"The Changing World of Mormonism"

The Changing World of Mormonism von Sandra und Jerald Tanner

Kapitel 17 - Joseph Smith

Die Wichtigkeit Joseph Smiths in der Mormonentheologie kann nicht genug betont werden. Brigham Young, der zweite Präsident der Kirche, prahlte:

Nun gut, untersucht den Charakter des Erretters und untersucht die Charaktere jener, die das Alte und das Neue Testament geschrieben haben; und dann vergleicht sie mit dem Charakter Joseph Smiths, dem Gründer dieses Werkes… und ihr werdet herausfinden, dass sein Charakter genauso gut dasteht wie der eines jeden Mannes, der in der Bibel erwähnt wird. Wir können keine Person finden, die der Welt einen besseren Charakter vorweist, wenn die Fakten bekannt werden, als Joseph Smith Jun., der Prophet, und sein Bruder Hyrum Smith, der mit ihm ermordet wurde. (Journal of Discourses, Bd. 14, S. 203)

…kein Mann oder Frau in dieser Dispensation wird je in das celestiale Reich Gottes eintreten ohne die Zustimmung Joseph Smiths… Jeder Mann und jede Frau muss die Bescheinigung von Joseph Smith Junior als einen Ausweis für ihren Eintritt in die Gefilde vorweisen, wo Gott und Christus sich befinden… Ich kann nicht ohne seine Zustimmung dorthin gehen… Er regiert dort als höchstes Wesen in seiner Sphäre, Stellung und Berufung so wie Gott im Himmel. (Band 7, S. 289)

…Ich bin ein Apostel Joseph Smiths… alle, die mein Zeugnis verwerfen, werden zur Hölle gehen, so sicher, wie es eine gibt, ganz gleich, ob sie heiß oder kalt ist… (Bd. 3, S. 212)

Ich möchte jetzt meine Heilige Schrift liefern – „Wer auch immer bekennt, dass Joseph Smith von Gott gesandt wurde… dessen Geist ist von Gott; und jeder Geist, der nicht bekennt, dass Gott Joseph Smith gesandt hat und das ewige Evangelium ihm und durch ihn offenbart hat, ist vom Anti-Christen… (Bd. 8, S. 176)

Heber C. Kimball, ein Mitglied der ersten Präsidentschaft unter Brigham Young, sagte, dass die Zeit kommen würde, wann die Leute “Bruder Joseph Smith als Prophet des Lebendigen Gottes preisen würden, und auf ihn als einen Gott blicken werden, ebenso auf Brigham Young, unseren Gouverneur im Territorium von Deseret“. (Journal of Discourses, Bd. 5, S. 88)

In der Bibel lesen wir, dass, als Stephan gesteinigt wurde, er starb und dabei rief: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ (Apostelgeschichte 7:59) Als aber Brigham Young starb, wurden diese seine letzten Worte deutlich wahrgenommen: „Joseph, Joseph, Joseph!“ (A Comprehensive History of the Church, Bd. 5, S. 509)

Die Mormonen neigen dazu, Joseph Smith auf fast dieselbe Ebene wie Jesus Christus zu heben. Der Mormonenschreiber John J. Stewart vermutete, dass Joseph Smith „vielleicht der Christus am meisten ähnliche Mann war, der auf der Erde lebte seit Jesus selbst.“ (Joseph Smith - The Mormon Prophet, S. 1) Es ist aber interessant, dies mit einer Aussage zu vergleichen, die Joseph Smith in der History of the Church, Band 5, Seite 335 zugeschrieben wird: „Ich bin nicht so sehr ein ‚Christ’, wie viele von mir vermuten. Wenn ein Mann mich als Pferd reiten will, dann fühle ich mich veranlasst, zu bocken und ihn abzuwerfen und ihn zu reiten.“

Das Folgende erschien 1859 in Tiffany's Monthly S. 170:

Menschen wundern sich, dass die Mormonen Joseph Smith verehren können, dass sie mit jedem Mittel einen Heiligen aus ihm machen können. Aber sie müssen daran denken, dass der Joseph Smith, der in England gepredigt wird, und derjenige, der in Carthage, Ill., erschossen wurde, nicht dieselben sind. Das Ideal des Propheten unterscheidet sich sehr von der realen Person. Jemandem, der seinen Charakter nicht kennt, mag er idealisiert und zur Verkörperung jeder Tugend gemacht werden. Die Kunst mag ihn in der Tat zu einem Objekt der religiösen Verehrung machen. Aber denkt daran, der so verehrte Joseph Smith ist nicht der reale, tatsächliche Joseph Smith… aber einer, den die Kunst erschaffen hat.


Ein kämpfender Joseph Smith

Joseph Smith war körperlich sehr kräftig. Er hatte Spaß beim Ringkampf und bei anderen Sportarten, bei denen er seine Kräfte vorführen konnte. Unter dem Datum des 11. März 1843 finden wir folgenden Eintrag in der History of the Church (Bd. 5, S. 302): „Am Abend, als wir Stöckchen zogen, zog ich Justus A. Morse, der stärkste Mann in Ramus, mit einer Hand.“ Zwei Tage später finden wir folgende Aussage: „Montag der 13. – Ich kämpfte mit William Wall, dem geschicktesten Ringkämpfer von Ramus und besiegte ihn.“ (S. 302) Am 30. Juni 1843 gab Joseph Smith eine Ansprache in Nauvoo, in welcher er angeblich erklärt hat: „Ich fühle mich so stark wie ein Riese. Ich zog Stöckchen mit dem Mann, der mitkam und ich zog mit einer Hand den stärksten Mann, den man finden konnte. Dann versuchten es zwei Männer, aber sie konnten mich nicht ziehen…“ (S. 466)

Frau Mary Ettie V. Smith berichtet in ihrem Buch Mormonism: Its Rise, Progress, And Present Condition: „Es scheint, dass der Prophet einmal das Bein meines Bruder Howard beim Ringkampf gebrochen hatte… durch einen unglücklichen Stoß; Howard fiel mit einem gebrochenen Bein. Es wurde sofort vom ‚Propheten’ gerichtet,… Howard behauptet bis heute, dass er in keiner Weise Schmerzen hatte, und glaubt immer noch, dass Joseph es heilte.“ (S. 52)

