Die Lehre und Bündnisse - RLDS

Diese kleine Broschüre wurde von der Reorganisierten Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage wahrscheinlich Ende der 1970er Jahre herausgegeben und erklärt, was es mit dem Buch Lehre und Bündnisse auf sich hat.

Auf der Weltkonferenz 2000 wurde die Aufnahme eines 161. Abschnitts in das Offenbarungsbuch der Gemeinschaft Christi beschlossen. Einen schnellen geschichtlichen Überblick vermittelt insbesondere der Abschnitt „Verschiedene Ausgaben“.

Die Lehre und Bündnisse

Ein wirksames Kennzeichen der Mitglieder der Reorganisierten Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage ist ihre feste Überzeugung, daß Gott ihre Pilgerfahrt führt. Vom Anfang der Wiederherstellungsbewegung an erwarteten die frühen bzw. ersten Mitglieder auf Grund ihres Zeugnisses in der Bibel, daß sie Gott führen würde, indem sie versuchten den göttlichen Willen zu vollziehen. Ihr tägliches Erlebnis fand mit dem lebenden Gott statt, der die Initiative ergriff, ihr Schicksal zu seiner eigenen Zeit zu leiten. Sie waren fest davon überzeugt, daß Gott ihren jungen Propheten, Joseph Smith jr., inspirierte, Botschaften von Bedeutung und Hoffnung für ihre Führung niederzuschreiben.

Diese inspirierten Botschaften sind für unseren heutigen Dienst immer noch bedeutsam und anwendbar.

Das Veröffentlichen von inspirierten Botschaften

Als diese Botschaften durch Joseph Smith kamen, wurden sie von Schreibern aufgeschrieben. Schließlich traf man in der Kirche die Entscheidung, sie in der Form eines Buches zu veröffentlichen. Mitten in diesem Versuch, die Botschaften zu veröffentlichen, wurden die Presse und die Druckerei der Kirche im Juli des Jahres 1833 in Independence, Missouri, von einem gesetzlosen Pöbelhaufen zerstört. Vierzehn Monate danach wurde Joseph Smith der Jüngere in Kirtland, Ohio, zum Vorsitzenden eines Ausschusses ernannt, der die ursprüngliche Aufgabe zuerst beenden und dann erweitern sollte, die durch die Tat des Pöbelhaufens im vorhergegangenen Jahre aufgehalten wurde. Das Ergebnis ihrer Arbeit hieß das Buch der Lehre und Bündnisse. Am 17. August 1835 wurde während einer allgemeinen Sitzung der Kirche zu Kirtland einstimmig beschlossen, das Buch Lehre und Bündnisse als ein Standardwerk der inspirierten Schrift für die Kirche anzunehmen. In dieser ursprünglichen Ausgabe waren über hundert inspirierte Dokumente vom Propheten Joseph Smith enthalten.

Durch allgemeine Zustimmung

Die Tatsache, daß die Mitglieder der Kirche die Gelegenheit hatten, diese Dokumente als echte inspirierte Botschaften entweder abzulehnen oder anzunehmen, veranschaulicht einen wichtigen Teil des Erbes der Wiederherstellungsbewegung. Die Kirche glaubt, daß Christus der Führer der Kirche ist und daß der Wille Gottes für die Kirche dem Propheten der Kirche durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes fortwährend offenbart werden wird. Die Kirche glaubt aber auch, daß die Erleuchtung von jeder einzelnen Person (auch die Erleuchtung des Propheten) unter Heranziehung von der gesamten Erleuchtung der Mitgliedschaft der Kirche geprüft werden muß. Diese Methode, indem man die theokratische Herrschaft mit dem demokratischen Entscheiden vervollständigt, hat die ideale Handlungsweise innerhalb der Kirchengemeinschaft bis zum heutigen Tage gekennzeichnet. In der Sprache des Buches der Lehre und Bündnisse selbst heißt es, daß „... alles in dieser Kirche ... durch Einmütigkeit und Ordnung, durch das Gebet im Glauben geschehen (muß)“ L.u.B. 27, 4c.

