"Ein Exorzismus wird in der Schweiz nur selten durchgeführt"

Das Thema Exorzismus sorgt weiterhin für Gesprächsstoff. In der Talk-Sendung «Club» auf SF 1 diskutierte Moderatorin Christine Meier unter anderem mit dem Churer Bischofsvikar Christoph Casetti und dem Psychiater Daniel Hell über Teufelsaustreibungen.

Casetti betonte dabei, dass in der Schweiz heute nur selten ein Exorzismus durchgeführt werde und auch in sehr wenigen Fällen von einer Besessenheit gesprochen werden könne. Talk-Gast Heike K. schilderte den Exorzismus als eine befreiende Erfahrung, die sie Gott näher gebracht habe.

Gibt es wirklich Menschen, die vom Teufel besessen sind? Heike K. beantwortet die Frage im «Club» mit einem überzeugten Ja. An der 22-jährigen Deutschen, die ihre Identität in der Sendung nicht preisgeben wollte, wurde kürzlich auf eigenen Wunsch im Bistum Basel ein Exorzismus durchgeführt. Im «Club» betonte sie, dass sie den Exorzismus als befreiend empfunden habe. Sie sei dadurch Gott näher gekommen. Rund um den Exorzismus würden sich verschiedene falsche Klischees ranken: Ein Exorzismus sei ein intensives Gebet, habe aber nichts mit den Szenen eines Hollywoodfilms zu tun. Aus den Aussagen der 22-Jährigen ist zu entnehmen, dass sie gegenüber der Psychiatrie eher skeptisch eingestellt ist. Sie betont, dass sie nicht «verrückt» sei. Auch Bischofsvikar Christoph Casetti versuchte aufzuzeigen, dass ein Exorzismus befreiende Wirkung haben kann. Er ist überzeugt, dass der Teufel vom Menschen Besitz ergreifen kann. Gleichzeitig räumte er aber ein, dass eine Besessenheit sehr selten sei.

Projektionen als Ursache

Für Religionswissenschaftler Georg Otto Schmid steht nicht der Teufel hinter Besessenheitserfahrungen. Es handle sich um persönliche Projektionen. Indem man das Böse verantwortlich mache, finde man eine «Sprache für das Unaussprechliche». Dies habe sich auch im mehrfach verfilmten Fall der Deutschen Anneliese Michel («Requiem») beobachten lassen. Dort hätten die Dämonen unter anderem gegen die kath. Kirche und die Schule gewettert – alles Bereiche, bei denen es für die junge Frau tabu war, sich kritisch zu äussern.

Quelle: Katholischer Mediendienst

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