Wer sind die Lamaniten?

Aus dem Salt Lake City Messenger Nr. 103 November 2004, (übersetzt von Manfred Trzoska)

Über 170 Jahre lang haben die HLT-Führer und die meisten HLT-Mitglieder die amerikanischen Indianer als direkte Nachkommen der Israeliten im Buch Mormon angesehen. In den letzten Jahren hat es eine wachsende Anzahl an HLT-Gelehrten gegeben, die eine begrenzte Geographie für die Buch-Mormon-Länder verkündeten und somit die mögliche Anzahl der Menschen reduzierten, die buchstäbliche Nachkommen der Familie Lehis sein könnten.

Dan Egan, der für den Salt Lake Tribune schrieb, bemerkte:

Generationen von Mormonen wuchsen mit der Vorstellung auf, dass die amerikanischen Indianer von einem verlorenen Stamm aus dem Haus Israel abstammen und Nachkommen einer Buch-Mormon-Figur namens Lehi sind, der Jerusalem verließ und um 600 v. Chr. herum nach Amerika segelte.

Für glaubenstreue Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist Lehis Geschichte weder eine Fabel noch eine Parabel. Sie ist Wahrheit, historische Tatsache…

Das Problem ist, dass die allgemeine Wissenschaft dieser Geschichte keine Rückendeckung geben kann. Stattdessen sagen Archäologen, Sprachwissenschaftler und Genetik-Experten außerhalb der Mormonenkultur, dass alle Beweise nach Asien als den Ort weisen, von dem die amerikanischen Indianer ursprünglich herkommen. („BYU Gene Data May Shed Light on Origin of Book of Mormon’s Lamanites", von Dan Egan, Salt Lake Tribune, 30. November 2000, S. B1)

Die Verlorenen Stämme Israels?

Der Ursprung der eingeborenen Amerikaner war seit den Tagen des Kolumbus eine Sache der Spekulation. In den frühen 1800ern unterstützten viele Autoren die Auffassung, dass die Indianer von einem Teil der Verlorenen Stämme Israels abstammten. Zum Beispiel schrieb 1823 Pastor Ethan Smith aus Vermont (nicht verwandt mit Joseph Smith) sein beliebtes Buch View of the Hebrews; or the Tribes of Israel in America. Darin verweist er auf eine Anzahl von Büchern, die für die israelitische Abstammung der amerikanischen Indianer argumentieren.

[Siehe Where Did Joseph Smith Get His Ideas for the Book of Mormon? Dan Vogel's Buch Indian Origins and the Book of Mormon kann unter http://www.xmission.com/~research/central/vogel1.htm online gelesen werden]

Während die Israeliten/Indianer-Theorie heute von Wissenschaftlern verworfen wird, spiegelt sie sich in Joseph Smiths erstem literarischem Werk, im Buch Mormon, wieder, das 1830 in New York veröffentlicht wurde.

Joseph Smith behauptete, dass 1827 auf einem Hügel im westlichen New York ein himmlisches Wesen einen lange verborgenen Bericht von den „Ureinwohnern Amerikas" seinen Händen übergab (Einleitung des Buches Mormon von 1981). Der Engel unterwies ihn, dass der Bericht, „geschrieben auf Goldplatten, einen Bericht über die früheren Einwohner dieses Kontinents und die Quelle ihrer Herkunft" lieferte („Zeugnis des Propheten Joseph Smith", am Anfang des Buches Mormon)

Buch Mormon

Das Buch Mormon beschreibt ein menschenleeres Land nach der Flut, das von Gott für diejenigen bewahrt wurde, die „ihm dienen" werden (Ether 13:2). Nachdem „sich die Wasser vom Angesicht dieses Landes zurückgezogen hatten", richtete Gott zwei Hauptzivilisationen auf.

Das Buch erzählt eingehend, dass die ersten Auswanderer in die Neue Welt die Jarediten zur Zeit des Turms zu Babel waren. Ihre Geschichte erscheint nicht am Anfang des Buches Mormon, aber ist nahe zum Ende in das Buch Ether eingefügt. Diese Gruppe hatte von Gott die Anweisung ihre Familien, Herden, Saatgut, usw. zu sammeln und sich auf eine Reise in ein neues Land vorzubereiten,
das der Herr Gott für ein rechtschaffenes Volk vorbereitet hatte. Und er hatte in seinem Zorn dem Bruder Jareds geschworen, dass, wer auch immer dieses Land besitzen würde, von dieser Zeit an und für immer ihm dienen sollte, dem wahren und einzigen Gott, oder sie würden hinausgefegt werden… (Ether 2:7-8)

Diese Passage behauptet, dass Amerika vor der Ankunft der Jarediten (ungefähr 2200 v. Chr.) ohne Einwohner war. Sie wuchsen zu einer großen Nation heran, aber verfielen in Bosheit und schreckliche Kriege. Propheten wurden damals ausgesandt, um das Volk zu warnen, dass, wenn sie nicht Buße täten, „Gott ein anderes Volk herbeiführen würde, dieses Land durch seine Macht zu besitzen" (Ether 11:21). Dem letzten bösen Führer wurde gesagt, dass alle Menschen im Krieg abgeschlachtet werden würden und dass er allein am Leben bleiben würde, um das nächste rechtschaffene Volk zu sehen, das Gott bringen würde, um das verheißene Land zu erben.

Die zweite Zivilisation im verheißenen Land, von der am Anfang des Buches Mormon erzählt wird, bestand aus zwei getrennten Gruppen, der Familie Lehis und den Nachfolgern Muleks. Sie waren alle Israeliten, die von Gott angewiesen um 600 v. Chr. aus Jerusalem flohen und nach Amerika reisten. Das Buch Mormon informiert uns, dass Lehi, ein Prophet,
aus dem Lande Jersusalem kam, und er war ein Nachkomme Manasses, der der Sohn Josephs war, der von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft wurde. (Alma 10:3)

Lehi prophezeite, dass andere vom Land ferngehalten werden würden, so lange seine Nachkommen rechtschaffen bleiben würden:
...dass niemand in dieses Land kommen soll, es sei denn, er werde durch die Hand des Herrn hierher gebracht.

Deshalb ist das Land denen geweiht, die er hierher bringen wird… Und sehet, es ist weise, dass andere Völker dieses Land noch nicht kennen; denn sehet, viele Völker würden es überlaufen, so dass kein Raum für ein Erbteil wäre.

Daher habe ich, Lehi, eine Verheißung erhalten, dass die, welche der Herr aus dem Land Jerusalem bringen wird, im Lande gesegnet sein sollen, sofern sie seine Gebote halten; und sie sollen vor allen andern Völkern bewahrt bleiben und dieses Land für sich selbst besitzen. (2. Nephi 1:6-9)

Diese Passagen lassen keinen Raum für ein anderes Volk, das in dem Land gewesen sein soll, außer diejenigen, die im Bericht erwähnt werden: Lehis Familie, schließlich in zwei Gruppen zerteilt, die rechtschaffenen Nephiten, die „weiß" waren (2. Nephi 5:21) und die bösen Lamaniten, die mit einer „dunklen Haut" verflucht wurden (Alma 3:6).

Die andere wurde von Mulek geführt, einem Sohn des biblischen König Zedekia (Helaman 6:10). Sie schlossen sich später den Nephiten an.

Nach 550 Jahren in der neuen Welt vermehrte sich das Volk und erfüllte das ganze Land:
Und es begab sich, dass sie sich vermehrten und sich ausbreiteten, und sie gingen aus dem südlichen ins nördliche Land und verbreiteten sich so sehr, dass sie das ganze Land bewohnten, vom südlichen bis zum nördlichen und vom westlichen bis zum östlichen Meer. (Helaman 3:8)

Über die Jahre erhielten sie verschiedene religiöse Anweisungen, waren in vielen Kriegen verwickelt, bezeugten das Erscheinen Christi in der Neuen Welt und schließlich trafen sie sich zur letzten Schlacht am Hügel Cumorah. Die Einführung in der gegenwärtigen Ausgabe des Buches Mormon erklärt ferner:
Nach Tausenden von Jahren waren alle vernichtet, mit Ausnahme der Lamaniten, und sie sind die hauptsächlichen Vorfahren der amerikanischen Indianer.

Simon Southerton, ein früherer HLT-Bischof und ein Molekularbiologe bemerkte in seinem Buch:
Es gibt keine Erwähnung von irgendeinem nichtisraelitischen Volk in der Neuen Welt während der Periode von tausend Jahren, das vom Buch Mormon abgedeckt wird. Die Erzählung enthält Beschreibungen von großen Zivilisationen mit Bevölkerungszahlen, die in die Millionen reichen, und über die Ausübung des Christentums, über eine geschriebene Sprache, Metallverarbeitung und den Anbau von etlichen domestizierten Pflanzen und Tieren. Zusätzlich fanden die eingewanderten hebräischen Christen Pferde, Rinder und Ziegen in der Neuen Welt.

Anthropologen und Archäologen, einschließlich einiger Mormonen und ehemaliger Mormonen, haben wenig Unterstützung für das Vorhandensein dieser Zivilisationen gefunden. Über einen Zeitraum von 150 Jahren, während Gelehrte ernsthaft die uramerikanischen Kulturen und die Vorgeschichte studiert haben, haben sich Beweise für eine christliche Zivilisation auf den amerikanischen Kontinenten den Spezialisten entzogen. In Mittelamerika, das von Mormonengelehrten als der Schauplatz der Buch-Mormon-Erzählung angesehen wird, hat die Forschung Kulturen entdeckt, wo der Dienst an einer Vielfalt von Göttern und Menschenopfer nicht unüblich waren. Diesen Kulturen fehlt jede Spur einer hebräischen oder ägyptischen Schrift, von Metallverarbeitung oder von in der Alten Welt domestizierten Tieren und Pflanzen, wie sie im Buch Mormon beschrieben werden. (Losing a Lost Tribe: Native Americans, DNA, and the Mormon Church, Simon Southerton, Signature Books, 2004, Einführung, S. xiv-xv)

Offenbarungen bezüglich der Lamaniten

Das Buch Mormon prophezeit, dass der Tag kommen würde, wann der Bericht der Nephiten und Lamaniten in die Hände der Nichtjuden gegeben würde, die dann die Missionsarbeit unter Lehis Nachkommen tun werden:
Jetzt möchte ich [Nephi] noch etwas mehr über die Juden und die Nichtjuden prophezeien. Denn nachdem das Buch, wovon ich geredet habe hervorkommen und an die Nichtjuden geschrieben werden wird…, werden viele an die Worte glauben, die geschrieben wurden, und sie zu den Übrigen unserer Nachkommen bringen.

Und sollen die Übriggebliebenen unsrer Nachkommen wissen, auf welche Weise wir aus Jerusalem kamen, und dass sie Nachkommen der Juden sind. (2. Nephi 30:3-4)

In einer der frühesten Offenbarungen Joseph Smiths im Jahre 1828 wies Gott ihn an,
dass dieses Zeugnis zur Kenntnis der Lamaniten kommen wird,… Eben zu diesem Zwecke sind die Platten, die diese Berichte enthalten, aufbewahrt worden… dass die Lamaniten zur Erkenntnis ihrer Väter gelangen und die Verheißungen des Herrn kennen sollten… (Lehre und Bündnisse, 3:18-20)

Joseph Smith und die frühen Mormonen glaubten, dass sie einen Auftrag von Gott hatten, dass Buch Mormon allen Nachkommen Lehis, den amerikanischen Indianern, zu bringen.

Ein Problem, dem sich diejenigen gegenüber sehen, die die Buch-Mormon-Länder auf die Maya-Gebiete Südmexikos und Guatemala einschränken wollen, ist es, ihre Sicht mit den Verkündungen in Lehre und Bündnisse in Einklang zu bringen. Etliche Offenbarungen verkünden, dass all die Indianer in Amerika Nachkommen der Lamaniten sind und nicht nur diejenigen in einem sehr kleinen Gebiet.

Im März 1830 gab Gott Martin Harris, einem örtlichen Farmer, die Anweisung, beim Druck des Buches Mormon finanzielle Hilfe zu leisten,
damit es bald zu den Juden gehen möge, von denen die Lamaniten ein Überbleibsel sind, dass sie an das Evangelium glauben,… (LuB 19:26-27)

Bei der Bemühung diesen Zweck zu erfüllen gab Joseph Smith 1830 etliche Offenbarungen, die die HLT-Ältesten anwiesen, auf eine Mission zu den „Lamaniten" oder den Nachkommen des Volkes des Buch Mormon zu gehen. Oliver Cowdery, einer der Zeugen des Buches Mormon, wurde angewiesen:
Siehe, ich sage dir, Oliver,… Gehe zu den Lamaniten und verkündige ihnen mein Evangelium… und niemand weiß, wo die Stadt Zion gebaut werden soll, doch soll es später kundgetan werden. Siehe, ich sage dir: Es wird an der Grenze, nahe bei den Lamaniten sein…

Du sollst diesen Ort erst nach der Konferenz verlassen,… ehe du deine Reise zu den Lamaniten antrittst. (LuB 28:1-14)

Später wurde offenbart, dass Independence, Missouri, Zion sein sollte (LuB 57:1-3) und da es „an den Grenzen zu den Lamaniten" lag, war offensichtlich die Westgrenze Missouris damit gemeint.

In Lehre und Bündnisse, Abschnitt 32:1-2, Oktober 1830, lesen wir:
Und nun, in Bezug auf meinen Diener Parley P. Pratt, siehe, ich sage ihm, so wahr ich lebe, wünsche ich, dass er mein Evangelium verkünde, von mir lerne und sanftmütig und von Herzen demütig sei.

Was ich ihm bestimmt habe, ist, mit meinen Dienern Oliver Cowdery und Peter Whitmer Jun. in die Wildnis unter die Lamaniten zu gehen.

In LuB 30:5-6 gab Joseph Smith eine ähnliche Offenbarung an Peter Whitmer:
Siehe, ich sage dir, Peter: Trete deine Reise mit deinem Bruder Oliver an;… beherzige die Worte und den Rat deines Bruders,… denn ich habe ihm Kraft gegeben, meine Kirche unter den Lamaniten aufzubauen…

Gemäß Joseph Smith im Jahre 1831 wies Gott Newel Knight dazu an,
eine Reise in die Regionen westwärts anzutreten, zum Lande Missouri an die Grenzen der Lamaniten. (LuB 54:7-8)

Wenn die Buch-Mormon-Ereignisse im südlichen Mexiko und in Guatemala stattfanden, wie die HLT-Gelehrten jetzt behaupten möchten, warum wollte Gott Missionare an die Westgrenze Missouris senden? Die amerikanischen Indianer, die sich zwischen Missouri und der Ostküste befanden, waren keine Nachkommen der Indianer in Mexiko.

