Einspruch von William H. Bowen gegen Ausschluss

Liebe Brüder,

ich möchte gegen die Entscheidung, mir die Gemeinschaft zu entziehen, Berufung einlegen. Der Grund: Obwohl ich kategorisch jedes Fehlverhalten bestritten habe, hat das Rechtskomitee in trügerischer Weise gehandelt und ist so zu einem Fehlurteil gekommen. Ich habe keine Sünde gegen Gott oder die Organisation begangen. Das Rechtskomitee hat keine Augenzeugen beigebracht, um seine Anschuldigungen zu untermauern, also liegt nichts gegen mich vor.

Wie Ihr aus dem Briefverkehr der letzten 19 Monate ersehen werdet, habe ich mich bemüht, mich ausführlich mit der Organisation über die Notwendigkeit einer Änderung der Wachtturm-Politik im Falle sexuellen Missbrauchs zu verständigen und eine Entschuldigung und/oder Erklärung für die Sanktionen zu fordern, die die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas gegen mich gerichtet hat. Ich empfinde es als verachtenswert, dass jeder Älteste auf ihre Anweisung hin mit solch böser Handlungsweise kooperiert. Zu Eurer Erinnerung das folgende:

  1. Mir werden in der Versammlung Einschränkungen auferlegt, und zwar ohne eines Fehlverhaltens beschuldigt zu werden, damit die Versammlung den Eindruck erhält, ich hätte in irgendeiner Weise gesündigt.
  2. Wachtturm-Vertreter halten zahlreiche Ansprachen, in den unterstellt wird, ich sei ein Lügner und alle Beschuldigungen über die Mängel der Wachtturm-Politik bezüglich Kindesmissbrauch seien falsch.
  3. Die Wachtturm-Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit verbreitet in den Medien ein Video, in dem mein Vater gezwungen wird, mich gemeinsam mit Earl Norman und J. R. Brown als Lügner zu bezeichnen.
  4. Man verbietet mir Aufgaben in der Theokratischen Predigtdienstschule und lässt mich nicht den Wachtturm lesen, um in der Versammlung den Anschein zu erwecken, ein Rechtskomitee habe mir Zwangsmaßnahmen auferlegt.
  5. Die Versammlung Draffenville wird angewiesen, von Tür zu Tür zu gehen und der Öffentlichkeit zu erzählen, ich sei ein Lügner.
  6. Man verbietet mir, mit der Versammlung im Predigtdienst zu arbeiten.
  7. Die Brüder und Schwestern in meiner Versammlung werden angewiesen, mich wie jemanden zu behandeln, der einen Gemeinschaftsentzug hat.
  8. Trügerische Kommentare den Medien gegenüber, um in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, ich und weitere [Kinderschutz]befürworter hätten „andere“ Sünden gegen Gott begangen. (eine glatte Lüge)
  9. Aufgrund der negativen Bemerkungen von Vertretern der Wachtturm-Führung wird Druck auf Mitzeugen ausgeübt, nicht mehr in meinem Kerzenunternehmen zu arbeiten.
  10. Es wird in trügerischer Weise gesagt, man könne weder den Königreichsdienst, noch persönliche Literaturbestellungen und Zeitschriften finden, wenn ich darum gebeten habe.
  11. Älteste informieren mich, ich sei bei den Zusammenkünften nicht willkommen.
  12. Der Kinderschänder in unserer Versammlung wird unterstützt, indem ihm Vorrechte in der Versammlung übertragen werden.
  13. Ich habe zahlreiche schriftliche Hilfeersuchen gestellt, die obigen Probleme zu lösen, aber die leitende Körperschaft hat Euch angewiesen, meinen Hilfeschrei zu ignorieren.

Wie Ihr wohl wisst, gründe ich meine Bemerkungen auf Dinge, mit denen ich selbst zu tun hatte, das heißt, auf Handlungen, die ich mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört habe. Wenn Ihr zufällig Dateline und BBC Panorama gesehen habt, könnt Ihr natürlich im landesweiten Fernsehen den Wahrheitsgehalt meiner Erklärungen erkennen, die durch Tatsachenbeweise der Missbrauchsüberlebenden selbst gestützt werden. Wenn diese Programme voller Lügen waren, wie die Wachtturm-Gesellschaft viele Brüder und Schwestern informiert hat, warum hat sie dann diese Programme nicht verklagt, um ihren guten Ruf zu schützen? Jeff Steen weiß sehr wohl, dass das, was ich über unsere Versammlung gesagt habe, wahr ist, denn er hat an der Untersuchung wie auch bei den Unterredungen per Telefon mit der Dienstabteilung teilgenommen. Und doch sitzt er in einem Rechtskomitee, um mir die Gemeinschaft zu entziehen? Als was für eine Art „geistiger Mensch“ erweist er sich da?

