Mein Leben als Zeuge Jehovas vor und nach dem Austritt

Wie alles begann

Es gab viele Gründe, warum wir die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas verlassen haben. Zunächst muss ich sagen, jeder sollte das machen, was er für richtig hält.

Unsere Vorgeschichte ist so wie bei vielen anderen Ex-Zeugen Jehovas wohl auch. Wir sind in der Versammlung nur Mitläufer gewesen. Nie waren wir Vorbilder für andere Glaubensbrüder (nach deren Meinung).

Sicher, wir haben uns bemüht regelmäßig die Versammlungen zu besuchen, zu studieren und im Predigtdienst eifrig zu sein.

Aber es war der Organisation nie genug!

In den alltäglichen Versammlungsbesuchen waren zu viele Dinge, die mir nie gefallen haben. Es gab viele Brüder, die nur den Ältesten in den A... gekrochen sind, um Dienstamtgehilfe zu werden oder andere Vorrechte zu bekommen. Privat waren gerade diese Brüder total anders. Privilegien oder Vorrechte bekommen nur Linientreue oder dein Vater ist Ältester. Ungerechtigkeiten waren an der Tagesordnung.

Ich war immer ein Mensch, der hinterfragt, der kritisch ist.

Geboren wurde ich Anfang der 1970-iger Jahre.

1976 klopften die Zeugen Jehovas an unserer Tür. Meine Mutter (Italienerin, katholisch), öffnete die Tür und unser aller Leben änderte sich.

1977 ließen sich meine Mutter und meine Oma taufen. Mein Vater blieb bis heute nur Beobachter.

Klar, du kommst in die Pubertät und darfst keine Freundin haben, Weihnachten feiern, Geburtstag, Ostern etc.

Ich war in der Schule ein Einzelgänger. Wenn ich auf eine Geburtstagsfeier eingeladen wurde, musste ich den Grund meiner Absage erklären. Natürlich habe ich geglaubt, dass ist die Wahrheit, die ich damals als Kind und Jugendlicher vertrat.

Vor der Taufe

Schon damals begannen die Ungerechtigkeiten. Ich und mein Freund, beide aus der gleichen Versammlung, wollten uns taufen lassen. Zusammen. Wir waren dicke Freunde.

So begannen wir zu studieren, um uns taufen zu lassen. An den Punkt im Buch angelangt, körperliche Reinheit (ich glaube, so heißt der Punkt), fragte mich der Älteste, ob ich masturbieren würde. In meiner Naivität sagte ich ja (ich denke mit 16 ist das normal).

Der Termin für den nächsten Kongress stand vor der Tür. Ich hatte das Buch zur Taufe komplett durch, da sagte mir der Älteste, ich müsse noch warten bis zum übernächsten Kongress! Weil, so seine Begründung, masturbieren unrein sei! Ich war total enttäuscht von dieser Entscheidung.

Mein Freund durfte sich taufen lassen, wurde Pionier und bekam Vorrechte. Andere in meinem Alter ließen sich sofort taufen.

UND JETZT DER KNALL: Mein Bester Freund sagte mir Jahre später ins Gesicht: „Jeder masturbiert, nur du bist der Einzige, der das den Ältesten gesagt hat! Ich war platt. So eine Ungerechtigkeit! Zum ersten Mal bröckelte mein Glaube an dieser Wahrheit! Und so ließ ich mich ein Jahr später als geplant, 1988, taufen.

Es ging aber weiter mit den Ungerechtigkeiten!

Nach der Taufe

Ich lernte eine Interessierte kennen. Ein hübsches Mädchen. So bin ich ein paar Mal ausgegangen mit dieser Interessierten. Später habe ich bemerkt, dass sie gar nicht Zeuge Jehovas werden wollte. Deshalb brach ich den Kontakt ab.

Ich hatte Monate vorher den Pionierdienst gemacht. Rund einen Monat später wollte ich den Pionierdienst wieder machen; da reichte ich den Antrag bei den Ältesten ein und wartete auf die Antwort. Ich war sicher, ich durfte den Pionier machen. DENKSTE!

Einer der Ältesten kam zu mir, gab mir den Antrag zurück, und sagte mir: „Die Geschichte mit der jungen Interessierten ist zu frisch und ein Pionier muss Vorbild sein für die Versammlung." ICH WAR TOTAL GESCHOCKT. Ich empfand dies als Ungerechtigkeit! Da auch meine Altersgenossen in den Versammlungen öfters auf Kongressen nach jungen Schwestern Ausschau hielten, sich verabredeten usw.

Ey, dachte ich, wir waren nur Eis essen gegangen (mit den Eltern zusammen) und haben ein paar Liebesbriefe geschrieben und deshalb bin ich kein Vorbild mehr? Ich wusste von anderen Brüdern und Schwestern, die Petting gemacht hatten und nicht gleich heirateten und in der Versammlung erhielten sie ständig Vorrechte!

Ich lerne meine Frau kennen

1991 war das Jahr, in dem ich meine Frau kennen lernte. Ich möchte hinzufügen, dass es in meiner Versammlung vier Älteste gab und zwei Älteste sind die Onkels meiner Frau. Schon am ersten Tag, an dem sie die Versammlung betrat, wollte jeder unverheiratete Bruder wissen, wer sie sei. Klar, für Zeugen Jehovas ist es sehr schwer in den eigenen Reihen einen Partner zu finden und wenn dann ein neues Gesicht auftauchte, da wollte jeder ran.

Nun, wir lernten uns kennen, ich fragte wer sie sei ...etc.

EINEN TAG SPÄTER KAM DER SOHN DES ÄLTESTEN (DAMALS NICHT VERHEIRATET) UND SAGTE ZU MIR: „Wenn du keine ernsten Absichten hast, dann lass sie in Ruhe".

Ich war wieder total schockiert! Na ja, der Neid war groß. Klar, manche sagten zu mir, Jetzt, wo zwei Älteste deine Onkels würden, dann werde auch ich jemand in der Versammlung! WAS HAT DASS MIT CHRISTUS ZU TUN, LIEBE ZEUGEN JEHOVAS?

Unsere Hochzeit

Das war aber noch nicht alles. Nun stand unsere Hochzeit bevor und wir suchten einen Bruder, der uns in der Versammlung die Hochzeitsansprache hielt. So entschlossen wir uns für Bruder M.

Er rief uns ein paar Wochen vor der Hochzeit in der Versammlung zu sich. Wir mussten natürlich ein paar Fragen beantworten, bevor wir das Vorrecht einer Hochzeitsansprache bekommen würden.

Er fragte uns dies und das ...

DANN FRAGTE ER: „HABT IHR UNMORALISCHE PRAKTIKEN WÄHREND DER ZEIT EURER VERLOBUNG BEGANGEN? „ (Petting, Zungenkuss...) Wir antworteten ehrlich und sagten; dass wir Petting ein paar Mal hatten! PENG! Das war der Beginn für ein Rechtskomitee! Zwei Tage später kamen zwei Älteste zu mir nach Hause und luden mich für einen bestimmten Tag zur Komiteesitzung ein.

Vorgeschichte

Man muss dazu sagen, dass die Eltern meiner Frau nicht begeistert über unsere geplante Heirat waren. Der Grund war, dass mein Schwiegervater seinen Schwager fragte (er war in dieser Versammlung Ältester) was ich für einen Charakter hätte. Er hatte natürlich nichts Besseres zu tun, um über mich Unwahrheiten zu erzählen. So entschlossen sich meine zukünftigen Schwiegereltern uns ihren Segen zu versagen und es kam wie es kommen musste: Ich sagte zu meiner Verlobten, sie solle bis zur Hochzeit zu meiner Oma ziehen (sie wohnte in 600 km Entfernung). Sie stieg in den nächsten Zug ein und kam vorerst einmal dort zum Wohnen.

Meine Oma und meine Mutter waren natürlich nicht glücklich über diese Situation wegen des Getuschels in der Versammlung, aber ich konnte sie überzeugen dass es richtig war.

WAS MACHT MEIN SCHWIEGERVATER (er ist auch ein Zeuge Jehovas)? ER packt alle Klamotten samt Hochzeitskleid in Tüten und bringt sie von Fr. nach Li! Treffpunkt war die Wohnung seines Schwagers und Ältesten. Meine Verlobte ging hoch und wollte ihren Vater begrüßen. Tante, Onkel und andere standen dabei, als dies passierte: Er wollte sie weder umarmen noch begrüßen!! Er schmiss ihr die Tüten vor die Füße und ging ins andere Zimmer.

ALLE WAREN ZEUGEN JEHOVAS; ABER Niemand ERGRIFF UNSERE PARTEI!! ALLE, DIE DABEI STANDEN WAREN BLIND UND TAUB!

Natürlich, meine Verlobte war von zuhause einfach ausgezogen, aber wenn die eigenen Eltern ohne Grund die Ehe verbieten möchten, dann musste meine Verlobte etwas tun! Meine Frau wurde in der Versammlung von den eigenen Tanten sehr kalt und schlecht empfangen. Auch die übrigen Brüder und Schwestern waren nicht begeistert. Es kursierten Gerüchte in der Versammlung.

Wir hätten Sex vor der Ehe gehabt!

Mich konnten die Cousinen und Cousins von meiner Frau überhaupt nicht leiden. Ich hatte ja ihre liebe unschuldige G. auf Abwegen gebracht …

Komitee Sitzung

Wir gingen nun zum Rechtskomitee und dort wurde meine Frau zu Dingen befragt, wo ich mich heute noch frage: HABEN DIE Ältesten EINEN KNALL?

Zum Beispiel wurde sie gefragt, ob sie Sperma gesehen hätte! Wie kann ein Mann eine junge Frau so etwas fragen. Na ja, wir wurden zwar nicht ausgeschlossen, aber wir bekamen auch keine Hochzeitsansprache im Königreichssaal.

Mein Traum war geplatzt!

Hatte ich doch immer davon geträumt einmal eine Hochzeitsansprache zu bekommen und nur einen Tag im meinen Leben im Mittelpunkt zu stehen!

Übrigens: Wir hatten nie Sex vor der Ehe! Nur Petting und so.

Es war für mich die größte Ungerechtigkeit bis dahin in meinen Leben. Ich wusste von vielen anderen Pärchen, dass sie sogar Sex vor der Ehe und mehrere Partner hatten. Dennoch erhielten sie eine Hochzeitsansprache. Wir heirateten trotzdem. Mein Vater, der kein Zeuge Jehovas ist, musste meinen Schwiegervater überzeugen, doch zur Hochzeit zu kommen.

Er wollte nicht kommen und wollte sich auch finanziell nicht daran beteiligen. Nach langem Hin und Her kam er dann auch. Leider konnten wir nicht alle einladen und mussten unsere Gästeliste abspecken. Zudem hatten wir kein Geld für einen Fotografen.

Versammlungswechsel

Knapp drei Jahre nach unserer Hochzeit wechselten wir in eine andere Versammlung. Wir hatten die Faxen dicke, den Launen dieser Ältesten ausgesetzt zu sein. Zudem waren irgendwie alle mit uns verwandt.

Wir glaubten, in einer anderen Versammlung läuft es besser. Denkste! Anfangs wurden wir herzlich aufgenommen und ich bekam schnell Vorrechte. Ich durfte den Wachtturm öffentlich vorlesen. Hatte auch andere Aufgaben.

Ich fragte mich allerdings immer, wie es möglich ist, dass ich in der alten Versammlung nicht mal die Toiletten putzen durfte, weil ich kein Vorbild war und hier durfte ich sogar Buchstudienleiter in Vertretung sein! Herrschten hier andere Gesetze? War die Bibel nicht gleich? War der Heilige Geist anders?

Mir war’s egal, ich nahm die Aufgaben dankend an. Leider stellte sich heraus, dass ich benutzt worden bin! Der Älteste, der mir die Vorrechte gab, wollte mich benutzten, um andere Brüder in der Versammlung endlich wach zu rütteln! Es gab halt wenige Brüder und einige hatten nur deshalb Vorrechte, weil es keine anderen gab.

