Spielfilm über Joseph Smith

Artikel aus dem Salt Lake City Messenger Nr. 106, Mai 2006 http://www.utlm.org, übersetzt von Manfred Trzoska

Ein Geschichtsbericht oder Propaganda?

Als wir die Straße überquerten, war es ein düsterer, bewölkter Tag in Salt Lake City, aber einmal innerhalb des Joseph Smith Memorial Building, gab es überall gütig lächelnde Missionare.

Als wir den Wartebereich für den sorgfältig ausgearbeiteten neuen HLT-Film Joseph Smith: Prophet der Wiederherstellung betraten, war der erste Hinweis, dass der Film half, einen emotionalen Erguss über die Porträtierung Smiths als einen heiligen Märtyrer hervorzulocken, die Anzahl der Missionare, die herumstanden und Tücher an jeden verteilten, der das Theater betrat. Nach dem Film kommentierte ein Mormone:

Da ich ein HLT bin und Joseph als Propheten ansehe, war ich an mehreren Stellen berührt und einige Male kamen mir die Tränen … was, wie ich vermute, erwartet wird, da sie VOR Beginn des Films Tücher verteilten! (http://www.imdb.com/title/tt0431170/)

Der Film wurde im Dezember 2005 uraufgeführt, um an den 200. Jahrestag der Geburt Joseph Smith zu gedenken. Das Projekt wurde 2004 im kircheneigenen Deseret News diskutiert:

Das Drehbuch ist von Historikern, dem Kirchlichen Korrelationskomitee und von den höchsten Autoritäten der Kirche, deren 12 Millionen Mitglieder Smith als einen Propheten betrachten, der erwählt wurde, die Kirche Christi wiederherzustellen, gründlich geprüft worden.

„Wir hatten über das Drehbuch lange Sitzungen abgehalten“, sagte Ältester Donald L. Hallstrom vom Ersten Kollegium der Siebzig der Kirche und Leitender Direktor der Audiovisual-Abteilung der Kirche. „Mitglieder der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf haben eine sehr persönliche Rolle dabei gespielt, bis sie sich über die Art und Weise, wie das Leben Josephs porträtiert wurde, behaglich fühlten.“

Munns nannte das Drehbuch „eine Arbeit der Liebe, aber eine echte Arbeit. Es hat einer Menge prüfender Blicke standgehalten.“ Die prüfenden Blicke waren zeitraubend, aber notwendig.

„Ein Film wird nie besser als sein Drehbuch“, sagte er. „Es ist lehremäßig gesund, historisch akkurat und sehr ansprechend, sehr einnehmend. Hoffentlich werden die Menschen etwas lernen, etwas fühlen und es mögen…

„Wir denken, dass dieser Film an diejenigen appellieren wird, die nicht unseres Glaubens sind“, sagte Munns. „Wir hoffen, dass dieser Film ihnen helfen wird, diesen großen Mann, die Herausforderungen, die er überwand, und die Kirche, die er gründete, zu schätzen, ihn als Menschen zu sehen und nicht nur als einen Propheten.“ ("Joseph-Smith-Filmprojekt kommt schnell voran", Deseret Morning News, 26. Oktober 2004)

Während der Film Tausende von Arbeitsstunden und etliche Jahre bis zur Fertigstellung in Anspruch nahm, sind die Kosten des Films nicht eingespielt worden. Der Film ist schätzungsweise 70 Minuten lang und wird an verschiedenen HLT-historischen Plätzen und Besucherzentren gezeigt.


Joseph der Mensch

Mit dem Ziel, Smiths Leben auf eine Weise zu erzählen, die den HLT-Kirchenführern „behaglich“ wäre, scheint die historische Genauigkeit eine geringe Rolle gespielt zu haben. Der Film war dafür geplant, ein „glaubensförderndes“ Erlebnis zu sein, nicht eine ausgewogene Betrachtung über Smith „als ein Mensch“. Die offizielle HLT-Website liefert folgende Beschreibung zum Film:

Der Film schildert Ereignisse im Leben Joseph Smiths von seiner frühen Jugend in Vermont an bis zu seinem Märtyrertod in Illinois im Alter von 38. Er erzählt Josephs suche nach der Wahrheit als junger Knabe, eine Suche, die göttliche Offenbarung zum Ergebnis hatte, die sein Leben auf einen Weg des Dienens und Aufopferns bei der Wiederherstellung der Kirche Jesu Christi führte. Durch Schauplätze seines wechselnden Wirkens zwischen Familie und frühen Kirchenmitgliedern und anderen, werden die Betrachter die persönlichen und öffentlichen Seiten von Josephs fürsorglichem Wesen und des prophetischen Führertums sehen. (www.lds.org/)

Genau in der Schilderung von Smiths „persönlicher“ Seite wird es offensichtlich, dass dies streng genommen ein Propagandastück ist. Smiths Verstrickungen in Magie, Jähzorn, Lügen und Manipulation seiner Anhänger werden gewollt übersehen.

Der Film wurde, wie die meisten HLT-Projekte, wunderschön gedreht und gut gespielt. Dies war aber kein realistisches Porträt, weder vom Beginn des Mormonismus noch von Smiths relativ kurzem Leben. Ein Mormonen-Blogger schrieb:

Joseph Smith: Prophet der Wiederherstellung ist buchstäblich ein Streifen von einer Stunde Länge von Figuren und geschilderten Ereignissen. Der ganze Film ist eine Montage. Wir sehen viele Hauptereignisse aus seinem Leben neben verschiedenen Stückchen von Mutwillen, Predigen und Prophezeiung. Wir sehen ihn eingekerkert in Richmond, eingekerkert in Liberty und eingekerkert in Carthage, obwohl wir nie eine Vorstellung davon bekommen: weshalb. Er heilt die Kranken, er tadelt die Bösen, er beerdigt seine Kinder, er wird von allen geliebt. Schottische Dudelsäcke spielen eine Melodie, die später seinen Namen preisen wird.

Die Verschwommenheit von Bildern und Klängen sagt uns nicht mehr als eine salvenartige Punkteauflistung über Tatsachen aus Josephs Leben, aber der Zweck ist, uns von einer Tatsache zu überzeugen, die nicht empirisch nachweisbar ist – nämlich, dass er tatsächlich ein Prophet ist. Es ist ein Kunstwerk, das dazu berechnet wurde, uns den Geist spüren zu lassen.

Ist das eine gute Sache? Ich denke, ja. Meistens. Meine einzige Sorge ist das Publikum, das auf den Film reagieren wird. Die westliche Welt ist zunehmend zynisch und skeptisch. Und ich habe das Gefühl, dass viele potentielle Untersucher von dem Menschen beeindruckt, aber von der Botschaft unbewegt sein werden. (http://motleyvision.blogspot.com)

Ein anderer Mormone bemerkte:

Es wurde nicht viel Zeit auf die Zwietracht in der Kirche, die finanziellen Probleme in Kirtland oder auf das Zionslager verwendet. Die Vielehe wird überhaupt nicht erwähnt. Und das ist in Ordnung. Mir scheint, dass die überwiegenden Zuschauer aus der allgemeinen Bevölkerung der Kirche und aus interessierten Außenseitern stammen. Ich denke nicht, dass er wirklich für Leute gemacht wurde, die nichts über das Leben des Propheten wissen, und ich denke, dass er zum Aufbau und zur Stärkung der Zeugnisse derjenigen gemacht wurde, die ihn gesehen haben. (http://www.lavalane.org)

Dieser Mormone hat es ziemlich gut zusammengefasst. Der Film ist dazu gedacht, Gläubige zu stärken, Mitgliedern ein positives emotionales Erlebnis zu geben, dass sie hoffentlich durch jede Periode des Zweifelns bringen wird. In solch einem Porträt von Smith ist die rauere Seite verdächtigerweise nicht vorhanden.


Josephs frühe Jahre

Bezeichnend viel Zeit wurde auf die Darstellung von Josephs schrecklicher Beinoperation verwendet, als er ungefähr sieben war (siehe Salt Lake City Messenger 99). Während dieses Ereignis ohne Zweifel für die Ausprägung seiner geistigen Haltung wichtig war, so scheint es, als bestünde der Hauptgrund, es in den Film einzubeziehen, darin, die Herstellung einer Betrachtungsweise mit Sympathie auf Joseph Smith herstellen zu helfen.

Danach wendet sich der Film der Zeitperiode direkt vor Josephs erster Vision zu, als er vierzehn war, und zeigt die religiösen Wiedererweckungsbewegungen in der Nachbarschaft und wie die Geistlichen über die Vorherbestimmung und Erwählung zur Erlösung predigen, zwei Lehren, die Smith später ablehnte. Josephs Vision von 1820 wird in der heutigen Version wiedergegeben ohne Erwähnung der verschiedenen Berichte, die sich im Datum und darin unterscheiden, wer erschien oder wer die Botschaft überbrachte (siehe Inventing Mormonism, von Marquardt and Walters, Salt Lake City Messenger 87, und Evolution of the First Vision and Teaching on God in Early Mormonism).

In der Filmversion von der Vision von 1820 wird Smith von Gott und Christus gesagt, dass er sich keiner der christlichen Kirchen anschließen sollte. Es gibt aber keine Erwähnung von seinem späteren Versuch, sich 1828 der Methodistenkirche anzuschließen.

Joseph Lewis, Emma Smiths Cousin, erklärte später, warum es Joseph nicht gestattet war, ein Mitglied der Methodistenkirche zu werden:

Zusammen mit Joshua McKune, damals ein Prediger vor Ort, ich glaube im Juni 1828, hörte ich am Samstag, dass Joe Smith sich am Mittwochnachmittag der Kirche angeschlossen hatte (da es damals üblich war, wochentags Reihum-Predigten im Hause meines Vaters abzuhalten). Wir hielten es für eine Schande für die Kirche, einen Zauberer unter uns zu haben, jemanden, der sich mit Verwünschungen und blutenden Geistern beschäftigt. Also gingen wir am Sonntag zum Haus meines Vaters, der Versammlungsort an dem Tag, und kamen rechtzeitig dort an, um Smith zu treffen und vor der Versammlung einige Zeit mit ihm in Vaters Laden zu sprechen. Wir sagten ihm, dass seine Beschäftigung, Gewohnheiten und seine Moral der kirchlichen Zucht widersprächen, dass sein Name für die Kirche eine Schande wäre, dass es eine Widerrufung, ein Bekenntnis und wenigstens das Versprechen einer Besserung hätte geben sollen, dass er an jenem Tag öffentlich darum bitten könnte, dass seine Name aus dem Klassenbuch gestrichen werden oder er einer Untersuchung standhalten sollte. Er wählte das Erstere und bat genau an diesem Tag darum, dass sein Name aus dem Klassenbuch entfernt werden sollte. (The Amboy Journal, June 11, 1879, p. 1)

Mehr Information finden Sie im Artikel The Mormon Prophet Attempts to Join the Methodists, von Wesley P. Walters.

Hugo Olaiz, Sunstone-Redakteur, äußerte folgende Gedanken über die Art und Weise, wie der Film Smiths erste Vision behandelt:

Die Zweihundert-Jahres-Feierlichkeiten zur Geburt des ersten Mormonen werden von einer weiteren Ironie gekennzeichnet. Nicht nur, dass die Kirche sich seit den Tagen Josephs geändert hat, sondern Joseph selbst ist revidiert worden. Der Mann, der mit Jehovah verkehrte [Hrsg. – einer berühmten HLT-Hymne entnommen], wurde mit einer Kleidung ausgestattet, die den zeitgenössischen Geschmäckern der Heiligen besser entsprach. Einst ein Polygamist gewesen, wird er nun als ergebener Monogamist dargestellt, und sein Familienleben ist das Ziel idyllischer Zelebrierung geworden. Einst ein kriegslustiger General einer Armee gewesen, wird er nun als friedliebender Städtebauer dargestellt. Der Mann, der alle Glaubensbekenntnisse als Gräuel bezeichnete, ist ein nationaler Schatz geworden – der „Amerikanische Prophet“…

Ein weiterer Aspekt der Geschichte Joseph Smiths hat in dem neuen Film eine bemerkenswerte Revision erfahren. Viele von uns erinnern sich (und die Kirche verkauft ihn immer noch) an den Film von 1976 Die Erste Vision mit der dramatischen Schilderung von einem Wiedererweckungsprediger und den überführten Sündern, die riefen „Ich glaube!“ – eine solch dramatische Schilderung, dass sie fast einer Parodie glich. Die Erzählung des neuen Films über die Erste Vision lenkt gut von allem weg, das als Spott ausgelegt werden könnte oder den Zuschauern polemisch vorkommen könnte… In diesem Film werden die streitenden Parteien, von denen wir in Joseph Smiths Geschichte lesen (Hrsg. – am Ende der Köstlichen Perle), zur artigen Unstimmigkeit heruntergespielt. Der Geistliche, der dem jungen Propheten wegen seiner Behauptungen entgegentritt, steht fest in seinem falschen Glauben, aber benimmt sich vergleichsweise zivilisiert. Anstatt ihn zu warnen, dass die Erste Vision „vom Teufel“ ist (Joseph Smith 1:21), gibt er Joseph nur den Rat, seine „törichten Ideen“ aufzugeben. ("Joseph Smith, Revised and Enlarged: The Prophet Has New Clothes, But Do The Seams Show?", von Hugo Olaiz, Sunstone, Dez. 2005, S. 70)


Joseph als Wahrsager

Während Smiths Teenagerjahre porträtiert werden, schweigt der Film über die Verstrickungen der Familie Smith in magischen Praktiken während der 1820er. Heute geben die HLT-Historiker im Allgemeinen zu, dass Joseph Smith als junger Mann in magischen Praktiken verwickelt war, aber sie neigen dazu, die Bedeutung solcher Aktivität herabzumindern. Richard Bushman, ein gut angesehener HLT-Gelehrter, hat aber etliche Seiten auf die Erfahrung Joseph Smiths mit Magie und Geldgräberei in seinem Buch: "Joseph Smith: Rough Stone Rolling gewidmet":

Die Smiths waren ebenso wie ihre Nachbarn empfänglich für Schatzsuchergeschichten. Über Wünschelruten und Sehersteine hinaus glaubten die Smiths wahrscheinlich an rudimentäre Astrologie, die man in den allgegenwärtigen Jahrbüchern fand. Magische Pergamente, die an die Familie Hyrum Smiths weitergereicht wurden, können ursprünglich Joseph Sen. gehört haben. Der Besuch eines Engels und die Entdeckung der Goldplatten hatten den Glauben an übernatürliche Macht bestätigt. Für Leute mit einer magischen Gemütsverfassung, klang Moroni wie einer der Geister, die in den Erzählungen der Schutzsucherei über die Schätze wachten. Die Ähnlichkeiten mögen in der Familie Smith die außergewöhnliche Geschichte sogar noch glaubwürdiger gemacht haben. Lucy (Hrsg. – Joseph Smiths Mutter) anerkannte die Verbindung im Vorwort zu ihrer Erzählung über die Goldplatten mit einer Warnung vor dem Denken, "dass wir unsere Arbeit einstellten und versuchten, die Fähigkeit Abracs zu erlangen, magische Kreise zu ziehen oder wahrzusagen, so zu sagen, jede Art der Geschäftigkeit zu vernachlässigen; wir ließen es nie während unseres Lebens zu, dass ein wichtiges Interesse jede andere Verpflichtung verschluckte, sondern während wir mit unseren Händen arbeiteten, waren wir bestrebt, an den Dienst und die Wohlfahrt unserer Seelen zu denken."

Lucy ging es darum, zu zeigen, dass die Smiths nicht faul waren – sie hatten ihre Arbeit nicht eingestellt, um Magie zu praktizieren – aber sie zeigte ihre Kenntnis über Formeln und Rituale und brachte sie mit „der Wohlfahrt unserer Seelen“ in Verbindung. Magie und Religion vermischten sich in der Familienkultur der Smiths…

Joseph Jun. hatte nie die Steine oder ihre Macht, Schätze zu finden geleugnet. Überbleibsel der magischen Kultur blieben bis zum Ende bei ihm. (Joseph Smith: Rough Stone Rolling, von Richard L. Bushman, 2005, Knopf, S. 50-51)

Der Film erwähnt an keiner Stelle diese Aktivitäten der Smiths, auch nicht wie magische Praktiken ihr Leben beeinflusste.


Joseph begegnet Emma

Eine Betonung in dem Film liegt auf der anscheinend liebenden Beziehung zwischen Joseph und seiner Frau Emma. Der Film stellt Emma Hale in einer Szene vor, in der sie und ihre Mutter draußen die Wäsche aufhängen. Während sie sich über das Thema Ehe unterhalten, sehen sie Joseph Smith den Feldweg entlangkommen. Josephs und Emmas Augen treffen sich und das Publikum bemerkt, dass eine Romanze in der Luft liegt.

Aber der Film versäumt es, Smiths Anwesenheit in der Umgebung von Pennsylvania im Jahre 1825 zu erklären. Er kam nicht zufällig bei Isaac Hales Haushalt vorbei, sondern tatsächlich logierte er dort. Josephs Mutter berichtete, dass der Grund, dass er und sein Vater von Palmyra, New York, an die Pensylvanische Grenze reisten, der war, eine magische Weisung für einen Herrn Stowell in seinen Bemühungen, eine unterirdische Silbermine ausfindig zu machen, zu liefern:

Kurz bevor das Haus fertiggestellt war [1825], kam ein Mann namens Josiah Stoal [Stowell] aus der Chenango-Grafschaft, New York, mit der Absicht, Joseph dazu zu bringen, ihm beim Graben nach einer Silbermine [in Pennsylvania] zu helfen. Er kam auf Joseph, weil er gehört hatte, dass er bestimmte Mittel besäße, mit denen er für das natürliche Auge unsichtbare Dinge erkennen könnte.

