Wie man Phobien erzeugt

Eltern haben offensichtlich einen sehr starken Einfluß auf ihre Kinder. Selbst dann, wenn sie sie mißbrauchen und gegenüber ihrem Nachwuchs wenig mitfühlend sind, möchten Kinder doch noch das, was sie an Liebe und Zuwendung von ihren Eltern erhalten können, haben, und sie werden oft nur deshalb gehorsam sein, um Aufmerksamkeit und Fürsorge zu erhalten.

Diese Dynamik zu verstehen hilft erklären, wie Kinder, die in der Wachtturm-Bewegung groß werden, so sehr durch das Bedürfnis an Zuwendung beeinflußt werden, daß sie bereitwillig alles aufgeben, was sie an Zielen haben oder anstreben, nur um den Eltern zu gefallen; selbst dann, wenn sie schon lange die elterliche Wohnung verlassen haben und/oder heiraten.

Damit die Indoktrination dauerhaft und wirksam ist, müssen im Kind PHOBIEN (tief wurzelnde Ängste) erzeugt werden, um es vor einem Kurs "abzuschrecken", der der Wachtturm-Ideologie zuwider läuft. Die Organisation ist ein Meister darin, die Grundlage für solche Phobien zu legen und sie zu nähren. Wie im Falle eines Ältesten in Korea mit vier Kindern (in einem vorhergehenden Artikel erwähnt) mag die Angst darin bestehen, finanziell mit nichts dazustehen oder vom Vater mißbilligt zu werden, aber sie kann auch direkt aus den Seiten des Wachtturms kommen: in Form von Warnungen, daß wir in den allerletzten Tagen leben, und wie Jehova die mißbilligt, die "Zeit und Kraft bei Dingen verschwenden", die nichts mit dem Königreich zu tun haben. Jehova wird so zum allmächtigen Elternteil, der selbst dann, wenn sich die wahren Eltern nicht allzu viele Sorgen machen, das Kind von seiner Gunst und vielleicht sogar vom ewigen Leben abschneidet. In der Tat ein mächtiger Beweggrund!

Eine phobische Weltsicht

Der erste Schritt, den die Wachtturm-Bewegung in der Indoktrination ihrer Anhänger unternimmt, besteht darin, die Vorstellung von einem "universalen Krieg" zu entwickeln, in den automatisch alle verwickelt sind; die Vorstellung nämlich, daß Satan Jehova den Krieg erklärt hat und wir automatisch auf der einen oder der anderen Seite stehen. Es gibt keine Zaungäste. Wenn man nicht alles tut, was die Organisation fordert, ist man auf der Seite des Teufels. Jeder, der sich außerhalb der Wachtturm-Bewegung befindet, wird vom Teufel kontrolliert, und alle Menschen, die keine Zeugen sind, werden vom Teufel irregeführt und sind schlechter oder gefährlicher Umgang. Eine einseitige Furcht vor dem Übernatürlichen wird gefördert. Zeugenkindern wird gesagt, sie sollten "weltliche" Zeitschriften, Filme, Fernsehshows, Musik usw. meiden. Alles, was sich kritisch mit der Wachtturm-Bewegung auseinandersetzt, ist automatisch böse und gefährlich. Die meisten Ärzte sind schlecht, weil sie gerne Blutübertragungen vornehmen. Kinder bekommen Alpträume, daß Mutter und Vater eine Bluttransfusion ablehnen müssen. Alles wird als Teil einer großen Verschwörung mit dem Ziel hingestellt, Jehovas Zeugen zu vernichten. Satan wird weit über die Rolle, die er in der Bibel spielt, hinaus gefürchtet.

Was ist das Endergebnis? Das Kind lernt das Leben selbst zu fürchten, zumindest ein Leben außerhalb der Wachtturm-Bewegung, so daß der Teufel es, sollte es je die Organisation verlassen, vernichten würde. So werden Kinder depressiv und selbstmordgefährdet. Ich kenne selbst mehrere Angehörige der Bethelfamilie in der New Yorker Weltzentrale, die wußten, daß die Organisation nicht recht hat, sie aber aus Furcht, keine Arbeit zu erhalten oder mit dem Leben nicht zurechtzukommen, nicht verließen. Sie waren die Opfer sorgfältig eingeimpfter Phobien.

Viele dieser Phobien sind für Außenstehende recht offensichtlich. Aus Mücken werden Elefanten gemacht, um die Zeugen von der wirklichen Welt getrennt zu halten.

Beispiele:
Geburtstagsfeiern sind schlecht, weil dort jemand angebetet wird. Weihnachtsfeiern sind schlecht, weil vor Tausenden von Jahren jemand am 25. Dezember die Sonne angebetet hat. Ein Flaggengruß ist die Anbetung des Landes und ein Zeichen dafür, daß man eher zu Satans als zu Gottes Königreich gehört. Wenn man "zum Kuckuck" oder "Mensch Meier" sagt, ist das dasselbe wie Fluchen. Das Rauchen von Zigaretten ist eine Form von Drogenmißbrauch, der dazu führen kann, daß man unter den Einfluß von Dämonen gerät.

Wen wundert es da, daß jugendliche Zeugen so paranoid und scheu gegenüber der Welt eingestellt sind! Selbst wenn sie die Organisation verlassen, sind die Phobien immer noch da; sie bestimmen ihr Leben, bis sie durch fachmännische Hilfe oder Selbsthilfe erkannt und ausgemerzt sind.

Viele unserer Leser wurden als Zeugen Jehovas erzogen, und sie bleiben weiterhin Opfer multipler, eingeimpfter Phobien. Viele haben mit einem niedrigen Selbstwertgefühl zu kämpfen, da die Wachtturm-Bewegung solche Probleme einpflanzt und bestehen läßt.