John D. Lee erzählte, dass einmal Joseph Smith und einige seiner Männer miteinander kämpften; weil es „Sabbat“ war, versuchte Sidney Rigdon es abzubrechen. Joseph Smith zerrte ihn vom Ring, unbedeckten Hauptes, und zerriss Rigdons feinen Kanzelmantel vom Kragen bis zur Taille; dann wandte er sich an die Männer und sagte: ‚Geht hin, Jungs, und habt euren Spaß’“. (Confessions of John D. Lee, pp.76-78)

Jedediah M. Grant, ein Mitglied der Ersten Präsidentschaft unter Brigham Young, berichtete von einem spaßigen Ereignis:

Mir ist bewusst, dass sehr viele so viel Frömmigkeit in sich tragen, dass sie wie der Baptistenpriester sind, der kam, um Joseph zu sehen… und seine Arme verschränkend sagte: „Ist es möglich, dass ich jetzt meine Optik auf einen Mann blitzen lasse, der sich mit meinem Erretter unterhalten hat?“ „Ja,“ sagt der Prophet,“ ich weiß es nicht, aber Sie wissen es; wollen Sie nicht mit mir ringen? Sehen Sie, dies brachte den Priester direkt auf die Dreschtenne und er drehte einen ziemlich geraden „summerset“. Nachdem er einige Male herumgewirbelt war, wie eine Ente, der in den Kopf geschossen wurde, kam er zu dem Schluss, dass seine Frömmigkeit fürchterlich geschockt war, sogar bis ins Zentrum, und er ging zum Propheten, um zu erfahren, warum seine Frömmigkeit so geschockt worden war. (Journal of Discourses, Bd. 3, S. 66-67)

Benjamin F. Johnson erinnerte sich, wie Joseph Smith seine Fassung verlor und auf körperliche Gewalt zurückgriff:

Und obwohl er so sozial und manchmal sogar gesellig war, wollte er keine Arroganz oder unangemessene Freiheiten zulassen. Kritik, sogar von seinen Mitarbeitern, wurde selten akzeptiert. Widersprüche würden sofort den Löwen in ihm wecken. Von keinem seiner Mitstreiter würde er sich verdrängen lassen. In den frühen Tagen in Kirtland und anderswo bekamen der eine oder andere seiner Begleiter mehr als einmal wegen seiner Unverschämtheit von der Gemeinschaft Hilfe durch seinen Fuß… Er verprügelte gründlich seinen Bruder William… Während wir in solch brüderlicher, sozialer und manchmal geselliger Stimmung waren, konnten wir damals nicht so völlig die Größe und Majestät seiner Berufung erkennen. Aber seit seines Märtyrertums hat es sich fortwährend in unserer Sicht vergrößert, während sich die Herrlichkeiten dieser letzten Dispensation völliger unserem Verstand entfaltet haben. (Brief von Benjamin F. Johnson, 1903, wie in Testimony of Joseph Smith's Best Friend, S. 4-5, gedruckt)

Calvin Stoddard bezeugte einmal, dass „Smith sich damals erhob und mit seiner flachen Hand ihm auf die Stirn schlug – die Gewalt haute ihn um, als Smith den Schlag vier oder fünf Mal sehr heftig wiederholte – und ließ ihn erblinden – so dass Smith später zu ihm kam und ihn um Verzeihung bat…“ (Conflict at Kirtland, S. 132)

Der Mormonenschreiber Max Parkin zitiert Luke Johnson, der sagte, dass, als ein Geistlicher Joseph Smith in Kirtland beschimpfte, Smith „ihn mit beiden Händen ohrfeigte, drehte ihn mit seinem Gesicht zur Tür und stieß ihn auf die Straße…“ (Ebenda, S. 268)

In Joseph Smiths Geschichte für das Jahr 1843 lesen wir von zwei Kämpfen, die er in Nauvoo hatte: „Josiah Butterfield kam zu mir nach Hause und beschimpfte mich so sehr, dass ich ihn aus dem Haus stieß, über den Hof und auf die Straße.“ (History of the Church, Bd. 5, S. 316)

„Bagby nannte mich einen Lügner und hob einen Stein auf, um nach mir zu werfen, was mich so wütend machte, dass ich ihm einige Schritte folgte und ihn zwei oder dreimal schlug. Der Landedelmann Daniel H. Wells ging zwischen uns… ich sagte dem Landedelmann, dass er die Geldstrafe für den Angriff festlegen sollte, und ich war willens, sie zu bezahlen. Da er es nicht tat, ritt ich zu Alderman Whitney hinunter, erklärte ihm die Umstände und er legte eine Geldstrafe fest, die ich bezahlte…“ (Ebenda, S. 524)

Gemäß der History of the Church gab Joseph Smith zu, dass er versucht hatte, Walter Bagby zu würgen: „Ich begegnete ihm und er lieferte mir gegenüber eine schimpfende Sprache, nahm einen Stein auf und warf nach mir: Ich packte ihn bei der Kehle und würgte ihn.“ (Ebenda, S. 531)

Der Leser wird sich auch erinnern, dass einiges Material in Joseph Smiths Tagebuch erscheint, das in der History of the Church unterdrückt worden ist. Unter den Daten 1. und 2. Januar 1843 erzählte Joseph Smith, dass er sieben Männer auf einmal „verprügelte“ und bei einer anderen Gelegenheit einen Baptistengeistlichen „verprügelt“ hatte, bis „er bettelte“.

Brigham Young machte einmal folgende Bewertung über Joseph Smith: „Einige mögen denken, dass ich manchmal zu streng bin; aber wenn ihr mit dem Propheten Joseph zu tun gehabt hättet, würdet ihr denken, dass ich ziemlich milde bin… Er würde die Behandlung, die ich ertragen habe, nicht ertragen und würde so auftreten, als wollte er alle Häuser in der Stadt niederreißen und alle Bäume an der Wurzel ausreißen, wenn sich Menschen ihm gegenüber so verhalten hätten, wie sie es mir gegenüber tun.“ (Journal of Discourses, Bd. 8, S. 317-18)


General Smith

Joseph Smiths Interesse an militärischen Angelegenheiten spiegelt sich im Buch Mormon wieder, denn es ist mit Berichten über Kriegen und Blutvergießen angefüllt. Dr. Hugh Nibley behauptet, dass es „170 Seiten über Kriege und Alarmzeichen” im Buch Mormon gibt.

Nur vier Jahre nachdem Joseph Smith das Buch Mormon veröffentlichte, organisierte er eine Armee und marschierte „nach Missouri, um ‚Zion zu erlösen’.“ Dieses Projekt war ein vollkommener Fehlschlag. (siehe Mormonism - Shadow or Reality? S. 192-93) 1838 hatte Smith die Mormonen in einer Armee in Far West, Missouri, organisiert, aber er endete damit, dass er sie dem Militär ausliefern musste.

