Mit dem Teufel im Bunde

Jetzt beginnt es auch im deutschen Blätterwald zu rauschen. Die Rheinpfalz ist die erste Zeitung, die das Thema Zeugen Jehovas und UNO aufgriff und ihre Leser darauf aufmerksam machte, dass man es bei der Wachtturm-Gesellschaft mit einer Organisation zu tun hat, deren Aussage keinen Pfifferling wert ist.

Zeugen Jehovas mit dem "Teufel" im Bunde

Wachtturm-Gesellschaft arbeitet mit UN zusammen

Seit Jahrzehnten predigt die Wachtturm-Gesellschaft, die Vereinten Nationen wären die Erfüllung des verabscheuungswürdigen "scharlachfarbenen wilden Tieres" aus dem biblischen Buch "Apokalypse". Nun wurde bekannt, dass die Zeugen Jehovas entgegen ihrer Verkündigungen gleichzeitig innige Beziehungen zur UN pflegten. Die Wachtturm-Gesellschaft war von 1992 - und zwar auf eigenen Antrag hin - bis zum Oktober diesen Jahres als nichtstaatliche Organisation (NGO) mit den Vereinten Nationen assoziiert.

Bekannt wurde diese enge Verbindung, als die UN im August eine Liste der Nichtregierungsorganisationen veröffentlichte: Neben bekannten Organisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch war dort auch die Wachtturm Bibel und Traktat Gesellschaft (WTG), das Führungsorgan der weltweit rund sechs Millionen Zeugen Jehovas, aufgeführt. Nach Bekanntwerden dieser Mitgliedschaft und einem Artikel in der englischen Zeitung "The Guardian" sahen sich die UN und die Zentrale der Wachtturm-Gesellschaft in Brooklyn mit Tausenden von Anrufen ratloser Zeugen konfrontiert, die Auskunft verlangten.

Scheinheilige Argumente

Während den einfachen Mitgliedern gelehrt wird, sie sollen sich als "wahre Christen" getrennt von der Welt halten, ging der Kopf der Organisation einen Bund mit dem "Teufel" ein. Seit fast 80 Jahren werden die UN sowie ihre Vorgängerorganisation, der Völkerbund, als das Weltreich der falschen Religion bezeichnet, das in der Offenbarung vorhergesagt worden sei. So heißt es in der Zeitschrift "Erwachet" vom Oktober 1985: "Durch jeden nur erdenklichen politischen Plan, die UN eingeschlossen, lenkt Satan, der erste Lügner, die Aufmerksamkeit der Menschen vom einzig wahren Weg ab ..." Ein weiteres Beispiel aus dem "Wachtturm: "Ja, die Vereinten Nationen] wurden wirklich zu einem Götzen, zu einem abscheulichen Ding in den Augen Gottes und seines Volkes."

Nach Bekanntwerden der Mitgliedschaft und aufgrund der Rückmeldungen wütender Mitglieder reagierte die WTG-Zentrale mit einer Stellungnahme: "Im Jahr 1991 haben wir uns als NGO registrieren lassen, um in den Bibliothekseinrichtungen der Vereinten Nationen zu sozialen und wirtschaftlichen Problemen sowie zum Thema Gesundheit Nachforschungen anstellen zu können..." Ein an den Haaren herbeigezogenes Argument: Auch Privatpersonen können sich Bücher aus der UN-Bibliothek ausleihen.

Im Gegensatz zu den Lehren

Auch für die Kündigung der Mitgliedschaft hat die Zentrale in Brooklyn eine Begründung: Die Kriterien für die Assoziierung als NGO - zumindest in ihrer jüngsten Version - "erhalten Formulierungen, denen wir uns nicht anschließen konnten. Als wir darauf aufmerksam gemacht wurden, haben wir unsere Registrierung sofort zurückgezogen". Seit dem 9. Oktober steht die Wachtturm-Gesellschaft nicht mehr auf der Internetliste der UN.

Die Anerkennung als nichtstaatliche Organisation durch die UN wurde bisher an mehr als 1500 Organisationen vergeben und ist lediglich mit einem Status, nicht jedoch mit Privilegien verbunden. Um als solche Organisation anerkannt zu werden, muss eine NGO nachweisen, dass sie mit den Idealen der Charta übereinstimmt, auf gemeinnütziger Basis operiert und in der Lage ist, wirkungsvolle Informationsprogramme über UN-Aktionen zu initiieren. Diese Kriterien gelten seit 1968 und stehen im krassen Gegensatz zu den Lehren der Zeugen Jehovas.

Ehemalige Mitglieder gehen davon aus, dass die Wachtturm-Gesellschaft mit ihrer "Registrierung als NGO" das Ziel verfolgte, die Anerkennung durch skeptische Regierungen, wie beispielsweise Frankreich, zu erlangen. Also eine reine Imagekampagne.

Quelle: Rheinpfalz, 08.12.2001, Autor: Anne-Susann von Ehr

Leserbriefe

Opfer ist das kleine Volk

Das ist ja peinlich für die Zeugen Jehovas dass diese Scheinheiligkeit jetzt öffentlich bekannt wurde. Die Opfer sind das kleine Volk, welche in Demut gehorsam alles glauben und schlucken, bis zur chronischen Erschöpfung und daran zerbrechen. Man kann nur hoffen dass viele aufwachen und dieser Gemeinschaft den Rücken kehren und frei von allen Zwängen ein besseres leben führen.

Henriette Banscher
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Von der Führung eiskalt getäuscht

Die einfachen Zeugen Jehovas sind die, die ausgebeutet werden, die immer wieder Demütigungen in Kauf nehmen auf ihren täglichen Verkündigungstouren von Haus zu Haus, im festen Glauben, die "Wahrheit" zu verkündigen. Nund sind sie von ihrer eigenen Führung, dem "Kanal Gottes" eiskalt enttäuscht worden. Und gerade jetzt überreicht die "satanische Welt" der Uno den Friedensnobelpreis. Aber die Wachtturm-Gersellschaft hat wieder eine weiße Weste, denn sie ist ja nicht mehr dabei.

Nora Herzog, Jockgrim

Zur heimlichen Assoziierung der religiösen Führer der Zeugen Jehovas mit der UNO fällt mir Lukas 8,17 ein: "Denn da ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, noch irgend etwas sorgsam verheimlicht, was nie bekannt werden und an die Öffentlichkeit kommen wird." Weit davon entfernt, nun Schadenfreude zu empfinden, gehört mein gsanzes Mitgefühl diesen aufrichtigen, aber leider irregeführten Menschen, die jetzt sagen werden: "Aber wo sollen wir denn hin gehen?". Als Christ möchte ich Ihnen Jesus emppfehlen, der sagte: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, außer duch mich." (Johannes 14,6). Mit dem Titel ihrer Zeitschrift, die sie immer wieder an den Türen anbieten, möchte ich allen Zeugen Jehovas zurufen: "Erwachet!"

Karl-Heinrich Geis