Eigenes Denken und der Wachtturm

Die Wachtturm-Gesellschaft ermuntert manchmal Menschen, ihr eigenes Denkvermögen zu gebrauchen, wenn es um Themen wie die Religion geht. Doch die Gesellschaft möchte nicht, dass Jehovas Zeugen diese Fähigkeit auf ihre eigene Religion anwenden. Timothy Campbell hat eine umfassende Darastellung zum Thema Gedankenkontrolle geschrieben, die nicht nur für Zeugen Jehovas von Interesse ist.

ERMUNTERT MAN DICH ZUM DENKEN?

Ausgabe vom 18. November 1995
Copyright (C) 1995
by
Timothy Campbell

CP386, Mount Royal, Quebec, Canada H3P 3C

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World Wide Web: http://www.cam.org/~pinnacl/beyondjw.htm


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Über den Autor

Der Inhaber des Copyrights (Timothy Campbell) ist der Herausgeber dieser Broschüre, nicht der Autor. Der Autor zieht es vor, anonym zu bleiben, da einige seiner Angehörigen immer noch Zeugen Jehovas sind.


EINLEITUNG

Für sich selbst denken

Die Wachtturm-Gesellschaft ermuntert manchmal Menschen, ihr eigenes Denkvermögen zu gebrauchen, wenn es um Themen wie die Religion geht. Doch die Gesellschaft möchte nicht, dass Jehovas Zeugen diese Fähigkeit auf ihre eigene Religion anwenden.

Erwachet! vom 8. Dezember 1978 veröffentlichte den Artikel „Lässt du andere für dich denken?“ Er ermunterte Menschen, sich nicht von Evolutionisten unter Druck setzen zu lassen, an die Evokution zu glauben. Auf den Seiten 3 und 4 des Artikels hieß es:

IN DER Schule wird uns beigebracht, wie man zu einer Auffassung gelangt. Die Propagandisten möchten uns beibringen, welche Auffassung wir haben sollten. Ein guter Erzieher beleuchtet alle Seiten einer Frage und fordert die Zuhörer auf, sich dazu zu äußern. Die Propagandisten hämmern auf ihrer Ansicht herum und suchen jede Meinungsäußerung zu verhindern. Vielfach bleiben ihre wahren Beweggründe verborgen. Sie sichten die Tatsachen: Von denen, die zu ihren Gunsten sind, reden sie viel, die anderen dagegen verbergen sie. Sie entstellen und verdrehen Tatsachen, spezialisieren sich auf Lügen und Halbwahrheiten. Sie haben es auf unsere Gefühle, nicht auf unsere Fähigkeit, logisch zu denken, abgesehen. Viele gehen ihnen ohne weiteres ins Garn, weil es keine Mühe kostet, Gefühle zu hegen, während das Denken harte Arbeit ist. Der Propagandist achtet darauf, dass das, was er sagt, vernünftig, richtig und sittlich einwandfrei erscheint und dass du das Gefühl hast, geachtet zu werden und am richtigen Platz zu sein, wenn du entsprechend handelst. Du zählst dann zu den Tüchtigen, du stehst nicht allein, du hast es gut und bist geborgen — jedenfalls nach seinen Worten.

Die Propagandisten haben wenig Achtung vor der Denkfähigkeit der Leute. Hitler schrieb:

„Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß ... Sie [die Propaganda] hat sich auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wiederholen.“

Trick der Propagandisten

Symbole sprechen das Gefühl an. Wörter wie Mutter, Heim, Gerechtigkeit und Freiheit bewegen das Herz. Schlagwörter sind einprägsam und erscheinen äußerst klug. Vorteilhafte Tatsachen werden übertrieben, nachteilige entstellt oder verheimlicht. Beredsamkeit tritt häufig an die Stelle vernünftiger Argumente und lenkt die Aufmerksamkeit von unbequemen Wahrheiten ab, die nicht verheimlicht werden können. Man verfährt nach der Devise: Steck ein Haus in Brand, und während es brennt, plündere anderswo einen Laden.