In Nauvoo, Illinois, organisierten die Mormonen die Nauvoo-Legion. Robert Bruce Flanders erklärt: „Die krönende Beschaffung eines Freibriefs gab der Stadt ihre eigene kleine Armee, die berühmte Nauvoo-Legion… Die Legion war deshalb unabhängig und nicht den Militärgesetzen von Illinois unterstellt.“ (Nauvoo: Kingdom On The Mississippi, S.100)

„… Colonel“, „Captain“ oder „General“ ersetzten nun „Bruder“, „Ältester“ oder „Präsident“ als Anrede für die Heiligen. Militärischer Schmuck war für sie ein besonderes Symbol von Status, Prestige und Beruhigung… Der Bericht offenbart deutlich, dass Lieutenant General (er bevorzugte den vollen Titel) Smith großes Gewicht auf seine militärische Rolle legte…

So wie die Stadt wuchs, so wuchs auch die Legion und erregte unter den Heiden in der Nachbarschaft große Besorgnis in Bezug auf das Wesen und das Vorhaben des Mormonischen Königreiches. (Ebenda, S. 112-13)

Der Mormonenschreiber Hyrum L. Andrus berichtete: „über die Erscheinung als ein Lieutenant General an der Spitze der Nauvoo-Legion erinnerte sich Lyman L. Woods: ‚Ich habe ihn auf einem weißen Pferd mit der Uniform eines Generals gesehen… Er führte eine Parade der Legion an und sah wie ein Gott aus’.“ (Joseph Smith, The Man And The Seer, S. 5)

Joseph Smith war sehr stolz auf seine Position als Anführer der Nauvoo-Legion und mochte es, als „Lieutenant-General Joseph Smith“ bezeichnet zu werden. (siehe History of the Church, Bd. 4, S. 382) Eigentlich hatte dieser Titel außerhalb von Nauvoo keine Bedeutung.

Joseph Smith scheint militärischen Prunk geliebt zu haben. Unter dem Datum 7. Mai 1842 finden wir folgende Aussage in der History of the Church: „Die Nauvoo-Legion… wurde von Lieutenant-General Joseph Smith besichtigt, der den ganzen Tag kommandierte… Zum Ende der Parade bemerkte Lieutenant-General Joseph Smith… dass seine Seele nie zufriedengestellter war als bei dieser Gelegenheit’.” (Bd. 5, S. 3)

Joseph Smith scheint, begehrt zu haben, eine große Armee anzuführen, denn er bereitete eine „Petition an den Senat und das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten, datiert mit dem 26. März, vor, in der er um das Vorrecht bittet, 100.000 Männer aufzustellen, um den Schutz von Personen zu erweitern, die in Oregon und anderen Teilen des Territoriums der Vereinigten Staaten siedeln wollen, und um den Schutz der Menschen in Texas zu erweitern“. (History of the Church, Bd. 6, S. 282). In diesem Dokument lesen wir:

Abschnitt 1. Es wird angeordnet… dass Joseph Smith… hiermit bevollmächtigt und ermächtigt wird, eine Kompanie von einhunderttausend bewaffneten Freiwilligen aufzustellen…

Abschn. 2. Und es wird ferner angeordnet, dass, falls irgendjemand besagten Joseph Smith behindert oder versucht, bei der Ausübung seines Planes zu behindern oder zu belästigen oder anzugreifen, mit einer Geldstrafe von bis zu eintausend Dollar bestraft werden soll… oder mit harter Arbeit an einer öffentlichen Unternehmung bis zu zwei Jahren oder beides,…

Abschn. 3. Und es wird ferner angeordnet… dass besagter Joseph Smith hiermit zum Mitglied der Armee der Vereinigten Staaten ernannt wird… (History of the Church, Bd. 6, S. 277)

Es gab natürlich kaum eine Chance, dass Joseph Smiths Petition akzeptiert worden wäre. Am 25. April 1844 schrieb Orson Hyde einen Brief aus Washington, in dem er erklärte: „Herr Semple sagte, dass Herr Smith verfassungsmäßig per Gesetz nicht als Mitglied der Armee ernannt werden kann; und dies, falls nicht noch etwas anderes, würde die Annahme verhindern.“ (Ebenda, Bd. 6, S. 372)

Joseph Smiths militärische Pläne und Manöver waren für die Nichtmormonen, die um Nauvoo herum lebten, sehr beunruhigend. Am 21. Juli 1841 berichtete die Antimormonenzeitung Warsaw Signal: „Wie militärisch diese Menschen werden! Alles, was sie sagen oder tun, scheint den Geist von militärischen Taktiken zu atmen. Ihr Prophet erscheint bei allen Gelegenheiten in seiner prachtvollen Regimentskleidung, die seinen Namen mit Lieut. General unterstreicht, und in der Nauvoo-Legion kann man weitere Titel finden, die ein jedes Buch über militärische Taktiken hervorbringen kann;… Wahrhaftes kämpfen muss ein Teil des Glaubensbekenntnisses dieser Heiligen sein!“

Joseph Smith scheint, von sich selbst die Vision eines großen militärischen Anführers gehabt zu haben. Der Leser mag sich an den Traum und die Auslegung in Joseph Smiths Tagebuch erinnern, der andeutete, dass die U.S.-Regierung Smith um seine Hilfe gegen den ausländischen Feind bitten würde.