Joseph Smith und seine Nachfolger haben traditionell Nord- und Südamerika als die Heimat des Buch-Mormon-Volkes identifiziert. 1842 erklärte Joseph Smith schriftlich, dass die amerikanischen Indianer Nachkommen derer sind, die den Bericht führten:
In diesem wichtigen und interessanten Buch [Buch Mormon], wird die Geschichte Amerikas enthüllt, von seiner ersten Besiedelung durch eine Kolonie, die vom Turm Babels herkam, als die Sprachen verwirrt wurden, bis zum Beginn des fünften Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung. Wir werden durch diese Berichte darüber informiert, dass Amerika in alter Zeit von zwei verschiedenen Menschenrassen bewohnt war. Die erste wurde Jarediten genannt und sie kamen direkt vom Turm Babels. Die zweite Rasse kam direkt aus der Stadt Jerusalem ungefähr sechshundert Jahre vor Christus. Sie waren in ersten Linie Israeliten aus der Nachkommenschaft Josephs… Die vorherrschende Nation der zweiten Rasse fiel im Krieg gegen Ende des vierten Jahrhunderts. Die Übriggebliebenen sind die Indianer, die jetzt dieses Land bewohnen. (History of the Church, von Joseph Smith, Deseret Book, 1976, Bd. 4, S. 537)

Es ist aus diesem Zitat offensichtlich, dass Joseph Smith nicht glaubte, dass es vor der Zeit Babels Einwohner in Amerika gab. Er erklärte, dass die „erste Besiedelung" die Jarediten waren und die „zweite" Gruppe „aus der Stadt Jerusalem" kam. Er bezeichnete beständig alle amerikanischen Eingeborenen als „Übriggebliebene" des Buch-Mormon-Volkes.

Im Buch Teachings of the Prophet Joseph Smith wird Smith zitiert und er sagte:
Es wurde in letzter Zeit von der allgemeinen Regierung vieles in Bezug auf die Indianer (Lamaniten) innerhalb der territorialen Grenzen der Vereinigten Staaten gesagt und getan. Einer der wichtigsten Punkte im Glauben der Kirche der Heiligen der Letzten Tage durch die Fülle des ewigen Evangeliums ist die Sammlung Israels (von dem die Lamaniten ein Bestandteil sind), die glückliche Zeit, wann Jakob zum Haus des Herrn hinaufgehen wird, um Ihm zu dienen im Geist und in der Wahrheit,… wann Er ihnen eine reine Sprache geben wird und die Erde wird von heiligem Wissen erfüllt sein…

Das Buch Mormon hat bekannt gemacht, wer Israel ist, auf diesem Kontinent. Und während wir sehen, wie die Regierung der Vereinigten Staaten die Indianer sammelt und sie auf Ländereien bringt, die ihr Eigen sein sollen, wie süß ist es, daran zu denken, dass sie eines Tages durch das Evangelium gesammelt werden können! (Teachings of the Prophet Joseph Smith, Deseret Book, 1979, S. 92-93)

Joseph Smiths Bericht von der Reise des „Zionslagers" von 1834 wurde in den Times and Seasons veröffentlicht, eine frühe HLT-Zeitung. In diesem Bericht behauptete er, durch „den Geist des Allmächtigen" zu wissen, dass ein Skelett, das in Illinois gefunden wurde, ein Krieger war, der im letzten Buch-Mormon-Krieg getötet wurde:
Wir lagerten am Ufer des [Illinois-] Flusses bis Dienstag den 3.; während unserer Reisen besuchten wir einige Grabhügel, die von den Ureinwohnern dieses Landes, den Nephiten, Lamaniten usw., aufgeworfen wurden, und an diesem Morgen ging ich einen hohen Grabhügel hinauf, nahe am Fluss, begleitet von den Brüdern… Die Brüder besorgten eine Schaufel und eine Hacke und, als sie die Erde bis auf eine Tiefe von einem Fuß entfernt hatten, entdeckten sie das Skelett eines Menschen, fast unversehrt, und zwischen seinen Rippen befand sich eine lamanitischer Pfeil, der offensichtlich seinen Tod verursachte; Ältester Brigham Young behielt den Pfeil… Die Betrachtung der Szenerie vor uns, erregte besondere Gefühle in unseren Herzen; und die Visionen der Vergangenheit öffneten sich meinem Verstand durch den Geist des Allmächtigen, so dass ich entdeckte, dass diese Person, dessen Skelett vor uns lag, ein weißer Lamanite war, ein großer, untersetzter Mann, und ein Mann Gottes. Er war ein Krieger und Häuptling unter dem großen Propheten Omandagus, der vom Hügel Cumorah, oder dem östlichen Meer, bis zu den Rocky Mountains bekannt war. Sein Name war Zelph… einer seiner Oberschenkelknochen war durch einen Stein gebrochen worden, der während der Schlacht von einer Schleuder abgeworfen wurde, durch einen Pfeil, der zwischen seinen Rippen gefunden wurde, während der letzten großen Schlacht der Lamaniten und Nephiten. (Times and Seasons, Bd. 6, Nr. 1, S. 1076. Mehr über Zelph, siehe Zelph - The White Lamanite Warrior)

Beachten Sie, dass Indianer in Nordamerika als Lamaniten identifiziert werden; es wird kein Unterschied zwischen Indianern Mittel-, Süd- oder Nordamerika gemacht. In allen frühen HLT-Offenbarungen und –Veröffentlichungen ist die Botschaft dieselbe: Amerikanische Indianer werden als Nachkommen des Buch-Mormon-Volkes verkündet.

Die Proklamation der Zwölf

1845, das Jahr nach Joseph Smiths Tod, brachten die Zwölf Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Tage eine "Proklamation" an die Führer der Welt in Bezug auf die Endzeiten und die zukünftige Wiederherstellung der Lamaniten heraus. In dieser amtlichen Erklärung werden die nord- und südamerikanischen Indianer deutlich als die Nachkommen der Lamaniten identifiziert. Darin lesen wir:
WISSET: - Dass das Königreich Gottes gekommen ist, wie es von den Propheten seit alters vorhergesagt worden ist,… Dieses Hohe Priestertum oder diese Apostelschaft hält die Schlüssel des Königreiches Gottes,… die in diesen letzten Tagen für die Wiederherstellung aller Dinge gegründet worden ist… um den Weg für das Kommen des Menschensohnes bereiten… Wir geben ebenso Zeugnis, dass die „Indianer" (wie sie genannt werden) Nord- und Südamerikas der Überrest der Stämme Israels sind, wie nun durch die Entdeckung und Offenbarung ihrer antiken Orakel und Berichte kundgetan wurde.

Und dass sie dabei sind, gesammelt, zivilisiert und zu einer Nation in diesem herrlichen Land gemacht zu werden…

Denn ihnen soll bekannt werden, dass wir jetzt die Schlüssel des Priestertums und des Königreiches halten, das ihnen bald wiederhergestellt werden wird… Die Stadt Zion, mit ihrem Heiligtum und ihrem Priestertum und der herrlichen Fülle des Evangeliums, wird eine Standarte aufrichten, die den streitenden Glaubensbekenntnissen und den politischen Rangeleien ein Ende bereiten wird, indem sie die Republiken, Staaten, Provinzen, Territorien, Nationen, Stämme, Verwandten, Sprachen, Völker und Sekten von Nord- und Südamerika zu einer großen und verbündeten Bruderschaft vereint …

So soll die Regierung der Vereinigten Staaten auch damit fortfahren, die Stämme und Übriggebliebenen Israels (die Indianer) zu sammeln und sie auch ernähren, kleiden, beistehen und sie beschützen und sich bemühen, sie zu zivilisieren und zu vereinen, und sie zum Wissen von ihrer israelitischen Abstammung zu bringen…

Er hat uns das Heilige Priestertum und die Apostelschaft und die Schlüssel des Reiches Gottes gegeben, um die Wiederherstellung aller Dinge herbeizuführen, wie sie durch die heiligen Propheten seit alters verheißen wurden. – Und wir wissen es.

Er hat die Herkunft und die Berichte der Ureinwohnerstämme Amerikas und ihre künftige Bestimmung offenbart. – Und wir wissen es. (Proclamation of the Twelve Apostles of the Church of Jesus Christ, of Latter-day Saints, New York, 6. April 1845, Broschüre von sechzehn Seiten)

Diese Erklärung der Zwölf Apostel der HLT nimmt einen offiziellen Status ein, da es damals keinen Präsidenten der Kirche gab. Joseph Smith wurde 1844 getötet und sein Nachfolger war noch nicht bestimmt worden. 1845 bildeten die Zwölf Apostel die höchste Autorität der HLT-Kirche.

Brigham Youngs Ära

Die gesammelten Schriften der HLT-Führer seit den Tagen Joseph Smiths haben deutlich gelehrt, dass die Nachkommen der "Lamaniten" über ganz Nord- und Südamerika verstreut sind und genauso auf den Inseln des Pazifik.

Als er 1853 im Salt-Lake-Tabernakel predigte, identifizierte Brigham Young die Indianer im Utah-Territorium als Lamaniten:
Betet ihr für Israel? Ihr werdet ohne Zweifel mit „Ja“ antworten. Diese Indianer sind der Same Israels durch die Lenden Josephs, der nach Ägypten verkauft wurde; sie sind die Kinder Abrahams und sie gehören zum auserwählten Samen; wäre es nicht so, hättet ihr sie nie mit dunkler, roter Haut gesehen. Dies war die Folge des Fluches, der auf sie gebracht wurde, der nie auf sie gekommen wäre… hätten ihre Väter nicht die Ordnung Gottes vergewaltigt… Sie sind vom Haus Israel… Wir sind hier in den Bergen mit diesen Lamaniten als unsere Nachbarn,… Gestattet euch niemals in euren Häusern zu schlafen, ohne dass eure Türen vollkommen gesichert sind, damit die Indianer nicht hereinkommen und euch in eurem Schlaf töten können… Seid ihr sicher, dass ihr Glauben genug habt, um das unbändige Wesen der Lamaniten zu kontrollieren oder euch einem nichtjüdischen Mob zu unterwerfen? (Journal of Discourses, Bd. 1, S. 106-107)

Präsident Young verkündete auch, dass die Nephiten und Lamaniten “die Väter der gegenwärtigen Ureinwohner unseres Landes sind“ (Journal of Discourses, Bd. 2, S. 179). Young sprach oft über die amerikanischen Indianer im Utah Territorium als „Lamaniten“. (Siehe Journal of Discourses, Bd. 1, S. 162, 170-171; Bd. 5, S. 236; Bd. 7, S. 336; Bd. 11, S. 264)

1871 verkündete Apostel Orson Pratt:
Lassen Sie mich hier anmerken, dass das Buch Mormon,… einen Bericht über die erste Besiedlung dieses Landes durch diese Einwohner gibt, und es zeigt, dass sie nicht die Zehn Stämme sind, aber sie sind die Nachkommen einer der Stämme und sie kamen ungefähr sechshundert Jahre vor Christus in dieses Land. Als die Leute landeten, bestanden sie aus nur zwei oder drei Familien; und anstatt an der Nordwestküste Nordamerikas zu landen, landeten sie an der Südwestküste Südamerikas… Ungefähr fünfzig Jahre vor Christus wurden die Nephiten als der rechtschaffene Teil berufen, zahlreiche Kolonien nach Nordamerika auszusenden. Unter diesen Kolonien gab es eine, die kam und sich an den Grenzen unserer großen Seen ansiedelte. Beide Nationen wurden sehr böse… ("The Blessings of Joseph—The American Indians," Journal of Discourses, Bd. 14, S. 10-11)

Pratt beschreibt dann das Erscheinen Christi bei dem Volk in Amerika und wie er zwölf Apostel ordinierte:
Die zwölf Jünger gingen hin und predigten das Evangelium, in Südamerika beginnend, und dann gingen sie nach Nordamerika, bis alle Menschen in Nord- und Südamerika bekehrt waren,… Ungefähr zwei Jahrhunderte danach verfielen die Nephiten in Bosheit: die Lamaniten, die im südlichen Teil Südamerikas wohnten fielen ebenfalls ab; und sie begannen, mit den Nephiten Krieg zu führen, die ihre Feinde waren; und da sie außerordentlich stark waren, trieben sie alle Nephiten aus Südamerika und folgten ihnen mit ihren Waffen in das nördliche Land hinauf, und schließlich überwältigten sie sie. Sie wurden im Süden der großen Seen gesammelt, in dem Land, das wir mit New York bezeichnen. Der Herr ordnete an, dass die Platten, auf denen die Berichte geführt waren, versteckt werden sollten, und einer der Propheten, der wusste, dass es die letzte Schlacht seiner Nation war, verbarg sie im Hügel Cumorah in der Ontario-Grafschaft im Staat New York… (Journal of Discourses, Bd. 14, S. 11)

Die Vorstellung, dass die Nephiten und Lamaniten ganz Nord- und Südamerika besiedelten, wurde beständig durch das neunzehnte Jahrhundert hindurch gelehrt.

Aussagen im Zwanzigsten Jahrhundert

Die Bezeichnung der amerikanischen Indianer als Lamaniten dauerte durch das Zwanzigste Jahrhundert hindurch fort. In einer Botschaft der Ersten Präsidentschaft im Jahre 1911 lesen wir:
Der Offenbarer dieser [Buch-Mormon-] Platten, der sich als Bote von Gott erklärte, gab seinen Namen als Moroni bekannt und erklärte, dass er einer der vielen Propheten war, als er sich in der Sterblichkeit befand, und einem Volk diente, das Nephiten genannt wurde, ein Zweig vom Haus Israel, der früher dieses Land bewohnte. Die Nephiten waren zivilisierte Vorfahren der entarteten Lamaniten oder amerikanischen Indianer. Die Schriften dieser Propheten,… waren in einem Hügel vergraben worden, der in alter Zeit Cumorah genannt wurde, und an dieser Lagerstätte entdeckte sie der jugendliche Prophet durch die Weisung des Engels. (Messages of the First Presidency, zusammengestellt von James R. Clark, Bd. 4, S. 232-33)

Apostel Orson F. Whitney erklärte, als er auf der Oktober-HLT-Konferenz 1918 sprach:
Es gab einen amerikanischen Propheten namens Nephi. Er kam sechshundert Jahre vor der Geburt des Erretters von Jerusalem – er kam mit seinem Vater Lehi und einer israelitischen Kolonie und Süd- und Nordamerika wurden schließlich von ihren Nachkommen bevölkert. Diejenigen, die Nephi folgten, waren als Nephiten bekannt, während eine entartete Clique, die als ihren Anführer Nephis Bruder Laman hatten, als Lamaniten bezeichnet wurden. Diese waren die Vorfahren der amerikanischen Indianer. (Conference Report, Oktober 1918, S. 39)

Apostel George F. Richards verkündete, als er 1922 sprach:
Danach kam Mulek mit einer Kolonie aus Jerusalem in dieses Land. Diese Kolonien waren im südlichen Teil Nordamerikas, in Mittelamerika und im nördlichen Teil Südamerikas gelegen. Und dieses ganze Land, ebenso dasjenige, in das sie nach Norden und Süden einwanderten, war vom Herrn als das Land der Verheißung bestimmt. (Conference Report, Oktober 1922, S. 81)

