Hilfe für Sektenaussteiger

Ein Jahr Modellprojekt "Odenwälder Wohnhof" in Leibenstadt
LEIBENSTADT. Ein Jahr besteht das Modellprojekt "Odenwälder Wohnhof" in Leibenstadt mittlerweile. Es ist eine Zuflucht für Sektenaussteiger. Die Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer (SPD) leitete jetzt die erste Mitgliederversammlung des "Odenwälder Wohnhof". Gekommen war auch Landtagsabgeordneter Peter Hauk (CDU).

Leiterin Inge Marie Mamay stellte eine eindrucksvolle Bilanz nach einem Jahr Förderung vor: über 500 Übernachtungen durch Klienten, Familienangehörige und Seminarteilnehmer. Neun Seminare zur Sektenproblematik, Radiointerviews und zahlreiche Zeitungsartikel sogar in Österreich und der Schweiz prägten die Aktivitäten in Leibenstadt.

Der Wohnhof wird seit einem Jahr von Bund, vom Land und einer privaten Stiftung gefördert und ermöglicht so ein professionelles Arbeiten. Zum Mitarbeiterteam gehören neben der Sozialpädagogin Inge Marie Mamay der Arzt und Psychotherapeut Dr. Fahrig, die Sozialarbeiterin Iris Trabold-Otterbach und die ehemalige Dekanatssekretärin von Adelsheim, Rosemarie Knoth.

Der Wohnhof erhielt im letzten Jahr viele Anfragen von Menschen aus dem In- und Ausland, die signalisierten, dass sie sich in Gefahr befinden und Angst hätten, so zum Beispiel eine 52-jährige Satanistin, die aussteigen möchte. Das Wissen um die Existenz des "Odenwälder Wohnhofs" ist für viele Aussteiger eine Hilfe auf ihrem schweren Weg zurück in die Gesellschaft.

Der Wohnhof ist auch zum Treffpunkt des Netzwerks Südwest geworden, einem Zusammenschluss von Selbsthilfeinitiativen und Beratungsstellen im süddeutschen Raum. Im November beginnt hier eine zweijährige Fortbildung für ehrenamtliche Berater in der Sektenarbeit. Sie ist bereits ausgebucht und zeigt den großen Bedarf an Ausbildung und Unterstützung für Betroffene und Aussteiger.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung, 8.10.2001