Zu den Taktiken, die angewandt werden, um deinen Geist im Sturm zu erobern, gehören die Tyrannei der Autorität, andere lächerlich machen, beschimpfen, verleumden, verunglimpfen und sarkastische Bemerkungen über sie fallenlassen. Stichhaltige Beweise, verstandesmäßige Überlegungen, Logik? Das sind die schlimmsten Feinde des Propagandisten.

Aber selbst gebildete, intellektuell anspruchsvolle Personen fallen einer Form der Propaganda zum Opfer, die unfair und unsachlich ist. Diese Form der Propaganda tut den Standpunkt eines Andersdenkenden mit einer überlegenen Geste ab und behandelt ihn als bemitleidenswert, als einen Standpunkt, der keine Beachtung verdient. Viele Evolutionisten verhalten sich so, um Fragen auszuweichen, die sie nicht beantworten können. Sie sind nicht imstande, ihre Theorie zu beweisen. Deshalb nehmen sie zu Behauptungen Zuflucht und verspotten jeden, der es wagt, diese anzuzweifeln ... Für ihre Behauptungen erbringen sie keine Beweise, und auch ihre Verleumdungen begründen sie nicht, sondern sie kehren nur ihre Autorität heraus und stellen ihre Meinung als unfehlbar hin, unterdrücken Einwände und schüchtern Andersdenkende ein. Das funktioniert, und anscheinend intelligente Leute, die sich mit der Theorie nicht auseinandergesetzt haben, glauben, sie sei richtig, weil „alle intelligenten Leute das glauben“...

Wie steht es mit dir?

In Sprüche 14:15 lesen wir: „Der Einfältige glaubt jedes Wort, das er hört; der Kluge weiß, dass Beweise erforderlich sind“ (The New English Bible). Viele Menschen sind wie ein Schwamm; sie saugen einfach alles, was sich über sie ergießt, in sich auf. Das geht mühelos. Wir wissen, dass Muskelarbeit anstrengend ist, und Geistesarbeit ist noch anstrengender ... „Der Gott dieses Systems der Dinge [hat] den Sinn der Ungläubigen verblendet“, damit ihnen die wichtigen Wahrheiten, die heute jeder kennenlernen sollte, verborgen bleiben. Wie steht es mit dir? Lässt du andere für dich denken, oder denkst du für dich selbst? Wenn du das Denken nicht anderen überlässt, wird „Denkvermögen selbst stets über dich wachen“. Gleichzeitig muss zugegeben werden, dass wir Menschen eine gute Führung benötigen.“

George Orwells Sichtweise

Eine ausgezeichnete Schilderung der bis zum Äußersten gesteigerten Tyrannei der Autorität und der geistigen Drehungen, die das bei den Betroffenen erfordert, gab George Orwell in seinem 1949 erschienenen Roman 1984 [Zur Erinnerung: „Big Brother is watching you?“]. Er beschrieb eine totalitäre Gesellschaft namens Engsoz (von ‘Englischer Sozialismus’), in dem ein oberster Staat der Bevölkerung eine Art von Theokratie aufgezwungen hat — praktisch ein „Himmlisches Königreich auf Erden“ geschaffen hat. Der Roman hatte die Absicht, deutlich davor zu warnen, was passieren könnte, wenn bestimmten totalitären Trends, die Orwell sich während und kurz nach dem 2. Weltkrieg entwickeln sah, freier Lauf gelassen würde. Die oberste Gruppe an der Spitze des Staates war die Partei. Um zu gewährleisten, dass jeder wie die Partei dachte, änderte die Partei sorgfältig die Tatsachen, damit sie zur gegenwärtigen Lage passten, und schulte die Menschen gründlich, sich dem anzupassen. Orwell schrieb:

Was immer die Partei für Wahrheit erachtet, ist Wahrheit.
Teil 3, Kapitel II; Seite 252, Ullstein 1995