So war dies den Ältesten ein Dorn im Auge. Als ich eines Tages entdeckte, dass mich dieser Älteste in einer Angelegenheit angelogen hatte, stellte ich ihn zur Rede. Er bestritt die Vorwürfe. Er sagte nur zu mir: "Folge mir mit deinem Auto zur nächsten Tankstelle." Erst verstand ich gar nichts. Er bezahlte mir einen vollen Tank und dachte, damit die Sache aus der Welt zu schaffen! Was für ein verlogenes Schwe…

Ich merkte schnell, dass hier der gleiche Geist herrschte wie in der alten Versammlung. Wir waren auch nicht richtig glücklich geworden und kehrten demutsvoll zurück in die alte Versammlung. Eigentlich kehrten wir zurück, weil mein Vater uns versprach, auch Zeuge Jehovas zu werden, wenn wir zurückkehrten. War natürlich glatt gelogen .Er ist noch heute kein Zeuge Jehovas. Wir gingen zurück und alle versprachen, dass jetzt alles besser wird.

Dem war aber nicht so.

Die Geburt unserer zweiten Tochter

Der ausschlaggebende Punkt in unserem Leben war 1999. Unsere zweite Tochter kam zur Welt. Es gab Komplikationen für meine Frau bei der Geburt. Sie hatte einen Gebärmutterriss. Man muss dazu sagen, dass wir extra in ein 30 km entferntes Krankenhaus gingen, weil dort angeblich die Ärzte bei Komplikationen keine Bluttransfusionen gaben.

Der Arzt übersah diesen Riss bei der Entlassung aus dem Krankenhausund so musste meine Frau wieder ins Krankenhaus. Wir gingen in anderes Krankenhaus, eines, das nicht mit Zeugen Jehovas zusammenarbeitete.

Dort kam es wie es kommen muss. Die Oberärztin erklärte uns, dass meine Frau operiert werden müsse. Aber wir mussten einen Schein unterschreiben, mit dem wir einer eventuellen BLUTTRANSFUSION zustimmten.

Man muss sich das einmal vorstellen: Jahrelang wird einem in den Versammlungsansprachen erzählt, die Ältesten hätten bei einem Notfall eine Liste von Ärzten die mit den Zeugen Jehovas zusammenarbeiten. Eine LISTE von Krankenhäusern und Ärzten, die ohne Blut operieren!

Klar, auch wir hatten diesen Ausweis „Kein Blut"

ABER: WENN JEMAND VOR DER FRAGE STEHT: SOLL ICH UNTERSCHREIBEN UND EINER EVENTUELLEN BLUTTRANSFUSION ZUSTIMMEN ODER NICHT, DA WIRD EINEN DEN TEPPICH UNTER FÜSSEN WEGGEZOGEN!!

Ich bin erst einmal ohnmächtig geworden. Dann rief ich den Ältesten unsere Versammlung an. Er möge sofort zum Krankenhaus kommen, um mit den Ärzten zu reden. Im Nachhinein war ich total der Sekte unterworfen .Ich konnte nicht selber entscheiden.

Natürlich wollte ich nicht unterschreiben. Wir wollten keine Bluttransfusion. ICH habe immer gedacht, die Zeugen Jehovas hätten diesbezüglich ein Konzept. Klar, ich dachte die Organisation hatte genug Geld und Macht. Sie würden einen Transport für meine Frau zum nächsten Krankenhaus organisieren. ABER WAS WAR: Mein Onkel in Funktion als Ältester kam ins Krankenhaus und sagte zu meiner Frau: "KANNST DU AUFSTEHEN?!"

DAS IST ALSO ALLES?

Meine Frau lag im Bett mit tausenden von Schläuchen und er sagte ganz lässig, kannst du aufstehen, damit wir in anderes Krankenhaus gehen können! Wo war ihr Konzept, wo waren die Notplanungen bei solchen Notfällen? In den Ansprachen haben sie einen immer das Gefühl von Sicherheit gegeben!! Stets haben sie den Brüdern vorgegaukelt, dass sie einem beistehen würden, wenn einer in eine Notsituation kommt!

Wir gaben die Einwilligung zu einer eventuellen Bluttransfusion und unterschrieben. Natürlich wollten wir keine Bluttransfusion. Aber ich hatte keine andere Wahl. Meine Frau wurde operiert und sie bekam keine Bluttransfusion. Wir hatten richtig entschieden. ABER UNSER GLAUBE ZU DIESER ORGANISATION WAR AM ENDE!!

Wir erzählten natürlich nichts meinem Onkel. In der Versammlung wurde darüber gelästert. Schwester P.S. sagte mal, dass meine Frau selber Schuld hätte, warum musste sie wieder schwanger werden! Was für Heuchler.

Die Zeit danach war schwer für mich und meine Frau.

Die Kälte in der Versammlung

Wir hatten nun zwei schöne Kinder. Aber die Probleme in der Versammlung fingen jetzt erst richtig an. Da ich im Einzelhandel tätig war, konnte ich erst nach Beginn der Versammlungszeiten dort eintreffen. Meistens erntete ich böse Blicke von den Glaubensbrüdern und -schwestern. Anstatt froh zu sein, dass ich da war, wurde ich scheel angeblickt.

Die Beziehung zu meiner Zeugen Jehovas-Verwandtschaft verschlechterte sich immer mehr, natürlich vorbelastet durch die Vorgeschichten. Mein Bruder, Dienstamtsgehilfe, war immer neidisch auf mich, weil mir meine Mutter mehr Aufmerksamkeit schenkte. Ich war ja „schwach im Glauben". So war unser Verhältnis belastet.

Ich erinnere mich noch an zwei Aspekte.

Als mein Bruder den Führerschein verlor und als wir zu einer Hochzeit eingeladen wurden.

Die Hochzeitsfeier war auch der endgültige Grund, einen Austrittsbrief an die WTG zu schreiben.

Der Führerschein meines Bruders

Es war der Tag eines Kongresses. Wir waren schon dort, als wir hörten, mein Bruder hätte einen schweren Autounfall! Das Verhältnis zwischen uns war angespannt, aber er ist mein Bruder! Auf dem Kongress konnte ich mich klarerweise gar nicht konzentrieren.

Tags darauf besuchte ich ihn im Krankenhaus. Er hatte sich das Bein verletzt und musste operiert werden. Er bekam am Fuß eine Eisenplatte.

Was mich störte, war die Anwesenheit der Ältesten im Krankenhaus. Die machen sich so wichtig! Na ja, wichtig war, das er überlebte. Ich ging weinend nach Hause!

Später, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, erzählte mir meine Mutter, dass er den Führerschein verloren hat! Er war zu schnell unterwegs und hatte zuvor abends auf einer Betriebsfeier sehr viel getrunken! Ich sprach daraufhin meinen Bruder an. Seine Reaktion? Er war sauer auf meine Mutter! Ja, er war sauer, das sie es mir gesagt hat! Das sie mir gesagt hat, dein Bruder wäre besoffen gewesen und sei zu schnell gefahren und habe den Führerschein verloren!

Mein Bruder ist der Vorzeigezeuge schlechthin! Immer den Schein wahren! Bloß nichts Negatives erzählen! Ich war enttäuscht über seine Reaktion. Ist doch egal. Letzten Endes hatte er überlebt, das zählt doch!

Aber nicht für meinen Bruder.

Als ein paar Wochen später meine Schwester P.B. ausgeschlossen (es wurde ihr bei den Zeugen Jehovas die Gemeinschaft entzogen) wurde, sagte er zu mir im Saal: „Das geschieht ihr recht!"

Wie? Was? Er, der Vorzeige Dienstamtsgehilfe, maß sich so etwas an? Natürlich hatte keiner in der Versammlung mitbekommen, das ihm der Führerschein wegen zu schnellen Fahrens und Alkohol am Steuer entzogen wurde! Er hatte gewusst wie man so etwas unter den Teppich kehrt! Da platzte mir der Kragen, mitten in der Versammlung! Ich sagte zu ihn: „Wie kannst du so über deine eigene Schwester urteilen? Du hast doch selber Dreck am Stecken!" Er war erst mal schockiert. Daraufhin erzählte ich es in der ganzen Versammlung! Natürlich blieb er weiterhin Dienstamtsgehilfe und wurde später sogar Ältester! Unser Verhältnis war kaputt.

Zeugen Jehovas Hochzeit

Im Herbst 2001 heiratete ein Cousin meiner Frau. Wir waren schon lange inaktiv und gingen auch nicht mehr regelmäßig zu den Versammlungen. Aber mein Cousin musste uns einladen, wir waren ja verwandt!

Anfangs wollten wir nicht hingehen .Die ganzen Menschen dort machten uns Angst. Wir wussten nicht wie sie uns empfangen würden.

So entschlossen wir uns dieser Einladung zu folgen. Ich muss dazu sagen, dass uns die Einladung auf einem Kongress gegeben wurde. Hatten die nicht mal Zeit, uns zuhause aufzusuchen und uns vernünftig einzuladen? Ich denke, wenn wir nicht verwandt gewesen wären, hätten die uns nicht eingeladen.

Auf der Hochzeitsfeier war auch mein Bruder mit seiner Frau. Die Kälte, die wir dort gespürt haben in unsere Richtung, war schockierend! Normalerweise ist es so, dass alle Verwandten des Bräutigams an einem großen Tisch sitzen.

Wo saßen wir? Irgendwo zwischen den anderen Glaubensbrüdern!

Das war aber nicht alles. Mein Bruder und meine Schwägerin haben es nicht einmal fertig gebracht, uns am Tisch zu begrüßen! Später beichtete mir mein Bruder, dass er von mir erwartet hätte, das ich zuerst zu ihm hingehe!!!

Wo ist die Liebe? Im Grunde genommen wurden wir den ganzen Abend geschnitten!

Eine Schwester sagte noch zu uns: „Wenn wir sehen, dass ihr Jehova dient, dann können wir mit euch Freundschaft schließen!"

Tolle Erpressung…

Wir fuhren nach Hause und meine Frau weinte sehr im Auto.

Die letzten Monate

Wir wollten niemanden mehr sehen.

Wir bekamen Eheprobleme (Mitte 2002), weil meine Frau die Versammlungen weiterhin besuchte und ich nicht. Ich begann, meine Frau unter Druck zu setzen:

Ich sagte ihr klipp und klar, dass ich keinen Bock darauf habe, dass sie dreimal die Woche die Gottesdienste der Zeugen Jehovas besuche und das ganze Zeugen Jehovas Programm mache, während ich alleine zu Hause säße!

Natürlich hätte der Schuss nach hinten gehen können!

Ich wollte nicht so ein unbefriedigendes Leben führen.

Zu sehr hatte mich in der Vergangenheit das Leben meiner Eltern geprägt.

Er alleine zu Hause, wir in der Versammlung.

Er alleine zu Hause, wir Kinder und die Mutter auf dem Kongress!

Ne, dachte ich mir, so ein Leben wollte ich nicht!

Meine Frau wandte sich vertrauensvoll an meine Mutter, um ihr zu erzählen, was ich ihr gesagt hätte, entweder "Wahrheit" oder „Ich". Meine Mutter sagte ihr trocken:

"Ich hätte ihn verlassen!"

Ich sprach meine Mutter daraufhin an, aber sie leugnete, solche Dinge gesagt zu haben! WAS? Meine Frau suchte Rat und Trost und dann so ein Ratschlag! Verlasse ihn! Sie war nervlich schon fertig. Denn alleine mit zwei kleinen Kindern zur Versammlung gehen ist kein Zuckerschlecken. Von den Brüdern kam wenig Unterstützung.

Aber ich bin dankbar, weil meiner Frau dadurch endlich die Augen aufgingen und diese Sekte verließ!

Das Ende oder Neuanfang

Ich fing an, im Internet zu forschen. Auch im Forum bei Infolink. Ich fand Beweise, dass die Organisation der Zeugen Jehovas nur auf kommerzieller Basis war, eine ganz normale Sekte.

So schrieben wir Ende 2002 den Austrittsbrief an die WTG. Es gab viele Gründe, warum wir die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas verlassen haben. Nicht weil wir damit zeigen wollten, dass sie Recht haben, indem wir uns ausschließen ließen.