Verschiedene Ausgaben

Von 1835 bis 1844 diente die erste Ausgabe des Buches der Lehre und Bündnisse der jungen Kirche gut, wenn man auch schon bis 1841 eingesehen hatte, daß man eine zweite Ausgabe brauchte. Von der Zeit an bis einige Monate nach dem vorzeitigen Tode von Joseph Smith im Jahre 1844 machte man Ausarbeitungen bzw. traf Vorbereitungen für die zweite Ausgabe. Die Ausgabe von 1844 enthielt sieben weitere Abschnitte. 1845 und wiederum 1846 druckte man in Nauvoo, Illinois, neue Auflagen.

Die Reorganisierte Kirche verwendete eine der Nauvoo-Auflagen bis 1864, als ihre eigene Auflage veröffentlicht wurde. Zwischen 1861 und 1873 kamen mehrere inspirierte Botschaften an die Kirche durch Joseph Smith III., der der Sohn von Joseph Smith jr. und auch der Prophet und Präsident der Reorganisierten Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage war. Vier von diesen Botschaften wurden durch Genehmigung der Generalkonferenz von 1878 in das Buch der Lehre und Bündnisse aufgenommen.

Seit der Zeit hat die Reorganisierte Kirche ihr Buch der Lehre und Bündnisse systematisch erweitert, indem man inspirierte Dokumente, die den Generalkonferenzen von aufeinanderfolgenden Propheten-Präsidenten vorgelegt worden sind, geprüft und angenommen hat. Diese inspirierten Dokumente werden in dem Sinne von der Kirche angenommen, daß sie den göttlichen Willen für die ganze Kirche verkörpern sollen. Wenn sie aufgenommen werden, wird jedes dieser Dokumente nacheinander als ein Einzelabschnitt numeriert. Das gegenwärtige Buch der Lehre und Bündnisse enthält mehr als 150 Abschnitte.

Wert für Heute

Um etwas von den wertvollen Bedeutungen zu zeigen, die das Buch der Lehre und Bündnisse für die Kirche enthält, erscheinen nachfolgend mehrere Auszüge aus dem Buch, zusammen mit einem kurzen Kommentar über jeden aufgeführten Auszug. Von den vielen, die man erwähnen könnte, sind hier acht davon:

Es ist mein Werk und mein Ruhm, die Unsterblichkeit und das ewige Leben für den Menschen herbeizuführen.“ (Joseph Smith jr., 1830, Abschnitt 22, 23b)

Es läßt sich hier das theologische Prinzip erkennen, daß Gott sowohl liebend, als auch ein persönlicher Gott ist, d. h., daß Gott sich erlösend auf Personen zugunsten ihrer ewigen Ganzheit im Weltall bezieht.
Der Wert der Seelen ist groß vor Gott.“ (Joseph Smith jr., 1830, Abschnitt 16, 3c)

Ein Hauptauftrag der Kirche ist es, diese Wahrheit in allen ihrer Tätigkeiten, Formen und Verhalten zum Ausdruck zu bringen. Wenn das geschieht, gewinnt jede Person, die Kontakt mit der Kirche hat, eine tiefe Erkenntnis von ihrem eigentlichen Wert in den Augen Gottes in bezug auf die Gemeinschaft des Glaubens.
(Du) sollst ... zum Hause des Gebets gehen und an meinem heiligen Tage deine Abendmahlsopfer darbringen ... Jedoch sollen deine Gebete in Rechtschaffenheit an allen Tagen und zu jeder Zeit dargebracht werden.“ (Joseph Smith jr., 1831, Abschnitt 59, 2f, g)

Diese Worte erlegen eine wohltuende Einstellung in bezug auf den Tag des Herrn auf, fordern Jünger aber auch auf, eine andächtige Geistesverfassung zu jeder Zeit zu haben. Die Worte bejahen die Heiligkeit vom ganzen Leben und von der ganzen Zeit im Auge Gottes zugunsten der ganzen Schöpfung.
Alle sind nach den Gaben Gottes, die an sie gegeben wurden, berufen.“ (Joseph Smith III., 1887, Abschnitt 119, 8b)