Apostel Melvin J. Ballard lehrte 1923, dass es Millionen von Lamaniten in Nord- und Südamerika gab:
Genau für diesen Zweck wurden deshalb diese Platten bewahrt, um die Erlösung der Kinder von Vater Lehi herbeizuführen, die in Nord- und Südamerika, Mittelamerika und in Mexiko als die amerikanischen Indianer bekannt sind, und einige Ureinwohner auf den Inseln des Meeres… Ich habe die Hand des Herrn beim Bereiten des Weges für ihre Erlösung wirken gesehen,… wann diese Tausende, ja Millionen von Lamaniten auf diesem westlichen Kontinent, die das Blut Lehis oder seiner Nachkommen in ihren Adern tragen, von der Macht des Allmächtigen berührt werden, und der Tag ihrer Erlösung, wenn er kommt, wird ein Tag der Macht sein. (Conference Report, Oktober 1923, S. 29)

Eines der empfohlenen Bücher, die ein Missionar lesen sollte, ist Jesus der Christus vom HLT-Apostel James E. Talmage. Er identifizierte die amerikanischen Indianer als Lamaniten:
Die Mission des Kolumbus und seine Auswirkungen. – Nephi, dem Sohn Lehis, wurde die Zukunft seines Volkes gezeigt, einschließlich der Entartung eines Zweiges von ihnen, den man später als Lamaniten und in modernen Zeiten als amerikanische Indianer kannte. Das Kommen des… Kolumbus; und das Kommen anderer Nichtjuden in dieses Land, aus der Gefangenschaft, ist gleichermaßen deutlich… Die Errichtung einer großen nichtjüdischen Nation auf dem amerikanischen Kontinent, die Unterjochung der Lamaniten oder Indianer, der Krieg zwischen der neu errichteten Nation und Großbritannien,… werden mit gleicher Deutlichkeit in demselben Kapitel aufgeführt [1. Nephi 13] (Jesus the Christ, von James E. Talmage, Deseret Book, Ausgabe von 1976, S. 757)

In einem anderen beliebten Buch von Apostel Talmage, Die Glaubensartikel, lesen wir:
Die Nephiten machten in den Künsten der Zivilisation Fortschritte, bauten große Städte und errichteten ein wachsendes Gemeinwesen; dennoch verfielen sie oft in Übertretung und der Herr züchtigte sie, indem er zuließ, dass ihre Erbfeinde siegreich waren. Traditionell glaubt man, dass sie sich nordwärts verstreuten und ein beträchtliches Gebiet in Mittelamerika besetzten, und dann weiteten sie sich ostwärts und nordwärts über einen Teil aus, der jetzt die Vereinigten Staaten von Amerika ist. Die Lamaniten, während sie an Zahl zunahmen, fielen unter den Fluch göttlichen Missfallens; ihre Haut wurde dunkel und ihre Geister umnachtet, sie vergaßen den Gott ihrer Väter, lebten ein nomadisches Leben und degenerierten in einen gefallenen Zustand, in dem die amerikanischen Indianer – ihre direkten Nachfahren – von denen vorgefunden wurden, die den westlichen Kontinent zu späterer Zeit wieder entdeckten.

Die letzten Schlachten zwischen Nephiten und Lamaniten wurden in der Gegend des Hügels Cumorah ausgetragen, der sich heute im Staat New York befindet, die zur Vernichtung der Nephiten als Nation führten, ungefähr 400 v. Chr. (Articles of Faith, von James E. Talmage, Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, Ausgabe von 1982, S. 260; Ausgabe von 1984, S. 235-236)

 

Der HLT-Apostel Bruce R. McConki erklärte:
Als Kolumbus Amerika, die Ureinwohner, die amerikanischen Indianer, als die sie bald bezeichnet werden sollten, entdeckte, waren sie ein Volk vermischten Blutes und Ursprungs. Hauptsächlich waren sie Lamaniten, aber solche Überreste der nephitischen Nation, da sie nicht vernichtet worden waren, hatten sich natürlich mit den Lamaniten vermischt… Somit waren die Indianer von der Nationalität her Juden (LuB 57:4), da ihre Vorfahren aus Jerusalem kamen aus dem Königreich Juda (2. Ne. 33:8-10)… Aber bei allem ist für die Mehrheit der Nachkommen der ursprünglichen Einwohner der westlichen Hemisphäre die vorherrschende Abstammungslinie die von Israel. Die Indianer werden wiederholt Lamaniten in den Offenbarungen des Propheten genannt und die Verheißung ist, dass sie zu gegebener Zeit „wie eine Rose blühen werden“ (LuB 49:24), das heißt wieder eine weißes und angenehmes Volk sein werden, wie ihre Vorfahren vor vielen, vielen Generationen. (Mormon Doctrine, by Bruce R. McConkie, Bookcraft, Ausgabe von 1979, S. 32-33)

Der HLT-Apostel LeGrand Richards schrieb in Ein wunderbares und seltsames Werk:
Das Buch Mormon gibt einen sehr genauen Bericht darüber, wer die amerikanischen Indianer sind und wie sie in die westliche Hemisphäre kamen. Das erste Volk, von dem wir Berichte haben, die die westliche Hemisphäre besiedelten, waren die Jarediten…

Lehi und seine Familie wurden 600 v. Chr. durch die Hand Gottes von Jerusalem in das Land Amerika geführt… Aber kurz nach ihrer Ankunft dort, verfluchte der Herr sie wegen ihrer Bosheit der Anhänger zweier Söhne Lehis – Laman und Lemuel – und um sie von ihren Brüdern zu trennen, veranlasste er, dass ihre Haut dunkel wurde…

Diejenigen, die auf diese Weise verflucht waren, hatten Erfolg darin, das ganze weiße Volk zu vernichten, mit Ausnahme von vierundzwanzig Seelen, um 384 n. Chr.

Das dunkelhäutige Volk, das das Land Amerika von dieser Zeit an bewohnte, wird im Buch Mormon Lamaniten genannt, das das Volk ist, das man im Allgemeinen als die amerikanischen Indianer kennt, die vom Haus Israel sind. (A Marvelous Work and a Wonder, von LeGrand Richards, Deseret Book, Ausgabe von 1979, S. 72-73)

Auf der HLT-Konferenz vom Oktober 1950 erklärte der Apostel Spencer W. Kimball, der später der 12. Präsident der HLT-Kirche wurde:
Sie werden mit Interesse wissen wollen, dass es etwa vierzigtausend lamanitische Mitglieder der Kirche auf der Welt gibt, einschließlich der Inseln des Meeres. Es gibt wahrscheinlich zehntausend lamanitische Mitglieder in Nordamerika in den mexikanischen Missionen und den Indianermissionen. Es gibt 902 lamanitische Mitglieder in den englischsprachigen Missionen in den Ost- Nord-, Zentalstaaten und anderen nordamerikanischen Missionen… Wir haben in den letzten zweieinhalb Jahren 1823 Lamaniten in den drei Missionen getauft, die sich auf das Bekehren von Lamaniten in Nordamerika spezialisiert haben. (Conference Report, Oktober 1950, S. 66)

Spencer W. Kimball wurde der Apostel der Lamaniten genannt. Im Vorwort des Buches The Teachings of Spencer W. Kimball lesen wir:
Präsident Kimballs Patriarchalischer Segen, den er gelegentlich als Hinweis zitiert hat, dass er eine besondere Berufung hätte, den Lamaniten zu dienen, sagt mehr als nur das. Beachten Sie die verschiedenen Elemente: „(1) Du wirst vielen Menschen das Evangelium predigen, (2) aber ganz besonders den Lamaniten, (3) denn der Herr wird dich mit der Gabe der Sprache und der Macht segnen, das Evangelium diesem Volk in großer Deutlichkeit darzulegen.“

Zu (1): der Umfang seiner Predigtbemühungen, es gibt keinen Führer der Kirche, in der Vergangenheit oder heute, der so vielen Menschen gepredigt hat. Zu (2): er hat sich besonders zu den Lamaniten ausgestreckt, den nordamerikanischen Indianern und allen Menschen von Mittel- und Südamerika und Polynesien, die jenes Erbe teilen. Zu (3): man kann keinen Zweifel daran haben, dass er mit Macht und Deutlichkeit zu den Lamaniten und dem Rest von Israel gesprochen hat. (The Teachings of Spencer W. Kimball, zusammengestellt von Edward Kimball, Bookcraft, 1982, S. XIX)

Ferner wird im selben Buch Kimball zitiert, wie er sagte:
Wer sind die Lamaniten? Der Begriff Lamaniten schließt alle Indianer und Indianermischungen ein, so wie die Polynesier, die Guatemalteken, die Peruaner, wie auch die Sioux, die Apachen, die Mohawks, die Navajos und andere. Es ist eine große Gruppe eines großartigen Volkes…

Die Lamaniten teilen sich ein königliches Erbe. Ich würde gern meine Bemerkungen an euch richten, unsere Verwandten von den Inseln des Meeres und von Amerika… Es gibt wahrscheinlich sechzig Millionen von euch auf den beiden Kontinenten und auf den Pazifischen Inseln, die alle blutsverwandt sind. (The Teachings of Spencer W. Kimball, S. 596)

Auf der HLT-Konferenz vom Oktober 1985 bezog sich Apostel Gordon B. Hinckley, der später der 15. Präsident der Kirche wurde, auf Tausende von Menschen, die an der Weihung des Mexiko-Tempels teilnahmen, als Lehis Nachkommen:
Nun, als vor kurzem der Mexiko-City-Tempel geweiht wurde, kamen sie zu Tausenden… Die meisten von ihnen haben das Blut Lehis in ihren Adern. Die Ketten der Finsternis sind von ihren Augen gefallen, wie von den Propheten des Buches Mormon verheißen. Sie sind „ein reines und ein angenehmes Volk" geworden: (2 Ne. 30:6; Ensign, Nov. 1985)

Auf der HLT-Konferenz vom Oktober 1986 bemerkte H. Verlan Anderson vom Ersten Kollegium der Siebzig:
Während der vergangen paar Jahre haben meine Frau und ich als Missionare in den lateinamerikanischen Ländern gedient… Es ist zutiefst befriedigend gewesen, mit diesen liebenswerten und gläubigen Menschen zu arbeiten und zu sehen, wie sich die Prophezeiungen des Buches Mormon erfüllt haben, wie Hunderttausende von Nachkommen Lehis sich der Kirche anschließen. Der Tag der Lamaniten ist wahrhaftig gekommen. ("Missionary Work Is the Lifeblood of the Church," H. Verlan Andersen, Ensign, Nov. 1986, S. 23)

1987 bemerkte Präsident Hinckley, dass fünfundsiebzig Prozent der Menschen, die an der Weihung des Guatemala-City-Tempels teilnahmen, „Nachkommen Vater Lehis“ waren (Ensign, März 1987, S. 2).

Die Bezeichnung der Indianer Südamerikas als „Lamaniten“ ist so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sogar Mitglieder in Ecuador diese Bezeichnung benutzen. Im Ensign vom Juni 1992 lesen wir:
Die vorherrschende Kultur hier [in Otavalo, Ecuador] ist die der Otavalo-Indianer…

Otavaleño-Kirchenmitglieder bezeichnen sich als “Lamaniten” und betiteln Mischlinge aus europäischer und indianischer Abstammung als “Latinos”. Niemand scheint sich über die Unterscheidung aufzuregen, obwohl man selten in anderen Gebieten des Landes davon hört, wo Latinos in der Mehrheit sind…

Auf einer Pfahlkonferenz begrüßen sich lamanitische und Latino-Mitglieder herzlich als Brüder und Schwestern. ("Ecuador," vno Don L. Searle, Ensign, Juni 1992, S. 33)

Als der Tempel in San Diego, California, 1993 geweiht wurde, waren so viele Spanisch sprechende Menschen anwesend, dass drei Sessionen in Spanisch geführt wurden. Präsident Hickley betete:
Dieser Tempel wird von vielen der Söhne und Töchter von Vater Lehi benutzt werden. Wir danken Dir für ihre Glaubenstreue. Wir danken Dir für diesen Tag, an dem Du dich an Deinen alten Bund in Bezug auf diese Deine Kinder erinnerst, von dessen Augen die Ketten der Finsternis nun fallen. Segne die Nachkommenschaft Lehis, darum bitten wir Dich. ("News of the Church," Ensign, Juli 1993, S. 77)

Auf der HLT-Konferenz im Oktober 1995 identifizierte Ted Brewerton, emeritiertes Mitglied der Siebzig, alle Indianer in Amerika als Nachkommen Lehis:
Viele Auswanderergruppen kamen nach Amerika, aber keine war so bedeutsam wie die drei im Buch Mormon erwähnten. Das Blut dieses Volkes fließt in den Adern der Blackfoot und der Blood Indians von Alberta, Kanada, in den Navajos und den Apachen des amerikanischen Südwesten, den Inkas des westlichen Südamerika, den Azteken Mexikos, den Mayas Guatemalas und in anderen amerikanischen Urgruppen in der westlichen Hemisphäre und den Pazifischen Inseln.

Diese erlesenen Eingeborenen erkennen die Wahrheit des Buches Mormon, das für sie von ihren eigenen Vorfahren aufgezeichnet wurde. ("The Book of Mormon: A Sacred Ancient Record," Ted E. Brewerton, Ensign, Nov. 1995, S. 30)

Heutige HLT-Autoren sind ihren Kirchenführern bei der Identifizierung der amerikanischen Indianer als Lamaniten nachgefolgt. Der Artikel „Ureinwohner Amerikas“ in der Encyclopedia of Mormonism, Bd. 3, enthält eine lange Diskussion über die missionarischen Bemühungen der HLT-Kirche unter den amerikanischen Indianern. Die Bezeichnungen „Lamanite“ und „Ureinwohner Amerikas“ werden austauschbar benutzt. Der Artikel erwähnt auch George P. Lee, den ersten Ureinwohner Amerikas, der als Generalautorität diente:
1975 wurde George P. Lee, ein vollblütiger Navajo… zur Generalautorität berufen. Er war der erste Indianer, der diesen Status erreichte und mehr als zehn Jahre treu diente. Elder Lee wurde überzeugt, dass die Kirche ihre Mission zu den Lamaniten vernachlässigte, und als er große Missbilligung den Kirchenführern gegenüber äußerte, wurde er 1989 exkommuniziert. ("Native Americans," Encyclopedia of Mormonism, Bd. 3, herausgegeben von Daniel H. Ludlow, Macmillan, 1992, S. 985)

Auf der HLT-Konferenz im April 1976 setzte George P. Lee die Navajos mit den Lamaniten gleich:
Ich habe ein Zeugnis vom Buch Mormon, der Geschichte meiner Vorväter. Amerika wurde gegründet, damit das Evangelium wiederhergestellt werden konnte und damit dieser heilige Bericht meinem Volk und zu jedem, der zuhören will, zurückgebracht werden konnte. ("But They Were in One," George P. Lee, Ensign, Mai 1976, S. 99; siehe Salt Lake City Messenger No. 73)

 

Auf der HLT-Konferenz im Oktober 1977 sagte Präsident Hinckley:
Wir waren vor kurzem bei der Navajo-Nation bei Window Rock in Arizona…

Es war schwierig, die Tränen zurückzuhalten, während wir uns unter diese Söhne und Töchter von Vater Lehi mischten. In meiner Phantasie habe ich ihn wegen seiner Nachkommenschaft weinen gesehen, die für so lange Zeit in Armut und Schmerz gewandelt sind.

