Die nachfolgenden Berichte und Erfahrungen sollen Aussteigern dabei helfen, ihre eigene Situation besser einzuordnen. Außerdem erlauben sie auch Außenstehenden und „Interessierten“ einen realistischen Einblick in die Denkwelt, die im Inneren der Sekte herrscht. Wer einen Beitrag für diese Rubrik hat, ist herzlich eingeladen, ihn uns zukommen zu lassen.

So fühlt sich Freiheit an

Lesben und Schwule kannte ich früher nur aus Film und Fernsehen. Meine Eltern sind schon fast ihr ganzes Leben lang bei den Zeugen Jehovas.

Wächst man unter solchen Umständen auch noch in einer provinziellen Umgebung (wie es das Allgäu nun einmal ist) auf, so hat man zu Menschen, die eine homosexuelle Identität ausleben, keinen Bezug.

Von 100 auf null in drei Jahren: Wie ich wieder gesund wurde

Ich wurde Ende der Sechziger Jahre geboren, in eine Familie von Zeugen Jehovas. Ich habe noch einen Bruder und ich habe einige Verwandte, die auch Zeugen Jehovas sind. Eine meiner Tanten war sogar aufgrund ihres Glaubens im KZ gewesen.

Ein Überlebensbericht von L.K.

Kürzlich habe ich mich spontan entschlossen, mein bisheriges Leben aufzuschreiben. Bislang habe ich mich davor gescheut, weil ich Angst davor habe. Angst, weil ich vieles verdrängt habe, mit dem ich mich nun, da ich es schwarz auf weiß sehen werde, direkt auseinandersetzen muss.

Aber ich bin soweit. Ich glaube, ich schaffe das. Und da die Berichte in den Zeitschriften, in denen die bösartigsten Personen nach dem Lesen eines Traktates, das jemand achtlos in den Müll warf, die "Wahrheit" erkannt und fortan die sanftmütigsten Menschen unter dem Himmel waren, als Lebensberichte bezeichnet werden, ist es nur logisch, dass ich meinen Überlebensbericht schreibe.

Meine Erlebnisse bei den Zeugen Jehovas

Ich habe meine Mutter öfter gefragt, was sie und meinen Vater bewogen hat, Zeugen Jehovas zu werden. Mit meinem Vater habe ich nie darüber gesprochen. Aber meine Mutter hat oft und gerne erzählt – von früher, von den Großeltern, von ihrer Kinderzeit, von den Verwandten und Freunden, auch von der Hitlerzeit und dem Krieg. Sie hat oft erwähnt, wie enttäuscht sie waren – von den Großkirchen, von den Versprechungen der Politiker und dass ihnen kein Pfarrer ihre vielen Fragen zufrieden stellend beantworten konnte.