Eric - der große Knall kam im Predigtdienst

xxx, den 27.09.2007
An: Ältestenschaft der Versammlung

Liebe Brüder der Versammlung in xxx,

zu aller erst möchte ich mich bei all denjenigen, die uneigennützig den „Bedrückten Schafen“ helfen, meine Dankbarkeit und meinen Respekt ausdrücken.

Mögt ihr zu denen gehören, über die gesagt wird „Wohlgetan, guter Sklave. Gehe ein in die Freuden des Herrn“. Des Weiteren bin ich froh über die zu großen Teilen gute Erziehung meiner Eltern, welche ich genossen habe. Durch meinen Glauben eignete ich mir auch viele gute Charaktereigenschaften an und verstand, emotionell mit anderen Menschen rücksichtsvoll umzugehen.

Leider kann ich meinen Brief nicht positiv fortsetzen. Nach einem jahrelangen inneren Kampf mit mir selbst habe ich einen Beschluss gefasst und im folgenden möchte ich darauf eingehen, wie es dazu gekommen ist.

Wie kam es dazu:

Mit meiner Taufe damals dachte ich, alles werde besser. Der Grund meiner Entscheidung war nicht Herzenssache (leider), ich tat es der Anerkennung willen, um meinen Eltern, Freunden und der Versammlung eine Freude zu bereiten, damit andere auf mich stolz sein können.

Eine Zeit lang ging dies gut. Es gab Zeiten der Euphorie und der Freude. Ich wähnte mich glücklich. Doch von einem Moment auf den anderen konnte dieses Gefühl umschlagen in eine derartige Leere und Traurigkeit, das ich tiefe Depressionen bekam, die ich bis heute noch nicht vollständig niedergerungen habe. Besonders an Orten wie der Schule war dies so, da hier sehr deutlich wurde, wie anders man doch war.

Glück und Trauer waren also eng verbunden mit Erfolgserlebnissen, gleichgültig wo, und Freunden, die man um sich hatte. Gefühle wie „Inneren Frieden“, „Wahres Glück“, „Geistiges Wohlbefinden“ und ein „Persönliches Verhältnis zu Gott“ blieben mir bis heute völlig fremd und waren nicht mehr als schöne geistige Phrasen und Wortschöpfungen für mich. Ich hatte das Gefühl als wäre ich der einzigste auf der Welt, der dieses Problem hatte, ja ich verfluchte mich dafür. Manchmal saß ich in einer stillen Ecke, in einer Hand ein Taschenmesser und überlegte ob ich mir die Ader aufschneiden sollte, um dem Leiden einfach ein Ende setzen zu können. Gott sei Dank setzte ich dieses Vorhaben nie in die Tat um.

Trotz dieser psychischen Qualen zweifelte ich niemals an meinem Glauben. Ich habe in der Zeit immer mir die Schuld gegeben, was das Problem nur verschlimmerte.

Ich war also kalt, gefühllos und unnahbar geworden. Irgendwie merkte ich dann aber, dass ich etwas in meinem Leben ändern musste. Das erste war natürlich, das ich mich versuchte, in geistiger Hinsicht zu profilieren. Nach außen hin wurde ich eifriger, in Wirklichkeit war das Studium für mich aber immer eine Belastung und Qual, ich tat es nur herzlos aus Pflicht und so wenig wie möglich. Wenn ich in der Versammlung war, fühlte ich mich entfremdet und weit weg, da mehr als eine Begrüßung und Smalltalk nicht möglich war. Seltsamerweise schaffte ich es aber, ein völlig anderes Bild eines reifen, in geistiger Hinsicht fortschreitenden Christen auf die Außenwelt zu projizieren. So wurde ich dann auch Dienstamtgehilfe.

