Sie prüften "Gottes Sprachrohr" - Der Brief an die Versammlung

Liebe Brüder, liebe Schwestern!

Da viele uns gefragt haben, warum wir mit unseren Kindern immer seltener zum Königreichssaal kommen, schreiben wir Euch.

Wir möchten  in diesem Brief zunächst zum Ausdruck bringen, dass wir Jehova Gott, Jesus Christus sowie die ganze Gemeinschaft der Brüder und Schwestern weiterhin lieben, aber wir möchten auch unsere Haltung erklären, um es jedem zu ermöglichen, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Wir wurden im Predigtdienst mit dem Vorwurf konfrontiert, wir seien eine Endzeit-Sekte, deren Ankündigungen sich nie erfüllen. Als Beweis dafür hat man uns das Jahr 1975 vorgehalten, oder z.B. die Ankündigung Rutheford`s, der 1918 angekündigt hat :"Millionen jetzt lebender werden nie sterben", aber auch die Prophezeiung, dass die Menschen der Generation , die das Jahr 1914 erlebt haben, noch am Leben sein werden, wenn das Ende, bzw. Harmagedon kommt, was mittlerweile auch - durch „das neue Licht" - fallen gelassen wurde.

Wir konnten uns jedoch - aus eigener Erfahrung - nur zum letzteren Punkt äußern, da wir (meine Frau seit 1988 und ich seit 1985) erst anhand des „Paradiesbuches" in die Organisation eingeführt wurden, in dem - auf Seite 154 - auch mit einer Illustration diese Lehre tatsächlich verbreitet wurde. Obwohl auf Seite 195, Abs.13+14, desselben Buches die WT- Organisation als das „Sprachrohr Gottes" bezeichnet und betont wurde, dass durch diese „nicht menschliche Weisheit", sondern die Weisheit Gottes, als Kanal Gottes, gelehrt würde, haben wir es nie so dogmatisch aufgenommen, wie es sowohl in dieser, als auch in vielen Publikationen und auf vielen Kongressen betont wurde (nicht zuletzt auch im Liederbuch, im Lied 42, wo es heißt:„ ...er hat seinen Sklaven zum Sprachrohr bestimmt, dass jeder die Warnung recht deutlich vernimmt"), sondern wir versuchten stets ausgeglichen zu sein , und verteidigten sogar die Gesellschaft (aus einem Loyalitätsempfinden heraus) bei Menschen, die an diesen Äußerungen Anstoß nahmen, indem wir stets sagten, dass es nicht so gemeint sei.

Der Lehrpunkt über die Generation von 1914 brachte uns also überhaupt nicht aus dem Gleichgewicht, und wird uns auch nicht aus dem Gleichgewicht bringen, da wir immer der Meinung sind, dass man Gott ergeben sein sollte, und IHN lieben sollte - unabhängig von einem DATUM-, und dennoch müssen wir zugeben, dass wir, als es Jahre lang , in jeder Erwachet -Ausgabe, bis einschließlich der Ausgabe vom 22.10.1995, auf Seite 4, unter der Rubrik „Warum Erwachet herausgegeben wird", im letzten Satz abgedruckt wurde: „ Vor allem aber stärkt diese Zeitschrift das Vertrauen zum Schöpfer, der verheißen hat, noch zu Lebzeiten der Generation, die die Ereignisse des Jahres 1914 erlebt hat, eine neue Welt zu schaffen, in der Frieden und Sicherheit herrschen werden ", dass wir nun nachdenklich überrascht waren, als dieser Satz plötzlich , ab der Ausgabe vom 08.11.1995 in „...binnen kurzem" (statt „ ...zu Lebzeiten der Generation von 1914") abgeändert wurde.

In diesem Augenblick verstanden wir auch das Ablösen des „Paradiesbuches" durch das „Erkenntnisbuch", in dem diese Lehre nicht mehr vorkommt (auch das alte „Schöpfungsbuch" wurde durch das neue ersetzt).

Wie wir es jedoch bereits betonten, entschuldigten wir es auch in diesem Fall als menschliche, unvollkommene Unzulänglichkeit.

