"Meine Kindheit in einer Sekte"

Man schrieb den 29. Dezember 1979. An diesem Tag erblickte ich zum ersten Mal das elektrische Licht der Welt.

Klein, blau, Nabelschnur dreimal um den Hals gedreht und ab heute eine kleine Mitbürgerin dieser schönen Welt. "Ist sie wirklich so schön?" Nun ja, das kleine Bündel würde sehen, was die Welt für es bereit hält.

Kindheit

Ich hatte eine (wenigstens dachte ich es) super schöne Kindheit. Ich wuchs in einer 5-köpfigen Familie als kleinste von drei Schwestern auf. Ich war immer ein glückliches Kind, auch wenn das Leben schon viel Stress bereithielt in jenen jungen Jahren.

Da war zum einen mein Opa, er litt an Alzheimer. Zum anderen meine Schwester, die schon immer ihren Dickkopf hatte. Ach, ich erinnere mich noch, da war ich noch ganz klein. Wir lebten in einem alten Haus, das mein Opa damals nach dem Krieg erbaut hatte, die Stufen - wie es damals noch so war - alt und aus Holz und dann waren da noch - ich glaube - zwei Holzöfen. Damit wurde unser Haus gewärmt. Im Winter war immer genug Holz da, denn im Sommer gingen mein Daddy und mein Opa immer in den Wald, um genug Heizholz zu suchen.

Dann wurde es mit einer Kreissäge zerkleinert und auf einen Haufen geworfen und wir Kids haben dann das Ganze aufgestapelt. Dabei fällt mir doch glatt ein, dass der Holzschuppen neben einem Plumsklo war.

Ja wir hatten damals noch das obligatorische Plumsklo, denn mein Opa hielt dran fest und wollte nicht auf diese neumodischen Klos.

Ach ja und dann waren da noch die Obstbäume, die Vergissmeinnichtwiese und die Pferdewiesen meines Onkels direkt nebenan. Und nicht zu vergessen die riesigen Büsche mit Stachelbeeren und Johannisbeeren und der Schattenmorellenbaum, auf dem ich öfter saß als auf der Schulbank.

Meine Muddi hatte einen eigenen kleinen Garten, in dem sie gern Blumen pflanzte, und als ich dann groß genug war, so mit ungefähr 5 Jahren, bekam ich meinen kleinen eigenen Garten und habe immer mit ihr draußen gearbeitet.

Wir hatten auch viele Katzen, einen Hund, drei Pferde und natürlich den Hasen, der gehörte einfach dazu.

Ich war bei jedem Wind und Wetter ein Kind, das gern draußen war. Ich hatte immer irgendwelche Ideen, und wenn es die Idee war, die Abflussrinne der Nachbarn zu stauen, so dass dann das ganze Wasser, das aus dem Wald kam, schööööööön über den Bordstein meines Papas und den des Nachbarn lief.

Ach ja, ich liebte diese Natur und die Tiere.

Alles idyllisch und schön, nicht wahr?

Ein Kind wie jedes andere - oder etwa doch nicht?

Ja, es war idyllisch und schön, das muss ich zugeben.

Doch sollte ich vielleicht erwähnen, das ich nicht ein normales Kind war wie andere, die sich allesamt zum Spielen trafen. Ich war eine kleine Einzelgängerin und hatte nur die Kinder aus unserer Religion.

Welche Religion?

Zeugen Jehovas.

Ich wuchs als Kind von Zeugen Jehovas auf. Nun werden einige denken: "Das arme Kind!" Aber am Anfang war ich gar nicht mal so arm. Ich durfte zwar keine Freunde außerhalb unserer Glaubensgemeinschaft haben, aber meine Eltern haben immer dafür gesorgt, dass ich Kinder aus der Gruppe bei mir hatte. Wir haben zwar kein Weihnachten, Geburtstag oder Ostern gefeiert, geschweige denn Karneval oder Sylvester, aber zu solchen Anlässen wurde mir vorher oder nachher was geschenkt. Deshalb war ich in dem Sinne nicht benachteiligt.

Das Leben könnte so schön sein, und ein Kind genießt es auch sehr. Bis zu dem Tag, an dem meine große Schwester heiratete. Es gab immer viel Ärger mit ihr daheim, und fast jeden Tag gab es Streit, aber als kleines Mädchen versteht man nicht, warum das so ist.

