Ein französischer Zeuge wurde ein Freund der Wahrheit - und zog Konsequenzen

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Da viele mich gefragt haben, warum ich mit meinen Kindern immer seltener zum Königreichssaal komme, möchte ich Ihnen diesen Brief schreiben, um zunächst jedem zu sagen, daß ich Jehova und Jesus Christus immer so liebe wie die ganze Gemeinschaft der Brüder und Schwestern, aber daß ich auch meine Haltung erklären möchte, jedem zu erlauben, sich selbst zu beurteilen.

Im Buch Die Wahrheit, die zum ewigen Leben führt wird auf Seite 11 gesagt:

Da wir nicht wollen, daß unser Gottesdienst vergeblich sei, hat jeder von uns Interesse, seine Religion zu prüfen ... Sind ihre Lehren in voller Übereinstimmung mit dem Worte Gottes, oder haben sie die Tradition der Menschen zur Grundlage? Wenn wir Freunde der Wahrheit sind, dürfen wir uns nicht scheuen, unsere Religion so zu überprüfen.

Während der letzten Monate habe ich mich daher daran gemacht, meine Religion entsprechend den biblischen Ermahnungen zu überprüfen: "Prüft alles!" (1 Thess 5,21), "Urteilt selbst" (1 Kor 10, 15), "der Leser begreife" (Mt 24, 15). Dies sind einige Fakten, die ich durch eine solche ehrliche Überprüfung entdeckt habe und die ich Ihnen nun mitteilen will:

1) Die Vorhersagen der Gesellschaft:

Meine Jugend verging in der Erwartung des Weltendes für das Jahr 1975 und im Verbreiten der Veröffentlichungen der Gesellschaft, die dieses Datum enthielten, das sich nun als falsch herausstellte. In den selben Veröffentlichungen wurde nicht aufgehört zu bekräftigen, die Generation von 1914 würde noch das Ende sehen, was man erst vor einigen Jahren fallen ließ. 1918 hatte man angekündigt: Millionen jetzt Lebender würden nie sterben. Sie werden alle sterben! Da ich Zugriff zu alten Veröffentlichungen hatte, machte ich die folgenden Entdeckungen:

  • Der Beginn der letzten Tage war 1799, 1874, 1910, 1914.
  • Das Ende der letzten Tage war 1914, 1925, um 1975.
  • Jesus regiert als König seit 1878, 1914.
  • Harmagedon sollte 1874, 1914, 1920, 1925, um 1975 beginnen.
  • Das Ende von 6000 Jahren Menschheitsgeschichte war 1972, 1874, 1975.
  • Die Auferstehung der Gesalbten war 1878, 1918.
  • Die Auferstehung von Abraham, David, Daniel usw. war für 1925 vorgesehen.

Eine ehrliche und aufrichtige Überprüfung enthüllt also, daß die Wachtturmgesellschaft weltweit zahlreiche falsche Vorhersagen verbreiten ließ! Dies ist der Grund, warum ich heute die Ankündigung Jesu bei Lk 21,8 in einem anderen Licht sehe: "Gebt acht, daß man euch nicht irreführt. Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen ... 'Die Zeit ist nahe'. Lauft ihnen nicht nach". Der zweite von Russell verfaßte Band trägt genau diesen Namen: "Die Zeit ist nahe" und er enthält eine große Anzahl falscher Prophezeiungen. In Dtn 18, 21-22 sagt uns Jehova selbst "Und wenn du in deinem Herzen sprichst: 'Woran können wir ein Wort erkennen, das Jehova nicht gesprochen hat? ... Wenn ein Prophet im Namen Jehovas spricht und sein Wort sich nicht erfüllt und nicht eintrifft, dann ist es ein Wort, das Jehova nicht gesprochen hat. Der Prophet hat sich nur angemaßt, es zu sprechen. Du sollst dich dadurch nicht aus der Fassung bringen lassen". Später hat der Apostel Johannes es für notwendig erachtet, uns zu warnen, indem er schrieb: "Liebe Brüder, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen." (1 Joh 4,1).