Man hat mich jedoch (ab dieser Stelle werde ich es - der Einfachheit halber- in meiner Person berichten, obwohl meine Frau genauso dazu steht) dazu herausgefordert, nicht nur die Zeit um das Jahr 1975 , und die damit verbundenen Botschaften unserer „Sklavenklasse" nochmals genau zu lesen, sondern auch die ganze Geschichte der Watch Tower Society, ihrer Lehren, ihrer Prophezeiungen (die wirklich mit zuversichtlicher Bestimmtheit, als von Gott kommend dargestellt wurden) von ihren Anfängen an zu prüfen (1Joh.4:1)

Voller Elan - wie ich es immer gewohnt war - „ ...stets bereit zu einer Verteidigung vor jedermann, der von euch einen Grund für die Hoffnung verlangt"(1Petr.3:15) ging ich an das Durchforschen der geschichtlichen Tatsachen heran, voller Zuversicht für den Sieg der Wahrheit, in der wir - mit gesundem Stolz - zu wandeln behaupteten - , gemäß dem Grundsatz aus 2 Kor.10:4, 5 : „ Denn die Waffen unserer Kriegführung sind nicht fleischlich, sondern machtvoll durch Gott, um Starke Verschanzungen(Unwahrheiten) umzustoßen. Denn wir stoßen Vernunftschlüsse und jede Höhe um ,die sich gegen die Erkenntnis Gottes(nicht menschliche)erhebt..."

Und dieser Grundsatz stimmt, jedoch nur in Verbindung mit der biblischen WAHRHEIT der Erkenntnis Gottes, nicht der Menschen . Nun wurden sozusagen WORTE des „Kanals Gottes" auf der „göttlichen Waage" der inspirierten Schriften gewogen, um festzustellen, ob diese „als zu leicht empfunden" wurden, d.h. Menschenwerk, oder Gotteswerk sind , bzw. waren.

Die Kostbarkeit an der Wahrheit ist diese, dass man sie zwar leugnen, ablehnen, verdrehen u.s.w., jedoch niemals wiederlegen kann. Ist das nicht ein alles übertreffender, beglückender und beruhigender Gedanke?

Ja, Jehova, der Gott der Wahrheit ist dafür zu preisen, sowohl ER, als auch SEIN Sohn, Jesus Christus, der aus diesem Grund als DAS WORT bezeichnet wird!

Behaupten jedoch ein Paar Menschen , Gottes Sprachrohr (für Millionen von anderen Menschen) zu sein, so ist dies schon eine schwerwiegende Verantwortung, wodurch - unter Umständen - viel Schmach auf Gottes Namen gebracht werden kann, sollten sich deren Voraussagen doch als UNWAHRHEIT herausstellen . Bitte habt Geduld in diesem Brief, aber ich muss nun, an dieser Stelle, etwas über die geschichtlichen Tatsachen berichten.

Die meisten der Zeugen Jehovas glauben, die Deutung des Jahres 1914 sei mehr oder weniger eine besondere Errungenschaft ihrer Organisation, und sie meinen, Pastor Russel , der erste Präsident der Gesellschaft, habe sie als erster veröffentlicht. Auf der Umschlaginnenseite des Buches Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben heißt es:

„1870 - Charles Taze Russel beginnt mit einer kleinen Gruppe von Freunden die Bibel zu studieren

1877 - Das Buch `Drei Welten` (engl.) erscheint, das das Jahr 1914 als das Ende der `Heidenzeiten` kennzeichnet".

Hier wie auch im Buchinnern wird der Eindruck erweckt, das Buch „Drei Welten", an dem Russell Mitverfasser war, sei das erste Werk gewesen, das diese Lehre über 1914 enthielt.

Es ist erstaunlich ,angesichts der noch folgenden Tatsachen, wie viele Fakten in den Veröffentlichungen der Gesellschaft ignoriert oder beschönigt wurden.

Wenn man den geschichtlichen Tatsachen auf den Grund geht, so stellt es sich heraus, dass die willkürliche Anwendung der Regel „ein Tag für ein Jahr" auf verschiedene Prophezeiungen der Bibel sich bis auf jüdische Rabbiner des ersten Jahrhunderts zurückverfolgen ließ.