"Der größte Egozentriker"

1843 schrieb Charlotte Haven einige Briefe aus Nauvoo, die einige aufrichtige Beobachtungen über Joseph Smith enthalten:

Joseph Smith… ist offensichtlich ein großer Egozentriker und Prahler, denn ständig bemerkte er an jedem Ort, wo er anhielt, und die Leute von Springfield waren um ihn geschart, und drückte seine Verwunderung darüber aus, dass er so stattlich und gutaussehend wäre“. (Overland Monthly, Dezember 1890, S. 621)

Er sprach unaufhörlich von sich selbst, was er getan hatte und mehr als andere Sterbliche tun könnten, und bemerkte, dass er „ein Riese, sowohl körperlich als auch geistig“ wäre. In der Tat schien er zu vergessen, dass er ein Mensch war… Sie sagen, er ist sehr gutherzig und immer bereit, Schutz zu gewähren und den Bedürftigen zu helfen. (S. 623)

Ich stürzte mit meinem Regenschirm hinaus, um Frau Smith zu schützen, die anderen folgten… Frau Smith war freundlich und gesellig, mehr als wir sie je zuvor gesehen hatten… während ihr Ehemann der größte Egotist ist, den ich je traf. (S. 631)

Josiah Quincy erzählte: „In einem Ton halb spaßend halb ernst, und der Hörer könnte beides annehmen, stellte der Prophet folgende Frage: ‚Gibt es hier nicht einen, der größer als Salomon ist, der einen Tempel baute, mit Schätzen seines Vaters David und mit Hilfe von Joram, dem König von Tyrus? Joseph Smith hat seinen Tempel gebaut, ohne dass ihm jemand bei dem Werk geholfen hat’.“ (Figures of the Past, wie in Among the Mormons, S. 138, zitiert)

Ein Reporter, der Joseph Smith besuchte, schrieb 1843:

Wir verbrachten etwa eine Stunde damit, uns über verschiedene Themen zu unterhalten; der Prophet selbst, mit bewundernswerter Redegewandtheit, besetzte die meiste Zeit und sein ganzes Thema war er selbst. Welche Wende wir der Unterhaltung auch geben würden, er würde sie gewandt auf sich selbst zurückführen… er sagte: ‚Die Welt verfolgt mich, sie hat mich immer verfolgt… als ich bewiesen habe, dass ich Recht habe, und ich die ganze Welt unterworfen habe. Ich denke, ich habe etwas verdient. (The New York Spectator, 23. September 1843)


Smith zum König ordiniert

Zum Ende seines Lebens scheint Joseph Smith von dem Wunsch nach Macht und Ruhm besessen gewesen zu sein. Er richtete einen geheimen „Rat der Fünfzig“ ein und hatte sich selbst zum König ordiniert. 1853 offenbarte William Marks, der ein Mitglied des Rates der Fünfzig gewesen war: „Ich war auch Zeuge der (geheimen) Einführung einer königähnlichen Form einer Regierung, in der Joseph selbst erduldete, zu einem König ordiniert zu werden, um über das Haus Israel zu regieren; von dem ich mir nicht vorstellen konnte, dass es im Einklang mit den Gesetzen der Kirche war, aber ich stellte mich nicht gegen diese Maßnahme, da ich dachte, es wäre nicht meine Sache.“ (Zion's Harbinger and Baneemy's Organ, St. Louis, Juli 1853, S. 53)

In seiner Masterthese erzählt Klaus J. Hansen, dass George Miller, der ein Mitglied des Rates der Fünfzig war, zugab, dass Joseph Smith zu einem König ordiniert wurde: „Gerüchte, die besagen, dass der Prophet königliche Ansprüche erhob, werden irgendwie von George Miller bewiesen, der erklärte, dass bei einer Gelegenheit, ‚wir in diesem Rat Joseph Smith als König der Erde ordinierten’.“ („The Theory and Practice of the Political Kingdom of God in Mormon History, 1829-1890,“ Masterthese, BYU, 1959, maschinengeschriebene Kopie, S. 114)

In Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Sommer 1966, S. 104 gab Herr Hansen offen zu, dass „Joseph Smith ein politisches Königreich und einen Rat der Fünfzig begann; er wurde zum König über die ganze Organisation gemacht…”

Als Fawn Brodie erklärte, dass Joseph Smith zum König gesalbt war, behauptete Dr. Nibley, dass es nicht genügend Beweise dafür gäbe, diese Anklage zu unterstützen. Seit jener Zeit ist eine Menge neuer Beweise ans Tageslicht gekommen und nun sind viele Mormonengelehrte bereit, zuzugestehen, dass Joseph Smith zum König gemacht wurde. Zum Beispiel gab Kenneth W. Godfrey, der Direktor des HLT-Instituts an der Stanford-Universität war, zu, dass Joseph Smith zum „‘König über das unmittelbare Haus Israel’ durch den Rat der Fünfzig ordiniert wurde“. (Brigham Young University Studies, Winter 1968, S. 212-13) Unter anderem verweist uns Dr. Godfreys Fußnote auf das „Tagebuch von George A. Smith, 9. Mai 1844“, das sich in der „Bibliothek des Kirchengeschichtsschreibers“ befindet. In einer Abhandlung, geschrieben an der Brigham-Young-Universität, bemerkte Dr. Godfrey:

Davidson erklärt, dass Joseph Smith sich selbst zum König und Priester gesalbt hatte… in einer Offenbarung von 1886, gegeben an Präsident John Taylor, wird erwähnt, dass Joseph Smith zu einem König in Nauvoo gekrönt wurde. Er wurde nicht nur zu einem König ordiniert, sondern den Mitgliedern der Kirche wurden Regierungsverantwortungen zugewiesen. Brigham Young sollte Präsident sein, John Taylor Vizepräsident, den Mitgliedern wurden verschiedene Staaten im Haus und Senat der Vereinigten Staaten zugewiesen und ein volles Kabinett wurde ernannt. („Causes of Mormon Non-Mormon Conflict in Hancock County, Illinois, 1839-1846,“ Dr.-Phil.-Dissertation, BYU, 1967, S. 63-65)


„Joseph Smith for President“

1844 entschied der Rat der Fünfzig, Joseph Smith für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten aufzustellen. Klaus J. Hansen sagte, dass „der Rat der Fünfzig, während er ernsthaft die Möglichkeit der Auswanderung betrachtete, auch eine ziemlich spektakuläre Alternative in Betracht zog, nämlich ihren Führer als Präsident der Vereinigten Staaten im Wahlkampf von 1844 aufzustellen… Smith und der Rat der Fünfzig scheinen die Wahl ziemlich ernst genommen zu haben, in der Tat viel mehr als sowohl Mormonen als auch Nichtmormonen bis dahin vermuteten“. (Quest for Empire, S. 74)

Die Ältesten der Kirche wurden tatsächlich berufen, Wahlpropaganda für Joseph Smith zu machen. Auf einer besonderen Versammlung der Ältesten am 9. April 1844 verkündete Brigham Young: „Es ist jetzt an der Zeit, einen Präsidenten der Vereinigten Staaten zu haben. Älteste werden ausgesandt werden, das Evangelium zu predigen und Wahlpropaganda zu machen.“ (History of the Church, Bd. 6, S. 322) Auf derselben Versammlung bestätigte Heber C. Kimball: „…wir planen, Älteste in all die verschiedenen Staaten auszusenden, um Versammlungen … abzuhalten und für Joseph als nächsten Präsidenten Wahlpropaganda zu machen.“ (Ebenda, S. 325) Der Mormonenschreiber John J. Stewart bezieht sich auf diejenigen, die ausgesandt wurden, um einen Feldzug als eine „gewaltige Macht von politischen Missionaren“ zu führen. (Joseph Smith the Mormon Prophet, S. 209)