… Nachdem er ungefähr einen Monat für den alten Gentleman ohne Erfolg gearbeitet hatte, schaffte Joseph es, ihn dazu zu bewegen, mit seinen Operationen aufzuhören; und aus diesem Umstand, dass er einen Monat lang beim Graben nach einer Silbermine mitgearbeitet hatte, entsprang die weit verbreitete Geschichte, dass Joseph ein Geldgräber gewesen wäre.

Während Joseph bei Herrn Stoal angestellt war, logierte er eine kurze Zeit bei einem Isaak Hale, und während dieser Zeit lernte Joseph die Tochter, Fräulein Emma Hale, kennen, und er begann sofort, ihr seine Aufmerksamkeit zu schenken, und in Folge dessen heirateten sie. (Joseph Smith's History By His Mother, von Lucy Smith, 1853, S. 91; auch in Lucy's Book: A Critical Edition of Lucy Mack Smith's Family Memoir, von Lavina F. Anderson herausgegeben, Signature Books, 2001, S. 359-360)


Joseph der “Glasgucker”

Während Joseph Smith 1826 für Herrn Stowell arbeitete, wurde er wegen eines Vergehens in Bezug auf seine magischen Praktiken angeklagt. Herr Stowells Neffe brachte die Anklage gegen Smith vor, da er glaubte, dass Smith ein Betrüger wäre. Richard Bushman schreibt:

Notizen zu einem Erscheinen vor Gericht im März 1826 in South Bainbridge werfen Licht auf die Haltung der Familie Smith gegenüber Schatzsucherei am Abend, als die Platten empfangen wurden. Peter Bridgeman, Neffe von Josiah Stowell, brachte eine Klage gegen Joseph Smith Jun. als eine liederliche Person in South Bainbridge, Chenango-Grafschaft, New York, vor. Das Gesetz New Yorks legt fest, dass jeder, der vorgibt, Fähigkeiten zu haben, verlorene Gegenstände zu entdecken, als liederliche Person verurteilt werden sollte… Vermutlich glaubte Bridgeman, dass Joseph versuchte, den alten Mann zu betrügen, indem der behauptete, magische Mächte zu besitzen. Im Gerichtsprotokoll sagte Stowell, dass „er unbedingten Glauben an die Fähigkeit des Gefangenen hätte“, womit er den Grund für die Anheuerung Josephs andeutete. (Joseph Smith: Rough Stone Rolling, S. 51-52)

Joseph Smiths Verwicklung in magische Praktiken war von der HLT-Kirche immer geleugnet worden, bis 1971, als Wesley P. Walters zwei Originaldokumente entdeckte, die bewiesen, dass Joseph Smith ein „Glasgucker“ war, 1826 eingesperrt und vor einem Friedensgericht in Bainbridge, N. Y., untersucht wurde. Eines der Dokumente ist Richter Albert Neeleys Rechnung an die Grafschaft, die die Kosten für etliche Anhörungen im Jahre 1826 aufführt. Der fünfte Punkt von oben auf Neeleys Abrechnung erwähnt die Untersuchung von „Joseph Smith, dem Glasgucker“. (Ein Foto von diesem Dokument ist im Messenger Nr. 68 zu sehen)

Diese Dokumente, die sich auf Smiths Inhaftierung im März 1826 beziehen, wurden erst der eigentlichen Verhandlung zugeschrieben, aber weitere Nachforschung scheint aufzuzeigen, dass dies eine vorläufige Anhörung war. Aber die Tatsache bleibt, dass Smith genau in dem Zeitraum in magische Praktiken verwickelt war, in der er angeblich von Gott für seine Berufung als Prophet und Seher vorbereitet wurde (1820-1827).

Mehr Einzelheiten über diesen Gerichtsprozess von 1826 und Smiths Verwicklungen in Magie siehe Inventing Mormonism, von Walters und Marquardt; Joseph Smith: The Making of a Prophet, von Dan Vogel; Early Mormon Documents, herausgegeben von Dan Vogel, Bd. 2-4; Early Mormonism and the Magic World View, von D. Michael Quinn; und unter Mormonism - Shadow or Reality?; Joseph Smith and Money Digging; und Mormonism, Magic and Masonry.


Emmas Vater ist gegen die Heirat

Während der Film erwähnt, dass Emmas Eltern gegen ihre Eheschließung mit Joseph waren, erklärt er nicht die Gründe. Herr Hale schrieb eine Erklärung, 1834 gedruckt, in der er seine Missbilligung Smiths ausführt, aber sie wird im Film nicht zunutze gemacht:

Harmony, Pa., 20. März 1834

Ich lernte Joseph Smith Jun. das erste Mal im November 1825 kennen. Er war damals bei einer Gruppe von Männern angestellt, die „Geldgräber“ genannt wurden. Und seine Aufgabe war die des „Sehens“ oder vorzugeben, mit Hilfe von einem Stein zu sehen, der in seinen Hut gelegt wurde, und sein Hut wurde dicht abgeschlossen über sein Gesicht gestülpt. Auf diese Weise gab er vor, Mineralien und verborgene Schätze zu entdecken. Sein Auftreten damals war das eines sorglosen, jungen Mannes – nicht sehr gut erzogen, ziemlich frech und unverschämt seinem Vater gegenüber. Smith und sein Vater zusammen mit einigen anderen ‚Geldgräbern’ logierten in meinem Haus, während sie angestellt waren, nach einer Mine zu graben, die ihrer Vermutung nach viele Jahre zuvor von den Spaniern geöffnet und bearbeitet worden war. Der junge Smith ermutigte anfangs die ‚Geldgräber’ sehr, aber als sie mit den Grabungen in die Nähe des Ortes kamen, von dem er behauptet hatte, dass dort ein unermesslicher Schatz gefunden werden würde, sagte er, dass der Zauber zu mächtig wäre, so dass er nicht sehen könnte. Daraufhin wurden sie entmutigt und gingen bald danach auseinander. Dies geschah um den 17. November 1825 herum;…

Nach diesen Ereignissen besuchte der junge Smith mehrmals mein Haus und bat mich schließlich um Zustimmung, meine Tochter Emma zu heiraten. Dies lehnte ich ab und gab ihm meine Gründe dafür; einige waren, dass er ein Fremder wäre und einer Beschäftigung nachging, die ich nicht billigen konnte; daraufhin ging er weg. Nicht lange danach kehrte er zurück und, während ich nicht zu Hause war, schaffte er meine Tochter fort in den Staat New York, wo sie verheiratet wurden ohne meine Zustimmung oder Billigung. (Mormonism Unvailed, von E. D. Howe, 1834, S. 262-266)

Ohne Zweifel hatte Joseph Smiths Inhaftierung im Jahr 1826 wegen “Glasguckens” zu Herrn Hales Besorgnissen in Bezug auf die Heirat beigetragen. Herr Hale erklärte weiter:

Smith erklärte mir [später], dass er das, was er „Glasgucken“ nennt, aufgegeben hat und dass er vorhätte, für den Lebensunterhalt hart zu arbeiten, und er dazu gewillt wäre… Bald danach wurde ich informiert, dass sie ein wunderbares Buch aus Platten mit herunterbrachten [von New York nach Pennsylvania]…

Joseph Smith Jun. wohnte eine Zeitlang hiernach in meiner Nähe und ich hatte gute Gelegenheit, ihn kennen zu lernen und irgendwie seine Kameraden kennen zu lernen, und ich glaube mit gutem Gewissen an Hand der Tatsachen, die ich geschildert habe, und an Hand anderer Umstände, die zu erzählen ich nicht für nötig erachte, dass das ganze „Buch Mormon“ (wie es genannt wird) eine alberne Fabrikation von Unwahrheit und Bosheit ist, zur Spekulation erschaffen und mit einem Plan, die Lächerlichen und Unbedachtsamen zu täuschen – und damit seine Erfinder von der Arbeit derer leben können, die den Betrug schlucken. ISAAC HALE. (Mormonism Unvailed, S. 266)

Offensichtlich trug Smiths Änderung der Berufung von einem Magier zum Propheten nichts dazu bei, dass Herr Hale seine Meinung über ihn änderte.


Misshandlung Andersdenkender in Missouri seitens der HLT

Der Film stellt die Mormonen im Gegensatz zum historischen Bericht als ein total friedliebendes und gewaltloses Volk dar. Während der Film verschiedene Angriffe auf die Mormonen zeigt, erwähnt er an keiner Stelle, warum ihre nichtmormonischen Nachbarn sie fürchteten. Der HLT-Historiker Stephen LeSueur schrieb:

Joseph Smith hatte die Jackson-Grafschaft, Missouri, als den Sitz Zions der Heiligen im Jahre 1831 bestimmt und viele seiner Anhänger begannen sich bald danach dort zu sammeln. Eine kleine Gruppe Mormonen versuchte in der Jackson-Grafschaft eine Wirtschaftsgesellschaft zu gründen, aber kamen mit ihren Nachbarn in Missouri in Konflikt, die misstrauisch ihre merkwürdigen Glaubenslehren und Praktiken beobachteten…

Die Mormonen waren teilweise für die Ursache verantwortlich, oder wenigstens für das Verstärken des Misstrauens und des Vorurteils gegen sie. Ihr Anspruch, das Königreich Gottes in der Jackson-Grafschaft aufzubauen, dass sie „buchstäblich auf der Asche der Bösen einherschreiten würden, nachdem sie vom Angesicht der Erde vernichtet worden sind,“ schürte Ängste, dass die Mormonen beabsichtigten, ihr „Erbteil“ mit Gewalt zu bekommen. Gemäß Joseph Thorp, ein Bewohner der Clay-Grafschaft, erzählten die Mormonen ansässigen Siedlern, dass „dieses Land ihnen [den Mormonen] durch die Gabe des Herrn gehöre, und es wäre töricht von ihnen [den Missourianern] ihre Ländereien gedeihen zu lassen, da sie die Früchte ihrer Arbeit nicht ernten würden, dass sie schließlich in die Hände der Heiligen fallen würden.“ Im Juli 1832 veröffentlichte ein Mormonenjournal in Independence eine Offenbarung Joseph Smiths, in der der Herr verkündete, dass „ich die Reichtümer der Heiden [Nichtmormonen] meinem Volk, das vom Haus Israel ist, weihen werde“. Ähnliche Behauptungen in Bezug auf die Rolle der Indianer beim Aufbau des Königreiches und der Bestrafung der Feinde Gottes regten zu Gerüchten an, dass die Mormonen die Indianer ermahnten, die nichtmormonischen Siedler von ihrem Land zu vertreiben… Aber was auch immer die Fehler der Mormonen waren, es waren die Missourianer, die die Konflikte zwischen den beiden Gruppen einleiteten. (The 1838 Mormon War in Missouri, von Stephen C. LeSueur, 1987, S. 16-18)

Nachdem die Mormonen von ihren Ansiedlungen in der Jackson-Grafschaft, Missouri, vertrieben waren, ließen sie sich in und um die Caldwell-Grafschaft herum im Norden nieder. Aber als mehr und mehr Mormonen in die Region kamen, wuchs die feindliche Gesinnung der Nichtmormonen.

Neben den Problemen mit den Nichtmormonen während der Jahre 1837 und 1838 wuchsen innerhalb der Kirche die Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf die Kirchenfinanzen, das Versagen der mormonischen Kirtland Bank in Ohio und ob Mitglieder ihr Eigentum in der Jackson-Grafschaft, Missouri, verkaufen könnten. Der HLT-Historiker Richard Bushman erklärt:

Joseph erfuhr bald, dass die Unzufriedenheit in der Kirtlandgemeinde in die Caldwell-Grafschaft beginnend mit der Missouri-Präsidentschaft übergesprungen war. Kurz nachdem Caldwell besiedelt war, begannen die Missouri-Heiligen an der Glaubenstreue von David Whitmer, William Phelps, John Whitmer und Oliver Cowdery zu zweifeln…

Im Januar 1838 berief eine Gruppe von Aposteln und Hohen Räten ein Komitee, um Nachforschungen anzustellen… Die vier wurden angeklagt wegen verschiedener Übertretungen des Wortes der Weisheit und des Verkaufs ihrer Ländereien in der Jackson-Grafschaft, was einen Mangel an Glauben an die Rückkehr der Heiligen in ihr verheißenes Land signalisierte…

Die persönlichen Beschwerden gegen die Missouri-Präsidentschaft überschnitten sich mit der größeren Streitfrage der Loyalität gegenüber Joseph Smith. (Joseph Smith: Rough Stone Rolling, S. 346-347)

Reed Peck, der den Mormonismus nach den Missouriproblemen verließ, lieferte einen der frühesten Berichte über Sidney Rigdons schändliche „Salzpredigt“, die Andersdenkende bedrohte:

In dieser Periode wurden auf Betreiben der Präsidentschaft Maßstäbe geschaffen, um die Gemeinschaft von den Cowderys, Whitmers, von Lyman Johnson und einigen anderen zu befreien,… die Sache wurde öffentlich von der Präsidentschaft am folgenden Sonntag (17. Juni) in der Anwesenheit einer großen Versammlung vorgetragen – S. Rigdon entnahm seinen Text aus dem fünften Kapitel des Matthäus : “Ihr seid das Salz der Erde, aber wenn das Salz seine Kraft verloren hat, womit soll man sie salzen? Es ist fortan zu nichts nütze, als hinausgeworfen und unter den Füßen der Menschen zertreten zu werden…“ Er informierte die Leute, dass sie eine Gruppe von Männern unter sich hätten, die von der Kirche abgewichen wären und alles in ihrer Macht stehende tun, die Präsidentschaft zu vernichten, indem sie Pläne schmieden, wie sie ihr Leben nehmen könnten usw. Er klagte sie an, zu fälschen, zu lügen, zu betrügen und zahlreiche andere Vergehen begangen zu haben und rief die Leute auf, sich als Ganzes zu erheben und das Land von solch einem Ärgernis zu befreien. Er sagte, dass es die Pflicht dieses Volkes wäre, sie in die Erde zu treten und wenn die Grafschaft nicht auf andere Weise von ihnen befreit werden kann, werde ich helfen, sie niederzutreten oder einen Galgen auf dem Platz von Far West zu errichten und sie aufzuhängen, wie man es mit den Spielern in Vicksborough getan hat, und es wäre eine Tat, über die die Engel mit Beifall lächeln würden. Joseph Smith billigte in einer kurzen Rede, was von Rigdon gesagt worden war, obwohl er sagte: Ich möchte nicht, dass die Brüder ungesetzlich handeln, aber ich werde ihnen eines sagen: Judas war ein Verräter und er wurde, anstatt sich selbst zu erhängen, von Petrus erhängt… (Reed Peck Manuscript, maschinengeschrieben, S. 6-7, Fotokopie des Originaldokuments an der University of Utah, Marriott-Bibliothek)


Die Daniten

Mit zunehmendem Widerstand in der Gemeinschaft und zunehmender Spaltung unter einigen der obersten HLT-Führerschaft wurde eine geheime Bande gebildet, die sich um die Störenfriede kümmerte. Diese Gruppe wurde als die Daniten bekannt. Im Juni 1838 wurde den Andersdenkenden ein sehr bedrohlicher Brief geschickt, der sie ernsthafter Verbrechen bezichtigte und ihnen befahl, Far West, Missouri, sofort zu verlassen. D. Michael Quinn zeigt, dass dieser Brief von einigen der höchsten Führer der HLT-Kirche autorisiert war:

Am 17. Juni 1838 predigte der erste Ratgeber Sidney Rigdon seine „Salzpredigt“ als Warnung dafür, dass mormonische Andersdenkende „hinausgeworfen und unter den Füßen der Menschen zertreten“ werden würden… Rigdon wiederholte nur, wozu eine Offenbarung vom Februar 1834 die Erste Präsidentschaft bevollmächtigte, was mit Mormonen zu tun wäre, die „nicht alle meine Worte beherzigen“ (LuB. 103:8-10) Am nächsten Tag schlossen sich der Zweite Ratgeber Hyrum Smith und sein Onkel John Smith (Hilfsratgeber in der Ersten Präsidentschaft) dem Danitenführer Sampson Avard (als erster Unterzeichner) und achtzig anderen Daniten in einem Drohbrief an Oliver Cowdery, David Whitmer, John Whitmer, Lyman E. Johnson William W. Phelps an…

In Bezug auf diese Vertreibung prominenter anders denkender Mormonen durch Daniten sagte Ratgeber Rigdon zu Apostel Orson Hyde in Far West, dass „es die dringende Pflicht der Kirche wäre, dem Wort Joseph Smiths oder der Präsidentschaft ohne Fragen zu gehorchen, und jedem, der es nicht täte, sollte die Kehle von Ohr zu Ohr durchgeschnitten werden.“ (The Mormon Hierarchy: Origins of Power, von D. Michael Quinn, S. 94)

Der Drohbrief der Daniten, der an die Andersdenkenden geschickt wurde enthielt folgendes:

Mit Grüßen an Oliver Cowdery, David Whitmer, John Whitmer, William W. Phelps, und Lyman E. Johnson:

Da die Bürger der Caldwell-Grafschaft von euch verschiedene Male und bei verschiedenen Gelegenheiten Beschimpfungen erduldet haben, bis es nicht mehr zu ertragen war… ihr werdet die Grafschaft verlassen und keine Macht wird euch retten… wenn ihr nicht geht, werden wir die in unserer Macht stehenden Mittel anwenden, die euch gehen lassen werden; denn ihr werdet gehen… die Rache schläft nicht, auch schlummert sie nicht;… es gibt nur einen Ratschluss für euch, der lautet: verschwindet, verschwindet oder ein viel schlimmeres Unheil wird euch ereilen… Wegen der Beschimpfung, wenn nicht noch mehr, und eurer Androhung, uns zu erschießen, wenn wir versuchten, euch zu belästigen, werden wir euch aus der Grafschaft von Caldwell schaffen: So helfe uns Gott. (Brief, zitiert im Senate Document 189, 15. Feb. 1841, S. 6-9)

Der Buch-Mormon-Zeuge John Whitmer, der von den Daniten in dem oben zitierten Brief bedroht wurde, schrieb folgendes in seiner Geschichte der Kirche:

Joseph Smith Jun., S. Rigdon und Hyrum Smith siedelten ihre Familien an diesen Ort, Far West, im Frühjahr 1838 um. Sobald sie hier ankamen, begannen sie ihren neuen Plan durchzusetzen, der Spaltungen und Schwierigkeiten, Drohungen und sogar Morde verursachte. Smith rief einen Rat der Führer zusammen, in dem er erklärte, dass jeder, der ein Wort gegen die Führer der Kirche sagte, von einer Rotte von Bluthunden wie ein gehetzter Hirsch über diese Prärien getrieben werden sollte, wobei er an die Gideoniten dachte, wie sie genannt wurden, um sich in ihren bösen Absichten zu rechtfertigen. So predigten sie am 19. Juni 1838 eine Predigt, die die Salzpredigt genannt wurde, aus der diese Gideoniten entnahmen, dass sie die Andersdenkenden vertreiben sollten, wie sie jene bezeichneten, die nicht an ihre geheimen Banden, an Unzucht, Ehebruch oder mitternächtliche Machenschaften glaubten… Sie hatten uns gedroht, uns zu töten, wenn wir keine Wiedergutmachung leisten würden, indem wir sie in ihren bösen Absichten und Plänen unterstützten… zu unserem großen Erstaunen, als wir auf dem Heimweg nach Liberty, Clay-Grafschaft, waren, trafen wir die Familien von Oliver Cowdery und L. E. Johnson, die sie aus ihren Heimen vertrieben hatten, und sie hatten außer der Kleidung und dem Bettzeug usw. all ihr Hab und Gut geraubt.

