Anlagebetrug bei den Zeugen Jehovas

Von VOLKER ROTERS
KÖLN – Mit windigen Renditeversprechungen hat eine achtköpfige Tätergruppe nach Überzeugung der Kölner Staatsanwaltschaft Anleger um ihr Vermögen geprellt. Schaden: Knapp 20 Mio €.

Sowohl die Beschuldigten als auch die Geschädigten gehören großenteils den „Zeugen Jehovas" an.

Wie Richterin Dr. Ute Hohoff (36) gegenüber EXPRESS bestätigte, hat die Staatsanwaltschaft die mutmaßlichen Abzocker beim Landgericht angeklagt (Az. 110-25/04).

Als Haupttäter gelten der 46 Jahre alte Polsterer Giuseppe A., der 39 Jahre alte Massimo E. aus Bergisch Gladbach und der Kölner Zoran M. (38). Alle drei sitzen seit Mitte Oktober in Haft, das Oberlandesgericht hat Haftbeschwerden der Anwälte verworfen.

Nach Informationen des EXPRESS haben die mutmaßlichen Betrüger den Opfern bis zu 36 Prozent Rendite aus amerikanischen Fonds angeboten. Um das Vertrauen der Anleger zu gewinnen, wurden zuerst kleinere angebliche Zinserträge ausgezahlt. Danach versickerte das Geld – die Spur führt nach Italien und Spanien.

Besonders perfide laut Anklage: Die Beschuldigten sollen das Vertrauen ihrer eigenen Glaubensbrüder ausgenutzt haben: sie sind wie die meisten Opfer Mitglieder der „Zeugen Jehovas".

Nach Auffassung der großen deutschen Kirchen ist diese Gemeinschaft als Sekte anzusehen. In der Öffentlichkeit fallen Jehova-Anhänger vor allem durch das Anpreisen ihrer Glaubens-Zeitschrift auf.

Im Zuge des Ermittlungsverfahrens sollen drei Opfer versucht haben, auf eigene Faust auf die Spur der Gelder zu kommen.

Dazu, so hieß es im Justizzentrum, sei ein Tatverdächtiger entführt und nach Spanien verschleppt worden. Der entkam und erstattete vor Ort Anzeige, die drei Opfer sitzen in Andalusien in Auslieferungshaft.

Express Köln, 15.04.2004