Im 9.Jahrhundert begann eine Gruppe jüdischer Rabbiner mit Berechnungen und Voraussagen in bezug auf die im Buch Daniel vorkommenden Zeitabschnitte von 1290, 1335 und 2300 Tagen unter Anwendung dieser Tag-Jahr-Regel, wobei stets der Zeitpunkt des Erscheinens des Messias ausgerechnet wurde.

Unter den Christen geschah dies erstmals im 12.Jahrhundert, zuerst durch einen Mönch, den Abt Joachim von Fiore. Jetzt deutete man mit Hilfe der Methode „ ein Tag für ein Jahr" nicht nur die Zeitabschnitte aus dem Buch Daniel, sondern auch die in Offenbarung, Kap.11:3 und Kap.12:6 genannten 1260 Tage.

Im Laufe der Zeit kamen verschiedene Ausleger auf etliche Jahreszahlen, unter anderem das Jahr 1260, dann 1360 und später verschiedene Zeitpunkte im 16.Jahrhundert. Da das Datum stets verstrich, ohne dass die angekündigten Ereignisse eingetreten waren, mussten regelmäßig Neudeutungen und Anpassungen vorgenommen werden.

Im Jahre 1796 sagte George Bell in einer Londoner Zeitschrift den Niedergang des „Antichristen" (worunter er den Papst verstand) voraus. Dies sollte sich „1797 oder 1813" ereignen, wobei er seine Voraussage auf eine Auslegung der 1260 Tage stützte, aber einen anderen Ausgangspunkt als die anderen Ausdeuter annahm (einige hatten von der Geburt Christi an zu zählen begonnen, andere ab der Zerstörung Jerusalems, wieder andere von der Gründung der katholischen Kirche an).

Seine Vorhersage wurde während der Ereignisse im Gefolge der französischen Revolution niedergeschrieben.

Nur kurze Zeit später trat ein aufsehenerregendes Ereignis ein: der Papst wurde von französischen Truppen gefangen gesetzt und musste ins Exil gehen.

Viele Menschen sahen darin eine höchst beachtliche Erfüllung biblischer Prophetie und erkannten das Jahr 1798 als das Ende der prophetischen 1260 Tage. Das führte zu der Ansicht, die „letzten Tage" seien ab dem folgenden Jahr, dem Jahr 1799, zu zählen.

Weitere Umsturzereignisse in Europa sorgten für eine Flut neuer Vorhersagen. Einer ihrer Verfasser war ein Engländer namens John Aquila Brown. Aus den Beweisen geht hervor, dass Brown der wahre Urheber der Auslegung der „sieben Zeiten" aus Daniel, Kap.4, ist, der Auslegung, mit der man durch Anwendung der Tag-Jahr-Regel zu den 2520 Jahren kommt.

Brown veröffentlichte seine Deutung erstmals im Jahr 1823, und nach seiner Methode wurden aus den „sieben Zeiten" die 2520 Jahre, und zwar auf genau dieselbe Weise, wie es heute in der Wachtturm-Literatur steht.

Das war 29 Jahre bevor C.T.Russel geboren wurde, 47 Jahre bevor er seine Bibelstudiengruppe gründete, und mehr als ein halbes Jahrhundert vor dem Erscheinen des Buches „Drei Welten".

Ein Mann namens N.H. Barbour, ein Adventist aus Rochester im Staat New York , übernahm die Deutungen John Aquila Brown`s, nachdem sich die Erwartungen der adventistischen Gruppe in Verbindung mit dem Jahr 1844 nicht erfüllt hatten, die in diesem Jahr die Wiederkunft Christi erwartete.

Für seine Anhänger brachte Barbour ab 1873 eine Zeitschrift heraus, die er Herald of the Morning (Herold des Morgens) nannte. Auf dem Titelblatt dieser Zeitschrift brachte er das Jahr 1914 mit dem „Ende der Heidenzeiten" in Verbindung. 1878 schloss sich ihm C.T. Russel , bei der Herausgabe dieser adventistischen Zeitschrift an. Von da an waren Zeitprophezeiungen ein auffallendes Merkmal der Schriften Russels, sowie der Zeitschrift Watch Tower, die er später gründete.