Während wir gegangen waren, hielten Joe und Rigdon und ihre Gadiantonbande eine Wache aufrecht und beobachteten unsere Häuser, und beschimpften unsere Familien und bedrohten sie, wenn sie bis zum Morgen nicht weg wären, würden sie herausgetrieben werden, und sie bedrohten unser Leben, wann immer sie uns in Far West sahen. (John Whitmer's History, S. 22)

Die Tatsache, dass die Mormonenführer die Bürgerrechte ihres eigenen Volkes brachen, indem sie Andersdenkende aus ihrer Mitte vertrieben, brachte viele Nichtmormonen zur Schlussfolgerung, dass sie es mit einer gefährlichen Gruppe zu tun hätten. Da sie Berichte von denen hörten, die vertrieben worden waren, bekamen sie zunehmend Angst vor den Mormonen. Richard Bushman kommentierte:

Die Mormonen glaubten, dass sie gemäß Gottes Geboten Zion aufbauen würden; auf Abgefallene und Außenstehende wirkten sie wie hirnlose Eiferer, die einem Tyrannen gehorchten.

1838 bestand die eigentliche Antwort auf diese Frage darin, dem Gesetz untertänig zu sein. Die Missourianer glaubten, dass die Mormonen dachten, dass Josephs Offenbarungen sie über das Gesetz stellen würde. Da das Wort Gottes das Gesetz des Landes in den Schatten stellt, standen die Mormonen im Verdacht, das Gesetz zu brechen, wann immer der Prophet es verlangte. (Joseph Smith: Rough Stone Rolling, S. 353-354)


Ausrottungsbefehl

Im Film gibt es eine Szene, in der die Missouri-Miliz gerade den „Ausrottungsbefehl“ ausführt, der von Gouverneur Lilburn W. Boggs am 27. Oktober 1838 gegeben wurde. Gouverneur Boggs verkündete:

Die Mormonen müssen als Feinde behandelt werden und müssen um des öffentlichen Friedens willen wenn nötig ausgerottet oder aus dem Staat vertrieben werden – ihre Ausschreitungen sind unbeschreiblich. (The 1838 Mormon War in Missouri, S. 152)

Nachdem Gouverneur Boggs den Befehl erteilt hatte, marschierte eine Armee der Staatsmiliz an die Grenzen von Far West, Missouri, und forderte die Ergebung Joseph Smiths und etlicher anderer. Ein eiliges Kriegsgericht wurde auf der Stelle einberufen und Smith und die anderen Gefangenen wurden verurteilt, am nächsten Morgen hingerichtet zu werden. Der Film zeigt die Weigerung des Captains, den Befehl auszuführen, aber er bringt keine Einzelheiten, die das Ereignis umgaben.

Während viele Mormonen von Gouverneur Boggs „Ausrottungsbefehl“ gehört haben, ist ihnen gewöhnlich nicht bewusst, dass der Begriff seinen Ursprung bei den Mormonen hatte. Sidney Rigdon, Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, hatte seine schändliche „Salzpredigt“ gepredigt, die die Andersdenkenden im Juni bedrohte. Dann am 4. Juli 1838 warnte er davor, dass es einen „Ausrottungskrieg“ gegen jeden geben könnte, der die Mormonen beschimpft. Dies war drei Monate vor der Zeit als Boggs seinen Befehl erteilte. Der HLT-Historiker B. H. Roberts bemerkte über Rigdons Rede vom 4. Juli:

Diese Rede Sidney Rigdons ist immer ernsthaft kritisiert worden, weil sie Passagen enthielt, die unklug und sehr bitter waren; besonders jene Passagen, die mit einem Ausrottungskrieg gegen den Pöbel drohten, sollten sie sich noch einmal erheben, um die Heiligen zu plagen. (History of the Church, Bd. 3, S. 42, Fußnote)

Nachdem er über die Verfolgungen gesprochen hatte, die die Kirchenmitglieder erlitten hatten, drohte er in seiner Rede:

Wir rufen Gott und alle heiligen Engel heute als Zeugen, dass wir alle Menschen im Namen Jesu Christi warnen, nie wieder über uns zu kommen; von dieser Stunde an, werden wir es nicht mehr hinnehmen; auf unseren Rechten soll nicht mehr ungestraft herumgetreten werden. Der Mann oder die Gruppe, die es versuchen, tun es auf Kosten ihres Lebens. Und der Pöbel, der über uns kommt, um uns zu stören – zwischen uns und ihnen soll es einen Ausrottungskrieg geben; denn wir werden sie verfolgen, bis der letzte Tropfen Blut vergossen ist, oder sie müssen uns ausrotten; denn wir werden den Sitz des Krieges in ihre eigenen Häuser und in ihre eigenen Familien tragen, und entweder die eine oder die andere Partei wird gänzlich vernichtet werden… Wir erklären uns also heute als frei für einen Zweck und eine Bestimmung, die nie gebrochen werden kann, nein, niemals! Nein, niemals! Nein, niemals! (Comprehensive History of the Church, von B. H. Roberts, Bd. 1, S. 441)

B. H. Roberts anerkannte, dass Joseph Smith selbst Rigdons Rede billigte:

Die Unklugheit dieser Äußerung ist im Allgemeinen von unseren Schreibern erkannt worden und da sie sich verantwortlich fühlten, haben sie sie der ziemlich inbrünstigen Phantasie Sidney Rigdons zugeschrieben, der die Rede gab und der im Allgemeinen für hauptsächlich oder ganz verantwortlich für sie angesehen wird. Dies ist nicht wahr. Die Rede wurde sorgfältig vorbereitet… und von anderen präsidierenden Ältesten der Kirche vor ihrem Vortrag durchgelesen. Sie erschien sofort im The Far West, einer Wochenzeitung,… und wurde auch… im Elders' Journal veröffentlicht. Joseph Smith spricht in seinem Tagebuch billigend über sie; und im Elders' Journal, von dem er der Herausgeber war, und in Spalten der Redaktion unter seinem Namen wird die Rede billigend den Heiligen empfohlen. Angesichts dieser Tatsachen, wenn die ‚Erklärung’ von zweifelhafter Richtigkeit, unklug und unpolitisch wäre, ruht die Verantwortung für sie nicht allein auf Sidney Rigdon, sondern auf den Autoritäten der Kirche, die sie guthießen, und auf dem Volk, das sie durch ihren Beifall akzeptierte. (Comprehensive History of the Church, Bd. 1, S. 443)

Diese Rede half ohne Zweifel dabei, die Gewalt auszulösen, die in Missouri ausbrach. Während des Konfliktes, der sich daraus ergab, waren die Daniten bei Plünderungen und Niederbrennen von Häusern der Nichtmormonen dabei. Zum Beispiel kommentierte Benjamin F. Johnson, ein Danite, der später in Joseph Smiths höchst geheimen Rat der Fünfzig diente:

…ich brach auf… und reihte mich in eine Kompanie von fast zwanzig berittenen Männern ein… ich erfuhr bald, dass unser Ziel Taylors Haus am Grand River war, ungefähr neun Meilen oberhalb, wo es hieß, dass dort Waffen und Munition zum Gebrauch für den Pöbel bereitgehalten wurden… Dort befanden sich zwei Männer mit einer Anzahl Frauen und Kinder und sie alle bestätigten, dass es nichts Derartiges dort gab… unser Captain ordnete eine Suche in den Getreidefeldern an… was bald zum Ergebnis hatte, dass Waffen und Munition und ihre Lügen entdeckt wurden. Die Frauen holten hastig alles aus den Häusern, was sie tragen konnten, und hier könnte ich sagen, dass es fast eine Prüfung meines Glaubens war: das Mitleid für unsere Feinde… Unter den Frauen befand sich eine jungverheiratete und offensichtlich kurz vor ihrer Entbindung stehende und eine weitere mit kleinen Kindern und ohne Wagen, und sie waren viele Meilen von jeglichem ihrer Freunde entfernt und es hatte schon zu schneien begonnen… Meine Sympathien fühlten sich den Frauen und Kindern hingezogen, aber ich wollte nicht im Geringsten zulassen, dass sie mich davon abhielten, meine Pflicht zu tun. Also während andere plünderten, um irgendetwas fortschleppen zu können, tat ich mein Bestes, um… das Leben und Wohlbefinden der Familien zu schützen, die davon abhängig waren, auf dem Rücken von Pferden fortzukommen… Während andere das Niederbrennen und Plündern verrichteten, war meine Mission die Gnade… Vor Mittag hatten wir alles in Brand gesteckt und machten uns auf einem Unweg auf den Weg nach Hause. (My Life's Review, von Benjamin F. Johnson, 1947, S. 38-39, an der University of Utah Marriott Library)

Die Rechtfertigung der Mormonen für das Stehlen wird von Steven LeSueur erörtert:

Oliver B. Huntington, ein Teenager, der in Diahman wohnte, und Benjamin F. Johnson, ein Mitglied der Mormonenmiliz, behaupteten beide, dass die Entscheidung, die Lebensmittel und Habseligkeiten der Missourianer zu plündern, durch die Notwendigkeiten des Krieges getroffen wurde. „Man sollte nicht annehmen… dass wir gewöhnliche Räuber wären, weil wir als Vergeltungsmaßnahme das nahmen, womit wir unsere Frauen und Kinder vor dem Hunger bewahrten“, schrieb Johnson… Und das Gerücht verbreitete sich unter ihnen, insbesondere unter den Daniten unter Sampson Avards Führung, dass „die Zeit gekommen war, wann die ‚Reichtümer der Heiden’ den Heiligen geweiht werden sollten“, und somit erfüllten sie eine Offenbarung von 1831 an Joseph Smith. Die Mormonensoldaten glaubten, dass ihre Plündereien göttlich abgesegnet wären…

Die schrecklichen Verbrechen, die von den Mormonensoldaten begangen wurden, können mehreren Faktoren zugerechnet werden. Ihre militanten Aktivitäten und die kriegslüsternen Reden ihrer Führer während des Sommers und Herbstes 1838 hatten sie auf einen Kurs von zunehmender Gesetzlosigkeit und Gewalt geführt. (The 1838 Mormon War in Missouri, S. 120-121)

Steven LeSueur rechnete aus, dass „die Mormonen ungefähr fünfzig Hütten und Lagerhäuser niederbrannten und einhundert Nichtmormonenfamilien aus ihren Heimen vertrieben“. (The 1838 Mormon War in Missouri, S. 124)

Über die Daniten sprechend bemerkte D. Michael Quinn: „Zum 4. September 1838 schätzte der Danite John N. Sapp ihre Anzahl auf 800-1000“ (The Mormon Hierarchy: Origins of Power, p. 479)

Aufgrund seiner Nachforschungen hat Quinn ungefähr 230 dieser Daniten mit Namen identifiziert. (ebenda, S. 479-485)

Mit anwachsenden Feindseligkeiten und Plünderungen auf beiden Seiten, zusammen mit dem Anwachsen der mormonischen Armee, hatten die Nichtmormonen gute Gründe, alarmiert zu sein.


Haun’s Mill

Der Film zeigt verschiedene Angriffe auf Mormonenansiedlungen durch Nichtmormonen. Der berühmteste war das Blutbad bei Haun’s Mill am 30. Oktober 1838. Die Mormonen wissen aber gewöhnlich nichts von den Kämpfen, die in Missouri schon eskaliert waren. Zehn Tage vor dem Angriff auf Haun’s Mill

trafen sich die Mormonensoldaten heimlich und organisierten sich zu Kompanien von zehn, fünfzig und einhundert in Vorbereitung auf den Krieg… Am Morgen des 20. Oktober sammelte Joseph ungefähr dreihundert seiner Männer auf einem Gebirgskamm in der Nähe von Diahman und schloss mit ihnen ein Bündnis, niemals Frieden auf Kosten von Wahrheit und Gerechtigkeit zu akzeptieren… Der Prophet trat hervor, zog seinen Säbel und, während er ihn hoch über seinem Kopf hielt, verkündete er: „Ich habe meinen Säbel aus seiner Scheide gezogen und ich schwöre beim lebendigen Gott, dass er nicht eher wieder zurückgesteckt wird, bis ich kommen und gehen kann und von anderen so behandelt werde, wie sie von mir behandelt werden wollen.“ (The 1838 Mormon War in Missouri, S. 125-126)

Die Mormonen, die in der kleinen Gemeinschaft von Haun’s Mill lebten, hatten eine Reihe von Angriffen von Nichtmormonen erlebt, aber sie hatten mit den Ortsansässigen einen Friedensvertrag unterzeichnet. Somit wurden sie ohne Bewachung angetroffen, als am 30. Oktober 1838 ungefähr 200 Missouritruppen die Siedlung angriffen und achtzehn Männer töteten. (siehe The 1838 Mormon War in Missouri, S. 164)

Natürlich kann auf keinen Fall jemand diese blutige Tat rechtfertigen. Dr. Quinn war sehr über die „Brutalität der Antimormonen“-Miliz beeunruhigt, die „die HLT-Siedlung bei Haun’s Mill angriffen“, aber er rückte die Sache ins rechte Verhältnis, indem er zeigte, dass die vorherige Aktion der Daniten bei der Schlacht am Crooked River zum Gemetzel bei Haun’s Mill führte:

In den Scharmützeln, die beide Seiten „Schlachten“ nannten, wandten die Mormonen ohne zu zögern tödliche Gewalt an. Benjamin F. Johnson schrieb, dass der Danitenführer (und zukünftige Apostel) Lyman Wight seinen Männern sagte, dass sie in Bezug auf ihre Missouri-Feinde beten sollten: „Dass Gott sie verdammen und uns Macht geben sollte, sie zu töten.“ Der höchstrangige Mormone, der mit Mord beauftragt war und diesem Befehl gehorchte, war Apostel Parley P. Pratt, der angeblich sorgfältig wie ein Heckenschütze zielte und einen Missourianer tötete und dann den Milizsoldaten Samuel Tarwater ernsthaft verwundete. Dies geschah, nachdem sich Apostel Patten eine tödliche Bauchwunde einfing. In ihrer Wut angesichts ihres gefallenen Führers verstümmelten einige Daniten den bewusstlosen Tarwater „mit ihren Säbeln“, indem sie ihm den Säbel der Länge nach in den Mund stießen, sein Kinn aufschnitten und seinen Unterkiefer brachen; sie schnitten ihm seine Wangen ab… und überließen ihn dem Tod.“ Er überlebte und erhob Anklagen gegen Pratt wegen versuchten Mordes…

Eine allgemein unbekannte Dimension des Ausrottungsbefehls und des Haun’s-Mill-Massakers ist aber, dass sie die Folge von Mormonenaktionen in der Schlacht am Crooked River waren. Die Mormonen hatten wissentlich oder unwissentlich staatliche Truppen attackiert und dies hatte eine lawinenartige Wirkung. Ortsansässige fürchteten die Vernichtung: „Wir wissen nicht die Stunde oder Minute, wann wir in Asche gelegt werden“, schrieb ein örtlicher Geistlicher und Grafschaftssekretär am Tag nach der Schlacht. „Um Gottes willen gebt uns so schnell wie möglich Hilfe.“ Entsprechend schwächte die Attacke auf die Staatstruppen die Position der Mormonenfreunde in der Miliz und in der Regierung Missouris. Schließlich, als er die Nachricht von Verletzten und Toten in den Staatstruppen erhielt, fasste er sofort seinen Ausrottungsbefehl am 27. Oktober 1838 ab, weil die Mormonen „Krieg über das Volk dieses Staates gebracht hatten“. Schlimmer noch - das Töten eines Missourianers und die Verstümmelung eines anderen, während er wehrlos war, am Crooked River führte zur „Rache eines tollwütigen Hundes“ von Seiten der Missourianer im Gemetzel bei Haun’s Mill. (The Mormon Hierarchy: Origins of Power, S. 99-100)

Richard Bushman bemerkte:

Das Scharmützel am Crooked River führte zur Anklage gegen Joseph Smith und die Mormonenführer wegen Verrats. Einer Bande Widerstand zu leisten wäre zu rechtfertigen, aber eine Kompanie der Miliz anzugreifen war Widerstand gegen den Staat. (Joseph Smith: Rough Stone Rolling, S. 364)