Dienstamtgehilfe zu werden war für meinen Glauben der größte Fehler des Lebens. Es dauerte nicht lange und starke Zweifel in jeglichen Belangen entwickelten sich in mir, welche ich jedoch nur in mir trug. Ein neuer Charakterzug bildete sich heraus: Ich wurde sehr kritisch denkend, egal was es war.

Der Grund der ganzen Entwicklung war wohl, dass man als DA viele Dinge mitbekam, die dem normalen Verkündiger oft verborgen blieben. Es waren eher Kleinigkeiten, Dinge, die man im Einzelnen zur menschlichen Unvollkommenheit zählen konnte. Trotzdem machte mich die schiere Anzahl an „Anklagen“ hilflos und traurig, da ich nichts Aufrichtiges dagegen erwidern konnte und ganz klar diese Problematiken genauso sah.

Vor einem Monat kam dann der große Knall. Im Predigtdienst wurde mir der Vorwurf gemacht, Zeugen Jehovas wären nicht besser als all die anderen Religionen und Sekten. Kindesmissbrauch zum Beispiel wäre ein großes Problem, würde aber in riesigem Maße ignoriert und vertuscht.

Ich war entsetzt. Entsetzt ob dieser ungeheuerlichen Anschuldigung, konnte sie aber nicht mit Fakten widerlegen. So entschloss ich mich, dem ganzen auf den Grund zu gehen.

Ich war bemüht um neutrale Quellen. Die folgenden Stunden meiner Nachforschungen waren abwechselnd geprägt von Gefühlen wie Entsetzen, Ekel und tiefe Traurigkeit. Nie hätte ich für möglich gehalten, dass es in einem Volke Gottes zu zehntausenden gemeldeten Kindesmissbräuchen kommt und die Opfer meist zu Schweigsamkeit gemahnt werden, wenn keine konkreten Zeugen vorhanden waren, um Spaltungen zu vermeiden. Gestützt wird das ganze unter anderem auf 5. Mose 19:15. Ein Volk, welches nachweislich den Segen Jehovas meint zu besitzen, darf nicht solche schrecklich grassierende Unmoral unter sich haben, geschweige denn dulden und die Augen verschließen! Dass dies kein Geschwätz ist, habe ich Wochenlang überprüft. Es sind namhafte Quellen dabei, die Masse an Meldungen, deren Einheitlichkeit und der Kontext des Ganzen macht es mir unmöglich, die Augen vor so etwas zu verschließen oder es gar als plumpe böse Lügen abzutun. (2. Mose 22:22,23). Dazu ist mein Gewissen zu gut geschult!!!

Diese Tatsachen reiften in mir bereits zu der Erkenntnis, dass es Menschenwerk ist, dem wir folgen und der Segen Jehovas weit von uns entfernt ist. Leider war dies noch nicht alles, ich musste weitere Verstrickungen und Widersprüche entdecken.

Weitere Gründe:

„…und wegen der zunehmenden Gesetzlosigkeit wird die Liebe der meisten erkalten“ (Matthäus 24:11). Leider ist genau diese Tendenz auch in den Versammlungen der Zeugen Jehovas zu erkennen. Liebe ist für viele nur ein Wort, das sie gern überstrapazieren, echtes Persönliches Interesse wird allerdings von wenigen gezeigt. Ich kann in einem vollen Königreichssaal stehen … und fühle mich dennoch einsam. Gemäß der Bibel ist der Glaube unnütz, wenn man keine Liebe in sich hat. Freundschaften sind sehr oberflächlich und sind meist nur von theokratischen Dingen geprägt.

In Zusammenhang damit nimmt Pharisäertum und Kleinkariertheit überhand. Menschliche Regeln werden über das einfache, logische Gesetz der Liebe, welches Christus uns gegeben hat, gesetzt. Sinnfreie penible Anweisungen über Dinge, die biblisch nur bedingt oder gar nicht belegbar sind, werden als Anweisungen des treuen und verständigen Sklaven über alles gesetzt. Was tat Jesus? Führte er viele komplizierte Regeln und menschliche Überlieferungen ein? Einzig und allein das Gebot der Liebe und sinnvolle zwischenmenschliche Verhaltensregeln gab er uns.