Aber die Ketten der Finsternis sind gefallen… Sie sind hervorgekommen, um das Evangelium zu kennen und zu lieben. Sie sind rein und angenehm geworden. ("Look to the Future," Gordon B. Hinckley, Ensign, Nov. 1997, p. 67)

Während er an der Einweihung des neuen Tempels in Guayaquil, Ecuador, teilnahm, kommentierte Präsident Hinckley:
Es ist eine sehr interessante Sache gewesen, die Nachkommen Vater Lehis in der Versammlung zu sehen, die sich im Tempel versammelt hatte. Wirklich viele von diesem Volk haben das Blut Lehis in ihren Adern und es ist einfach eine interessante Sache, ihre ungeheure Reaktion und ihr ungeheures Interesse zu sehen. ("News of the Church," Ensign, Okt. 1999, S. 74)

Bei der Weihung des Tempels in Cochabamba, Bolivien, im April 2000 betete Präsident Hinckley für die Nachkommen Lehis:
Vor Dir gedenken wir der Söhne und Töchter von Vater Lehi. Mögest Du Deine alten Versprechen ihretwegen halten… Mögen sie ihren Erlöser erkennen und gläubige und treue Heilige des Allerhöchsten sein. ("News of the Church," Juli 2000, S. 74)

Präsident Hinckley neigt offensichtlich dazu, die Ureinwohner Amerikas glauben zu lassen, dass sie „Söhne und Töchter von Lehi" seien, dass sie „das Blut Lehis in ihren Adern haben" und dass sie buchstäblich Lehis Nachkommen sind.

Die Länder des Buches Mormon

Wenn also Lamaniten überall gefunden werden können, von Nordamerika bis Chile, nimmt man an, dass diese Gebiete Teil der Buch-Mormon-Länder sind. BYU-Professor John L. Sorenson versucht die offensichtlichen Hinweise in den Aussagen der Kircheführer zu vermeiden, indem er sich auf interne Hinweise auf Buch-Mormon-Plätze konzentriert. Er behauptet, dass
die Kirche keine Position in Bezug auf bestimmte Buch-Mormon-Schauplätze bezog… Kirchenautoritäten von der Zeit Joseph Smiths bis in die Gegenwart kamen zu keiner allseitigen Übereinstimmung, gaben keine maßgebende Aussage ab und berichteten von keiner definitiven Lösung zur Frage der Buch-Mormon-Geographie. (An Ancient American Setting for the Book of Mormon, John L. Sorenson, Deseret Book, 1985, S. 4)

Indem man die Diskussion eingrenzt auf die Identifizierung von „bestimmten" und „definitiven" Buch-Mormon-Schauplätzen, anstatt vom allgemeinen Überblick der Buch-Mormon-Länder zu sprechen, erweckt er den Anschein, dass es keine maßgebende Aussagen über die Wohnorte der Lamaniten gebe. Somit vermeidet er das Problem, dass die Kirchenführer der vergangenen einhundertundsiebzig Jahre behauptet haben, dass die Buch-Mormon-Länder Nord- und Südamerika einschließen und dass alle amerikanischen Indianer als Nachkommen von Lehis Familie beschrieben worden sind.

Sorenson versucht die Geographie für das Buch Mormon zu bestimmen, indem er durch Kreuzpeilung aus verschiedenen Einträgen die Entfernung zwischen Städten, die im Buch erwähnt werden, schätzt. Sein Modell verlangt aber, dass die Nephiten ihr Richtungssystem ändern (Ancient American Setting, S. 38), damit Nord/Süd zu Ost/West wird. Das „östliche Meer" wird somit in den Norden an die Landenge von Tehuantepec verlegt. Wenn Lehis Gruppe über den Indischen Ozean und den Pazifik nach Amerika navigieren konnte, dann nehmen wir an, dass sie Norden und Süden an Hand des Himmels festlegen konnten. Warum sollten sie also ihr Richtungssystem ändern?

John L. Sorenson und Matthew Roper argumentieren für eine sehr begrenzte Buch-Mormon-Geographie, aber dennoch geben sie zu, dass sie sich
an eine Bevölkerung von mehr als zwei Millionen [anpassen müsste]. Auf ihrem Höhepunkt bewohnten die Einwohner zahlreiche Städte mit umfassenden öffentlichen Gebäuden, führten viele geschriebene Berichte und trieben regen Handel. ("Before DNA," von John L. Sorenson and Matthew Roper, Journal of Book of Mormon Studies, Bd. 12, Nr. 1, 2003, S. 7-8)

Zum Unglück für die HLT-Kirche ist nie ein Beweis für solch eine christlich/israelitische Zivilisation gefunden worden. Eigentlich sollte die Eingrenzung der Buch-Mormon-Länder auf 400 Meilen in Mittelamerika die Wahrscheinlichkeit anwachsen lassen, dass man eine Spur dieser Zivilisation findet.

Simon Southerton bemerkte:
Trotz breiter Akzeptanz dieser globalen Sicht der Buch-Mormon-Geographie von Führern und Mitgliedern, behaupten die meisten „ernsthaften“ Buch-Mormon-Gelehrten, insbesondere die an der Brigham-Young-Universität, dass diese hemisphärische Geographie außer Frage steht. Die Gelehrten der BYU haben große Schwierigkeiten beim Versuch erfahren, Beschreibungen von Reisezeiten, Bevölkerungswachstum, und die geographische Nähe der Reisezeiten, Bevölkerungswachstum und die geographische Nähe von Ereignissen mit den riesigen Territorien Nord- und Südamerikas überein zu bringen. Durch die tausendjährige Geschichte der Nephiten und Lamaniten hindurch waren ihre Zentren der Hauptbevölkerung ziemlich an einen Bereich von mehreren Tagesmärschen untereinander gebunden. Man würde erwarten, dass Kulturen von der Art, wie sie das Buch Mormon beschreibt, deutliche Spuren ihrer Anwesenheit hinterlassen haben…

Dutzende von Alternativmodellen der Geographie sprangen über die Jahre hervor… Aber es wird nur eine ernsthafte Theorie von den meisten Mormonenakademikern akzeptiert, die vorschlägt, dass die meisten Buch-Mormon-Ereignisse in einem begrenzten Teil Mittelamerikas stattfanden. Nur in Mittelamerika befinden sich die Ruinen von Zivilisationen von der Größe, wie sie im Buch Mormon dargestellt werden.

HLT-Gelehrte unterstützen den Versuch dieser lokalen oder „begrenzten Geographie“ für die Buch-Mormon-Topographie, wie sie von Professor John L. Sorenson vorgestellt wird… Die lehitischen Länder müssen seiner Ansicht nach auf einen 400 Meilen langen Abschnitt Mittelamerikas eingeschränkt gewesen sein, das umspannt die kulturelle Region des südlichen Mexiko und des nördlichen Zentralamerika… Es gibt offensichtliche Schwierigkeiten mit der Landenge von Tehuantepec, di nicht die geringste ist, dass eine Überquerung von 125 Meilen, so weit wie eine Krähe fliegt, eine ungeheure „Anderthalbtagesreise“ zu Fuß ist. Ein weiteres Problem ist, dass die östlichen und westlichen Meere, die in der Schrift erwähnt werden, um 90 Grad gedreht werden müssen, da sie eigentlich südlich und nördlich von der engsten Landstelle liegen. (Losing a Lost Tribe, S. 156-57)

Weitere Modelle für die Buch-Mormon-Geographie sind vorgestellt worden. Ralph Olsen, HLT-Autor und Chemiker, hat eine total andere Buch-Mormon-Geographie vorgeschlagen. Er hat das Gefühl, dass die Malayische Halbinel in Südostasien der wahre Austragungsort der Geschichte ist ("A Malay Site for Book of Mormon Events", Ralph A. Olsen, Sunstone, März 2004, S. 30). Seine Karte und seine Theorie scheinen genauso plausibel wie Sorensons und er muss nicht einmal das Richtungssystem ändern.

Vern Holley hat in Book of Mormon Authorship das Gefühl, dass der Autor des Buches Mormon das Gebiet der Großen Seen in Nordamerika für seine Geschichte im Sinn hatte. Während wir keine Verteidiger von Mr. Holleys Theorie sind, dass Salomon Spalding das Buch Mormon schrieb, hat er eine gute Alternative für eine beschränkte Geographie für Smiths Geschichte geboten. Seine Karte von dem Gebiet weist sogar einige parallele Namen mit dem Buch Mormon auf (http://sidneyrigdon.com/vern/vernP3.htm, siehe Seite 54).

Joseph Smith hätte mit Leichtigkeit solch ein lokales Gebiet für seine Geschichte übernehmen können, ohne die Notwendigkeit, sie aus einer anderen Quelle zu borgen. Mit einem geistigen Bild von einem Gebiet, mit dem man schon vertraut ist, wäre es leichter, jemand eine Geschichte zu erzählen und die verschiedenen Örtlichkeiten im Sinn zu haben. Auch das Buch Mormon hätte eine bereitwillige Zuhörerschaft, da ein großes öffentliches Interesse an den Erbauern der Grabhügel bestand, von denen gesagt wurde, dass sie die Gebiete von New York und dem Ohio-Tal bewohnten.

HLT-Gelehrte haben das Gebiet der Großen Seen abgelehnt, da sie nach Orten mit Überresten von großen Städten Ausschau halten, wie die der Maya. Indem sie die Buch-Mormon-Länder auf Mittelamerika einschränkten, haben HLT-Gelehrte vermutlich das Problem gelöst, zu wissen, wo nach Ruinen zu suchen ist. Es lässt auch das Problem ausscheiden, wie Massen von Armeen zu ernähren und von Südmexiko nach New York zu bewegen wären. Mittelamerika ist voll von Ruinen. Unglücklicherweise sind die Gebäude mit Eingravierungen von verschiedenen Göttern und Maya-Inschriften geziert und sie weisen nicht auf Israeliten hin.

Um zu erklären, warum Buch-Mormon-Städte nicht gefunden worden sind, haben einige Mormonen 3. Nephi 8 angewendet. Dieses Kapitel erzählt, dass zur Zeit der Kreuzigung Christi „im vierunddreißigsten Jahr“ nach Christi Geburt Gott ein Gericht über die bösen Menschen in Amerika brachte (man fragt sich, warum ein solches Gericht nicht auf diejenigen in Jerusalem, wo Christus eigentlich starb, ausgegossen wurde?). Es gab große Erdbeben in den Buch-Mormon-Ländern „bis die Gebäude zur Erde gefallen waren“, einige Städte waren „versunken“, schreckliche Feuer vernichteten andere, Wirbelwinde trugen Menschen davon, bis viele Menschen und Städte vernichtet waren. Andere Städte blieben aber verschont. Diese Verwüstung setzte sich drei Stunden lang fort, bis „das ganze Angesicht des Landes verändert war“. Darauf folgten drei Tage „dichter Finsternis“. Die rechtschaffenen Überlebenden waren dann in der Lage, sich beim Tempel in Bountiful zu sammeln, um den auferstandenen Christus zu sehen. Offensichtlich war das Gebiet immer noch zu erkennen und der Tempel stand noch. Auch, da spätere Schreiber im Buch Mormon schienen, kein Problem damit zu haben, zu bestimmen, wo diese verschiedenen Städte lagen, würde man denken, dass man sie heute finden könnte. Aber wo ist der Beweis für solche Städte und Katastrophen in Mittelamerika um schätzungsweise 32-34 n. Chr.?

Sprachliche Probleme

Das Buch Mormon erklärt, dass das Volk Hebräisch sprach, aber in reformiertem Ägyptisch schrieb (1. Nephi 1:2; Mosiah 1:4; Mormon 9:33). Als B. H. Roberts, HLT-Generalautorität und Historiker, 1923 schrieb, war ihm schon bewusst, dass es ein ernsthaftes Problem in Bezug auf die enorme Anzahl von Sprachen in Amerika mit der Buch-Mormon-Behauptung gab, dass das Volk Hebräisch sprach. Roberts zitierte Frederick Dellenbaugh, Autor von The North Americans of Yesterday:
Die Differenzierung der Stammsprachen weist nicht nur auf Altertümlichkeit hin, sondern die Dialekte geben ein starkes Zeugnis… der Unterschied, der sich zwischen dem Cakchiguel- und dem Mayadialekt zeigt, kann nicht in weniger als zweitausend Jahren entstanden sein. (The North Americans of Yesterday, 1906, S. 19-22)

Man sollte daran denken, dass das Obige von einem Unterschied zwischen zwei amerikanischen Dialekten gesagt wird, nicht zwischen zwei Stammsprachen… Offensichtlich nimmt es eine sehr viel längere Zeit in Anspruch, die Abweichung bei Stammsprachen zu erzeugen, als bei Dialekten. Und wenn, wie in der obigen Passage erklärt, der Unterschied zwischen dem Cakchiguel- und dem Mayadialekt nicht in weniger als 2000 Jahren entstanden sein konnte, wie viele tausend Jahre würde es erfordern, um Stammsprachen zu erzeugen – die doch so viel mehr von einander abweichen als Dialekte? Und vom Buch-Mormon-Standpunkt aus sollte man daran denken, dass all diese Stämme seit dem nephitischen Debakel bei Cumorah 400 n. Chr. entstanden. (Studies of the Book of Mormon, von B. H., Roberts, herausgegeben von Brigham D. Madsen, Signature Books, 1992, S. 81)

 

Roberts zitiert weiter aus dem Buch von 1902 The Discovery of America:
John Fiske sagt: „Der Uramerikaner, wie wir ihn kennen, mit seiner Sprache und seinen Legenden, seinen physischen und geistigen Besonderheiten, seinen sozialen Bräuchen und Gewohnheiten, ist ausdrücklich ein Eingeborener und kein engeführter Artikel… Es gibt kein Teilchen von einem Beweis, um irgendeine Verbindung oder einen Umgang zwischen Uramerika und Asien innerhalb einer solchen Periode wie die letzten zwanzigtausend Jahre vorzuschlagen." (The Discovery of America, by John Fiske, Bd. 1, S. 24, wie in Studies of the Book of Mormon, S. 86, zitiert)

Einhundert Jahre später behaupten Wissenschaftler immer noch dieselbe Position. Die HLT-Gelehrten John L. Sorenson und Matthew Roper geben zu, was Nicht-HLT-Gelehrte seit Jahren gesagt haben. Die vielfältigen Sprachen, die man zur Zeit Kolumbus’ in Amerika fand, konnten sich nicht in gerade einal eintausend Jahren aus Hebräisch entwickelt haben (die Zeit zwischen dem Ende des Buch-Mormon-Berichts und der Ankunft der Europäer). Menschen haben Tausende von Jahren in Amerika gelebt, mit vielfältigen Sprachen, vor der Zeit, als die Jarediten angeblich landeten. In ihrem Artikel "Before DNA" bestätigen die HLT-Autoren Roper und Sorenson:
Die Hinweise sind stark, dass es beträchtliche sprachliche Abweichungen in Mittelamerika schon 1500 v. Chr. gab. Heilige-der-Letzten-Tage-Studenten des Buches Mormon sollten verstehen, dass lange vor Lehis Tagen Mittelamerika schon sprachlich kompliziert war. Viel mehr noch, viele archäologische Schauplätze waren fortwährend bewohnt, oder so erscheint es also, dass Tausende von Jahren ohne deutlichen Beweis in der Materie für irgendeinen Wechsel der Kultur der Einwohner bleiben. Diese Beständigkeit lässt annehmen, obwohl es kein Beweis ist, dass viele dieser Völker wahrscheinlich ihre Sprachen nicht wechselten.