Als ich diese Dinge entdeckte, versuchte ich, die Gesellschaft zu entschuldigen, indem ich mir sagte, daß sie guten Willens gewesen sei und die Fehler durch menschliche Unzulänglichkeit erklärt werden könnten, bis ich neuerdings schockierende Tatsachen entdeckte, betreffend die Bekräftigungen der Gesellschaft über das Jahr 1914. Vor etwa 20 Jahren lieferte Carl Olof Jonson, ein Pionier und Ältester in Schweden, biblische, historische, archäologische und astronomische Beweise, die zeigen, daß das Jahr 1914 jeder prophetischen Bedeutung entblößt ist. (Es ist also nicht erstaunlich, daß "die Generation von 1914" vorüberging, ohne daß das Ende gekommen ist!) Nicht nur hat Russell dieses Datum vom Adventisten Barbour übernommen, sondern die Adventisten haben dieses Datum schon lange fallen gelassen, weil die Basis der Berechnung der 7 Zeiten falsch ist (606, dann 607 v. Chr. wurde als das Datum der Zerstörung von Jerusalem verwendet, die tatsächlich 587 v. Chr. stattfand. Mit Hilfe der Bibel ist es leicht, dieses Datum zu berechnen. Im Jahre 517 v.Chr., im 4. Jahr des Darius [siehe Sach 7, 1-5] sagt Jehova selbst, daß nach der Zerstörung von Jerusalem und seines Tempels die Juden seit 70 Jahren gefastet haben. Um das Datum dieser Zerstörung von Jerusalem und seines Tempels zu finden, genügt es also, vom Jahre 517 v. Chr. 70 Jahre zurückzugehen. Da 517+70=587, ist das Datum der Zerstörung des Tempels und der Stadt in den Tagen des Nebukadnezzar 587 v. Chr, ein Datum, das man in allen Enzyklopädien, in allen Lexika und historischen Büchern usw. findet. Wenn man die "7 Zeiten" gemäß der Interpretation der Gesellschaft dazu zählt, erhält man das Jahr 1934! Das wahre Zeichen, das Jesus für seine Ankunft angekündigt hat, ist bei Mt 24.30 beschrieben: "Danach wird das Zeichen des Menschensohnes am Himmel [nicht auf der Erde] erscheinen; dann werden alle Völker der Erde jammern und klagen, und sie werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen". Kriege, Epidemien, Hungersnöte und Erdbeben, welche die Gesellschaft als "Zeichen" interpretiert, sind nach den eigenen Worten Jesu Dinge, die sich lange durch die Jahrhunderte hindurch ereignen und über welche die Jünger sich nicht beunruhigen sollen. In den vergangenen Jahrhunderten haben z.B. Hungersnöte und Epidemien weit mehr Opfer gefordert als im 20. Jahrhundert, was wir schon in der Volksschule gelernt haben. Seitdem es Impfungen und Serums gibt, stehen wir einer wahrhaftigen "demographischen Explosion" gegenüber. Wenn die Gesellschaft mit "ihrem" Zeichen Recht hat, müßte da die Weltbevölkerung am Ende des 20. Jahrhunderts nicht eher dezimiert sein? Außerdem gibt es nicht mehr Erdbeben als in den vergangenen Jahrhunderten, wie es aus den genauen Statistiken der seismologischen Institute hervorgeht! Bruder Jonson wurde ausgeschlossen und dann als Apostat bezeichnet. Die Gesellschaft weiß mit Sicherheit seit mindestens 20 Jahren, daß ihre Erklärungen über 1914 falsch sind, sie kann daher wegen der fortgesetzten Verbreitung des Fehlers über 1914 nicht entschuldigt werden! Ein Mitglied der Leitenden Körperschaft hat sogar in dieser Zeit aus Gewissensgründen Bethel verlassen und eine gute Zahl anderer Brüder und Schwestern haben das selbe getan!

Die Gesellschaft hat sich immer bemüht, den wichtigen und gefährlichen Charakter ihrer falschen Vorhersagen herunterzuspielen, indem sie sogar soweit ging, zu behaupten, das es "das Volk Jehovas" gewesen sei, das gedacht hätte, daß ... Im Gegenteil, die Weigerung, eine ihrer falschen Vorhersagen zu akzeptieren, war eine so schwere Sünde, daß sie den Ausschluß dessen rechtfertigte, der das nicht annehmen wollte und konnte, was falsch war!

Schlußfolgerung für 1):

Statt den Namen Jehovas zu heiligen und zu ehren, haben wir immer von Neuem Schande über seinen heiligen Namen gebracht, indem wir zahllose falsche Vorhersagen der Gesellschaft verbreiteten. Es ist unser Fehler, wenn der Name Jehovas unter den Nationen lächerlich gemacht wurde!