Zum Thema Liebe eine weitere Ausführung. Ich habe es mehrmals erlebt, das Personen aus einem völlig eigennützigen Beweggrund heiraten. Ein Freund von mir wäre beinahe auf eine Schwester hereingefallen, die ihn nur heiraten wollte, weil sie aus den vier Wänden der Eltern heraus wollte. Wenn man schon in der Versammlung keine Aufrichtigkeit voraussetzen kann, sind wir dann wirklich besser als die Welt?

Eine Persönliche Entfaltung wird verhindert und stattdessen der „Einheitszeuge“ kreiert. Menschen, die kritisch denken oder auch nur mit einen Punkt der Organisation nicht konform gehen, gelten als Zweifler und Unruhestifter. Oft erfolgt der Ausschluss von Vorrechten oder gar der Versammlung. Selbst wenn sich später herausstellt, dass der Zweifler im Recht war, wird dieses Risiko in Kauf genommen. Damit wird das selbstständige Denken wunderbar unterbunden und ein einheitliches diktiert. Ich möchte hierzu eine Verhörung aus dem Jahre 1954 zitieren, zwischen dem Rechtsberater der WTG, Hayden C. Covington, und dem Fragesteller. Grundlage war ein Gerichtsverfahren um den Anspruch auf Status eines Zeugen, der vorsitzführender Aufseher in einer schottischen Versammlung war:

F.: Kommen wir jetzt auf den Kern zurück. Es wurde falsche Prophetie verbreitet?
A.: Ich stimme zu.
F.: Sie mußte von den Zeugen Jehovas akzeptiert werden?
A.: Das ist korrekt.
F.: Wenn ein Glied der Zeugen Jehovas zu dem eigenen Schluß kam, die Prophetie sei falsch, und das auch sagte, wurde er dann üblicherweise ausgeschlossen?
A.: Ja, wenn er das sagte und weiterhin Unruhe verursachte.
...
F.: Einheit um jeden Preis?
A.: Einheit um jeden Preis, weil wir glauben und dessen gewiß sind, daß Jehova Gott unsere Organisation benutzt und ihre leitende Körpeschaft zu ihrer Führung, auch wenn von Zeit zu Zeit Fehler gemacht werden.
F.: Und Einheit aufgrund zwangsweisen Annehmens falscher Prophetie?
A.: Das räume ich ein.

F.: Sie haben die Aussage darüber gehört, daß man 1874 als wesentliches und entscheidendes Datum schließlich für falsch gehalten hat und daß 1925 ein falscher Zeitpunkt war? Was diese zwei Punkte angeht: Allen Zeugen Jehovas zu der Zeit wurde auferlegt, sie als die Wahrheit zu akzeptieren, und zwar uneingeschränkt?
A.: Das ist richtig.

Der Mensch als einzelner ist also in der Organisation der Zeugen Jehovas NICHTS wert. Damit unterscheiden wir uns kein bisschen von der Welt. Anerkennung und Aufmerksamkeit wird immer daran gemessen, ob man getauft ist, „geistige Fortschritte“ macht und den Richtlinien der WTG folgt. Ist man Ausgeschlossen, sind auch alle noch so guten Charakterzüge dieses Menschen verteufelt.