Unter dem Datum des 29. Januar 1844 wird folgende Aussage Joseph Smiths in der History of the Church zugeschrieben: „Wenn ihr versucht, dies zustande zu bringen, müsst ihr jeden Mann in die Stadt schicken, der in der Lage ist im ganzen Land als Wahlpropagandist öffentlich zu sprechen… Es gibt genug Redekunst in der Kirche, um mich mit dem ersten Rutsch in den Präsidentenstuhl zu heben.“ (Bd. 6, S. 188)

Am 7. März 1844 wurde von Joseph Smith berichtet, dass er gesagt hätte: „Wenn ich die östlichen Zeitungen in die Hand nehme und sehe, wie beliebt ich bin, fürchte ich, dass ich gewählt werde…“ (History of the Church, Bd. 6, S. 243)

Die Tatsache, dass Joseph Smith sich selbst gestatten würde, als König gekrönt zu werden, zeigt, dass er von dem Gedanken getrieben wurde, Macht zu erlangen. Es ist sehr gut möglich, dass Joseph Smith ernsthaft glaubte, dass er Präsident werden würde und dass er als König über das Volk der Vereinigten Staaten regieren würde. Der Versuch von Joseph Smith, Präsident zu werden, scheint ein verräterischer Komplott gewesen zu sein, um die Regierung der Vereinigten Staaten die Führung des Priestertums zu bringen. Klaus J. Hansen bemerkte: „Aber was, wenn er durch einen kühnen Streich die Vereinigten Staaten für das Königreich erobern könnte? Der Rat der Fünfzig dachte, dass es eine Chance geben könnte und nominierte den Mormonenpropheten zum Präsidenten der Vereinigten Staaten.“ (Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Herbst 1966, S .67)

George Miller, der ein Mitglied des Rates der Fünfzig gewesen war, berichtete in einem Brief vom 28. Juni 1855:

Es wurde ferner im Rat entschieden, dass alle Ältesten in alle Staaten auf Mission geschickt werden sollten, um ein Wahlpropagandaliste zu bekommen und alles in unserer Macht stehende zu tun, um Joseph als Präsident wählen zu lassen. Wenn wir Erfolg darin haben, dass eine Mehrheit der Wähler sich zu unserem Glauben bekehrt und Joseph zum Präsidenten wählen, würde durch solch ein Ereignis die Herrschaft des Königreiches für immer in den Staaten aufgerichtet werden; und wenn wir keinen Erfolg haben, können wir auf Texas zurückgreifen und trotzdem ein Königreich sein. (Brief von George Miller, wie in Joseph Smith and World Government, von Hyrum Andrus, 1963, S. 54 zitiert)

Anstatt nach Texas zu gehen, siedelten sich die Mormonen im Großen-Salt-Lake-Tal an. Hyrum Andrus gibt zu, dass Smith sogar „eine Organisierung der Heiligen in die Stellung einer unabhängigen Nation in Betracht gezogen“ hätte, „falls alle anderen Alternativen fehlgeschlagen wären“. (Ebenda, S. 60)

Vor der Wahl wurde Joseph Smith ermordet. Somit war er nicht in der Lage, das Königreich, das er geplant hatte, aufzurichten.


Größer als Jesus?

Die History of the Church enthält einige Aussagen, die zeigen, dass Joseph Smith das Gefühl hatte, dass er mit Gott fast gleich wäre:

Ich bin ein Jurist; ich bin ein großer Jurist und begreife Himmel, Erde und Hölle, um Wissen hervorzubringen, dass alle Juristen, Ärzte und andere große Körperschaften abdeckt. (Bd. 5, S. 289)

Stellt keine Juristen ein oder bezahlt sie für ihr Wissen, denn ich habe gelernt, dass sie nichts wissen. Ich weiß mehr als sie alle. (Bd. 5, S. 467)

Ich bekämpfe die Irrtümer der Zeiten; ich begegnete der Gewalt des Pöbels; ich werde mit illegalen Verhandlungen der exekutiven Autorität fertig; ich zerschlage den gordischen Knoten der Mächte und ich löse mathematische Probleme der Universitäten mit diamantenechter Wahrheit; und Gott ist der „Mann meiner rechten Hand“. (Bd. 6, S. 78)

Wenn sie einen bartlosen Jungen möchten, der die ganze Welt verprügelt, werde ich auf den Gipfel des Berges steigen und wie ein Hahn krähen: Ich werde sie immer schlagen… Ich habe mehr, von dem ich prahlen kann, als je ein Mensch hatte. Ich bin der einzige Mensch, der je in der Lage gewesen ist, eine ganze Kirche zusammenzuhalten seit den Tagen Adams. Eine große Mehrheit des Ganzen stand an meiner Seite. Weder Paulus, Johannes, Petrus noch Jesus konnten es. Ich prahle damit, dass kein Mensch je ein solches Werk zustande gebracht hat, wie ich; die Jünger Jesu rannten von Ihm weg, aber die Heiligen der Letzten Tage rannten bisher noch nie von mir weg. (Bd. 6, S. 408-9)


Zerstörung des Expositor

Einer der wichtigsten Faktoren, die zu Joseph Smiths Tod führten, war seine Einmischung in die Politik. Am 15. Juli 1842 erschien folgende Erklärung im Sangamo Journal, veröffentlicht in Springfield, Illinois: „Wir nahmen die Mormonen in diesen Staat auf, so wie wir es mit jeder anderen Sekte taten. Enthüllungen haben gezeigt, dass das Oberhaupt jener Kirche nicht unter dem Einfluss jener reinen Religion handelt, wie Jesus Christus sie auf der Erde gründete, und dass seine eifrigen Bestrebungen ihm die Kontrolle über unsere staatliche Wahl sichern würden.“ (Sangamo Journal, 15. July 1842)

Thomas Ford, Gouverneur von Illinois von 1842-1846, erklärte ähnlich:

Aber die große Ursache für die Wut des Volkes war, dass die Mormonen bei etlichen vorhergehenden Wahlen als eine Einheit ihre Stimme abgegeben hatten, womit sie die Tatsache offensichtlich machten, dass niemand die Ehren oder Ämter des Landes innerhalb ihres Einflussgebietes anstreben konnte, ohne ihre Billigung und ihre Stimmen… Es ist in der Tat unglücklich für ihren Frieden, dass sie sich bei den Wahlen, gemäß ihrer individuellen Vorlieben oder politischen Grundsätze, nicht aufteilen, wie andere Leute.

