Strategie nach dem Motto "Keine Fragen - Keine Auskünfte"

Könnte eine Strategie nach dem Motto "Keine Fragen - Keine Auskünfte" die Probleme in Verbindung mit der medizinischen Betreuung von Zeugen Jehovas entschärfen?

RA - Eine Strategie gemäss der Kurzformel "Keine Fragen - Keine Auskünfte" könnte die Probleme bei der kritischen medizinischen Versorgung von Jehovas Zeugen lösen helfen, behauptet Dr. Osamu Muramoto, Mitglied des regionalen Ethikkomitees in Portland, Orgeon, USA. In einem Artikel der Zeitschrift Journal of Medical Ethics behauptet er, dass es eine solche Strategie den Zeugen ermöglichen würde, ihre Doktrin ohne fundamentale Veränderungen zu befolgen, während sie gleichzeitig helfen würde, wirklich autonome Entscheidungen zu treffen und unnötige Todesfälle zu vermeiden.

Dafür, so sagt er, gibt es bei der Aufhebung des Verbot von Oralsex einen Präzedenzfall, bei demeine Strategie nach dem Motto "Keine Fragen - Keine Auskünfte" 1983 in der offiziellen Zeitschrift der Bewegung befürwortet worden war. Er weist auch auf die öffentliche Vereinbarung hin, die 1998 zwischen der Bewegung und der bulgarischen Regierung am europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geschlossen wurde.

Im Hinblick auf die Verweigerung von Bluttransfusionen legt die antragsstellende Vereinigung vor, daß es keine religiösen Sanktionen für einen Zeugen Jehovas gibt, der sich dafür entscheidet, eine Bluttransfusion anzunehmen.

Die Übereinkunft erlaubte Mitgliedern eine freie Wahl, Bluttransfusionen „ohne Kontrolle oder Sanktion von seiten der Vereinigung“ anzunehmen. Einem Zeugen, der sich für eine Transfusion entscheidet, oder der seine Handlungsweise nicht öffentlich bereut, wird normalerweise „die Gemeinschaft entzogen“ (exkommuniziert). Und wie Fallberichte zeigen, wird weiterhin Druck ausgeübt, so sagt Dr. Muramoto, und manche Zeugen revidierten nach den Besuchen durch Kirchenälteste im Krankenhaus ihre frühere Entscheidung.

Die neue Strategie würde nach den Angaben von Dr. Muramoto „die Achtung vor den Privatsphäre des Patienten und die Vertraulichkeit fördern, einige der fundamentalsten Elemente der Autonomie,“ und Elemente, so sagt Dr. Muramoto weiter, die von Ärzten und der Gesellschaft im allgemeinen anerkannt werden. „Wenn nicht die Bemühung der Ärzte, die Vertraulichkeit zu wahren, von den Patienten selbst unterstützt wird, kann die Integrität der Patientenautonomie nicht allein durch den Arzt sichergestellt werden,“ sagt er zum Abschluss.

Donald Ridley, der leitende Rechtsanwalt der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft, widerspricht Dr. Muramoto energisch. Ein Vorschlag wie der von Dr. Muramoto „ermutigt zu einer heuchlerischen Missachtung fundamentaler Lehren der Bibel.“ Zeugen Jehovas würden durch die augenfällige Diskrepanz zwischen öffentlicher und privater Handlungsweise ihre Beziehung zu Gott gefährdet sehen, sagt er.

Die Frage ist nicht, so behauptet Mr. Ridley, ob externe Faktoren die Entscheidung eines Patienten beeinflussen, denn davon gibt es bereits viele, sondern ob ein Patient wirklich den freien Willen hat, um eine Entscheidung zu treffen, gegründet auf Faktoren oder Werte, die ihr/ ihm am wichtigsten erscheinen. Dr. Muramots Argument ignoriert auch den Faktor Gewissen, sagt Mr. Ridley, und auf dieser Basis besässen Zeugen die Freiheit, Ehebruch zu begehen oder sich zu betrinken, Aktivitäten, die die Bibel verurteilt, vorausgesetzt sie würden diese Vorgänge für sich behalten.

Letztendlich steht es Menschen frei, zu tun, was sie wollen, sagt Mr. Ridley, „aber sie können nicht verlangen, dass ihre Gemeinschaft ihre Werte und Regeln aufgibt, um die Vorlieben der einzelnen Mitglieder zu befriedigen.“ Das Recht, diejenigen Mitglieder abzuweisen, die ungehorsam sind, ist ein Recht, das öffentliche oder private Gruppen jeglicher Art ausübten und für das keine Organisation getadelt werden sollte.

Pressemitteilung "Journal of Medical Ethics" vom 7.12.1999 (Übertragung ins Deutsche durch die Vereinigung der Zeugen Jehovas für eine Reform in der Blutfrage)

Pressefreigabe des "Journal of Medical Ethics" vom 7. 2. 1999 zu folgenden Artikeln:

  • "Bioethik der Verweigerung von Blut bei Jehovas Zeugen: Teil 3", Vorschlag einer Strategie nach dem Motto: Keine Fragen - Keine Auskünfte, "Journal of Medical Ethics" 1999;25:4638
  • "Die Verweigerung von Blut bei Jehovas Zeugen: Gehorsam gegenüber der Heiligen Schrift und dem religiösen Gewissen", "Journal of Medical Ethics" 1999;25;46872

Kontakte:

Dr. Osamu Muramoto,
Kaiser Permanente,
Northwest Division,
Portland, Oregon, USA
Tel: 001 503 331 5204
Fax: 001 503 249 5528;
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Donald Ridley,
Legal Department,
Watch Tower Society,
Patterson, New York
Tel: 001 914 306 1000
Fax: 001 914 306 0709;
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