Thema Ausgeschlossene. Jesus sagte:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür der Schafe... Ich bin die Tür; jeder, der durch mich eintritt, wird gerettet werden, und er wird ein- und ausgehen und Weide finden. Johannes 10:7

Außerdem:

Und alle Nationen werden vor ihm versammelt werden, und er wird die Menschen voneinander trennen, so wie ein Hirt die Schafe von den Ziegenböcken trennt. Matthäus 25:32

Gemäß diesen Bibeltexten wurde richtig erkannt, dass es nicht Menschen sein werden, welche die Guten von den Bösen trennen. Seltsamerweise wird bei Ausgeschlossenen eine Ausnahme gemacht. Diese sind „dem Tode geweiht“ und wenn sie nicht bereuen, werden sie in Harmagedon vernichtet. Doch steht klar und deutlich, nur durch Jesus kann man gerettet werden. NICHT eine Organisation ist die Voraussetzung für die Errettung, sondern der Glaube an Christus, Jehova und die Maßstäbe der Bibel. Warum maßt sich die WTG also an, festzulegen, dass nur Zeugen Jehovas gerettet werden?

Arroganz gegenüber dem Rest der Menschheit. Da die Glaubensgemeinschaft meint, die Wahrheit zu haben, verachtet sie alle anderen Glaubensrichtungen. Mit einem abschätzigen Lächeln übernehmen viele Brüder und Schwestern diese Einstellung und reden z.B. über Katholiken und Protestanten als einfältige religiöse Bauerndümpel, die keine Ahnung haben. Dies ist kein christlicher Verhaltenszug und ich verurteile diesen! Hatte nicht Jesus selbst bei Sündern gespeist?

Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels haben Schlafsitze, der Menschensohn aber hat keine Stätte, wo er sein Haupt niederlegen kann. Lukas 8:20

Wie kann dieser Bibeltext mit dem Fakt in Einklang gebracht werden, das die WTG zu einer der reichsten Firmen New Yorks zählt? Wieso besitzt die WTG Unternehmensanteile vieler anderer weltlicher Firmen und macht sich damit zum Teil dieser Welt? Eine Beteiligung zum Beispiel betrifft die RAND CAM Engine Corp. Diese Firma ist Teil des Unternehmenverbundes REGI U.S. Inc, welche offiziell für die US-Army im Rüstungsbereich forscht und produziert.

Mehr und mehr spürt man auch den finanziellen Charakter der Organisation. Jedes Jahresende im November/Dezember, wenn nachweislich die Menschen spendenfreudiger sind, wird im Wachtturm an die Möglichkeit, finanziell freigebig zu sein, erinnert. In Italien wurde jetzt indirekt eine Kirchensteuer eingeführt. Bargeldloses Zahlen, welches noch Jahre zuvor mit etwas Ironie bei den anderen Kirchen beschrieben wurde, wird nun skrupellos auch in den eigenen Reihen als Möglichkeit eingeführt, zu mehr Einnahmen zu kommen.

Nun zu einem anderen sehr weitreichenden Punkt. In der Bibel heisst es: „Wenn der Prophet im Namen Jehovas redet und das Wort trifft nicht ein oder bewahrheitet sich nicht, so ist dieses das Wort, das Jehova nicht geredet hat. Mit Vermessenheit hat der Prophet es geredet. Du sollst vor ihm nicht erschrecken“ (5. Mose 18:22) Es ist bekannt, das es in der Geschichte der Zeugen dutzende von Jahreszahlen gab, wo das Ende der Tage erwartet wurde. Ich denke da an 1914, 1918, 1925, 1941, 1975, 1989. Alle diese Voraussagen waren eindeutig in den Publikationen der Gesellschaft gekennzeichnet als ein Jahr der Erwartung auf die Erlösung, alle diese Voraussagen mussten korrigiert werden. Oft wurde danach argumentiert, dass nicht die Gesellschaft Hoffnungen auf diese Jahreszahl geweckt hatte, sondern diverse Brüder aus den Reihen der Versammlung. Als Beispiel wären hier nur mal 2 Jahreszahlen herauszugreifen: 1925 und 1975.

