Cedar Point 1922

Der Wachtturm und Verkünder der Gegenwart Christi
28. Jahrgang Barmen - 15. Januar 1923 - Brooklyn

Generalversammlung in Cedar Point

Indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei etlichen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, jemehr ihr den Tag herannahen sehet." - Hebräer 10:25

Diese größte Versammlung der Bibelforscher dauerte neun Tage lang, und täglich fanden vom Morgen bis zum Anbruch des Abends Vorträge in dem großen Vortragssaal und zu gleicher Zeit im Freien statt. Wir werden leider des Platzmangels wegen nur einige Hauptredner unter den vielen, in einer Doppelausgabe des Watch Tower berichteten größeren Vorträgen bringen können, und wir versuchen daher, in erster Linie die interessantesten Punkte und Momente dieser herrlichen Versammlung zusammenzustellen und sodann die bedeutungsvollen und höchst zeitgemäßen Vorträge Bruder Rutherfords, sowie eine andere, für die Geweihten des Herrn besonders wichtige Ansprache in vollem Wortlaut wiederzugeben.

Eine Zusammenkunft von Christen, die durch den Einfluß reiner christlichen Liebe zusammengebracht werden, ist immer heilsam und nutzbringend. Der Tag kommt immer näher, wo die große Versammlung der Kirche der Erstgeborenen vollzählig zusammengebracht sein wird, und umso größer ist daher das Verlangen, nach engerer Gemeinschaft und Tätigkeit der Geschwister auf dieser Seite des Vorhanges. Für alle solche ist eine Versammlung ein ganz besonderer Segen.

In dem Glauben, daß es im Einklang mit dem Willen des Herrn gehandelt sei, wurde eine Generalversammlung von Bibelforschern angekündigt, um vom 5. bis einschließlich 13. September in Cedar Point, im nordamerikanischen Staate Ohio, abgehalten zu werden. Aus allen Himmelsgegenden des Landes kam eine freudige Erwiderung der Geschwister, die ihre Beteiligung zusagten. Als der Tag näher kam, war es klar ersichtlich, daß die Zahl der Teilnehmer eine überaus große sein würde. Ja, noch viel mehr kamen, als auf Grund der einlaufenden Anmeldungen angenommen werden konnte, mit großer Sehnsucht nach persönlicher Gemeinschaft und gegenseitiger Auferbauung in unserem allerheiligsten Glauben. Die Brüder und Schwestern kamen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten, ferner aus Kanada, und eine ziemliche Anzahl aus Europa. Diejenigen, die nicht kommen konnten, sandten Telegramme und Kabeldepeschen mit Grüßen und besten Wünschen. Solche Drahtmeldungen kamen unter anderem aus England, Schottland, Schweden, Finnland, Südafrika, Australien, aus vielen Orten Kanadas, aus einer Reihe von Städten in den Vereinigten Staaten und anderen Orten.

Am Dienstag, den 5. September, begann ein großer Strom von Geschwistern einzutreffen mit Extrazügen, Dampfern, Automobilen, elektrischen Bahnwagen, und in der Tat mit allen möglichen Transportmitteln, Luftschiffe allein ausgenommen. Am Sonntag vorher trafen mehr als 5.000 Besucher allein mit Automobilen ein. Alle Hotelzimmer in Cedar Point waren voll besetzt, während Tausende in der Nachbarstadt Sandusky, die mit der idyllisch schön gelegenen Halbinsel Cedar Point an der Südküste des Eriesees mittelst Fährdienst verbunden ist, und anderen nahen Strandorten untergebracht wurden. Die Zahl der Versammlungsbesucher erreichte ihren Höhepunkt am Sonntag, dem 10. September, als, zuverlässigen Schätzungen zufolge, etwa achtzehntausend bis zwanzigtausend am Versammlungsort anwesend waren.

Die Eröffnung der Versammlung fand programmgemäß am Dienstag nachmittag, 5. September, statt. Bruder Van Amburgh, Sekretär und Schatzmeister der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft, war der Vorsitzende; Hilfsvorsitzende waren die Pilgerbrüder Graham und Pickering und Bruder Salter, Vertreter der Gesellschaft in Kanada, in der Stadt Toronto. Die englischen Vorträge fanden in dem größten Saal in den Parkanlagen, dem Koliseum, statt, das Sitzgelegenheiten für fünftausend Personen bietet. Diese Versammlungshalle war in fast jeder Sitzung bis auf den letzten Platz besetzt, und viele hörten die Vorträge stehend an. Außer in dieser Halle fanden zu gleicher Zeit Vorträge im Freien, unter den Bäumen in den Parkanlagen, statt, wo mehrere tausend Personen bequeme Sitzgelegenheiten hatten. In der großen Vortragshalle wurde einige Tage nach Eröffnung der Versammlung ein elektrischer Schallapparat zur Verstärkung der Stimme in Dienst gestellt, der so vollkommen funktionierte, daß ein Redner mit selbst einer mäßig starken Stimme deutlich in den entferntesten Teilen des großen Zuhörerraumes verstanden werden konnte. Dieser Schallapparat wurde auch bei einer großen Versammlung im Freien, in welcher Bruder Rutherford sprach, benutzt, und auch hier bewährte sich der Apparat so vortrefflich, daß die Stimme des Redners weithin unter den Tausenden von Zuhörern auf das deutlichste zu verstehen war. Ein sehr gutes Orchester, aus zweiundzwanzig Brüdern und Schwestern zusammengesetzt, lieferte herzerfreuende Musik während der ganzen Dauer der Hauptversammlung, unter Benutzung eines Klaviers, eines Dutzends von Violinen, mehrerer Flöten und allerlei Arten von Blasinstrumenten. Einer der Spieler wurde gehört, wie er die Bemerkung machte: „Die für diese Versammlung angesetzte Zeit ist zu kurz; eine Generalversammlung von dieser Größe sollte den ganzen Sommer sein!“

Zu gleicher Zeit mit den Vorträgen in der englischen Sprache hielten die fremdsprachigen Brüder Vorträge in verschiedenen Sälen und an verschiedenen Stellen im Freien, in dem die Halbinsel Cedar Point ausfüllenden Wäldchen. Um ein und dieselbe Zeit fanden in verschiedenen Teilen der Ortes elf Versammlungen in zehn verschiedenen Sprachen statt, und zwar außer in englisch in der deutschen Sprache, ferner skandinavisch, polnisch, ukrainisch, litauisch, slowakisch, ungarisch, italienisch und griechisch. Es fehlt an Raum, um im Watch Tower die Ansprachender fremdsprachigen Brüder zu bringen; es sei aber erwähnt, daß den bei uns eingelaufenen Berichten zufolge die Vorträge der fremdsprachigen Brüder beachtenswert waren durch den hohen Grad tiefen geistigen Einblicks, welchen sie kundgaben.


In allen Versammlungen, ob englisch, deutsch oder in anderen Zungen, war es der eine Geist, der überall hervortrat, der Geist Christi. Überall gab es frohe Gesichter und freudevolle Herzen. Überall hörte man sagen: „Dies ist die wundervollste Hauptversammlung, die es jemals gegeben hat;“ und zweifellos hat es niemals eine andere Generalversammlung auf Erden gegeben, die von so vielen geweihten Christen besucht worden ist.

Die leibliche Speisung der großen Besucherzahl war keine leichte Aufgabe, indes hatten die Eigentümer der Sommerfrische Cedar Point einen leistungsfähigen Betrieb nach dem Muster großstädtischer Restaurants zur schnellen Bedienung größerer Massen eingerichtet, und Dank dem Entgegenkommen der Geschwister ging die Bedienung planmäßig vonstatten, und alle wurden schnell und reichlich mit guter Speise versorgt.

Ein segensreiches Werk

Montag war ein für den Dienst vorgesehener Tag, mit Vorträgen und Besprechungen über die Verbreitung der Königreichsbotschaft, und am nächsten Morgen fuhren 263 Automobile, beladen mit dienenden Geschwistern und großen Mengen von Büchern und Schriften, aufs Land hinaus, um weitausgedehnte Kolportagetouren durch den nördlichen Teil des Staates Ohio zu machen, während andere zu gleichem Zweck mit elektrischen Straßenbahnwagen in die näher gelegenen Landdistrikte fuhren. Etwas über sechzehnhundert Geschwister beteiligten sich an diesen Touren. Etwa elftausend Bücher und Schriften wurden mitgenommen, und außerdem wurden unter Vorzeigung von Probebüchern eine Menge Bestellungen gemacht. Die von den Geschwistern erstatteten Berichte waren höchst erfreulicher Art und ließen nicht nur ersehen, daß fast alle mitgenommen Bücher und Schriften verkauft wurden, sondern auch, daß es zu jetziger Zeit überall offene Herzen und hungrige Seelen gibt, die für die Wahrheit empfänglich sind, wenn diese ihnen in der rechten Weise gezeigt wird.

Auch zeigte es sich, daß der zwei Tage vorher gehaltene öffentliche Vortrag Bruder Rutherfords von vielen Leuten aus der näheren und ferneren Umgegend besucht wurde und einen starken Eindruck gemacht hatte und viele dazu antrieb, sich Literatur über die Wahrheit zu verschaffen. Diese Geschwister erstatteten Berichte dieser Art und erzählten, daß sie auf ihren Touren viele Leute antrafen, die am Sonntag Bruder Rutherford hatten reden hören, und die sich freuten, Bücher und Schriften kaufen zu können.

Eine Schwester berichtete, sie habe auf ihrer Tour einen Geistlichen angetroffen, der „diese roten Bücher“ (Pastor Russells Schrift-Studien) las und auch predigte, was er daraus gelernt hatte.

Eine Frau sagte, sie habe die Prediger satt und komme immer hungrig aus der Kirche nach Hause, und sie wolle nicht, daß ein Prediger an ihrem Sarge die Leichenrede halte. Die Frau sagte, sie wolle der Bibelforscherklasse in Sandusky beitreten.

Eine Schwester kam zu einem Landmann, den sie fragte, ob er das Buch „Millionen jetzt Lebender werden niemals sterben“ schon gelesen habe. Er erwiderte: „Ich lese gerade darin und bin bis Seite 90 gekommen. Am Sonntag morgen wollte ich mich gerade fertig machen, zur Kirche zu gehen, als mir der Gedanke durch den Kopf ging, anstatt zur Kirche nach Cedar Point zu gehen, um zu sehen, was dort eigentlich „los ist“. Ich hörte zwei Vorträge am Vormittag, und dann hörte ich Richter Rutherford am Nachmittag. Ich kaufte das „Millionenbuch“ und las darin bis zur Mitternachtsstunde.“ Dann erklärte ihm die Schwester viele Schriftstellen, und nach jeder Deutung pflegte er zu sagen: „Nein! Wie taub und wie blind bin ich doch gewesen! Wirklich, jetzt fange ich erst an, etwas über Gott und seinen Heilsplan zu wissen.“ Als die Schwester sich verabschiedete, sagte er, er wolle mit dem „Millionenbuch“ zu seinem Pastor gehen und mit diesem die Sache besprechen. Die Schwester sagte ihm, er solle dies lieber nicht tun, worauf er erwiderte: „O ja, ich glaube, ich habe ihn schon oft darüber predigen hören, daß Millionen jetzt Lebender niemals sterben werden.“

Eine Frau, die von einer Schwester besucht wurde, sagte: „Ich habe soviel Böses über die Bibelforscher reden hören, daß ich jetzt die Bücher kaufen und selbst die Bücher prüfen will.“

Eine andere Frau, welche die Bücher durchaus kaufen wollte, aber kein Geld zum Bezahlen hatte, gab uns statt dessen einen Korb Weintrauben und einen Korb voller Kuchen.

Eine andere Frau hatte „Die Harfe“ gekauft, und als wir auf der Rückkehr an ihrem Hause vorbeikamen, hielt sie uns an auf der Landstraße, um ein zweites Buch zu kaufen.

Eine Schwester sprach bei einem Manne vor, der auf der Schwelle seines Hauses saß. Als er hörte, daß Bruder Rutherford dort sei, sprang er auf und machte sich auf den Weg, ihn sofort zu sehen, um sich Gewißheit über mehrere Schriftstellen zu verschaffen, die ihm schon seit einiger Zeit Schwierigkeiten gemacht hatten.

Eine Schwester besuchte einen Mann, der gerne die Bücher gekauft hätte, aber nicht den Mut dazu hatte – seiner besseren Hälfte wegen. Auf den Vorschlag der Schwester, er solle die Bücher kaufen und sie eine Zeitlang in der Scheune versteckt halten, kaufte er die Bücher.