Unsere Gründe:

  • Wir wollen dieser menschenverachtenden Organisation den Rücken kehren.
  • Nachdem wir ca. ein Jahr nicht mehr zu den Versammlungen gegangen waren, kam ständig Besuch von den Ältesten, die uns ermuntern wollten, wieder die Versammlungen zu besuchen und das wollten wir nicht mehr.
  • Wir möchten unseren Kindern eine andere Umgebung schaffen.
  • Ich möchte nicht z. B. auf den Weihnachtsmarkt gehen und Angst haben, irgendein Bruder sieht mich und verpetzt mich bei den Ältesten. Klar war es schwer und es ist heute noch schwer, wieder von Null anzufangen, weil keiner mehr mit uns redet.
  • Wir wollen nicht mehr dieser Organisation angehören. Wir wollen frei sein von dieser Sekte!
  • Mein Bruder M, damals Dienstamtsgehilfe und heute Ältester, hat sich nie wirklich für mich und meine Familie interessiert! Er hatte mehr Zeit für seine Glaubensbrüder z.b. D.P.oder G.M., als für mich!
  • Wir sind gerade von den Zeugen Jehovas Verwandten maßlos enttäuscht worden!

Und mal ehrlich: Wie viele Brüder lassen sich nur deshalb nicht rauswerfen wegen der Verwandten!? Weil sie Angst haben alleine da zu stehen?

ABER: Wenn ich einer Organisation mehr diene und glaube, als meinen Blutsverwandten, dann soll es so sein.

Außerdem ist die Gefahr zu groß, finde ich, wenn man nicht ausgeschlossen ist, das dann einige Brüder versuchen mit uns Kontakt aufzunehmen um uns zu überreden.

Nach dem Ausschluss/Weggang

Wir sind 2003 weggezogen, 15 km weg vom Arbeitsplatz, weil wir die ZJ-Verwandten nicht mehr treffen wollten. Alles war belastend. Wir sind praktisch über Nacht weggezogen, ohne dass irgendein ZJ-Verwandter geholfen hatte.

Anfang 2003 habe ich damals kurz nach unserem Ausschluss einen Superjob mit guter Bezahlung gehabt. Der Umzug tat gut. Es war zwar nur 15 km weiter weg, aber es war ein Neuanfang.

Irgendwann fingen dann die Probleme wieder an. Meine Mutter meldete sich auf einmal wieder. Stück für Stück meldeten sich alle. Alle wollten sehen, wo und wie wir leben.

Eigentlich wollte ich keinen Kontakt mehr. Ich hatte beim Umzug "Blut gespuckt" und mir geschworen, dass ich einen Schlusstrich ziehe, wenn mir die ZJ-Verwandten nicht helfen würden.

Es kam alles anders.

Wie gesagt, meine Mutter hatte die Hoffnung nie aufgegeben, dass wir nicht doch wieder umkehren und eines Tages Zeugen Jehovas werden. Und so wurden wir wieder auf Familienfeste eingeladen (Hochzeitstag natürlich), man besuchte sich regelmäßig und wir hatten ein gutes Verhältnis. Ich denke jedoch, dass der Auslöser für ihr Bemühen ein anderer war.

Das schlechte Gewissen

Mitte 2004 hatte ich einen Nervenzusammenbruch und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Meine Nerven lagen blank. Sogar mein Bruder besuchte mich, der mich während meines Umzuges im Stich ließ. Na ja, ich redete meiner Mutter im Krankenhaus ein, das sie Schuld an meiner Situation hätte. Ok die Vorwürfe waren hart, aber ich war fertig mit den Nerven und suchte Aufmerksamkeit, Liebe.

Als ich raus kam, überraschte mich meine ZJ-Verwandtschaft mit einem Geldgeschenk. Somit konnte ich ein paar Tage wegfahren. Aber es brachte nichts. Ich hatte Angst und Panikattacken. Dauerschwindel. Ständig war ich krank und in Behandlung. Ich, der vorher die Stütze für meine Familie war, hatte keine Kraft mehr. Fatalerweise erkrankte ich auch an dem Burnout-Syndrom.

Aber meine Zeugen Jehovas Familie verstand es nun, mir ein schlechtes Gewissen einzureden. Wenn es mir schlecht ging und ich ein wenig deprimiert war, dann ging ich sie besuchen um mich trösten zu lassen. Aber was musste ich hören?

„Wenn du wieder zurück kommst, dann wird alles wieder besser"

„Du weißt, warum du dich so fühlst! Weil du Gott verlassen hast!"

und weitere solcher Sprüche! Trost bekam ich nicht! Immer nur diese WTG Sprüche! Somit begann die langsame Distanzierung zu meiner Mutter und den Geschwistern. Ich sehnte mich nach meinem Bruder, nach meinen kleinen Neffen!

Aber ich bekam immer dieselbe Antwort: „Du weißt ja, wir dürfen mit dir keinen Kontakt haben….usw.blabla …" Ich litt wie ein Hund. Sie verstanden mich nicht .Oder sie wollten mich nicht verstehen. So verstrich auch das Jahr 2004.

Nachdem sich meine Frau in dieser neuen Stadt überhaupt nicht wohl fühlte und es in der Nähe überhaupt keine Einkaufsmöglichkeiten gab, beschlossen wir, wieder zurück in die alte Stadt umzuziehen. Wir gestanden uns ein, dass unser Umzug nur eine Flucht von unseren Problemen war. Die Probleme hatten wir mitgenommen.

Meine große Tochter hatte sich gerade mit Gleichaltrigen angefreundet und musste jetzt wieder weg…

Ich wäre nie weggezogen, wenn nicht meine ZJ- Verwandtschaft gewesen wäre.

Ja… so ist es…

Ich erzählte von dem Problemen, die wir in der neuen Umgebung hatten und dass meine Frau schon depressiv wurde. Sie war praktisch den ganzen Tag alleine. Ich kam erst spät abends nach Hause von der Arbeit. Meistens ging ich noch in die Sauna, um mich zu entspannen. Hinzu kam noch, dass wir praktisch nie alleine weggehen konnten, ohne Kinder. Früher hatten wir schon mal die Kinder zu meinen Eltern gebracht.

Kurz gesagt: Alle ZJ –Verwandte, meine Geschwister und meine Mutter wollten uns bei einem erneuten Umzug helfen.

Beim letzten Umzug hatten die sich ja alle verkrochen und uns im Stich gelassen! Sie wussten ganz genau, dass der wahre Grund unseres ersten Umzuges SIE selbst waren! Sie wussten ganz genau, dass wir vor ihnen geflohen sind. Sie sagten uns, wenn ihr wieder in der alten Stadt wohnen würdet, dann wäret ihr näher bei uns und ihr könntet auch mal weg. Wir würden euch auch öfters besuchen kommen .Die Familie sei näher zusammen usw.

Im Grunde genommen hatten sie uns damals belogen. Es war nur ein plumper Versuch, uns wieder zu den Zeugen Jehovas zurück zu bringen! Denn wenn ich die Situation heute betrachte, dann habe ich die Bestätigung. Wir zogen Ende 2004 zurück in die alte Stadt.

Beim Umzugstag half mir mein zukünftiger Schwager (kein Zeuge Jehovas), meine Mutter, alle, sogar mein Bruder, der inzwischen Ältester geworden ist! Ok, er verschwand gegen 17 Uhr wieder, weil um 18 Uhr Versammlung war. Einerseits rechnete ich es ihm hoch an, obwohl es andererseits gesehen eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Ich sagte dann zu meinen Bruder, ob er jetzt, wo wir wieder näher beisammen wohnten (nicht das wir vorher weit weg wohnten) den kleinen Neffen ab und zu vorbei bringen würde, um mit meiner kleinen Tochter zu spielen. Er antwortete auf Drängen meiner Mutter. Er sagte: "Natürlich, klar!"

Eine glatte Lüge!

Weder hat er mir den Kleinen da gelassen, noch hat er irgendetwas mit meinen Kindern unternommen! Es sind gerade sechs Wochen Sommerferien (2006) zu Ende gegangen. Er hat es nicht einmal geschafft, uns den Kleinen bei uns da zu lassen! Immer hatte mein Bruder nur Ausreden parat! Ich denke, sie möchten nicht, dass sein Kind mit abtrünnigen Kindern spielt! Sorry, aber eine andere Erklärung habe ich nicht!

Ich merkte, bei den wenigen Malen wo der Kleine uns besuchte (eine Stunde mit seinem Vater, alle paar Monate, meist Sonntag morgens), dass er nicht mehr wegwollte. Er weinte, denn er wollte weiter spielen mit unserer kleinen Tochter! Aber keine Chance!

Somit wohnten wir wieder in der alten Stadt. Gleich um die Ecke gab es einen Supermarkt und weitere Einkaufsmöglichkeiten. Die Schule war auch nicht weit weg und meine Frau fand noch einen Job. Alles konnte ohne Pkw erreicht werden. Meine Frau und meine Kinder waren mit der neuen Umgebung glücklich.

Meine Gesundheit

Ich aber wurde immer kränker. Der Leistungsdruck im Job und die alltäglichen Sorgen um den Lebensunterhalt taten ihr übriges. Ich hatte alle psychosomatischen Symptome, die es gibt! Herzrasen, Dauerschwindel, Migräne, usw.… Ich konnte nur unter Baldrian und weiteren Beruhigungsmittel den Job schaffen.

Mitte 2005 wurde ich gekündigt. Nach über elf Jahren! Ich konnte weder den Alltag bewältigen, noch mein Leben! Geschweige denn den Job als Abteilungsleiter.

Ich denke, im Nachhinein habe ich mir zuviel zugemutet! Zwei Umzüge in kürzester Zeit und zudem den Sektenaustritt.

Hinzu kam ja noch die schwere Geburt 1999, als meine Frau fast starb. All diese Erlebnisse hatten mich geschlaucht!

Das Verhältnis zu meiner ZJ–Verwandtschaft hatte sich „normalisiert", wenn ich es so sagen kann. Mein Bruder kam uns alle zwei bis drei Monate besuchen. Aber ansonsten hatten wir kaum Kontakt und er kam nie zu Familientreffen, wenn ich da war. Schon komisch. Um seinen Alibibesuch bei mir zu Hause abzustatten war zwar erlaubt, aber auf Familienfeiern kam er nicht! Meistens kam er entweder vor Kongressen oder dem alljährlichen Abendmahl. Er kam auch nicht, als sich meine Schwester mit einem „Weltmenschen" verlobte. Zur Hochzeit erschien er natürlich auch nicht. Er kann sich doch nicht an einen Tisch setzen mit einem Abtrünnigen!!!

Endgültiger Bruch mit der Verwandtschaft

Der Knackpunkt und der endgültige Bruch mit meiner Familie kam im November 2005.

Wo soll ich anfangen?

Am besten von vorne.

Wir wollten am 26. November zum Infolink-Treffen nach Köln. Ich wollte mir mit meiner Frau einen schönen Tag machen und hatte dafür sogar ein Hotelzimmer reserviert. Soweit so gut. Ich fragte meine ZJ-Mutter, ob sie auf die Kinder aufpassen könnte und sie sagte sofort zu. Einen Tag später sagte sie nein! Irgendjemand erzählte meiner Mutter, wohin wir wollten.

Wer ihr gesagt hat ,das ich zum Infolink-Treffen gehen wollte? Mein Vater! (kein Zeuge Jehovas)

Er wusste das ganz genau, weil ich mich ihm vor einiger Zeit anvertraut habe! Ich dachte, ich konnte ihm trauen, er ist doch ein „Weltmensch"! Aber nein!

Darauf hin sagte mir meine Mutter, sie könne in diesen Fall nicht auf die Kinder aufpassen! Sie könne nicht unterstützen das ich mich mit Apostaten treffe, um über die Zeugen Jehovas schlecht zu reden!

Daraufhin ist mir der Kragen geplatzt! Ich sagte ihr, sie müsse schon gerecht bleiben. Sie könne nicht mit meiner Schwester (inaktive Schwester und mit einen Weltmensch verheiratet seit Oktober 2005) anders umgehen. Meine Eltern haben ihr die Hochzeit finanziert und sind wegen ihr hoch verschuldet.

Erst verstand sie nicht, dann aber offenbarte ich ihr, dass meine Schwester, obwohl sie noch eine Zeugin Jehovas sei, ihren eigenen Geburtstag feiere! Es könne ja nicht sein, dass sie ihren Geburtstag feiere! Sei doch dies ein heidnisches Fest in den Augen der Zeugen Jehovas.

Meine Mutter wusste bereits über das Doppellleben meiner Schwester Bescheid! Sie wussten alle, das meine Schwester sogar Weihnachten gefeiert hatte. Aber sie schlossen alle ihre Ohren und Augen!

Zudem wird sie von allen noch „normal" behandelt, während ich und meine Frau, bloß weil wir nicht so „schlau" waren uns nicht ausschließen zu lassen, als Abschaum und der letzte Dreck behandelt werden. Wie Luft werden wir behandelt!