Diese Zeile kommt aus einer Zeit von „Wachstumsschmerzen“ in der Kirche, und weist auf eine Wahrheit hin, die bis auf den heutigen Tag die Findigkeit und Anpassungsfähigkeit der Kirche in Anspruch genommen hat: Jede Person wird dazu berufen, nach seiner oder ihrer von Gott gegebenen Gaben, einen einmaligen unwiederholbaren Eindruck auf das Leben der Kirche zu machen. Solche Unterweisung erweitert fortwährend das Sehvermögen der Kirche und auch ihr Sehen nach neuen Ausdrücken des „persönlichen Begabtseins“.
Die Zeiten (sind) unheilvoll ... und (verlangen) getreues Festhalten am Glauben und dem Werke der Kirche ..., auf daß die Menschheit gesegnet werden, und in den religiös-sozialen Reformen und Beziehungen Frieden finde, die von Gott als große Aufgabe gesetzt worden sind.“ (Frederick M. Smith, 1938, Abschnitt 137, 6a)

Hier ist der immer neue Auftrag an die Kirche, der Welt durch das Mittel von gesellschaftlichen Neugestaltungen und von versöhnenden Beziehungen ein Diener zu sein. Im Einklang mit ihrem historischen Ideal des Gemeindeaufbauens wird die Kirche von dieser Anweisung dazu berufen, hinausreichende Dienste als Prüfstein von Gemeindeaufbauten hervorzubringen.
... Vereinte Verantwortlichkeit (ruht auf allen) ... Richtig und gleichmäßig verteilt wird diese Verantwortung Erfolg verheißen. Das Ziel wird herrlich sein, und alle werden an dieser Herrlichkeit teilhaben.“ (Israel A. Smith, 1948, Abschnitt 141, 8 )

Diese klare Berufung zu vereinter Jüngerschaft befreit die Kirche von der Täuschung, daß der Hauptschlüssel zur Erfüllung ihres Auftrags die Tätigkeit der Leitung sei.
Das Verwalteramt ist die Antwort meines Volkes auf die Sendung meines Sohnes. Sie wird im gleichen Maße von allen denen verlangt, die danach trachten, das Reich aufzubauen ... Das Unterdrücken unnötiger Wünsche steht im Einklang mit dem Gesetz der Verwaltung und schickt sich für mein Volk.“ (W. Wallace Smith, 1964, Abschnitt 147,5)

Dieser Abschnitt erweitert das Verwalteramt über den oft erwähnten finanziellen Bereich hinaus und schließt unser ganzes Leben, alles, was wir haben und was wir sind, ein. Es ist ein Ganzes – unsere Erwiderung auf den Dienst der Liebe von Christo. Der letzte Abschnitt ist vielleicht heute aktueller als je zuvor. In der Westkultur, wo wirtschaftliche Beständigkeit und Maßnahmen von Erfolg darauf basieren, daß Menschen mehr kaufen, mehr brauchen und mehr herstellen, und wo der Wert des einzelnen Menschen davon abhängig wird, was man herstellen und aufbrauchen kann, beruft uns Gott dazu nach dem Gesetz des Verwalteramtes unnötige Wünsche zum Besten von allen zu unterdrücken.
Die Leben Vieler wurden unnötig auf den Altären des Krieges, der Habsucht und der Begierden hingeopfert. Das Land wird durch gedankenlose Verschwendung lebenswichtiger Hilfsquellen geschändet. Ihr müßt meinen Geboten gehorchen und in den vordersten Reihe derer stehen, die dieser nutzlosen Vergeudung wehren, solange es noch Zeit ist.“ (W. Wallace Smith, 1972, Abschnitt 150, 7)

Die Kirche wird dazu berufen, auf zeitgenössische Umweltprobleme und das schreckliche Leiden, welches von menschlicher Habgier und von Kriegen verursacht wird, zu erwidern, indem sie einzeln und vereint mit anderen zusammenarbeitet, die versuchen, diese tragischen Zustände, die das menschliche Überleben bedrohen, zu verbessern. Darunter versteht die Kirche eine enge Beziehung zwischen ihr und der Welt, in die Gott die Kirche schickt, um zu dienen.

Das Buch der Lehre und Bündnisse ist eines der bedeutungsvollsten Hilfsquellen, welches die Kirche während dieser unsicheren Zeiten benötigt. Der reiche und mannigfaltige Rat des Buches ist nicht nur eine Hauptseite der Kirchengeschichte, sondern eher ein Licht, das ihren Weg aufhellt, während sie auf der Erde auf der endlosen Suche nach Methoden und Gelegenheiten sich bemüht die Liebe, die Gott für die Welt hat, zu zeigen.