Wie Zeugen Jehovas mit Transsexuellen umgehen

Ich heiße Stacy und ich wurde 1991 getauft und 1997 ausgeschlossen, weil ich die falsche Art von Kleidung trug. Wenn du meinst, das sei ein seltsamer Grund, dann willkommen in der bizarren Welt der Zeugen Jehovas!

Ich war ein freundlicher, aber depressiver Mensch, als ich Jehovas Zeugen zum erstenmal traf - ein Mensch, der keinem anderen direkt "Nein" ins Gesicht sagen konnte, weil er fürchtete, ihn zu verletzen. Ich war auch transsexuell. Ein Transsexueller ist eine Person, die, wie in meinem Fall, den Körper eines Mannes hat, der aber denkt und fühlt wie eine Frau.

Ich hatte viele Fragen über die Bibel und diskutierte gerne darüber. Mein Fehler, denn die Zeugen Jehovas fingen an, immer öfter zu kommen. Ich versuchte ohne Erfolg, sie zu ermüden. Ich studierte mit einem Pionier, der heute sein Leben im Kaukasusgebirge vergeudet.

Wie auch immer, schließlich dachte ich, die Bibel von Haus zu Haus zu lehren, sei eine gute Idee; ich mochte nur nicht den Teil, den die Gesellschaft dabei spielte. Ich behielt meine Gefühle für mich. Ich wurde mit Zeugen-Jehovas-Propaganda eingedeckt, und ich studierte eine Menge. Ich traf auch Zeugen im Internet an, sowie auch einige Abtrünnige. Die Abtrünnigen waren merkwürdige Leute. Ich kam meinen neuen Freunden gefühlsmäßig immer näher, so ließ ich mich schließlich taufen. Ich hatte kein gutes Gefühl dabei, und ich hatte ständig Zweifel.

Ich heiratete auch und begann den Pionierdienst. Wir waren dort Pioniere, wo das Bedürfnis groß war: in den kalifornischen Sierras. Wir waren völlig verarmt, und wir konnten keine Arbeit finden. Die Zeugen Jehovas halfen; obwohl es freundlich war, war das nur ein Zeichen. Meine Ehe begann, in die Brüche zu gehen, und ich konzentrierte mich darauf, geistiger gesinnt zu sein, bis meine Gesundheit anfing, sich zu verschlechtern.

Schließlich beging meine Frau Hurerei und wurde im Privaten zurechtgewiesen. Kurz darauf, als ich wegen dieser Sache noch gekränkt war, wurde ich gebeten, mich mit den Ältesten Jim Wynn und Brian Wano aus der Versammlung in Jamestown in Verbindung zu setzen. Ich dachte, sie wollten mich ermuntern. Im Gegenteil, sie wollten hart gegen meinen Pionierdienst durchgreifen, weil mir "die Freude fehlte". Ich zeigte aus der Bibel, daß es viele glaubenstreue Menschen gab, denen "die Freude fehlte", wie zum Beispiel Hiob, Jona und Paulus, und sie stimmten mir zu. Sie gingen jedoch nach ihrem Protokoll vor, das sie für diese Zusammenkunft vorbereitet hatten. Sie waren völlig unvorbereitet darauf, daß ich ihre Beweggründe anzweifelte. Jim Wynn lachte sogar: "Wenn wir weltliche Arbeitgeber wären, könnten wir dich einfach hinauswerfen." Das war das ganze "Mitgefühl", das ich von ihnen erhielt. Ich kam wütend nach Hause und beschloß, daß sie nicht meine Pionierdienstkarte bekämen, Ich sagte dem Ältesten Bruce Staudenmaier, daß ich sie weggeworfen hätte. Er bat mich, sie aus dem Müll wieder herauszusuchen. Ich glaube, er murmelte: "Es ist nicht passend, wenn Jehovas reine Diener in Abfallhaufen herumgraben."

Wir zogen in eine andere Versammlung, wo sich die Leute weniger darum kümmerten, wer wir waren, nach Beaumont in Kalifornien. Ein Ältester, Byron Cornelius, der in Palm Springs wohnt, kam im August mit dem Kreisaufseher zu uns zu Besuch, nachdem wir schon sechs Monate in der Versammlung waren. Meine Frau machte die Ältesten völlig dafür verantwortlich, daß sie es vernachlässigt hatten, sich geistig um uns zu kümmern und rannte weg, wie es die Priester in den Zeugen-Jehovas-Märchen tun.