Dieser eine Grundsatz und diese eine ihre Praktik stellte in tödlicher Feindseligkeit alle Anwärter für ein Amt, die ihrer Unterstützung nicht sicher waren, gegen sie auf, alle, die bei den Wahlen erfolglos gewesen sind und alle, die zu stolz waren, ihren Einfluss geltend zu machen, mit all ihren Freunden und Verbindungen. (History of Illinois, wie in History of the Church, Bd. 7, S. 2-3 zitiert)

Joseph Smith gab zu, dass die Mormonen in ihrer Politik einig waren, aber er behauptete, dass sie „durch Verfolgung in eine Vereinigung bei ihren Wahlen getrieben wurden“. (History of the Church, Bd. 5, S. 232) Obwohl es wahr ist, dass die Mormonen verfolgt wurden, zeigen Beweise, dass ein großer Teil dieser Verfolgung das Ergebnis von Joseph Smiths unbeherrschten Reden und Aktionen war. (siehe Mormonism - Shadow or Reality? S. 256)

Antimormonen klagten Joseph Smith und seinen Bruder Hyrum an, Politik mit Offenbarung vermischt zu haben. Dass in diesem Vorwurf eine große Menge Wahrheit lag, wird durch die History of the Church bestätigt. Unter dem Datum des 6. August 1843 werden diese Worte Joseph Smith zugeschrieben: „Bruder Hyrum erzählt mir heute Morgen, dass er ein Zeugnis davon gehabt hatte, dass es besser für das Volk wäre, für Hoge zu stimmen; und ich weiß von Hyrum, dass er nie sagte, dass er eine Offenbarung hätte, und sie dann daneben lag. Lasst uns Gott sprechen und alle Menschen ihren Frieden behalten.“ (History of the Church, Bd. 5, S. 526)

Der Mormonenschreiber Kenneth W. Godfrey schrieb, die Faktoren diskutierend, die den Konflikt in Illinois schürten:

Die Feindschaft gegenüber dem Mormonenpropheten wurde weiter angestachelt, als richtigerweise das Gerücht umging, dass er zum „König über das unmittelbare Haus Israels“ durch den Rat der Fünfzig ordiniert wurde… Zeitungen und Traktate klagten immer wieder an, dass der Prophet sich als Diktator aufführte und dass seine Aktionen nicht nur verräterisch, sondern auch eine Vergewaltigung des verfassungsmäßigen Grundsatzes sind, dass Kirche und Staat getrennt sein sollten. Somit beweihräuchert seine königliche Ordination nur den Pöbel und so wurde sein unzeitiger Tod sogar noch unvermeidlicher.

Die bürgermeisterliche Anordnung des Propheten, mit der Zustimmung des Stadtrates den Nauvoo Expositor zu zerstören, wurde die sofortige Entschuldigung für das Auslöschen seines Lebens…

Vielleicht im Nachhinein gesehen waren sowohl die Mormonen als auch die Heiden teilweise schuld an dem Konflikt, der zwischen ihnen aufkam. (Brigham Young University Studies, Winter 1968, S. 212-14)

Der Nauvoo Expositor, von dem Kenneth Godfrey sprach, wurde von einer Anzahl Männer gedruckt, die gegen Joseph Smiths politische Ambitionen und gegen die Ausübung der Vielehe waren. Der Mormonenschreiber John J. Stewart fasste das Problem zusammen: „Sie versuchten, ihre eigene Kirche mit William Law als Präsident aufzurichten. Sie kauften eine Druckerpresse und veröffentlichten eine Zeitung mit dem Titel Nauvoo Expositor,… Joseph Smith als Bürgermeister ordnete die Zerstörung der Expositor-Druckerpresse an.“ (Brigham Young and His Wives, S. 34)

Mormonenschreiber beziehen sich oft auf den Nauvoo Expositor als eine skandalöse und gemeine Publikation, aber in Wirklichkeit verteidigte er eine hohe Moral und Gehorsam zum Gesetz. Diese Zeitung war sehr gegen Joseph Smiths „politische Pläne“. Die Sache, die die Mormonenführer wirklich beunruhigte, war aber, dass der Nauvoo Expositor Joseph Smiths geheime Lehre über die Polygamie enthüllte. In einer beeideten Erklärung, veröffentlicht am 7. Juni 1844 im Nauvoo Expositor klagt Austin Cowles an:

Zum Ende des Sommers 1843 stellte der Patriarch Hyrum Smith dem Hohen Rat, von dem ich ein Mitglied war, etwas vor, von dem er sagte, dass es eine Offenbarung wäre, die durch den Propheten gegeben wurde;… gemäß dem, was er vorlas, waren darin folgende Lehren enthalten: 1. Das Siegeln von Personen für das ewige Leben entgegen aller Sünden, außer dem Vergießen unschuldigen Blutes oder der Zustimmung dazu; 2. Lehre von der Vielehe oder des Heiratens von Jungfrauen; dass „David und Salomon viele Frauen hatten, und doch sündigten sie hierin nicht, außer im Falle von Uria.“

Die Mormonenführer behaupteten, dass Austin Cowles gelogen hatte, aber acht Jahre nach Joseph Smiths Tod veröffentlichten sie die Offenbarung über Polygamie. Diese Offenbarung beweist ohne jeden Zweifel, dass die Aussagen im Expositor wahr waren. Somit ist es klar, dass der Expositor auf der Grundlage eines falschen Zeugnisses verdammt wurde, das von Joseph Smith und seinem Bruder Hyrum gegeben wurde.

In einer zusammenfassenden Übersicht der Verhandlungen im Nauvoo-Stadtrat finden wir folgendes:

Der Major [Joseph Smith] sagte, wenn er einen Stadtrat hätte, der so fühlen würde wie er, würde die Gründung (bezogen auf den Nauvoo Expositor) noch vor dem Abend als Unfug erklärt werden…

Der Stadtrat Stiles sagte… er würde hineingehen, um alle weiteren Veröffentlichungen dieser Art zu unterdrücken.

