Wie man Eltern lehrt, ihre Kinder zu beeinflussen

Eine der Schlüsselrollen von Eltern in jeder Gesellschaft besteht darin, das Denken und Streben ihrer Kinder für die Zukunft zu formen.

Eltern, die Zeugen Jehovas sind, werden ermahnt, besonders fest ihre Kinder von unnötigen Kontakten mit der "Welt" abzuhalten, damit sie mehr Zeit dem Werk der Verbreitung der Wachtturm-Lehre widmen.

Seit dem Anfang des Wachtturm im Jahre 1879 wurde den Lesern gesagt, das "Ende der Welt" stehe unmittelbar bevor, und dieses Ereignis wurde für die Jahre 1914, 1915, 1918, 1925 vorhergesagt; für 1941 und 1975 wurde es deutlich nahegelegt. Im Jahre 1941 wurde von der Wachtturm-Gesellschaft das Buch Children [Kinder] herausgegeben, in dem die beiden fiktiven Personen John und Eunice auf ihren Kinderwunsch verzichten, um in der kurzen Zeit vor dem Ende von Tür zu Tür zu gehen.

Seither sind Jahrzehnte vergangen, John und Eunice sind immer noch kinderlos und jetzt über 70 Jahre alt, und die Welt hat noch immer nicht geendet. Doch auch heute ermuntert der Wachturm Jugendliche, Karrieren zu opfern und selbst auf das Heiraten zu verzichten, wenn sie das in der "kurzen Zeit, die noch vor dem Ende verbleibt", erfolgreicher macht. Welche Zukunft wird Jugendlichen heute in der Zeugen-Subkultur geboten?

Nach außen möchte die Wachtturm-Gesellschaft das Bild glücklicher, normaler Jugendlicher in ihrer Organisation vorweisen. Obwohl viele Jugendliche bei den Zeugen gut angepaßt zu sein scheinen und nach normalen Dingen streben, haben diejenigen, die man in den Versammlungen als Vorbilder hochhält, oft Probleme in ihrem Privatleben; manche führen, moralisch gesprochen, sogar ein Doppelleben. Welche Zukunft wird für Jugendliche heute von ihren Führern bereitgehalten?

Das Bild nach außen hin ist in der Broschüre der Wachtturm-Gesellschaft Preparing for Child Custody Cases [Vorbereitung auf Sorgerechtsfälle bei Kindern] gut dokumentiert (die Broschüre wird von den Rechtsabteilungen der Gesellschaft als Hilfe in Sorgerechtsfällen verteilt; da die deutsche Ausgabe nicht zur Verfügung stand, folgt eine eigene Übersetzung des englischen Textes). Sie fordert dazu auf, daß der vorsitzführende Aufseher "geistig gesinnte" junge Zeugen aus der Ortsversammlung auswählt, um zu "zeigen, daß sie normal sind". Die Broschüre warnt mit einer Aufzählung:

<ü>Sei vorsichtig, daß sie nicht den Eindruck gewinnen, sie befänden sich in einer Demonstration auf einem Kreiskongreß, wo sie zeigen würden, daß die wichtigsten Dinge im Leben der Dienst [das Predigen von Tür zu Tür] und der Besuch im Königreichssaal sind. Zeige Hobbys, handwerkliche Fähigkeiten, soziale Tätigkeiten, Sport und besonders Zukunftspläne. Sei vorsichtig, damit sie nicht alle sagen, sie wollten Pioniere [Vollzeitevangelisten von Tür zu Tür] werden. Pläne können sein: Beruf, Heiraten und Kinder bekommen, Journalismus und alles mögliche andere. Vielleicht kannst du ein Interesse an Kunst und Theater vorweisen. (engl., Seite 43)

Auf einem Kreiskongreß der Zeugen (einer großen religiösen Zusammenkunft) würde ein Jugendlicher wahrheitsgemäß darauf hinweisen, daß seine erstrangigen Interessen religiöse sind. Vor Gericht jedoch, so rät man Jugendlichen, sollten sie "normale" Tätigkeiten und eine "normale" zukünftige Karriere herausstellen. Statt vom Pionierdienst sollten sie von normalen Interessen sprechen, die auch andere Kinder haben, wie z.B. Journalismus, Kunst und Theater usw. So stellt die Wachtturm-Gesellschaft ein Bild für die Öffentlichkeit heraus (unsere Kinder sind so wie andere auch) und ein anderes im Königreichssaal (wir opfern Karrieren und persönliche Wünsche, um andere mit der Dringlichkeit der Wachtturm-Botschaft zu warnen).