Während zeitgleich meine Schwester alle Vorzüge einer inaktiven Schwester genoss und sich alles erlaubte! Auf der einen Seite möchte sie weiterhin den Kontakt mit den ZJ-Verwandten, auf der anderen Seite hat sie einen Weltmenschen geheiratet und möchte auch alles genießen! Sie wurde auf alle Familienfeste eingeladen und genoss es. Sie war nicht besser als ich. Sie war schlau!

Ich weiß, was vielleicht viele denken: Hättest dich ja nicht ausschließen brauchen und dich besser heimlich und in Ruhe zurückgezogen. Wollten wir aber nicht. Wir haben Charakter.

Ich hätte es meiner Mutter auch nicht gesagt mit dem Geburtstag, weil ich mir dadurch noch mehr Probleme verschafft habe.

Als wir die Zeugen Jehovas verließen, haben meine Frau und ich gewusst, dass die ZJ-Verwandten nie wieder mit uns an einem Tisch sitzen würden. Dass wir vermutlich nie wieder auf einer Familienfeier eingeladen werden usw. … Aber es war uns egal.

Als mir vor ca. zwei Jahren meine Schwester ihren Freund vorstellte, war ich von diesem jungen Mann angetan. Endlich kein SEKTEN geschädigter! Ein ganz „normaler" italienischer Katholik! Jahrelang waren ich und meine Frau mit den Kindern alleine da gewesen und es gab kaum etwas anderes als Arbeiten, Fernsehen schauen, schlafen, arbeiten usw… Immer nur Alltag.

Der einzige Höhepunkt im ZJ-Leben waren immer nur die Hochzeitstage , Kongresse oder Picknick mit den Brüdern.

Für mich und meine Frau eröffneten sich neue Zukunftsperspektiven. Endlich konnten wir eine ganz "normale" Familie sein. Zum Beispiel meinen zukünftigen Schwager mit meiner Schwester zum Geburtstag einladen oder zusammen Weihnachten feiern! Wir malten uns aus, wie schön es sein wird.

Nicht dass das missverstanden wird. Es ging uns nicht um diese ganzen Feste. Uns lag wirklich etwas daran, eine Beziehung mit ihnen auf zu bauen. Und es war auch schön, bis zu diesem Zeitpunkt.

Meine Schwester hat die ganze Zeit so getan, als ob sie nicht mehr an die ZJ-Lehre glaubt!!! Sie hat uns alle angelogen! Mich, meine Frau und meinen Schwager! Was war passiert?

Nachdem sie im Oktober heirateten, lud sie uns zur sich nach Hause ein. Ich fragte meinen Schwager so nebenbei, ob er Weihnachten zu uns komme? Er sagte nein! Ich dachte ich höre nicht richtig! "Wie", sagte ich, „bis vor kurzem habt ihr gemeinsam Geburtstag gefeiert und letztes Jahr wart ihr bei uns am ersten Weihnachtsfeiertag zu Besuch und auf einmal nicht? Warum?"

Mein Schwager wollte mir den wahren Grund nicht sagen. Daraufhin fragte ich meine Schwester, ob sie Weihnachten komme? Sie sagte auch nein. Sie will ab sofort nie wieder irgendein heidnisches Fest feiern! Da war ich so enttäuscht! Doch es eskalierte zwischen meiner Schwester und ihrem Mann! Warum?

Weil meine Schwester ihm offenbarte, dass sie immer noch an die ZJ–Lehre glaube und nur deshalb nicht zurückgehe, weil er sie sonst verlassen würde!!!

Schock!!! Wie kann eine Sekte einen Menschen so tief beeinflussen, obwohl sie seit zwei Jahren nicht mehr zu den Versammlungen geht und auch schon mal ausgeschlossen war, nicht mehr regelmäßig studiert, nicht mehr betet und dennoch immer noch denkt, es sei die „ Wahrheit"? Wieso hat sie ihn geheiratet, wenn sie wusste, dass sie eines Tages zurückgeht zu den Zeugen Jehovas?

Sie wusste ganz genau, dass mein Schwager voll gegen die Zeugen Jehovas ist.

Mein Schwager rastete total aus. Er fühlte sich von ihr betrogen. Weil er ganz genau wusste, wie viel Freude es ihr machte bei den Schwiegereltern Weihnachten zu feiern. Und sie nicht abgeneigt war.

Im Laufe des Abends kamen wir dahinter, dass meine Mutter ihr gesagt hat, dass sie sich zu benehmen hätte, solange sie noch den Namen ZJ trage und solange sie nicht ausgeschlossen sei. Meine Schwester gab sogar zu, wieder ein Buch bekommen zu haben. Von meiner Mutter. Und sie sagte, sie möchte auf keinen Fall ausgeschlossen werden. Mein Schwager sprach schon von Scheidung!

Ich hatte ihn gewarnt vor der Hochzeit, auf was er sich da einlässt, wenn meine Schwester innerlich nicht mit den ZJ abgeschlossen hat. Ich war dann doppelt enttäuscht, als sie dann noch sagte: „ich hätte auf deine Kinder auch nicht aufgepasst, wenn ich gewusst hätte, das du Apostaten triffst!"

Vor Tagen sprach sie ganz anders! Deshalb: Die ZJ haben mir alle Verwandte weggenommen und das werde ich ihnen nie verzeihen!!

Ein paar Tage später war ich bei meinem Vater (kein ZJ), um ihn noch einmal zu der Situation zu sprechen. Er sagte, leider seien die ZJ so in Bezug auf Ausgeschlossene und es könne keiner ändern. Er sagte, ich solle ein halbes oder ein Jahr zur Versammlung gehen und mich wieder aufnehmen lassen und wenn es nichts bringe, könne ich immer noch wegbleiben.

Klar! Sicher! Ich setze mich in die hinterste Reihe im Königreichssaal, komme als letzter und gehe als erster, nur damit ich wieder an Familienfeiern teilnehmen kann! NEIN! Er sagte, ich solle es tun wegen meiner Gesundheit! Wenn es mir danach besser gehe, sei es doch gut!

In erster Linie deshalb, damit die Familie wieder vereint sei. Ich sagte ihm, dass ich nicht mehr daran glaube, was dort erzählt werde.

Wie kann ich mein familiäres Verhalten zeigen, wenn die ZJ–Verwandten mich ständig verletzen, keinen Kontakt wünschen und ich ihre Barmherzigkeit erbetteln muss.

Oder wenn ich nur von ihnen kontaktiert werde, wenn es ihnen beliebt. Meine Kinder werden auch wie Ausgeschlossene behandelt.

Sie brauchen nicht ankommen, wenn ich erst krank oder seelisch am Ende bin. Auch nicht nach 20 Jahren. Dann ist es zu spät! Sie können nicht ping pong mit den Gefühlen der Menschen spielen und dann so tun, als ob nichts wäre.

Wenn die sich entschieden haben, das Gehirn nicht einzuschalten und meinen, für die nächsten 30, 40 Jahre nie wieder mit mir zu reden, dann sollen sie es machen, aber ohne mich!

Die Verwandten, die einen wirklich lieben, werden sich einen schönes Tages melden und mit mir wieder reden, jene Verwandten die auch während der Zeugenzeit religiöse Fanatiker waren (sind), werden meine Entscheidung, die Zeugen Jehovas zu verlassen, nie akzeptieren und mich als bösen Abtrünnigen abstempeln!

Und im Übrigen waren wir in der Zeit vor unserem Ausschluss einige Zeit Inaktiv und besuchten die Gottesdienste nur unregelmäßig, trotzdem wurden wir von den Zeugen Jehovas wie Ausgeschlossene behandelt.

Weihnachten 2005

Ich war die Tage danach auf dem Weihnachtsmarkt und es war so toll alles aufzusaugen, die Gerüche, die Stimmung und Lichter! Toll. Ich musste mich nicht verstecken. Kein Gefühl überfiel mich, dass ich etwas Falsches mache. Die Zeugen Jehovas, die auf den Weihnachtsmarkt gehen, haben doch nachher ein schlechtes Gewissen. Weihnachten haben ich, meine Frau und die Kinder ohne Verwandte verbracht. Es gab weder einen Anruf, noch eine SMS, noch sonst irgendetwas.

Jetzt, wo Weihnachten und Silvester vorbei sind, ist es Zeit für ein kleines Resümee. Ok, ist zwar traurig, aber es war auch schön die Augen meiner Kinder zu sehen, als sie die Pakete und Geschenke auspackten! Silvester genau so. Ich nehme es meinen Verwandten nicht übel, hätte ich vielleicht vor Jahren als Zeuge Jehovas auch so reagiert. Aber wenigstens ein Anruf wäre nicht schlecht gewesen.

Ich werde nicht nachtragend sein. Aber ich stehe ab sofort für meine Verwandten nicht mehr zur Verfügung! Wo sind sie, wenn ich sie brauche? Wo sind sie, wenn ich Sorgen habe? Wo sind sie, wenn ich heule? Wo sind sie, wenn ich traurig bin? Ich kann nicht mehr akzeptieren, dass mich mein Bruder alle drei bis vier Monate für ein halbe Stunde besucht, um sein Gewissen zu reinigen!!! Ohne mich!

Frage: Wozu gibt es Verwandte, Familie?

Um sich zu treffen, zu sprechen, um Freud und Leid zu teilen.

Um die letzten Urlaubserlebnisse zu erzählen.

Um sich einfach zu treffen, um die Anwesenheit des anderen zu genießen.

Um sich alte Videos anzuschauen oder einfach Kaffeeklatsch zu halten.

Zusammen über die alten Tage reden.

Zusammen ins Kino gehen.

Oder Picknick machen ...

Verwandte zu haben bedeutet für mich auch, meine Sorgen zu erzählen und ich werde gehört.

Meine Nöte zu erzählen oder einfach mal Shoppen zu gehen.

Oder ich rufe meinen Bruder an, um ihn um einen Rat zu fragen über meinen Pkw.

und so weiter...

Ich habe aber diese Gemeinsamkeiten nicht, weil die es nicht wollen oder dürfen...

Und was bleibt mir persönlich von den ZJ-Verwandten?

Nullkommanichts!

Wie soll ich zeigen, dass ich sie liebe, wenn sie es mir nicht einmal erlauben oder zulassen?

In der Zwischenzeit hatte ich immer mehr mit meiner Gesundheit zu kämpfen. Mein Blutdruck stieg auf 160 und ich konnte kaum noch schlafen. Herzrasen und Angstattacke plagten mich. Die Situation wurde immer unausstehlicher!

Es ist ja so: Mein Bruder wohnt nur eine Straße weiter, meine Schwester auch und trotzdem kann ich nicht mit ihnen ganz normal reden. Ich hab meine Mutter im Januar 2006 angerufen und ihr gesagt, dass ich so nicht mehr leben will! Ich kann mir einfach nicht vorstellen, die nächsten 10, 20 Jahre so zu leben! Nicht mit mir, sagte ich zu ihr.

Wir sprachen eine halbe Stunde am Telefon und sie versuchte meinen Standpunkt zu verstehen. Aber am Ende sagte sie mir, dass die Gesetze der Zeugen Jehovas nun mal so seien. Ich sagte zu ihr: "Wenn deine Religion die Wahrheit ist, die richtige ist und ich auferstehen werde, dann möchte auf der Stelle sterben!!!" Sie sagte, das hätte ich nicht zu bestimmen!!! Ich rief dann meinen Bruder (er ist inzwischen Ältester) an und fragte, ob ich ihn besuchen darf, da ich ihn vermisse. Er sagte ja. Ich fuhr hin und wir sprachen über die Situation. Er sagte mir, das auch er darunter leide, nur sein Wochen Plan sei so voll, das er keine Zeit habe so oft darüber nachzudenken (sein PC war gerade an und er studierte aus der WTG-CD). Wir redeten über die alten Zeiten …

Später besuchte Ich meine Schwester, aber ich merkte, dass sie mich nicht so tolle vermisst wie ich sie vermisse.

Was ich damit sagen möchte

So mancher Ausgeschlossene macht sich tausend Gedanken, grübelt ständig über das, was passiert ist. Ob es richtig war, „Jehova" zu verlassen, die WTG usw. Die Eingeschlossenen, die haben so ein vollen Tagesablauf, dass sie nicht mal Zeit haben auf die Toilette zu gehen! Dazu kommt noch, dass sie glauben, alles im Namen der Organisation zu machen und damit würden sie Gott Loyalität beweisen.

