nicht immer sofort erschließt. Die Kinder sollen zu willigen Dienern Jehovas (und damit der WTG) gemacht werden.