Es folgen einige Zitate aus der Zeugen-Literatur, die zeigen, was man Jugendliche durch Beispiele und direkte Aussagen lehrt. Der in eckige Klammern gesetzte Text soll die Bedeutung erhellen oder erklären.

Über die Nähe der Neuen Welt

Vor allem aber stärkt diese Zeitschrift das Vertrauen in die Verheißung des Schöpfers, eine neue Welt herbeizuführen, die binnen kurzem das gegenwärtige böse und gesetzlose System der Dinge ablösen wird...

Diese Aussage erscheint vor jedem Impressum der Zeitschrift Erwachet! bis 1995

Ebenso sind heute die meisten Angehörigen der Generation von 1914 nicht mehr am Leben ... Und obwohl ihre Zahl abnimmt, werden sich Jesu Worte, wonach 'diese Generation auf keinen Fall vergehen wird, bis alle diese Dinge geschehen', gewiß bewahrheiten. Dies ist ein weiterer Grund zu glauben, daß der Tag Jehovas, der wie ein Dieb kommen soll, kurz bevorsteht.

Erwachet!, 8. April 1988, Seite 14

Ein jugendlicher Zeuge aus Frankreich namens Samuel wird wohlwollend zitiert:

Ich stelle mir die Welt im Jahre 2000 als ein wunderschönes Paradies vor. Aber ich denke, daß weder die heutige Welt noch ihre Herrscher dies erleben werden ... Wir leben in den letzten Tagen des gegenwärtigen Systems.

Erwachet!, 8. November 1986, Seite 7-8

Von höherer Schulbildung wird abgeraten

Wenn du ein junger Mensch bist, so mußt du dir auch über die Tatsache im klaren sein, daß du in diesem gegenwärtigen System der Dinge nie alt werden wirst. Wieso nicht? Weil alle Beweise in Erfüllung biblischer Prophezeiungen anzeigen, daß dieses verderbte System in einigen wenigen Jahren enden soll. Über die Generation, die den Beginn der 'letzten Tage' im Jahre 1914 miterlebte, sagte Jesus voraus: "Diese Generation wird auf keinen Fall vergehen ..., bis alle diese Dinge geschehen."

Als junger Mensch wirst du daher nie das Ende einer Laufbahn erreichen, die dir dieses System bietet. Wenn du zum Beispiel zur Mittelschule gehst und eine Hochschulbildung in Erwägung ziehst, so bedeutet das wenigstens vier, vielleicht auch sechs oder acht weitere Jahre bis zum Abschluß in einem besonderen Fach. Aber wo wird sich dieses System der Dinge dann befinden? Es wird auf seinem Weg zu seinem Ende weit vorangeschritten sein, wenn es nicht sogar schon verschwunden sein wird!

Darum finden es Eltern, die ihr Leben nach Gottes prophetischem Wort ausrichten, viel nützlicher, ihre Kinder einen Beruf erlernen zu lassen, der nicht eine so lange Studienzeit erfordert...

Zwar werden diejenigen, die nicht verstehen, wo wir uns von Gottes Standpunkt aus im Strom der Zeit befinden, sagen, dies sei unpraktisch. Aber was ist wirklich praktisch: sich auf eine Stellung in dieser Welt vorzubereiten, die bald vergehen wird, oder darauf hinzuarbeiten, das Ende dieses Systems zu überleben und ewiges Leben in Gottes neuer Ordnung zu erlangen?