Der Stadtrat Hyrum Smith glaubte, der beste Weg wäre, die Presse zu zertrümmern und den Buchstabensatz mitzunehmen. (History of the Church, Bd. 6, S. 441,445)

Der Nauvoo-Stadtrat ordnete die Zerstörung der Presse an. Das Folgende wird in Joseph Smiths Geschichte unter dem Datum des 10. Juni 1844 berichtet: „Der Rat verabschiedete eine Verordnung, die den Nauvoo Expositor als Unfug erklärt und gab auch eine Anordnung an mich heraus, den besagten Missstand abzustellen. Ich befahl auf der Stelle dem Marschall, sie ohne Aufschub zu zerstören… Etwa um 20:00 Uhr kehrte der Marschall zurück und berichtete, dass er Presse, Buchstabensatz, bedrucktes Papier und Fixiermittel auf die Straße befördert und sie zerstört hätte.“ (History of the Church, Bd. 6, S. 432)

Der Mormonengeschichtsschreiber B. H. Roberts gesteht in Bezug auf die Zerstörung des Expositor zu, dass „die Legalität der Aktion des Majors und des Stadtrates natürlich fraglich war, obwohl einige danach trachteten, sie auf legalem Boden zu verteidigen; aber man muss eingestehen, dass weder ein Beweis noch ein Argument für die Legalität überzeugend wäre. Auf dem Boden der Zweckmäßigkeit oder der Notwendigkeit ist die Aktion eher vertretbar“. (History of the Church, Bd. 6, S. xxxviii)

Der Mormonenschreiber John J. Stewart berichtet, dass nachdem der Expositor zerstört war, „die abtrünnigen Veröffentlicher hinweg nach Carthage rasten, quiekend, wie angeschossene Schweine, und bevor der Friedensrichter Thomas Morrison, ein notorischer Mormonenhasser, einen Haftbefehl auf dem Rechtsweg erwirkte, um Joseph und siebzehn weitere Kirchen- und Stadtbeamte wegen Tumults zu inhaftieren.“ (Joseph Smith the Mormon Prophet, S. 220)

Charles A. Foster, einer der Veröffentlicher des Expositor, schrieb folgendes in einem Brief vom 11. Juni 1844:

…eine Kompanie, bestehend aus etwa 200 Mann, bewaffnet und ausgerüstet mit Musketen, Säbeln, Pistolen, Bowie-Messern, Schmiedehämmer usw., unterstützt von einer Menge von mehreren hundert Lakaien, die freiwillig bei dieser Gelegenheit in den Dienst eintraten, marschierte zum Gebäude, und brach die Türen mit einem Schmiedehammer auf und begann das Werk der Zerstörung…

Sie stürzten die Presse und Material auf die Straße und zündeten sie an und zerstörten die Maschinerie mit einem Schmiedehammer und beschädigten das Gebäude sehr wesentlich. (Warsaw Signal, 12. Juni 1844)

Charles A. Fosters Beschreibung der Zerstörung des Expositor klingt eher wie eine Pöbelszene als ein legaler Akt. Vilate Kimball, die Frau Heber C. Kimballs und eine treue Mormonin, schrieb in ihrer Schilderung: „11. Juni. Nauvoo war gestern Abend eine Szene der Aufregung. Einige hundert Brüder warfen die Presse der gegnerischen Partei hinaus und verbrannten sie.“ (Brief von Vilate Kimball, wie in Life of Heber C. Kimball, S. 350 veröffentlicht)

Der Mormonenautor William E. Berrett sagte:

Die Zerstörung des Nauvoo Expositor am 10. Juni 1844 erwies sich als Funke, der all die schwelenden Feuer der Gegner in eine große Flamme entfachte. Sie bat die Gelegenheit, auf die die Abtrünnigen der Kirche warteten, ein legaler Vorwand, um den Propheten und andere Führer in ihre Hände zu bekommen. Der Aufschrei, dass „die Pressefreiheit“ vergewaltigt worden wäre, vereinte die Splittergruppen, die nach der Vernichtung der Heiligen trachteten, als ob vielleicht nichts anderes zu tun wäre. (The Restored Church, S. 255)


Wie ein Lamm?

Edward Bonney sprach in seinem Buch Banditti of the Prairies von der Aufregung:

Diese Gewalttat auf die öffentliche Presse half, die schon entzündete Flamme zu entfachen… und warf deutlich den Schatten des Sturmes voraus, der mit überraschender Gewalt ausbrechen sollte.

Die andersdenkenden Mormonen vereinten sich sofort mit denen, die Gegner jener Sekte waren, und verschiedene Versammlungen wurden einberufen und alle Parteien drängten darauf, sich zu bewaffnen und sich darauf vorzubereiten, weiterer Aggression widerstehen zu können:… Haftbefehle wurden gegen Smith und andere Anführer bei der Zerstörung der Druckerei des Expositor ausgegeben, und obwohl sie von korrekten Beamten versorgt wurden, weigerten sie sich, den Mandaten des Gesetzes zu gehorchen und lachten über ihre Macht!

Wie in allen früheren Fällen, wurde auf den Vorführungsbefehl zurückgegriffen… und alle Inhaftierten wurden sofort freigelassen … das Ende aller Gerechtigkeit herbeiführend und den Beamten zwingend, ohne einen einzigen Gefangenen nach Carthage zurückzukehren!

Diese Scheinhandhabung des Gesetzes gab der Flamme neue Nahrung. Die Öffentlichkeit… wurde wütend und entschloss sich, ihre Macht zu erheben und das Gesetz zu zwingen, selbst wenn es auf der Spitze eines Bayonetts oder Säbels sein müsste…

Die Stadt Nauvoo wurde unter das Kriegsrecht gestellt und alle notwendigen Vorbereitungen wurden getroffen, um die Anordnungen des Propheten zu unterstützen… Gov. Ford, der dem Beamten, der die Haftbefehle hatte, von denen sich die Mormonen selbst entlasteten, Anweisungen gab, nach Nauvoo zu gehen und die Übergabe Smiths und anderer zu fordern…

Der Morgen kam und die Stunde ihrer Abreise nahte, aber der Prophet konnte nicht gefunden werden, da er während der Nacht mit seinem Bruder Hiram den Mississippi überquert hatte und sie verbargen sich in Iowa…

Während des Tages überquerten etliche Boten den Fluss zum und vom Propheten; einige gaben ihm den Rat, die Sicherheit in der Flucht zu suchen und andere drängten ihn, zurückzukehren und die Stadt zu retten. So gedrängt, überquerten der Prophet und sein Begleiter in der Flucht den Fluss gegen Sonnenuntergang und machten sich am folgenden Morgen nach Carthage auf…

Dort angekommen wurden die Gefangenen wegen des Tumults, indem sie die Druckerpresse zerstörten, untersucht und angehalten für ihr Erscheinen beim nächsten Termin am Hancock-Bezirksgericht zu bürgen. Joseph und Hiram Smith wurden inhaftiert wegen des Verrats und übergeben, um auf die Untersuchung zu warten.