Eine Schwester berichtete: „Wir fanden solche, die trauern; solche, die ein hörendes Ohr haben; solche, die nicht imstande sind, in die Versammlungen zu kommen; und solche, die nicht genug Geld haben, um die Bücher zu kaufen.“

Was die Hauptversammlung für eine gewisse Schwester bedeutete: - Diese Schwester kam zur Versammlung aus der Stadt Newark im Staate Ohio. Sie hatte nicht genügend Mittel, um alle Auslagen während der Versammlung zu bestreiten, aber sie hatte einen starken Glauben, und so fragte sie bei dem Arrangementskomitee an, ob sie in einem der Hotels in Cedar Point einen Dienst verrichten könne, um die Kosten ihres dortigen Aufenthaltes zu decken. Zur Zeit ihrer Anfrage waren alle Posten besetzt, aber wegen der Dringlichkeit des Falles wurde alles nochmals gründlich geprüft, wobei sich herausstellte, daß in der Wäscherei eines Hotels noch ein Arbeitsplatz an einem elektrischen Bügelbrett zu haben war. Wir erinnern uns, daß es damals in Cedar Point sehr heiß war. Die Schwester nahm sofort die Stelle an, ohne Zweifel etwas niedergedrückt, aber nicht entmutigt, und zu gleicher Zeit begann sie, ihr Licht leuchten zu lassen. Mit ihr in dem Arbeitsraum waren die Aufseherin und ein katholisches Mädchen, beide der Wahrheit gänzlich fremd. Die Aufseherin wollte nicht zuhören, als die teure Schwester ein Zeugnis über die Königreichssegnungen gab, aber das Mädchen achtete auf jedes Wort. Die Schwester sprach weiter mit Geduld und Liebe, und schließlich gestand ihr das junge Mädchen, daß sie ihren ganzen Verdienst sparen und nach Hause schicken wolle, um sich bald als Nonne ausbilden zu lassen. Sie sagte aber hinzu: „Ihr seid eine wundervolle Frau; eure Botschaft klingt gut in meinen Ohren. Ich werde das kleine Buch (Millionenbuch) nehmen, wenn ihr es mir geben wollt, und ich werde es lesen. Auch möchte ich sagen, daß ich inzwischen meinen Plan, eine Nonne zu werden, geändert habe, und ich glaube wirklich, ich mag vielleicht eine von diesen jetzt lebenden Millionen sein, die niemals sterben werden.“ Wir freuen uns, berichten zu können, daß auch die Aufseherin auf das Zeugnis der Schwester hörte, ehe die Hauptversammlung geschlossen wurde.

Nach der Rückkehr der Geschwister von den Verkaufstouren fand am Abend eine große Zeugnisversammlung statt, zur Berichterstattung über die auf diesen Diensttouren gemachten Erfahrungen und gegebenen Zeugnisse, und alle Anwesenden stimmten darin überein, daß es ein wundervolles, das Herz inspirierendes Zeugnis war, als Vorläufer eines weltenweiten Zeugnisses zur Verkündigung des Königreiches des Messias.


„Inmitten seiner heiligen Tausende.“

Es ist hier von Interesse, die Worte des Apostels Paulus zu beachten: „Es hat aber auch Henoch, der siebente von Adam, von diesen geweissagt und gesagt: Siehe, der Herr ist gekommen inmitten seiner heiligen Tausende, Gericht auszuführen wider alle und völlig zu überführen, alle ihre Gottlosen von allen ihren Werken der Gottlosigkeit, die sie gottlos verübt haben, und von all den harten Worten, welche gottlose Sünder wider ihn geredet haben.“ (Judas 14,15) Es ist bemerkt worden, daß dieseWorte des Apostels Judas hier eine ganz besondere Bedeutung haben, angesichts eines von dieser Generalversammlung in Cedar Point angenommenen Beschlusses, welcher ein Strafgericht und eine Warnung für alle Nationen der Erde ist. Es ist ganz einzig in seiner Art, daß die durchschnittliche Beteiligung an dieser Versammlung etwa zehntausend betrug, während am Sonntag Nachmittag bedeutend mehr der öffentlichen Versammlung beiwohnten. Am Schluß der am Sonntag Nachmittag von dem Präsidenten der Gesellschaft, Bruder Rutherford, gehaltenen öffentlichen Ansprache hat diese denkwürdige Versammlung geweihter Christen, in welcher viele Sprachen vertreten waren, nämlich englisch, deutsch, polnisch, griechisch, skandinavisch, ukrainisch, litauisch, ungarisch, slowakisch und italienisch, einstimmig und unter großem Jubel die folgende Resolution angenommen:

Resolution
Gefaßt von der Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher
am 10. September 1922 zu Cedar Point, Ohio, U.S.A.

Die Generalversammlung der Internationalen Bibelforscher-Vereinigung erachtet es als ihre Pflicht und ihr Vorrecht, an die Nationen der Erde folgende Botschaft zu senden.

Als eine Körperschaft gottgeweihter Nachfolger unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus, sind wir grundsätzliche Gegner jeder Beteiligung an Krieg, Revolutionen, Anarchie oder Gewalt in irgendwelcher Form, und protestieren ferner gegen die Irreführung des Volkes durch lügnerische Verdrehung des Wortes Gottes oder durch andere betrügerische Mittel. Wir wünschen dem Volke herzlich und aufrichtig Frieden und Wohlfahrt, der ganzen Menschheit Segnung mit Leben, Freiheit und Glückseligkeit, und wir sind überzeugt, daß dies einzig im Reiche Gottes unter der Herrschaft Christi erreicht werden kann.

Im Lichte des Wortes Gottes und besonders im Lichte bereits erfüllter Prophetie, weisen wir auf das Nachfolgende als die wahre Klarstellung der heutigen beispiellosen schwierigen Weltlage hin:

  1. Die Herrscher der Erde haben wiederholt damit geprahlt, der Weltkrieg werde zu dem Zwecke geführt, um der Welt die Demokratie zu sichern, aber dieses Versprechen hat sich als Blendwerk und Völkerfalle erwiesen.
  2. Die in Paris, Washington, Genua und im Haag, unter Beteiligung der führenden Staatsmänner und Finanzfürsten der Welt und unter besonderer Willigung der Geistlichkeit aller Denominationen abgehaltenen internationalen Konferenzen zur Sicherung des Weltfriedens haben vollständig versagt und das erhoffte Resultat nicht zustande gebracht.
  3. Alle Nationen sind jetzt, so wie der Herr von dieser Zeit prophezeit hat, in Not und Ratlosigkeit. Das ganze soziale und politische Gefüge der Welt ist von vollständiger Auflösung bedroht. Die führenden Staatsmänner und Beherrscher der Welt gewahren es mit Schrecken, und im Bewußtsein ihrer eigenen Ohnmacht, der Erde Frieden, Sicherheit und Wohlfahrt zu schaffen, rufen sie nun in Angst und Ratlosigkeit die Kirchen der Welt um Beihilfe an, um die Zivilisation vor dem Untergang zu bewahren.
  4. Alle Nationen und Völker der Erde sehnen sich danach, in Ruhe und Frieden zu wohnen, und sich des Lebens, der Freiheit und des Glückes zu erfreuen.
  5. Das Volk wird irregeführt, indem man ihm verspricht, dieses sehnliche Verlangen durch internationale Konferenzen und Vereinbarungen, durch den Völkerbund und dergleichen mehr zu erfüllen.

Darum wenden wir uns hiermit an alle Nationen der Erde, an ihre Herrscher und ihre Führer, an alle Geistlichen sämtlicher Kirchen und Denominationen der Erde, an ihre Anhänger, und Verbündeten, die finanziellen und politischen Machthaber und fordern sie auf, nunmehr den Beweis zur Rechtfertigung ihrer Behauptung herbeizubringen, daß sie der Welt Frieden und Wohlfahrt bringen und den Völkern wahres Glück und Gedeihen sichern können. Vermögen sie es nicht, so fordern wir sie auf, dem Zeugnis Gehör zu geben, welches wir ihnen als des Herrn Zeugen heute vorlegen, und dann mögen sie erklären, ob unser Zeugnis wahr ist oder nicht.

Im Vertrauen auf das Wort Gottes und auf seine durch Jesum Christum für die ganze Menschheit getroffene Vorsorge, glauben und bekunden wir als seine Zeugen folgendes:

  1. Daß der im Jahre 1914 ausgebrochene Weltkrieg und die ihm folgenden großen Hungersnöte, Epidemien und Revolutionen in verschiedenen Gegenden der Erde genaue Erfüllungen der großen Prophezeiung des Herrn sind;
  2. Daß das Jahr 1914 das gesetzliche Ende der alten Welt oder Weltzeit markiert, wo Christus als der rechtmäßige König seine Macht an sich genommen hat;
  3. Daß der Herr Jesus Christus jetzt gegenwärtig, obwohl den Menschen unsichtbar, und am Werke ist, sein Königreich aufzurichten, um welches Reich er seine Nachfolger beten gelehrt hat;
  4. Daß Satan - seit langem „der Gott der Welt“ - die Staatsmänner, Finanzfürsten und Geistlichen irrgeführt hat, indem er sie glauben machte, daß sie durch internationale Verträge oder andere vereinte Anstrengungen das Ersehnte aller Nationen herbeiführen können;
  5. Daß sämtliche gegenwärtig bestehenden Organisationen der Welt den sichtbaren Teil von Satans Herrscherreich oder Organisation darstellen, und daß jetzt Satans Reich bei dem Vormarsch des Königs der Herrlichkeit fallen muß;
  6. Daß alle internationalen Konferenzen und alle daraus hervorgehenden Verträge und Vereinbarungen, mit Einschluß des Völkerbundes und aller ähnlichen Bündnisse, versagen müssen, weil Gott es so beschlossen hat;
  7. Daß alle vereinten Anstrengungen der nominellen Kirchen, ihrer Geistlichkeit, ihrer Führer und ihrer Verbündeten, die alte Ordnung der Dinge auf Erden zu retten und wieder zu befestigen und Frieden und Wohlfahrt herbeizuführen, fehlschlagen müssen, weil diese Organisationen keinen Teil des messianischen Königreiches bilden;
  8. Daß im Gegenteil die Geistlichkeit der verschiedenen kirchlichen Benennungen sich während des Weltkrieges dem Herrn Jesus Christus gegenüber als treulos erwiesen hat, indem sie sich in schmachvoller Weise mit der Hochfinanz und mit der staatlichen Gewalt verband, um den Weltkrieg zu fördern, die Männer in die Schützengräben hineinpredigte, und ihnen trügerisch und gotteslästerlich den Tod auf dem Schlachtfelde als einen Anteil an dem für die Menschheit dargebrachten Sühnopfer Jesu Christi vortäuschte;
  9. Daß die Geistlichkeit ferner den Herrn und sein Königreich verworfen und ihre Untreue darin geoffenbart hat, daß sie sich freiwillig mit Satans Organisation verbunden hat und mit dreister Stirn, in völliger Mißachtung der Worte Jesu und seiner Apostel, der Welt verkündigt, besonders in den Ländern der Alliierten, daß „der Völkerbund der politische Ausdruck des Reiches Gottes auf Erden“ sei.
  10. Wir erklären und bezeugen öffentlich, daß die gegenwärtige Drangsalszeit der Tag der Rache Gottes über Satans sichtbares und unsichtbares Reich ist;
  11. Daß die Wiederaufrichtung der alten Welt oder Weltordnung ein Ding der Unmöglichkeit ist; denn die Zeit für die Aufrichtung des Königreiches Gottes durch Christum Jesum ist herbeigekommen und alle Mächte und Organisationen, die sich nicht gutwillig der gerechten Herrschaft des Herrn unterordnen, werden von ihm vernichtet werden.
  12. Wenn die Politiker das Volk treu vertreten würden, wenn die Kapitalisten aufhören würden, das Volk auszubeuten und zu bedrücken, wenn die Geistlichen dem Volke die Wahrheit über Gottes Plan und Willen verkündigen wollten und wenn das Volk vom Hass und Parteihader abläßt, dann könnte das Königreich des Messias ohne weitere Drangsal und Leiden für die Menschheit aufgerichtet werden. Wenn sie sich weigern, dieses zu tun, dann muß in Kürze noch größere Not und Trübsal über die Welt kommen.
  13. Aus diesem Grunde schwebt gegenwärtig ein großes Verhängnis über den Nationen der Erde und ist im Begriff, über sie hereinzubrechen, nach den Worten Jesu Christi, „eine große Drangsal, dergleichen von Anfang der Welt bis jetzthin nicht gewesen ist, noch je wieder sein wird“, und diese drohende große Katastrophe ist es, welche jetzt die Mächtigen der Erde unaufhaltsam näher kommen sehen.

Aber wir glauben und verkünden, daß das Königreich des Messias das einzige und vollkommene Universalheilmittel für alle Leiden und Wunden der Menschheit ist, und Frieden auf Erden, an den Menschen mit Wohlgefallen, und das Ersehnte aller Nationen bringen wird, und daß diejenigen, die sich willigen Herzens unter seine gerechte, nun begonnene Herrschaft beugen werden, mit ewigdauerndem Frieden, Leben, Freiheit und endloser Glückseligkeit gesegnet werden sollen.

Daher überbringen wir aus der Bibel allen Völkern der Erde Gottes frohe Botschaft großer Freude, des Friedens und ewiger Errettung. Wir verkündigen der Welt, daß der große König der Herrlichkeit, der Erlöser der Menschheit, unsichtbar gegenwärtig ist, und seine Herrschaft begonnen hat; daß die alte Welt unter der Herrschaft Satans zu Ende ist und in Kürze gänzlich zerschmettert sein wird, um dem jetzt in Aufrichtung begriffenen ewigwährendem Königreich der Gerechtigkeit Platz zu machen, und daher Millionen jetzt auf Erden lebender Menschen, wenn sie den guten Gesetzen des Reiches Gottes gehorchen, weiterleben und niemals sterben werden. Darum richten wir an alle Nationen, Völker und Rassen jeder Sprache, die Gerechtigkeit lieben und Ungerechtigkeit hassen, die feierliche Aufforderung, zu erkennen und frei zu bekennen, daß Jehova, der allein wahre Gott ist und sein geliebter Sohn, Jesus Christus, der König der Könige und der Herr der Herren.

Vorstehende Resolution ist aus dem englischen Wortlaut in verschiedene andere Sprachen übersetzt und unter die Völker und Nationen der Erde verteilt worden.