Die Deutung der „sieben Zeiten" und das Jahr 1914, beides Dinge, die Russel übernommen hatte, hingen eng mit dem Jahr 1874 zusammen, das bei Barbour und seinen Anhängern (der Second Adventisten) eine große Rolle spielte. (Das Jahr 1914 lag noch Jahrzehnte in der Zukunft, während 1874 gerade erst verstrichen war.) Sie glaubten, 1874 seien 6000 Jahre Menschheitsgeschichte zu Ende gegangen, und erwarteten die Wiederkunft Christi für dieses Jahr. Als nichts geschah, waren sie enttäuscht. Wie die schon zitierten Texte zeigen, fiel dann einem adventistischen Artikelschreiber für Barbour`s Zeitschrift, dessen Name mit B.W.Keith angegeben wurde, beim Lesen einer Übersetzung des Neuen Testaments (The EmphaticDiaglott) auf, dass diese an den Stellen, wo von Christi Wiederkehr die Rede war, das Wort „Gegenwart" statt „Kommen" gebrauchte. Keith erzählte Barbour von seiner Idee, dass Christus tatsächlich 1874 wiedergekehrt sei, aber unsichtbar, und dass Christus nun unsichtbar gegenwärtig sei und ein Werk des Richtens durchführe. Gegen eine unsichtbare Gegenwart kann man nur schwer argumentieren, geschweige denn sie wiederlegen.

Das Konzept einer unsichtbaren Gegenwart ermöglichte es also den Kreis von Adventisten um N.H. Barbour zu sagen, „die Zeit (1874) könne etwa doch richtig sein und ihre Erwartungen falsch". Diese Ansicht machte sich auch Russel zu eigen, und später auch die Gesellschaft.

Heute glauben alle Zeugen Jehovas, Jesu unsichtbare Gegenwart habe 1914 begonnen. Sehr wenigen ist bewusst, dass die Watch Tower Society in ihrer Rolle als Prophet fast 50 Jahre lang verkündet hatte, diese unsichtbare Gegenwart habe 1874 begonnen. Sogar noch im Jahre 1929, fünfzehn Jahre nach 1914, lehrte sie das (Siehe das Buch Prophezeiung, engl.1929, deutsch 1930, Seite 70)

Jehovas Zeugen heute glauben, dass Christus seine Königreichsherrschaft offiziell 1914 angetreten hat. Der Wachtturm lehrte jahrzehntelang, dies sei 1878 geschehen.

Jehovas Zeugen heute glauben, dass „die letzten Tage" und die „Zeit des Endes" ebenfalls 1914 begannen.

Im Wachtturm wurde ein halbes Jahrhundert lang gelehrt, die „letzten Tage" hätten 1799 begonnen (wobei man die von George Bell 1796 veröffentlichte Bibelauslegung übernahm).

Heute glaubt man, die Auferstehung der gesalbten Christen, die seit den Tagen Christi verstorben sind, habe 1918 angefangen. Über 40 Jahre hatte der Wachtturm gelehrt, sie habe 1878 angefangen.

Gegenwärtig glaubt man, seit 1914 und besonders seit 1919 sei das große „Erntewerk" im Gange, das seinen Höhepunkt und Abschluss in der Vernichtung des gegenwärtigen Systems und all derer finden werde, die auf ihr Predigen nicht günstig reagiert haben. Im Wachtturm wurde statt dessen von Anfang an gelehrt, dass die „Ernte" von 1874 bis 1914 dauern würde und dass sich im Jahr 1914 die Vernichtung aller menschlichen Einrichtungen auf Erden ereigne werde. Heute legt die Organisation den Fall „Babylons der Großen" auf das Jahr 1919 fest. Wenigstens vier Jahrzehnte lang wies der Wachtturm diesem Ereignis das Jahr 1878 zu und sagte, im Jahr 1914 oder 1918 sei Babylons vollständige Zerstörung fällig(wobei „die Tür der Gelegenheit zur Braut zu gehören" 1881 geschlossen, und mit dem WT vom 15.Juni 1911 wieder geöffnet wurde; Rutheford machte sie 1935 wieder endgültig zu - aus welchem Grund auch immer).