2) Die Frage der Neutralität:

Die Leute haben niemals verstanden, warum die Zeugen Jehovas den Zivildienst verweigerten, z B. in einem Krankenhaus oder in einem Altersheim zu dienen, statt den Militärdienst zu absolvieren. Das ist nicht erstaunlich, weil die Brüder selbst den Grund nicht verstanden. Es war ganz einfach eine Entscheidung der Leitenden Körperschaft und alle mußten gehorchen. Entsprechend dem Wachtturm vom 1. Mai 1996 ist der Zivildienst nicht nur erlaubt, er ist jetzt sogar biblisch begründet! In Frankreich gingen einige Brüder deshalb nutzlos für zehn oder mehr Jahre ins Gefängnis. Statt sich zu entschuldigen und zu erkennen, daß man sich geirrt hatte, schreibt die Leitende Körperschaft: "Was darf der Staat beanspruchen, ohne in die Rechte Gottes einzugreifen? Einige haben gemeint, sie dürften dem Cäsar rechtmäßigerweise nichts anderes geben als Geld in Form von Steuern. Ihm zu geben, was immer auch an Zeit gefordert wird, die sie für theokratische Aktivitäten verwenden hätten können, hätte ihnen Unwohlsein verursacht" (Seite 17). Die Formulierung "einige haben gemeint" erzeugt den Eindruck, daß es nur "einige" waren, die den Zivildienst verweigerten und von sich aus meinten, man müsse so handeln. In Wirklichkeit mußten "alle" so denken und handeln, sonst wären sie als Ausgeschlossene betrachtet worden. Hunderttausende junge Brüder auf der ganzen Welt gingen so jahrelang nutzlos ins Gefängnis. Viele haben ihre körperliche und psychische Gesundheit verloren und alle, einschließlich ihrer Familie und ihrer Freunde, haben wegen dieser Umstände enorm gelitten. Nicht einmal ein Wort der Entschuldigung der Leitenden Körperschaft: "Das Licht ist größer geworden", sagt man einfach! Also wußten die Brüder in der Leitenden Körperschaft schon seit zwanzig Jahren, daß der Zivildienst von der Bibel erlaubt war! Ihre Mitglieder, die mit Mehrheit für das richtige Bibelverständnis gestimmt hatten, konnten sich nicht mit einer 2/3-Mehrheit einigen, die für eine Änderung notwendig gewesen wäre. Daher sind die Brüder ungefähr 20 Jahre lang weiterhin nutzlos wegen einer einzigen fehlenden Stimme ins Gefängnis gegangen

Schlußfolgerung für 2):

Zahllose Brüder wurden ungerecht als Ausgeschlossene betrachtet, weil ihr Gewissen ihnen erlaubte, Zivildienst zu leisten, den die Bibel erlaubt. Der Name Jehovas, den wir heiligen und ehren wollen, wurde in der Presse und in der Öffentlichkeit mit Verachtung behandelt, weil blinde Führer die Blinden geführt haben.

3) Die Blutfrage:

Es ist wahr, daß die Bibel ein Verbot enthält, sich von Blut zu ernähren. Aber wie erklärt man einem Mediziner z.B., daß die Zeugen Jehovas keine Bluttransfusion empfangen dürfen, daß sie aber das Recht haben, Albumin zur Behandlung von Verbrennungen zu verwenden, Immunoglobuline für Impfungen und Serums und den Koagulierungs-Faktor VIII für die Bluter, um Leben zu retten, wenn diese drei Bestandteile 8% des Plasmas bilden, während die restlichen 92 % nur Wasser sind. Aus welchem biblischen Prinzip erlaubt die Leitende Körperschaft 8% der Blutbestandteile und verbietet 92% Wasser? Außerdem verbietet die Gesellschaft eine Bluttransfusion von einem halben Liter für ein Baby oder von mehr für einen Erwachsenen, während sie 12 bis 15 Liter Blut erlaubt, um genügend Albumin zu extrahieren, um einen große Verbrennung zu heilen, und etwa 100.000 Liter Blut, um genügend Koagulierungs-Faktor VIII zu extrahieren, um einen einzigen Bluter während seines ganzen Lebens zu versorgen! (Eine Erzeugung von Faktor VIII auf der Basis von menschlichem Plasma benötigt bis zu 5000 verschiedene Spender. Erwachet! 22. April 1986, Seite 5). Warum erinnert die Gesellschaft nicht in diesem Fall an das biblische Verbot, das den Juden erteilt wurde, das Blut aufzubewahren, sondern es auf den Boden zu gießen? Das Blut sollte vergossen werden, wenn ein Tier getötet wurde, um gegessen zu werden. Wie die Gesellschaft sagt, kehrt das Blut - das Leben - zu Gott zurück. Aber im Falle eines Blutspenders wird niemand getötet! Kein Leben wird genommen, im Gegenteil, man will Leben retten! Warum also sollte man das Blut des Spenders auf dem Boden vergießen, um Gott ein Leben zurückzugeben, das nicht genommen wurde? Die Gesellschaft sagt mit Recht in Erwachet! vom 22. Oktober 1990 auf Seite 9: "Eine Bluttransfusion ist eine Organtransplantation". Sie erlaubt jedoch die Transplantation von Organen, warum erlaubt sie nicht die "Transplantation" des flüssigen Gewebes, das Blut genannt wird? Weil es verboten ist, Blut zu essen? Ißt man denn Blut, wenn man eine Bluttransfusion empfängt oder wenn man sich Blutbestandteile wie Albumin, Immunoglobuline oder Koagulierungs-Faktoren injizieren läßt? Das Blut und seine Bestandteile werden nur im Verdauungstrakt verdaut!