Mit Bezug auf diesen, von der Generalversammlung der Bibelforscher gefaßten Beschluß, veröffentlichte eine englische Tageszeitung, der in Bridgeport im Staate Connecticut erscheinenden „Bridgeport Herald“ einen Leitartikel, dessen bemerkenswerte Punkte die folgenden sind:

Bibelforscher stellen die Staatsmänner der Welt unter schwere Anklage

Während die ganze Welt von Aufruhr und Revolution erschüttert wird, ist es von Interesse, zu bemerken, was eine der tätigen, christlichen Organisationen der Welt über diese Krisis der Weltgeschichte denkt. Über zwanzigtausend eifrige Kirchenleute beteiligten sich an den Versammlungen der „Internationalen Vereinigung Ernster Bibelforscher“ bei ihrer kürzlichen Hauptversammlung in Cedar Point, Ohio. Dass sie Ekel empfinden vor der Moral und dem Geist unserer Welt, ihren Staatsmännern und sogar der Politik des Völkerbundes, ist unverkennbar aus dem einstimmig von ihnen gefaßten Beschluß in Sachen der großen Weltpolitik. Wir vertreten den Standpunkt, daß, was auch immer der einzelne Leser über die diesem Beschluss zugrundliegenden Gründe denken mag,, der Beschluß es verdient, in die Blätter der Weltgeschichte eingeschrieben zu werden, als ein sprechender Beweis dafür, was viele unserer Kirchenleute von diesen Zeiten halten. Welch ein Urkundenstudium bietet es dem Seelenforscher dar - diese moderne Abhandlung über diesen ewigen Kampf zwischen Gott und Satan! Was möchten wir nicht darum geben, wenn wir unseren eigenen Nutzen sehen könnten, wie Lloyd George, Clemenceau, Benizelos, Hughes oder Root diesen Beschluß lesen, und was für ein Gesicht sie dabei machen!

„Der Tag“ - „Verkündet den König und das Königreich“

Freitag, der 8. September, war auf dem Programm als „Der Tag“ angekündigt worden. Er wurde so genannt, weil an jenem Tage die Redner die Gegenwart des Herrn und sein Königreich besprachen, das jetzt ins Werk gesetzt wird, als das wichtigste von allem, sowohl für die Herauswahl als auch für die Welt. Der Tag wurde um 9 Uhr morgens mit einer Lobpreisung eingeleitet, und um ½ 10 Uhr begann Bruder Rutherford seinen Vortrag über „Das Königreich“.

Einige Tage vorher wurden in verschiedenen Teilen des Versammlungsplatzes und in den einzelnen Hallen große Banner aufgespannt, welche die großen Buchstaben „A.D.V.“ trugen. Viele der Freunde suchten natürlich zu erraten, was dies bedeutet, und die Mutmaßungen waren verschiedenartig und zahlreich. Der wirkliche Zweck dieser Banner war der, die Aufmerksamkeit der Brüder auf die Bedeutung des Tages zu lenken.

Ein großes Banner von 36 Fuß Länge und in drei verschiedenen Farbtönen gemalt, war von dem Kunstzeichner der Gesellschaft herstellt worden, und war über dem Standort des Redners aufgespannt und so zusammengefaltet, dass es nicht entschieden werden konnte, was es bedeutete, bis der rechte Augenblick zur Kundmachung gekommen war. Bruder Rutherfords Ansprache schloß mit den Worten: „Verkündet, verkündet, verkündet den König und das Königreich“, und als er diese Worte wiederholte, wurden die Schnüre, welche das Banner aufgerollt zusammenhielten, durchschnitten, und anmutsvoll entfaltete sich das Banner vor der Zuhörerschaft, die nämlichen Worte enthaltend: „Verkündet [ADVERTISE - A.D.V.] den König und das Königreich.“ In die Mitte des Banners war ein großes Bild des Herrn gezeichnet.

Die Zuhörerschafft nahm dies mit großem Jubel auf und erkannte es als den Grundton der Hauptversammlung, daß das wirkliche Vorrecht und die wirkliche Pflicht der Geweihten auf der Erde jetzt darin besteht, die Gegenwart des Herrn, des großen Königs der Könige, kundzutun und es vor aller Welt zu erklären, daß sein Königreich aufgerichtet wird; und daß dies für sie das wichtigste ist, das sie zu tun haben, und zugleich die notwendigste Arbeit für sie, um ihre Liebe und Treue zum Herrn zu beweisen. Ein jeder der Anwesenden war gründlich durchdrungen von der Tatsache, daß einem jeden der Geweihten von dieser Zeit an die Verpflichtung auferlegt ist, als Nachrichtenverkünder für den König und das Königreich tätig zu sein. Als Johannes der Täufer sein Wirken begann, verkündete er den König, den Herrn Jesus. Die Wunder, welche der Herr selbst vollführte, dienten dem Zweck, seine Gegenwart erkennbar zu machen und hierdurch verkündete er den König und das Königreich. Jetzt ist der König der Herrlichkeit gegenwärtig und hat seine große Macht an sich genommen und herrscht. Es ist das große Vorrecht der Leibesglieder auf dieser Seite des Vorhanges, den großen König und sein Königreich anzukündigen und die frohe Botschaft großer Freude bekannt zu machen. Ihr Vorrecht ist es, diese frohe Kunde in die Welt hinauszutragen, die Botschaft des Friedens zu verkünden, der ganzen Menschheit die frohe Kunde großer Segnungen zu bringen und Gottes Plan der Zeitalter öffentlich bekannt zu machen und zu denen, welche nach dem Herrn ausgeschaut haben zu sprechen: „Dein Gott herrscht.“ Wir lassen hier die Rede Bruder Rutherfords in vollem Wortlaut folgen:

Ansprache von Bruder J. F. Rutherford
„Das Reich der Himmel ist nahe gekommen“
Matthäus 4:17

Vor neunzehnhundert Jahren war Jesus im Fleische auf der Erde. Johannes der Täufer, sein Vorläufer, hatte sein Kommen mit der Botschaft verkündet: „Das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ Kurz danach begann Jesus sein Wirken mit derselben Botschaft: „Das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“ Die Botschaft war damals von großer Wichtigkeit. Sie muß von noch größerer Wichtigkeit zu unserer Zeit sein. Der Umstand, daß sowohl Johannes der Täufer als auch Jesus diese Botschaft so stark hervorhoben, beweist ihre alles überragende Wichtigkeit.

Alle in der Form von Gleichnissen dargelegten Lehren Jesu handelten von dem Königreiche und er fuhr fort, dies als die alles überragende Hauptsache kundzutun. Viele hörten die Verkündigung; geringer war die Zahl derer, die ihr glaubten und weit geringer die Zahl derer, welche festhielten an dem, was sie hörten und glaubten. (Wie ist dies doch gleich den Schlußtagen der jetzigen Ordnung der Dinge!) Diejenigen, welche die von Johannes und Jesus gemachte Ankündigung hörten und würdigten, wurden von der Botschaft tief ergriffen. Warum dies? Weil ein Wendepunkt, ja, der Höhepunkt in der Geschichte der Nation Israel gekommen war. Was damals die Wahrheit war und erfüllt wurde, war prophetisch vorausgesagt und im Worte und in den Anordnungen des Herrn vorgeschattet worden. Die Wichtigkeit eines kommenden Ereignisses mag nach der Zeit, der Weisheit und der peinlichen Mühe bemessen werden, die aufgewandt wurde, um dies Ereignis vorzubereiten.

Zu Beginn der nationalen Existenz Israels hatte Moses, durch Jehovas Vorsehung, dies Volk von der es schwer bedrückenden Hand des ägyptischen Herrschers befreit. Dann ließ Jehova diesem Volke durch Moses verkünden: „Einen Propheten aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, gleich mir, wird Jehova, dein Gott, dir erwecken; auf ihn sollt ihr hören.“ (5. Mose 18:15). Danach ließ Gott immer wieder durch den Mund seiner heiligen Propheten das Kommen des Größeren als Moses vorhersagen, welcher als der Erlöser des Menschen angekündigt wurde, sein Befreier von der Macht Satans, des mächtigen Bösen, von welchem Pharao in Ägypten ein Vorbild war.

Gott sagte nicht nur das Kommen des mächtigen Königs und seines Königreiches vorher, sondern er ließ auch durch Israel Vorbilder darstellen, welche dies Königreich vorschatteten. Die Israeliten wurden sowohl durch Vorschrift als auch durch Beispiel belehrt, und doch mangelte es ihnen an Glauben und vollem Vertrauen bezüglich der Ankündigung seines Kommens.


Sogar Johannes der Täufer, der die ursprüngliche Ankündigung machte, wurde stutzig und von Zweifeln erfaßt und ließ bei Jesu anfragen, ob er der Messias sei oder nicht, oder ob sie auf einen anderen warten sollten. Das Volk Israel hatte kein Verständnis, keine Würdigung für den Tag der Gunst Gottes, als der Herr wirklich zu ihm kam. Die große Mehrzahl war verblendet in ihrem Sinn, so daß sie die Segnungen jenes Tages nicht erkannte; und darum wurde der König, der seit langem vorherverkündet und vorgeschattet worden war, verworfen. Israel aber wurde auch verworfen.

Der Grund dafür, daß Israel verworfen wurde, war sein Unglaube, ein Unglaube, der durch die Ränke des falschen Gottes, - Satan, die alte Schlange, den Widersacher, den Teufel, der den wahren Gott nachzuäffen suchte, herbeigeführt wurde.

Das Kommen des Herrn war für die Juden das wichtigste Ereignis aller ihrer Tage, und war für sie eine Lebensfrage im wahrsten Sinne des Wortes. Gott hatte das Gesetz verordnet, um sie zu Christo zu führen und um sie darauf vorzubereiten, gegen diesen Tag des Unglaubens gerüstet zu sein. Das zweite Kommen des Herrn, als großer herrschender Messias, und die Aufrichtung seines Königreiches sind von wesentlicher Bedeutung, eine wahre Lebensfrage für alle Lebenden dieses Tages, besonders aber für Christen. Diesen hat Gott die Bibel gegeben, die darin enthaltenen inspirierten Worte, geschrieben von den Propheten, von Jesu durch die Evangeliumsberichte, und von den Aposteln, um die Christen gerade bis auf diesen Tag zu führen. Jehova geleitete das Volk Israel in zärtlich-fürsorglicher Weise von Mose bis auf Johannes den Täufer, und doch hatte der Widersacher die Mehrzahl von ihnen derartig verblendet und in die Irre geführt, daß sie die Gegenwart des Herrn nicht erkannten. Heute wiederholt sicg dieses. Der jetzige Unglaube, ebenso wie es bei Israel der Fall war, ist durch die Umtriebe Satans herbeigeführt worden. Wir tun deshalb wohl daran, von Zeit zu Zeit die Organisation des Reiches Satans einer scharfen Musterung zu unterziehen, um uns darüber klar zu werden, warum es organisiert wurde, wi es sich betätigt hat, und was das Endresultat sein wird, damit wir es nicht aus den Augen lassen möchten, wer der arglistige Feind ist, der Krieg gegen uns führt. Möchten die Tatsachen uns in den Stand setzen, fester zusammen in Christo zu stehen!

Vor mehr als sechstausend Jahren geschah es, daß ein hellstrahlender Stern im Reiche der himmlischen Heerscharen es sich im Herzen erdachte, dem Allerhöchsten gleich sein zu wollen. Dieses gottlosen Ehrgeizes wegen fiel er von seiner Höhe herab, und darum nahm Jehova ihm den Namen Luzifer, und gab ihm dafür vier voneinander verschiedene Namen, deren jeder ein Bild seines verabscheuungswerten Charakters ist. Der Name Drache bedeutet Verschlinger. Satan hat seit der Zeit Abels bis jetzt immer danach getrachtet, das Volk Gottes zu verschlingen. Schlange bedeutet Betrüger, Verführer. Er hat seit Evas Zeit bis auf die jetzige Stunde betrogen und verführt, und fährt fort, zu betrügen und zu verführen. Teufel bedeutet Lästerer oder Verleumder. Er hat Jehova gelästert, er hat den Herrn Jesus gelästert und alle Propheten, und er hat alle Nachfolger des Herrn gelästert oder verleumdet; er setzt dies immer weiter fort und flößt dem Sinn anderer verleumderische Gedanken ein. Satan bedeutet Gegner oder Widersacher. Er hat sich jedem Schritt in der Entwicklung der Königreichsklasse widersetzt. Er ist der Feind Gottes, der Feind des Menschen, der Todfeind der Klasse der Gerechten.

Jehova, der große Regent des Weltalls, in welchem alle Herrschaft rechtmäßig begründet ist, plante den Loskauf und die Errettung des Menschengeschlechtes und organisierte das Volk Israel, um diesen Plan vorzuschatten. Mit dieser Nation begründete er die wahre Religion, mit dem Gebot, daß sie ihn als den alleinigen wahren Gott anbeten sollte. Satan, der Gegner, der Widersacher, der Nachäffer Gottes, organisierte unter den rings um Israel wohnenden Völkern die falsche Religion und brachte sie dahin, daß sie ihn anbeteten und andere Teufelsgötter. Die Kraft, mit welcher Jehova auf sein Volk einwirkt, ist der Heilige Geist. Das Band, welches Satan an seine Nachfolger bindet, ist der böse Geist. Weil Israel sich von seinen Ränken und Schlichen verblenden ließ, geriet es in sein Fangnetz. Gott verkündete ein Strafurteil gegen das Volk Israel und vollstreckte dies Urteil 606 vor Chr., und dort wurde Satan der alleinige Gott oder Mächtige dieser Welt. Er wird auch der Fürst der Gewalt der Luft genannt (Epheser 2:2), damit andeutend, daß seine Organisation eine sichtbare und eine unsichtbare ist.

Die Königreichsklasse.

