Sarah - als Kind mißbraucht

Mein Leben bei den Zeugen Jehovas

Ich weiß eigentlich gar nicht so genau wo ich anfangen soll. Ich bin bei den Zeugen Jehovas hinein geboren worden und bis zu meinen 15. Lebensjahr war ich gezwungen alles hin zu nehmen was meine Eltern von mir verlangten.

Das waren nicht Regeln wie es in anderen Familien normal ist. Nein es ging vielmehr darum das ich seelisch systematisch kaputt gemacht wurde.

An meine frühe Kindheit denke ich nur sehr ungern zurück. Es liegt zum Teil auch daran das mein Vater starker Alkoholiker war und ist. Generell hatte ich ein sehr kaputtes Familienhaus. Vor allem meine Mutter war seit ihren ca. 20. Lebensjahr überzeugte Zeugin Jehovas. Meine Kindheit äußerte sich durch totale Isolation von der Außenwelt. 2 mal die Woche besuchten wir den Königreichssaal der ZJ wo wir durch Schläge auf den Hinterkopf dazu ermutigt wurden 2 Stunden still zu sitzen und dem Vortrag zu folgen. Dann mußten wir noch einmal die Woche an einen Bibelstudium teilnehmen wo es mit dem Stille sitzen auch nicht viel anders aussah. Am Samstag hatten wir ein Familienstudium was durch einen Ältesten der Versammlung bei ihm zu Hause geführt wurde weil mein Vater zu der Zeit mehr betrunken als nüchtern war. An dieses Familienstudium denke ich nur mit Übelkeit zurück.

Ich sitze hier und mir zittern die Hände beim tippen, damals wurde ich von dem Ältesten auf der Toilette das erste Mal im Schambereich angefaßt. Ich war damals noch sehr klein 5 Jahre alt und kann mich zum Glück nur Bruchteilhaft daran erinnern. Ich weiß nur noch so viel das ich damals sehr übermüdet war da das Studium zu sehr später Stunde statt fand und ich weinend auf die Toilette ging und dort wohl auch einige Zeit drinne war, jedenfalls meinte der Älteste das er mich beruhigen wollte zu meiner Mutter und sie ließ ihn einfach so zu mich rein, sie hatte wohl keine schlimmen Gedanken das da drinne irgendetwas vorging.

Ich kann mich noch genau an die Worte erinnern die er zu mir sagte: das darf ich keinen sagen und überhaupt hat er mich ja nur lieb gestreichelt weil ich so traurig war… wenn ich das meiner Mama erzählen würde, Jehova dann ganz böse mit mir wäre und ich nicht ins Paradies komme sondern zu Satan!!. Und das war für mich die schlimmste Vorstellung überhaupt… denn durch die ganzen psychischen Manipulationen war ich geimpft das es unser Bestreben war Jehova zu gefallen und ins Paradies zu kommen. Daraufhin steigerten sich die lieb gemeinten Besuche des lieben Onkels und meine Mutter war total begeistert das er mit mir das buch „meine biblischen Geschichten“ näher behandeln wollte. Und so kam es das ich des öfteren mit ihm alleine gelassen wurde… was daraufhin folgte vermag ich nicht in Worte zu fassen. Das ich Sprachstörungen auf einmal bekam und ins Bett näßte schloß meine Mutter auf den Umstand zu hause das mein Vater immer betrunken war.

Meine großes Erlösen war wohl das die Situation zu hause immer schlimmer wurde und meine Mutter mit uns Kinder in einen weiter entfernten Ort ins Frauenhaus ging. So mit war ich zumindest von dieser Qual erlöst… ich sah ihn (den Ältesten) nur noch auf den 3 mal im Jahr stattfindenden Kongressen wo er keine Chance hatte mich anzufassen … das ich ihm nicht die Hand geben wollte zur Begrüßung wurde mit einen heftigen Satz Ohrfeigen gleich bestraft von meiner Mutter ohne überhaupt mal nachzufragen was denn los sei. Mir wurde praktisch gar keine Chance gegeben mich zu äußern und sowieso hätte ich mich nie gewagt etwas zu sagen.

Nach einigen Jahren meiner Kindheit hatte meine Mutter sich von meinen Vater endgültig scheiden lassen und das führte so weit ich mich erinnern kann zum Ausschluß aus der Gemeinde der ZJ. Ich weiß nur noch das meine Mutter auf einmal eine Ausgeschlossene war und wir nur noch kurz vor Beginn der Versammlung hingegangen waren und wir praktisch wie Aussatz behandelt wurden. Man würdigte uns keinen Blick. Nach glaub ich 2 Jahren wurde meine Mutter wieder in die Gemeinschaft aufgenommen und kurze Zeit darauf lernte sie meinen heutigen Stiefvater kennen womit die nächste Hölle begann.