Schlußfolgerung für 3):

Früher hat die Gesellschaft Organtransplantationen unter dem Vorwand verboten, es handle sich um Kannibalismus, dann hat sie sie erlaubt. Sie hat das selbe für Impfungen und Serums getan. Wieviele Leute sind in der Zeit des Verbotes nutzlos gestorben? Seit den Vierzigerjahren verbietet die Gesellschaft Bluttransfusionen unter dem Vorwand, es sei der Wille Gottes! Wieviele sind in dieser Zeit gestorben? Es ist nicht erstaunlich, daß die Zeugen Jehovas zur Kategorie der okkulten gefährlichen Sekten gezählt werden, welche Menschenopfer darbringen! Wir, die wir den Namen Jehovas ehren und heiligen wollen! Keine Lehre der Wachtturmgesellschaft hat dem Namen Jehovas jemals solche Schande gemacht wie das Verbot der Bluttransfusion!

4) Der Sklave oder der Verwalter:

Das Gleichnis vom "Sklaven" ist ein Gleichnis unter vielen anderen wie das von den Talenten, den Jungfrauen, den Schafen usw. Nie ist es von den Aposteln oder von anderen in der Apostelgeschichte erwähnt worden, um ihre Macht oder Autorität als authentisch zu legitimieren und anzuerkennen. Dieses Gleichnis ist dort kein einziges Mal erwähnt, auch nicht in den inspirierten Briefen oder in der Offenbarung. (Eine solche Abwesenheit ist im Wachtturm eher selten!)

Als Jesus im Begriff war, seine Jünger zu verlassen, sagte er ihnen nicht: "Ich sende auch den treuen und verständigen Sklaven. Er wird euch lehren und euch in allen Dingen leiten". Nein, er sagte vielmehr: "Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe" (Joh 14, 26). Ein wenig später wiederholte er: "Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird." (Joh 16, 13). Für die ersten Christen war es daher der Heilige Geist, der die Rolle des Führers, des Beistands und des Lehrers spielte, der nicht aus seinem eigenen Antrieb sprach. Russell selbst sah im Gleichnis vom Sklaven nur ein ..... Gleichnis, das er auf die Christen anwandte, die. entsprechend ihrem Verhalten sich schließlich als "treu und verständig" oder als "böse" erweisen würden. Erst nach einigen Jahrzehnten wurde dieses Gleichnis zum ersten Mal im Sinne von "Organisation" von Russells Frau benützt, die zu ihrem Mann sagte: "Ich glaube, der Sklave bist du". Russell akzeptierte und veröffentlichte diesen Gedanken. Auf die ablehnende Reaktion zahlreicher Leser des Wachtturms hinauf schrieb er: "Meine Freunde sagen, der Sklave sei ich. Meine Feinde sagen, alle Christen seien es". Später, zur Zeit Rutherfords, wurde um dieses Gleichnis eine wahrhaftige Doktrin der Organisation gestrickt. Man fügte auch den Ausdruck "Leitende Körperschaft" hinzu, indem man sich auf das Konzil zu Jerusalem im Jahre 49 gemäß Apg 15 berief. Nach dem Bekenntnis der Gesellschaft selbst handelte es sich dabei um einen Sonderfall und man mußte bis zur zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts warten, um zu sehen, daß solche religiöse Konzilien unter den christlichen Abtrünnigen zur ständigen Praxis wurden, Konzilien, deren Zweck es war, das verpflichtende Glaubensbekenntnis für die Gläubigen regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen.