Schlussfolgerung 1:

Wenn man tatsächlich die Bücher (z.B. die Schriftstudien) und andere Publikationen Russels heute liest, sogar die Details über die Strafgerichte Gottes, die im Jahre 1914 - und dann 1918 - vonstatten gehen sollten, dann muss man festhalten (manche würden es sogar bestimmt belächeln), dass dieser Mann wirklich eine starke Fantasie hatte. Ähnliche Worte äußerte später (in den 30-er Jahren) Rutheford (der zweite Präsident der Gesellschaft) über seine eigenen Worte, bzw. Prophezeiungen , die er für die spätere Ära (für das Jahr 1918, 1920, 1925 u.s.w.) ankündigte, als er sprach: „ich habe mich lächerlich gemacht". Nachdem auch das Ende in Verbindung mit dem Jahr 1975, das man in den Publikationen zwischen 1967 -und 1974 stark proklamiert hatte, auch ausblieb, hat man zwar nicht mehr zugegeben, dass man sich lächerlich gemacht hat, obwohl dies ebenfalls zutraf. Auch in der ganzen Zeitperiode 1930-bis jetzt hat man falsche Ankündigungen , Lehren und Vorgehensweisen (denken wir nur an den Zivildienst ; die Zeit würde mir nicht reichen, um all dies aufzuzählen -kann jedoch jede Zeit nachreichen) nicht mehr entschuldigt, sondern die Schuld im „Verständnis der Leser" suchte, obwohl dies wiederum auf „der Skala" von „lächerlich" bis bitter traurig war (was die Auswirkung von Aufstellen von Menschengesetzen betrifft, die in der Heiligen Schrift nirgendwo verankert sind , was ich als Ältester nicht mehr ertragen konnte, weswegen ich u.a. vor kurzem dieses Amt niederlegte).

In der letzten Zusammenkunft, der wir als Familie beiwohnten, wurde das Lied 42 gesungen, dessen Inhalt ich bereits erwähnte „...er (Jehova Gott, der Gott der WAHRHEIT, Gott der unverfälschten Milch, die zum WORTE gehört - 1Pet.2:2 - ist damit gemeint) hat seinen Sklaven zum Sprachrohr bestimmt..."; entschuldigt bitte, aber wir konnten es nicht singen, und werden es auch nicht können Das Gewissen hat einfach seine Grenze erreicht, unter anderem aus dem Grund, welcher in der nächsten Schlussfolgerung erläutert wird.

Schlussfolgerung 2:

Wenn man - gemäß Spr.4:18 - behauptet, auf dem Weg des Lichtes zu wandeln, das heller und heller wird (obwohl dies aus dem Zusammenhang gerissen wurde, da hier mit dem Licht der Wandel gemeint ist - siehe im Zusammenhang die Verse 14-17), jedoch regelmäßig, alle 30, 40 Jahre, rückblickend feststellen muss, dass man fast alles verwerfen muss (denken wir an Rutheford, der 1931 zugab, dass man mit den Schriften Russels komplett nichts anfangen konnte; ein Bezirksaufseher sagte mir persönlich einmal, dass es reicht, wenn man immer die Literatur der letzten 10 Jahre behält, und den Rest „kann man sich schenken"), wie groß ist dann dieses Licht, bzw. Finsternis? Die Geschichte der letzten 130 Jahre hat jedenfalls bestätigt (ich werde zu Einzelpunkten der Zeit von 1925 - über 1975 bis jetzt noch Stellung nehmen), dass die Finsternis ziemlich groß war. Vielleicht ist auch das ,was wir heute vom „Kanal Gottes" empfangen, schon morgen wieder Finsternis. Und das Licht von morgen verwandelt sich wiederum übermorgen ins tiefste Dunkel? Das alles traurigste dabei ist jedoch, dass der Name unseres Schöpfers unter den Menschen lächerlich gemacht wird, ja eine große Schmach ! Haben wir vielleicht festgestellt, dass wir in Wirklichkeit durch finstere Menschengedanken vom Licht der Wahrheit der Bibel abgelenkt wurden und werden - Joh. 14:17,26 als auch Joh. 16:13 und 1Joh. 4:1? Wie ich bereits erwähnte, besteht jedoch die Kostbarkeit der WAHRHEIT darin, dass man sie zwar ablehnen, ihr wiedersprechen, sie leugnen u.s.w., jedoch niemals wiederlegen kann!

