Knut - Maulkorb nach Kritik an der Organisation

Bin ursprünglich aus Kempten im Allgäu hier nach Österreich gezogen um in einem "Hilfe Not Gebiet", mit meiner Frau Theres zu "dienen". War bis zum 6.4.1999 gemeinsam mit meiner Frau ein Zeuge Jehovas.

Wir waren beide einige Jahre im Hilfspionier- und allgemeinen Píonierdienst. Am 5. November 1999 wären wir 16 Jahre getauft gewesen. Ich war auch einige Jahre hier in der Versammlung Groß-Siegharts im nördlichen Österreich Dienst- und Schulaufseher.

Wie so viele, oder besser gesagt fast alle Zeugen sehr betriebsblind. Hätte es nie für möglich gehalten, daß ich auf Manipulation und Vortäuschung so leicht reagiere. Na ja es ist halt passiert. Habe auch sehr viele gute und nützliche Eigenschaften gelernt oder mir angewöhnt. Bin dann durch Deine Homepage, vor allem die Beiträge und später auch durch die 2 Bücher von Raymond Franz "aufgewacht".

Die CD von Herbert Raab bestellt und ausgedruckt. Habe dann so alles in allem über 2.000 Seiten Literatur konsumiert, die es mir in der Versammlung sehr schwer fallen ließen ruhig zu sein. Habe mit einem Arbeitskollegen nur das Thema Blut andiskutiert, nicht etwa um ihn von meiner "neuen" Meinung zu überzeugen, sondern um konstruktiv und kritisch an das Thema heranzugehen und dabei das Ende der Diskussion offen zu lassen. Nur läßt das Denkmuster vieler Zeugen diese Art der Diskussion und Erarbeitung scheinbar schwer zu.

Habe dann in einem Gespräch mit 2 Ältesten keine biblischen handfesten Argumente erhalten, sondern nur Meinungen und den Hinweis, daß die Ältesten mir (die Ältesten unserer Versammlung waren zum Teil außergewöhnlich liberal, das meine ich auch nicht zynisch), wenn ich mit diesen Gesprächen nicht aufhören würde mit ihrem schnellen Eingreifen ihrerseits zu rechnen hätte.

Ich habe diesen "Maulkorb" akzeptiert und unseren Ausstieg vorbereitet.

Meine Frau und ich haben über 50 persönliche Briefe an alle unsere Freunde und guten Bekannten geschrieben in denen wir erklärten, warum wir die Organisation verlassen würden, gemeinsam mit einer Liste möglicher Fragen und unserer Beantwortung, die nun wohl in ihnen auftauchen würden oder könnten.

Wir sind dann noch nach Kempten gefahren, wo wir ja über 10 Jahre lebten und haben sehr engen Freunden persönlich adieu gesagt. Die Austritterklärung an die Ältestenschaft geschrieben, je eine Austrittserklärung an unsere zuständige BH (bedeutet Bezirkshauptmannschaft und ist so etwas wie das Gemeindeamt oder die Stadtverwaltung, mit dem Standesamt gemeinsam unter einem Dach). Die BH leitet daß dann weiter an das Zweigbüro in Wien weiter.

Dieses Verfahren scheint, laut Auskunft unserer Ältesten seit neustem nötig, da die Zeugen ja in Österreich den Status einer staatlich eingetragenen Religionsgemeinschaft besitzen, der man mit dem Unterschreiben der Verkündigerberichtskarte angehört und deswegen offiziell bei der BH austreten muß, wenn man diese Gemeinschaft verlassen will. (Das Unterschreiben der Berichtskarte mit dem Hinweis, daß dies nun nach neuestem Recht auch in Österreich gelte würde,und man sich damit einverstanden erkläre, daß man nun Daten über den Dienst sammeln könnte, wurde hier vor ca. 2 Monaten eingeführt).

Die dafür zuständige Dame auf dem Amt hat davon, daß man eine Erklärung abgeben müsse um kein Zeuge Jehovas mehr zu sein, zwar noch nichts gewußt, aber sie meinte, sie würde unsere Erklärungen weiterleiten.

Und das war es ... Wir haben einige Anrufe von "Brüdern" und "Schwestern" bekommen, auch ca. 10 Briefe als Antwort auf unsere Briefe. Leider war die Reaktion so, wie es wohl den meisten von UNS Ausgeschlossenen ergeht sehr gleichförmig, sehr leblos und flach. Da wir ja durch viel Literatur wußten, was uns erwarten würde und wir Wochen vorher auch mit einem sehr fähigen Psychologen sprachen, der uns mit sanften Mitteln half, war es nicht so hart. Wir beide haben keine leiblichen Verwandten bei den Zeugen gehabt und die Flachheit vieler, scheinbar intensiver und inniger Beziehungen hatte uns schon immer gestört, so daß uns das Wegfallen dieser Flachheit keinen Nervenzusammenbruch bescherte.

Jetzt suchen wir Freunde mit wirklichem Tiefgang (scheint entweder eine vom Aussterben bedrohte, oder sehr schwer zu findende Spezies auf dieser Erde zu sein). Geistig fühlen wir uns eher zu Raymond Franz's Art hingezogen.