Die kolossalen Fehler, die von den Mitgliedern der Leitenden Körperschaft begangen werden, weil es Lehren gibt, die man nicht direkt in der Bibel findet, haben manchmal katastrophale Auswirkungen auf die Brüder gehabt, wie ich es bezüglich der falschen Vorhersagen, der Neutralität und des Blutes dargelegt habe. Sie haben oft Verfolgung, den Verlust der Freiheit, der Gesundheit und sogar des Lebens zur Folge gehabt. (Zum Vergleich, welche direkten Schäden haben die Völker der Christenheit dadurch erlitten, daß sie an die Dreifaltigkeit, die Unsterblichkeit der Seele oder die Unfehlbarkeit des Papstes glaubten?) Die Gesellschaft rechtfertigt alle Änderungen ihrer Lehre mit dem Text aus den Sprichwörtern 4,18 die besagen, daß das Licht zunimmt. Das erinnert mich an die Lehre über die "höheren Autoritäten" aus Röm 13. Bis in die Sechzigerjahre lehrte die Gesellschaft, es handle sich um Jehova und Jesus Christus, während alle anderen Religionen der Christenheit sagten, es seien die Regierungen. Wir waren die einzigen, die in der Dunkelheit waren. Dann, 1962, wurde das Licht größer! Denn seit Russell bis 1929 hatten wir das richtige Verständnis. Daher zuerst das Licht, dann die Finsternis, dann von neuem das Licht. Man findet kein vergleichbares Beispiel in der Bibel und es ist undenkbar, daß ein wahrhafter Verkünder des Wortes Gottes eine solche Verwirrung verursachen könnte!

Schlußfolgerung für 4):

Heute üben die Leiter der Gesellschaft eine absolute Kontrolle über Millionen von Zeugen Jehovas aus. Die Devise "Jehova und seine Organisation" ist eine tendenziöse Interpretation des Gleichnisses vom Sklaven, die ihnen erlaubt, eine mißbräuchliche Autorität auszuüben und so von der Gutgläubigkeit derer zu profitieren, die ihnen blind folgen. Was die Organisation sagt, ist das, was Jehova sagt! Sie ist zu einem wahrhaftigen Kult des Sklaven geworden, der, wie im Beispiel des bösen Sklaven, sich für den Meister hält (Mt. 24, 45-51).

Meine Untersuchungen haben nicht nur diese vier Punkte ergeben. Historisch gesprochen glaube ich, daß die Bewegung gegen 1870 sehr gut begonnen hat und daß Russell und seine Freunde treue Sucher der Wahrheit waren. Aber diese Bewegung ist dabei, schlimm zu enden, denn die Christliche Vereinigung der "Zeugen Jehovas" ist eine Religion wie die anderen im Schoß der Christenheit geworden. Hier sind einige Fakten, die dies beweisen:

  • Ganz so wie die Religionen der Christenheit, die ihre Lehren und Traditionen von einem Land zum anderen ändern, hat die Gesellschaft in Bulgarien einen Kompromiß geschlossen, der anderswo undenkbar gewesen wäre. Die Informationsnote Nr. 148 über die 276. Sitzung der europäischen Kommission der Menschenrechte, Seite 2 vom 14. Mai 1996, sagt unter Christliche Vereinigung der "Zeugen Jehovas" ... Bulgarische Republik Nr. 28626/95: "Die Sache betrifft die Abweisung der Registrierung der antragstellenden Vereinigung gemäß dem Gesetz von 1994 und die Maßnahmen, die ergriffen wurden, um ihre Aktivitäten und die ihrer Mitglieder zu beenden. Zur Bereinigung der Angelegenheit hat die Regierung akzeptiert, so bald wie möglich eine vorausschauende Gesetzgebung für solche einzurichten, die sich aus Gewissensgründen weigern, zu einem Zivildienst, der den Militärdienst ersetzen soll, und die antragstellende Vereinigung als Religion zu registrieren. Die antragstellende Vereinigung hat sich bereit erklärt, soweit es ihren Standpunkt zur Bluttransfusion betrifft, in ihre Statuten eine Erklärung einzufügen, die ihren Mitgliedern die freie Wahl bezüglich der Mittel gestattet, die sie selbst und ihre Kinder betreffen, ohne irgend eine Überwachung oder Sanktion von seiten der Vereinigung". Das spricht für sich!
  • In Frankreich können die Brüder jetzt wählen und an politischen Wahlen teilnehmen (mündliche !!! Mitteilung im Königreichssaal). In anderen Ländern wird, wie früher in Frankreich, der, der das tut, als Ausgeschlossener betrachtet. Was soll ein französischer Zeuge Jehovas tun, der in einem anderen Land wohnt und seine Wahlkarte von seinem Konsulat ausgestellt bekommt? Kann er an den Wahlen teilnehmen, obwohl in dem Land, in dem er wohnt, die Gesellschaft den Brüder das Wählen nicht erlaubt hat? Riskiert er dann nicht, als Ausgeschlossener behandelt zu werden? Wird nicht außerdem ein französischer Bruder oder ein Bruder irgend einer anderen Nationalität, der im Ausland wohnt und über die "neue Wahrheit", die auf französischem Territorium mündlich verbreitet wurde, nicht im Bilde ist, gegen das Prinzip von 1 Kor 1,10 sündigen: "Ich ermahne euch aber, Brüder, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn: Seid alle einmütig und duldet keine Spaltungen unter euch; seid ganz eines Sinnes und einer Meinung"? Sind wir nicht sehr tief gefallen!
  • Der Personenkult zur Zeit Russells und Rutherfords wurden durch den Kult der Organisation ersetzt. Der Wachtturm vom 15.1.1993 sagt bezüglich der Idolatrie: " ... das ist die Verehrung, die Liebe, der Kult oder die Anbetung eines Idols. Und was ist ein Idol? Es ist ein Bild, eine Darstellung oder ein Symbol, das Gegenstand einer Verehrung ist. Gewöhnlich ist die Idolatrie an eine Macht gerichtet, die man, berechtigt oder nicht, als eine höhere betrachtet ...(ein Mensch, ein Tier oder eine Organisation)"
  • Der Mißbrauch des Ausschlusses und die "Hexenjagd"... (betreffend jene, die nicht 100%ig mit der augenblicklichen Lehre der Leitenden Körperschaft übereinstimmen) erinnern an die Methoden der Inquisition (Untersuchung, strenge Überprüfung vermischt mit Willkür, die verborgene Gedanken zu entdecken sucht - Larousse).

In Erwachet! vom 8.9.1967, Seite 10-11, wird der Leser ermuntert, zu handeln, nachdem er eine ehrliche Überprüfung seiner Religion vorgenommen hat: "Wenn ihr, nachdem ihr euch einer ehrliche Überprüfung unterzogen habt, nicht damit zufrieden seid, was ihr gesehen habt, dann begnügt euch nicht damit, es zu beklagen". Ein Journalist, der den Gedanken analysiert hat ... dem zufolge es die Mitglieder sind, die eine Kirche bilden, hat logischerweise geschlossen: "Die Mitglieder der Kirche (...) sind dafür verantwortlich, was sie sagt und was sie tut." Fragt euch daher: Bin ich bereit, meinen Teil der Verantwortung an allem zu tragen, was meine Kirche sagt und tut?" Ich bin überzeugt, daß jene, die die Liebe zur Wahrheit bewahrt haben (nicht wegen der Wachtturmgesellschaft, sondern trotz ihr) und die diesen Brief lesen, meine Entscheidung verstehen, mich nicht mehr mit einer Organisation identifizieren zu wollen, die nicht aufhört, den Namen Jehovas zu verunehren. Ich verlasse daher jetzt die Organisation der Zeugen Jehovas mit sofortiger Wirkung.

Indem ich weder Jehova noch Jesus Christus verlasse, akzeptiere ich nicht die Definition von Abtrünnigkeit, wie sie die Gesellschaft formuliert hat, und ich betrachte jene, die mich als Abtrünnige qualifizieren, als Verleumder.

"Aber wohin gehen"? Petrus zufolge und für mich ist die Frage vielmehr: "Herr zu wem sollen wir gehen?" (Joh 6, 68). Die biblische Antwort ist einfach: zu Jesus, der selbst gesagt hat: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich" (Joh 14, 6). "Wenn zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind, dann bin ich mitten unter ihnen" (Mt. 18, 20). Für mich ist die Devise nicht mehr "Jehova und seine Organisation", sondern "Jehova und Jesus Christus!" (Joh 17, 3).

Ihm, dem einen weisen Gott, sei Ehre durch Jesus Christus, in alle Ewigkeit. Amen. (Röm 16, 27).