Dies alles bedeutet, dass die alte Annahme einiger Heiliger der Letzten Tage, dass die hebräische Sprache, die von Lehis und Muleks Einwanderungsgruppen benutzt wurde, fundamental für alle alten amerikanischen Sprachen wurde, unmöglich ist. (Journal of Book of Mormon Studies, Bd. 12, Nr. 1, S. 17)

Simon Southerton kommentierte über die Komplexität der Sprachen in Amerika:
Ein weiterer Impuls für die eingeschränkte Geographie ist die offensichtliche Tatsache, dass Amerika Tausende von Jahren vor der Ankunft der Jarediten in 2200 v. Chr. weitestgehend bewohnt war. Das erstaunliche Aufgebot an Kulturen und Sprachen, auf das die frühen Europäer trafen, konnte ihren Ursprung nicht im Hebräischen gehabt haben, was, wie gesagt wird, von den Nephiten und Lamaniten 400 n. Chr. gesprochen worden sei. Die einzige plausible Erklärung für Mormonenapologeten ist, dass die beiden Gruppen semitischer Einwanderer – die Lehiten (Lamaniten und Nephiten) und Mulekiten – ein beschränktes Gebiet in Amerika bewohnten. (Losing a Lost Tribe, S. 159)

Andere im Land?

Neben dem Sprachproblem gibt es auch noch das Problem der Bevölkerungsgröße im Buch Mormon. Die kleinen Einwanderergruppen in der Geschichte haben für eine Zivilisation ohne Hilfe von fortschrittlicher Medizin und Technologie für die Produktion von Massennahrungsmitteln eine unmögliche Vermehrungsrate. Lehis Gruppe und Muleks Nachfolger, die ungefähr 600 v. Chr. ankamen, hätten wahrscheinlich aus nicht mehr als dreißig bis fünfzig Erwachsenen im Kinder gebärenden Alter bestanden (siehe das Kapitel "Multiply Exceedingly: Book of Mormon Population Sizes," von John C. Kunich, in New Approaches to the Book of Mormon). Doch nach nur vierhundert Jahren erlitten allein die Lamaniten den Verlust von 3000 Männern in der Schlacht. Da die meisten Armeen einen Bruchteil der Gesamtbevölkerung repräsentieren, sieht man sich einer erstaunlichen Bevölkerungszahl in dieser Zeit gegenüber. Southerton bringt folgende Zusammenfassung der Zahlen aus Buch-Mormon-Schlachten:
Ungefähr ein Drittel des Buches Mormon ist einer ziemlich langweiligen Aufzählungen von Schlachten zwischen den Lamaniten und Nephiten gewidmet. Die aus diesen Konflikten entstandenen Verluste liefern fortwährende Hinweise auf die Größe dieser ausgesetzten Hebräerpopulation. Zum Beispiel kostet im Jahr 190 v. Chr. eine einzige Schlacht das Leben von 3000 Lamaniten (Mosiah 9:18). Um 90 v. Chr. kosten ähnliche Schlachten fast 20.000 Menschenleben (Alma 2:19). Es ist nicht ungewöhnlich, dass Zehntausende in einem einzigen Jahr im Buch Mormon erschlagen werden. Zusätzlich erwähnt das Buch die Abwanderung von Tausenden von Männern, Frauen und Kindern aus den Hauptzentren der Zivilisation in die „nördlichen Länder".

…Während der letzten hundert Jahre der berichteten Geschichte fielen diese beiden Nationen in einer irrationalen Serie von Kriegen übereinander her, bei denen Hunderttausende erschlagen wurden. In der letzten Schlacht ungefähr 385 n. Chr. schlachtete eine massive Lamanitenarmee 230.000 nephitische Männer, Frauen und Kinder ab (Morm. 6). Die lamanitische Bevölkerung, die in der Lage war, eine Armee von solch einer Größe zu unterstützen, die in der Lage war solch ein Blutbad anzurichten, musste sicherlich zahlenmäßig in die Millionen gehen. (Losing a Lost Tribe, S. 12-13)

 

Um diesem offensichtlichen Dilemma der Bevölkerung aus dem Weg zu gehen, behaupten HLT-Apologeten, dass die einheimischen Völker sich den Jarediten und Lehiten anschlossen, was somit ein schnelleres Wachstum erlauben würde, als sie auf andere Weise zu Stande gebracht hätten. Southerton zeigt die Probleme für HLT-Apologeten auf, die so argumentieren, dass die Jarediten und Lehiten sich mit eingeborenen Völkern vermischt hätten. Das Buch Mormon erwähnt einfach keine anderen Gruppen:
Eine wichtige Konsequenz aus dieser Zusammenpressung der Geographie und aus der Anerkennung der Anwesenheit von Nicht-Buch-Mormon-Völkern ist, erklären zu müssen, wie die großen Mengen von eingeborenen Völkern, die in ganz Amerika lebten, sich gegenseitig mit denen beeinflussten, die im Bericht der Goldenen Platten beschrieben werden. Unglücklicherweise bietet das Buch Mormon wenig Hilfe in dieser Beziehung. Es gibt keinen Hinweis in dem Bericht, dass die jareditischen oder lehitischen Gruppen mit irgendeinem eingeborenen Volk in Kontakt kamen, deren Ursprung nicht in dem Buch berichtet werden konnte… (Losing a Lost Tribe, S. 159-160)

 

HLT-Gelehrte anerkennen, dass Lehis Gruppe eine kleine Kolonie war, als sie landete, aber sie argumentieren, dass sie bald einheimische Völker in ihre Gesellschaft aufnahmen. Sie behaupten, dass sich viele dieser Völker wahrscheinlich den Lamaniten anschlossen, was ihr rapides Wachstum erklären würde. Somit muss die Bezeichnung „Lamaniten" nicht unbedingt bedeuten, dass man ein Nachkomme Lamans war. Brent Metcalfe begegnet in seinem Artikel "Reinventing Lamanite Identity" diesem Argument:
Tatsächlich offenbart ein sorgfältiges Lesen des Buches Mormon, dass die Erzählung nichts über einheimische „andere" sagt und sie tatsächlich prophetisch ausschließt…

Wo die Abstammung identifiziert ist, führen alle Völker nach den Jarediten – Nephiten und Nicht-Nephiten, gute und böse, Gruppen und Einzelpersonen – ständig ihren Stammbaum auf die ersten israelitischen Einwanderer zurück. Ammon sagt zum Beispiel, dass er „ein Nachkomme Zarahemlas" ist (Mosiah 7:13; siehe auch V. 3), der „ein Nachkomme Muleks war und derer, die mit ihm in die Wildnis kamen" (Mosiah 25:2), und Mulek war „der Sohn Zedekiahs", des jüdischen Königs (Hel. 6:10; vgl. Omni 1:15). Der nephitische Dissident Coriantumr „war [auch] ein Nachkomme Zarahemlas" (Hel. 1:15)…

Der Lamanitenkönig Lamoni, so erfahren es die Leser, ist „ein Nachkomme Ishmaels" (Alma 17:21; vgl. V. 19). Jahrhunderte, nachdem die Lehiten in ihrem neuen verheißenen Land landeten, hatte ein Gruppe von Lamaniten, „die sich dem Volk des Herrn anschlossen", keine nephitischen Abtrünnige unter sich, „aber sie waren tatsächliche Nachkommen von Laman und Lemuel" (Alma 56:3).

Die Bezeichnung Lamanite bezieht sich nicht zwangsläufig auf einen Nackommen Lamans, auch Nephite nicht auf einen Nachkommen Nephis – sondern sie werden von den Buch-Mormon-Erzählern allgemein als Israeliten beschrieben…

Buch-Mormon-Lesern wird von keinem einzigen Nephiten oder Lamaniten erzählt, der von anderen als von Israeliten abstammte… [HLT-Gelehrte] müssen dennoch zwingend erklären, warum alle Buch-Mormon-Gestalten – einschließlich Gott – anscheinend nichts über die Horden von einheimischen Menschen wissen, die die Theorien der Revisionisten erfordern; warum ist Joseph Smiths Offenbarung des Buches Mormon vertrauenswürdig genug, um daraus eine detaillierte begrenzte Geographie abzuleiten, und dennoch sind seine Offenbarungen über die amerindianische Identität und Ursprünge beschädigt, wenn nicht sogar irrig; und warum sollte ihr Wort mehr zählen als das der HLT-Propheten auf der einen und der weltlichen Gelehrten auf der anderen Seite. ("Reinventing Lamanite Identity," von Brent Lee Metcalfe, Sunstone, März 2004, S. 21-23)

Auf dem Sunstone-Symposion, August 2004, stellte David Anderson ein Papier mit dem Titel "The Secrets of Nim's [Necessary, Inferred Mayans]: When the Book of Mormon was Dictated, Were There 'Others' in it?" vor. Er skizzierte die vier Stufen, durch die die Verteidiger gehen müssen, wenn sie versuchen, das Buch-Mormon-Volk zu identifizieren:

  1. Die ursprünglichen Mormonen lehrten, dass alle amerikanischen Indianer Israeliten sind und von Lehi abstammen.

  2. Als die Forschung begann, auf Asiaten als Vorfahren der amerikanischen Indianer hinzuweisen, revidierten die Mormonen ihre Behauptungen, indem sie sagen, dass es andere in dem Land gegeben haben könnte, aber sie vermischten sich nicht mit den Israeliten.

  3. Als die Bevölkerungszahlen im Buch Mormon genauer unter die Lupe genommen wurden, wurde behauptet, dass andere im Land sich mit den Lamaniten (und möglicherweise mit den Mulekiten) vermischten und somit das enorme Wachstum ermöglichten.

  4. Nun, da durch DNA nachgewiesen worden ist, dass fast alle amerikanischen Indianer aus Sibirien abstammen, behaupten HLT-Verteidiger, dass die Nachkommen Lehis durch Mischehen ihre Identität verloren. (Meine Zusammenfassung seiner Punkte, nicht sein spezieller Wortlaut.)


Wenn die Israeliten des Buches Mormon in einem schon bevölkerten Land landeten, warum gibt es darin keinen Hinweis auf diese anderen Völker? Gab es keine Schlachten um die Vorherrschaft, die erwähnenswert waren? Keine Bekehrungsgeschichten von diesen „anderen", als sie sich dem Gott Israels zuwandten? Mit Sicherheit hätten die verschiedenen heidnischen Gruppen, denen sie begegnet wären, die Lehis Gruppe zahlenmäßig übertroffen hätten und alle verschiedene Sprachen sprachen, ein oder zwei Zeilen verdient. Sollen wir glauben, dass diese Heiden sich demütig der kleinen Gruppe von Israeliten anschlossen? Durch das ganze Alte Testament gibt es Hinweise auf Zivilisationen, die die Israeliten umgaben, und auf ihre Schlachten. Warum gibt es im Buch Mormon keine ähnlichen Hinweise?

Hügel Cumorah

Diese verkleinerte Buch-Mormon-Geographie erfordert auch die Umsiedelung des Hügels Cumorah in das südliche Mexiko. (Siehe An Ancient American Setting for the Book of Mormon, S. 350.) Gemäß den HLT-Gelehrten hätte Moroni damals die Platten von Mexiko nach New York transporieren, noch einmal verbergen und nach Hunderten von Jahren als ein Engel Joseph erscheinen und ihn zu ihrem geheimen Aufbewahrungsort führen müssen. Dann denkt Smith irrtümlich, dass der Hügel, wo die Platten verborgen sind, derselbe Hügel ist, der in der letzten Schlacht im Buch Mormon erwähnt wird.

Simon Southerton kommentierte über den Grund, Cumorah zu verlagern:
Warum sollten Hundertausende von Lamaniten und Nephiten von Mittelamerika nach New York marschieren, um eine letzte Schlacht der Ausrottung zu kämpfen? Um dieser Anomalie Rechnung zu tragen, sind Mormonengelehrte zu der Schlussfolgerung gekommen, dass es tatsächlich zwei Cumorahs gibt. Der Hügel Cumorah, auf den im Buch Mormon Bezug genommen wird, ist nicht derjenige im Staat New York, in dem die Goldplatten wieder gefunden wurden. (Losing a Lost Tribe, S. 159)

 

Die HLT-Kirche besteht aber immer noch auf der Ansiedlung des Hügels Cumorah in New York. 1990 wurde ein HLT-Bischof in Oklahoma über den Standort des Hügels Cumorah befragt und der Bischof schrieb an die Erste HLT-Präsidentschaft um Klärung. In einem Brief vom 16. Okt. 1990 antwortete der Sekretär der Ersten Präsidentschaft:
Lieber Bischof Brooks:

Ich bin gebeten worden, ihnen zur Kenntnisnahme und zur Verwendung die beigefügte Kopie eines Briefes an Präsident Gordon B. Hinckley von Ronnie Sparks aus ihrer Gemeinde zu übersenden. Bruder Sparks fragte nach dem Standort des Hügels Cumorah, der im Buch Mormon erwähnt wird, wo die letzte Schlacht zwischen den Nephiten und Lamaniten stattfand.

Die Kirche hat seit langem behauptet, wie in Hinweisen in den Schriften der Generalautoritäten beglaubigt, dass der Hügel Cumorah im westlichen New York derselbe ist, der im Buch Mormon erwähnt wird.

[Siehe Foto des Originalbriefes in Where is Cumorah?]

Jeden Sommer präsentiert die HLT-Kirche ein Festspiel auf dem Hügel in New York, wo Joseph Smith die Platten aus der Erde holte, wobei die Buch-Mormon-Geschichte geschildert wird (siehe http://www.hillcumorah.org). Dieses Festspiel hinterlässt bei den Leuten sicherlich den Eindruck, dass die letzte Schlacht der Nephiten in New York stattfand.

Da sie sie die Probleme kennen, die mit der Verlegung von zwei großen Armeen von Mexiko nach New York verbunden sind, schlugen die HLT-Gelehrten einen Standort für den Hügel Cumorah und die letzte Schlacht im südlichen Mexiko vor. Aber um dies zu tun, müssen sie alle Aussagen der HLT-Kirchenführer ignorieren.

Wie sehr kann sich ein Prophet irren und dennoch ein Prophet bleiben?


Der HLT-Apologet Michael R. Ash gab zu, dass die neue eingeschränkte Geographie und die Argumente für „andere" im Land den früheren Aussagen der Kirchenführer entgegenstehen:
Was ist mit den Schriften und Aussagen von Joseph Smith, die in Erscheinung treten und behaupten, dass es keine „anderen" im Land bei Lehis Ankunft gab?