In Sidney Rigdons Rede vom 4. Juli drohte er, dass es, falls die Mormonen angegriffen werden würden, „einen Krieg der Ausrottung“ geben würde; „denn wir werden sie verfolgen, bis der letzte Tropfen ihres Blutes vergossen ist; oder sie müssen uns ausrotten…“ Obwohl Boggs’ Befehl das Echo auf Rigdons Drohung war, die Gegenseite auszurotten, waren die Mormonen in der Lage eine Schlichtung auszuhandeln. Joseph Smith und vier andere ergaben sich der Miliz. Richard Bushman schreibt:

Die Mormonen sollten ihre Waffen abgeben und den Staat verlassen. Diejenigen, die wegen Verbrechens angeklagt waren, sollten ausgeliefert und vor Gericht gebracht werden. Mormonenbesitz in Missouri sollte konfisziert werden, um die Bürger von Daviess zu entschädigen, deren Häuser niedergebrannt worden waren. Die Mormonen sollten alles außer ihrem Leben abgeben. (Joseph Smith: Rough Stone Rolling, S. 367)

Die mormonischen Gefangenen wurden schließlich vor Gericht gebracht. Richard Bushman gibt folgenden Überblick von dem Ereignis:

Die Untersuchung vor dem Richter Austin King vom Fünften Kreisgericht in Richmond dauerte vom 12. bis zum 28. November [1838]. Die annähernd fünfzig Gefangenen waren angeklagt, am Überfall auf die Daviess-Grafschaft oder am Angriff auf Samuel Bogart und die Grafschaftsmiliz von Richmond am Crooked River teilgenommen zu haben. Zwei Wochen lang hörte sich das Gericht Zeugenaussagen von über vierzig Zeugen an, die Joseph dafür tadelten, die mormonischen Überfälle angestiftet und die Daniten als eine geheime Regierung eingesetzt zu haben… Zum Schluss fand das Gericht Grund, Joseph und fünf andere wegen „offener Handlungen des Verrats“ anzuklagen. Weitere fünf, darunter Parley Pratt, wurden wegen Mordes angeklagt, weil ein Missourianer am Crooked River getötet wurde. Die übrigen angeklagten Mormonen wurden freigelassen…

Weil das Richmond-Gefängnis überfüllt war, wurde die wegen Verrats angeklagte Gruppe in Ketten und Handschellen nach Liberty geschickt, dem Sitz der Clay-Grafschaft. (Joseph Smith: Rough Stone Rolling, S. 369)

Herr Bushman macht folgende Zusammenfassung über das Mormonenproblem in den 1830ern:

Während Joseph im Gefängnis war, überlegte er in Bezug auf die Probleme des vergangenen Jahres hin und her. Die Missourianer waren natürlich schuld, aber er erkannte jetzt, dass sich die Kirche geirrt und er selbst Fehler gemacht hatte…

Die Fehler aber zu reparieren passt nicht mit der zugrunde liegenden Frage zusammen: Warum hatte Gott den Missourianern erlaubt, die Heiligen zu misshandeln. Wenn dies Sein Werk wäre, wo war Er dann? Die Abfolge von Fehlern, beginnend mit Jackson County und sich mit der Aufgabe von Far West fortsetzend, war für John Corrill zu viel, der standfest war und einen klaren Verstand hatte. Zum Ende seines Berichts über den frühen Mormonismus von 1839 erklärte Corrill, warum er die Bewegung verließ:

"Wenn ich die Spuren zurückverfolge und die Taten der Kirche in den vergangenen sechs Jahren betrachte, kann ich nichts erkennen, das mich überzeugt, dass Gott unser Führer gewesen ist; eine Kalkulation nach der anderen ist schief gegangen, ein Plan nach dem anderen ist vernichtet worden und unser Prophet schien von einem Ereignis erst etwas zu wissen, wenn es zu spät war. Wenn er sagte, geht hin und gedeiht, gediehen wir immer noch nicht; aber wir haben gearbeitet und geschuftet und wateten durch Prüfungen, Schwierigkeiten und Versuchungen verschiedenster Art in der Hoffnung auf Befreiung. Aber es kam keine Befreiung."

Alles, was Corrill sagte, war wahr. Das große Werk hatte eine Niederlage nach der anderen erlitten. Keine Mormonenansiedlung war in Ohio oder Missouri von Dauer. Josephs siebenjähriger Aufenthalt in Kirtland war der längste an allen Sammlungsplätzen. In Far West überlebten die Heiligen nur zwei Jahre. Die Sammlung führte zu einem Desaster nach dem anderen, da sich die ansässigen Bürger gegen die expandierenden Mormonen wandten. (Joseph Smith: Rough Stone Rolling, S. 379)

Nachdem sie Monate im Gefängnis verbracht hatten, waren die fünf Männer in der Lage, auszubrechen, während sie im April 1839 in ein anderes Gefängnis gebracht werden sollten, und sie nahmen ihren Weg nach Illinois.

Sowohl die Missourianer als auch die Mormonen waren der Verbrechen schuldig, aber der Film schiebt die ganze Schuld auf die Nichtmormonen und zeigt die Mormonen als friedfertig und nicht aggressiv. Es gab Gründe dafür, warum die Mormonen ständig in die Opposition gerieten und aus den verschiedenen Gebieten vertrieben wurden, aber das wird an keiner Stelle in dem Film erklärt.


Josephs Temperament

Während der Film Joseph Smiths gutmütiges Mitmachen an Ringkampfwettbewerben zeigt, unterlässt er es, zu zeigen, wie er manchmal seine Fassung verliert und gewalttätig wird. D. Michael Quinn bemerkte, dass Smith ein „Kirchenpräsident“ war „der sowohl Mormonen als auch Nichtmormonen tätlich angriff, weil man ihn beleidigte“. (The Mormon Hierarchy: Origins of Power, S. 261-262).

Am 1. August 1843 berichtet Smiths Geschichte:

Herr Bagby, der Steuereintreiber, kam mitten in unsere Unterhaltung,… Ich sagte ihm, dass ich immer bereit gewesen bin, all meine Steuern zu zahlen, wenn ich dazu aufgefordert wurde; und ich hielt es nicht für vornehm, irgendwelche meiner Bauplätze für Steuern zu verkaufen; und ich sagte ihm, dass er fortwährend die Bürger hier belästigte. Bagby nannte mich einen Lügner und hob einen Stein auf, um nach mir zu werfen, was mich so wütend machte, dass ich ihm einige Schritte folgte und ihn zwei oder dreimal schlug. Edelmann Daniel H. Wells trat zwischen uns und trennte uns erfolgreich… Ich ritt hinunter zu Alderman Whitney… er verhängte eine Geldstrafe, die ich bezahlte, und dann kehrte ich zur politischen Versammlung zurück. (History of the Church, Bd. 5, S. 524)

Am 13. August 1843 äußerte sich Smith öffentlich zum Streit mit Herrn Bagby:

Ich begegnete ihm und er lieferte mir gegenüber eine schimpfende Sprache, nahm einen Stein auf und warf nach mir: Ich packte ihn bei der Kehle und würgte ihn. (History of the Church, Bd. 5, S. 531)

Im selben Jahr griff Smith Josiah Butterfield, Präsident der Siebziger, tätlich an:

Josiah Butterfield kam zu mir nach Hause und beleidigte mich so heftig, dass ich ihn aus dem Haus stieß, über den Hof und auf die Straße. (History of the Church, Bd. 5, S. 316)

Jedediah M. Grant, ein Mitglied der Ersten Präsidentschaft unter Brigham Young, erzählte von Smiths grober Behandlung eines besuchenden Geistlichen:

…der Baptistenpriester, der kam, um Joseph Smith zu sehen… stand vor ihm, verschränkte seine Arme und sagte: „Ist es möglich, dass ich jetzt meine Optik auf einen Mann blitzen lasse, der sich mit meinem Erretter unterhalten hat?“ „Ja,“ sagt der Prophet,“ ich weiß es nicht, aber Sie wissen es; wollen Sie nicht einen Ringkampf mit mir machen? Sehen Sie, dies brachte den Priester direkt auf die Dreschtenne und er drehte einen ziemlich geraden „sumerset“. Nachdem er einige Male herumgewirbelt war, wie eine Ente, der in den Kopf geschossen wurde, kam er zu dem Schluss, dass seine Frömmigkeit fürchterlich geschockt wäre… (Journal of Discourses, Bd. 3, S. 66-67)

Während dies Apostel Grant zu amüsieren schien, stellte Joseph Smith kaum eine christliche Haltung zur Schau. Sein enger Freund Benjamin F. Johnson machte nach Smiths Tod folgende Bemerkung:

Und, obwohl er [Joseph Smith] so sozial und manchmal sogar gesellig war, wollte er keine Arroganz oder unangemessene Freiheiten zulassen und Kritik, nicht einmal von seinen Kameraden, war kaum akzeptabel, und Widerspruch hätte sofort den Löwen in ihm aufgeweckt; denn von keinem seiner Kameraden wollte er verdrängt oder angefochten werden, und in den frühen Tagen in Kirtland und anderswo waren einer oder mehrere seiner Kameraden mehr als einmal wegen ihrer Frechheit mit seinem Fuß aus der Versammlung befördert worden, und einmal in einer Versammlung in Kirtland wegen der Unverschämtheit ihm gegenüber verprügelte er hörbar seinen Bruder Wiliam, der prahlte unbesiegbar zu sein. Und während wir in solch brüderlicher, sozialer und manchmal geselliger Stimmung bei ihm waren, konnten wir damals nicht völlig die Größe und Majestät seiner Berufung erkennen, die seit seines Märtyrertums fortdauert, um sich in unserem Leben zu verherrlichen, so wie sich die Herrlichkeiten dieser letzen Dispensation in größerer Fülle unserem Verständnis entfalten. (Brief von Benjamin F. Johnson an Elder George S. Gibbs, 1903, wie in The Testimony of Joseph Smith's Best Friend, S. 4-5 abgedruckt, an der University of Utah, Marriott Library)

Der Mormonenschreiber Max H. Parkin bezieht sich auf einen Gerichtsprozess gegen Joseph Smith, in dem Calvin Stoddard, Joseph Smiths Schwager, bezeugte, dass

Smith damals ankam und ihm mit seiner flachen Hand auf die Stirn schlug – die Wucht schlug ihn nieder, während Smith den Schlag vier oder fünf Mal sehr heftig wiederholte – er wurde blind – dass Smith später zu ihm kam und ihn um Vergebung bat. (Conflict at Kirtland, 1966, S. 132, zitiert aus dem Painesville Telegraph, 26. Juni 1835)

Diese Charakterseite Joseph Smiths wird in dem Film sorgsam ausgelassen.


Josephs Prahlerei

1843 schrieb Charlotte Haven, eine Nichtmormonin, Briefe von Nauvoo, die einige aufrichtige Bemerkungen über Joseph Smith enthalten:

Joseph Smith… ist offensichtlich eine großer Egozentriker und Prahler; denn ständig bemerkte er, dass sich an jedem Ort, wo er auf dem Weg von und nach Springfield anhielt, die Leute um ihn scharten und ihre Verwunderung zum Ausdruck brachten, dass er so „stattlich und gutaussehend“ wäre. (A Girl's Letters from Nauvoo, Overland Monthly, California, Dezember 1890, S. 621)

Er redet unaufhörlich von sich selbst, was er getan hätte und was er mehr als andere Sterbliche tun könnte, und bemerkte, dass er “ein Riese, körperlich und geistig”, wäre. Tatsächlich schien er zu vergessen, dass er ein Mensch war… Man sagt, dass er sehr gutherzig wäre und immer bereit, Schutz zu gewähren und den Bedürftigen zu helfen. (A Girl's Letters from Nauvoo, S. 623)

Ein Reporter, der Joseph Smith besuchte, schrieb 1843:

Wir verbrachten eine Stunde damit, uns über verschiedene Themen zu unterhalten; der Prophet selbst belegte mit bewundernswerter Redegewandtheit die meiste Zeit und sein einziges Thema war er selbst. Ganz gleich in welche Richtung wir die Unterhaltung lenken wollten, er würde sie gewand auf sich selbst zurückführen… er sagte: ‚Die Welt verfolgt mich, sie hat mich immer verfolgt… wenn ich bewiesen habe, dass ich Recht habe, und die ganze Welt mir unterworfen habe. Ich denke, ich habe etwas verdient’. (The New York Spectator, 23. September 1843)

Für diejenigen, die Zweifel an dieser Einschätzung von Smiths Charakter haben mögen, geben wir folgende Zitate von Joseph selbst:

Ich bin ein Jurist; ich bin ein großer Jurist und begreife Himmel, Erde und Hölle, um Wissen hervorzubringen, das sämtliche Juristen, Ärzte und andere große Körperschaften abdecken wird. (History of the Church, Bd. 5, S. 289)

Engagiert keine Juristen oder bezahlt sie für ihr Wissen, denn ich habe gelernt, dass sie nichts wissen. Ich weiß mehr als sie alle. (History of the Church, Bd. 5, S. 467)

Ich bekämpfe die Irrtümer aller Zeiten; ich stoße auf die Gewalt von Pöbelhaufen; ich werde mit den Verhandlungen der exekutiven Autorität fertig; ich zerschlage den gordischen Knoten der Mächte und ich löse mathematische Probleme der Universitäten mit diamantenechter Wahrheit; und Gott ist der „Mann zu meiner Rechten“. (History of the Church, Bd. 6, S. 78)

Wenn sie einen bartlosen Jungen möchten, der die ganze Welt verprügelt, werde ich auf den Gipfel des Berges steigen und wie ein Hahn krähen: Ich werde sie immer schlagen… Ich habe mehr, von dem ich prahlen kann, als jeder andere Mensch. Ich bin der einzige Mensch, der je in der Lage gewesen ist, eine ganze Kirche zusammenzuhalten seit den Tagen Adams. Eine große Mehrheit des Ganzen hat an meiner Seite gestanden. Weder Paulus, Johannes, Petrus noch Jesus konnten es. Ich prahle damit, dass kein Mensch je ein solches Werk zustande gebracht hat wie ich; die Jünger Jesu rannten von Ihm weg, aber die Heiligen der Letzten Tage rannten bisher noch nie von mir weg. (History of the Church, vol. 6, pp. 408-9)


Smith führt die Vielehe ein

Die Vielehe war in Illinois ungesetzlich, weshalb die äußerste Geheimhaltung notwendig war. Aber ein weiteres Hindernis sie auszuüben, war es, Frauen zu überzeugen, dass sie vor Gott recht wäre. Schließlich verdammte das Buch Mormon (Jakob 2:23-28) die Vielehe und Abschnitt 101 der 1835er-Ausgabe von Lehre und Bündnisse leugnete, dass die Mormonen sie ausübten. Offensichtlich berief sich Smith auf eine neue Offenbarung und auf die Ausübung der Polygamie im Alten Testament als Rechtfertigung für die „Wiederherstellung“ dieses Grundsatzes in seiner Zeit und er verknüpfte ihn mit ewiger Erhöhung. Die Offenbarung beginnt folgendermaßen:

Wahrlich, so spricht der Herr zu dir, meinem Diener Joseph, da du mich gefragt hast, um zu wissen und zu verstehen, warum ich, der Herr, meine Diener Abraham, Isaak und Jakob wie auch meine Diener Moses, David und Salomo rechtfertigte in dem Grundsatz und in der Lehre, viele Frauen und Nebenfrauen zu haben. Siehe, ich bin der Herr, dein Gott, und will dir in dieser Sache antworten. …denn all diejenigen, denen dieses Gesetz geoffenbart wird, müssen ihm gehorchen. …und wenn du diesen Bund nicht hältst, bist du verdammt;… (Lehre und Bündnisse 132:1-4)

Richard Bushman kommentierte:

Die Möglichkeit einer eingebildeten Offenbarung, die seinem eigenen Herzen und Unterbewusstsein entsprang, scheint bei Joseph Smith nicht zuzutreffen. Für ihn kamen die Worte vom Himmel. Sie forderten Gehorsam, selbst wenn das Gebot widersprüchlich oder falsch zu sein schien… Joseph sagte einer voraussichtlichen Frau, dass die Unterwerfung der Vielehe „deine ewige Erlösung & Erhöhung und die der Familie deines Vaters sichern“ würde. (Joseph Smith: Rough Stone Rolling, S. 438-439)

Eine der ersten Frauen, die als Vielehefrauen Joseph Smiths aufgelistet werden, ist Fanny Alger, ein Teenager, die in der Mitte der 1830er in Smiths Haushalt lebte. Todd Compton, ein HLT-Historiker, kommentierte, dass

ihre Heirat mit ihm in Kirtland, Ohio, ein Muster schuf, das in Nauvoo, Illinois, wiederholt wurde: Smith heiratet heimlich eine Dienerin oder Freundin der Familie im Teenageralter, die in seinem Haushalt lebte, und seine erste Frau Emma vertreibt die junge Frau vom Grundstück, als sie die Beziehung entdeckt. (In Sacred Loneliness: The Plural Wives of Joseph Smith, von Todd Compton, S. 25)

Oliver Cowdery, einer der Zeugen für das Buch Mormon, wurde das Verhältnis zwischen Joseph und Fanny gewahr, aber er betrachtete es als einen Fall von Ehebruch. 1838 schrieb er seinem Bruder Warren von dieser Episode:

Als er [Joseph Smith] dort war, unterhielten wir uns ein wenig, wobei ich es auf jeden Fall nicht unterließ, das zu bestätigen, von dem ich sagte, dass es absolut wahr war. Es wurde über eine schmutzige, widerliche, unflätige Affäre zwischen ihm und Fanny Alger gesprochen, wobei ich deutlich erklärte, dass ich nie von der Wahrheit über diese Sache abgewichen war, und wie ich vermutete, von ihm selbst zugegeben wurde. (Brief von Oliver Cowdery geschrieben und von seinem Bruder Warren Cowdery aufgezeichnet; siehe Ablichtung in The Mormon Kingdom, Bd. 1, S. 27)

Während Smith in den 1830ern mindestens zwei Vielehefrauen genommen haben mag, war 1841 in Nauvoo seine erste Vielehefrau Louisa Beaman. Bald danach wurde die Lehre ausgewählten Führern vorgestellt. Richard Bushman bemerkt:

Joseph erzählte den Zwölfen von der Vielehe bald nach ihrer Rückkehr im Jahr 1841 und sie begannen bald danach weitere Frauen zu heiraten. Bevor Joseph starb, hatten nicht weniger als neunundzwanzig andere Männer unter seiner Vollmacht mindestens eine zusätzliche Frau. Diese Praktik musste verallgemeinert werden, weil die Offenbarung die Ehe mit der höchsten Form der Erhöhung verknüpfte… Die Vielehe-Offenbarung [LuB 132] beschreibt immer noch die moderne Mormonenansicht über Ehe und Familie, obwohl die Heiligen der Letzten Tage die Vielehe seit über einem Jahrhundert aufgegeben haben…

Für diejenigen, die vom Priestertum gesiegelt wurden, waren die Verheißungen Aufsehen erregend. Wenn sie die Welt verlassen haben, so sagte die Offenbarung, würden gesiegelte Paare an Engeln vorübergehen und zur Gottheit werden. (Joseph Smith: Rough Stone Rolling, S. 443)

Smiths geheime Lehren wurden 1842 offengelegt, nachdem Martha Brotherton, eine junge Bekehrte, ihre Geschichte veröffentlichte, wie sich Brigham Young ihr annäherte, um sie zu seiner Vielehefrau zu machen. Der HLT-Historiker Richard Van Wagoner erzählte:

In einem rückblickenden Zeitungsbericht berichtete Monate später Martha Brotherton, eine junge Nauvoo-Frau, dass sich Brigham Young ihr im Laufe des Januar 1842 näherte und sie fragte: „Wäre es gesetzlich und recht… können Sie mich als Ihren Ehemann und Gefährten annehmen?“ Brigham erklärte, dass „Bruder Joseph eine Offenbarung von Gott gehabt hat, dass es gesetzlich und recht für einen Mann ist, zwei Frauen zu haben; denn wie es in den Tagen Abrahams war, so soll es in diesen letzten Tagen sein… wenn Sie mich akzeptieren, werde ich Sie direkt ins celestiale Reich bringen.“ Brotherton berichtete, dass Young, als sie zögerte, den Raum verließ und zehn Minuten später mit Joseph Smith zurückkehrte. „Gut, Martha,“ so, berichtete sie, hätte der Prophet gesagt, „treten Sie einfach vor und tun Sie, was Brigham von Ihnen möchte… Ich weiß, dass dies gesetzlich und recht vor Gott ist… ich habe die Schlüssel des Königreiches und was immer ich auf Erden binden werde, wird im Himmel gebunden sein, und was immer ich auf Erden löse, wird im Himmel gelöst sein.“ Martha bat um Zeit, um das Angebot zu überdenken, dann verschwand sie nach Saint Louis, wo sie ihre Geschichte im St. Louis Bulletin vom 15. Juli 1842 veröffentlichte.

Selbst bevor Martha Nauvoo verließ, begannen Gerüchte über dieses Ereignis die Runde zu machen. Hyrum Smith, der an Josephs öffentliche Haltung glaubte, dass die Polygamie nicht praktiziert würde, wandte sich am 7. April 1842 an die Heiligen „um einem Bericht zu widersprechen, der über die Ältesten Heber C. Kimball, Brigham Young und mich, und anderen aus den Zwölfen im Umlauf ist, dass angeblich eine Schwester etliche Tage in einem Raum eingeschlossen wäre und dass man sich bemüht hätte, sie zum Glauben zu bringen, dass man zwei Frauen haben kann.“ Joseph, der nach Hyrum zu der Gruppe sprach, fügte hinzu: „Es gibt niemanden, der mit unseren Grundsätzen vertraut ist, der solche Lügen glauben würde.“ (Mormon Polygamy: A History, von Richard S. Van Wagoner, zweite Ausg. 1989, S. 20)

Obwohl Joseph Smith öffentlich jede Lehre oder Ausübung der Vielehe leugnete, nahm er heimlich noch mehr Frauen. Nur eine Woche, nachdem Martha Brothertons Anklagen im St. Louis Bulletin gedruckt waren, überzeugte Smith die siebzehnjährige Sarah Ann Whitney, seine Vielehefrau zu werden. Richard Van Wagoner erzählt:

Sie [Sarah Ann Whitney] wurde mit der Zustimmung ihrer Eltern am 27. Juli 1842 an Smith gesiegelt. In einem Brief vom 18. August 1842 an die Whitneys, während Smith sich vor den gesetzvollziehenden Beamten versteckte, schilderte er seine Probleme damit, Sarah Ann sehen zu können, ohne dass Emma davon wüsste. „Meine Gefühle für dich sind so stark, seit vor kurzem etwas zwischen uns getreten ist… wenn ihr drei kommen und mich in diesem meinem einsamen Schlupfwinkel besuchen würdet, würde es mir große Erleichterung des Herzens bringen, wenn diejenigen, mit denen ich verbunden bin, mich lieben, so ist es jetzt an der Zeit, mir Hilfe zu geben… das einzige, wobei ihr sorgsam sein müsst, ist herauszufinden, wann Emma kommt, denn dann könnt ihr nicht sicher sein, aber wenn sie nicht hier ist, gibt es allerhöchste Sicherheit.“ (Mormon Polygamy, S. 48-49)

Sarah Ann war sich wahrscheinlich nicht bewusst, dass sie die fünfzehnte Vielehefrau geworden war. Jeder Jugendtraum vom Werben und von einer öffentlichen Hochzeit wurde geopfert, um Smiths Versprechen von ewiger Erhöhung für sich und ihre Eltern zu bekommen.


Anzahl der Frauen

Todd Compton stellte biographische Informationen über 33 Frauen zusammen, die mit Smith verheiratet waren und 14 bis 58 Jahre alt waren. Compton lieferte folgenden Überblick über Smiths Frauen:

In der Gruppe von Smiths gut dokumentierten Frauen waren elf (33 Prozent) 14 bis 20 Jahre alt, als sie ihn heirateten. Neun Frauen (27 Prozent) waren 21 bis 30 Jahre alt. Acht Frauen (24 Prozent) waren laut Smith eigener Liste 31 bis 40 Jahre alt…

Der Teenager-Anteil ist der größte, obwohl die Gruppe der 20- bis 30-jährigen vergleichbar ist, was dem mormonischen Allgemeinwissen widerspricht, das den Beginn der Polygamie als einen Versuch betrachtet, für die älteren, ledigen Frauen zu sorgen. Diese Daten lassen annehmen, dass sexuelle Anziehungskraft einen wichtigen Anteil bei Smiths Polygamie hatte. (In Sacred Loneliness, S. 11)

Compton merkt weiter an:

Achtzehn von Josephs Frauen (55 Prozent) waren ledig, als er sie heiratete und waren vorher nie verheiratet. Weitere vier (12 Prozent) waren Witwen… Die übrigen elf Frauen (33 Prozent) waren aber mit anderen Ehemännern verheiratet und lebten mit ihnen zusammen, als Smith sie heiratete… Ich benutze den Begriff Polyandrie (Vielmännerei) – was bedeutet, dass eine Frau gleichzeitig mit zwei Männern verheiratet ist – um diese eheliche Dreiecksbeziehung zu beschreiben.

Polyandrie ist eines der Hauptprobleme, auf die man bei Smiths Polygamie stößt, und viele Fragen sind damit verbunden…

Eine allgemeine falsche Auffassung in Bezug auf Joseph Smiths Polyandrie besteht darin, dass er nur ein oder zwei solche Verbindungen eingegangen war. Tatsächlich war ein ganzes Drittel dieser Vielehefrauen, elf nämlich, zivil mit anderen Männern verheiratet, als er sie heiratete. Wenn man eine chronologische Perspektive darüberlegt, sieht man, dass von Smiths ersten zwölf Frauen neun polyandrisch waren. Somit war in der frühen Periode Polyandrie die Norm und nicht unnormal… keine dieser Frauen war von „ihren Ehemännern“ geschieden, während Smith lebte, und jede von ihnen lebte weiterhin mit ihren zivilen Ehemännern zusammen, während sie mit Smith verheiratet waren. (In Sacred Loneliness, S. 15-16)

Die Tatsache, dass Joseph Smith Frauen anderer Männer verlangte, wurde in einer Predigt sehr deutlich gemacht, die in Salt Lake City von Jedediah M. Grant, dem zweiten Ratgeber zu Brigham Young, gehalten wurde. In dieser Predigt, die am 19. Februar 1854 gehalten wurde, erklärte Apostel Grant:

Als die Familienorganisation vom Himmel offenbart wurde, nämlich die Patriarchalische Ordnung, und Joseph rechts und links damit begann, seine Familie zu ergänzen, was für ein Zittern und Beben gab es da in Israel. So sagt ein Bruder zum anderen: 'Joseph sagt, dass alle Bündnisse aufgelöst sind und keines bindend ist, außer die neuen Bündnisse. Nehmen wir nun einmal an, dass Joseph kommen und sagen würde, er möchte deine Frau, was würdet ihr dazu sagen? Ich würde ihm sagen: Geh zur Hölle!' Dies war der Geist vieler in den frühen Tagen dieser Kirche...

Was würde ein Mann Gottes sagen, der recht fühlt, wenn Joseph ihn um sein Geld bäte? Er würde sagen: 'Ja, und ich wünschte, ich hätte mehr, um beim Aufbau des Königreiches Gottes zu helfen.' Oder wenn er käme und sagte: 'Ich möchte deine Frau?' 'Oh ja,' würde er sagen, 'hier ist sie, es gibt noch viel mehr.'... Wollte der Prophet Joseph jede Frau, um die er bat? Nein,... Wenn solch ein Mann Gottes zu mir kommen und sagen würde: 'Ich möchte dein Gold und Silber, oder deine Frauen', würde ich sagen: 'Hier sind sie, ich wünschte ich hätte mehr, um sie dir geben zu können. Nimm alles, was ich habe. (Journal of Discourses, Bd. 2, S. 13-14)

Um weitere Beweise dafür zu finden, dass Joseph Smith viele Frauen hatte, besuchen Sie die HLT-Website www.familysearch.org. Man kann eine Liste von 24 Frauen Joseph Smiths finden, indem man einfach die Namen Joseph und Emma (Hale) Smith eingibt, seine Eltern Joseph und Lucy hinzufügt und United States als Land hinzufügt, und dann sollte man die Liste finden. Während die Liste unvollständig ist, enthält sie die Namen von vier Frauen, die lebende Ehemänner hatten, als sie Smith heirateten, nämlich Mary Elizabeth Rollins (Lightner), Sylvia Sessions (Lyon), Presendia Huntington (Buell) und Zina Huntington (Jacobs). Ebenso werden Helen Mar Kimball, Smiths jüngste Frau im Alter von 14 Jahren, und die siebzehnjährige Sarah Ann Whitney aufgelistet.

Smiths Offenbarung über Polygamie erklärte, dass gemäß dem „Gesetz des Priestertums“ ein Mann „zehn Jungfrauen, die ihm durch dieses Gesetz gegeben werden“, haben könnte, und es wäre kein Ehebruch (LuB 132:61-62). Im Lichte des Wortlautes der Offenbarung fragt man sich, wie er seine Ehen mit Frauen rechtfertigen konnte, die lebende Ehemänner hatten. Offensichtlich glaubte er, dass alle Ehen, die nicht durch das Priestertum geschlossen wurden, null und nichtig wären, was die Frau für die „celestiale“ Ehe verfügbar machte. Richard Van Wagoner erklärte:

Smith betrachtete die Ehen, die nicht durch seine Segnung gesiegelt waren, als ungültig. Als Gottes irdischer Vertreter glaubte er, dass ihm Mächte gegeben worden wären, die über dem zivilen Gesetz stehen… Wann immer er es für angebracht hielt, konnte er eine Frau aus ihrer irdischen Ehe entlassen und sie an sich oder einen anderen siegeln ohne das Schandmal des Ehebruchs. (Mormon Polygamy, S. 47)

Die meisten Vielehen wurden ohne Kenntnis von Emma geschlossen. Smith „machte auch mindestens fünf weiteren Frauen einen Heiratsantrag, aber sie schlugen ihn aus“. In Sacred Loneliness, S. 2. Zwei dieser Anträge werden von Robert S. Wicks und Fred R. Foister erwähnt:

Nicht alle Frauen, um die er warb, gaben seinen Anträgen nach. Die öffentlichste peinliche Ablehnung war Josephs Versuch im Jahr 1842, Nancy Rigdon zu heiraten, Tochter des Ratgebers Sidney Rigdon, der selbst ein lautstarker Gegner der Polygamie war. Damals machte der dreiundzwanzig Jahre alte Francis M. Higbee ihr den Hof. Anfang 1844 war Higbee ein einflussreicher Dissident geworden. Joseph machte Jane Law, der Frau des früheren Ratgebers William Law, im Jahr 1844 erfolglos einen Heiratsantrag. (Junius & Joseph: Presidential Politics and the Assassination of the First Mormon Prophet, by Robert S. Wicks and Fred R. Foister, 2005, S. 134)

Wurden die Ehen vollzogen?

Wenn das Thema der Vielehen Joseph Smiths mit Mormonen diskutiert wird, werden sie oft behaupten, dass Smith mit diesen Frauen keinen Geschlechtsverkehr hatte, sondern sie wären nur für die Ewigkeit an ihn gesiegelt worden. Einige seiner Frauen und Freunde gaben aber Erklärungen ab, die deutlich zeigen, dass mindestens einige Ehen sexuelle Beziehungen beinhalteten. Todd Compton erklärte:

Zum Beispiel erklärte Mary Elizabeth Rollins Lightner, dass sie von Kindern wusste, die von Smiths Vielehefrauen geboren wurden: „Ich weiß, dass er sechs Frauen hatte und habe einige von ihnen von Kindesbeinen an gekannt. Ich weiß, er hatte drei Kinder. Sie erzählten es mir. Ich denke zwei leben heute noch, aber sie sind nicht als seine Kinder bekannt, da sie unter anderen Namen leben.“ Melissa Lott Willes bezeugte, dass sie „tatsächlich“ Smiths Frau gewesen war. Emily Partridge Young sagte, dass sie mit Joseph in der Nacht nach der Heirat „ein Zimmer teilte“, und sie sagte, dass sie mit ihm „Geschlechtsverkehr“ hatte.

Andere frühe Zeugen bestätigten dies ebenso. Benjamin Johnson schrieb: „Am 15. Mai… kam der Prophet wieder und belegte in meinem Haus dasselbe Zimmer & dasselbe Bett mit meiner Schwester, das er einen Monat zuvor mit der Tochter des späteren Bischofs Partridge als seine Ehefrau teilte.“ Gemäß Joseph Bates Noble sagte ihm Smith, dass er eine Nacht mit Louisa Beaman verbracht hätte. (In Sacred Loneliness, S. 12-13)


Emmas Probleme mit der Polygamie

Der Film stellt die Beziehung zwischen Emma und Joseph als eine mit gegenseitigem Respekt und Gleichberechtigung dar. Ein HLT-Mitglied gab folgende Einschätzung darüber, wie der Film Joseph und Emma behandelt:

Ich habe den Film am letzten Wochenende gesehen, als wir in Utah waren. Fabelhaft! Ich liebte es, wie die Beziehung zwischen Emma & Joseph dargestellt wurde. (www.nauvoo.com)

Der Film lässt aber bequemerweise die zahllosen Streitigkeiten über die Polygamie zwischen Joseph und Emma aus.