Erwachet!, 22. August 1969, Seiten 15, 16

In dem Buch Fragen junger Leute - Praktische Antworten wird unter "Welche Laufbahn sollte ich einschlagen?" auf den Seiten 175-178 folgendes gesagt:

Tausende verzichten zugunsten des Vollzeitpredigtdienstes auf eine Ganztagsbeschäftigung. Andere dienen als Missionar oder in einem Zweigbüro der Watch Tower Society.

Würde dich ein Hochschulstudium deinen christlichen Zielen näher bringen oder davon entfernen? Denke daran: Ein hohes Einkommen ist für Christen nicht das Wichtigste.

Erwäge daher deine Laufbahn sorgfältig, und mache die Wahl zum Gegenstand deiner Gebete. So kannst du eine Laufbahn einschlagen, die dich nicht nur glücklich macht, sondern bei der du auch 'Schätze im Himmel aufhäufen' kannst.

Vielleicht ist nicht unbedingt ein langjähriges Studium nötig, damit deine Eltern zufrieden sind. In einigen Ländern akzeptieren beispielsweise viele Arbeitgeber auf dem Facharbeits- oder Dienstleistungssektor eine Zusatzausbildung, die in relativ kurzer Zeit erworben werden kann.

Nachdem auf mehreren Seiten von einer Universitätsausbildung abgeraten wird, kommt das Buch dann zu dem Schluß:

Viele christliche Jugendliche haben sich daher gegen eine Hochschulausbildung entschieden. Wie so mancher festgestellt hat, war ihm die Schulung in den Zusammenkünften derZeugen Jehovas - besonders in der wöchentlichen Theokratischen Predigtdienstschule - bei der Arbeitssuche eine echte Hilfe.

Am Ende dieses Kapitels stehen fünf Fragen, die den Tenor der Argumentation in diesem Buch deutlich machen:

Warum trägt eine Karriere meist nicht zum Glück bei? Warum sollten alle gottesfürchtigen Jugendlichen eine Laufbahn als Vollzeitdiener ins Auge fassen? Welche Vorteile mißt man der höheren Bildung bei? Trifft das immer zu? Welche Gefahren können mit einer Hochschulausbildung verbunden sein? Welche Alternativen könnte man in Betracht ziehen?

Im Wachtturm vom 15. April 1986 (Seite 28-30) werden junge Zeugen angesprochen:

Wenn du über deine Zukunft nachdenkst, werden dir bestimmt verschiedene Fragen in den Sinn kommen. Soll ich studieren und eine Laufbahn als Arzt, Rechtsanwalt oder Wissenschaftler anstreben? Träume ich von einer Karriere bei einer Firma, und möchte ich nach finanziellem Erfolg und nach Anerkennung streben? Möchte ich mir als Künstler einen Namen machen, vielleicht als Schauspieler oder als Maler? Oder sollte ich, da ich mich Jehova Gott hingegeben habe, den Vollzeitdienst zu meiner Laufbahn machen...

Nachdem zwei Personen als Zeugen aufgeführt wurden -- der erste, ein junger Mann, gab seine Hochschulausbildung auf, als er sich den Zeugen Jehovas anschloß, so daß er den Pionierdienst [Vollzeitmissionarwerk] aufnehmen konnte, der zweite ein junger Mann, der im letzten High-School-Jahr mit dem Pionierdienst begann -, kommt der Artikel zu dem Schluß:

Was wirst du als Jugendlicher aus deiner Zukunft machen? Wirst du persönlichen Zielen nachstreben, oder wirst du dich ganzherzig für Jehova einsetzen? (Römer 14:8). Erwäge jetzt, in jungen Jahren, gebetsvoll das Ziel des Vollzeitdienstes. Ahme Jesus nach, und lebe dein weiteres Leben 'nach dem Willen Gottes' (1. Petrus 4:2). Das wird sich als ein Schutz vor schädlichem Streben nach einer weltlichen Karriere und vor schlechter Gesellschaft erweisen. Prüfe deine Verhältnisse, und setze dir ein bestimmtes Datum, wann du den Vollzeitdienst aufnehmen wirst. Arbeite darauf hin. Bete um die Hilfe Jehovas, dein Ziel zu erreichen.