Es scheint wahrscheinlich, dass Joseph Smith das Buch Mormon entsprechend den Gerüchten und Vermutungen seiner Tage verstand – eine hemisphärische Geographie mit den Lehiten als die Hauptvorfahren der amerikanischen Eingeborenen… Josephs Meinungen zu dem Thema sind aber keine Offenbarung… Während Josephs Meinungen interessant sein könnten, können sie abgelegt werden, wenn sie mit offenbarter Lehre, wissenschaftlichen Tatsachen oder Tiefenuntersuchung in Konflikt geraten. ("Were the Lehites Alone in the Americas?," von Michael R. Ash, www.fairlds.org)

 

Wenn Mormonen frei sind, Aussagen ihrer Führer abzulegen, wenn sie mit „wissenschaftlichen Tatsachen oder Tiefenuntersuchung" in Konflikt geraten, warum verwirft man dann nicht das ganze Buch Mormon? Es gibt kein Stück Archäologie oder altes Schriftstück, das untermauert, dass die Lehiten je existierten. „Tatsachen" zeigen, dass Mittelamerika fortwährend von Nachkommen sibirischer Völker und nicht von Israeliten bewohnt war. Wie entscheidet man sich, wenn es darum geht, die Aussagen des Propheten zu ignorieren? Werden heutige HLT-Gelehrte als maßgeblicher für das Buch Mormon und die Geographie angesehen als Joseph Smith, die Propheten oder Apostel?

In einem anderen Artikel unterstellt Michael Ash, dass Joseph Smith zu seiner unrichtigen Ansicht über die Buch-Mormon-Geographie durch „oberflächliches Lesen und oberflächliches Verstehen" gekommen ist:
Diese [Theorie der hemisphärischen Geographie] ist eine natürliche Auslegung der Buch-Mormon-Geographie, die auf oberflächliches Lesen und oberflächliches Verstehen des Buch-Mormon-Textes basiert. Es ist wahrscheinlich, dass Joseph Smith, seine Zeitgenossen und die meisten Heiligen – vielleicht sogar die meisten Heiligen heute – diese bedingungslos als ein akkurates Modell für die Buch-Mormon-Geographie akzeptiert. Aufgrund dieser Ansicht besteht der allgemeine Glauben unter den HLT darin, dass das Buch-Mormon-Volk die Begründer aller Ureinwohner von Nord- und Südamerika sind…

Joseph und andere HLT-Führer sind (und waren) nicht immun gegen ihre eigenen Meinungen, Gedanken und sogar Missverständnisse, die auf Tradition beruhten. ("Where Did Book of Mormon Events Take Place?," www.fairlds.org)

 

Wo ist die „offenbarte Lehre" über die Lamaniten? Joseph Smith verbrachte vermutlich eine Reihe von Abenden damit, sich mit dem Engel über das Buch Mormon zu unterhalten. Wäre er nicht in der besten Position, eine informierte Meinung zu haben? War er schuld an „Missverständnissen" über das Buch Mormon? Wenn Joseph Smith, nachdem der Engel ihn zum Hügel brachte, zu dem Schluss kam, dass er den Hügel Cumorah der Buch-Mormon-Geschichte besucht hatte, wer soll da sagen, dass er sich geirrt hätte? Warum beziehen sich die Offenbarungen in Lehre und Bündnisse auf die amerikanischen Indianer im westlichen Missouri als „Lamaniten"?

DNA und Lamaniten

Die Suche nach Lamaniten bekam mit der Anwendung von DNA, um die Vorfahren der amerikanischen Indianer zu bestimmen, größere Bedeutung. HLT-Gelehrte geben jetzt zu, dass es enorme Anzahlen von Völkern in Nord- und Südamerika vor der Zeit gab, die für die Ankunft der Jarediten oder die beiden Gruppen von Israeliten, die ungefähr 600 v. Chr ankamen, angegeben wird. D. Jeffrey Meldrum und Trent D. Stephens argumentieren, dass diese früheren Einwanderungen erklären, warum DNA zu „99,6%" der amerikanischen Indianer den Asiaten zuzuordnen ist und dass es „unwahrscheinlich ist", dass die Nachkommen Lehis „durch genetische Analyse ausgemacht werden können". Sie schrieben:
Unsere Perspektive ist die von aktiven Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die das Buch Mormon als akkuraten, korrekten Bericht von tatsächlichen historischen Ereignissen ansehen, die sich auf dem amerikanischen Kontinent ereigneten. Wir sind auch Biologen… Als Biologen akzeptieren wir die veröffentlichten Daten, die mit den Ureinwohnern Amerikas zu tun haben, und betrachten diese Daten als solche, die die amerikanisch-asiatischen Verbindungen angemessen repräsentieren…

Wir schlagen vor, dass… die Kinder Lehis… wie Sauerteig mit Brot [wirkten]. Der Sauerteig ist notwendigerweise nur ein kleiner Bestandteil im Brot, nicht das Brot selbst. Wir schlagen vor, dass die Kinder Lehis der Sauerteig des abrahamischen Bündnisses der Neuen Welt sind, unwahrscheinlich, dass sie durch genetische Analyse von modernen Neue-Welt-Bewohnern ausgemacht werden können. ("Who Are the Children of Lehi?" von D. Jeffrey Meldrum und Trent D. Stephens, Journal of Book of Mormon Studies, Bd. 12, Nr. 1, 2003, S. 38)

Später lesen wir im selben Artikel:
Die Daten, die sich bis heute ansammelten, zeigen, dass 99,6 Prozent der genetischen Marker der Uramerikaner, so weit sie studiert wurden, sibirische Verbindungen offen legen. (Journal of Book of Mormon Studies, Bd. 12, Nr. 1, 2003, S. 41)

Der Autor Brent Lee Metcalfe kommentierte über diese neue Position:
Wir bezeugen die Neuerfindung des Buches Mormon – nicht durch skeptische Kritiker, sondern durch gläubige Apologeten. Die meisten Mormonen glauben, was die Einleitung lehrt – dass „die Lamaniten… die Hauptvorfahren der amerikanischen Indianer sind". Sie halten an diesem Glauben ungeachtet der Tatsache fest, dass in den letzten Jahrzehnten HLT-Gelehrte an der Brigham-Young-Universität und anderswo, diese traditionelle Sichtweise wesentlich geändert haben.

Entdeckungen aus strengen Studien des Buches Mormon haben zunehmend HLT-Gelehrte dazu gebracht, die amerikanisch-israelitische (oder amerisraelitische) Bevölkerung des Buches zu schrumpfen und zu verwässern. Apologetische [HLT-] Gelehrte erkennen jetzt (1), dass die Buch-Mormon-Ereignisse nicht Nord-, Mittel- und Südamerika überspannt haben konnten, und (2) dass moderne Amerindianer vorherrschend von ostasiatischer Abstammung sind… Wie BYU-Genetiker Michael Whiting festsetzt, ist ein hemisphärisches Kolonisationsmodell für das Buch Mormon „in der Tat falsch" und „erscheint durch gegenwärtige genetische Beweise als falsch nachgewiesen".

Viele HLT-Apologeten betrachten die israelitischen Gründerkolonisten des Buches Mormon als eine kleine Gruppe, die sich in verschiedenen Stufen mit den riesigen Urbevölkerungen Mittelamerikas vermischte. Nach und nach löschte geförderte, weit gestreute Exogamie mit diesen „anderen" wirksam die israelistischen, nahöstlichen, genetischen Merkmale aus. Dementsprechend werden die Lamaniten und Nephiten nicht als israelitische Vorfahren definiert. Solche Theorien stellen das traditionelle Verständnis von Buch-Mormon-Ländern und –Leuten, einschließlich Joseph Smiths Offenbarungen auf den Kopf.

Während vielleicht revisionistische Buch-Mormon-Studien einen Anstrich von wissenschaftlicher Ansehnlichkeit bieten, sehen sich diese apologetischen Bemühungen, die lamanitische Identität neu zu erfinden, einigen ungeheuerlichen Herausforderungen gegenüber… ("Reinventing Lamanite Identity," von Brent Lee Metcalfe, Sunstone, März 2004, S. 20)

In einem anderen Artikel bemerkte der HLT-Wissenschaftler Trent D. Stephens:
Das Buch Mormon gibt vor, eine Geschichte der drei Hauptvölkergruppen zu präsentieren, die vom Nahen Osten nach Amerika auswanderten… Am Ende vernichteten die Lamaniten die Nephiten und blieben als einzige Repräsentanten der nahöstlichen Kolonie in der Neuen Welt.

Im Gegensatz zu diesem Bericht unterbreiten die Daten von zahlreichen molekularen, genetischen Studien der Bevölkerung, dass die Vorfahren der vorhandenen Uramerikaner von Sibirien kamen. Kein genetischer Beweis unterstützt spezifisch die Hypothese, dass die Uramerikaner von nahöstlichen Populationen abstammten. ("Now What," von Trent D. Stephens, Sunstone, März 2004, S. 26)

Simon Southerton zeigte auf:
Für die meisten Wissenschaftler kam es nicht überraschend, zu erfahren, dass die DNA lebender Ureinwohner Amerikas meist mit der DNA von Asiaten übereinstimmte. Nun, bevor die Struktur der DNA bestimmt worden war, war die asiatische Quelle schon durch stetige Anhäufung von Forschungsergebnissen aus vielen Disziplinen akzeptiert worden. Es wurde, und wird immer noch weitgehend akzeptiert, dass die ersten Wellen der Kolonisation um oder vor 14000 Jahren von Sibirien aus über die Behring-Straße kamen. (Losing a Lost Tribe, S. 73)

 

Mitochondrische DNA

Während der letzen zwanzig Jahre gab es großes Interesse an der DNA-Forschung und insbesondere an Mitochondrischer DNA. Nancy Shute kommentierte, als sie für U.S. News & World Report schrieb:
Mitochondrische DNA hat sich als ein wunderbares Werkzeug für das Aufspüren der menschlichen Geschichte erwiesen. Mütter reichen sie fast intakt an die Nachkommen weiter - anders als die Nukleare DNA, das genetische Material, dass gewöhnlich bei Kriminaluntersuchungen verwendet wird. ("Haven't Got a Clue? Maybe DNA Will Do," U.S. News & World Report, 24. Juli, 2000)

Das Problem für den Mormonismus ist, dass die Mitochondrische DNA die Ansicht unterstützt, dass die Hauptvorfahren der Ureinwohner Amerikas Menschen aus Ostasien waren.

Mormonenverteidiger haben behauptet, dass Lehis Familiengruppe nur ein Tropfen im genetischen Teich der amerikanischen Indianer gewesen wäre, was erklären würde, warum sie nicht in den DNA-Proben sichtbar werden. Es ist aber wert, noch einmal zu erwähnen, dass die Einleitung ihres eigenen Buches Mormon behauptet, dass „die Lamaniten… die Hauptvorfahren der amerikanischen Indianer sind" und keine unbedeutende Gruppe.

Der HLT-Wissenschaftler Thomas W. Murphy, Chef der Abteilung für Anthropologie am Edmonds Community College in Washington, schrieb:
Nun, da quantitative wissenschaftliche Methoden in der Tat eine israelitische Präsenz im alten Amerika austesten können, lernen wir stattdessen, dass praktisch alle Ureinwohner Amerikas ihre Abstammung auf asiatische Einwanderungen zwischen 7.000 und 50.000 Jahren vor unserer Zeit zurückführen können. Während Molekular-Anthropologen die technische Fähigkeit haben, die Nachkommen der alten Hebräer zu identifizieren, sind in Zentralamerika oder anderswo unter den Uramerikanern keine Spuren solcher DNA-Marker in Erscheinung getreten…

Aus einer wissenschaftlichen Perspektive gesehen ist der Ursprung des Buches Mormon bestens in das Amerika des frühen Neunzehnten Jahrhunderts platziert,… Das Buch Mormon entstand aus einer Vorkriegsperspektive aus einem Kampf eines amerikanischen Pioniervolkes mit seinem Gott und nicht aus einer echten amerikanischen, indianischen Perspektive. ("Lamanite Genesis, Genealogy, and Genetics," von Thomas W. Murphy, in American Apocrypha: Essays on the Book of Mormon, Signature Books, 2002, S. 68)

Als Thomas Murphy und Simon Southerton in Anthropology News schrieben, bemerkten sie:
Genetische Forschung nach den Ursprüngen der Uramerikaner und Polynesier sendet Schockwellen durch die Mormonengemeinschaften um die Welt. Das Buch Mormon, das von 11 Millionen Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (HLT) als Heilige Schrift beansprucht wird, gibt vor, von drei Auswanderungen vom antiken Nahen Osten nach Amerika zu erzählen. Die Titelseite behauptet, dass die Nachkommen der Auswanderer aus Jerusalem „die Hauptvorfahren der amerikanischen Indianer sind“. Mormonische Tradition sieht für die Polynesier ebenfalls eine Nahosterbschaft vor.

Southerton hat ein bücherlanges Manuskript zu diesem Thema abgeschlossen [Losing a Lost Tribe: Native Americans, DNA, and the Mormon Church]. Simon Southerton, ein Pflanzengenetiker,… legte seine Position als Bischof nieder und zog seine Kirchenmitgliedschaft zurück. Im März 2000 veröffentlichte er die Geschichte seiner Enttäuschung im Internet [www.exmormon.org/whylft125.htm]. Er „war nicht in der Lage irgendetwas zu finden, das die Auswanderung von einem jüdischen Volk vor Kolumbus unterstützte“ und er fand „keine verlässlichen wissenschaftlichen Beweise, die Auswanderungen vom Nahen Osten in die Neue Welt unterstützen“.

…Eine Untersuchung der mitochondrischen DNA von mehr als 5.500 lebenden Ureinwohnern Amerikas offenbart, dass 99,4% vornehmlich über die mütterlichen Linien, die man als A, B. D und X kennt, nach Asien zurückgeführt werden können. Nur 0,6% kamen von Afrika oder Europa, höchstwahrscheinlich nach 1492. Die Linien A bis D findet man nur in Asien. Während die X-Linie auch in Europa und im Nahen Osten gefunden wird, haben die asiatischen und amerikanischen Linien bestimmte Marker, die eine Trennung vor Alters zeigen, lange vor den Ereignissen, die im Buch Mormon beschrieben werden. Ähnliche Ergebnisse von fast 1.000 väterlichen Linien beweisen einen nordostasiatischen Ursprung der amerikanischen Indianer. Ebenso können 99% der bis heute untersuchten Polynesier ihre mütterliche Linie auf Südostasien zurückführen. Die anderen 1% kamen fast sicher in jüngerer Vergangenheit aus Europa…

Volkstümliche biologische Behauptungen von einer israelitischen Abstammung, einem Fluch mit einer dunklen Haut und einem Weißerwerden von dunkelhäutigen uramerikanischen und polynesischen Mormonen können keiner näheren Forschung unter wissenschaftlich gebildeten Heiligen der Letzten Tage standhalten. ("Genetic Research a 'Galileo Event' for Mormons," von Thomas W. Murphy and Simon Southerton, Anthropology News, Februar 2003, S. 20)

Der Mangel an Beweisen, dass Israeliten nach Amerika kamen und zu einer Hauptbevölkerung vor der Ankunft der Europäer heranwuchsen, wirft ernsthafte Fragen über die Geschichtlichkeit des Buches Mormon auf.