An dieser Stelle möchte ich da fortfahren, wo ich vor den Schlussfolgerungen 1+2 aufgehört habe.

Im Buch Die Zeit ist herbeigekommen (in deutsch 1900, Seite 73) wurde ausgeführt: „ In diesem Kapitel liefern wir den biblischen Nachweis, dass das völlige Ende der Zeiten der Heiden das volle Ende ihrer Herrschaft, mit dem Jahre 1914 erreicht sein wird; und dass dieses Datum die äußerste Grenze der Herrschaft unvollkommener Menschen sein wird. Und wem dies als eine in der Schrift fest begründete Tatsache nachgewiesen ist, der wird auch erkennen, dass dadurch folgendes bewiesen ist: "(Danach folgten 7 Punkte über Zerstörung der nationalen Obrigkeiten, Vernichtung aller menschlichen Könige, Wiederherstellung buchstäblichen Jerusalems u.s.w.)

Im Buch Dein Königreich komme (in deutsch 1898, Seite 146) wurde gesagt: „Und mit dem Ende des Jahres 1914 wird, was Gott Babylon nennt, und was die Menschen Christentum nennen, verschwunden sein, wie schon aus der Weissagung gezeigt wurde". Auch im Wachtturm vom 15.Januar 1892 wurde berichtet, die endgültige Schlacht habe bereits begonnen und werde 1914 ihren Abschluss finden.

Nachdem das Datum verstrichen war und nichts passiert war , hat man sich also in späteren Ausgaben deutlich bemüht, die ganz krassen Fälle von Nichterfüllung der sehr klaren Prophezeiungen über 1914 zu vertuschen. Nur wenige Zeugen Jehovas haben heute eine Vorstellung davon, wie umfassend die Voraussagen waren, die für dieses Jahr aufgestellt wurden. Die weitgesteckten Erwartungen und dogmatische Behauptungen, so wird angedeutet, gingen auf das Konto anderer Leute, nämlich seiner Leser. Beispiel - Das Buch Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, auf Seite 52 : „Ohne Zweifel waren viele in dieser Zeit voreilig in ihren Erklärungen über das, was zu erwarten war. Einige haben Gedanken in den Wachtturm hineingelesen, die gar nicht darin standen"

Im Buch Die Harfe Gottes (deutsch 1922) wurde immer noch betont, dass der Beginn der „Zeit des Endes" 1799 erfolgte, und dass 1874 die unsichtbare Gegenwart Christi begann. Es würde mir die Zeit und der Platz fehlen, um weitere Beweise vorzuführen, über die Erwatung der Auferstehung der Fürsten (wie Abel, Abraham, Noah u.s.w.) für das Jahr 1925, wo jungen Menschen schon damals davon abgeraten wurde zu heiraten, da man sich lieber -in dieser Hinsicht - von den „auferstandenen Fürsten" beraten lassen sollte, und andere Lehren, deren ich mich schäme, wenn ich daran denken muss, dass diese im Namen unseres Gottes verbreitet wurden!

Was schlimm dabei ist, ist die Tatsache, dass die Gesellschaft - schon immer, auch durch ihre Vertreter - alle Personen, die mit dem „Licht der Sklavenklasse" nicht mitgingen, nicht nur als unreif bezeichnete, sondern - im Falle einer öffentlichen Ablehnung der Dogmen der Gesellschaft, mit Ausschluss sanktionierte, obwohl viele der Glieder der Leitenden Körperschaft selbst an manche Lehren der Gesellschaft nicht glaubten, die oft nur mit 2/3 der Mehrheit verabschiedet wurden.