Meine Ehe verschlechterte sich immer mehr, während ich immer noch alleine war, um mit den Problemen zu kämpfen. Schließlich wurde meine Scheidung ausgesprochen. Ich begann, selbstmordgefährdet zu werden. Ich war nicht mehr am Leben interessiert und wies meine Frau und die Versammlung zurück. Ich untersuchte meine Situation und kam zu dem Schluß, daß ich in meiner Geschlechtsrolle leben müsse, um den Stress zu verlieren, der allmählich unüberwindlich wurde. Die Ältesten besuchten mich, Mr. Cornelius und ein ruhiger, merkwürdiger Mensch; ich glaube, sein Name war Scott Panter. Cornelius schnauzte mich und meine Frau an und brachte Beschuldigungen gegen uns vor und war schnell bei der Hand, sich zu brüsten, wie schlau er sei. Voller Schmutz, wirklich.

Nach diesem Besuch begann ich, mich für den ganzen Tag als Frau zu kleiden. Ich empfand eine enorme Befreiung und konnte klar denken. Ich fühlte mich nicht mehr selbstmordgefährdet. Der Wachtturm sagte wenig oder gar nichts dagegen. Eines Tages folgte mir ein Zeuge Jehovas ohne mein Wissen bis nach Hause. Mein Haus war unter Beobachtung, und meine Telefongespräche wurden diesem Cornelius berichtet. Ich vermute, er war ein schlechter Verlierer. Er kam später vorbei, aber ich öffnete nicht die Tür, weil es noch früh am Morgen war (Jehovas Zeugen mögen Morgende, weil die Menschen dann am verletzlichsten sind). Ich gab offen zu, daß ich mich [als Frau] gekleidet und daß mich das vor einem Selbstmord bewahrt hatte. Jetzt zitiere ich seine Worte: "In den Zeitschriften gab es bis vor kurzem viel darüber ... Gott kann einen Selbstmord vergeben." Er sagte mir also, ich solle Selbstmord begehen! In einer Nachbarversammlung hatte es ein Jahr zuvor (1996) einen Fall von Selbstmord gegeben. Am darauf folgenden Tag wurde ein Rechtskomitee einberufen. Ich wurde des Lügens, eines losen Lebenswandels und der Abtrünnigkeit angeklagt. Dies alles nur, weil ich einen Rock angezogen und Makeup benutzt hatte! Auf den Fidschi-Inseln und andernorts tragen Jehovas Zeugen auch Röcke. Makeup wird in Fernsehstudios benutzt, wenn die Leute für die Sendung zurechtgemacht werden, und es war da ein Zeuge Jehovas im Fernsehen aufgetreten. Ich bewies ihnen, daß sie in allen Punkten im Unrecht waren. Die anderen Ältesten verhielten sich ruhig, aber dieser Cornelius kläffte seine Beschuldigungen heraus. Er konnte ohne medizinischen Beweis nicht beweisen, daß ich mit einer Lebenslüge lebte, obwohl er einen solchen medizinischen Beweis von mir verlangte, daß ich NICHT nach einer Lebenslüge lebte. Sie sagten auch, ich würde Rabatz verursachen, wenn ich die Damentoilette benutzte. Ich sagte, so etwas sei nie geschehen, und so hätten sie keinen Beweis in Händen. Ich war abtrünnig, weil ich nicht glaubte, daß Gott Mann und Frau erschaffen hatte. Ich habe das nie abgestritten, aber ich sagte auch, daß er sie vollkommen erschaffen hatte. Wirklich, von einem Rechtsanwalt erwartete ich mehr. Sie schrieben sich nichts auf. Cornelius sagte, könnten es für eine Woche im Sinn behalten - bis zur Berufungsverhandlung. "Wir sind doch nicht dumm." Nun, seither ist ein Monat vergangen, und ich habe nichts über meine Berufung gehört. Ich vermute, er ist wirklich SCHLAU genug, sich an alle Einzelheiten zu erinnern!

Ich bin raus und kann jetzt in meiner Rolle leben und glücklich sein. Manchmal vergesse ich sogar schon meine Erfahrung als Zeuge Jehovas. Ich empfinde immer noch Trauer, daß damit eine zerbrochene Ehe verbunden war, denn ich liebte meine Frau sehr und liebe sie immer noch. Im Innern habe ich immer noch negative Gefühle, daß eine Sekte das Leben von Menschen ruinieren und sie in den Selbstmord treiben kann. Ich bin nicht verbittert, aber ich denke, dieses Verbrechen darf nicht ohne Öffentlichkeit so weitergehen.