Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Die HLT-Kirche geht bei der Selbstdarstellung sehr vorsichtig vor. Seit Dezember 1996 hat sie eine eigene offizielle Webseite in englischer Sprache, auf der es seit Mitte 1998 auch eine kleine und langsam wachsende deutschsprachige Rubrik gibt.

Für den deutschsprachigen Raum wurde im Dezember 2001 zunächst eine europäische Seite eingerichtet, inzwischen gibt es aber eine eigene offizielle Webseite für Deutschland.

Die bisherigen Informationsmappen der HLT-Kirche halten wir zur Information aber online verfügbar, auch wenn sie nicht mehr ganz aktuell sind.

Zusätzlich gibt es die offiziellen Mitgliederzahlen der vergangenen Jahre für den deutschsprachigen Raum und einen aktuellen statistischen Überblick.

Die Mappen sind in der europäischen Verwaltungszentrale der Kirche, Porthstraße 5-7, 60423 Frankfurt, im Erdgeschoß oder unter der Telefonnummer (069) 54 80 22 65 in Deutschland für das jeweilige Land erhältlich.

Die zeitliche Abfolge in der Erstellung scheint von der deutschen über die schweizerische hin zur österreichischen als neueste zu sein. Zu beobachten ist eine interessante Entwicklung der Präsentation, einige Punkte sind auch kurios, wie z.B. die Anzahl der Sprachen, in denen das Buch Mormon vorliegt.

Anmerkungen zur offiziellen Präsentation der Kirche

Diese seichte Selbstdarstellung konnte ich dem europäischen Kirchenhauptquartier 1997 abgewinnen. Das ist Informationspolitik à la Kirche vom Feinsten. Da sie mir nun einmal vorliegt möchte ich sie mit Euch teilen. Denn sie zeigt, wie die Kirche heute gern gesehen wird. Natürlich kann ich das Ganze nicht völlig unkommentiert lassen.

Gleich zu Anfang fällt es auf und es zieht sich bis zum Schluß: die Mitglieder wurden für ihre Religion verfolgt und mußten auswandern. Die geschilderten Umstände treffen aber ganz und gar nicht zu und sollen nur die Tränendrüsen drücken. Einige Tage im Gefängnis verbrachten lediglich Missionare, wenn sie gegen das strenge polizeiliche Melderecht verstießen und dabei erwischt wurden. Die Mitglieder konnten ihre Versammlungen fast immer ungestört abhalten und hatten es damit wesentlich leichter als so manche politische oder Sportgruppe. Nichts deutet auf besondere Repressalien gegen die Mormonen hin, wie man uns hier weiß machen will. Daß die Dinge damals etwas schwerer waren, ist doch allgemein bekannt. Die Auswanderung nach Utah wurde von der Kirchenführung gepredigt und von den Missionaren sehr in den Mittelpunkt gerückt. Die Kirche unterhielt sogar einen Auswanderungsfond von erheblichem Umfang, um neuen Mitgliedern die Überfahrt zu ermöglichen. Vielfach wurde den Menschen kostenloses Land versprochen. Aber die Realität holte sie bald ein, als sie dann für Hungerlöhne schuften durften. Viele wollten wieder nach Deutschland zurück, hatten aber kein Geld mehr dafür. Somit halfen sie also tatsächlich, Utah aufblühen zu lassen.

Viele deutsche Mitglieder waren begeisterte Anhänger der Nationalsozialisten. Kein Wunder, denn alle Mitglieder warten auf das Zweite Kommen Christi, doch zuvor müssen die Zeichen der letzten Zeit erfüllt werden. Kurz vor seinem Kommen werden alle Unrechtschaffenen zerstört und die Menschheit gereinigt, was liegt da näher als ein System zu unterstützen, das alle Verbrecher, Juden, Homosexuelle, Behinderte und anderweitig Unwürdige einfach vernichtet und einen neuen Menschen erschafft. Wahrlich, jetzt kann es bis zum Zweiten Kommen nicht mehr weit sein. Heute will man das natürlich alles nicht mehr wahr haben. Man brüstet sich mit Helmut Hübener, der, obwohl Mitglied, Widerstand geleistet hat und dafür hingerichtet wurde. Verschwiegen und verdrängt wird der Umstand, daß die Kirche immer den Staat unterstützt, auch einen nationalsozialistischen, und daß man Helmut Hübener nach seiner Verhaftung ganz schnell vor seiner Hinrichtung aus der Kirche ausschloß und sich so von ihm lossagte. Ja, das sind genau die Mitglieder, die die Unterstützung der Kirchenzentrale brauchen, damit sie nicht hungern müssen.

Diese ständigen Bemühungen mit der DDR-Regierung lösten selbst unter den Mitgliedern in der DDR großes Unverständnis aus. Da arrangierte man sich mit Stalinisten, brachte Devisen und verlängerte so den Bestand der DDR. Die Eröffnung des Tempels brachte für die Mitglieder einen weiteren Schock. Plötzlich sahen sie sich einer Kirche gegenüber, wie sie sie noch gar nicht kannten. Zum Glück war der äußere Druck so stark, daß nicht alle einfach die Kirche verließen. Einige hatten dennoch den Mut, darunter sogar ein Bischof - was für ein Schock ... Die Treue zum Staat ging sogar so weit, daß 1989 vor einer Teilnahme an den Montagsdemonstrationen gewarnt wurde, denn die Kirche betätige sich nicht politisch (was natürlich auch Blödsinn ist). Wie gut, daß ich mich über derartige Ermahnungen hinweggesetzt habe.