Während das Gesetz dem Zweck dienen sollte, Israel zu Christo zu führen, entging nur ein ganz kleiner Bruchteil dieser Nation den Ränken des Widersachers. Gott hatte einen Samen verheißen, durch welchen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollten. Satan brachte einen gegnerischen oder feindlichen Samen zur Entwicklung. Der Same der Verheißung ist der Christus. Der Same des Bösen besteht aus seinen Sendlingen oder Werkzeugen, sichtbar und unsichtbar, welche gegen den Samen der Verheißung Krieg führen. Der Same der Verheißung besteht aus den wahrhaft geweihten und gesalbten Christen auf dieser Seite des Vorhanges, und aus dem Herrn und den verherrlichten Heiligen auf der anderen Seite des Vorhanges. Der sichtbare Same Satans, der zu einer Körperschaft organisiert ist, wird als „das Tier“ bezeichnet. Das „Tier“ besteht aus drei Elementen: Groß-Finanzmächte, hohe Politiker und hohe Geistlichkeit. Satans Zweck ist der, die Menschheit unter der Knechtschaft der Mächte des Bösen und unter seiner Fuchtel zu halten. Der Zweck des messianischen Königreiches ist der, die Menschheit zu befreien, sie emporzuheben und sie mit ewigwährendem Leben zu segnen. Dies wohltätige Werk muß von der Königreichsklasse getan werden.

Satans Reich muß von dem messianischen Königreich gestürzt werden. Deshalb könnte es kein Königreich ohne einen König geben; und der König muß gegenwärtig sein und handeln, ehe der Umsturz vor sich gehen könnte.

Die Entwicklung der Königreichsklasse begann mit der Weihung Jesu am Jordan. Als eine Neue Schöpfung wurde er dort zum Königsamt berufen, und somit war es für Johannes den Täufer und Jesum durchaus angebracht zu sagen: „Das Reich der Himmel ist nahe gekommen“, denn der König war gegenwärtig. Jesus mußte aber zuerst sterben und von den Toten auferstehen, ehe er der König der Herrlichkeit werden konnte.

Gott verordnete, daß dem König der Herrlichkeit als Teil der Königreichsklasse die Glieder seines Leibes zugesellt werden sollten - seine Braut, die Herauswahl oder die Kirche genannt. Nachdem Jesus sein Königreich angekündigt hatte, sagte er zu seinen Jüngern: „Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf daß, wo ich bin, auch ihr seiet.“ (Johannes 14:2,3) Seit der Zeit seiner Himmelfahrt bis auf die heutige Zeit haben Christen seiner Wiederkehr als dem größten Ereignis aller Zeiten entgegengeblickt. Nach seiner Auferstehung begann Jesus das Geheimnis Gottes bekannt zu machen. Er brachte die wahre und glaubwürdige Religion ans Licht, deren wahrer und treuer Zeuge er selbst war. Satan organisierte dann das Geheimnis der Gesetzlosigkeit (2.Thessalonicher 2:7), indem er eine glaubenslose Religion in den Vordergrund rückte, eine Religion, die sich anmaßt, Gott anzubeten, die aber in Wahrheit und in der Tat den Teufel anbetet und seinen Geboten gehorcht.

Er ist hier!

Alle Prophezeiungen vereinigten sich in dem Brennpunkt des Kommens des Königs der Herrlichkeit. Nicht nur gab Jesus seinen Jüngern die Verheißung, daß er kommen werde, sondern er lehrte sie beten: „Dein Reich komme!“ Die Apostel blickten sehnsuchtsvoll seinem Kommen entgegen und erklärten, daß ein besonderer Segen denen beschieden sei, welche um die Zeit seines zweiten Kommens seine Erscheinung predigen und lieb haben würden. (2.Timotheus 4:8) Indem der Prophet Daniel dieser Zeit entgegenblickte, rief er aus: „Glückselig der, welcher harrt [ernstlich und sorgsam wacht] und tausenddreihundertfünfunddreißig Tage erreicht.“ (Daniel 12:12 - 1335 Jahre von 539 nach Chr. an, nämlich 1874, die Zeit des zweiten Kommens des Herrn.) Diese Zeit ist eine an Wichtigkeit alles überragende Zeit, weil sie der Höhepunkt der Weltgeschichte ist. Die Schrift zeigt, daß Satans Reich enden wird mit einem Todeskampf zwischen Satan und seinem Samen auf der einen und dem Herrn und seinem Samen auf der anderen Seite; und daß der König der Herrlichkeit triumphieren wird, mit dem Endresultat der Erlösung der Kirche und der Menschenwelt. Die Schrift zeigt ferner, daß um jene Zeit [der Gegenwart Christi] Satans Königreiche die Erde beherrschen, und daß Satans Vertreter auf Erden das Volk bedrücken und knechten würden. Gott aber sagt durch seinen Propheten: „In den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, welches ewiglich nicht zerstört, und dessen Herrschaft keinem anderen Volke überlassen werden wird; es wird alle jene Königreiche zermalmen und vernichten, selbst aber ewiglich bestehen.“ (Daniel 2:44) Aus diesem Grunde haben Christen mit sehnsüchtigen Blicken auf das Kommen des Herrn und seines Königreiches gewartet.


Biblische Prophezeiungen zeigen, daß das zweite Erscheinen des Herrn im Jahre 1874 zu erwarten sein würde. Die in Erfüllung gegangenen Prophezeiungen zeigen über jeden Zweifel hinaus, daß er im Jahre 1874 wirklich zurückkehrte. Die Erfüllung* von Prophezeiungen zeigt sich in offenkundigen Erscheinungen oder Tatsachen, und diese Tatsachen sind unbestreitbar. Alle treuen Wächter sind mit diesen Tatsachen vertraut, wie sie in der Schrift dargelegt, und wie sie in der von dem besonderen Knecht des Herrn gegebenen Auslegung klargemacht sind.

Jesus selbst erklärte, daß er in der Zeit seiner Gegenwart unter seinem Volke ein Erntewerk leiten, während dessen er die Treuen und ihm Ergebenen zu sich einsammeln würde. Seit einer Reihe von Jahren ist dies Werk im Gange gewesen und nähert sich seiner Vollendung. Jesus erklärte ferner, daß er während seiner Gegenwart jemanden haben werde, welcher das Amt eines treuen und klugen Knechtes ausfülle, durch welchen der Herr seinem Volke Speise zur rechten Zeit bringen werde. Alle Tatsachen beweisen, daß diese Prophezeiungen in Erfüllung gegangen sind.

Tag der Vorbereitung.

Warum ist der König gekommen? Zu dem Zweck, um sein Königreich aufzurichten und als König zu herrschen. Er hatte aber ein besonderes Werk zu tun, ehe seine Herrschaft begann, und dies besondere Werk ist ein Werk der Vorbereitung. Da die Glieder seines Leibes mit ihm an seiner Herrschaft teilhaben sollen, so müssen diese vorher eingesammelt und für den Beginn der Herrschaft vorbereitet werden. Die Zeiten der Nationen unter der Kontrolle des Fürsten dieser Welt endeten am 1. August 1914. Vor diesem Zeitpunkt wäre es für den Herrn, den König der Herrlichkeit, nicht richtig und nicht gut möglich gewesen, seine große Macht an sich zu nehmen und zu herrschen. (Hesekiel 21:31 – nach der Elberfelder Bibel; Parallelbibel, Luther und Schmoller 21:27.) Da der Herr seit 1874 gegenwärtig gewesen ist, so geht aus den tatsächlichen Beweisen, wie wir sie jetzt erkennen, hervor, daß die Zeit von 1874 bis 1914 läuft. Betreffs der Zeit von 1799 bis 1874 könnte nicht gesagt werden, daß es ein Tag der Vorbereitung war, sondern ein Tag zunehmenden Lichtes. Es ist vernunftwidrig, zu dem Schluß zu kommen, daß der König mit dem Werk der Vorbereitung begann, ehe er gegenwärtig war.

Der Herr wußte natürlich im voraus, daß Satan nicht friedlich die Königreiche der Erde ausliefern würde. Der Herr wußte, daß es zu einem großen Konflikt kommt, und darum mußte er sich auf diesen Konflikt vorbereiten. Indem der Prophet Nahum über die Zeit der zweiten Gegenwart des Herrn spricht, zeigt er, daß dies eine Zeit der Vorbereitung war. Er sagt: „Der Zerschmetterer zieht wider dich herauf. Bewahre die Festung; überwache den Weg, stärke deine Lenden, befestige sehr deine Kraft.“ (Nahum 2:1.) Unter anderen Dingen, welche geschildert werden, als während des Tages der Vorbereitung geschehend, ist das Einsammeln der wahren Nachfolger Jesu, ihre Unterweisung in der Wahrheit und ihre Vorbereitung, um für den großen und furchtbaren Tag gewappnet zu sein.

Das Eliawerk.

Mit Bezug auf die Zeitumstände unmittelbar vor der Einsetzung des Königreiches sagte der Herr: „Siehe, ich sende euch Elia, den Propheten, ehe der Tag Jehovas kommt, der große und furchtbare. Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern, und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden, auf daß ich nicht komme und das Land (die Erde) mit dem Banne (Fluche) schlage.“ (Maleachi 4:5,6.) Der „furchtbare Tag des Herrn“ ist ein Tag der Drangsal. Er wird der „große und furchtbare Tag Jehovas“ genannt und auch „der Tag der Rache“ und der „große Tag des Zornes“. Dieser Tag der Rache und des Zornes Gottes könnte nicht eher kommen, als bis die Zeiten der Nationen ihr Erbe erreichen, und in der Tat legt der Herr dies unverrückbar fest, indem er sagt: „Du hast angenommen deine große Macht und angetreten deine Herrschaft. Und die Nationen sind zornig gewesen und den Zorn ist gekommen.“ (Offenbarung 11:17,18.) Die tatsächlichen Zustände beweisen unwiderleglich, daß dieser Tag im Jahre 1914 begann. Heraus geht hervor, daß das Eliawerk vor dieser Zeit getan werden mußte.

In den Schriften des Knechtes des Herrn heißt es: „Elia war ein Vorbild, und Johannes der Täufer eine Fortsetzung dieses Vorbildes.... Elia stellt bildlich die Kirche dar, wie sie ein Werk „im Geist und in der Kraft des Elia“ verrichtet, indem sie den Herrn ankündigt.“ (Schriftstudien, Band 2, Seite 244, 245.) Man wird bemerken, daß, während ein Weib als Bild gebraucht wird, um die Kirche allein darzustellen, getrennt von ihrem Herrn und Haupte, hier ein Mann als Bild gebraucht wird. Der Grund hierfür ist der, daß unser Herr das Haupt der Kirche ist und die Kirche sein Werk getrennt von ihm tut, und darum ist das Werk des Elia ein Vorbild des besonderen Werkes, daß die Kirche unter der Oberleitung des Herrn verrichtet. (Band 2, S. 247.) Hieraus geht somit hervor, daß das Eliawerk zwischen dem Beginn der Gegenwart des Herrn und dem Tage des Zornes geschehen muß. Dies steht im Einklang mit Maleachis Prophezeiung. Das Eliawerk bestand darin, die Christenheit zu einem demütigen, kindlichen Herzenszustand zu bekehren, sie lehrbar wie Kinder zu machen und ihre Herzen von Irrlehren, Sünde und Unglaube abzulenken und sie zur Harmonie mit Gott und Gerechtigkeit zurückzubringen. (Band 2, S. 241.) Dies steht im Einklang mit dem Auftrag, der dem Knecht des Herrn und seinen Mitarbeitern durch den Propheten gegeben wird, indem es dort heißt: „Gehe mitten durch die Stadt, mitten durch Jerusalem und mache ein Zeichen an die Stirnen der Leute, welche seufzen und jammern über all die Greuel, die in ihrer Mitte geschehen.“ – Hesekiel 9:4.

Von dieser nämlichen Zeit sprechend, sagte der Herr Jesus selbst als Antwort auf eine Frage: „Elias zwar kommt zuerst und wird alle Dinge wiederherstellen“. (Matthäus 17:11.) Das Eliaswerk ist aber nicht die Wiederherstellung des Menschen. Das Wiederherstellungswerk, von welchem hier die Rede ist, muß deshalb das sein, den wahren Nachfolgern Jesu die großen Grundwahrheiten wiederzugeben, die lange unter dem Schutt menschlicher Überlieferungen vergraben und versteckt gehalten waren. Dies stimmt genau mit dem Werk überein, daß von der Kirche seit 1874 und besonders seit 1878 bis 1914 getan wurde.

Man könnte nicht behaupten, daß die Zeit von 1874 bis 1914 eine Zeit schweren Druckes war, ein Tag der Düsterheit und Finsternis. Im Gegenteil, es war eine äußerst günstige Zeit, ein Zeugnis für die Wahrheit zu geben. (Band 2, S. 252.)

Der Herr zeigte dann durch den Propheten Maleachi, wenn es dem Eliaswerk nicht gelingen würde, die herzen der Väter zu den Kindern und die Herzen der Kinder zu ihren Vätern zu wenden, daß dann der Herr die Systeme verwerfen, und daß eine große, glühendheiße, zerstörende Zeit der Drangsal folgen würde. Es ist allen wohlbekannt, daß es dem Werk nicht gelang, die nominelle Christenheit dem Herrn zuzuwenden. Im Gegenteil, nur ein kleiner Bruchteil hörte und glaubte und kam zusammen, während die große Masse diese, geringer an Zahl, verfolgte. Während die Eliasklasse auf die Gegenwart des Herrn hinwies und auf den kommenden großen und furchtbaren Tag, hat die Geistlichkeit der obenan stehenden Namenkirchen der Welt noch im Jahre 1913 stolzen und geschwollenen Tones erklärt, daß ein anderer Krieg unmöglich sei. Die Zeiten der Nationen endeten am 1. August 1914, und unmittelbar darauf folgt der Weltkrieg; und seit jenem Tage hat es, gerade wie es der Herr voraussagte, „Bedrängnis der Nationen in Ratlosigkeit“ auf der Erde gegeben (Lukas 21:25.) Es ist ein Tag zunehmender Dunkelheit und Finsternis gewesen, ein Tag zunehmender Leiden und Schmerzen. Die offen zutage getretenen Tatsachen beweisen somit auf das Klarste, daß der Tag der Vorbereitung von 1874 an datierte und daß das Eliaswerk 1874 begann und 1918 endete.