Mein Bruder sagte mir abschließend, dass sich da nichts geändert hätte im Bezug auf Ausgeschlossene. Er schien auch irgendwie glücklich zu sein. Ich denke oft daran, zurückzugehen, nur wegen der Familie, aber ich glaube nicht daran das die Zeugen Jehovas die „Wahrheit" haben!

Ich möchte da nicht mehr zurück. Habe aber Angst, krank zu werden.

Die ganze Woche hatte ich Herzschmerzen und dachte, jetzt muss ich sterben! Die ganze Woche habe ich mir Gedanken gemacht, was richtig ist oder nicht. Aber es gibt keine Losung.

Meine Mutter sagte:" Wenn du die Familie wieder haben willst, dann musst du zurück!" Ich sagte ihr: „Auf keinen Fall". Auch wenn ich so sterben muss!

Ich werde wie Luft behandelt und kaum bzw. so gut wie gar nicht in deren Planungen miteinbezogen. Es ist einfach so, dass ich betrogen worden bin! Ein Beispiel ihrer Doppelmoral ist die Hochzeit meiner Schwester.

Die Hochzeit meiner Schwester

In Oktober 2005 sind wir alle gemeinsam nach Italien gefahren, um die Hochzeit meiner Schwester P.B. zu feiern. Also ich, meine Frau, unsere zwei Töchter, meine Mutter, Schwester R.B. mit ihrem Verlobten (beide ZJ) und mein Vater (wie bereits erwähnt kein ZJ) und mein kleiner Bruder. Wir fuhren nach Italien, weil meine Schwester (inaktive ZJ) F.M, einen „Weltmenschen" dort zu ihren Mann nehmen wollte.

Kein Problem, wir waren doch froh darüber. Wir mieteten zwei Ferienwohnungen .Aber wir saßen meistens alle zusammen in der Wohnung meiner Eltern. Wir saßen jeden Abend zusammen an einem Tisch, aßen und tranken, als ob es keinen Unterschied gab zwischen Abtrünnigen und Zeugen Jehovas. Wir hatten Spaß und freuten uns über die gute familiäre Atmosphäre. Auf der Hochzeitsfeier selbst war auch Friede, Freude, Eierkuchen...

Als wir wieder in Deutschland ankamen, dachte ich fälschlicherweise, es geht so weiter.

Falsch gedacht! Auf einmal meldete sich keiner mehr! Über Wochen ... nichts. Keine sms, kein Anruf, nichts! Erst als ich mich bei meinem Vater beschwerte, meldeten sich alle! Auf einmal schrieben mir alle SMS. Ich fühlte mich auf gut deutsch gesagt dermaßen verarscht ... entschuldigt...

Aber das war ja nicht alles. Nein.

Ich habe kein Problem wenn ein ZK-Verwandter sagt: „Ab sofort keinen Kontakt mehr zwischen dir und mir, du bist ja ausgeschlossen!"

Aber liebe ZK-Verwandte tut mir einen Gefallen, haltet euch daran! Ich hab keine Lust, euren Launen ausgeliefert zu sein! Wenn ihr euch zufällig daran erinnert, dass ihr noch einen ausgeschlossenen Verwandten habt, ihn besucht, oder so... Ja, ich weiß was viele jetzt denken mögen, hast dich selber ausgeschlossen und jetzt jammerst wieder.

Oder: "Ja, was willst du denn, sei doch froh, das sie mit dir alle drei Monate reden!"

Es geht doch nicht darum.

Fakt ist: Ich und meine Frau gehen nicht zurück!

Fakt ist: Es ist nicht die "Wahrheit"!

Einige sind ständig am meckern über die WTG und über die Brüder, aber selber sind sie noch nicht einmal ausgeschlossen, wahrscheinlich machen sie sich noch lustig machen über die Doofen (wie ich), die sich ausgeschlossen haben und nun leiden!!!

Aber in einem Punkt war ich mir sicher: Mache ich so weiter, lande ich in der Irrenanstalt!

Deshalb beschloss ich, alle meine Geschwister und meine Eltern zur Aussprache einzuladen. Ich wollte mit ihnen über unsere Zukunft reden! Nicht über die Vergangenheit. Ich wollte ein für alle mal wissen, wie ich und auch sie mich behandeln wollten! Möchten Sie mit mir keinen Kontakt mehr, dann weiß ich wie ich mich in Zukunft zu verhalten habe. Nur: Ich musste es wissen. Meine Kinder auch.

Übrigens hatte ich meiner Schwester R.B. im Dezember einen Verlobungsgeschenk gemacht, obwohl ich nicht eingeladen wurde (was ich auch damals akzeptierte).

Der verlobte hat sich bis heute nicht bei mir persönlich bedankt und in Italien saßen wir jeden Abend an einem Tisch ... Komisch.

Es war in erster Linie eine Aussprache. Und ich wollte sie nicht vor eine Entscheidung stellen. Nach dem Motto liebt ihr mich oder nicht? Sie sollten sich entscheiden. Ob sie ihre Linie durchziehen möchten und nach der WTG-Lehre leben, dann weiß ich nämlich, was zu tun ist.

Wenn sie mir versprechen, uns in Zukunft regelmäßig zu treffen und nicht alle drei Monate im Jahr, oder bei den wenigen Anlässen, dann ist es Ok. Nur was in dem letzten Jahr abging, möchte ich nicht weiter mitmachen. Aber das Treffen war so, wie ich es erwartet hatte: Sie bleiben bei ihren Standpunkt! Ich bin halt ausgeschlossen und muss das akzeptieren! Mein Bruder ist leider ein WTG-Zombie.

Als ich noch eine Homepage hatte über die Zeugen Jehovas und Er davon erfuhr, sagte er zu mir, das er nicht zur Hochzeitsfeier der Eltern kommt bis ich die Homepage lösche. Musste mir von meinen Vater vorwürfe anhören. Ich löschte daraufhin die Homepage. Bei der daraufolgenden Hochzeitsfeier und andere Feiern kam er nicht.

Aber er ist mein Bruder. Ich denke, das ich als Ex-Zeuge mehr Empathie und Verständnis zeigen muss, als anders rum!!

Meine Schwester R.B. hat mir damals versprochen weiterhin mit mir zu reden, auch wenn sie bald eine Zeugin Jehovas werde und einen Zeugen Jehovas heirate.

Sie hat sich nicht daran gehalten… Übrigens erfuhr ich zufällig, dass sie in der Zwischenzeit geheiratet hat! Ansonsten habe ich gemerkt wie faktenresistent und fremdbestimmt sie sind. Mann, bin ich froh da weg zu sein.

Meine Mutter hat meinen Standpunkt verstanden, aber sie hat auch gesagt, dass dies nun mal die Wahrheit sei! Mein Vater ist gar nicht erschienen! Ok. Ich werde und muss damit leben!

Was soll ich sonst machen? Nicht in tausend Jahren werden sie ihre Meinung ändern. Ach so: Ich auch nicht! Hab’ es auch gesagt, dass ich nicht mehr zurückgehe!

Werde jetzt mehr an mich und meine Familie denken.

In den Gesprächen mit ihnen verspürte ich, dass die Zeugen Jehovas kein bisschen leiden, von wegen ...auch wir leiden das du weg bist bla... bla...bla

Wir die Ex-Zeugen, inaktiven oder Ausgeschlossene,.......wir leiden sehr darunter, dass sie eingeschlossen sind! Die ZJ-Verwandten wollten mir heute weismachen, das alles wieder gut werde, wenn ich zurückginge. Ich glaube aber nicht daran und nur wegen der Familie gehe ich nicht zurück. Ich muss einfach akzeptieren, dass einige Dinge auf dieser Welt sich nicht oder nie ändern werden!

Mein Fazit

Ich bin nach über drei Jahren Kampf und vollem Verlust der Familie zu folgenden Schlüssen gekommen:

  • Es ist aussichtslos, die ZJ Familie vom Gegenteil zu überzeugen was man glaubt!
  • Sie sind faktenresistent.
  • Ich liebe sie mehr, als sie mich lieben.
  • Sie leiden lange nicht so, wie ich leide.
  • Sie sind so fest davon überzeugt, dass sie die "Wahrheit" besitzen und dass es sinnlos ist, "den Schweinen die Perle vor die Füße zu werfen".
  • Sie möchten gar nicht an meinem Leben teilhaben (ich würde gerne an ihrem Leben teilhaben).
  • Sie sind WTG-Zombies!
  • Ihre Gefühle sind verschüttet.
  • Sie machen alles, was die WTG sagt und schreibt!

etc. ....usw.

Die Liste würde nie enden.

Aber: Ich liebe sie trotzdem. Interessant ist es, den Spieß einmal umzudrehen!!! Ich zeige ihnen dass ich sie liebe, auch wenn sie in einer Sekte sind .Ich sagte zu meinen Bruder, dass ich ihn liebe, auch wenn er jetzt Ältester wird...

Er aber sagte nie zu mir, ich liebe dich trotzdem, auch wenn du jetzt kein Zeuge Jehovas mehr bist! Egal.

Leider ging es mir gesundheitlich schlechter seit meinem Ausstieg! Ich bekam Panik- und Angstattacken und außerdem Dauerschwindel...

Klar habe ich seit dem Weggang mehr Zeit für mich, aber es ist nicht leicht. Noch plagen mich Migräneanfälle, Schwindel und Unruhe. Die Panikattacken habe ich jetzt im Griff. (ein Dank geht noch mal an Schimpino für das Buch: Angstfrei leben von Lucinda Bassett ISBN: 3407228198)

Meine Frau ist nach dem Weggang richtig aufgeblüht. Sie hat keine Depressionen mehr und es geht ihr richtig gut!

Aber die Sache mit meiner Schwester P.B. hat uns schon enttäuscht. Sie hat mich und meine Frau so enttäuscht, nach alldem, was wir für sie und ihren Mann gemacht hatten, so dass wir den Kontakt im Februar 2006 abbrachen! Sie soll erst mal zur Ruhe kommen und schauen, was sie wirklich vom Leben will.

Das Problem sehe ich hier wiederum, dass meine Mutter und meine Geschwister auf sie einreden werden, wieder die Versammlungen zu besuchen! Als sie noch mit uns in regelmäßigen kontakt war, da hatte sie Freude mit uns weihnachten zu feiern... oder einfach ungezwungen zu genießen!

Aber jetzt ist alles schwerer. Ich weiß dass ich für meine Schwester da sein müsste, aber meine restlichen ZJ-Verwandten glauben dass ich sie beeinflusse und sie in die böse „Welt" ziehe!!! Und das möchte ich auch nicht. Sie soll selber suchen. Möchte nicht das meine Mutter mich dafür verantwortlich macht wenn sie sich eines Tages Ausschließen lässt!

Ich glaube nicht das Sie an die WTG- Lehren 100% glaubt, wahrscheinlich hat sie eine innere Leere und das macht den weg zurück zur Sekte leichter. Meine Schwester sagte noch, sie will NEUTRAL bleiben, also weder sich Ausschließen lassen, was ich verstehe, aber auch nicht mit ihren Mann Heidnische Feste feiern. Sie steckt voll im Zwiespalt, läst sich aber von mir nicht helfen.

Mein Schwager zog aus!

Es kam, wie es kommen musste. Mein Schwager rief mich im April 2006 an, um mir mitzuteilen, dass meine Schwester das alljährliche Abendmahl besucht habe und er stinksauer sei, dass sie immer noch daran glaube! Obwohl sie uns etwas anderes glauben machte.

Er sagte mir irgendetwas von Scheidung! Und Schuld hätte nur die Religion!!! Natürlich weiß ich nicht alle Hintergründe, was zu Hause ablief, aber es ist traurig zu beobachten, was SEKTEN aus Menschen machen können. Später erfuhr ich auch das ihre Ehe auch aus anderen Gründen kriselte.

Er hat ihr ein Ultimatum gesetzt: Entweder lasse sie sich ausschließen oder es sei endgültig vorbei! Ich habe meinem Schwager gesagt, dass das so nicht gehe und er das schon vorher wusste, dass meine Schwester noch an die "Wahrheit" glaube. Aber er hatte die Nase gestrichen voll von ihren Lügen.