Im Goldenen Zeitalter vom 15. März 1924 heisst es wie folgt:

Wir erwarten mit voller Gewißheit, daß die jetzige große Drangsal ... im Jahre 1925, etwa im Herbst, ihren furchtbaren Höhepunkt erreicht und alsdann zum endgültigen Abschluß kommen wird ... Wir erwarten mit absoluter Zuverlässigkeit die nach der Drangsal beginnende Auferstehung der gesamten Menschheit.

Stattdessen ist dann im Jahrbuch von 1975, S. 145 zu lesen:

Das Jahr 1925 war für viele Brüder ein trauriges Jahr. ... ihre Hoffnungen waren enttäuscht worden. Sie hatten gehofft, daß einige der ‚alttestamentlichen Überwinder‘ auferstehen würden. Statt dies als eine ‚Wahrscheinlichkeit‘ anzusehen, lasen sie hinein, daß dies mit ‚Sicherheit‘ kommen würde, ...

Wird hier nicht eine schlimme Doppelmoral deutlich? Erst wird eine falsche Voraussage getroffen, um sie dann bei Nichteintreffen auf die falschen Erwartungen von Brüdern zu schieben. Zur Verdeutlichung möchten wir nun auf das Jahr 1975 kommen. Dazu heißt es im Wachtturm vom 15. November 1968, S. 691:

Sollten wir aufgrund dieses Studiums annehmen, daß im Herbst 1975 die Schlacht von Harmagedon vorüber sein und die langersehnte Tausendjahrherrschaft Christi beginnen wird? Vielleicht; ... Der Unterschied mag höchstens einige Wochen oder Monate, keinesfalls Jahre ausmachen. ... Es ist nicht an der Zeit, mit dem Gedanken zu spielen, Jesus habe ja gesagt: „Von jenem Tage und jener Stunde hat niemand Kenntnis, weder die Engel der Himmel noch der Sohn, sondern nur der Vater.“ (Matth. 24:36)

Als Gegenvergleich ziehen wir nun den Wachtturm vom 15. Oktober 1976, Seite 633 heran. Da heißt es:

Falls jemand enttäuscht worden ist, weil er nicht diese Einstellung hatte, sollte er sich jetzt bemühen, seine Ansicht zu ändern, und sollte erkennen, daß nicht das Wort Gottes versagt oder ihn betrogen und enttäuscht hat, sondern daß sein eigenes Verständnis auf falschen Voraussetzungen beruhte. Doch angenommen, du bist einer von denen ... und hast in lobenswerter Weise deine Aufmerksamkeit besonders auf die Dringlichkeit der Zeit gerichtet ... Hast du aber wirklich etwas verloren? Hat dir das wirklich geschadet?“

Die letzten Fragen mussten viele Brüder und Schwestern bitter bejahen. Einige hatten ihren gesamten Besitz verkauft, um die restliche Zeit im Pionierdienst zu stehen. Nun standen sie vor den Ruinen ihrer Existenz aufgrund einer Falschprophetie.

Allein diese zwei Jahreszahlen belegen eindrucksvoll die Doppelmoral und Kehrtwenden der WTG. Wobei sich hier nicht die Bibel widerspricht, sondern einzig und allein der „treue und verständige Sklave“.

Nicht nur die Nicht-Einhaltung der Jahreszahlen ist auf diesen Sachverhalt zutreffend. Immer wieder in der Geschichte der WTG kam es zu weiteren 180-Grad Kehrtwendungen und wurden dann als neues Licht verkauft. Von Rauchen und Kreuz als Religiöses Symbol rede ich gar nicht, es gibt prägnantere Beispiele: Organtransplantationen waren bis 1980 ein Ausschlussgrund. Auch Impfen war bis in den 50er Jahren verpönt, es wurde gar behauptet:

Im Endeffekt ist eine Impfung das unnatürlichste, unhygienischste, barbarischste, schmutzigste, widerlichste und gefährlichste System von Infektion, das bekannt ist. Sein scheußliches Gift befleckt, verdirbt und verschmutzt das Blut der Gesunden und führt zu Geschwüren, Syphilis, Skrofulose, Wundrose, Tuberkulose, Krebs, Tetanus, Wahnsinn und Tod. The Golden Age, 3. Jan 1923, S. 214