Der Ärger beginnt.

Meine große Schwester heiratete also und wurde schwanger. Damit fing das Übel an. Ihr Mann war nun nicht gerade ein Mustergatte und so verliebte sie sich schnell in einen anderen Mann.

Der Leser fragt sich vielleicht nun, warum sie überhaupt so jung geheiratet hat. Tja, bei den Zeugen Jehovas gibts keinen Sex vor der Ehe. Da ist man schon fast gezwungen, jung zu heiraten, damit man nicht Hurerei (anderer Begriff bei den Zeugen für Sex außerhalb der Ehe) begeht. Außerdem ist es bei den Zeugen Jehovas nicht gestattet, sich einfach so von seinem Ehepartner zu trennen.

Die einen werden glücklich miteinander, manche Männer aber ruhen sich auf dieser Regelung aus, so auch mein Schwager.

Meine Schwester hatte sich also verliebt und sich mit dem Mann oft getroffen. Dafür wurde sie von den Zeugen Jehovas ausgeschlossen und dann kam, was kommen musste.

Bei den Zeugen Jehovas ist es nämlich so:

Wenn du ausgeschlossen wirst, dann bricht die GESAMTE GEMEINDE inklusive der ELTERN den Kontakt zu dir ab. Keine Anrufe mehr, keine SMS, keine Briefe, keine Besuche, NICHTS.

Und wenn wir dann mal Kontakt hatten, dann artete es zwischen meiner Schwester und meinen Eltern in Geschrei und Ärger aus.

Das hab ich damals schon nicht verstanden, und so habe ich sie heimlich besucht. Ich liebte meine Schwester und in der Zwischenzeit hatte sie ja auch schon drei Kinder in diese schöne Welt gesetzt.

Meine zweite Schwester hatte in der Zwischenzeit auch einen Mann kennengelernt und gemäß dem Glauben früh geheiratet, sie wohnte weit von uns entfernt. So war ich also allein mit meinen Eltern und auf einmal wurde von mir verlangt, ich müsse 100%ig alles tun, was sie wollten. Ich setzte ja schließlich die Beine unter ihren Tisch. Damit musste ich dann auch mein Gehalt abgeben.

Strenge Erziehung und die Konsequenzen

Durch die Situation mit meiner großen Schwester gab es dann auch auf einmal zwischenmenschliche Probleme zwischen mir und meinen Eltern. Sie dachten, sie hätten in der Erziehung ihrer ersten Tochter etwas falsch gemacht und wollten das bei mir nicht einreißen lassen. So musste ich noch mit 19 abends um 21 Uhr daheim sein, wenn nicht, gab es nächtelange Diskussionen.

Wenn ich im Recht war, aber meine Mutter das nicht einsehen wollte, gab es solange Ärger, bis mein Dad nach Hause kam. Wenn er dann auch noch zu mir hielt, hing der ganze Haussegen schief. Das ging so lange, bis mein Vater mir dann eine Ohrfeige (mit 19!!!!) verpasste und mich auf meiner Zimmer verwies. Erst dann war Ruhe.

So dauerte es nicht lang und ich lernte einen Mann kennen, der nicht dem Glauben der Zeugen Jehovas entsprach aber der mir (meines Erachtens) die Liebe gab, die ich daheim nicht bekam. So zog ich zu ihm.

Der erste Ausschluss

"Nanu?" wird so mancher Leser nun denken, "sie zog unverheiratet zu einem Mann, der NICHT bei den Zeugen Jehovas war? Das geht doch nicht!" Ja, ich geb's zu: ich hatte auch ein ziemlich schlechtes Gewissen, denn ich war ja in diesen Glauben hineingeboren und überzeugt davon, dass es der richtige Glauben war.

Ich ließ mich ausschließen, damit mein Vater sein Amt als Ältester in der Gemeinde nicht verlor. (Älteste sind Männer, die sich um die Organisation und die Linientreue der Zeugen Jehovas kümmern.)

Und? - Was kam mit dem Ausschluss? - Der Kontaktabbruch und zwar von heute auf morgen!

Nun hatte ich zwar keine Familie mehr, dafür aber einen liebevollen Mann. Ach, war ich darüber glücklich! Leider hielt dieses Glück nur bis zur Ehe.