Alles blieb ruhig und gelassen und Gouverneur Ford hielt eine Armee für nicht mehr notwendig und löste die Truppen am Morgen des 27. auf und hinterließ nur eine kleine Truppe, das Gefängnis zu bewachen und machte sich mit seinem Gefolge nach Nauvoo auf…

Nachdem die Truppen aufgelöst waren, fuhr der feindlichste von ihnen fort, da er glaubte, dass die Smiths eventuell von der Anklage des Verrats freigesprochen würden… die Flamme der Rache zu entfachen, die bis jetzt nur zu hell brannte. Gedrängt von den andersdenkenden Mormonen, die nach Blut dürsteten, versammelten sie sich bis zu einer Anzahl von 140, bewaffnet und verkleidet, und machten sich auf zu dem Gefängnis um etwa fünf Uhr am Nachmittag des 27.. Nachdem sie die Wache zerstreut hatten, griffen sie das Gefängnis an und Joseph und Hiram Smith wurden beide bei einem Versuch zu entkommen erschossen. Vier Kugeln durchlöcherten jeden von ihnen und jede der Wunden erwies sich als tödlich. Nachdem sie diesen kaltblütigen Mord (mit Sicherheit passt kein anderes Wort dazu) vollbracht und ihren Appetit auf Blut gestillt hatten, verstreute sich der Mob auf der Stelle. (Banditti of the Prairies [Norman, OK: University of Oklahoma Press, 1963] S. 20-24)

Es ist interessant, den Tod Joseph Smiths mit dem von Jesus zu vergleichen. In Jesaja 53:7 lesen wir: „Er wurde misshandelt und niedergedrückt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, dass man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, so tat auch er seinen Mund nicht auf.“ Im Neuen Testament wird behauptet, dass Christus diese Prophezeiung erfüllte (siehe Apostelgeschichte 8:32). Er starb ohne Widerstand. Im 1. Petrus 2:23 lesen wir: „Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter.”

Als Petrus versuchte, Jesus mit dem Schwert zu verteidigen, sagte ihm Jesus: „Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat – soll ich ihn nicht trinken?“ (Johannes 18:11)

Es wird behauptet, dass, bevor Joseph Smith im Carthage-Gefängnis ermordet wurde, er erklärte: „Ich gehe wie ein Lamm zur Schlachtbank“… (Lehre und Bündnisse, 135:4)

Die meisten Mormonen glauben, dass Joseph Smith starb, ohne sich zu sträuben, aber die eigentliche Wahrheit ist, dass er in einem Schusswaffengefecht starb. In der History of the Church wird folgender Bericht in Bezug auf Joseph Smiths Tod gegeben:

Plötzlich gab es ein kleines Rascheln an der äußeren Tür des Gefängnisses und ein Ruf der Ergebung, und es folgte auch sofort eine Entladung von drei oder vier Gewehren… Joseph sprang zu seinem Mantel, um nach dem Sechsschüsser zu greifen, Hyrum nach seiner einläufigen Kanone…

Als Hyrum fiel, rief Joseph aus: „Ach herrje, Bruder Hyrum!“ und die Tür wenige Zentimeter öffnend schoss er mit seinem Sechsschüsser auf der Treppe (wie vorher schon erklärt), von dem zwei oder drei Patronen versagten.

Als Joseph sah, dass es im Raum keine Sicherheit gab, und ohne Zweifel daran denkend, dass es das Leben seiner Brüder im Raum retten würde, wenn er hinauskommen könnte, wandte er sich ruhig von der Tür weg, ließ seine Pistole auf den Boden fallen und sprang ins Fenster… und er fiel hinaus in die Hände seiner Mörder… (History of the Church, Bd. 6, S. 617-18)

In der Einleitung zu Band 6 der History of the Church, Seite XLI, wird Joseph Smith für seinen Part in dem Schusswaffengefecht gepriesen: „… der Prophet wandte sich von der darniederliegenden Gestalt seines ermordeten Bruders ab, um todbringenden Gewehren ins Auge zu sehen und er erwiderte mutig das Feuer seiner Gegner, ‚da er doch jederzeit seinen Mann zu Boden gebracht hatte’ und er bezwang sogar John Hay, der aber widerstrebend dem Propheten jede Qualität der Tugend zugesteht, aber bekannte, dass er ‚einen ansehnlichen Kampf geführt hätte’…“

John Taylor, der der dritte Präsident der Kirche wurde, bezeugte in Bezug auf den Tod Joseph Smiths:

Er stand aber sofort auf und mit einem festen, schnellen Schritt und einem entschlossenen Ausdruck im Gesicht näherte er sich der Tür und zog den Sechsschüsser, der von Bruder Whellock zurückgelassen wurde, aus seiner Tasche, öffnete die Tür geringfügig und schoss die Pistole aufeinanderfolgend sechs Mal ab; aber nur drei der Patronen gingen los. Ich verstand später, dass zwei oder drei durch diese Schüsse verwundet wurden, zwei von ihnen, so bin ich informiert, starben.History of the Church, Bd. 7, S. 102-3)

Aus der vorhergehenden Information kann man sehen, dass der Tod Joseph Smiths in keiner Weise mit dem Tod Jesu verglichen werden kann. Jesus ging wie ein „Lamm zur Schlachtbank“, aber Joseph Smith starb wie ein tobender Löwe.

Heute ist der Joseph Smith der mormonischen Verehrung eine höchst romantische Version des wirklichen Joseph Smith. Während er natürliche Fähigkeiten und Talente besaß, war sein persönlicher Charakter weit von dem frommen Image, in das ihn seine Anhänger pressen, entfernt. Seine starke Selbstgefälligkeit und der Drang nach Macht zusammen mit seinen betrügerischen Praktiken führten ihn schließlich zu seiner Vernichtung.