Komisch ist nur, dass mir aus meiner Familie bis jetzt keiner etwas darüber gesagt hat!

Der einzige, der mir das alles bestätigt, ist mein kleiner 13-jähriger Bruder.

Leute: Lasst die Finger von den Zeugen Jehovas! Sie werden euch alles wegnehmen, Familie, Freunde und Kollegen!

Meine Schwester ist gerade mal 24 Jahre alt und wie es aussieht, bald geschieden...

...und die Zeugen Jehovas werden sagen: "War ja klar, kann ja auch nicht klappen mit eine Weltmenschen!" und sie fühlen sich wieder einmal bestätigt, laut deren Lehre nur im „Herrn" zu heiraten!

Meine Schwester hat einen "Weltmenschen" geheiratet mit der Hoffnung, dass er einmal ein Zeuge Jehovas wird. Sie hat sogar ihre Zukünftigen versprochen in der Kirche zu heiraten, was sie dann nicht tat. Sie versprach "neutral" in Sachen Glaubensansichten zu bleiben, was sie nicht einhielt! Kurz nach der Hochzeit fing sie wieder an, die Versammlungen zu besuchen - sie war zuvor eine lange Zeit untätig - und studierte heimlich!

Noch während der Verlobung machte meine Schwester einen auf "Weltmensch", ließ kein heidnisches Fest aus (Geburtstag), sie ließ meinen Schwager in dem Gefühl, nicht mehr an dieser Sekte zu hängen!

Rauchte Heimlich.

Traurig...

Aber ich denke, in all den Jahren nach dem Austritt, war nur eines wichtig: Geduld! Ja, Geduld mit sich selber! Was erwartet mich nach dem Austritt (Ausschluss)? Wo gehe ich hin? Wer bin ich? All diese und noch mehr Fragen beschäftigen einen intensiv.

Wir hatten doch in der "Wahrheit" auf alle unsere Fragen fix fertige Antworten... wir brauchten nur in der WTG-Literatur danach zu suchen...

Auch heute noch fällt es mir schwer nicht mit meinen Geschwistern zu reden. Das letzte Mal war vor Monaten, aber es muss weiter gehen!

Ostern 2006

Diese Ostertage waren zwar schön, aber wenn ich bedenke, dass es keiner meiner ZJ-Verwandten geschafft hat mal vorbeizukommen oder anzurufen, dann kommt in mir immer diese Traurigkeit hoch! Aber ich habe mir vor ein paar Monaten geschworen nie wieder in Depressionen zu versinken wegen der Zeugen Jehovas!!! So ist das Leben ...es gibt Schlimmeres!

Ich denke immer zurück an die ersten Tage nach dem Austritt: Die Euphorie endlich weg zu sein, endlich frei zu sein, überwog alles andere! Ich habe Neues probiert. Denn seien wir mal ehrlich: Im Alltag fasst man diese neue Freiheit als selbstverständlich auf!

Doch sie ist nicht selbstverständlich! Viele Millionen Zeugen Jehovas und andere Menschen sind nicht frei! Meine Schwester P.B. ist nicht frei!

Nach einem heftigen Streit hat meine Schwester ihren Mann über Ostern verlassen! Sie hat alles eingepackt und ist ausgezogen. Ich habe ihr sogar geholfen, die Sachen einzupacken. Ok, Sie erzählt in der Stadt ER, hätte sie wegen einer anderen verlassen. Ist ja auch egal wer, wie, was und warum.

Wenn ich so überlege, war das alle vorhersehbar! Jetzt ist sie wieder zu Hause bei meiner Mutter und wird dort jeden Tag der ZJ-Gehirnwäsche unterzogen! Leider kann ich jetzt nichts mehr machen. Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Mein Schwager hat ihr ein Ultimatum gestellt, entweder die Zeugen Jehovas oder er. Sie hat, indem kurz darauf drei Tage zum Kongress fuhr, gezeigt, wem sie dienen möchte! Meine Mutter sagte noch "egal, dass ihr euch trennt (nach nicht einmal sechs Monaten Ehe!), Jehova und sein Volk sind für dich jetzt da!" Und als Draufgabe: " Er ist ein Satan!" Ich habe versucht noch einmal mit meinem Schwager zu reden, aber er ist erst einmal für ein paar Tage untergetaucht. Ich weiß nicht, ob die Religion der wahre Grund ist für deren Trennung, aber sicherlich hat diese WTG nicht dazu beigetragen, dass die beiden zusammenbleiben!

Denn ein Sekte, Kult, Religion, religiöser Verein, nenn’ es wie du willst, die Familien trennen, sind nichts Gutes für den Menschen und hat nichts mit christlicher Nächstenliebe zu tun!

Meine Schwester hat uns leider alle angelogen. In erster Linie hat sie sich selbst belogen! Sie hat stets gesagt "neutral" zu sein und sich nicht ausschließen zu lassen!

Aber nebenbei feierte sie ihren Geburtstag und andere heidnische Feste! Sie wollte beides, die ZJ-Familie und "die Welt"! So ein Verhalten geht meistens in die Hose. Mein Schwager hat den Fehler gemacht, ihr zu glauben, dass sie sich eines Tages ausschließen lasse! Jetzt haben Sie sich getrennt.

Ich muss ja meine ZJ-Verwandten nicht Hassen oder in diesem Fall meine Eltern, aber eine Psychologe sagte mir auch, ich solle nicht alles und alle verzeihen, denn sonst würde ich vergessen, was sie mir angetan haben! Klar, ich hasse sie nicht deswegen, was sie mir angetan haben, oder wie sie mich erzogen haben.

Doch warum soll ich vergessen, wie sie mich und meiner Familie in der Vergangenheit und heute behandeln?

denn erstens schützt mich das Nichtvergessen davor, Sie an meinen Gefühlen heran zu lassen und zweitens nicht noch einmal die gleichen Fehler zu machen

Ich verzeihe meinen ZJ-Verwandten und meinen Eltern und ich pflege auch keinen Hass gegen sie, jedoch will ich nicht vergessen, was Sie heute noch für eine Einstellung gegenüber Abtrünnigen, also gegenüber mich haben!

Und wenn Sie mich und meine Familie als Abschaum und der letzte Dreck bezeichnen und ich in ihren Augen schon tot bin und ich so oder so nicht zur Rest der Familie gehöre und praktisch nicht in deren alltägliches Leben passe, dann sage ich:

"Macht es gut und Ciao!"

Meine Mutter hat es fertig gebracht drei Jahre nach unserem freiwilligen Weggang alle Verwandten, ob Zeuge Jehovas oder nicht, gegen uns aufzuwiegeln, oder zumindest so zu beeinflussen, dass sie uns nur noch kalt begegnen!

Sogar mein Vater - der jahrelang ein Gegner der Zeugen Jehovas war - ist jetzt immer mehr auf der Seite der Zeugen Jehovas, obwohl er nie getauft war oder so.

Früher hat er mir immer gesagt: "Junge, glaube nicht alles, was im Wachtturm steht! Suche nach der Wahrheit!" Heute sieht er das anders. Er sieht die entzweite Familie. Die Zeugen Jehovas wollen gar nicht zulassen, dass du glücklich wirst nach dem Austritt! Nein, warum auch? Sie glauben doch, dass man nur glücklich ist, wenn du ein Zeuge Jehovas bist! Es gibt laut deren Auffassung keine andere Wahl. Sie werden nicht ewig leben und werden eines Tages feststellen, was für eine Zeitverschwendung sie hinter hergerannt sind!

Nur: Sie können nichts mehr nachholen! Die Enkel werden immer älter und fragen kaum noch nach Oma und Opa und die restlichen Verwandten kennen sie nur aus Geschichten (obwohl fast alle im Umkreis von 10 km leben)! Lass’ sie mal machen.

Ihre eigenen Kinder wie Luft zu behandeln ist schlimmer, als jemanden durch Schläge zu bestrafen!

Schlussstrich ziehen

Ich kann nur aus meinen Erfahrungen sagen, dass irgendwann mal ein Schlussstrich gezogen werden muss!!! Ja, sogar mit den eigenen Eltern! Denn ansonsten werden sie immer wieder mit deinen Gefühlen spielen!

Mein Vater ist kein Zeuge Jehovas und auf Rücksicht auf ihn, habe ich sie oft besucht, aber in letzter Zeit ist meine Mutter einfach noch fanatischer geworden als je zuvor. Ich habe meinem Vater gesagt, dass ich mir etwas anderes vorstelle unter Familiensinn und dass wir praktisch gar nichts mehr zusammen unternehmen würden. Dass ich einfach keine Lust mehr habe der "Fünf-Minuten-Sohn" zu sein.

Sie sollen uns einfach in Ruhe lassen, sagte ich. Denn es ist uns mittlerweile egal, was meine Verwandten machen. Wir haben unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass wir keinen Bock darauf haben, nur alle vier bis fünf Monate besucht zu werden (obwohl alle hier im Ort wohnen).

Obwohl nicht eingeladen, habe ich meiner Schwester R.B. ein Verlobungsgeschenk gemacht, was ich heute nicht mehr machen würde. Mein Bruder ist Papa geworden und früher hätte ich, obwohl ich für ihn ein Abtrünniger bin, ein Geschenk gemacht. Aber wir sehen uns kaum und wenn, dann nur alle paar Monate und das nur eine halbe Stunde lang. Zudem hat meine ZJ-Schwägerin seit vier Jahren mit uns kein Wort mehr gewechselt.

Jetzt drehe ich den Spieß um. Wir versuchten mit unseren Eltern den Kontakt wegen unserer Kinder aufrechtzuerhalten. Nur: Von denen kommt einfach nichts rüber.

Ein Beispiel: Meine Mutter ist in den letzten sechs Monaten nur eine Stunde bei uns gewesen. Nicht das ich die Stunden zähle, aber um ein Verhältnis mit unseren Kindern aufzubauen, bedarf es mehr. Sie kam meistens alleine - ohne meinen Vater - zu uns. Erst wunderte ich mich, dann stellte sich später heraus, sie kam gerade vom Predigtdienst und hatte noch ein paar Minuten Rest für uns! Letzte Woche kam mein Vater dann vorbei, alleine, ohne meine Mutter und sagte: „Deine Mutter ist im Predigtdienst und konnte nicht kommen!" Die haben für alles Zeit! Zeit, um dreimal in der Woche zur Versammlungsstätte zu gehen. Zeit, um zu predigen, Zeit, um alle Publikationen zu studieren! Zeit, um wildfremde Menschen von zu Hause abzuholen und sie in Versammlungsstätten zu bringen! Zeit, um ständig irgendwelche Kongresse, welche Hunderte von Kilometer entfernt liegen, zu besuchen!

Aber sie finden keine Zeit, sich mit uns oder unseren Kindern zu beschäftigen!

Genau so verhält es sich mit meinen Geschwistern und allen anderen erwachsenen Menschen, keiner hat je die Idee gehabt, einmal mit den Kinder in ein Schnellrestaurant zu gehen (nur ein Beispiel), oder einfach einmal unsere Kinder abzuholen und in die Stadt zu fahren! Keiner!

Sie wollen nicht an unserem Leben teilhaben und wir möchten das auch nicht mehr!

Sollen sie doch machen, was sie wollen.

Die Tage verstreichen wie im Fluge

Tagein, tagaus, es kommt und geht ein Feiertag nach den anderen, aber keiner meiner ZJ-Verwandten meldet sich! Bei uns ist das Tischtuch inzwischen zerschnitten!

Alles habe ich unternommen, um ein guter Sohn, Bruder, Schwager oder Freund zu sein, ich war immer für alle da, habe mir immer alles angehört, habe für sie tapeziert, gestrichen, gebaut oder bin einfach für sie da gewesen, nun ist Schluss! Für sie bleibe ich ein böser Abtrünniger.

Wer ist denn für mich da? Meine Mutter hat mir auch nie geglaubt, wenn ich sagte, es gehe mir gut! Ist doch klar, es passt nicht in deren Weltbild das ein Nicht-ZJ auch glücklich sein kann. Also, ich bin heute glücklicher, als damals, als ich noch ein Zeuge Jehovas war, aber...

der Stachel mit meinen ZJ-Verwandten wird immer sitzen!

Denn, egal wie glücklich ich bin, es tut einfach weh, kein normales Verhältnis mehr zur eigenen Mutter zu haben! Vor allen Dingen ist für mich wichtig, dass meine zwei Töchter das Leben schöner und freier gestalten können als früher!