Zum Jahr 1975 möchte ich (da es aus Platzgründen hier den Rahmen sprengen würde, wenn ich das Buch Ewiges Leben in der Freiheit der Söhne Gottes, oder all die Jahrgänge 1967 - 1974 zitieren würde) nur einen Gedanken hervorheben, der so richtig die Gesinnung des „Unverständigen Sklaven" wiedergibt, und zwar aus dem Wachtturm vom 15.November 1968 , Seite 693, wo zum Glauben auf das Ende im Jahre 1975 wie folgt aufgerufen wurde:

„Es ist nicht an der Zeit, mit dem Gedanken zu spielen, Jesus habe gesagt: `Von jenem Tag und jener Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel der Himmel, noch der Sohn, sondern nur der Vater (Mat.24:36)`.Im Gegenteil, wir sollten uns ständig vor Augen halten ..." (so der WT vom 15.11.1968, Seite 693!)

Ist das nicht die Einstellung eines „untreuen und unverständigen Sklaven", der dazu aufruft, nicht auf die Worte seines Herrn, sondern auf seine eigenen zu achten? Das erinnert mich eher an die Aussage Jesu in Luk.21:8 „Seht zu, dass ihr nicht irregeführt werdet; denn viele werden aufgrund meines Namens kommen und sagen: Ìch bin es` und :`Die bestimmte Zeit hat sich genähert`. Geht ihnen nicht nach." (Das oben genannte Buch von 1900 klang ähnlich Die Zeit ist herbeigekommen)

Bei näherem Betrachten des Gleichnisses von Mat.24:45-47, worauf sich die Gesellschaft - als Machtbefugnis - stützt, stellt man fest, dass jeder Christ die Aufgabe des Sklaven im Sinne des Speiseausteilers, als auch des Essenden ausführen sollte (wie Jehova es in der Vergangenheit auch -gem.Jes.43:10- zu allen Israeliten sagte: „Ihr (Mehrzahl) seid meine Zeugen, ja mein (Singular) Knecht...",und nicht wie es bei der Leitenden Körperschaft der WT- Gesellschaft der Fall ist, wo sich die 11 führenden Männer niemals mit den übrigen Mitgesalbten treffen, geschweige denn beraten), und zwar anhand der Heiligen Schrift, wozu Jesus aufforderte (Joh.14:17, 26; Joh.16:13; Joh.17:17, nur um einige Beispiele zu nennen)

Auch im Gleichnis aus Mat.13:24-30, und 37-43 sagte Jesus, dass das Feld die ganze Welt darstellt, in der überall der Weizen zwischen dem Unkraut - bis zum Ende- wachsen sollte ; die Schnitter sollten dann die Engel werden. Bis dahin versprach Jesus bei allen seinen „Weizen-Halmen" zu sein (Mat.28:20)

Wir sind überzeugt, dass jene, die die Liebe zur Wahrheit bewahrt haben (nicht wegen der Wachtturmgesellschaft, sondern trotz ihr) und die diesen Brief lesen, unsere Entscheidung verstehen, uns nicht mehr mit einer Organisation identifizieren zu wollen, die nicht aufhört den Namen Gottes in Verruf zu bringen. Wir verlassen daher jetzt die Organisation der Zeugen Jehovas mit sofortiger Wirkung. Indem wir weder Jehova noch Jesus Christus verlassen, akzeptieren wir nicht die Definition von Abtrünnigkeit, wie sie die Gesellschaft formuliert.

Den Text aus 2.Joh. 9+10 „Jeder, der vorausdrängt und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht" als auch die daraus resultierende Konsequenz - gem.Vers10 - beziehen wir eher auf die WT-Gesellschaft.

„Aber wohin gehen"? JOH. 6:68=> Matthäus 18:20

Die biblische Antwort ist einfach: Zum Mittler zwischen Gott und Menschen (1.Tim.2:5), der sagte „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich"(Joh.14:6)