Als Antwort auf die Kritik am Buch Mormon und die jüngsten DNA-Studien, die zeigen, dass die amerikanischen Indianer von Asien herstammten, hat die HLT-Kirche auf ihrer offiziellen Website eine Gruppe von Links zu den verschiedensten HLT-Apologeten unter „Fehler in den Nachrichten“ gesetzt. Die Site macht zu den Links folgende Vorbemerkung:
Jüngste Angriffe auf die Wahrhaftigkeit des Buches Mormon auf der Grundlage von DNA-Beweisen werden als krank betrachtet. Nichts im Buch Mormon schließt die Einwanderung von Völkern asiatischen Ursprungs nach Amerika aus. Die wissenschaftlichen Äußerungen aber, die sich auf DNA beziehen, sind zahlreich und kompliziert. Diejenigen, die an einer genaueren Analyse dieser Äußerungen interessiert sind, seien auf die Quellen unten verwiesen.

Bei einer anscheinenden Bemühung, ein Abstreiten zu ermöglichen, falls irgendwelche Probleme damit entstehen, dass Leute auf diese Sites verwiesen wurden, fügte die Kirche folgendes Dementi hinzu:
Das Folgende ist keine Kirchenposition oder –erklärung. Es sind einfach nur Informationsquellen von Autoren mit Expertisen auf diesen Gebieten, die Leser hilfreich finden mögen.

Wenn diese Aussagen nicht die “offizielle Kirchenposition” repräsentieren, warum werden Leute darauf verwiesen? Es bleibt nur, sich zu fragen, warum der HLT-Prophet nicht in der Lage ist, eine offizielle Klärung über diese Sache zu liefern. Sie geben zu, dass sich asiatische Einwanderungen nach Amerika ereigneten, aber sie liefern keinen Beweis, dass israelitische Einwanderungen stattfanden.

Ist "Glaube" genug?

Im Licht fortlaufender Aussagen von HLT-Kirchenpräsidenten und Aposteln, die die amerikanischen Indianer mit "den Söhnen und Töchtern von Vater Lehi" verknüpften, schulden sie der Öffentlichkeit eine Erklärung. Wo ist der Beweis für israelitische Einwanderungen nach Amerika?

Der HLT-Autor John M. Butler schlussfolgerte, dass man auf den Glauben blicken müsste:
Ein geistiges Zeugnis ist der einzige Weg, die Wahrhaftigkeit des Buches Mormon zu wissen. Obwohl DNA-Studien Verknüpfungen zwischen den Eingeborenen Amerikas und den Asiaten hergestellt haben, beschädigen diese Studien in keiner Weise das Buch Mormon, trotz der lauten Stimmen der Verleumder. ("A Few Thoughts From A Believing DNA Scientist", von John M. Butler, Journal of Book of Mormon Studies, Bd. 12, Nr. 1, 2003, S. 36)

Da alle Beweise darauf hinweisen, dass das Buch Mormon ein Produkt des neunzehnten Jahrhunderts ist, scheint es des „Glaubens" nicht wert. Das Christentum ruft uns zum Glauben auf, aber er wächst aus der Zuversicht, dass es historische Völker und Ereignisse gab, von denen in der Bibel erzählt wird.

Es gibt Tausende von Manuskripten, Kunstwerken und Inschriften, die den Bericht in der Bibel bestätigen. In einem jüngsten Artikel diskutiert Dr. Paul L. Maier verschiedene archäologische Funde, die sich auf die Geschichtlichkeit der Bibel beziehen:
Die Existenz der Hethiter: Genesis 23 berichtet, dass Abraham Sarah in der Höhle Machpelah bestattete, die er von Ephron, dem Hethiter, kaufte. Der Zweite Samuel 11 erzählt von Davids Ehebruch mit Bathsheba, der Frau von Uria, dem Hethiter. Vor einem Jahrhundert waren die Hethiter außerhalb des Alten Testaments unbekannt und Kritiker behaupteten, dass sie eine reine Erfindung der biblischen Phantasie wären. 1906 gruben aber Ärchäologen östlich von Ankara, Türkei, und entdeckten die Ruinen Hattusas, der antiken Hethiter-Hauptstadt, die heute Boghazkoy heißt, und ebenso eine riesige Sammlung von hethitischen historischen Berichten, die ein Reich zeigten, das in der Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. blühte…

Die Merneptah-Stele. Eine siebenfuß-große Tafel, die mit Hieroglyphen graviert ist,… mit Prahlereien des ägyptischen Pharao über die Eroberung Libyiens und der Völker in Palästina, einschließlich den Israeliten: „Israel – seinen Samen gibt es nicht." Dies ist der früheste Hinweis auf Israel in nichtbiblischen Quellen und er zeigt, dass um 1230 v. Chr. die Hebräer schon im Verheißenen Land lebten.

Biblische Städte archäologisch bestätigt. Außer Jericho sind Orte wie Haran, Hazor, Dan, Megiddo, Shechem, Samaria, Shiloh, Gezer, Gibeah, Beth Shemesh, Beth Shean, Beersheba, Lachish und viele andere Städte ausgegraben worden, ziemlich entfernt von solch größeren und offensichtlichen Plätzen wie Jerusalem und Babylon. Solche geographischen Hinweise sind äußerst bedeutend, um zu zeigen, dass Tatsache und nicht Phantasie in den historischen Erzählungen des Alten Testaments deutlich wird;… Israels Feinde in der hebräischen Bibel sind ebenso nicht ausgedacht, sondern mit Sicherheit historisch… Solche präzisen städtischen Beweise passen gut zu den heiligen Büchern anderer Religionssysteme, wenn man sie mit den geographischen Orten vergleicht, die darin behauptet werden und die in der Realität keine Grundlage haben.

Shishaks Invasion Judas. Erste Könige 14 und 2. Chronker 12 erzählen von Pharao Shishaks Eroberung Judas im fünften Jahr der Regierung des Königs Rehabeam, der hirnlose Sohn Salomons, und wie Salomons Tempel in Jerusalem bei dieser Gelegenheit seiner Schätze beraubt wurde. An diesen Sieg wird auch auf hieroglyphischen Wandinschriften am Tempel Amons in Theben erinnert.

Der Moabiter-Stein. Zweite Könige 3 berichtet, dass Mesha, der König von Moab, gegen den König Israels rebellierte, der dem Tod Ahabs folgte. Ein dreifuß-hohe Steintafel, die auch Mesha-Stele genannt wird, bestätigt die Revolte, indem sie den Triumph über Ahabs Familie, ca. 850 v. Chr. verkündet, und dass Israel „für immer vernichtet" worden wäre. ("Archaeology—Biblical Ally or Adversary?" von Paul L. Maier, Ph.D., Professor für Antike Geschichte an der Western Michigan University, Christian Research Journal, Bd. 27, Nr. 2, S. 12-19)

Der Artikel diskutiert eine Reihe anderer Funde wie den Obelisken von Shalmaneser III., die Bestattungsgedenktafel von König Uzziah, Hezekiahs Siloam-Tunnel-Inschrift, den Sennacherib-Prisma und den Zylinder von Cyrus dem Großen. Diese alle beziehen sich auf biblische Aussagen.

Wir erkennen, dass der Mangel an Beweisen nicht dasselbe ist, wie das "Beweisen" von etwas, das nicht stattgefunden hatte. Man würde aber erwarten, dass die Buch-Mormon-Zivilisation eine ähnliche Menge an Kunstwerken, Städten und Manuskripten zurückgelassen hat, wie es für die Bibel gibt. Doch es ist nicht ein einziges Kunstwerk, Manuskript oder eine Inschrift in Amerika gefunden worden, um die israelitische Zivilisation des Buches Mormon zu untermauern.

Israelitische Identität

Eines der deutlichen Charakterzüge der Israeliten ist ihre entschiedene Bemühung gewesen, von anderen Gruppen getrennt zu bleiben. Trotz ihrer Minderheit in jedem Gebiet, in dem sie lebten, haben sie es geschafft, ihre Identität zu bewahren. Simon Southerton, der Hauptvorbehalte gegenüber der Bibel hat, erkennt an, dass es Beweise für die Existenz Israels vor 3.000 Jahren gibt:
Die Israeliten betraten Kanaan ungefähr 1250 v. Chr. und siedelten sich in den Hügeln südlich an. Nachdem sie mit den Philistern und den einheimischen Kanaanitern unter der Führerschaft König Davids im Jahr 1000 v. Chr. gestritten hatten, wurde Kanaan als das Land Israel bekannt und die Israeliten führen ihre Spuren kulturell und genetisch auf das Volk zurück, das diese kleine geographische Region vor schätzungsweise 3000 Jahren belagerte… Blutsverwandtschaften verbinden die Nationen und ethnischen Gruppen miteinander, die in dichter Nachbarschaft zum modernen Israel leben… Ganz anders als die Juden [die über Europa verstreut waren], sind nahöstliche Populationen die letzten dreitausend Jahre in Palästina geblieben und das Wissen über ihre genetische Beschaffenheit hilft, Licht in die genetische Beschaffenheit der Israeliten zu bringen…

Unterstellt man den Juden eine tiefe geistige Verbindung zu Palästina, ist es irgendwie ironisch, dass sie die meiste Zeit ihrer Geschichte im Exil verbracht haben. Von den geschätzten 14 Millionen Juden, die heute leben, stammen die meisten von zwei ethnischen Gruppen ab, die man als Ashkenazim und Sephardim kennt, unterschieden durch die ihre jüngsten Orte des Exils. Ashkenazische Juden,… haben Jahrhunderte lang in Nordosteuropa gelebt,… sephardische Juden… lebten früher um das Mittelmeer herum, hauptsächlich in Spanien… Die meisten sephardischen Juden teilen sich das heutige Israel mit einer ähnlichen Anzahl von Ashkenazim.

…Die Juden sind mit anderen semitischen Populationen näher verwandt als mit Europäern oder den weiter entfernten afrikanischen Populationen. Aber irgendwie unerwartet sind ashkenazische und sephardische Juden miteinander näher verwandt als mit Gruppen in benachbarten semitischen Gemeinschaften… Trotz ihrer verzweifelten Geschichte haben beide jüdische Gemeinschaften einen hohen Grad der Isolation von umgebenden fremden Populationen aufrechterhalten…

Deutlich repräsentieren nahöstliche Populationen Zweige des europäischen Astes des menschlichen Familienstammbaums. In einigen Fällen ist es möglich, zwischen israelitischen und europäischen Linien zu unterscheiden und somit israelitische Abstammung von europäischer Abstammung zu unterscheiden. Das Y-Chromosom ist für diese Art von Forschung besonders geeignet, weil es mit Information vollgepackt ist, die angezapft werden kann, um israelisch-spezifische DNA-Linien zu identifizieren. Eine bemerkenswerte Demonstration dieser Eignung ergibt sich aus der Arbeit unter Juden, die traditionsmäßig ihre Abstammung auf den alten Patriarchen Moses zurückführen. (Losing a Lost Tribe, S. 121-125)

 

Southerton erörtert dann die Nachkommen von Aaron und Levi:
Dem biblischen Bericht entsprechend stiftete Moses nach dem Exodus aus Ägypten schätzungsweise im Jahr 1500 v. Chr. eine wichtige patriarchalische Tradition unter dem Stamm Levi, als er die männlichen Nachkommen seines Bruders Aaron als Priester einsetzte… Juden, die diese Verantwortung geerbt haben, kennt man als Cohanim oder Cohen-Juden…

Die strenge Vererbung der priesterlichen Verantwortung vom Vater auf den Sohn, die die Erbschaft des Y-Chromosoms nachahmt, lässt eine interessante Frage aufkommen. Gibt es eine einheitliche Y-Chromosom-Linie unter den Cohens, die die 120, oder so, Generationen überlebt haben könnten?...

Auf Grund von Unteruchungen jüdischer Grabsteine gehören ungefähr 5 Prozent der männlichen Juden in der ganzen Welt zu diesem priesterlichen Stamm… Skorecki [Leiter der Molekular-Medizin im Rambam-Hospital in Haifa, Israel] und seine Kollegen testeten Cohanim, Leviten, und Israeli-Juden des ashkenazischen und sephardischen Ursprungs auf eine Kette von einheitlicher DNA-Veränderungen ihrer Y-Chromosome. Bemerkenswerterweise fanden sie heraus, dass ungefähr 50 Prozent der Cohens in beiden ethnischen Gruppen tatsächlich identische Y-Chromosomen besaßen. Dieser molekulare Familienname wurde in 15 Prozent der Israeli-Juden und 5 Prozent der Leviten gefunden, aber er war im Wesentlichen bei nichtjüdischen semitischen Populationen nicht vorhanden… [Eine] Möglichkeit besteht darin, dass die Cohen-Linie das Y-Chromosom des genealogischen Vaters aller Israeliten ist, Abraham, der, so wie es verstanden wird, ungefähr 500 Jahre früher als Aaron lebte. Die Forschung zeigt schlussfolgernd, dass der Anfang des jüdischen Priestertums vor der Teilung des Weltjudentums in ashkenazische und sephardische ethnische Gruppen vor 1.000 Jahren stattfand.

Skoreckis Team fand weitere interessante Beweise, dass das Cohen-Y-Chromosom zu Aaron gehört haben kann… Da die Höchstrate der Mutation des Y-Chromosoms bekannt ist, war es möglich die Zeit zu schätzen, wann das ursprüngliche vorväterliche Cohen-Y-Chromosom in einer einzigen Person existierte. Man hat dies auf höchstens vor 3000 Jahren berechnet, ein Datum, das sehr gut mit dem biblischen Bericht von Moses und Aaron übereinstimmt, die ungefähr vor 3.300 Jahren lebten. (Losing a Lost Tribe, S. 125-127)

 

Der Lemba-Stamm

Simon Southerton erzählt vom Lemba-Volk, einem Stamm im südlichen Afrika, das Jahrhunderte lang behauptete, dass sie von Juden abstammten.
Der Lemba-Anspruch auf jüdische Vorfahren basierte auf kärglichen Beweisen, aber schloss Stammesbräuche wie Beschneidung, Nahrungsmittel-Tabus und den Gebrauch von biblischen Namen ein. Oberflächlich betrachtet könnten ihre Bräuche judäisch sein oder von muslimen oder afghanischen Kulturen hergeleitet sein…

Im Licht dieser Entdeckungen entschieden sich die Gelehrten, nachzuschauen, ob es tatsächlich eine jüdische Präsenz in den väterlichen Genealogien der Lemba gab, indem sie Lemba-, Bantu- und semitische Y-Chromosomen miteinander verglichen… Man hatte entdeckt, dass ein überraschend hoher Anteil des Lemba-Y-Chromosoms semitische Ursprünge hat. Ungefähr 70 Prozent der Lemba-Y-Chromosome sind semitisch und die restlichen 30 Prozent sind unter den umgebenden Bantu-Populationen üblich. Ungefähr eine von zehn Lemba-Linien erwies sich als tatsächlich identisch mit der väterlichen Cohen-Linie – ein mächtiger Beweis, dass die mündliche Lemba-Tradition eher auf historischen Fakten als auf einen Mythos beruhte. (Losing a Lost Tribe, S. 127-128)

 

Die Lemba-DNA-Studie wurde auch in Science erwähnt. Von besonderem Interesse ist die Tatsache, dass die Bootsladung jüdischer Männer im selben Zeitrahmen nach Afrika auswanderte wie die Lehiten, die im Buch Mormon angeblich nach Amerika kamen. Doch die Lemba-DNA kann immer noch auf die Israeliten zurückgeführt werden:
Genetische Beweise unterstützen auch die mündliche Überlieferung, dass die Lemba, die nun ein Bantu-sprechendes Volk sind, von den Juden herkamen, die aus dem Nahen Osten vor 2700 Jahren nach Jemen auswanderten und von Jemen vor 2400 bis 2000 Jahren ins südliche Afrika kamen. Mehr als 50% der Lemba-Y-Chromosomen tragen Haplotypen, die unter jüdischen Populationen gewöhnlich sind, aber bei ihren afrikanischen Nachbarn fehlen. Genetische Analysen haben ebenfalls die Verschiedenheit der Cohanim oder des traditionellen jüdischen Priestertums bestätigt. ("Genomic Views of Human History," von K. Owens. und M. King, Science, 1999, 286:451-453)

Wenn DNA untermauern kann, dass die Lemba von einer Bootsladung Israeliten vor 2400 bis 2000 Jahren abstammten, wo ist der DNA-Beweis, dass Israeliten in Mittelamerika während derselben Zeitperiode lebten?