Es ist richtig, Missionare bekommen keine besondere Ausbildung vor ihrer Mission, von der jahrelangen Indoktrinierung einmal abgesehen. Doch dann kommt die "Sprachenschule", offiziell ein Missionarstrainingszentrum, und da wird die Sprache anhand der haarklein ausgearbeiteten Diskussionen gelehrt. Eigentlich kann ein Missionar nach den zwei Monaten Intensivstkurs nicht sehr viel sprechen, aber die ersten beiden (von sechs) Lektionen kann er fast auswendig. Nicht zu vergessen das intensive Training, das Missionare täglich durchführen. Dabei liegen ihnen von Marketingexperten gut ausgearbeitete Schulungsmaterialien vor. Trainiert werden Ansprechweisen, Körpersprache, eben alles, was es braucht, um jemanden von seinem Standpunkt überzeugen zu können. Damit ist die Ausbildung wesentlich solider als bei jedem Versicherungsvertreter. Gemeinsam mit dem detaillierten Programm, den engen Kontrollen und dem Enthusiasmus junger, gutgläubiger Menschen ergibt sich ein sehr effektives System zum Anwerben von neuen Mitgliedern. Ein Glück, daß Mitteleuropäer von vornherein reservierter und besser informiert sind als Amerikaner, denn wer durch eine kurze Schwäche diese Missionare an sich heranläßt, hat auch gute Chancen, als Mitglied zu enden.

Mormonen - das ist der Spitzname. Doch warum scheut sich die Kirche so vor diesem Begriff, der allen bekannt ist? Na klar, alle verbinden das sofort mit Vielweiberei, wenn man sonst schon nichts darüber weiß. Und so was schadet nun mal dem Image. Da wurde es vor über hundert Jahren verboten, praktiziert es bestimmt schon 70 Jahre nicht mehr, und die Leute wissen es trotzdem noch. Und dann die vielen Gemeinschaften des Restorationismus, die sich alle Mormonen nennen und auf Joseph Smith berufen, mit so was kann man sich doch nicht auf eine Stufe stellen. Da ist es schon besser, man bricht sich die Zunge bei dem langen Namen und niemand kann etwas damit anfangen. Außerdem umgeht man die anfängliche Abneigung gegen das Verbot von Alkohol, Tabak, Kaffee, Tee und Sex vor der Ehe, denn es gibt doch tatsächlich noch Leute, denen sogar das bekannt ist. Und nicht zu vergessen: auch der Anti-Christ benutzt das Wort ganz unverblümt. Da muß man es als gläubiger Mensch doch zum Unwort stempeln.

Die Kirche und ihre Mitgliederzahlen. Man ist so stolz darauf. Verschwiegen wird, daß sich ein Viertel davon glatt kaputt lachen würde, wenn sie wüßten, daß sie noch als Mitglied geführt werden. Ein weiteres Viertel will mit der Kirche schon lange nicht mehr tun haben und von dem Rest sind auch nicht gerade alle hyperaktiv in der Kirche. Aber wen interessiert das schon. Es ist ja so schön, mit den Millionen zu prahlen. Und wer kann schon Rücksicht auf Einzelschicksale nehmen.

Die Erfahrung zeigt weiterhin, daß in Mormonenfamilien weder ein besseres noch ein schlechteres Familienleben herrscht als anderswo. Das gibt man natürlich nicht gern zu, weil man ja eine so superiore Lehre hat, daß sich die Statistiken überschlagen müßten. Tun sie aber nicht. Mormone oder nicht tut nichts zur Sache, es gibt so und so gute und schlechte Familien. Also warum wird da so ein Wirbel gemacht? Man unterstreicht halt, daß man der Beste sein will.

Warum Tempel? Zum Glück gibt's auch Orte, wo man Informationen bekommt. Außerdem versucht man immer darzustellen, daß man für seine Vorfahren durch den Tempel geht. Aber das ist die große Ausnahme. Meist empfängt man die Verordnungen für die Vorfahren von irgend jemandem. Und "Liebe zu den Vorfahren" könnte man auch durch "ständigen Druck durch Ermahnungen und Schuldgefühle" ersetzen. Aber darauf basiert ja alles in der Kirche, also warum extra erwähnen.

Erstaunlich, daß die Alleinstehenden überhaupt Erwähnung finden. Wer unverheiratet und über 30 ist, wird in der Kirche ohnehin wie ein Ausgestoßener behandelt. Denn es gibt keinen Platz für Singles in der angestrebten ewigen Erhöhung. Und da bewahrheitet es sich wieder - die Familie steht im Vordergrund. Aber eigentlich ist es ja gut so. Denn wer Familie hat, hat nicht mehr so viel Zeit zum Denken und Studieren.

Ja, man erwähnt besser nicht, daß Marketing das Hauptbetätigungsfeld von Gordon war, sonst wird noch klar, warum er die Kirche so gut verkaufen kann. Mit jahrelanger Erfahrung beim Kirchen PR ist das auch kein Wunder.

Die Mormonen-Institutionen schlagen sich förmlich darum, Generalautoritäten Ehrentitel verleihen zu dürfen. Wen wundert's da, daß die GA's mit derartigen Titeln überladen sind.

aren vielleicht auch Geschichtsbücher unter den von ihm editierten Büchern? Verwundern würde es nicht.