Sowohl in Ansprachen und kirchlichen Veröffentlichungen leugnete Smith fortwährend die Lehre und Ausübung der Vielehe, während er heimlich die Zahl seiner Frauen vermehrte. Somit hielten die Gerüchte an. Richard Van Wagoner schrieb:

Smiths Verleugnungen wurden von den meisten Heiligen als bare Münze akzeptiert. Aber Emma hatte ihren Mann im Verdacht, sie zu praktizieren, so dass sie die Unterstützung anderer antipolygamistischen Frauen gewann, um ihm auf die Spur zu kommen. Joseph Lee Robinson schrieb über solch ein Bündnis. Angeline, Frau seines Bruders Ebenezer „beobachtete Bruder Joseph, den Propheten. Dies war zu einer Zeit, als sie ihn sehr im Verdacht hatte und eifersüchtig darauf war, dass er sich eine weitere Frau nehmen würde.“ Robinson behauptete, dass Emma so wütend war, dass „sie ihn verlassen und Vorbereitungen treffen würde, zu ihren Leuten im Staat NewYork zu gehen; es kam fast zum Auseinanderbrechen seiner Familie“. (Mormon Polygamy, S. 51)

Irgendwann während des Februar 1843 wurde Emma offensichtlich gewahr, dass Joseph ihre beste Freundin Eliza R. Snow als Vielehefrau genommen hatte. Eliza lebte ständig im Heim der Smiths, das eine Anzahl von Gästen beherbergte. Die HLT-Historiker Linda Newell und Valeen Avery schrieben:

Als ihr die Beziehung zwischen Eliza und ihrem Ehemann Joseph voll bewusst wurde, war Emma sprachlos… Obwohl noch kein zeitgenössischer Bericht über das Geschehen zwischen Emma und Eliza vorhanden ist, führen die Beweise zum Schluss, dass es eine Art von physischer Konfrontation zwischen den beiden Frauen gegeben hatte. 1886 veröffentlichte Wilhelm Wyl die erste bekannte Version über das Ereignis in seinem Antimormonenbuch Joseph Smith the Prophet: His Family and His Friends:

"Man sagt… dass kaum ein Mormone nicht von der Tatsache wusste, dass Schwester Emma… bald den kleinen Kompromiss herausfand, der zwischen Joseph und Eliza arrangiert war. Da sie sich als Ehefrau gröblich verletzt und als Freundin verraten fühlte, so berichtete man ständig, dass Emma auf einen gewöhnlichen Besenstil als Werkzeug der Rache zurückgegriffen hätte; und die harte Behandlung durch Emmas Hand hätte, so sagt man, Elizas Hoffnungen zunichte gemacht, Mutter eines Propheten Sohnes zu werden…"

Eine vierte Geschichte, die LeRoi C. Snow, Elizas Neffen, zugeschrieben wird, ist eine mündliche Familientradition, die davon erzählt, wie Emma Eliza mit einem Besen die Treppe hinunterprügelte, so dass der Sturz eine Fehlgeburt für Eliza zur Folge hatte…

Ob Eliza die Treppe hinunterfiel, oder ob Emma sie stieß, oder an den Haaren herunterzog oder ob Emma sie nur aus dem Haus jagte, das Ergebnis scheint in Elizas kurzem Tagebucheintrag vom 11. Februar 1843 dokumentiert zu sein: ‚Wechselte meine Unterkunft ins Haus von Brd. [Jonathan] Holmes.’… Eliza machte fünf Wochen lang keinen weiteren Eintrag in ihr Tagebuch und schrieb auch keine Erklärung für die Lücke in ihrem Tagebuch oder für das plötzliche Verlassen von Emmas Heim…

Das Geschehen zwischen Emma und Eliza zwang das Thema der Vielehe in die Öffentlichkeit. Emma konnte nicht mehr glauben, dass Joseph nichts damit zu tun hätte, und er konnte es nicht mehr leugnen. Emma war zuvor nicht gewalttätig geworden; nun konnte sich ihre entschiedene Gegnerschaft erneut mit unerwarteter Kraft zeigen. Joseph versuchte entschlossen Emma zu beruhigen. (Mormon Enigma: Emma Hale Smith, von Linda King Newell und Valeen Tippetts Avery, 1994, S. 134-137)

Emma scheint gelegentlich damit einverstanden gewesen zu sein, dass Joseph weitere Frauen nahm, nur um sich später wieder gegen ihn zu wenden. Linda Newell und Valeen Avery liefern folgende Information über Emmas Kapitulation:

Zwei Monate lang, von März bis Mai, scheint Joseph mit Emma über die Vielehe geredet zu haben. Er benutzte anscheinend ihre gemeinsamen Austritte dazu, sie über die Notwendigkeit des Endowments und der Siegelung zu belehren. Es gibt keinen Beweis darüber, dass sie gegen irgendeine Kirchenlehre außer der Vielehe war. Überzeugt, dass es für ihre Erlösung notwendig und für ihre fortdauernde Beziehung wichtig wäre, könnte sie sich entschieden haben, mit Joseph einen Kompromiss zu schließen. Im Mai 1843 stimmte sie schließlich zu, Joseph weitere Frauen zu geben, wenn sie sie auswählen könnte… Emma wählte die beiden Schwesternpaare aus, die damals in ihrem Haushalt lebten, Emily und Eliza Partridge und Sarah und Maria Lawrence.

Joseph hatte schließlich Emma für die Vielehe bekehrt, aber nicht so weit, dass er sich traute, ihr zu sagen, dass er die Partridge-Schwestern zwei Monate zuvor geheiratet hatte. (Mormon Enigma: Emma Hale Smith, pp. 142-143)

Emily Dow Partridge erzählte, wie sie und ihre Schwester ohne Wissen von Emma verheiratet wurden und dann später mit Zustimmung von Emma mit Smith verheiratet wurden:

…der Prophet Joseph und seine Frau Emma boten uns ein Heim in ihrer Familie an und behandelten uns mit großer Freundlichkeit. Wir waren dort für etwa ein Jahr, als uns das Prinzip der Vielehe bekannt gemacht wurde, und ich wurde am 4. März 1843 mit Joseph Smith verheiratet, die Zeremonie wurde vom Ältesten Heber C. Kimball durchgeführt. Meine Schwester Eliza wurde ein paar Tage später ebenfalls mit Joseph verheiratet. Dies geschah ohne das Wissen von Emma Smith. Zwei Monate später gestand sie ihrem Ehemann zwei weitere Frauen zu, vorausgesetzt, dass sie die beiden auswählen dürfte. Sie wählte daraufhin meine Schwester Eliza und mich aus und um Familienstreitigkeiten zu vermeiden, dachte Bruder Joseph, es sei das Beste eine weitere Zeremonie zu vollziehen. Demgemäß wurden wir am 11. Mai 1843 in der Gegenwart von Emma an Joseph Smith gesiegelt... Von dieser Zeit an war Emma unser bitterster Feind. Wir blieben einige Monate danach in der Familie, aber die Dinge liefen von schlecht zu noch schlechter, bis wir gezwungen waren, das Haus zu verlassen und ein anderes Heim zu finden. (Historical Record, herausgegeben von Andrew Jenson, Bd. 6, 1887, S. 240)

Laut Todd Compton heiratete Joseph Smith mindestens siebenundzwanzig Vielehefrauen zwischen 1833 und dem 12. Juli 1843, siehe In Sacred Loneliness, S. 4-6. Diese hatte er alle bevor Joseph seine Offenbarung zu Papier brachte. Zum Beispiel wurden die Partridge-Schwestern mit Smith im März 1843 verheiratet. Im Juli 1843 glaubte Josephs Bruder Hyrum, dass er Emma von der Wahrhaftigkeit der Polygamie überzeugen könnte und er schlug Smith vor, die Offenbarung zu Papier zu bringen. Josephs Sekretär William Clayton berichtete:

Am Morgen des 12. Juli 1843 kamen Joseph und Hyrum Smith in das Büro… Hyrum sagte zu Joseph: „Wenn du die Offenbarung über die celestiale Ehe schreibst, werde ich sie nehmen und Emma vorlesen, und ich glaube, ich kann sie von deren Wahrheit überzeugen, und du wirst danach Frieden haben.“ Joseph lächelte und bemerkte: „Du kennst Emma nicht so gut wie ich.“… Hyrum nahm dann die Offenbarung, um sie Emma vorzulesen… Als er zurückkam, fragte Joseph, ob er Erfolg hatte. Hyrum antwortete, dass er nie zuvor in seinem Leben eine ernstere Standpauke erhalten hätte…

Joseph bemerkte ruhig: „Ich sagte es dir, du kennst Emma nicht so gut wie ich.“… Zwei oder drei Tage nachdem die Offenbarung geschrieben war, erzählte Joseph mir [William Clayton] und etlichen anderen, dass Emma so lange gehänselt und ihn dringlich darum gebeten hätte, sie vernichten zu dürfen, so dass er ihr Hänseln leid war und, um ihre Plage los zu werden, ihr sagte, dass sie sie vernichten könnte, und so hatte sie es getan… ihm war bewusst… dass er sie jeder Zeit neu schreiben könnte. (History of the Church, Einleitung zu Bd. 5)

Einen Monat später stritten Joseph und Emma wieder über die Polygamie. Am 16. August 1843 berichtete William Clayton folgendes in seinem Tagebuch:

An diesem Vormittag sagte mir Joseph, dass, seit Emma von St. Louis zurück war, sie sich dem Priestertum als Ganzem widersetzt hätte, und er musste ihr sagen, dass er um ihretwillen alles aufgeben würde. Sie sagte, dass sie ihm Eliza und Emily Partridge gegeben hätte, aber er wusste, wenn er sie genommen hätte, hätte sie auf ihm herumgehackt und eine Scheidung erwirkt & ihn verlassen. Er sagte mir aber, dass er nichts aufgeben würde. (An Intimate Chronicle: The Journals of William Clayton, herausgegeben von George D. Smith, S. 117)

Emmas Kampf mit der Polygamie hielt weiter an. Linda Newell schilderte die Ereignisse der kommenden Tage:

Einige Tage nachdem sie gehört hatte, dass Joseph „alles aufgeben“ würde, fand Emma zwei Briefe in seiner Tasche von Eliza R. Snow, die damals in der Morley-Siedlung wohnte. Emma, die „ärgerlich und wütend“ zu sein schien, fragte William, ob er die Briefe Joseph überbracht hätte. Clayton leugnete es. Sein Bericht über das Ereignis könnte von seinen eigenen Auffassungen gefärbt sein.

Zwei Tage später berichtete William Clayton wieder über Emma in einer anderen Situation,… Der Eintrag zum 23. August lautet:

"Präs. Joseph erzählte mir, dass er gestern Schwierigkeiten mit Emma hatte. Sie ritt mit ihm nach Woodworths hianuf & machte einen Besuch, während er zum Tempel kam. Als er zurückkehrte, verlangte sie die goldene Uhr von Flora. Er tadelte sie für ihr übles Benehmen. Auf ihrem Rückweg nach Hause beschimpfte sie ihn sehr & auch als er nach Hause kam. Er musste strenge Mittel anwenden, um ihr Geschimpfe abzustellen, aber schließlich hatte er Erfolg."

William fügte nicht alle Einzelheiten ein. Immer noch unter ihrer Entdeckung von Elizas Briefen leidend, unternahm sie mit Joseph eine kurze Kutschfahrt. Er nahm an einigen Tätigkeiten am Tempel teil, während sie die Familie Lucian Woodworths besuchte. Emma wusste nicht, dass die sechzehnjährige Tochter der Woodworths, Flora, seit dem Frühjahr Josephs Vielehefrau gewesen war. Was wahrscheinlich als gelegentlicher Geselligkeitsbesuch begann, explodierte, als Emma herausbekam, dass Joseph Flora eine goldene Uhr gegeben hatte. Die Folgerungen aus solch einem Geschenk waren offensichtlich, da er ebenfalls Eliza eine gegeben hatte. Joseph kam zurück, als Emma „die goldene Uhr“ von Flora „forderte“, und er gab ihr einen Verweis. Aber in der Kutsche schließlich machte Emma zweifellos ihrem Ärger Luft, da sie noch eine weitere erschütternde Situation entdeckt hatte, und fuhr mit dem fort, was William Clayton „ihre Beschimpfung“ nannte, bis Joseph seine Fassung verloren haben musste und „strenge Mittel“ anwandte, um Emma zu bremsen. ("The Emma Smith Lore Reconsidered," von Linda King Newell, Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Bd. 17, Nr. 3, S. 91)

Was müssen wir aus William Claytons Aussage „musste strenge Mittel anwenden“, um Emmas Geschimpfe abzustellen, „aber schließlich hatte er Erfolg“ ableiten? Hatte er sie tätlich angegriffen? Ob nun seine strengen Mittel verbal oder physisch waren, sie lassen kaum das Bild einer liebenden Atmosphäre im Heim der Smiths aufkommen, wie der Film es darstellt.


Der Giftanschlag

Ein weiteres merkwürdiges Ereignis im Leben Smiths ist seine Anklage, dass Emma versucht hätte, ihn zu vergiften. Frau Newell schreibt:

Joseph gewann einen Aufschub mit Emma über die Vielehe, als sie die höchste Verordnung der Kirche am oder kurz vor dem 28. September 1843 empfing, die Zweite Salbung. Sie hatte ihr Endowment empfangen und war an Joseph für die Ewigkeit im Frühjahr davor gesiegelt worden. Aber zum November hin hatten Plünderer im Außenbereich der Stadt damit begonnen, zu plündern, Brände zu legen und zu prügeln. Emmas und Josephs Beziehung zeigte wieder Anzeichen von heftiger Spannung und sie litten beide an Krankheit. In einer Konferenzansprache von 1866 erzählte Brigham Young folgende Geschichte:

"[Joseph] rief seine Frau Emma in eine geheime Ratssitzung und dort erzählte er ihr… von der Zeit, als sie ihn vergiften wollte, und er sagte ihr, dass sie ein Kind der Hölle und buchstäblich die böseste Frau auf dieser Erde wäre, dass es keine bösere als sie gäbe. Er sagte ihr, woher sie das Gift bekam und wie sie es in eine Tasse Kaffee gab… Als es seinen Magen erreichte, ging er zur Tür und brach es aus."

Dieses Beweisstück lässt stark vermuten, dass Joseph tatsächlich diese Anklage vorbrachte, aber dass er sich in der Schlussfolgerung geirrt hatte, dass Emma versucht hätte, ihn zu vergiften. Diese Episode erfordert einen größeren Zusammenhang. Josephs Tagebucheintrag vom 5. November 1843 beschreibt, dass er plötzlich krank wurde, während er zu Mittag aß und dass er so stark erbrechen musste, dass er sich seinen Kiefer verrenkte und „frisches Blut auswürgte“. Er glaubte, dass er vergiftet worden wäre, aber er erholte sich genügend, um an jenem Abend „in der Halle über dem Laden an einer Gebetsversammlung“ teilzunehmen. Dies war eine Versammlung des „Kollegiums der Gesalbten“ – diejenigen, die ihre Endowments empfangen hatten – und der „geheimen Ratssitzung“ sehr ähnlich, in der laut Brigham Joseph Emma des Versuches anklagte, ihn zu vergiften. Josephs Tagebuch berichtet, dass er und Emma sich in jener Nacht für den Gebetskreis nicht ankleideten. Bezeichnenderweise nahmen Mitglieder üblich nicht am Gebetskreis teil, wenn sie schlechte Gefühle gegen einen in der Gruppe hatten…

Wenn Emma Joseph von ihrer Unschuld bei dem früheren Ereignis überzeugt hätte, hätte Joseph offensichtlich den anderen in der Versammlung nichts erzählt und Emma wäre in ihren Köpfen für immer schuldig geblieben. (Dialogue: A Journal of Mormon Thought, vol. 17, no. 3, pp. 91-93)

In derselben oben zitierten Brigham-Young-Rede erzählt er weiter:

Er [Joseph] sprach zu ihr [Emma] in jenem Rat auf sehr ernste Weise und sie setzte nie ein Wort dagegen. Ich habe überall herum Zeugen von dieser Szene, die bezeugen können, dass ich jetzt die Wahrheit sage. Zweimal versuchte sie, ihn zu töten. (The Essential Brigham Young, 1992, S. 188-189)

Ungeachtet dessen, ob Emma tatsächlich versuchte, Joseph zu vergiften, oder nicht, glaubten offensichtlich Smith und die anderen Führer, dass dies der Fall war. Diese harten Anklagen liefern kein Bild von ehelicher Wonne.


Vielehe ist wichtige Voraussetzung

Verheiratung mit vielen Frauen war kein nebensächliches Thema für Smith, sondern ein zentraler Teil bei seiner Suche nach Erhöhung und Gottestum. Todd Compton bemerkte:

Man könnte sich fragen, warum Smith so viele Frauen heiratete, wenn zwei oder drei Frauen dem berichteten göttlichen Gebot, in die Vielehe einzutreten, entsprochen hätten. Der Kirchenpräsident glaubte aber offensichtlich, dass vollständige Erlösung (in der Mormonenterminologie: Erhöhung, die das Konzept der Vergöttlichung beinhaltet) von dem Umfang der Familie eines Mannes abhing, die in diesem Leben an ihn gesiegelt ist… Dies bringt die Anzahl der Frauen, die Joseph heiratete, in einen verstehbaren Zusammenhang. (In Sacred Loneliness, S. 10-11)

Vielleicht für einen Mormonen verstehbar, aber beantwortet dies wirklich die Einwände? Wozu all das Lügen Emma und der Öffentlichkeit gegenüber? Warum heirateten die Frauen? Man könnte so argumentieren, dass es sehr nach einer Ausrede für Ehebruch aussieht.

Allgemein gesprochen scheinen Mormonen heutzutage keine Ahnung davon zu haben, dass Smith Polygamie praktizierte, und glauben, dass sie in Utah eingerichtet wurde, um den Witwen ein zu Hause zu geben. Aber es bestand nie eine solche Notwendigkeit. Der HLT-Apostel John A. Widtsoe gab zu, dass es keinen Frauenüberschuss gab:

Die unterstellte Annahme in dieser Theorie, dass es mehr weibliche als männliche Mitglieder in der Kirche gegeben hätte, wird durch vorhandene Beweise nicht gestützt. Im Gegenteil, es scheint immer mehr Männer als Frauen in der Kirche gegeben zu haben…

Die Volkszählungsberichte der Vereinigten Staaten von 1850 bis 1940 und alle erhältlichen Kirchenberichte zeigen einheitlich ein Übergewicht an Männern in Utah und in der Kirche. (Evidences and Reconciliations, 1960, S. 390-392)

Selbst wenn es ein Übermaß an Witwen gegeben hätte, hätte man mittels irgendeines Kirchenprogramms für sie sorgen können, so dass Heiraten nicht erforderlich gewesen wäre.