Elisa wurde gesalbt, das Werk zu Ende zu führen, welches Elias begonnen hatte. Elisa würde somit ein Werk vorschatten und schattet tatsächlich ein solches Werk vor, das von etwas anderer Art ist als das, welches als das Eliaswerk bezeichnet wird. Das Elisawerk muß von dem Herrn und den Gliedern seines Leibes während des großen und furchtbaren Tages vollführt werden.

Zu seinem Tempel kommend.

Der Tempel Jehovas ist die messianische Klasse, Jesus und die Leibesglieder. „Denn ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: „Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.“ (2. Korinther 6:16.) Während des Tages der Vorbereitung des Herrn hat er die lebendigen Steine seines Tempels eingesammelt und zusammengebracht. Viele von diesen sind schon jenseits des Vorhanges, und manche von diesen sind, wie wir glauben, noch auf dieser Seite des Vorhanges.

Durch den Propheten Maleachi sagte der Herr: „Siehe, ich sende meinen Boten, daß er den Weg bereits (oder: bahne, vorbereite) vor mir her. Und plötzlich wird zu seinem Tempel kommen der Herr, den ihr suchet.“ (Maleachi 3:1.) Dies ist eine weitere Bestätigung der Ansicht, daß der Tag der Vorbereitung den Zeitraum umfaßt, der zwischen dem zweiten Erscheinen des Herrn und dem Beginn des Sturzes von Satans Reich liegt. Das Wort plötzlich hierselbst bedeutet geradewegs, unerwartet. Eine Zeit, die dem Menschen lang erscheinen möchte, würde plötzlich bei dem Herrn sein. Wir glauben somit, daß der Tag der Vorbereitung 1914 endete und daß im Jahre 1918 oder ungefähr zu der Zeit der Herr zu dem Tempel kam. Dies Kommen zu dem Tempel war zum Zwecke des Gerichtes, weil das Gericht zuerst bei dem Hause Gottes anfangen muß. (1. Petri 4:17.) Das Gericht würde der wahren Kirche gelten und auch auf das Namensystem herabkommen. Dann sagt der Prophet: „Wer kann den Tag seines Kommens ertragen?“ (Maleachi 3:2) Die Schrift deutet auf eine Zeit großer Prüfung hin, zu der Zeit, da der Herr zu seinem Tempel kommt.


Etwa Oktober 1917 begann das jüdische Jahr 1918. Um jene Zeit gab es ein großes Schütteln unter dem Volke Gottes, das zu dem Tempelzustande eingesammelt war. Bezugnehmend auf das Kommen des Herrn zu seinem Tempel schrieb der Prophet: „Jehova ist in seinem heiligen Tempel, Jehovas Thron ist in den Himmeln; seine Augen schauen, seine Augenlider prüfen die Menschenkinder. Jehova prüft den Gerechten; und den Gesetzlosen und den, der Gewalttat liebt, haßt seine Seele.“ (Psalm 11:4,5) Und wiederum heißt es mit Bezug auf dieselbe Sache: „Höret, ihr Völker alle, merke auf, die Erde und ihr Fülle! [alles was auf ihr ist]. Und der Herr, Jehova, sei zum Zeugen wider euch, der Herr aus seinem heiligen Tempel.“ - Micha 1:2

Christus Jesus, das Haupt der Tempelklasse, spricht durch verschiedene Glieder seines Leibes oder durch Werkzeuge, die er gebrauchen mag. Diese Schriftstellen sind ein Hinweis auf den Beginn seiner über die Nationen der Erde kommenden Gerichte, die zu gleicher Zeit eine Prüfung für die gerechten Glieder der Tempelklasse auf dieser Seite des Vorhanges sind. Die Tatsachen zeigen, daß im Januar 1918 eine das Volk des Herrn vertretende Körperschaft zu einer Generalversammlung im nordamerikanischen Staat Pennsylvania zusammentrat und daselbst einen Beschluß annahm, der dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und anderen Vertretern der babylonischen Systeme übersandt wurde, ein Beschluß, der auf das unheilige Bündnis zwischen der Namenkirche und den weltlichen Regierungen hinwies. Dies war im Grunde das letzte Werk der Eliasklasse, das ganz besonders in den Erfahrungen Johannes des Täufers bildlich zum Ausdruck gebracht wird.
Gewißlich hat es der Herr von jener Zeit an zugelassen, daß seine Heiligen geprüft und auf die Probe gestellt wurden. Durch das ganze Land Amerika und besonders Kanada, wie auch in Europa, wurden viele der Heiligen in Haft genommen und ins Gefängnis geworfen und viele verfolgt; und ein ganzes Jahr oder länger gab es große Not unter dem Volke Gottes, und ein Schrei stieg von der Tempelklasse empor, um Hilfe flehend. Dies scheint durch den Psalmendichter vorgeschattet zu sein, indem er ausruft: „In meiner Bedrängnis rief ich zu Jehova, und ich schrie zu meinem Gott; er hörte aus seinem Tempel meine Stimme, und mein Schrei vor ihm kam in seine Ohren.“ (Psalm 18:6) Des Herrn Volk war in Knechtschaft; es war der persönlichen Freiheit sowie der Freiheit, das Evangelium zu predigen, beraubt. Der Herr hörte seinen Schrei und errettete es.

Die Vision Jesajas

Jesaja, der Prophet Gottes, ein Vorbild des wahren Volkes des Herrn in dem Tempelzustande, hatte eine Vision. (Jesaja 6:1-11) In diesem Bilde wird er dargestellt, wie er den Herrn in dem Tempel anbetet. Aus dem ganzem Zusammenhang dieses Kapitels geht hervor, daß der Thron, von welchem dort die Rede ist, nicht der Milleniumsthron Christi sein kann, sondern daß der Thron des Herrn Jesus Christus gemeint ist, seine Stellung der Autorität als der Vertreter Jehovas nach Übernahme seiner großen Herrschermacht , wo er zu seinem Tempel kommt. Aus dieser und von der Bibel berichteten Vision Jesajas führte Jesus selbst eine besonders bezeichnende Stelle an, und seine Worte lassen es klar ersehen, daß hier nicht der Milleniumsthron gemeint ist. (Johannes 12:40) Es geht indessen daraus hervor, daß es sich um eine Zeit des Gerichtes gegen das Namenchristentum handelt, ähnlich jenem Gericht, welches Jesus gegen die Pharisäer aussprach, als er auf Erden war.

Der Prophet Jesaja sagt, daß es in dem Jahre des Todes des Königs Ussija geschah, daß ihm diese Vision gegeben wurde. Wir glauben, daß König Ussija ein Vorbild der Namenkirche war, welche sich dafür ausgegeben hat, den Herrn zu vertreten, die aber in Wahrheit und in der Tat in den letzten Zeiten von dem Herrn abgewichen ist. Ussija war mehr als fünfzig Jahre lang König über Israel. Eine lange Zeit tat er recht vor dem Angesicht Gottes. Er nahm zu an Macht und Wohlfahrt und wurde sehr reich an Gütern dieser Welt. Er focht viele erfolgreiche Schlachten. Er war ein großer Baumeister, der viele große Paläste erstehen ließ, Er wurde ein machtgebietender König. Eigendünkel. der zu einer selbstsüchtigen und sündvollen Tat führte, war die Ursache seines Sturzes. Er starb als ein Aussätziger.

Wie klar passen diese Tatsachen auf die Geschichte der Namenkirche! Als dies System zuerst ins Leben gerufen wurde, war es für einen gerechten Zweck geweiht. Die Stimme der Braut und des Bräutigams wurde darin gehört, und viele Jahre hindurch hat das System die Botschaft des Königreiches Gottes verkündet. Es baute viele Kirchenhäuser und Schulen zur Aufrichtung und Ausbildung des Volkes. Es wirkte viel in der sittlichen Hebung des Volkes mit. Es wurde aber von Eigendünkel erfaßt und fiel aus demselben Grunde, der zum Sturz des Königs Ussijas führte. Der Apostel Paulus warnte ausdrücklich vor solchem Eigendünkel, damit klar andeutend, daß dies die Ursache des Ruins des Namenchristentums sein würde. (Römer 11:25)

Als König hatte Ussija keine Autorität, priesterliche Funktionen auszuüben. Es war das besondere Vorrecht des Priesters, Weihrauch auf dem goldenen Altar in dem Tempel darzubringen. Ussija war indessen so von seiner Machtstellung durchdrungen, daß er sich hoch erhaben über die Tempelvorschriften dünkte und in den Tempel hineinging, um das Weihrauchopfer darzubringen. Der in aller Form eingesetzte Priester widerstand ihm, um ihn an der Darbringung des Weihrauchopfers zu hindern. Ussija aber wurde zornig und bestand darauf, das Opfer darzubringen, und auf der Stelle ward er vom Aussatz betroffen, wurde ein Ausgestoßener und starb als Aussätziger.

In der Zeit vor 1878 war die Namenkirche mächtig auf der Erde geworden. Zur Zeit des Jahres 1878 wurde Gottes Gunst den nominellen Systemen entzogen. Von jener Zeit an gingen Bruder Russell und die Brüder, die zu ihm hielten, durch das Land und verrichteten das Eliaswerk, in dem Bemühen, die Herzen der Christenheit zu einem demütigen, kindlichen Glauben an Gott zurückzubringen. (Band 2, S.241) Die Namenkirche aber hörte nicht darauf. Zur Zeit des Jahres 1914 prahlten diese Systeme mit ihrer Macht und ihren Einfluß und sagten: „Wir sind reich und haben nichts nötig.“ Als der Weltkrieg 1914 ausbrach, erhob die Namenchristenheit ihre Stimme zugunsten des Krieges. Ihre Prediger predigten die jungen Männer in die Schützengräben hinein und riefen ihnen zu, wenn sie ihr Leben auf dem Schlachtfelde niederlegen würden, daß sie dann ein Teil des für die Menschheit dargebrachten Sühneopfers Jesu Christi sein würden. Der blutige Krieg nahm seinen Fortgang, und die Namenchristenheit fuhr fort, das Kriegsfieber zu schüren und den Krieg zu fördern, unterließ es aber, darauf zu achten, was der Krieg nach den Worten des damals gegenwärtigen Königs in Wirklichkeit bedeutet.

Wir bemerken wiederum die Worte des Propheten: „Jehova ist in seinem heiligen Tempel – schweige vor ihm, ganze Erde!“ (Habakuk 2:20) Der große Sturm des Weltkrieges tobte sich aus, und eine Zeitlang hörte das Kämpfen auf, und dien Nationen versammelten sich in der Stille, mit dem Bemühen, einen neuen Kriegsausbruch zu verhüten. Möchten jetzt nicht die Namenchristenheit, ihre Edlen, ihre Prediger, ihre Großen und Mächtigen eine Lektion aus dem Kriege ziehen und zu erkennen suchen, was die Folge des Weltkrieges war, gemäß der jetzt erfüllten biblischen Prophezeiung, welche zeigt, daß der Herr gegenwärtig ist und daß sein Königreich nahe gekommen ist? Sie haben es daran fehlen lassen, solche Lektionen zu lernen. Sie waren trunken von Macht und Reichtümern, die während des Krieges gewonnen wurden. Ihr engerer Anschluß an die anderen Elemente des „Tieres“, Großkapital und Weltpolitik, hat ihre Köpfe völlig verdreht.

Die Finanzfürsten und die mächtigen Herrscher der Erde traten in Paris zu einer Friedenskonferenz zusammen, die Geistlichkeit des Namenchristentums machte gemeinsame Sache mit ihnen, und das Ergebnis dieses Kongresses war der so genannte Völkerbund, der von dem Teufel an die Stelle des Königreiches des Messias gesetzt wurde. Die Namenchristenheit stand jetzt nicht nur in einem engeren Bündnis mit der hohen Finanz und der Weltpolitik, sondern brüstete sich auch noch damit; und die Namenkirche (jetzt ein Teil der Organisation des Teufels, ohne jede Autorität, des priesterlichen Amtes zu walten) kam hervor, um Weihrauch als Opfer darzubringen. Und welche Form nahm es an?

Im Januar 1919, ehe der Völkerbund völlig geboren wurde, erließ der verbündete Kirchenrat mit dreister Stirne folgende gotteslästerliche Erklärung:

„Die Zeit ist gekommen, um die Welt zu organisieren im Interesse von Recht und Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Zu diesem Zweck raten wir als Christen auf das dringlichste zur Gründung eines „Bundes Freier Nationen“ auf der kommenden Friedenskonferenz. Ein solcher Bund ist nicht nur ein starkes Hilfsmittel zur Erhaltung des Friedens; er ist vielmehr die politische Willenserklärung des Königreiches Gottes auf Erden. Der Völkerbund ist in dem Evangelium gewurzelt. Wie beim Evangelium, so ist auch sein Endzweck: „Friede auf Erden, an den Menschen ein Wohlgefallen“ („guter Wille gegen die Menschen“). Wie das Evangelium, so wendet sich auch der Völkerbund an die große Allgemeinheit, die ganze Menschenwelt.


„Die heldenhaften Opfer des Weltkrieges werden vergebens gestorben sein, wenn nicht aus dem errungenen „Siege“ ein neuer Himmel und eine neue Erde geboren wird, in welchen Gerechtigkeit wohnt.“ - 2.Petri 3:13

„Die Kirche [dem Namen nach] kann einen Geist des Wohlgefallens (guten Willens) geben, ohne welchen sein Völkerbund von Dauer sein kann.“

Auf diese Weise verleugneten sie das Kommen des Herrn und sein Königreich zur Segnung der Menschheit, und sie machten sich zu offenen Bundesgenossen des ränkevollen Systems des Teufels, und dann verfluchten sie in gotteslästerlicher Art, dies als Opfer vor dem Herrn darzubringen. Wie bei ihrem Vorbilde Ussija, zeigte sich der Aussatz unmittelbar an der Namenchristenheit. Hierdurch sind wir in den Stand gesetzt, die Zeit der Erfüllung der Vision Jesajas festzustellen.