Am 28. Januar 2002 ging eine Brief an alle Ältestenschaften heraus, indem eine zehnjährige Assoziierung (1991-2001) der Wachtturm-Gesellschaft mit der UNO gerechtfertigt wurde. Zusammengefasst war darin zu entnehmen, dass diese Registrierung als NGO (Nichtregierungsorganisation) nötig war, um die Bibliothekseinrichtungen der UNO zu nutzen. Angeblich wurden dann die Assoziierungskriterien abgeändert, was die WTG auf Hinweise veranlasste, die Registrierung zurückzuziehen.

Jedoch erhält man auf Anfrage bei der UNO nicht dieselbe Auskunft. Folgender Auszug (Quelle UN DPI, 4. März 2004, http://www.un.org/dpi/ngosection/doc.htm):

In letzter Zeit erhielt die NGO-Sektion zahlreiche Anfragen über die Assoziierung der Watchtower Bible and Tract Society of New York mit der Hauptabteilung Presse und Information (DPI). Diese Organisation ersuchte 1991 um Assoziierung mit dem DPI, was ihr 1992 gewährt wurde. Mit Annahme der Assoziierung erklärte sich die Organisation mit den Erfordernissen zur Assoziierung einverstanden, einschließlich mit der Unterstützung und Achtung der Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen sowie der Verpflichtung und dem Einsatz der Mittel um ihren Unterstützern und einem breiteren Publikum wirkungsvolle Informationsprogramme über UN-Tätigkeiten zugänglich zu machen.

Wieder einmal wird eine gefährliche Doppelzüngigkeit deutlich. Auf der einen Seite werden (u.a. im Wachtturm vom 1. Juni 1991, S. 17) Religionen, die in der UNO vertreten sind, auf schärfste Weise verurteilt. Auf der anderen Seite ist die WTG mit exakt derselben Art und Weise bei der UNO vertreten und hatte (und hat noch?) den gleichen Status inne.

Bluttransfusionen zu vermeiden gehört zu einer der Grundlehren der Zeugen Jehovas. Viele Brüder und Schwestern mussten deshalb schon schwer leiden, manche starben sogar (was Zugegebenerweise nicht immer an der mangelnden Transfusion liegen musste). Umso überraschender also ein Auszug eines Antrages zur Registrierung als Religionsgemeinschaft in Bulgarien:

In Bezug auf die Ablehnung der Bluttransfusion unterbreitet die antragstellende Gemeinschaft, dass es keine religiösen Sanktionen für einen Zeugen Jehovas gibt, der beschließt, eine Bluttransfusion anzunehmen, und dass folglich die Tatsache, dass die religiöse Lehre der Zeugen Jehovas gegen Bluttransfusion ist, nicht als Bedrohung für das öffentliche Gesundheitswesen gelten kann. Christliche Gemeinschaft der Zeugen Jehovas vs. Bulgarien, Council of Europe, 3. Juli 1997, Aktenzeichen 28626/95

Ich denke, dass ich nicht weiter auskommentieren muss, wie gegensätzlich dies mit der Realität übereinstimmt.

Schlussworte

Mein Entschluss steht fest und ich lasse mich davon nicht mehr Abbringen. Ich kann nicht mehr vor den Türen der Menschen stehen und ihnen eine gute Botschaft predigen, an die ich selbst nicht mehr glaube und für mich keine gute Botschaft, sondern eine Botschaft der geistigen Unterdrückung ist. Denn im gesamten Glauben der Zeugen Jehovas lebt man mit der Angst, man könnte Gott nicht Wohlgefallen und wird bestraft.