Die Vielehe wurde den Leuten als eine wichtige Lehre vorgestellt, notwendig für die höchste Stufe im Himmel. 1878 erzählte Joseph F. Smith, wie Gott einen Engel mit einem gezogenen Schwert zu Joseph Smith gesandt hätte, um ihn davon zu überzeugen, dass er in die Vielehe eintreten sollte „oder er würde gänzlich vernichtet werden“. (Journal of Discourses, Bd. 20, S. 29)

Richard Van Wagoner bemerkte:

Diese Betonung auf Zeugung wurde die Grundlage für das mormonische Konzept vom Fortschritt der Menschheit zur Göttlichkeit. Alle lehremäßigen Neuerungen Smiths in Nauvoo bildeten sich um diese neue Lehre herum. Smith erklärte, dass Gott ein erhöhter Mensch wäre und dass das sterbliche Dasein für den Menschen der Übungsplatz wäre, von dem aus das Fortschreiten zu erhöhtem Gottestum begänne. Erlösung wurde zu einer Familienangelegenheit, die sich um einen Ehemann dreht, dessen Vielehefrauen und Kinder für die Ewigkeit unter dem „neuen und ewigen Bund“ an ihn gesiegelt wurden. (Mormon Polygamy, S. 56)

1866 predigend verkündete Präsident Brigham Young:

Die einzigen Menschen, die Götter werden, ja, die Söhne Gottes, sind diejenigen, die in die Polygamie eintreten. (Journal of Discourses, Bd. 11, S. 269)

1890 gab die HLT-Kirche das Manifest heraus, das hinten in Lehre und Bündnisse abgedruckt ist, und beendete damit offiziell die Ausübung der Vielehe. Viele setzten aber ihre Ausübung fort und riskierten sogar die Exkommunikation, wenn sie entdeckt worden wäre. Dies führte zu vielen Splittergruppen, die immer noch die Polygamie ausüben und glauben, dass sich die HLT-Kirche in einem Zustand des Abfalls befindet. Heute versucht die HLT-Kirche sich von den Splittergruppen zu distanzieren. Präsident Gordon B. Hinckley wurde 1998 von Larry King interviewt und über diese gegenwärtig ausgeübten Vielehen befragt. Eine seiner Fragen an Hinckley war: „Erzählen Sie mir als Erstes über die Kirche und die Polygamie. Wann begann sie, wer erlaubte sie?“ Hinckley erwiderte: „Als unser Volk nach Westen kam, ließen sie sie in einem strengen Rahmen zu.“

Hinckley erklärte weiter:

Ich verdamme sie, ja, als eine Praktik, weil ich denke, dass sie nicht der Lehre entspricht. Sie ist nicht legal. Und diese Kirche nimmt die Position ein, dass wir dem Gesetz gehorchen werden. (Larry King Live, 8. Sept. 1998)

Man sollte auf drei Dinge in Hinckleys Kommentaren achten. Erstens – als er im Besonderen gefragt wurde, wann die Vielehe im Mormonismus begann, log Hinckley eindeutig. Er weiß, dass Joseph Smith die Polygamie schon in den 1830ern praktizierte, Jahre bevor die Mormoen nach Westen kamen.

Zweitens – die Vielehe ist offensichtlich immer noch „Lehre“. Abschnitt 132 der Lehre und Bündnisse, der die Vielehe verteidigt, wird immer noch in ihren Schriften abgedruckt.

Der Beweis, dass die HLT-Kirche immer noch an diese Lehre glaubt, ist ihre Praktik, einem HLT-Witwer zu erlauben, an eine weitere Frau nach dem Tod seiner Frau gesiegelt zu werden. Zum Beispiel war im Salt Lake Tribune für den 7. April 2006 ein Artikel, der die Tempelehe von Apostel Russel M. Nelson, Alter 81, mit einer BYU-Professorin bekannt gab. Seine erste Frau starb im Februar 2005 und dies war für seine neue Frau die erste Ehe. Dies würde gemäß dem HLT-Glauben bedeuten, dass Nelson zwei an sich für die Ewigkeit gesiegelte Frauen hat. Offensichtlich glaubt die HLT-Kirche immer noch, dass die Vielehe im celestialen Reich praktiziert wird.

Drittens – wenn Hinckleys Einwand darin besteht, dass ihre Ausübung „nicht legal“ ist, wie erklärt man sich dann, dass Joseph Smith die Vielehe praktizierte, als sie in Illinois gegen das Gesetz war?


Josephs politische Ambitionen

Der Film erklärt an keiner Stelle, warum die Gemeinschaften um Nauvoo herum so gegen die Mormonen waren. Die Spannungen scheinen einfach eine Ausweitung der scheinbar sinnlosen Verfolgung der Mormonen die Jahre hindurch zu sein.

Tausende Mormonen strömten aber nach Nauvoo, was ihnen ungeheure politische Macht und die Fähigkeit zu geben drohte, örtliche Wahlen zu beeinflussen. Robert S. Wicks und Fred R. Foister bemerkten:

Mit zehn- bis zwölftausend Einwohnern war 1843 Nauvoo die zweitgrößte Stadt in Illinois, die nur von Chicago übertroffen wurde. Die Heilige Stadt, wie sie oft genannt wurde, beherrschte die Wirtschaft der Region. (Junius & Joseph, S. 22)

Auch hatte Smith während der frühen 1840er heimlich eine Anzahl neuer Lehren und Praktiken eingeführt. Neben der Einführung der Vielehe richtete er heimlich den Rat der Fünfzig ein, eine geheime Regierungskörperschaft, die ein Vorläufer seines Planes war, eine Theokratie aufzurichten, das buchstäbliche Reich Gottes auf Erden.

Als Smith die Nauvoo-Legion schuf, mit sich selbst als „Lieutenant General“, bekam die nichtmormonische Gesellschaft Angst vor der militärischen Stellung der Mormonen. Am 21. Juli 1841 berichtete der Warsaw Signal:

Wie militärisch sind diese Leute doch geworden! Alles, was sie sagen oder tun, scheint den Geist militärischer Taktiken zu atmen. Ihr Prophet erscheint bei allen Gelegenheiten in seiner schillernden Regimentskleidung, kennzeichnet seinen Namen mit Lieut. General, und man findet in der Nauvoo-Legion mehr Titel als irgendein Buch über militärische Taktiken hervorbringen kann;… wahrhaftes Kämpfen muss ein Teil des Glaubens dieser Heiligen sein! (Warsaw Signal, July 21, 1841)

D. Michael Quinn bemerkte, dass

die Nauvoo-Legion keine gewöhnliche Miliz war. Um 1842 hatte die Legion 2000 Truppen, bei Weitem die größte Milizeinheit in Illinois. Innerhalb von zwei Jahren hatte die Nauvoo-Legion fast 3000 (Berufs-)Soldaten. Im Vergleich dazu hatte die U.S.-Armee in jenem Jahr weniger als 8500 Soldaten. (The Mormon Hierarchy: Origins of Power, S. 106)

Außerdem neigten die Mormonen dazu, als Block abzustimmen. Thomas Ford, Gouverneur von Illinois von 1842-1846, machte folgende Bemerkungen:

Aber die große Ursache für die Wut des Volkes war, dass die Mormonen bei etlichen vorhergehenden Wahlen ihre Stimme als eine Einheit abgegeben hatten und machten damit die Tatsache offenbar, dass niemand die Ehren oder Ämter des Landes innerhalb ihres Einflussgebietes ohne ihre Billigung und Stimme annehmen konnte…

Dieses eine Prinzip und ihre Praktik ließ alle Anwärter auf ein Amt, die sich ihrer Unterstützung nicht sicher waren, in tödlicher Feindschaft gegen sie aufbieten, all jene, die bei Wahlen erfolglos gewesen sind, und alle, die zu stolz waren, ihren Einfluss gerichtlich mit all ihren Freunden und Verbindungen geltend zu machen. (History of Illinois, von Thomas Ford, 1854, S. 329-330)

Ferner hatte sich Smith entschieden, als Präsident der Vereinigten Staaten zu kandidieren. Gouverneur Ford kommentierte:

Um der ganzen Torheit der Mormonen die Krone aufzusetzen, rief er sich im Frühjahr 1844 als Kandidat für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten aus. Seine Anhänger waren zuversichtlich, dass er gewählt werden würde. Zwei- oder dreitausend Missionare wurden sofort ausgesandt, ihre Religion zu predigen und Wahlpropaganda zu Gunsten ihres Propheten für die Präsidentschaft zu machen. Diese Torheit machte dieses Volk in den Köpfen aller vernünftigen Menschen lächerlich und brachte sie in Konflikt mit den Eiferern und Frömmlern aller politischen Parteien, während die Überheblichkeit und Überspanntheit ihrer religiösen Anmaßungen schon den Widerstand aller religiösen Bekenntnisse hervorgerufen hatte. (History of Illinois, S. 321)

Robert S. Wicks und Fred R. Foister geben folgende Einschätzung über Smiths Versuch, Präsident zu werden:

Für den achtunddreißigjährigen Propheten Joseph war die Amerikanische Präsidentschaft nur der Anfang. Seine öffentlich erklärte Motivation, nach dem Präsidentenstuhl zu trachten, war, den Ausgleich der Verluste an Leben, Land und Eigentum der Heiligen während der Verfolgung in Missouri und ihrer nachfolgenden Vertreibung aus dem Staat zu erleichtern. Seine private Vision (die anfänglich nur einem erwählten, inneren Kreis von Vertrauten bekannt gemacht wurde) war sogar noch ehrgeiziger. Er prophezeite die Übernahme der Regierung der Vereinigten Staaten während seiner Lebenszeit und verkündete, dass sein politisches Reich Gottes zu guter Letzt alle irdischen Regierungen in Erfüllung der alttestamentarischen Prophezeiung unterwerfen würde. Smiths doppelte politische Agendas wurden von einem geheimen Rat der Fünfzig verwaltet, der als Kern einer neuen Weltregierung gegründet war… für Josephs Gegner bedeutete die Aussicht auf eine Verschmelzung von Staat und Kirche in Amerika ein Schrecken und es war unakzeptabel, eine Verwerfung eines Ecksteins der Verfassung. (Junius & Joseph, S. 1)

Da die Gesellschaft schon außer sich war, weil die Mormonen eine Miliz hatten und als Block wählten, vergrößerte es die Besorgnis des Volkes, als Smith die politische Arena betrat.


Nauvoo Expositor

Nicht jeder von Smiths Spitzenführern billigte seine geheime Lehre von der Vielehe und die Pläne für ein Königreich. Die HLT-Historiker James B. Allen und Glen M. Leonard kommentierten:

Im April 1844 zogen sich einige von denen zurück, die nicht mit dem Propheten in Bezug auf die Vielehe und andere neue Lehren übereinstimmten, und gründeten eine reformierte Kirche, die auf Lehren basierte, wie sie im Jahre 1838 bestanden. Die Andersdenkenden schlossen William Law von der Ersten Präsidentschaft mit ein, seinen Bruder Wilson Law, Austin Cowles vom Hohen Rat Nauvoos, James Blakeslee, Charles G. Foster, Francis M. Higbee und die Geschäftsmänner Robert D. Foster, Chauncey Higbee und Charles Ivins. Die Beschwerden dieser Männer und ungefähr zweihundert anderer, die sich ihnen anschlossen, gehen über die Polygamie hinaus… Joseph Smith als einen gefallenen Propheten, einen politischen Demagogen, einen unmoralischen Schurken und einen finanziellen Intriganten anprangernd veröffentlichten diese Männer ihre Anklagen in einer Zeitung, die am 7. Juni 1844 als Nauvoo Expositor eingeführt wurde. (The Story of the Latter-day Saints, 1992, S. 205-206)

Dieser Schritt wurde nicht leichtfertig oder plötzlich unternommen. William Law hatte wiederholt versucht, Smith zu überzeugen, der Polygamie zu entsagen. Schließlich strengte William Law

einen Prozess gegen Smith im Hancock-County-Kreisgerichtshof an, indem er den Propheten anklagte, mit Maria Lawrence vom 12. Oktober 1843 bis zum 23. Mai 1844 „in offenem Zustand des Ehebruchs“ gelebt zu haben. (Mormon Polygamy, S. 66)

Joseph Smiths Reaktion bestand darin, in seiner Rede vom 26. Mai 1844 das Gesetz anzuprangern und die Anklage wegen Ehebruchs abzustreiten:

Dieser neue heilige Prophet [William Law] ist nach Carthage gegangen und hat geschworen, dass ich ihm gesagt hätte, dass ich des Ehebruchs schuldig wäre. Diese geistige Weiberherrschaft! Wieso - ein Mann traut sich nicht zu sprechen oder zu blinzeln, aus Angst deswegen angeklagt zu werden…

Ein Mann fragte mich, ob das Gebot gegeben wurde, dass ein Mann sieben Frauen haben kann; und nun klagt mich der neue Prophet wegen Ehebruchs an… Ich bin all dieser Anklagen unschuldig und Sie können von meiner Unschuld Zeugnis ablegen, denn Sie kennen mich… Was ist das für ein Ding, wenn ein Mann angeklagt wird, Ehebruch begangen zu haben und sieben Ehefrauen zu haben, wenn ich nur eine finden kann. (History of the Church, Bd. 6, S. 410-411)

Der Nauvoo Expositor konnte nur die eine Ausgabe vom 7. Juni 1844 drucken. Joseph Smith, als Bürgermeister von Nauvoo, legte diese Ausgabe am 10. Juni dem Stadtrat vor, der

entschied, dass die Zeitung ein öffentliches Ärgernis wäre, die Personen in der Stadt verleumdet hätte. Der öffentliche Unwille drohte mit einer Pöbelaktion gegen die Zeitung. Sie argumentierten und, falls der Rat nicht reagieren würde, würde die verleumderische Zeitung Antimormonen-Pöbelhaufen erwecken… Der Bürgermeister Joseph Smith befahl dann dem Stadtmarschall, die Presse zu zerstören, die Typensätze zu verstreuen und alle verfügbaren Zeitungen zu verbrennen. Innerhalb von Stunden war der Befehl ausgeführt worden. Die Herausgeber fürchteten scheinbar um ihre persönliche Sicherheit, flohen nach Carthage, wo sie gegen den Stadtrat von Nauvoo einen Haftbefehl wegen Tumults erwirkten. (Story of the Latter-day Saints, S. 206)

Während Mormonen versuchen, die Zerstörung der Presse auf der Grundlage zu rechtfertigen, dass die Zeitung voller Lügen gewesen wäre, hat die Geschichte gezeigt, dass die Anklagen legitim waren. Smith hatte um 1844 mindestens 33 Vielehefrauen. Eine Anzahl weiterer Spitzenführer übten ebenso die Polygamie aus und es gab eine geheime Agenda, um das politische Königreich aufzurichten.

Die Zerstörung der Presse beleidigte die Abgefallenen und Nichtmormonen aufs Gröbste, die daraufhin nach der Vertreibung der Mormonen riefen. (siehe Mormon Enigma, S. 181)

Die Historiker Linda Newell und Valeen Avery erzählen, wie Smith damals die Nauvoo-Legion herausrief:

Am 12. Juni wurden Joseph und siebzehn weitere aufgrund der Anklage eingesperrt, die Zerstörung der Presse angestiftet zu haben. Richter Daniel H. Wells, ein befreundeter Nichtmormone, sprach sie alle frei…

Joseph reagierte auf die Lynchdrohungen, in dem er das Kriegsrecht verkündete und die Legion herausrief. In seine Uniform gekleidet besichtigte er seine Miliz, während sie am 18. Juni am Wohnhaus vorbeimarschierte und elegant vor Porter Rockwells teilweise fertiggestellter Bar und dem Friseurgeschäft anhielt. Joseph kletterte auf das Gerüst und sprach anderthalb Stunden lang, wobei er die Menge vor der sich nähernden Gefahr warnte. „Werdet ihr alle bis zum Tod zu mir stehen und unter Lebensgefahr die Gesetze unseres Landes, die Freiheiten und Vorrechte stützen, die unsere Väter uns versiegelt mit ihrem heiligen Blut vererbt haben?“

Das Volk rief: „Ja!“

Mit einer flinken Bewegung zog er seinen Säbel und stieß ihn in die Luft. „Ich habe meinen Säbel mit festem und unabänderlichem Entschluss aus der Scheide gezogen, dass dieses Volk seine legalen Rechte haben und vor der Pöbelgewalt beschützt werden soll, oder mein Blut soll wie Wasser auf den Boden vergossen und mein Körper einem stillen Grab übergeben werden.“

Emma sah in den folgenden vier Tagen wenig von Joseph. Er verbrachte die meiste Zeit in sein Büro zurückgezogen und plante eine Verteidigungsstrategie, da er sich bewusst war, dass er in Kürze wieder inhaftiert werden könnte…

In der Zwischenzeit schrieb Gouverneur Ford am 22. Juni Joseph einen Brief: „Ihr Verhalten in Bezug auf die Zerstörung der Presse war eine sehr grobe Gewalttat gegen die Gesetze und die Freiheiten des Volkes. Sie mag voller Verleumdungen gewesen sein, aber dies bevollmächtigte Sie nicht, sie zu zerstören.“ (Mormon Enigma, S. 184-185)

Anstatt es auf die nichtmormonische Gerechtigkeit ankommen zu lassen, floh er lieber aus dem Staat. Nach ernsthaftem Bitten seitens seiner Frau und der Führer, zurückzukehren und sich zu ergeben, reiste Smith und sein Bruder in Begleitung von einigen Freunden nach Carthage. Robert S. Wicks und Fred R. Foster erzählen von ihrer Ankunft:

Die Nauvoo-Gruppe kam kurz vor Mitternacht an Hamiltons Hotel an. Eine „große Menge“ von fast fünfhundert Soldaten begrüßte sie und sie waren begierig, einen flüchtigen Blick vom verrufenen Joe Smith zu erhaschen…

Nachdem sie früh aufgestanden waren, lieferten sich Joseph und Hyrum dem Schutzmann aus…

Kurz nachdem Joseph und Hyrum ihre Kautionspapiere fertig hatten und darauf warteten, mit dem Gouverneur ein Gespräch zu haben, näherte sich ihnen der Schutzmann, der den Männern neue Haftbefehle vorlegte, die sie dieses Mal des Verrats beschuldigten, weil sie Anfang des Monats die Nauvoo-Legion herausgerufen hatten…

Richter Smith schickte Joseph und Hyrum ins Gefängnis zurück, um auf die Untersuchung der neuen Anklage zu warten, die auf den nächsten Tag festgelegt war. Die Angeklagten wurden ins Carthage-Gefängnis gebracht. (Junius & Joseph, S. 157-158)

Da die Zerstörung des Nauvoo Expositor die Handlung war, die Smiths Inhaftierung und Ermordung bewirkte, ist es verwunderlich, dass davon in dem Film nichts erwähnt wird.