Schon morgens vor der Schule mußten wir den Bibeltext lesen und generell wurde alles viel härter. Von der Schule aus mußte ich direkt nach Hause und ich durfte mich nicht wagen mich mit Jemanden aus der Schule zu unterhalten. Wagte ich dies und meine Eltern bekamen das durch Zufall mit bekam ich das Tage lang zu spüren durch Äußerung wie „man merkt das du mit diesen Teufelspakt gesprochen hast dein benehmen ist ja unmöglich“ usw. … und das obwohl ich mir allergrößte mühe gegeben hatte meinen Eltern alles recht zu machen.

Ja meine Kindheit war mies und ganz zu schweigen von der Hänselei in der Schule weil ich die totale Außenseiterin war. Insgesamt sind wir 6 Kinder und alle bis auf 2 Schwestern von mir haben sich den Glauben total abgewandt Meiner jüngeren Stiefschwester bleibt praktisch gar nichts anderes übrig als dieses Leben hinzunehmen da sie erst 10 Jahre alt ist. Ich selber habe den Absprung aus dieser Hölle geschafft weil ich mit 15 Jahren zu Pflegeltern gekommen bin. Ich hatte die ganze Situation nicht mehr ausgehalten und durch Ermutigung von meinen älteren Geschwistern die auch mit 15-16 Jahren von zu Hause entflohen sind hatte ich meinen ganzen Mut zusammen genommen und bin zum Jugendamt gegangen und habe dort erzählt wie es mir geht. Dort wurde mir zum Glück sofort geglaubt. Viele mögen denken das ich danach ein freies Leben hatte, aber dem ist nicht so! In der Zeit als ich bei meinen Pflegeltern war wurde ich durch Anrufe die aber nach den 3. unterbunden wurden vom Jugendamt derart fertig gemacht das ich versuchte mir das Leben zu nehmen … ein paar Monate später lernte ich meinen heutigen Ehemann kennen und bekam mit 17 mein erstes Kind. Dadurch das wir heiraten wollten mußte ich zwangsläufig mit meiner Mutter wieder Kontakt aufnehmen da ich noch nicht volljährig war und ich ihr Einverständnis brauchte. Bis vor 2 Monaten hatten wir auch immer wieder mal Kontakt … was sich für mich und meiner Familie als seelische Zerreisprobe darstellte. Vor 2 Monaten kam irgendwann der Entschluss das ich mich nicht mehr innerlich quälen will und habe den Kontakt komplett abgebrochen. Meine Mutter hatte nicht einmal begreifen können welches Leid sie mir in der Kindheit angetan hat und das ich bis zum heutigen Tag schwere seelische Probleme habe. Ich konnte bis vor kurzen nicht einmal alleine vor die Tür gehen da ich starke Menschenängste habe. Und nach wie vor unter Selbstmordgedanken leide. Ich hatte in den vergangen 6 Jahren immer wieder um Liebe von seitens meiner Mutter gebettelt aber die konnte sie mir nicht geben … sie sagte nur zu mir das sie mich nicht lieb haben kann wie meine anderen beiden Schwestern weil ich Jehova nicht lieben würde.

Das was ich hier berichte aus meinen Leben sind nur Bruchstücke. Um das alles aufzuschreiben bedarf es schon einiges …

Ich habe mich deshalb dafür entschlossen hier einen Teil von meiner Kindheit bei den Zeugen Jehovas zu berichten weil ich endlich lernen will mit meiner Kindheit normal umzugehen – ich möchte vergessen können! Noch heute obwohl ich mich absolut von den ZJ distanziere habe ich ein schlechtes Gewissen wenn Feiern wie Weihnachten etc anstehen … warum kann ich keinen sagen noch nicht mal mir selber …

Ich habe nach wie vor Angst etwas falsch zu machen und das ich dafür bestraft werde.

Albträume begleiten mein Leben Nacht für Nacht.

Mittlerweile sitze ich hier und bin am weinen … abgeschlossen habe ich glaub ich noch lange nicht. Aber ich glaube ganz fest daran das ich es schaffen werde den Fängen dieser Sekte zu entkommen. Das meine kleine Schwester immer noch so leben muss zerreißt mir das Herz …

Warum läßt unser Staat zu das Kinderseelen derart mißhandelt werden?