Als ich geheiratet hatte, ging der Ärger mit meinem Mann erst richtig los. Doch darüber möchte ich an dieser Stelle nicht berichten. Nur soviel sei gesagt, dass dieser Mann mich psychisch vergewaltigt hat. Er hat mich gedemütigt. Deshalb habe ich mich von ihm getrennt.

Nun war ich allein. Allein in einer Stadt in der ich kaum jemand kannte. Allein ohne Familie und ohne Mann an meiner Seite. Und dann kamen die Gedanken. Dass ich doch falsch gehandelt hätte (laut dem Glauben der Zeugen) und dass es doch das Beste sei, zu bereuen.

In der Zeit habe ich dann auch mit Altenpflege begonnen. Ich habe einen alten Mann gepflegt, bei ihm gewohnt und versucht, mich sehr liebevoll um ihn zu kümmern.

Leider wurde ich in dieser Zeit von einem Mann vergewaltigt. Ich wurde schwanger, und in der 22. Schwangerschaftswoche habe ich einen kleinen Jungen tot zur Welt gebracht. Es brach mir das Herz.

Die Rückkehr

So schrieb ich meinen Eltern ein halbes Jahr nach meiner Trennung einen Brief und es kam ein "höchst liebevoller" Brief (der mir dann zum Verhängnis wurde) zurück.

Ich hatte mich so gefreut, dachte sie hätten sich geändert. Stattdessen zeigten sie mir, wie falsch ich doch gehandelt hatte. Alles, was mir widerfahren war, sei mir nur deshalb widerfahren, weil ich mich von Gott abgewendet hätte etc.

Damals glaubte ich alles so, wie man es mir sagte. Es war alles so logisch, so zusammenhängend. So kehrte ich zum Glauben der Zeugen Jehovas zurück.

Ein ganzes Jahr lief es super.

Doch dann kamen erste Zweifel. Vieles, was sie sagten, widersprach sich beim näheren Hinsehen. Doch durfte ich das überhaupt? Sachen hinterfragen?

NEIN - das ist nicht gestattet bei den Zeugen Jehovas. Dort gibt es die Hauptzentrale und eine Gruppe von Männern, die angeblich die Weisheit von Gott mit dem Schöpflöffel eingeflößt bekommen.

Ich traute mich gar nicht, Dinge zu hinterfragen, denn wenn ich das tat, würde ich als Außenseiter gesehen, als jemand, der Gott in Frage stellt, und was noch schlimmer war, ich wusste, dass, wenn ich frage und hinterfrage, ich ausgeschlossen würde, was zur Folge hätte, dass meine Eltern den Kontakt wieder abbrechen würden.

In der Zeit bei den Zeugen bekam ich auch eine neue Arbeitsstelle und musste sehr viel arbeiten. Mir blieb kaum Zeit für den Glauben, und auch deshalb wurde ich aufs Neue von meinen Eltern getadelt, denn man muss ja Gott ehren und für ihn predigen gehen. Sonst ist man schlecht und gehört der Welt des Teufels.

Ein Jahr später ging meine Firma in die Insolvenz. Ich hatte soviel gearbeitet, hatte in kurzer Zeit über 300 Überstunden angesammelt und nun floss alles in die Insolvenz.

In der Zeit wurde auch meine Schwester sehr, sehr krank. Sie lag lange auf Intensiv. Musste eigentlich Medikamente mit Blutbestandteilen bekommen aber auch das ist ja ein Verbot bei den Zeugen. Das heißt, verboten ist es nicht direkt, das nennt sich dann: "Gewissensentscheidung". Aber wenn du dich entscheidest, dieses Medikament zu nehmen, ist es auch nicht recht.

In der Zeit litt ich unheimlich. Meine Eltern zofften sich immer mehr mit meinem Schwager, da er ja wollte, dass meine Schwester diese Medikamente bekommt. Es war einfach die Hölle!

Ich kam mit der Gesamtsituation nicht mehr klar, und so öffnete ich eines Abends mein Medizinkästchen und schluckte sämtliche Medikamente, die da drin waren. Ich konnte mit der Gesamtsituation nicht mehr leben, mit dem Wissen, dass ich nur meinen Eltern und meiner Familie zuliebe einem Glauben angehörte, hinter dem ich nicht länger stand.

Daraufhin wurde ich dann arg depressiv.

