Wachtturm-Gesellschaft geht ins Immobiliengeschäft

In West Palm Beach, im amerikanischen Bundesstaat Florida, hat die WTG ein Sportzentrum in der Größe von 230.000 qm gekauft. Der Preis: 12,2 Millionen Dollar. Das Ziel: ein Baseball-Stadion zum Kongreßsal umbauen und den Rest mit Wohnungen, Läden und Büros bebauen.

Zeugen Jehovas kaufen Sportkomplex

Artikel in der Florida Times Union vom 7. Februar 1997

Wie die Stadt heute bekannt gab, haben die Zeugen Jehovas beschlossen, für knapp 12,2 Millionen Dollar das Municipal Auditorium in West Palm Beach samt dem angeschlossenen Baseball-Trainingszentrum zu kaufen.

Die Wachtturm Bibel- und Traktatgesellschaft, rechtliche Vertreterin der Religionsgemeinschaft, will das 230.000 qm große Areal aufteilen und das dazu gehörende Auditorium mit 6.000 Sitzplätzen für seine Kongresse verwenden. Geplant ist, auf dem restlichen Teil des Anwesens Wohnungen, Läden und Büros zu errichten und diese zu verkaufen oder zu vermieten, teilte Bob Sanders, Rechtsvertreter der Stadt, heute mit.

"Es werden sich weiterhin viele Leute in diesem Areal aufhalten", sagte Sanders, "Sie erwarten 350.000 Menschen pro Jahr. Das ist zum Vorteil des Einkaufszentrums und der Hotels."

"Die Zeugen Jehovas haben schon 12 Kongresse im Jai Alai Fronton von Palm Beach abgehalten und auch dieses Auditorium schon genutzt", erklärte dazu Wachtturm-Kongreßleiter Gerald Grizzle. Er fügte hinzu, daß die Religionsgemeinschaft noch nicht über die endgültige Verwendung des Auditoriums und die Entwicklung des übrigen Geländes entschieden habe.


Kommentar

Daß die WTG steinreich ist und nur ihren Gläubigen gegenüber so tut, als müßte jedes Vorhaben mühsam über Spenden finanziert werden, ist spätestens seit dem Bau der Europa-Zentrale in Selters auch in Deutschland bekannt. Damals legte man ohne mit der Wimper zu zucken einen 2stelligen Millionenbetrag in bar auf den Tisch, um eine nagelneue Rotationspresse zu kaufen. Ein Vorgang, über den die damalige Lieferfirma MAN mehr als erstaunt war.

Jetzt, da mit dem Bücher- und Zeitschriftenvertrieb offenbar nicht mehr das ganz große Geld zu machen ist, wendet man sich eben anderen Geschäftsfeldern zu. Vieles bleibt wahrscheinlich aus gutem Grund im Dunkeln. Aber gelegentlich entdecken aufmerksame Zeitungsleser doch einen Hinweis.

Man hat also ein Areal von gewaltiger Größe gekauft, um einen winzigen Teil davon für Kongresse zu benutzen und den Rest nach einer umfangreichen "Entwicklung" kommerziell zu vermarkten. Warum eine Gesellschaft, die nach außen als Religion auftritt, solche Projekte angeht, läßt sich nur schwer erklären. Es sei denn, man löst sich von der Vorstellung, daß es sich hier in erster Linie um eine Religion handelt.