Smiths Tod

Die HLT-Führer John Taylor und Willard Richards blieben mit Joseph und Hyrum im Gefängnis, gleichwohl war es anderen erlaubt, sie zu besuchen. Da sie die wachsende Anzahl der Feinde in Carthage fürchteten, hatten Freunde zwei Pistolen zu den Smiths hineingeschmuggelt. (siehe Joseph Smith's Death)

Robert Wicks und Fred Foister geben folgenden Bericht über die Stürmung des Gefängnisses:

Als er von draußen Schüsse hörte, teilte Dr. Richards den Vorhang. Mehr als zweihundert Männer, einige in Milizuniformen, andere trugen gefranste blaue Jagdhemden, die meisten waren bewaffnet und scharten sich um das Gefängnis…

Die Männer im Flur begannen ihren Angriff und feuerten die Treppe hinauf in Richtung Wohnstube. Am Treppenabsatz gruppierten sie sich um.

Hyrum überprüfte seine Waffe, zielte und feuerte. Ein Schuss vom Flur her traf ihn ins Gesicht. „Ich bin ein toter Mann!“ schrie er. Hyrums Pistole fiel ihm aus der Hand. Joseph beugte sich über seinen sterbenden Bruder, rief seinen Namen aus und kehrte zur Aufgabe zurück, die Tür zu sichern. Die Angreifer drückten gegen die Tür, bis das Schloss den Weg frei gab. Als die Eindringlinge ihre Gewehrläufe in den Raum stießen, schlugen Richards und Taylor sie mit weit ausholenden, kräftigen Schlägen mit ihren Stöcken nieder. Josephs Schulter war gegen die nachgebende Tür gedrückt. Er versperrte die Öffnung mit seiner „Allen Pepperbox“ und schoss blind auf den Treppenabsatz. Dreimal traf die Kugel jemanden. Dreimal versagte die Pistole…

Der Prophet zog sich an das offene Fenster der Tür gegenüber zurück. Schüsse vom Flur her erfüllten den Raum mit Rauch. Von der letzten Salve in den Oberschenkel getroffen saß Joseph unbeholfen auf dem breiten Fenstersims…

Joseph streckte seine Arme im beschwörenden Zeichen eines Freimaurers in Not aus: „Oh Herr, mein Gott…“ rief er, indem er die ersten vier Worte der Freimaurerbitte um Hilfe ausstieß. Er fiel aus dem Fenster und landete fast fünfzehn Fuß tiefer auf seiner Seite, schwer verletzt und unfähig, sich zu bewegen… Einer packte den sterbenden Mann und fluchte, während er ihn an die Brunneneinfassung lehnte…

Vier Männer, angeführt von John C. Elliott, nahmen ihre Waffen auf und begaben sich an die vorderste Reihe der Truppen. Sie gingen in Position, zielten und schossen auf Kommando. Jede Kugel fand ihr Ziel… Einige Männer stießen Josephs leblosen Körper mit ihren Bayonetten, um sich zu vergewissern, dass die Arbeit erledigt war. (Junius and Joseph, S. 177-178)

John Taylor, der in dem Raum zugegen war, erzählte, wie die Pistolen ins Gefängnis geschmuggelt wurden:

Ältester Cyrus H. Wheelock kam herein, um uns zu sehen, und als er gerade gehen wollte, zog er eine kleine Pistole, einen Sechsschüsser, aus seiner Hosentasche und bemerkte gleichzeitig: „Möchte sie jemand von Ihnen haben?“ Bruder Joseph antwortete sofort: „Ja, geben Sie sie mir“, woraufhin er die Pistole nahm und sie in seine Hosentasche steckte…

Ich saß auf einem der Fenster auf der Vorderseite des Gefängnisses, als ich eine Anzahl Männer mit angemalten Gesichtern sah, die um die Ecke des Gefängnisses kamen und auf die Treppe zielten…

Ich werde nie das tiefe Mitgefühl vergessen, das sich im Gesicht von Bruder Joseph zeigte, als er sich Hyrum näherte und sich über ihn beugend rief: „O, mein armer, lieber Bruder Hyrum!“ Er erhob sich aber sofort und mit festem, schnellem Schritt und einem entschlossenen Ausdruck im Gesicht ging er zur Tür und zog den Sechsschüsser, den Bruder Wheelock zurückgelassen hatte aus seiner Tasche, öffnete die Tür ein wenig und drückte die Pistole sechsmal hintereinander ab; aber nur drei Schüsse lösten sich. Ich erfuhr später, dass zwei oder drei durch diese Schüsse verwundet wurden, von denen zwei, so wie ich informiert bin, starben. (History of the Church, Bd. 7, S. 100, 102 & 103)

Mormonen werden oft entgegnen, dass es keinen Beweis dafür gäbe, dass jemand in Folge von Josephs Abfeuern seiner Pistole starb. Die Tatsache aber, dass er auf den Pöbel zurückschoss, zeigt sicherlich, dass er die Absicht hatte, die Angreifer zu töten.

Der Film endet mit einer Szene, wie der Pöbel das Gefängnis stürmt, aber ohne einen Hinweis, dass Smith zurückschoss. Die Kamera fokussiert auf Joseph, wie er seinen sterbenden Bruder hält, während er zum offenen Fenster blickt.

Die Hintergrundmusik schwillt in einer dramatischen Wiedergabe des beliebten HLT-Liedes an, das Joseph ehrt: Preiset den Mann. Der Nichtmormone wird die Bedeutung der Musik nicht erfassen, aber sie scheint so berechnet zu sein, Mormonen zu Tränen zu rühren. Der Text lautet (mit wörtlicher Übersetzung, da die deutsche Version des Liedes wohl wegen des Versmaßes und Reims einen anderen Text ergibt):

Preist den Mann, der mit Jehovah verkehrte! . Jesus salbte diesen Propheten und Seher. . Gesegnet, die letzte Dispensation zu eröffnen, . Könige werden ihn preisen und Nationen ihn verehren.

Preist sein Andenken, er starb als ein Märtyrer; . Geehrt und gesegnet sei sein ewig großer Name! Lang wird sein Blut, das von Mördern vergossen wurde, . Illinois beflecken*, während die Erde seinen Ruf lobt.

Groß ist die Herrlichkeit und endlos sein Priestertum. . Für immer und ewig wird er die Schlüssel halten. . Gläubig und treu wird er sein Königreich betreten, . Gekrönt in der Mitte der alten Propheten.

Opfer bringt die Segnungen des Himmels; . Die Erde muss für das Blut dieses Mannes sühnen. . Erwache, Welt, zum Kampf der Gerechtigkeit. . Millionen werden „Bruder Joseph“ erkennen.

Refrain:
Heil dem Propheten, der zum Himmel aufstieg! . Verräter und Tyrannen kämpfen jetzt vergebens gegen ihn. . Sich mit Göttern vermischend, kann er für seine Brüder planen; . Der Tod kann den Helden nicht noch einmal besiegen.

*In neuesten Ausgaben des HLT-Gesangbuchs, hat man "Plead unto heaven (zum Himmel flehen)" für die Wörter "Stain Illinois (Illinois beflecken)" eingesetzt.
Praise to the Man

Erlitt Joseph Smith einen Märtyrertod? Oder erntete er, was er gesät hatte? Während der Angriff auf das Gefängnis deutlich illegal war, sorgte die wachsende Gegenwart der Mormonen in Illinois, das Wählen als Blockeinheit, die Zerstörung einer Zeitung, die Nauvoo-Legion und Smiths geheime Lehren und Praktiken sicherlich für Angst und Schrecken in den nichtmormonischen Gemeinden. Es gibt für einen Pöbel, der das Gefängnis stürmte, keine Entschuldigung, aber Joseph Smith musste einen großen Teil dessen, das zu diesem Ereignis führte, selbst verantworten.


Joseph wie Jesus

Die verherrlichte Geschichte des Films hat vielen Zuschauern den Eindruck eines Versuches vermittelt, Smiths Leben als eine Parallele zu Christi Leben darzustellen. Hugo Olaiz bemerkte:

Der Film achtet darauf, dass Leser informiert werden, dass Mormonen nicht Joseph Smith anbeten. Dennoch ist der Joseph Smith, der in diesem Film dargestellt wird, auffallend eine Christus ähnliche Figur. Wie Jesus verkehrt Joseph charismatisch mit dem gewöhnlichen Volk – Kinder, die Armen, die Kranken und die Ausgestoßenen, einschließlich einer Gruppe von schwarzen Bekehrten, die die kürzlich wiederentdeckte afrikanische Pionierin Jane Manning James einbezieht. Die plötzliche Heilung eines kleinen Jungen in den Nauvoo-Sümpfen erinnert an ähnliche Wunder durch den Erlöser. „Sag uns Joe, welches Mormonenhaus heute Nacht abgebrannt werden wird“, verspottete ihn einer der Wachen im Liberty-Gefängnis, was an die Peiniger erinnert, die Jesus spottend zur Prophezeiung aufforderten (Matthäus 26:67-68, Lukas 22:64). Als eine mit Kummer geschlagene Emma fragt, warum er kein Wunder vollbringen könnte, um eines ihrer eigenen kranken Kinder zu retten, antwortet Joseph: „Ich kann nur Gottes Willen tun“, ein Echo von Worten, die von Jesus im Johannesevangelium gesprochen wurden (Johannes 5:30, 6:38).

Der Film kommt zu einem abrupten Ende mit dem Märtyrertum in Carthage. Nachdem sein Bruder Hyrum in seinen Armen stirbt, springt Joseph zum Gefängnisfenster. Die Kamera folgt seinem Blickwinkel: Wir sehen, was Joseph sieht, während er durch das Glas kracht – und dann, anstatt auf den Boden zu plumpsen, steigt er (wieder wie Jesus) in die Wolken auf. Ist mormonischer Triumphalismus nicht mehr in der Lage den Tod ihres Gründers auszuhalten? Ein Zuschauer, der nicht mit dem Mormonismus vertraut ist, könnte schlussfolgern, dass wir glauben, dass es kein Märtyrertum gab, sondern nur eine Verherrlichung – dass Joseph Smith buchstäblich vom Fenster aus in den Himmel sprang. (Sunstone, Dez. 2005, S. 71-72)

Diese Bemühung, Joseph Smith zu sanieren, ist nicht neu. Sie wird schon 1859 kommentiert:

Manchmal wundern sich Leute, dass die Mormonen Joseph Smith verehren können, dass sie irgendwie einen Heiligen aus ihm machen können. Aber sie müssen daran denken, dass der Joseph Smith, der in England gepredigt wurde, nicht derselbe ist wie der, der in Carthage, Ill., erschossen wurde. Der ideelle Prophet unterscheidet sich sehr von der wirklichen Person… die Kunst mag ihn in der Tat zum Objekt der religiösen Verehrung machen. Aber denken Sie daran, der Joseph Smith, der auf diese Weise verehrt wird, ist nicht der wirkliche, tatsächliche Joseph Smith… sondern einer, den die Kunst erschaffen hat. (Tiffany's Monthly, 1859, S. 170)

Dieser Film kommt wie Disney ähnliche Phantasie herüber und nicht wie ein ausgewogener Bericht über Smiths Leben. Während er natürliche Fähigkeiten und Talente besaß, war Joseph Smiths persönlicher Charakter weit vom frommen Bild, zu dem seine Anhänger ihn formten, entfernt. Sein starker Egotismus und der Drang nach Macht, zusammen mit seinen betrügerischen Praktiken, führten letztendlich zu seiner Vernichtung.


Ist es für das Ewige Leben notwendig, Joseph Smith zu akzeptieren?

Die Bedeutung Joseph Smiths in der Mormonentheologie kann nicht überbetont werden. Joseph Fielding Smith, zehnter Präsident der HLT-Kirche, verkündete:

Wenn Joseph wahrhaftig ein Prophet war… dann ist sein Wissen von höchster Bedeutung für die ganze Welt. Niemand kann dieses Zeugnis verwerfen, ohne die schrecklichsten Folgen zu erleiden, denn er kann nicht in das Reich Gottes eintreten. (Doctrines of Salvation, Bd. 2, Joseph Fielding Smith Jun., S. 189)

Heber C. Kimball, ein Mitglied der Ersten Präsidentschaft unter Brigham Young, sagte, dass die Zeit kommen würde, wann die Menschen

Bruder Joseph als Prophet des lebendigen Gottes preisen und auf ihn als einen Gott schauen, und ebenso auf Brigham Young, unseren Gouverneur im Deseret-Territorium. (Journal of Discourses, Bd. 5, S. 88)

Brigham Young, der zweite Präsident der Kirche, gab folgende Herausforderung:

Nun gut, untersuchen Sie den Charakter des Erlösers und untersuchen Sie die Charaktere derer, die das Alte und Neue Testament geschrieben haben, und dann vergleichen Sie sie mit dem Charakter Joseph Smiths, dem Gründer dieses Werkes… und Sie werden herausfinden, dass sein Charakter genauso gut dasteht, wie der eines jeden Mannes, der in der Bibel erwähnt wird. Wir können niemanden finden, der der Welt einen besseren Charakter präsentiert, wenn die Fakten bekannt sind, als Joseph Smith Jun., der Prophet, und sein Bruder Hyrum Smith, der mit ihm ermordet wurde. (Journal of Discourses, Bd. 14, S. 203)

D. Michael Quinn, exkommunizierter HLT-Historiker, der immer noch an Joseph Smiths Berufung glaubt, umriss die verschiedenen Aspekte von Smiths Charakter:

Wenige Mormonen können heute das polarisierende Charisma ihres Gründerpropheten erfassen. Einige mögen sich unwohl fühlen, wenn sie mit dem ganzen Umfang der Aktivitäten Joseph Smiths konfrontiert werden, wie jugendliche Mystik, Schatzsucherei, Geisterseherei, ein liebender Ehemann, der seine Frau in Bezug auf vierzig seiner polygamen Ehen betrog, ein Mann, für den Freundschaft und Loyalität alles bedeutete, aber der Abneigung hervorrief, indem er die Loyalität seiner ergebenen Kameraden „auf die Probe stellte“, ein Anti-Freimaurer, der ein Meister im Freimaurertum wurde, Kirchenpräsident, der sowohl Mormonen als auch Nichtmormonen tätlich angriff, weil sie ihn beleidigten, ein ergebener Vater, der es liebte, sich um seine eigenen Kinder und die von anderen zu kümmern, enthaltsamer Führer und geselliger Trinker, Bibelüberarbeiter und esoterischer Philosoph, Städteplaner, Pazifist und Oberbefehlshaber, Student in Hebräisch und der Ägyptologie, Bankpräsident, Gefängnisausreißer, Heiler, Landspekulant, Bürgermeister, Richter und Flüchtling vor der Rechtsprechung, Bürge religiöser Freiheit, aber Beschränker von Rede- und Pressefreiheit, Prediger und Straßenringkämpfer, Polygamist und Verteidiger von Frauenrechten, Ehemann von Frauen anderer Männer, erklärter Bankrotteur, der Treuhänder der Kirchenfinanzen war, politischer Pferdehändler, U.S-Präsidentschaftskandidat, Gegner der Sklaverei, theokratischer König, Tumultanstifter und unwilliger Märtyrer. (Mormon Hierarchy: Origins of Power, S. 261-262)

Tausende haben es für unmöglich gehalten, die verschiedenen Aspekte von Smiths Charakter mit einem Propheten Gottes in Einklang zu bringen. Brigham Young betonte aber, dass es für einen notwendig wäre, Joseph Smith als Gottes Propheten zu akzeptieren, um ewiges Leben zu haben:

…Ich bin ein Apostel Joseph Smiths… alle, die mein Zeugnis verwerfen, werden zur Hölle gehen, so sicher wie es eine gibt, ganz gleich, ob sie heiß oder kalt ist… (Journal of Discourses, Bd. 3, S. 212)

…weder Mann noch Frau in dieser Dispensation werden je in das celestiale Reich Gottes eintreten, ohne die Zustimmung Joseph Smiths… Jeder Mann und jede Frau müssen das Zertifikat von Joseph Smith Junior als Ausweis für ihren Eintritt in die Gefilde haben, wo Gott und Christus sind… Ich kann nicht ohne seine Zustimmung dorthin gehen… Er regiert dort als höchstes Wesen seiner Sphäre, seiner Fähigkeit und Berufung, wie Gott es im Himmel tut. (Journal of Discourses, Bd. 7, S. 289)

Ich werde jetzt meine heilige Schrift liefern – „Wer immer bekennt, dass Joseph Smith von Gott gesandt wurde… dass der Geist von Gott ist; und jeder Geist, der nicht bekennt, dass Gott Joseph gesandt und ihm und durch ihn das ewige Evangelium offenbart hat, ist vom Antichristen… (Journal of Discourses, Bd. 8, S. 176)

Für viele Christen grenzen solche Behauptungen an Gotteslästerung. Wir sollen in Bezug auf das ewige Leben auf Christus schauen, nicht auf einen Menschen oder eine Kirche. Im Neuen Testament lesen wir:

Wer den Sohn hat, hat das Leben; und wer den Sohn Gottes nicht hat, hat kein Leben. Diese Dinge habe ich euch geschrieben, die an den Namen des Sohnes Gottes glauben; damit ihr wissen könnt, dass ihr ewiges Leben habt, und damit ihr an den Namen des Sohnes Gottes glauben könnt. (1. Johannes 5:12-13)

Während die Bibel über Joseph Smith schweigt, weist sie auf “Christus in dir” als unsere “Hoffnung auf Herrlichkeit” (Kol. 1:27)