Es kam zu Klinikaufenthalten. Anstatt mir aber seelisch behilflich zu sein, machten meine Eltern mir Vorwürfe, dass dies alles daher käme, dass ich damals den falschen Weg gewählt hätte, als ich zu dem Mann zog. Dass ich ein Kind verloren hätte, wäre nichts im Vergleich mit dem, was ich ihnen mit meinem Weggang aus der Gemeinschaft angetan hätte.

Täglich wurde ich angerufen, ich solle doch mit anderen über meinen Glauben sprechen, ihnen Zeitschriften der Zeugen geben und damit die Stunden berichten, damit der Umsatz gesteigert wird. Auch solle ich regelmäßig zu den Versammlungen der Zeugen gehen, trotz Krankenhausaufenthalt.

Als ich dann daheim war, wurde mir immer wieder gesagt, ich solle in den sogenannten Predigtdienst gehen (Das ist der "Dienst", bei dem die Zeugen Jehovas samstags oder sonntags meist morgens vor der Türe stehen und dich bekehren wollen.)

Dabei war ich so depressiv, dass ich gar nicht vor die Türe konnte. Ich konnte nicht zu den Leuten, um zu missionieren, konnte in dieser Zeit überhaupt nicht mit Menschen. Ich solle regelmäßig in die Versammlungen gehen, wurde mir gesagt, das würde mich wieder aufbauen.

Die Versammlungen der Zeugen Jehovas sind oft von über 100 Personen besucht. Ich habe da Anfälle bekommen, weil es mir zuviel war, aber sie drängelten und drängelten. Die Depressionen wurden dadurch selbstverständlich überhaupt nicht weniger.

Mein endgültiger Sektenausstieg

Nun mache ich einen kleinen Sprung, vom Frühling 2009 in den Winter 2009, denn alles dazwischen ist ein sich stetig drehendes Rad - immer derselbe Ärger.

Was jetzt kommt, gehört nicht mehr zu meinem alten Leben.

Mein neues Leben begann mit meinem endgültigen SEKTENAUSSTIEG bei den Zeugen Jehovas.

Im Oktober 2009 kam ich in die Uniklinik Münster.

Dort waren wirklich vorbildliche Pfleger, Krankenschwestern, Ärzte und Psychologen am Werk. Diesen Menschen bin ich unendlich dankbar dafür, dass sie mir Wege aufgezeigt haben, mit meiner Erkrankung besser klarzukommen. Außerdem habe ich dort die nötige Kraft gesammelt, um folgendes schweres Erlebnis zu überwinden:

In der Sekte der Zeugen Jehovas hatte ich sehr viel erlebt. Jetzt stand ich gar nicht mehr dahinter, sondern lebte eigentlich nur noch passiv diesen Glauben aus, damit ich weiterhin Kontakt zu meiner Familie halten konnte.

Als ich in der Klinik war, meldeten sich meine Eltern an, für ein Paar Tage zu mir zu kommen und ich ließ sie in meine Wohnung. Dort konnten sie schlafen, so sparten sie sich das Hotel.

Vorsorglich aber hatte ich aus meiner Wohnung alles weggeräumt, was sie als Zeugen Jehovas, die sie ja immer noch waren, eventuell negativ aufgefasst haben könnten.

Ich hatte nämlich in der Zwischenzeit auch Menschen kennengelernt, die nicht in dieser Glaubensgemeinschaft waren, und das ist dort ja nicht gern gesehen. Außerdem hatte ich mittlerweile meinen Engel kennengelernt, der auch nicht den Glauben der Zeugen Jehovas teilte.

Gut und schön, die ersten 4 Wochen in der Uniklinik verliefen recht problemlos. Dann kamen meine Eltern zu Besuch und wir hatten 3 wundervolle Tage. Diese schöne Zeit endete damit, dass mich meine Eltern von da an x-mal im Krankenhaus anriefen. Ständig klingelte das Handy und sie waren wieder dran.

Meine Eltern hatten es wohl als ihre Aufgabe angesehen, mal zu gucken, ob ihre Tochter (wie befürchtet) irgendwas im Haus hat, was gegen den Glauben verstoßen könnte. Leider hatte ich vergessen, den EINEN Brief von meinem Freund wegzupacken, der mir sehr viel bedeutet. Dieser Brief stammte noch aus der Zeit, bevor er und ich zusammenkamen. Durch diesen Brief hatte er mir sehr viel Kraft gegeben für den Rehaaufenthalt und mir versichert, dass er jederzeit für mich da sein würde.