Jesajas Aufschrei.

Als Jesaja diese Vision schaute, sah er oben über dem Thron die Seraphim stehen, von denen jeder rief: „Heilig, heilig, heilig ist Jehova der Heerscharen, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit“, Seraphim bedeutet „Helleuchtende.“ In Verbindung mit der Vision Jesajas wagen wir es, die Ansicht auszusprechen, daß sie in engem Zusammenhang mit den Worten des Apostels Paulus steht, der sagt, daß der Herr in flammendem Feuer offenbart werden wird. (2. Thessalonicher 1:7.) Der Herr wird hier seinem Volk in der Zeit flammenden Feuers offenbart. Die unmittelbare Einwirkung, welche die Vision auf Jesaja ausübte, war die, daß er ausrief: „Wehe mir! denn ich bin verloren; denn ich bin ein Mann von unreinen Lippen und inmitten eines Volkes von unreinen Lippen wohne ich; denn meine Augen haben den König, Jehova der Heerscharen, gesehen. Und einer der Seraphim flog zu mir; und in seiner Hand war eine glühende Kohle, die er mit der Zange vom Altar genommen hatte. Und er berührte meinen Mund damit und sprach: „Siehe, dieses hat deine Lippen berührt; und so ist deine Ungerechtigkeit gewichen und deine Sünde gesühnt.“ – Jesaja 6:5-7.

Prophezeiungen können besser verstanden werden, nachdem sie in Erfüllung gegangen sind. Oft läßt Gott durch sein Volk eine Prophezeiung in Erfüllung bringen, ohne daß es zu jener Zeit darum weiß, und später enthüllt er ihm dann die Deutung. Wie zuvor erwähnt, fand sich die Tempelklasse, die noch auf dieser Seite des Vorhanges weilt, im Jahre 1918 bei der Verkündigung der Botschaft stark gehemmt, teils in Folge persönlicher Freiheitsberaubung, teils der Freiheit des Handelns beraubt. Bis 1919 herrschte, soweit die Verkündigung der Botschaft des Herrn in Betracht kommt, beinahe gänzliches Schweigen auf Seiten des Volkes des Herrn. In jenem Jahre versammelte sich eine große Anzahl Nachfolger des Herrn, welche ihn selbst präsentieren, in Cedar Point im Staate Ohio zu einer Generalversammlung. Plötzlich wurden sie sich ihrer Vorrechte bewußt. Dann warfen sie alle Furcht von sich. Dann kamen sie zu einer Erkenntnis der Tatsache, daß das Eliaswerk zu Ende gekommen war, und daß jetzt das von Elisa vorgeschattete Werk beginnen mußte.

Als Jesaja in seiner Vision den König sah, wußte er, daß ein unreines Ding nicht in seiner Gegenwart leben konnte. Darum sein Aufschrei: „Wehe mir! denn ich bin verloren; denn ich bin ein Mann von unreinen Lippen; ... denn meine Augen haben den König, Jehova der Heerscharen gesehen.“ (Jesaja 6:5.) Offenbar hatte seine Unreinheit oder Missetat etwas mit den Worten seines Mundes zu tun. Er erkennt, daß er als Gott preisend erfunden werden sollte, wie es die Seraphim taten; oder daß er ermangelt hatte, die Botschaft zu verkündigen, die er verkündigen sollte. Sein reumütiger Aufschrei führt zu seiner Läuterung. Einer der Seraphim reinigt dann seine Lippen mit einer brennenden Kohle. Dann ist er nicht länger schweigend, sondern zum Dienen bereit.

Was sollen wir tun?

So war es auch 1919 um die Tempelklasse bestellt. Als sie zur Erkenntnis kamen, daß sie eine Zeitlang schweigsam gewesen war, da stieg aus ihrer Mitte ein Schrei auf zu dem Herrn: „Was sollen wir tun?“ Während Jesaja so dastand in Scheu, Wunder, Staunen und Furcht, da flog einer der Seraphim zu ihm und reinigte seine Lippen. So wurde gleicherweise die Tempelklasse in dem zuvor erwähnten Jahr von irgendwelcher Unreinheit der Lippen geläutert.

Im Jahre 1919 ließ es der Herr zweifellos zu, daß die Seinen die Notwendigkeit erkennen sollten, positive Schritte zu tun, um ein ernstlicheres Zeugnis für die Wahrheit zu geben, wenn sie es auch nicht so klar in seinem Worte vorgeschattet fanden. Heute nun, wo wir ein Verständnis dieser Vision haben, wo wir die Tatsache erkennen und zu würdigen wissen, daß der Herr gegenwärtig und in seinem Tempel ist, um Gericht zu halten, in dem wir all dies sehen und erkennen, was sollen wir da tun?

Es ruht eine besondere Pflicht und Verantwortlichkeit auf einem jeden, der sich in dem Tempelzustande befindet, und indem der Prophet Jesaja diese Stellung erkennt, unterweist er sie darin, was sie tun sollen, indem er spricht: „Stehe auf, leuchte! denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit Jehovas ist über dir aufgegangen. Denn siehe Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völkerschaften; aber über dir strahlt Jehova auf, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jesaja 60:1,2.) Wahrlich, die Herrlichkeit des Herrn hat in den vergangenen drei Jahren über seinem Volke gestrahlt und hat ihre Bemühungen wunderbar gesegnet. Um die gleiche Zeit aber, hat Finsternis die Erde bedeckt und tiefes Dunkel das Volk, besonders aber das Volk der sogenannten Christenheit.

Wechsel im Werk.

Es ist zu einem deutlich ausgeprägten Wechsel im Charakter des Werkes der Herauswahl seit 1918 gekommen. Hier nun entsteht die Frage: War dieser Wechsel gerechtfertigt? Diejenigen, die einst mit uns gegangen sind, die aber jetzt mit uns gehen, sagen: „Nein.“ Laßt uns von neuem Jesajas Vision betrachten, und zwar im Zusammenhang mit anderen Dingen, welche der Herr seinem Volke gezeigt hat, und dann den Fall entscheiden.

Die Tempelklasse verhielt sich, nachdem ihre Lippen gereinigt waren, ebenso wie Jesaja, das Vorbild, in einer abwartenden Stellung. Dies war der Zustand der Herauswahl von 1918 bis zum letzteren Teil des Jahres 1919. Im Jahre 1919 läuterte der Herr ihre Lippen. Ebenso wie Jesaja, so hörte die Tempelklasse die Stimme des Herrn, welche sprach: „Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?“ (Jesaja 6:8.) Es wird nicht gefragt: Wer wird für die Seraphim gehen? sondern: Wer wird für den Herrn Jesus gehen und den Herrn Jehova? Welche nun, nachdem ihre Lippen geläutert sind, werden freiwillig die Botschaft hinaustragen? Diese Vision scheint zu denjenigen, welche sie angeht, zu sprechen: „Werdet nur nicht eingebildet, und setzt euch ja nicht die Idee in den Kopf, daß Gott gewisse Einzelpersonen erweckt hat, um ein Werk zu verrichten“. Diese Vision ist vielmehr zu uns gekommen, damit wir den Beweis erbringen mögen, ob wir in unseren Herzen dem Herrn völlig ergeben sind oder nicht. Diejenigen, welche die Stimme hören und welche die Zeit, in welcher wir leben, verstehen und zu würdigen wissen, antworten, wie es ihr Vorbild Jesaja tat, indem sie sagen: „Hier bin ich, sende mich.“ (Jes. 6:8.) Als gute Kreuzesstreiter fragen sie nicht nach dem Grunde, warum oder wann oder wohin sie gehen sollen; sondern weil sie sich dem Herrn völlig ergeben haben rufen sie: „Hier bin ich, sende mich.“

Auf die willige Antwort: „Hier bin ich, sende mich“, erwidert der Sendbote des Herrn: „Gehe hin und sprich zu diesem Volke.“ (Jesaja. 6:9.) Was soll denn dem Volke gesagt werden? Daß das Königreich hier ist; daß der Herr in seinem Tempel ist; daß die Welt, das heißt die in der Welt bestehende Ordnung der Dinge, ihr Ende erreicht hat; daß Satans Reich unter dem Gericht steht; daß das Königreich des Himmels seinen Anfang genommen hat, und das Millionen jetzt Lebender niemals sterben werden. Werden aber die hohen Herren des Kirchenregimentes und ihre Herden, welche des Teufels Organisation unterstützen, hören? Der Prophet des Herrn antwortet: „Hörend höret, und verstehet nicht; und sehend sehet, und erkennet nicht! Mache das Herz dieses Volkes fett, und mache seine Ohren schwer, und verklebe seine Augen: Damit es mit seinen Augen nicht sehe und mit seinen Ohren nicht höre und sein Herz nicht verstehe, und es nicht umkehre und geheilt werde.“ – Jesaja 6:9,10.

Warum soll denn die Botschaft denen gepredigt werden, welche nicht verstehen? Wird dann überhaupt irgendjemand hören? Der Prophet des Herrn antwortet: „Führe heraus das blinde Volk, das doch Augen hat und die Tauben, die doch Ohren haben! Alle Nationen mögen sich miteinander versammeln, und die Völkerschaften zusammen kommen! Wer unter ihnen kann solches verkünden? so mögen sie uns Früheres hören lassen! mögen sie ihre Zeugen stellen und gerechtfertigt werden, daß man es höre und sage: Es ist wahr! Ihr seid meine Zeugen, spricht Jehova, und mein Knecht, den ich erwählt habe: Damit ihr erkennet und mir glaubet und einsehet, daß ich derselbe bin. Vor mir ward kein Gott gebildet, und nach mir wird keiner sein. Ich, ich bin Jehova, und außer mir ist kein Heiland. Ich habe verkündigt und gerettet und vernehmen lassen, und kein fremder Gott war unter euch; und ihr seid meine Zeugen, spricht Jehova, und ich bin Gott.“ – Jesaja 43:8-12.


Somit sehen wir, das diejenigen, welche die Tempelklasse bilden, klar gekennzeichnet sind als des Herrn Zeugen zu dieser Zeit, um dem Volke der Erde eine Botschaft des Trostes zu bringen, nämlich, daß das Königreich des Himmels hier ist, und daß Millionen jetzt Lebender niemals sterben werden. Somit sehen wir, daß Gott beabsichtigt, in dieser Zeit großer Not ein Volk auf der Erde zu haben, das klar gekennzeichnet ist als getrennt und abgesondert von allen anderen, als seine Zeugen hervortretend und furchtlos die Botschaft hinausrufend: „Das Reich der Himmel ist nahe gekommen!“

Wie lange?

Wie lange aber, o Herr, sollen wir fortfahren, diese Botschaft in die Welt hinauszurufen? Tun wir nicht vielleicht einen Mißgriff und machen wir uns nicht anstößig, indem wir sie zu oft erzählen? Sollten wir nicht lieber eine andere Botschaft predigen oder uns überhaupt still verhalten? Hierauf antwortet der Herr: „Bis die Städte verwüstet sind, ohne Bewohner und die Häuser ohne Menschen, und das Land zur Öde verwüstet ist.“ (Jesaja 6:11.) Dies wird von dem Herrn in Matthäus 24:14 bestätigt. Es tritt somit klar der Beweis hervor, daß die Tempelklasse fortfahren muß, diese Botschaft des Königreiches zu erklären, bis ihre irdische Laufbahn beendet ist. Sie müssen treue Zeugen für den Herrn sein, bis Babylons Mauern in Staub zerbröckeln.

Sechstausend Jahre lang hat Gott dieses Königreich vorbereitet. Seit neunzehnhundert Jahren hat er die Königreichsklasse aus der großen Menschenwelt herausgesammelt. Seit 1874 ist der König der Herrlichkeit gegenwärtig gewesen, und während dieser Zeit hat er ein großes Erntewerk verrichtet und hat die Tempelklasse zu sich eingesammelt. Seit 1914 hat der König der Herrlichkeit seine Macht an sich genommen und herrscht. Er hat die Lippen der Tempelklasse geläutert und sendet sie hinaus mit der Botschaft. Die Wichtigkeit der Botschaft des Königreiches kann nicht stark genug hervorgehoben werden. Es ist die Botschaft des Tages, ja, die Botschaft der Stunde. Es ist die Pflicht derer, welche des Herrn sind, sie in alle Welt hinauszurufen. Das Königreich des Himmels ist nahe gekommen; der König regiert; Satans Reich bricht zusammen; Millionen jetzt Lebender werden niemals sterben.

Glaubt ihr es? Glaubt ihr, daß der König der Herrlichkeit gegenwärtig ist, und daß er seit 1874 gegenwärtig gewesen ist? Glaubt ihr, daß er während dieser Zeit sein Erntewerk geleitet hat? Glaubt ihr, daß er während dieser Zeit einen treuen und klugen Knecht gehabt hat, durch welchen er sein Werk leitete und den Haushalt des Glaubens mit geistiger Speise versorgte? Glaubt ihr, daß der Herr jetzt in seinem Tempel ist, die Nationen der Erde richtend? Glaubt ihr, daß der König der Herrlichkeit seine Herrschaft begonnen hat?

Dann zurück in das Feld, o ihr Söhne des höchsten Gottes! Umgürtet euch mit eurer Waffenrüstung! Seid nüchtern, seid wachsam, seid tätig, seid tapfer! Seid treue und glaubensstarke Zeugen des Herrn! Geht mutig vorwärts in dem Kampfe, bis jede Spur Babylons wüst und öde gemacht ist! Verkündet die Botschaft weit und breit! Die Welt muß es wissen, daß Jehova Gott ist, und daß Jesus Christus König der Könige und Herr der Herren ist! Dies ist der Tag der Tage. Siehe der König regiert! Ihr seid seine öffentlichen Verkündiger, um seine Botschaft überallhin bekannt zu machen. Deshalb verkündet, verkündet, verkündet den König und sein Königreich.