Eine Laufbahn im Wachtturm-Dienst vorbereiten, ehe man die Schule verläßt

Den begrenzten Wert sportlicher Betätigung und den unübertrefflichen Nutzen der Gottergebenheit gegeneinander abzuwägen wird dir helfen, ausgeglichene Entscheidungen zu treffen, was das Freizeitangebot der Schule betrifft.

Wie wäre es damit, Zeit einzusetzen, um anderen in geistiger Hinsicht zu helfen? Interessanterweise beginnen einige jugendliche Zeugen Jehovas in Japan, den Predigtdienst zu ihrer Laufbahn zu machen, während sie noch zur Schule gehen. Sie kaufen die Zeit vor und nach dem Unterricht aus, um anderen zu helfen, den Schöpfer kennenzulernen.

Aus dem Artikel "Wie steht es mit dem Freizeitangebot der Schule"; Erwachet!, 8. Dezember 1986, Seite 18

Das Singleleben wird positiv hervorgehoben

Die Jahre, in denen du als Christ unverheiratet bist, auf bestmögliche Weise in den Dienst Jehovas zu stellen wird dir heute schon Befriedigung und Herzensfrieden verschaffen. Auch wird es zu deiner geistigen Reife und zu einer gewissen Beständigkeit beitragen. Jehova wird deine aufopferungsvollen Bemühungen in seinem heiligen Dienst nicht vergessen.

Fördere als ledige Person eifrig die Königreichsinteressen [religiöse Tätigkeiten wie das Predigen von Tür zu Tür und der Besuch der Zusammenkünfte], und du wirst viele Segnungen genießen (Sprüche 10:22). Solltest du dann später heiraten, so gehst du mit größerer Lebenserfahrung und nach einer vorzüglichen geistigen Schulung in die Ehe.

Aus dem Artikel "Die Ehelosigkeit - ein lohnender Lebensweg", Wachtturm, 15. November 1987, Seite 20

Kinderlosigkeit wird positiv hervorgehoben

Es gibt bei der Wachtturm-Gesellschaft keine Regelungen bezüglich Elternschaft. Es heißt, die Entscheidung, Kinder zu bekommen, sei eine persönliche Angelegenheit. Aber man erinnert Ehepaare an das bevorstehende Ende und lobt Personen, die sich dazu entschlossen haben, "um des Königreiches willen" kinderlos zu bleiben, um einen volleren Anteil an den religiösen Tätigkeiten der Zeugen zu haben.

Manche junge Ehepaare haben sich entschlossen, kinderlos zu bleiben. Obschon bei diesen Frauen der Mutterinstinkt genauso ausgeprägt war wie bei anderen Frauen, entschlossen sie sich im Einverständnis mit ihrem Mann, keine Kinder zu haben, um sich völlig in den Dienst Jehovas stellen zu können. Viele dieser Ehepaare haben als Pioniere oder als Missionare gedient.

Überall in der Welt ist es zahlreichen Ehepaaren, die auf das Glück verzichten, Kinder zu haben, möglich, im Kreisdienst, im Bezirksdienst oder in einem Bethel Jehova zu dienen [Um in einer solchen Stellung zu dienen, muß man kinderlos bleiben]. Auch sie blicken zufrieden auf die Jahre zurück, in denen sie an ihrem bevorrechtigten Platz Jehova und ihren Brüdern dienen konnten. Sie haben nichts zu bedauern. Sie hatten nicht die Freude, Kinder zu haben, aber sie haben auf den verschiedenen Tätigkeitsgebieten eine wichtige Rolle in der Förderung der Königreichsinteressen gespielt.

Ob ein Ehepaar in der heutigen Zeit des Endes Kinder haben möchte oder nicht, ist eine persönliche Angelegenheit, die jedes Paar selbst entscheiden muß. Doch da 'die verbleibende Zeit verkürzt ist', würden Ehepaare gut daran tun, sorgfältig und gebetsvoll zu erwägen, was dafür und was dagegen spricht, in der heutigen Zeit Kinder zu haben.