Damit ein Urteil vor einem Gericht fair und unparteiisch ist, müssen gewisse Verfahrensvorschriften eingehalten werden. Für ein Gericht der Zeugen Jehovas werden die Verfahrensvorschriften in dem Ältestenbuch „Gebt acht auf euch selbst und auf die ganze Herde“ umrissen. Indem das Rechtskomitee den Anweisungen der leitenden Körperschaft folgte, hat es sich im Verlauf meiner Verhandlung nicht an die schriftlichen Leitregeln gehalten; daher war das Urteil unfair und parteiisch. Dazu folgende Beispiele:

  1. Es wird eine Verhandlung schriftlich anberaumt und das Rechtskomitee lässt sich nicht blicken.
  2. Man weigert sich, Antworten auf klärende Fragen für die Verhandlung zu geben, indem man den ganzen Schriftverkehr ignoriert.
  3. Man bringt keine Augenzeugen bei, um mein Bestreiten jeglichen Fehlverhaltens zu widerlegen.
  4. Man hält eine geheime Rechtsverhandlung ab, ohne mich zu informieren.
  5. Man ignoriert ohne Mitteilung eine zweite „schriftlich anberaumte“ Verhandlung.
  6. Ich werde wiederholt schikaniert, indem man meine respektvolle Bitte ignoriert, den ganzen Schriftverkehr über meinen Anwalt laufen zu lassen.
  7. In den letzten Verhandlungen werden die Anschuldigungen gegen mich nicht beschrieben.
  8. Der Vorsitzende bringt keinen Schriftverkehr mit dem Beklagten vor, wie in dem „Herde“-Buch vorgeschrieben.
  9. Durch die Handlungsweise des Komitees hat man mir das Recht vorenthalten, meine eigenen „Zeugen“ beizubringen.
  10. Das Komitee hat keine „passenden“ und „geeigneten“ Vorkehrungen für die Zeit der Verhandlung getroffen, indem es auf Täuschung und kurzzeitige Benachrichtigung zurückgriff.

Ich glaube, diese Handlungen, jede Verfahrensvorschrift für dieses „Femegericht“ zu ignorieren, geschahen auf persönliche Anweisung der leitenden Körperschaft, um den Ruf nach angemessenen Taten zugunsten der Kinder zu unterdrücken. Das örtliche Rechtskomitee hat nicht im Sinne der Gerechtigkeit gehandelt, sondern das waren Männer ohne Moral oder Ethik, die einfach den Befehlen gehorchen. Das wäre einer Bloßstellung von Kinderschändern in der Versammlung gleich, wenn sie nur auf Anweisung der leitenden Körperschaft zustande kommt.

Als diese Dinge begannen, hegte ich die Hoffnung, aufrichtige Männer würden aufstehen, um die Kinder in unserer Organisation zu schützen. Ich habe gehofft, einige solcher Männer wären in der leitenden Körperschaft zu finden, die aufstehen und eine Politik stoppen würde, die zulässt, dass Kinder vergewaltigt werden. Im Verlauf der vergangenen neunzehn Monate hat die leitende Körperschaft, anstatt sich als aufrecht zu zeigen, Taten begangen, die sie als böse ausweisen.

In der Veranschaulichung vom „treuen und verständigen Sklaven“ ist es interessant, die Bemerkung in Lukas 12:43-45 zu beachten:

Glücklich ist jener Sklave, wenn ihn sein Herr bei der Ankunft so tuend findet. 44. Ich sage euch in Wahrheit: Er wird ihn über seine ganze Habe setzen. 45. Wenn aber jener Sklave in seinem Herzen je sagen sollte: ‚Mein Her verzögert sein Kommen’ und anfangen sollte, die Knechte und die Mägde zu schlagen und zu essen und zu trinken und trunken zu werden ...

Ihr seht also, Brüder, in der Veranschaulichung ist der „Sklave“ jemand, der eine Wahl hat, nämlich gut oder böse zu sein. Die leitende Körperschaft als ernannter Führer des treuen und verständigen Sklaven hat Taten eingeführt, durch die die Kinder in dieser Organisation „geschlagen“ werden. Wenn jemand darüber redet, dann wird er mit der Drohung und Durchführung eines Gemeinschaftsentzuges als Mittel, angemessene Taten zugunsten der Kinder zu unterdrücken, „geschlagen“. „Jener Sklave“ ist „böse“ geworden, denn es werden Kinder verletzt. Seit 1992 ist die leitende Körperschaft ganz klar durch ein Schreiben an jedes Mitglied informiert, dass Kinder vergewaltigt werden, weil durch die Wachtturm-Politik fahrlässig gehandelt wird. Mit großer Bosheit und 23.000 Kinderschänder später hat sie sich bis heute geweigert, etwas zu unternehmen. Mein Brief vom Juni an das Dienstkomitee forderte dafür in Übereinstimmung mit theokratischen Richtlinien innerhalb der Vorkehrungen der Organisation am 27. September eine Lösung. Das Ergebnis? Die leitende Körperschaft ernennt ein Rechtskomitee, um mir gegen jede Verfahrensvorschrift die Gemeinschaft zu entziehen. Glaubt Ihr wirklich, Ihr könntet Jehovas Geist haben und den Befehlen böser Männer folgen? Wenn ich hierin Unrecht habe, dann, Brüder, lade ich Euch ein, das Gegenteil zu beweisen.

Bis heute ist dieses Verfahren völlig parteiisch, unfair, betrügerisch und ungerecht gewesen. Werdet Ihr als Berufungskomitee für Gerechtigkeit einstehen? Ich erwarte Eure Mitteilung, wann eine Verhandlung stattfindet. Ich fordere auch genügend Zeit, um Augenzeugen beizubringen, und bin mit jedem Zeugen einverstanden, der gegen mich aussagen mag. Bitte seht für die Verhandlung ein Wochenende vor und gebt deutlich die Zeit dafür an – schriftlich an meinen Anwalt.

Hochachtungsvoll

William H. Bowen