Das Zeugnis dieses Tages

Nach Bruder Rutherford folgte als Redner Bruder Sullivan, welcher die Tatsache der Gegenwart des Herrn beleuchtete - daß seine Gegenwart seit 1874 datiert, und daß der Herr 1914 seine große Macht an sich nahm und jetzt herrscht. Er betonte auf Grund biblischer Prophezeiungen, die sich vor unseren Augen erfüllt haben und noch weiter in Erfüllung gehen, die Tatsache, daß der Herr jetzt seine große Macht als König ausübt, daß die Nationen der Erde zerschlagen werden, daß die Heiligen jetzt durch eine Zeit schwerer Prüfungen hindurchgehen, daß des Herrn Königreich ausgerichtet wird und daß dies den Brüdern den größten Mut und Trost geben sollte. Diesem Vortrag folgte eine höchst inspirierende Zeugnisversammlung mit Zeugnissen großer Freude über das Vorrecht, in der zeit der Gegenwart des Herrn zu leben und daran teilzuhaben, der Welt zu verkünden, daß sein Königreich ausgerichtet wird.

„Die Heiligkeit, ohne welche niemand den Herrn schauen wird.“
(Hebräer 12:14)

Bruder A. H. Macmillan sprach über das Thema „Friede und Heiligkeit“ wie folgt:

Die Auslegung, welche die Juden den Anordnungen des Gesetzesbundes gaben, brachte zwar verschiedene Klassen von Heuchlern hervor, aber hatte niemals Heiligung zur Folge. Die starren Glaubensdogmen, die von der Geistlichkeit während des Evangelium-Zeitalters den Kirchen aufgezwungen wurden, brachten ein gleiches Resultat hervor, so daß wir heute in Babylon nur wenige heilige Leute, aber viele Heuchler vorfinden.

Der Gegenstand der Heiligkeit, oder des Geheiligtseins ist von zwei verschiedenen Gesichtspunkten aus zu betrachten, 1. vom Gesichtspunkt Gottes und 2. vom Gesichtspunkt des Menschen. Des Menschen Gesichtspunkt ist die äußere Erscheinung; Gottes Gesichtspunkt dagegen das Herz. Diejenigen, welche das jüdische Gesetz buchstäblich nach ihrem besten Vermögen hielten, nahmen in der Achtung ihres Bekanntenkreises eine hohe Stellung ein, und dies war ihr höchster Ehrgeiz. Die meisten in Israel nahmen keine Notiz von dem Geist des Gesetzes und ließen es zu, daß Sünde und Selbstsucht die treibenden Kräfte ihres inneren Menschen wurden, und in diesem Herzenszustande erschienen sie vor Gottes Angesicht.

Während des Evangelium-Zeitalters hat die Geistlichkeit Gott in falschem Lichte erscheinen lassen und ihn als ein großes Ungeheuer hingestellt, das ewige Feuerqual für alle solche androhe, die sich nicht vor dem starren Glaubensdogma beugen wollten, welches sie - die Geistlichkeit – in die Welt gesetzt hatte. Die Folge war, daß die Kirchenleute nichts Höheres kannten, als diesen Lehren buchstäblich zu folgen, indes sie den Geist dieser Lehren mit Füßen traten. Nach außen hin erschienen sie heilig und gerecht, aber innerlich waren viele voller Betrug, Selbstsucht und Sünde.

Indem Jesus das Volk lehrte, stellte er diese falsche Art von Heiligkeit gründlich bloß. Oft redete er den Schriftgelehrten und Pharisäern ins Gewissen wegen ihres zur Schau getragenen frommen Gebahrens, ihrer vom Krankheitskeim angefressenen Denkart, ihrer Herzensentartung. Ihm erschienen sie wie übertünchte Totengräber – nach außen hin zwar schön blendend herausgeputzt, innerlich aber voller Unreinigkeit und Verwesung.

Jesus hob mit besonderem Nachdruck die große Wahrheit hervor, die schon in den Schriften des Alten Testamentes zum Ausdruck gebracht war, daß, wenn auch der Mensch seine Nebenmenschen nach ihrem äußeren Erscheinen richtet und von diesem Gesichtspunkt aus sie annimmt oder verwirft, Gott dies nicht tut, denn er sieht auf das Herz. Diejenigen, die nicht tatsächlich einem Mitmenschen das Leben nahmen, glaubten, daß sie das göttliche Gebot „Du sollst nicht töten“ genau befolgen, und vom menschlichen Standpunkt aus betrachtet, taten sie es ja auch. Trotzdem aber trugen viele unter ihnen Mord in ihrem Herzen, und gerne würden sie den Gegenstand des Hasses getötet haben, wenn sie nicht aus Furcht vor der Strafe, die den Mörder getroffen hätte, in Schranken gehalten worden wären. Von Gottes Standpunkt aus ist ein Mensch solcher Art ebenso sehr ein Mörder, als wenn er wirklich die Mordtat begangen hätte.

Dasselbe paßt auch auf die heutige Zeit. Viele Leute, die nach außen hin sehr heilig erscheinen, und die sich bemühen, das Gesetz dem Buchstaben nach zu halten, um wohl respektiert in den Augen der Welt zu sein, machen sich offenbar gar keine Gedanken darüber, wie sie vor Gott erscheinen, der die innersten Gedanken von Herz und Sinn zu lesen vermag; und während sie sich mit ihren Lippen dem Herrn nähern, sind ihre Herzen weit von ihm und seinem Maßstab entfernt.

Wenn wir heilig werden sollen und somit wohlgefällig vor dem Herrn, so muß dies Werk von innen heraus beginnen. Die Erfahrungen der letzten viertausend Jahre haben es zur Genüge bewiesen, daß schlechte Charakterzüge oder sündige Triebe den Menschen nicht durch Gesetze oder Verordnungen ausgetrieben werden können, wie man dem sündigen Menschen auch nicht durch Gesetze oder Verordnungen einen gerechten oder heiligen Sinn einpflanzen kann. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, einen Menschen durch Drohungen und Warnung vor Strafe als Folge des Unrechttuns gerecht oder heilig zu machen. Um Heiligkeit zu erreichen, müssen wir Gottes Weg annehmen; denn dieser ist der einzige Weg. Erstens müssen wir unserem Inneren die Grundsätze von Wahrheit und Heiligkeit einprägen, wie sie sich in Gottes glorreichem Charakter durch sein Wort widerspiegeln; und dies geschieht durch das Studium des Planes Gottes, indem uns hierdurch sein wunderbarer Charakter enthüllt wird. Zweitens muß wahre Liebe zu diesen Grundsätzen in unsere Herzen eindringen und unseren Neigungen und Bestrebungen eine neue Richtung geben; mit anderen Worten, eine Umwandlung des Sinnes in uns bewirken und dies geschieht dadurch, daß wir uns in den glorreichen und köstlichen Charakter des Gottes vertiefen und uns diesen immerfort vor Augen halten. Dies wird in uns eine treibende Kraft zur Entwicklung bringen, die nach der Gottseligkeit oder Gottähnlichkeit, einer aus freudigem Herzen kommenden Anpassung an Gottes Willen, strebt und sich in gerechten Gedanken, Worten und Taten äußert. Auf solche Weise erreichen wir es, daß wir in unseren Gedanken und in unserem Benehmen diejenigen Grundsätze herausarbeiten und zur Entwicklung bringen, welche Gott durch seinen Heiligen Geist unseren Herzen und Sinnen einflößte. Durch diesen Entwicklungsvorgang werden wir heilig in Gedanken, Worten und Taten, soweit dies in einem gefallenen Leibe, wie ihn alle Neuen Schöpfungen noch auf Erden haben, möglich ist.

Freilich drängen sich uns viele unheilige, ungerechte oder unpassende Gedanken auf, und zu Zeiten tun wir Dinge, die dem Herrn und auch uns selbst durchaus nicht gefallen. Diese Dinge werden natürlich nicht der Neuen Schöpfung zur Last gelegt, sondern sind die Folgen des gefallenen Fleisches. Hingegen werden die Dinge, welche wir vorsätzlich oder absichtlich tun, uns auf das Schuldkonto gesetzt. Wenn zum Beispiel in Bruder oder eine Schwester infolge der Schwachheit des Fleisches von einem Fehltritt übereilt wird, so würde dies natürlich eine Sünde sein. Andere, welche diesen Fehltritt bemerken, möchten sich vielleicht die Idee in den Kopf setzen, daß es durchaus recht gehandelt sein würde, den betreffenden Bruder oder die Schwester wegen des Fehltritts zu verdammen und es allen ihren Freunden mitzuteilen, womit sie sich zum Übelreden hergeben und unwissentlich den Ruf ihres Bruders oder ihrer Schwester untergraben würden. Nach meinem Dafürhalten ist das Betragen derer, welche verleumden, viel tadelnswerter als das Benehmen dessen, der von einem Fehltritt übereilt wurde.

Wir werden niemals einen Zustand wirklicher Heiligkeit im Denken und Reden und in unserem Betragen erreichen, solange wir hier in unseren gefallenen Leibern sind. Sobald wir verwandelt werden und unsere neuen Leiber erhalten, werden wir völlig heilig sein.

Jeder gerechte Gedanke, jedes gottselige Sehnen oder Verlangen, das jemals in unser Herz oder unseren Sinn einzieht, wird von unserem himmlischen Vater bemerkt; und sobald wir unsere neuen Leiber erhalten, werden diese Geisteszüge ihnen aufgedrückt und ein Teil unseres geistigen Organismus werden, denn der Prophet Maleachi sagt: „Da unterredeten sich die Jehova fürchteten untereinander, und Jehova merkte auf und hörte; und ein Gedenkbuch ward vor ihm niedergeschrieben für die, welche Jehova fürchten und welche seinen Namen achten.“ (Maleachi 3:16.) In diesem Gedenkbuch wird keins der bösen Worte, welche wir unabsichtlich aussprechen, verzeichnet sein; keiner der selbstsüchtigen, sündhaften Gedanken oder begehrenden Gefühle, von denen wir, ohne es zu wollen, uns für einen Augenblick beherrschen oder ins Wanken bringen lassen, niedergeschrieben sein. Alles dies wird ausgetilgt und so weit hinweggetan sein, wie der Osten dem Westen entfernt ist. Nur die vor Gott wohlgefälligen, gerechten, hohen und edlen Gedanken und sehnsuchtsvollen Wünsche werden in diesem Buch verzeichnet sein und in unserem Geistesorganismus Platz finden, sobald wir unsere neuen Leiber erhalten.

Im Einklang mit diesem Gedanken legt es uns die Bibel an vielen Stellen dringlichst ans Herz, unser Sinnen und Trachten auf reine, heilige und göttliche Dinge zu richten: denn „wie der Mensch es abmißt in seiner Seele [„wie der Mensch in seinem Herzen denkt“], so ist er.“ (Sprüche 23:7.) Mit anderen Worten, unsere Gewohnheit des Denkens, unsere dauernde Gedankenrichtung, solange wir hier unter Prüfung stehen, wird es entscheiden, was wir sein werden, wenn wir das himmlische Königreich erlangen.

Bruder J. F. Rutherfords Schlußansprache
„Im Stillsein und im Vertrauen wird eure Stärke sein.“
Jesaja 30:15.

Wir werden es nötig haben, diesen Text und ähnliche Texte in den kommenden Tagen im Auge zu behalten. Solche Verheißungen Gottes werden einen jeden stark machen in dem Kampfe, der vor uns liegt.

Die Welt befindet sich in einem furchtbaren Zustande von Not und Bedrängnis. Immer höher du höher steigt die Flutwelle von Unruhe und Unzufriedenheit. Wilder und wilder tobt der Kampf menschlicher Leidenschaft, der durch den bösen Einfluß der Dämonen entfacht wird. Die noch auf dieser Seite des Vorhanges weilende Herauswahl muß notwendigerweise in Berührung mit diesen weltlichen Einflüssen kommen und muß sie überwinden. „Keine Versuchung hat euch ergriffen, als nur eine menschliche; Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, daß ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern wird mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so daß ihr sie ertragen könnt.“ (1. Korinther 10:13.) Somit sehen wir, daß wir der Versuchung dieser bösen Einflüsse rings um uns her ausgesetzt sind. Aber, wie der Psalmist uns zum Troste sagt: „Gott ist uns Zuflucht und Stärke, eine Hülfe, reichlich gefunden in Drangsalen. Darum werden wir uns nicht fürchten, wenngleich gewandelt würde die Erde, und wenn die Berge wankten im Herzen des Meeres, wenn seine Wasser tobten und schäumten, die Berge erbebten durch sein Ungestüm.“ - Psalm 46 : 1-3.

Stillesein und Friede ist denen beschieden, welche völlig dem Herrn vertrauen, und welche das Heilmittel gebrauchen, das er verordnet hat. Durch den Apostel Paulus sagt er uns, gemäßigt, milde und nachgiebig in allen Dingen zu sein, weil der Herr nahe ist; nicht ungebührlich um irgend etwas zu sorgen, sondern durch Gebet und Flehen mit Danksagung unsere Anliegen vor Gott kundwerden zu lassen, „und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christo Jesu“. - Philipper 4:4-7.