Wachtturm, 1. März 1988, Seiten 25, 26

Eltern werden ermuntert, für ihre Kinder den Pionierdienst statt einer Hochschulausbildung als Ziel zu setzen

Im Königreichsdienst vom Mai 1973 wurde unter der Überschrift "Ermunterung durch Eltern ist eine Hilfe" auf Seite 6 gesagt:

Darüber hinaus ist es jedoch manchmal erforderlich, daß das Verlangen des Herzens nach dem Guten gestärkt wird. Eltern können ihren Kindern in dieser Hinsicht eine große Hilfe sein.

Ein Ältester in Korea ermunterte seine vier Kinder, Pionier zu werden. Bei einem Kreiskongreß [einer großen Versammlung von Zeugen] wurde er mit seinen Kindern interviewt. Die älteste Tochter erzählte, daß sie in der Mittelschule die besten Noten gehabt habe. Es war ihr Wunsch gewesen, das College zu besuchen. Ihr Vater sagte jedoch zu ihr, sie könne von ihm keine finanzielle Unterstützung erwarten, wenngleich es ihr freistehe, sich für eine solche Laufbahn zu entscheiden. Sie änderte ihre diesbezüglichen Pläne, und nun genießt sie viele Segnungen als Pionier. Als Nächstältester erzählte ein Sohn, daß auch er einmal den Wunsch gehabt habe, das College zu besuchen und eine weltliche Laufbahn einzuschlagen. Sein Vater setzte sich jedoch mit ihm zusammen und besprach einige Schriftstellen mit ihm. Sein Vater sagte ihm auch, daß er, wenn er darauf bestände, eine weltliche Laufbahn einzuschlagen, sich dann nach einer anderen Wohnung umsehen müsse. Er hörte auf den Rat seines Vaters und ist sehr dankbar, daß sein Vater freundlich, aber dennoch fest auf seinem Standpunkt beharrte. Die beiden jüngeren Kinder erklärten, daß sie von dem, was die beiden älteren erlebt hätten, beeindruckt gewesen seien. Von Anfang an planten sie daher, Pionier zu werden. Der jüngste Sohn verließ die Mittelschule, um als Pionier zu dienen.

In einem Wachtturm aus dem Jahre 1952 (Seite 159) wird Eltern der Rat gegeben, ihre Kinder zum Ferienpionierdienst in den Sommerferien zu ermuntern. Der Vollzeitdienst sei die beste Karriere für ein Kind. Auch wenn der Artikel schon über 45 Jahre alt ist, folgen die Zeugen noch heute dieser Praxis. Viele Zeugen, die in den 1950er und 1960er Jahren aufwuchsen, stellten gemäß diesem Rat ihre Heirat zurück, dann auch den Wunsch, Kinder zu bekommen, so daß sie mehr Zeit im Werk des Jüngermachens verbringen konnten. Einige sind immer noch Singles oder haben keine Kinder. Viele, die dann doch noch heirateten und Kinder hatten, fanden, daß es für eine Berufskarriere zu spät war; sie haben statt dessen als Handwerker gearbeitet. Und immer noch haben und erziehen sie Kinder mit dem Lebensziel des Vollzeitdienstes.

Von einer Theaterkarriere zugunsten der Zeugen-Doktrin abgeraten

In Erwachet! vom 8. November 1983 (Seiten 23, 24) stand das folgendes Zeugnis eines Schauspielers, der seinen Beruf an den Nagel hängte, nachdem er sich zu den Zeugen bekehrt hatte:

Jetzt, nach mehr als einem Jahrzehnt, kann ich aufrichtig sagen, daß ich mich nicht nach der Bühne zurücksehne. Immerhin habe ich Gelegenheit, meine Kunst noch etwas zu pflegen, indem ich jedes Jahr als Regisseur und Schauspieler an den biblischen Dramen beteiligt bin, die Jehovas Zeugen bei ihren Bezirkskongressen aufführen ... Der Unterschied besteht darin, daß wir dort aus einem besseren Beweggrund spielen. Im Theater wollte ich der Star sein, um bewundert zu werden. Bei den biblischen Dramen dagegen kommt es auf die Handlung an, nicht auf die Schauspieler. Daher gibt es keinen Konkurrenzgeist, kein Abdrängen der "Kollegen".