Noch ein Wort zu den UNTÄTIGEN: Ich war ja selber erst einmal eine zeitlang untätig, bevor ich die Eingeschlossenen verlassen habe und ich muss sagen, in dieser Zeit war ich mit der Situation nicht wirklich glücklich.

Warum? Es ist doch so, dass die Ältesten einen nie in Ruhe lassen. Jede Woche haben sie mich besucht, um mich aufzumuntern, indem sie mir zum Beispiel die neuesten Zeitschriften (Der Wachtturm und Erwachet) vorbeibrachten. Jede Woche kamen ein paar Schwestern vorbei, um meine Frau daran zu erinnern, wie schön es im Königreichssaal ist.

Dazu noch die ZJ-Verwandten. Bei jedem Familientreffen musste ich mir anhören, dass bald Harmaghedon komme (Der große Krieg Gottes, bei dem alle Bösen vernichtet werden und nur die Guten überleben). Immer redeten sie mir ins Gewissen, dass ich untätig sei und somit eine Belastung für die Versammlung wäre usw.

Es kann durchaus gesagt werden, dass die Zeit zwischen der Untätigkeit als Zeuge Jehovas und dem Abschiedsbrief eine unglückliche Zeit war ,aber nachher, wenn man sicher ist, dass das nicht die "Wahrheit" ist, dann geht’s nur noch bergauf!

Nach einiger Zeit habe ich sogar meinen Forums-Nickname geändert und meine Homepage gelöscht. Ich hatte Angst von meiner ZJ-Verwandtschaft entdeckt zu werden, insbesondere von meiner Mutter! Heute ist mir das egal! Egal wie ICH und meine Familie leben, sie akzeptieren es so oder so nicht!

Für die ZJ-Verwandten gibt es nur ein richtiges Leben: Das Leben als Zeuge Jehovas!

Ich habe mir am Anfang (kurz nach den Austritt) viel Mühe gegeben, meine ZJ-Verwandten nicht zu verletzen. Nichts von alledem, was ich Im Infolink Forum las, habe ich denen erzählt! Außer der UNO-Geschichte, ansonsten nichts.

Es half trotzdem nicht. Je mehr Zeit verging, desto mehr wurde meine Familie von den anderen ZJ-Verwandten gemieden! Heute haben wir einfach keine Basis mehr über irgendetwas zu reden! Sogar meine Mutter hat sich von uns immer mehr distanziert, obwohl sie das Gegenteil behauptet.

Wie ich schon an anderer Stelle schrieb, lud ich Anfang dieses Jahres (2006) alle meine Geschwister und meine Eltern zu einem Treffen ein. Ich fragte sie: „Möchtet ihr an meinem Leben teilhaben? Oder möchtet ihr so weiter leben wie bisher?" Klar, ich wusste ganz genau, das z.B. mein Bruder (zu der Zeit Ältester geworden, also megastreng) mit mir niemals an einem Tisch sitzen und essen würde! In der Vergangenheit hat er dies eindeutig bewiesen. Aber ich wollte meinen Geschwistern zeigen, dass ich sie als Mensch brauche, dass ich sie liebe (zu der Zeit hatte ich Depressionen).

Es änderte sich nichts! Dann sagte ich mir: "Ich möchte den Zeugen Jehovas keine Möglichkeit mehr geben mich als Ausgeschlossenen zu behandeln!" Wenn Sie meinen, nie wieder mit mir zu reden, sollen sie es tun. Das bedeutet: Zurückziehen und das eigene Leben leben!

Denn egal was ich und meine Frau gemacht, geglaubt, gesagt und gelebt haben, es war für die ZJ-Verwandten immer falsch! Das Problem ist, das egal wie alt ein Kind ist 20, 25, 30 oder älter, die Eltern immer die Eltern bleiben! Ich würde meine Eltern nie so behandeln, wie sie mich jetzt behandeln. Jeder Mensch sucht nach Bestätigung und Liebe. In den ersten Jahren sind es die Eltern, später der Partner. Natürlich gibt es solche Situationen, auch unter nicht Zeugen Jehovas.

Es geht um die Frage:

"Akzeptieren meine Eltern oder Verwandte das Leben, dass ich führe?"

Ich habe gemerkt, dass meine Mutter meine Art zu leben nicht akzeptiert.

Wenn ich schwul wäre, würde sie mich genau so behandeln wie bisher, also wenig Kontakt suchen usw.

Austreten aus der Sekte ist schwer, aber der Verzicht auf Mutter, Vater, Schwester auch! Sicherlich, die Freiheit ist da und man kann machen was man will, aber dieser Schritt sollte gut durchdacht sein. Ich weiß, wovon ich rede.

ABER: Es gibt ja keinen Nachteil ohne Vorteil: Alle brechen den Kontakt plötzlich ab. Das ist MOMENTAN ein Schock. Im Laufe der Zeit beruhigt sich die Situation wieder.

Einige Verwandte werden vielleicht wieder mal grüßen oder auch mehr. Inzwischen hast du dir aber eine neue Welt aufgebaut, ohne ZJ-Regeln. Das Thema hat in deinem Alltag nichts mehr verloren. Es geht dir wieder besser. Du kannst endlich leben wie du willst, ohne dich zu verstecken. Schließlich wird keiner mehr geschockt sein, wenn du Weihnachten feierst - du brauchst es nicht mehr erklären. Du bist ja kein Zeuge Jehovas mehr.

Die, die dich jetzt mit ihrer Ignoranz fertig machen, bleiben ja stehen. DU ENTWICKELST DICH WEITER. Dieser Schock, den du derzeit noch hast, der ist der Startschuss. Der gibt dir im Endeffekt wahnsinnig viel Kraft, denn er zwingt dich zum Handeln. Er zwingt dich dazu, dir ein neues Umfeld aufzubauen - und zwar eines, dass DU DIR SELBER AUSSUCHEN KANNST. Deine Freunde sind jetzt die, die DU dir aussuchst und nicht mehr die, die halt in der Versammlung der Zeugen Jehovas sitzen.

Und irgendwann kannst du die armen ZJ-Verwandten, die noch immer auf der Stelle treten und ihre schwarz-weißen Regeln pflegen, nur mehr belächeln. Dann hast du das Ganze so ziemlich hinter dir! Klar, sie möchten, dass ich tolerant bin und sie akzeptiere, dass sie Zeugen Jehovas sind. Soweit Ok.

Sie stellen sich jedoch über mich mit dem erhobenen Zeigefinger und akzeptieren mein Leben nicht. Wie Luft behandeln sie mich und erwarten dann, wenn sie alle paar Monate an meiner Tür klopfen, dass ich ihnen einen Roten Teppich ausrollen werde, wenn sie uns besuchen!

Liebe ZJ-Verwandten: Ihr wolltet nicht mehr an meinem Leben und das meiner Familie teilhaben. Monate, ja, Jahre habt ihr uns gemieden und nicht beachtet und jetzt, wo WIR es einfach satt haben euer Spiel mitzuspielen und uns von euch distanzieren, verlangt ihr Toleranz!?!

Ich habe meiner Mutter zuliebe fast meine Ehe aufs Spiel gesetzt!!! Hatte Angst ohne ihre Liebe und vor allen Dingen ohne Anerkennung zu sterben! Aber mit meiner Mutter ist es leider aus! Sie hat sich in den letzten Monaten immer mehr von mir und meiner Familie distanziert. Es gab im Grunde genommen keine soziale Bindung mehr...

Leider will und kann meine Mutter nicht akzeptieren, dass ich ein neues Leben ohne der ZJ-Ideologie leben möchte! Mit meiner Mutter hat es keinen Sinn über die "Wahrheit" zu reden. Meistens eskaliert es und sie möchte mir am Ende ein schlechtes Gewissen einreden! Letzten Endes ist eh egal, warum ein Mensch die "Wahrheit" verlässt. Für die Zeugen Jehovas ist es immer falsch. Sie möchten den Kontakt abbrechen und trotzdem ein gutes Gewissen behalten, weiterhin predigen und den Stuhl im Königreichssaal wärmen! Und in zehn Jahren möchten sie meinen Kinder erzählen, das ich keinen Kontakt wollte! Alles klar!

Für mich bedeutet Familie aktiv am gegenseitigen Leben teilzunehmen. Dadurch aber, dass wir nie wieder an einem Tisch sitzen werden, ist dies schon mal nicht möglich. Natürlich habe ich am Anfang versucht nicht über die Bibel oder Religion zu sprechen,

aber je mehr Zeit verging ,desto weniger Themen hatten wir. Hinzu kam, dass ich und meine Frau und die Kinder kaum mehr in ihrem Leben Platz hatten. Zuletzt hat man sich nur alle paar Monate getroffen und die Treffs wurden immer oberflächlicher! Leider.

Ich stelle mir halt unter einer Familie etwas anderes vor als die Zeugen Jehovas.

Ich bin Südländer und die Familie hat für mich einen hohen Stellenwert. Ich stelle mir vor, am Wochenende mit meinen Eltern zum nächsten Badesee zu fahren. Ich stelle mir vor, dass meine Mutter meine Kinder spontan mal abholt, um zum Spielplatz zu fahren. Oder ich rufe einfach so spontan meinen Bruder an, um ihn zu fragen, ob er den letzten Film gesehen hat, der gerade im Kino lief ... usw.

Alles ganz normale Dinge. Ist das zuviel verlangt?

Sommer 2006

Wie sieht es heute aus? Heute ist es so, dass seit ein paar Monaten totale Funkstille herrscht! Mit allen Verwandten, sogar bei meinem Vater. Aber so was gibt’s auch in der "normalen Welt". Was ist besser? Für mich und meine Familie waren die letzten Besuche von meiner Mutter und den anderen ZJ-Verwandten belastend!

Zudem kam noch hinzu, dass meine Schwester, eine Zeugin Jehovas, sich von ihrem Mann, kein Zeuge Jehovas, nach sechs Monaten Ehe getrennt hatte und ich auf der Seite des Schwagers stehe! Das haben sie mir übel genommen.

Mein Schwager, ein „böser Weltmensch", besucht uns regelmäßig! Er liebt unsere Kinder abgöttisch und respektiert uns!

Als wir dann beschlossen, meiner Mutter zu sagen, dass wir nie wieder davon hören möchten und wir auch nicht mehr zurückkommen würden, hat sie uns immer weniger besucht! Wahrscheinlich, weil sie gemerkt hatte, dass wir es ernst meinen!

Natürlich ist es schade keinen Kontakt mehr zu haben, aber unter den Umständen der letzten Monate, wo jeder dem anderen Vorwürfen machte und ständig dicke Luft herrschte: Nein danke!

Ich hab' mindestens schon dreimal von meiner Mutter geträumt! Ich träume davon, sie zu treffen und alles zu bereinigen! Aber sie wird niemals die ZJ–Lehre aufgeben! Und im täglichen Leben habe ich von dieser Beziehung nichts! Meine Mutter hat auch den Kontakt zu unseren Kindern – sieben Jahre und elf Jahre alt - ganz abgebrochen.

Wie schon geschrieben, auch vorher haben die Omas und Opas nichts Großes mit den Kindern unternommen...

Na ja, in ein paar Jahren werden sie sehen, was sie davon haben, spätestens wenn kein Harmaghedon kommt und die Kinder in der Zwischenzeit völlig entfremdet von den Großeltern sind!

Nicht das ich es verboten hätte, im Gegenteil, zu meiner ältesten Tochter sagte ich, sie solle ruhig zu den Großeltern gehen um sie zu besuchen, aber sie wolle nicht. Natürlich hat meine Mutter in der Vergangenheit versucht meinen Kindern bunte WTG- Bücher zu geben, was wir absolut nicht möchten, gerade weil wir davon nichts wussten. Aber ich denke, die Kinder haben ein Gespür dafür, ob die eigenen Eltern von anderen Verwandten vernünftig behandelt werden, oder auch nicht! Die familiäre Entfremdung ist ein Teil unseres Lebens. Lassen wir es dabei. Was bleibt einem auch anderes übrig ...

Nur: Wenn diese meine besten Jahre vergehen und mich meine Verwandten, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, links liegen lassen, dann ist es auch zu spät!

Es ist doch so, dass unser Leben befristet ist und die Jahre vergehen.

