Der Wachtturm-gefälschte Schimpanse

Die schiere Vielzahl an Lügen, Verdrehungen und Falschzitaten in dem Wachtturm-Buch Das Leben - Wie ist es entstanden? Durch Evolution oder durch Schöpfung? (1985) ist geradezu überwältigend. Ein Beispiel zeigt, wie die WTG nicht vor Fälschungen zurückschreckt, wenn es darum geht, ihrer ahnungslosen Leserschaft die eigene Botschaft zu verkaufen.

Die schiere Vielzahl an Lügen, Verdrehungen und Falschzitaten in dem Wachtturm-Buch Das Leben - Wie ist es entstanden? Durch Evolution oder durch Schöpfung? (1985) ist geradezu überwältigend. Doch der Leser muß bereit sein, sich eine erhebliche Anzahl an Quellen anzusehen und sich auch mit wissenschaftlichem Jargon und der Evolutionswissenschaft vertraut zu machen, um zu verstehen, wie viele Lügen in diesem Buch stehen, das eifrige Zeugen Jehovas weltweit verbreiten.

Abb. 1Es kann interessant sein, sich ein Beispiel für eine solche Täuschung anzusehen, die allein schon durch einen Blick in zwei von der Gesellschaft selbst herausgegebene Bücher auszumachen ist.

Die Zeitschrift für die dänischen Unterstützergruppen für Ex-Zeugen Jehovas war unter den ersten, die dokumentierten, wie die Wachtturm-Gesellschaft Bilder eines Schimpansen in diesem Buch gefälscht hat. Jeder, der einmal einen Schimpansen im wirklichen Leben oder auf einem Foto oder im Film gesehen hat, weiß, daß diese Tiere sehr gefährlich aussehende Eckzähne haben. Wo sind diese Zähne in der nebenstehenden Abbildung? (Abb. 1)

Der Verfasser legte den Gedanken nahe, daß es sich bei der Abbildung um einen Schädel eines Schimpansenbabys handelte. Das ist nicht unmöglich. Doch weitere Nachforschungen in Norwegen offenbarten per Zufall genau, wo die Wachtturm-Gesellschaft ihren sogenannten Schimpansen her hatte. Wir fanden denselben Schädel in dem älteren Wachtturm-Buch Hat sich der Mensch entwickelt, oder ist er erschaffen worden?, Seite 85 (Abb. 2).

Abb. 2Wenn wir die Bilder aus dem älteren Evolutions-Buch mit denen des neueren Schöpfungs-Buches vergleichen, finden wir, daß in beiden dieselben Zeichnungen verwendet wurden. Im älteren Buch wird er "Ausgestorbener Menschenaffe" genannt, im neueren Buch "Schimpanse". Im neuen Buch ist die Zeichnung modernisiert und koloriert, doch wenn wir eine Zeichnung über die andere legen, passen sie perfekt.

Im alten Evolutions-Buch (Bild aus der deutschen Ausgabe) wird in den Bildunterschriften behauptet, es handle sich um den Schädel eines "ausgestorbenen Menschenaffen" und einen im Amerikanischen Naturhistorischen Museum in New York ausgestellten Australopithecus. Für alle, die nicht mit der besonderen Arbeitsweise der Schreiber der Wachtturm-Gesellschaft vertraut sind, muß es ein Geheimnis bleiben, wie aus einem "ausgestorbenen Menschenaffen" von 1967 ein Schimpanse von 1985 werden konnte!

In jedem Fall ist dies das Schlagen auf eine Strohpuppe schlimmster Art. Australopithecus wurde nie als Bindeglied zwischen affenähnlichen Vorfahren und dem Neuzeitmenschen angesehen, weil er einen menschlichen Schädel hätte. Im Gegenteil! Es ist richtig, wenn Australopithecus als Affe bezeichnet wurde und daß er einen Schimpansen-ähnlichen Schädel hatte. Die Ähnlichkeiten im Schädel waren meistenteils darauf beschränkt, daß er menschenähnliche Zähne hatte, die wir bei keinem der heutigen Affen antreffen. Wenn die WTG einen wirklichen Schimpansen gezeichnet hätte, hätte jeder Leser leicht den Eindruck gewinnen können, daß Australopithecus ein Bindeglied zwischen Schimpanse und Mensch sei (was, füge ich hinzu, kein Evolutionist behauptet). Die Wachtturm-Illustratoren wollten so etwas nicht haben, und daher verbargen sie dies dadurch, daß sie die Eckzähne des Schimpansen entfernten und ihn generell verdächtig nach (richtig geraten!) Australopithecusaussehen ließen.

Warum macht sich denn Australopithecus als wahrscheinlicher Vorfahr des Menschen gut? Er hatte menschliche Hüftgelenke und ging zweibeinigaufrecht. Er hatte also unterhalb des Halses das Aussehen eines Bindegliedes. So überrascht es nicht, daß die Wachtturm-Gesellschaft das Thema verdreht und sich auf das konzentriert, was über dem Hals sitzt. Das schützt die Wachtturm-Illustratoren natürlich nicht davor, auch die Zeichnungen des Schädels zu fälschen.