Ich bin weiterhin ein Mensch, der von der Existenz einer Intelligenz, einem Gott überzeugt ist, auch die Bibel gibt mir bisher keinen Grund, an ihrer Echtheit zu zweifeln. Viele biblische Grundsätze bleiben für mich weiterhin bindend und sind wertvoll für das gesamte Leben, egal welcher Religion man angehört. Auch den Zeugen Jehovas als Person achte ich grundsätzlich hoch, da er aufrichtig nach seiner Überzeugung lebt. Jedoch kann die Leitende Körperschaft anhand ihrer Früchte beim näheren Betrachten keineswegs der treue und verständige Sklave sein!

Gemäß dieser Einsicht möchte ich mit sofortiger Wirkung kein Mitglied der Zeugen Jehovas und auch der Wachtturmgesellschaft und verwandten Organisationen mehr sein.

Ich bitte darum, dass in der nächstmöglichen Versammlung meine Entscheidung bekannt gegeben wird, dass ich aus persönlichen Gründen kein Zeuge Jehovas mehr sein möchte.

Zum Schluss noch ein paar Nachworte. Am schmerzhaftesten wird es sowohl für mich als auch für andere sein, nun gute Freundschaften einfach so abbrechen zu müssen. Gute Freunde halten zusammen, egal was auch passiert. An mir soll es nicht liegen, ich würde nur zu gerne diese mir ans Herz gewachsene Personen weiter um mich haben. Leider macht die Bestimmung der Organisation, dass Abtrünnige zu meiden sind, dem einen Strich durch die Rechnung.

Wie es persönlich mit mir in geistiger Hinsicht weitergeht, möchte ich hier nicht ausführen. Den Glauben an Gott habe ich nicht verloren. Ich werde jedoch nun vorerst davon absehen, mich an irgendeine von Menschen gemachte Institution zu binden.

Bedanken möchte ich mich bei diversen Ältesten, Dienstamtgehilfen und auch normalen Verkündigern, denen andere nicht egal waren, welche auch mal gewagt haben selbst zu denken. Diejenigen, die hinter jedem etwas anderen Gedanken nicht gleich eine Rebellion vermuteten. Vergesst bitte über eure Aufgaben und Vorrechte nicht die Liebe und die Menschen. Öffnet euren Horizont und prüft wie die Beröer das gesamte Spektrum der Wahrheit. Ein Bekannter sagte einmal: Es gibt immer eine Wahrheit hinter der Wahrheit. Wie treffend! In einer Gerichtsverhandlung hört man sich immer beide Seiten an. Ich habe dies letztendlich getan und dies ist nun mein Urteil.

Bedanken möchte ich mich besonders bei meinen Eltern, das sie mich geboren haben, das sie so gewissenhaft und aus aufrichtigem Antrieb bemüht haben, mich zu einem vorbildlichen christlichen Mann erziehen zu lassen. Meine Geschwister, auf die ich trotz gelegentlichen familiären Zwists echt stolz bin! Das ich euch nun damit diese Vorstellung zerstöre, zerbricht mir selbst das Herz. Ich werde immer euer Sohn und Bruder sein, der euch liebt. Doch stellt ihr eine Organisation selbst über die nächsten Verwandten, diese Einstellung kann ich nicht mehr teilen. Ich hoffe wir werden irgendwann wieder ein Verhältnis haben, das von familiärer Liebe zeugt. Das dies nun allen Beteiligten schwer fallen wird, bezweifle ich nicht. Alles Weitere wird sich zeigen.

Schlussendlich möchte ich darum bitten, von Telefonanrufen und (besonders unangemeldeten) Besuchen abzusehen, welche die Absicht haben, mich umzustimmen. Mein Entschluss steht fest. Natürlich würde ich mich über ein ungezwungenes Gespräch sehr freuen, jedoch halte ich dies nicht für realistisch zu erwarten. Damit bin ich am Ende angelangt.

Verbleibend mit lieben Grüßen,

Euer Eric