Es vergehen die besten Jahre ohne mit den Liebsten(?) an einem Tisch zu sitzen. Ohne ganz normal zusammen zu essen! Nur: Wenn der Tag kommt, an dem jemand stirbt, ist es auch zu spät! Dann ist es zu spät, um zu trauern und zu weinen. Es macht mehr Sinn in der Zeit des Lebens etwas gemeinsam zu machen!

Meine Worte sind hart, doch wenn jetzt wirklich Jahrzehnte vergehen ohne nur ein Wort gewechselt zu haben, meint ihr wirklich, es juckt mich, wenn einer von meinen ZJ-Verwandten stirbt? Natürlich werde ich trauern, aber die Liebe ist weg...

… weggenommen von der WTG!

Und dazu gehört, dass man das sagt, was man denkt und das tut, wovon man überzeugt ist. Wenn ich etwas nur tue, weil es früher verboten war, gebe ich doch damit zu erkennen, dass diejenigen, die es mir verboten haben, noch immer einen Einfluss auf mich ausüben. Tue ich einfach nur das, wozu ich stehe, bin ich ein selbstbestimmter Mensch, der es nicht nötig hat, andere zu beeindrucken oder den Maßstäben anderer zu entsprechen.

Und dazu gehört auch, dass ich denen zeige, dass ich nicht einverstanden bin, wie sie mich und meine Familie behandeln.

Ein Beispiel: Da ich und meine Frau ausgeschlossen sind, werden uns meine Schwester und der zukünftige Schwager nicht zu ihrer Hochzeit einladen. Ok. Nur ich muss denen keine Glückwünsche senden oder Hochzeitsgeschenke machen. Denn das würde zeigen, dass ich damit einverstanden bin, wie sie uns behandeln. Es ist zwar deren Gesetz, wie sie mit Ex-Zeugen Jehovas umgehen, aber nicht mein Gesetz! Genau so verhält es sich, wenn ich auf der Straße einen Zeugen Jehovas treffe, der mich nicht grüßen will. Ich werde ihm in die Augen schauen und grüßen. Wenn er nicht zurückgrüßt, ist das Pech für ihn.

Oder ein anderes Beispiel im Zusammenhang mit meinem Bruder (Ältester): Seine Frau hat im Juli eine Tochter zur Welt gebracht. Erst wollte ich ein Geschenk machen und eine Karte kaufen, aber meine Frau war skeptisch. Dann habe ich es sein lassen und wurde bestätigt. Denn das seine Frau schwanger war, erfuhr ich zufällig von Dritten. Ich sehe meine Schwägerin seit vier Jahren nicht mehr und wenn wir irgendwo anwesend (z.b. tupperwaren Abend, Hochzeitstag meiner Eltern) waren , kommt weder mein Bruder noch meine Schwägerin. Im Gegenteil ein tag später organisiert meine Mutter noch mal die gleiche Feier!!!

Mein Bruder hat seinen Sohn(8) während der ganzen Zeit nicht einmal bei uns abgegeben um mit meinen Töchtern zu spielen. Die kleine ist jetzt 2 oder 3 Monate alt und Sie haben es uns nicht einmal für nötig gehalten sie uns vorbei zu bringen. Im Grunde genommen haben wir nicht viel von den ZJ-Verwandten. Sie wollen uns nicht. Wir wollen sie auch nicht mehr.

Zukunft

Manchmal stelle ich mir folgende Fragen: Woher stammen all diese wunderbaren Dinge? Wer hat uns gemacht? Warum existieren wir? Welchen Zweck erfüllen wir? Wie erfüllen wir in unserem Leben den Zweck unseres Daseins?

Diese Fragen stelle ich mir täglich. Als ich noch ein Zeuge Jehovas war, hatte ich auf die o.g. Fragen vorgefertigte Antworten. Der „Wachtturm" hatte mir alles logisch beantwortet und ich konnte damit leben.

Heute, nach dem Abschied von der WTG und den Zeugen Jehovas, habe ich auf diese Fragen keine klaren Antworten! Ich habe eine Antwort, aber keine Beweise. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, das ich, je weniger ich an diese Fragen denke, es mir umso besser geht! Ansonsten zermartere ich mir den Kopf!!!

Kurz nach dem Ausstieg hatte ich Todesangst und litt unter Angstattacken!

Ich hatte Angst zu sterben! Ich wachte schweißgebadet auf und dachte, morgen ist alles vorbei! Von Arzt zu Arzt rannte ich, um mir immer die gleiche Diagnose abzuholen: Du bist gesund! Wenn Ich den Sinn des Lebens betrachte, ganz nüchtern, dann ergibt das Leben keinen Sinn! Ich weiß, das baut nicht auf, aber das sind meine Gedanken in diesem Moment!

Ich hatte schon immer Fragen. Ich sage mir heute, ich habe dieses Leben bekommen und jetzt versuche ich entspannt zu leben und meinen Kindern ein schöneres Leben zu geben. Gibt es einen Gott? Keine Ahnung!

Eines darf man nicht außer Acht lassen, die Zeugen Jehovas haben uns schon gut erzogen. Sie haben uns so gut erzogen, dass es fast unmöglich scheint, außerhalb der WTG-Mauern glücklich zu werden!

Aber nur fast …

Ich hab mir eines geschworen: Ich werde meinen ZJ-Verwandten und Bekannten beweisen, dass es möglich ist, außerhalb der WTG- Mauern glücklich zu werden! Das ist es doch, was sie wollen, das man unglücklich wird und nach dem Sinn des Lebens ohne WTG hinterfragt...

Wertvolle Gedanken zum Abschluss

Die folgenden Gedanken hatte ich mal auf der Festplatte kopiert und sie haben mir sehr geholfen:

Wie lange muss man sich denn selbst belügen (und das ist das Schlimmste), bis man mal endlich einsieht, dass nicht die Zeugen Jehovas einem die tolle Familie wegnehmen, sondern die Familie sich bewusst dafür entscheidet??

Ich habe erst den Schritt geschafft, nachdem ich mir mal klar gemacht habe, dass ich nur liebenswert für die Familie und Freunde bin, wenn ich das tue, was die WTG von mir erwartet.

Nicht ich als Mensch! Als Sohn! Als Freund! Nur als tätig getaufter Bruder! Natürlich ist das Schei.., es tut unendlich weh und manchmal ist es kaum zu verarbeiten.

Aber wie will man denn anders leben? Sein ganzes Leben auf eine große, fette Lüge aufbauen? Gemocht werden als schlechtes Abziehbild der Person, die man doch eigentlich gar nicht ist?

Wenn sie doch wüssten wie Du wirklich denkst, würden sie dich doch verstoßen und es wäre auf einmal egal, ob Du im Krankenhaus liegst, in der Gosse landest, depressiv wirst oder was auch immer!!

Wegen Menschen, die so reagieren, zu lügen und das einzige Leben nicht so leben zu können wie man es sich eigentlich wünscht?? Ich wollte mich nicht selber belügen!

Egal, wie nett und toll diese Menschen sind, sie sind nur so lange nett und herzlich, wie man nach ihren Spielregeln spielt. Der Mensch der ich wirklich bin, zählt nicht!!

Ich stehe dazu wie ich denke, und sehe, wie sie reagieren. Dann offenbart sich, ob ich wirklich geliebt werde! Und das Ergebnis war erschütternd, aber zwingend notwendig um ein neues, echtes LEBEN zu beginnen!!

Jehovas Zeugen definieren sich über Abtrünnige.

Gott definiert sich über den Teufel.

Ein Staatsanwalt definiert sich über den Kriminellen.

Ein Arbeitnehmer definiert sich über den Arbeitslosen.

Ein Herr definiert sich über seinen Sklaven.

Menschen, die einfach nur leben, brauchen all den Zauber nicht. Deswegen sind Jehovas Zeugen krank. Sie stellen sich über die Welt. Sie rennen zu den Leuten. Sie verurteilen ihre Feinde. Ihre eigene Säure zerfrisst sie geistig und körperlich.

Ich habe für mich dieses Spiel beendet. Ich brauche keine Zeugen Jehovas mehr, die ich verlassen habe, um ein besseres Leben zu führen. Diese Leute sind ohne Bedeutung für mein Leben, bis sie anfangen, mich zu stören. Erst dann werde ich aktiv. Die Erde ist groß genug. Ich habe aufgehört, mir die Köpfe meiner Familie (und all dieser Sektenverrückten) zu zerbrechen. Irgendwie habe ich gemerkt, es tut mir und meiner Lebensqualität nicht gut.

oder

Mir tut es eben nicht gut, mir jedes Mal Beleidigungen und Kränkungen von meiner Familie abzuholen. Ich habe abgewogen: Wie ist die Lebensqualität für mich, wenn der Kontakt komplett abbricht und ich mich auch nicht mehr bemühe, ihn krampfhaft zu erhalten?

Oder

Wie ist meine Lebensqualität, wenn ich noch meiner Familie gefallen will, mich verbiege, verheimliche, ein Doppelleben führe, vertusche, nur um des lieben Friedens willen?

Wie geht es mir auf Dauer, wenn ich mit jeglichem Kontakt immer wieder neu verletzt werde und ich traurig durch die Welt gehe?

oder

sie reden von der Liebe - sie wissen jedoch nicht, was Liebe ist,

sie reden von der Wahrheit - sie haben die Wahrheit zur Lüge verkehrt - die Lüge zur Wahrheit gemacht,

sie reden über Gerechtigkeit - sie besitzen lediglich ihre Selbstgerechtigkeit,

sie reden über Demut - sie sind die Königsklasse.

Oder

sie sind kein Teil dieser Welt - richtig! Sie gehören auch nicht in diese Welt.

sie sind nicht harmlos - wer das glaubt, ist einer fatalen Fehleinschätzung unterlegen.

sie wollen leiden - nicht wirklich, es ist nur ein Scheinleiden.

Aber: Sie möchten, dass du leidest, Schmerzen empfindest und Lebensfreude verlierst, wenn du gehst.

Jedoch: Sie leiden umso mehr, je mehr du deine Lebensfreude wiedergewinnst, wenn du sie verlässt.

In dem Moment, wo sie die Gelegenheit haben in die Kerbe zu schlagen, oder den Finger in die Wunde zu legen, machen sie das, um ein bisschen nachzuhelfen und das Königsklassengefühl wieder an die rechte Stelle zu rücken

Zu ihrer Todesverachtung, die sie antrainiert bekommen, gesellt sich dann noch ein Siegesgefühl, und das macht sie groß, ganz, ganz groß.

Oder

Es sind Menschen, die heute aufgehört haben zu leben und es sich zur Aufgabe gemacht haben, andere in diese Lebensform hineinzuziehen, um sie für das normale Leben unfähig zu machen und sie mit dreckigen Methoden daran zu hindern, wieder zurückzugehen.

Oder

Alle (mit ein paar Ausnahmen), deren Eltern noch aktive Zeugen Jehovas sind, müssen sich eines eingestehen:

Wir haben in diesem Sinne keine Eltern mehr!

Wir sind geistige Vollwaisen: Eine amerikanische Sekte hat uns unsere Eltern genommen! Das ist eben die andere Seite der Medaille.

So schmerzhaft das ist, aber man lebt besser damit, wenn man akzeptiert, dass die eigenen Eltern geistesblind durch die Gegend stolpern und auch noch denken, sie wären auf dem richtigen Weg.

Sie zerstören in blindem WTG-Gehorsam selbst ihre Familien und schieben die Schuld auf jene, die sich für den Ausstieg mit all seinen Konsequenzen entscheiden.

Das ist die eigentliche traurige "Wahrheit".

Ganz gleich, wie viele Argumente der noch so eloquenteste Ex-Zeuge Jehovas parat hätte.

Diese Menschen haben über Jahre hinweg das WTG-Antibiotika geschluckt und sind resistent gegen jedwede Art von logischen Schlussfolgerungen, die auf gesundem Menschenverstand basieren.

Das Schlimme ist ja - und womit wir zum Großteil - nicht klarkommen, ist die Tatsache, dass wir den von Natur aus "angeborenen" Elternschutz nicht oder niemals wirklich spüren konnten.

Die eigenen Eltern halten eher zu den Ältesten oder den Glaubensbrüdern und Glaubensschwestern, als zu ihren eigenen Kindern. Die Imagepflege der Sekte ist wichtiger als das eigene Kind.

Wir werden unser Leben ohne ZJ-Verwandten und Eltern alleine meistern...