Nur diejenigen, welche ihr Vertrauen auf Gott bewahren und völlig auf ihn bauen, sind mit diesem Frieden in Herz und Sinn gesegnet. Laßt uns nicht bestürzt werden über den Weg, auf den der Herr sein Werk hinausführt, sondern laßt uns völlig und vollständig seinen Anordnungen vertrauen und unbedingt auf ihn und unseren Herrn und Heiland bauen, da wir wissen, daß alles zu unserem besten hinauslaufen wird, weil wir ihn lieben und nach seinem Vorsatz berufen sind und Anteil an seinem Werk haben.

Wir sind jetzt am Ende der größten und gesegnetsten Hauptversammlung geweihter Christen gekommen, die, wie ich glaube, sich jemals hier auf Erden versammelt hat. Unser Herr hat uns zum höchsten Bergesgipfel emporgehoben. Es war eine Zusammenkunft wahrer Herzensfreude, dergleichen wir niemals zuvor erlebt haben. Wir gehen jetzt wieder heim, und wir werden täglich in Berührung mit vielen Dingen kommen, welche unsere Geduld, unsere Liebe und unseren Glauben auf die Probe stellen werden. Indem diese Prüfungen fortwährend zunehmen, möge es uns immer vor Augen bleiben, daß es uns nottut, nüchternen Sinnes, ruhig und besonnen zu sein und dem Herrn zu vertrauen, indem wir dessen eingedenk sind, daß in dem aus Glauben geborenen Stillesein und in unbedingtem Zutrauen, einer Frucht völligen Vertrauens auf den Herrn, unsere Stärke beruhen wird.

Der Widersacher wird versuchen, allen möglichen Streit und Hader unter dem Volke Gottes anzustiften. Er wird es dahin bringen, daß aus unseren eigenen Reihen böswillige Angriffe von solchen ins Werk gesetzt werden, die ihr Vertrauen verlieren. Er wird es dahin bringen, daß böswillige Angriffe von außen her gegen uns einstürmen. Er wird alle möglichen Hebel in Bewegung setzen, um die Zwecke zu durchkreuzen, für welche der Herr jetzt sein Volk benutzen will. Laßt euch nicht beunruhigen, sondern werfet alle eure Sorge auf den Herrn; denn er sorgt für euch. Unterwerft euch völlig den Wegen des Herrn. Mit Bezug hierauf ermahnt uns der Apostel Petrus: „Seid nüchtern, wachtet; euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widerstehet standhaft im Glauben, da ihr wisset, daß dieselben Leiden sich vollziehen an eurer Brüderschaft, die in der Welt ist.“ - 1. Petrus 5:8, 9.

Auf dieser Hauptversammlung habt ihr ein Werk begonnen, das sich über die ganze Erde ausbreiten wird. Der Teufel weiß, daß dieses Werk gegen sein Reich gerichtet ist. Darum mögen wir Angriffe von ihm erwarten; und eins der Dinge, die er zu tun versuchen wird, ist das Vertrauen eines Bruders zum anderen zu zerstören. Laßt dies nicht zu! Laßt uns daran denken, wie wichtig es für uns ist, einander nicht nach dem Fleische zu kennen, sondern als Neue Schöpfungen in Christo. Wenn unser Bruder ein Versehen macht, seid gütig, seid nachsichtig! Wenn ihr seht, daß er sein Bestes tut dem Herrn zu dienen, so tut alles, was ihr nur könnt, um ihm zu helfen. Vermeidet alles, was dazu dienen könnte, eurem Bruder zu schaden. Ergreift alles, was dazu dienen könnte, eurem Bruder zu helfen und dadurch euch selbst zu helfen, in dem Werke, die Botschaft des Königreiches des Herrn zu verbreiten. Wir sind keineswegs in Unkenntnis betreffs der Methoden, deren sich der Feind bedient. Wir werden auf manche stoßen, welche bisher mit uns gewandelt sind, und welche versuchen werden, den Glauben der Brüder zu zerstören. Denkt an die eindringlichen Worte des Apostels Paulus: „Ich ermahne euch aber, Brüder, daß ihr achthabet auf die, welche Zwiespalt und Ärgernis anrichten, entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und wendet euch von ihnen ab.“ (Römer 16:17) Dies bedeutet nicht, schroff oder hart gegen jemand zu sein. Es bedeutet, daß wir Streitigkeiten vermeiden sollen. Laßt euch nicht von unserem wirklichen Endziel hinwegziehen, indem ihr euch auf nutzlose Debatten und Streitereien einlaßt. Der Herr hat seinem Volke den Auftrag gegeben, ein bestimmtes Werk zu tun. Satan möchte uns am liebsten in Streitereien verwickeln, um unseren Sinn von diesem Werk abzulenken. Laßt uns dies nicht zugeben!


Wenn wir völliges und bleibendes Vertrauen auf unseren Herrn und Meister Christus Jesus haben, wenn wir unbedingt auf unseren himmlischen Vater bauen und seiner Anordnung vertrauen, dann sollten wir auch Vertrauen zu einem jeden der wahrhaft geweihten Brüder haben. Wir werden diese an ihren Früchten erkennen. Wir wissen, daß der Herr gegenwärtig ist; daß er selbst sein Werk leitet; daß Satans Reich von dem Herrn bekämpft wird; und diejenigen, welche mit dem Herrn den Sieg erringen werden, müssen treu bis zum Ende sein. Wenn wir somit sehen, daß ein Bruder in Harmonie mit diesen großen Lehren steht, an denen wir festhalten, und daß die Liebe ihn dazu drängt, die Botschaft des Königreiches des Herrn bekannt zu machen, so genügt dies, uns mit Vertrauen auf diesen Bruder zu erfüllen. Laßt uns somit einer dem anderen vertrauen! Laßt uns frei und offen und gerecht einander sein! Laßt uns im Frieden bei einander wohnen, und laßt uns, eins im Herzen und eins im Handeln, in fest zusammengefügter Schlachtreihe den gemeinsamen Feind bekämpfen!

Seid dessen eingedenk, daß wir alle als des Herrn Vertreter beauftragt sind, das Königreich öffentlich bekannt zu machen, und daß wir jetzt den König und sein Königreich vor aller Welt verkünden müssen. Nur eins darf unser Tun bestimmen, nur ein Beweggrund, nämlich reine Liebe zum Herrn und zu seiner Sache. Laßt uns heimgehen mit dem Entschluß, nichts den in unserem Sinn wohnenden Frieden stören zu lassen. Nachdem wir uns einmal überzeugt haben, daß wir die Wahrheit haben, laßt uns keine Zeit damit vergeuden, in dem Schutt anderer umherzusuchen, um festzustellen, wieviel Wahrheit wir wirklich haben. Möge uns vor Augen bleiben, was Paulus tat: „Eins aber tue ich.“ (Philipper 3:14) Der Herr hat uns etwas zu tun gegeben, und laßt uns dies mit aller unserer Macht tun! Dieses können wir aber nicht tun, liebe Brüder, wenn wir nicht völliges und vollständiges Vertrauen zu einander haben. Wo Mißtrauen unter den Brüdern herrscht, da wird dies als eine Waffe von dem Widersacher benutzt. Laßt uns der Ermahnung des Apostels Paulus folgen, der in seinem Briefe an die Kirche zu Philippi schrieb: „Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, auf daß, sei es daß ich komme und euch sehe, oder abwesend bin, ich von euch höre, daß ihr feststehet in einem Geiste, indem ihr mit einer Seele mitkämpfet mit dem Glauben des Evangeliums, und in nichts euch erschrecken lasset von dem Widersacher.“ -- Philipper 1:27,28

Der Herr hat seinem Volke, das jetzt auf der Erde weilt, das größte Vorrecht anvertraut, dessen sich jemals irgendein Volk erfreut hat, nämlich aller Welt zu verkünden, daß der König hier ist, daß das Königreich begonnen hat, und daß dieses die langverheißenen Segnungen bringen wird. Wir sollten nicht darin ermatten, dies gute Werk zu tun, sondern fortfahren, die gute Botschaft zu verkünden, bis die letzte Spur des satanischen Reiches von der Erde vertilgt und Gerechtigkeit völlig auf den Thron gesetzt ist. Möge die auf dieser Hauptversammlung von einem jeden einzelnen gewonnene Stärke als eine große Macht zum Vordringen in diesem Werk dienen, und möge der von dieser Macht ausgehende Einfluß hinausstrahlen zu tausenden unserer Brüder, die nicht das Vorrecht gehabt haben, hierher zu kommen. Mögen wir, ein jeder unter uns, unsere Vorrechte tief innerlich zu würdigen wissen und uns immerfort die köstliche Ermahnung unseres Herrn und Hauptes vor Augen halten: „Sei getreu bis in den Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben.“

Eindrucksvolle Schlußszene

Nach Beendigung dieses letzten Vortrages beschloß die Hauptversammlung, wegen der großen Anzahl der Anwesenden von dem sonst üblichen Händeschütteln Abstand zu nehmen, und somit wurde das Liebesfest in der Weise abgehalten, daß die gewaltige Zahl unter Begleitung des Orchesters, gefühlvoll und mit freudigen Herzen mehrere der schönsten Zionslieder sang. Das letzte dieser Lieder war. „Gott mit dir, bis wir uns wiedersehn“, und immer wieder und wieder winkte man sich untereinander und besonders nach der Rednerbühne hin, wo Bruder Rutherford soeben die Schlußrede gehalten hatte, Grüße der Liebe zu. Es war ein eindrucksvoller Schlußmoment, ein beseligender Augenblick, eine Szene, die sich in Worten kaum beschreiben läßt. Jedes Herz war erfüllt mit Liebe für den Herrn und die Brüder. Ein jeder schied von dort, indem er sich vergegenwärtigte, daß der Her zugegen war und die Fenster des Himmels aufgetan und einen Segen auf sein Volk ausgegossen hatte. Ein jeder, tief durchdrungen von der Sache des Herrn, schied von dieser denkwürdigen Generalversammlung mit dem Entschluß im Herzen, fest zu dem Herrn und den Brüdern zu halten, bis der Sieg errungen ist. Und indem sie gingen, hörte man überall in dem gewaltigen Zuhörerraum den Scheidegruß „Gott segne dich“.

Neun Tage hatte die Hauptversammlung gedauert, von Dienstag, den 5. September bis Mittwoch, den 13. September. Einige Stunden nach Schluß der Versammlung wurden die Extrazüge zur Heimfahrt in Bereitschaft gesetzt, und bald waren sie gefüllt und traten von der Nachbarstadt Sandusky die Rückfahrt nach den verschiedenen Himmelsgegenden des Landes an. Viele Bürger mit ihren Familien hatten sich an der Bahnstation eingefunden und gaben den Bibelforschern herzliche Scheidegrüße mit auf den Weg. Von allen Seiten wurde den Abfahrenden lebhafte Teilnahme und Würdigung der soeben zum Abschluß gebrachten Hauptversammlung ausgedrückt, und es war ein trostreicher Gedanke, daß die Versammlung offenbar einen guten und heilsamen Einfluß auf die dortigen Bewohner ausgeübt hatte. Diese Leute konnten sehen, daß die wahrhaft Geweihten mit Jesu gewandelt waren und von ihm gelernt hatten. Der „Bethel-Extrazug“, mit 550 oder mehr Passagieren, fuhr vom Dock der zur Halbinsel Cedar Point führenden Fähre ab und durchkreuzte langsam die Stadt; und indem er so die Rückreise antrat, gab es von allen Seiten liebevolle und teilnehmende Abschiedsgrüße, sowohl von großen Mengen längs der Bahnstrecke, als auch aus vielen Fenstern benachbarter Häuser.

So endete die gesegnete Hauptversammlung der Geweihten Gottes auf Erden, und sie kehrten zurück nach ihren irdischen Heimstätten, um dort von neuem das Werk in Angriff zu nehmen, dem sie ihre Dienste geweiht haben, der „Verkündigung des Königs und des Königreiches“.

Wir glauben, daß viel Gutes durch diese Hauptversammlung geschehen ist, nicht nur für die Brüder und die Versammlung, in deren Mitte sie Stattfand, sondern auch, daß ihr Einfluß sich nach allen Teilen der Erde hin ausbreiten wird. Glücklich sind wir, auch fernerhin verkünden zu können. „Das Reich der Himmel ist nahe gekommen.“

Deutsche Versammlungen

Wir können es nicht unterlassen, noch einige Worte über die deutsche Versammlung innerhalb der allgemeinen großen Hauptversammlung niederzuschreiben.

Eine kleine Zahl deutscher Redner aus den östlichen und mittleren westlichen Staaten des Landes diente den lieben Freunden mit Eifer und Liebe. Das Programm war ein sehr reichhaltiges. Morgens wurde die Versammlung mit einer Gebetsstunde eröffnet, in der die Freunde ihre Gefühle des Dankes und der Lobpreisung äußerten und von ihren Erfahrungen und der wunderbar überwaltenden Fürsorge des himmlischen Vaters sprachen. Die Versammlungen am Nachmittage begannen auch gewöhnlich mit einer Zeugnisversammlung, der dann 2 Vorträge folgten, oder sonst, wenn keine Zeugnisversammlung abgehalten wurde, wurden meistens 3 schöne Vorträge gegeben. Und so wurde jedes hungrige Herz mit geistiger Speise erfreut, und zahlreich waren die Kundgebungen der Wertschätzung und Dankbarkeit für die vom himmlischen Vater und seinem lieben Sohne auf die empfänglichen Herzen herniederströmenden Segnungen.

Die Beteiligung war sehr rege, indessen würde sie weit größer gewesen sein, wenn nicht die allgemeine, in englischer Sprache abgehaltene Hauptversammlung ungezählte Freunde so stark beansprucht hätte.

Die deutsche Versammlung war vielen ein großer Ansporn zu erneutem eifrigem Studium des Wortes Gottes und zum fleißigen Besuchen der deutschen Versammlungen daheim und zu emsiger Tätigkeit bei der Verbreitung der Botschaft der Ankündigung des Königreiches und des Königs.