Was für jeden normalen Menschen als eine sehr liebevolle Tat angesehen wird, ist für die Zeugen Jehovas nichts weiter als ein Problem.

Für diese Leute war aus unserem Verhalten eindeutig zu erkennen, das ich einen Menschen mochte, der nicht der Sekte angehörte.

Ich wurde aufgefordert, bei den Oberen der Zeugen Jehovas anzurufen (trotz Krankenhausaufenthalt) und mit ihnen einen Termin zu vereinbaren und zu beichten. All das tat ich sogar. Ich bekam seelische Unterstützung seitens meines Freundes und der Psychologin, die mich auf das Gespräch gut vorbereitete. Wir vereinbarten, dass ich erstmal sage, ich hätte keinen Kontakt mehr zu meinem Freund, damit mich die Zeugen in Ruhe lassen.

Den Brief meines Freundes übrigens, nahmen sie mit nach Hause, kopierten ihn und schickten ihn mir dann mit vielen gelben Zetteln zurück, auf denen geschrieben stand, was in dem Brief alles gegen Gottes Gebote verstoßen würde.

Was ich nebenbei mal bemerken will, ist, dass sich in der Zeit, in der ich in den Kliniken war, nicht ein einziger von den Zeugen Jehovas um mich gekümmert hat.

Deshalb konnte ich mich dann auch schön noch für eine Woche bei meiner Freundin unterbringen lassen. Sie hat echt viele Gespräche mit mir geführt, und ich habe bei ihr auch im Internet Hilfe zum Thema Sektenausstieg gesucht. Ich fand so einige Foren, in denen viele Ex-Zeugen unterwegs waren und die mir wirklich überaus liebevoll beigestanden haben.

In diesen Aussteiger-Foren habe ich mehr und mehr gelesen, was alles bei den Zeugen Jehovas falsch läuft, wie man betrogen und belogen wird und wie diese Sekte händeringend versucht, ihre Schäfchen beieinander zu halten.

Ich hatte eigentlich vor, Mitte 2010 auszusteigen, aber je mehr ich sah, was alles bei den Zeugen falsch läuft, umso mehr wurde mir bewusst, dass ich da raus muss und das so schnell wie möglich.

Also nahm ich mir vor, Ende Dezember ein letztes Mal meine Familie zu besuchen und mich innerlich von ihnen zu verabschieden, denn ich wusste, das bedeutet nichts Gutes, wenn ich gehe.

Dann kamen andauernd Briefe meiner kleinen Nichte und ich merkte, dass meine Seele es nicht verkraften würde, noch einmal dort hinzufahren. So verfasste ich zwei Briefe, die ich dann Anfang Dezember zur Post brachte (siehe Ausstiegsbriefe).

Es war ein Samstag und ich schickte beide Schreiben extra gleichzeitig weg, eines an die Obersten (Älteste) der Versammlung der Zeugen Jehovas und eins an meine Eltern.

Und dann wartete ich - und ich warte noch heute auf eine Reaktion seitens meiner Eltern.

Ja tatsächlich: Sie haben sich NICHT MEHR gemeldet.

Ich wurde sehr schnell ausgeschlossen, das ging für die Zeugen Jehovas sogar ganz problemlos.

Dann bekam ich noch ein Päckchen meiner Schwester, drin waren all die Sachen, die ich meiner Nichte mal geschenkt hatte.

Ich kann nur JEDEM raten, sich nicht der Sekte der Zeugen Jehovas anzuschließen. Man bekommt es erst gar nicht richtig mit, dann aber läuft es überhaupt nicht so, wie es laufen sollte. Man wird in einen Kreislauf hineingezogen und wenn man diesen Kreislauf mal hinterfragt, dann wird man hinausgeschleudert. Menschen, die dir das Wertvollste im Leben sind, verachten und missachten dich plötzlich und lassen dich stumpf links liegen, nur weil man hinterfragt hat oder weil man mal nicht ihrer Meinung ist.

Ich habe dadurch meine gesamte Familie verloren. Es schmerzt.... es schmerzt verdammt arg.

Aber ich habe inzwischen auch die Erfahrung gemacht, dass man nicht allein ist, es kommt einem am Anfang nur so vor. Hier bei infolink bekommt jeder, der es will, die nötige Hilfe.