Der HLT-Wissenschaftler Trent Stephens nimmt an, dass die DNA von der kleinen Anzahl der Buch-Mormon-Israeliten durch die Jahre verloren gegangen wäre. Er schlussfolgert,
dass die nahöstliche Kolonisation in Amerika verglichen mit der übrigen Population sehr klein gewesen sein könnte und als Ergebnis zweier Haupt-Flaschenhals-Ereignisse ist kein genetischer Beweis eines nahöstlichen Ursprungs in der noch vorhandenen Bevölkerung vorhanden, auch wird ein solcher Beweis wahrscheinlich nicht hervorkommen…

An Hand der signifikanten Anzahl von Studien, die schon in Bezug auf die genetischen Profile der noch vorhandenen uramerikanischen Bevölkerung durchgeführt worden sind, scheint es nicht wahrscheinlich, dass zusätzliche Studien dieser Art neue Daten präsentieren werden, die sich deutlich von den schon gemachten unterscheiden. ("Now What?," von Trent D. Stephens, Sunstone, März 2004, S. 27)

Simon Southerton kommentierte über dieses Problem:
Whiting schlägt vor, dass ein weiteres Hindernis bei der Auffindung von lamanitischen Linien unter den Ureinwohnern Amerikas aus der Unsicherheit darüber entsteht, wo die Lamaniten gelebt haben oder ihre Nachkommen sein könnten… Da der Haupt-Geographie-Apologet Sorenson und zahlreiche andere Mittelamerika als den einzigen Kandidaten für das Territorium, das im Buch Mormon beschrieben wird, identifizierten, wäre es vernünftig, die Forschung zu untersuchen, die unter den eingeborenen Stämmen in dieser Region vorgenommen wurde.

Tatsächlich ähneln die DNA-Linien von Mittelamerika denen anderer amerikanischer Eingeborenenstämme auf den gesamten beiden Kontinenten. Über 99 Prozent der Linien, die unter den Eingeborenengruppen in dieser Region gefunden wurden, sind deutlich asiatischer Herkunft. Moderne und antike DNA-Proben, die unter den Maya getestet wurden, fallen im Allgemeinen in die Hauptklassen der Grund-Abstammungslinien… Das Maya-Reich ist von Mormonen als das betrachtet worden, das dem Volk des Buches Mormon am nächsten kommt, weil sein Volk buchstäblich und kulturell hoch entwickelt war. Führende Neue-Welt-Anthropologen, einschließlich denjenigen, die sich auf diese Region spezialisiert haben, haben aber herausgefunden, dass die Maya mit Asiaten ähnlich verwandt sind. (Losing a Lost Tribe, S. 190-191)

 

Southerton fährt fort und diskutiert die Tests, die an alten Maya-Skeletten, die vor 500-2500 Jahren bestattet wurden, vorgenommen wurden. Kein Beweis weist auf hebräische Ursprünge hin. Die Forschung zeigt denselben Typ asiatischer Vorfahren, den man überall in Amerika findet.

Phönizische DNA gefunden

Ein weiteres Beispiel für die Anwendung der DNA findet man in der National Geographic vom Oktober 2004. Rick Gore diskutiert in dem Artikel "Who Were the Phoenicians?" die Forschung nach Nachkommen der Phönizier durch Anwendung von DNA. Gore erzählt, dass die Phönizier vom neunten bis zum sechsten Jahrhundert v. Chr. „im Mittelmeer vorherrschten", aber jetzt „eine verschwundene Zivilisation" sind. Während der Höhe ihres Triumphes verstreuten sich die Phönizier rings um die Küstengebiete. Gore erklärt, dass die Wissenschaftler, nachdem sie Tausende von DNA-Proben gesammelt hatten, in der Lage wären, zu folgern, dass „sich das moderne libanesische Volk eine genetische Identität teilt, die Tausende von Jahren" zu den Phöniziern zurückreicht. ("Who Were the Phoenicians?" von Rick Gore, National Geographic, Oktober 2004, S. 34-49)

Wenn tatsächlich Israeliten 600 v. Chr. in Amerika ankamen, würde man denken, dass Wissenschaftler sie identifizieren könnten, so wie sie die Phönizier identifiziert haben. Die Titelseite des Buches Mormon erklärt, dass der Bericht besonders „an die Lamaniten geschrieben wurde, die ein Überrest des Hauses Israel sind", um sie zu einer Kenntnis von Christus zu bringen. Wenn die Lamaniten nicht identifiziert werden können, wie soll man die Botschaft zu ihnen bringen? Es scheint, als wäre die Verheißung des Herrn im Buch Mormon fehlgeschlagen.
Und sehet, wie groß sind die Bündnisse des Herrn, und wie groß ist seine Herablassung zu den Menschenkindern; und wegen seiner Größe, Gnade und Barmherzigkeit hat er uns versprochen, dass unsre Nachkommen nicht gänzlich nach dem Fleisch zerstört werden sollen, sondern dass er sie erhalten wird; und in zukünftigen Geschlechtern sollen sie ein rechtschaffener Zweig des Hauses Israel werden. (2. Nephi 9:53)

Die HLT-Wissenschaftler sind nicht in der Lage, eine einzige Person zu identifizieren, die zu den „Nachkommen" Lehis „nach dem Fleisch" gehört. HLT-Gelehrte geben zu, dass die DNA der amerikanischen Indianer zeigt, dass 99,6% von sibirischen Vorfahren stammt und dass es einen Mangel an DNA-Beweisen für Israeliten in Amerika vor Kolumbus gibt. Die HLT-Kirche sollte öffentlich ihrem Volk erklären, dass amerikanische Indianer keine buchstäblichen Nachkommen Lehis oder Israels sind.

Es tut uns Leid, Sie sind kein Lamanite

Das HLT-Handbuch „Evangeliumsgrundsätze" von 1997 verkündet:
Große Zahlen von Lamaniten in Nord- und Südamerika und im Südpazifik empfangen jetzt die Segnungen des Evangeliums. (Gospel Principles, Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, 1997, S. 268)

 

HLT-Missionare in ganz Nord- und Südamerika präsentieren das Buch Mormon den Ureinwohnern Amerikas mit der Behauptung, dass es der religiöse Bericht ihrer Vorväter ist. Mit schätzungsweise 5 Millionen Mitgliedern in Mittel- und Südamerika und den Pazifischen Inseln sieht sich die Kirche einem Problem gegenüber. Offensichtlich nehmen viele dieser Menschen an, dass sie direkte Nachkommen von Lehi sind. Simon Southerton schrieb:
Einhundertsiebzig Jahre lang nach seiner Veröffentlichung ist das Buch Mormon immer noch der Mittelpunkt im sich entfaltenden Drama des Mormonismus. Als direkte Folge dieses Buches betrachten die meisten uramerikanischen Heiligen der Letzten Tage in ganz Amerika den Israeliten Lehi als ihren Blutsverwandten. In Predigten, Gebeten, Magazinen, Unterrichtshandbüchern und Büchern haben Führer wiederholt über das lamanitische Geburtsrecht der Ureinwohner gesprochen. Mit voller prophetischer Unterstützung hat sich die moderne Lamanitenfamilie ausgeweitet, um nicht nur die Ureinwohner Amerikas einzuschließen, sondern auch die Polynesier… (Losing a Lost Tribe, S. 37)

 

Der anonyme Autor des Artikels " Reframing the Book of Mormon" bemerkte:
Während das Paradigma der eingeschränkten Geographie, des eingeschränkten Volkes sichtbarer wird, suchen gläubige Mitglieder nach Führung. In der Diskussionsperiode die auf einer Präsentation an der BYU im Januar 2003 folgte, fasste ein junger peruanischer Student das Dilemma zusammen. Er erzählte der Zuhörerschaft und den Diskussionsteilnehmern, wie er in dem Glauben aufwuchs, dass er ein Lamanite wäre, und nun fühlte er sich "von der Überraschung, die von der Wissenschaft kam, überwältigt… Wir wissen nicht, wo sich das Buch Mormon abspielte. Wie wissen nicht, wo die Lamaniten sind. Wenn wir nicht wissen, wo die Lamaniten sind, wie kann das Buch Mormon verheißen, sie zurückzubringen? Es ist eine Identitätskrise für viele von uns, das [muss] man verstehen". ("Reframing the Book of Mormon," Sunstone, März 2004, S. 19)

Offensichtlich wurde derselbe peruanische Student für einen Artikel in den Seattle Times interviewt. Die Reporterin Patty Henetz schrieb:
Während sich die Arbeit der BYU-Gelehrten hauptsächlich auf intellektuelle Kreise beschränkt, erleiden einige Kirchenmitglieder, die sich immer mit den Mormonenlehren über das Volk, das man als Lamaniten kennt, identifiziert hatten, eine Krise.

"Es ist sehr schwierig. Es ist fast traumatisierend." sagte Jose Aloayza, ein Jurist in Midvale, Utah, und peruanischer Ureinwohner, der das Sich-Gegenübersehen dieser neuen Realität mit dem Starren in einen geistigen Abgrund verglich. „Es ist so ernst, so real. Ich habe hier fast das Gefühl, dass ich eine Rechtfertigung benötige. Unsere Propheten sollten es besser wissen. Das ist das Gefühl, das ich bekomme." ("DNA Results Challenge Core Mormon Beliefs," Local News, Seattle Times, 14. Aug. 2004)

Wenn die Indianer Nord- und Südamerikas asiatischer Herkunft sind, warum erzählen die HLT-Propheten, Apostel und Missionare ihnen weiterhin, dass sie von Vater Lehi abstammen?

Während sich mehr und mehr amerikanische Indianer, die annehmen, dass sie buchstäbliche Nachkommen Lehis sind, der veränderlichen Position der Kirche bewusst werden, könnte es zu wachsendem Missmut in den Rängen führen. Simon Southerton bemerkte:
Es scheint, dass unter den Hindernissen, denen sich die Kirche gegenüber sieht, der wirkliche Stolperstein nicht das Fehlschlagen des Auffindens von Beweisen für Pferde, Metallurgie oder das Rad in der Neuen Welt ist, oder die Tatsache, dass es keinen Beweis für einen hebräischen Einfluss in Mittelamerika gibt, oder das Übergewicht von asiatischer DNA unter den lebenden Ureinwohnern Amerikas und den Polynesiern. Die wirkliche Herausforderung kommt von einem Versagen, den Beweisen offen gegenüber zu treten und zu erklären, was es für die Kirche bedeutet, genauso wie ein Versagen sich den Apologeten anzupassen, die sich selbst von der Beharrlichkeit der Kirche eingeschlossen fühlen, dass Mitglieder Grundsätze glauben, die deutlich unwahr sind… Die Theorien der Apologeten in Bezug auf eine minderheitliche Lehitenkolonie, die in einer irgendwie unbekannten Ecke existierten und keine dauerhafte Einwirkung auf Amerika hatten, sind für Mainstream-Wissenschaftler gleichermaßen unbefriedigend. Orthodoxe Mormonen können sich eine solche Neuauslegung des Buches Mormon nicht vorstellen, und deshalb zögern die gegenwärtigen Propheten, das Problem öffentlich anzusprechen…

Die Brüder erkennen ohne Zweifel, dass das Ändern der Art und Weise wie Mormonen über das Buch Mormon denken, eine Spaltung und Unruhe und das Risiko herbeiführen würde, die Grundlage dessen zu untergraben, worauf viele Menschen ihre Überzeugungen gebaut haben… Millionen Mitglieder fühlen eine Familienbande mit Vater Lehi, eine Emotion, die ständig eine zentrale Rolle bei der Bekehrung der Menschen zur Kirche spielt. Die Generalautoritäten sind sich bewusst, wie tiefsitzend und entscheidend diese Gefühle beim Prozess der Bekehrung und dem Dabeibleiben sind. (Losing a Lost Tribe, S. 206)

 

Werden die HLT-Führer jemals öffentlich erklären, dass die Hauptvorfahren der Ureinwohner Amerikas eher von Asien als von Jerusalem kamen? Werden sie klären, wer ein Lamanite ist? Wird der Prophet jemals die Örtlichkeit der Buch-Mormon-Länder bekannt geben? Werden HLT-Missionare damit aufhören, dem potentiellen uramerikanischen Bekehrten zu sagen, dass das Buch Mormon ein Bericht seiner Vorfahren ist? Können diese Fragen gelöst werden, ohne dem Kirchenwachstum großen Schaden zuzufügen? Die Antwort auf all diese Fragen lautet wahrscheinlich: „Nein".

Es ist für HLT-Führer Zeit, diesen Fragen ins Gesicht zu sehen. Einige haben vorgeschlagen, dass die Kirche die historischen Ansprüche des Buches Mormon fallen lassen und es als eine inspirierte Allegorie ansehen sollte. Trotzdem ist es aber nicht glaubenswert. Thomas Murphey bemerkte:
Als Mormonen haben wir eine moralische und ethische Verpflichtung, diese Sichtweise von den Ursprüngen der Uramerikaner fortzusetzen und die anstößige Lehre, dass eine dunkle Haut ein körperliches Merkmal für einen Fluch Gottes ist, öffentlich nicht gut zu heißen. ("Lamanite Genesis, Genealogy, und Genetics," von Thomas W. Murphy, American Apocrypha: Essays on the Book of Mormon, Signature Books, 2002, S. 68)

Das Buch Mormon ist zusammen mit seinen rassistischen Lehren ein Produkt des neunzehnten Jahrhunderts und kein historischer Bericht vom Umgang Gottes mit israelitischen Auswanderern nach Amerika. Weitere Informationen über HLT-Einstellungen gegenüber den Uramerikanern finden Sie in Armand Mauss’ Buch All Abraham's Children.

Denjenigen, die mehr Information über das Thema DNA wünschen, empfehlen wir Simon Southertons neues Buch Losing a Lost Tribe: Native Americans, DNA, and the Mormon Church, und den Film DNA vs. The Book of Mormon.