Von einer Malerkarriere wird abgeraten

Im Wachtturm vom 15. Juni 1981 (Seite 10) wurde der Bericht eines Kunststudenten veröffentlicht, der mit dem Eintritt bei den Zeugen sein Malereistudium aufgab:

Als das Jahr 1952 kam, waren fast vier Jahre meines Kunststudiums vergangen. Was sollte ich tun? Der Wunsch, nach Puerto Rico zurückzukehren und anderen von dem zu erzählen, was ich aus der Bibel gelernt hatte, war noch stärker als mein Wunsch, Kunstmaler zu werden. Folglich begann ich im August 1952 mit dem Vollzeitpredigtdienst als Pionier.

Von einer Musikerkarriere wird abgeraten

Die Zeitschrift Erwachet! vom 8. August 1985 (Seiten 16, 17) veröffentlichte die Aussage von William Mullane, der die weltberühmte Juilliard-Schule in New York City verließ, nachdem er begonnen hatte, mitden Zeugen zu studieren. Schließlich nahm er den "Betheldienst" auf und arbeitete ganztags in der Wachtturm-Weltzentrale in Brooklyn, New York. Bethelmitarbeiter haben Kost und Logis frei und erhalten nominell eine monatliche "Zuwendung", um sich notwendige Dinge zu kaufen. Mullane erklärt:

Nach den Sommerferien besuchte ich für ein weiteres Semester das Konservatorium. Aber ich dachte nun über vieles anders. Der Wunsch, als Musiker berühmt zu werden, war nicht mehr so stark wie zuvor. Ich wußte, daß es etwas Wichtigeres gab und daß die Musik in meinem Leben nicht mehr an erster Stelle stehen konnte ... Ich erinnere mich noch deutlich an die Reaktion meines Vaters auf meine Entscheidung. Er schlug mit der Faust auf den Tisch und sagte mir eindringlich, daß er mich vor die Tür setzen würde, wenn ich das Konservatorium verließe. Aber ich tat es dennoch. Zwei Monate später ließ ich mich als Symbol meiner Hingabe an Gott taufen, und darauf nahm ich den Vollzeitdienst auf ... Ich musiziere immer noch, aber nur einen Bruchteil der Zeit, die ich früher der Musik widmete ... Als Musiker Karriere zu machen verlangt völlige Hingabe. Von dieser Warte aus betrachtet, konkurriert die Musik mit unserem Schöpfer und mit dem Tun seines Willens. Die Liebe zur Musik kann fast wie eine Krankheit sein ... Offen gesagt, betrachte ich heute Musikschulen als moderne Tempel der Anbetung, in denen verlangt wird, daß man sich ganz der Musik hingibt. Doch das bedeutet, sie zu einem Gott zu machen, was unser Schöpfer bestimmt nicht billigt. Zwar ist die Musik eine Gabe von Jehova, doch man muß ihr den richtigen Platz zuweisen.

Erwachet! vom 8. Mai 1984 (Seiten 12-16) veröffentlichte den Bericht eines ehemaligen libanesischen Basketballstars, der seinen Sport und sein Universitätsstudium aufgab, um Vollzeitpionier zu werden.

Erwachet! vom 8. März 1985 (Seiten 16-20) berichtete über Herman Pizzanelli. Er war in den 1960er Jahren der führende uruguayische Konzertgitarrist. Nachdem er sich den Zeugen angeschlossen hatte, kündigte er seine Verträge, darunter eine "Theatertournee durch Europa". Der Grund?

Mein Gewissen drängte mich dazu, mich mit dem weit wichtigeren Predigen und mit anderen christlichen Tätigkeiten zu beschäftigen.