Um zu gewährleisten, dass alles, was die Partei als Wahrheit ansah, streng befolgt wurde, wurde einem Gedankenprozess namens Doppeldenk Geltung verschafft. Doppeldenk, wie ihn sich Orwell in 1984 vorstellt, ist ein „ausgedehntes System geistiger Täuschung“:

Doppeldenk bedeutet die Fähigkeit, gleichzeitig zwei einander widersprechende Überzeugungen zu hegen und beide gelten zu lassen. Der Parteiintellektuelle weiß, in welcher Richtung seine Erinnerung geändert werden muss; er weiß deshalb auch, dass er der Wirklichkeit einen Streich spielt; aber durch die Anwendung von Doppeldenk versichert er sich auch darüber, dass die Realität nicht angetastet wird. Dieser Prozess muss bewusst erfolgen, weil er sonst nicht mit genügender Präzision ausgeführt werden würde, doch er muss auch unbewusst erfolgen, weil er sonst von einem Gefühl der Lüge und somit von Schuld begleitet wäre. Doppeldenk ist der Kern des Engsoz, denn das Hauptgeschäft der Partei besteht in bewusster Täuschung, bei der sie die Unerschütterlichkeit absoluter Redlichkeit bewahrt. Bewusste Lügen zu erzählen, an die man ehrlich glaubt; jede unbequem gewordene Tatsache zu vergessen, um sich bei Bedarf wieder daran zu erinnern; die Existenz einer objektiven Realität zu leugnen und die ganze Zeit über die von einem geleugnete Realität einzukalkulieren — all das ist unabdingbar.
Teil 2, Kapitel IX; Seite 215, Ullstein 1995

Propagandisten greifen oft gerne auf Doppeldenk zurück, um vor sich selbst zu rechtfertigen, dass alles, was sie tun, zu einem guten Zweck geschieht. Sie greifen oft darauf zurück, um sich selbst davon zu überzeugen, dass sie nicht „wirklich“ in einer Sache lügen.

Phillip Johnson, Autor des 1991 erschienenen Anti-Evolutions-Buchs Darwin On Trial, prangerte den Dogmatismus in Bezug auf die Evolution in Bildungseinrichtungen an und schrieb im Januar 1993 Computer-Nachrichtennetzwerk:

Die strittigen Punkte lassen sich nur durch eine vorurteilsfreie Untersuchung der Beweise beilegen. Wer ihren Beweisen und ihrer Logik vertraut, appelliert nicht an Vorurteile, er besteht auch nicht darauf, Diskursregeln Geltung zu verschaffen, die nur eine Position zulassen, um ernsthaft zur Kenntnis genommen zu werden. Er gebraucht auch keine unklare oder schwankende Terminologie, um die Aufmerksamkeit von wirklich schwierigen Punkten abzulenken. Und noch weniger überhäuft er andere, die Fragen über die Beweise und die philosophischen Annahmen, die einer Theorie zu Grunde liegen, stellen, mit Beschimpfung und Spott. Wenn ein Bildungsestablishment zu Taktiken wie diesen greifen muss, kann man sicher sein, dass einige Leute am Verzweifeln sind.

Die Gesellschaft erhebt die Stimme gegen Gehirnwäsche

Der Artikel „Lässt du dich von der Masse beeinflussen?“ in der Erwachet!-Ausgabe vom 8. April 1980 enthielt eine allgemeine Erörterung darüber, dass man weit verbreitete Haltungen oder Philosophien nicht blind annehmen sollte. Auf den Seiten 13 und 14 hieß es:

Die leichteste Beute der Gehirnwäsche ist der „normale“ Mensch, der Durchschnittsbürger. Er hat sich bereits daran gewöhnt, Auffassungen von anderen zu übernehmen, statt eine eigene starke Überzeugung zu entwickeln. Am problematischsten für die Gehirnwäsche sind die „Patienten“, die eine unübliche Meinung vertreten, eine starke Überzeugung haben und sich nichts daraus machen, was andere davon halten.

Der Artikel führte fünf Punkte auf, wie man einer Gehirnwäsche entgehen kann:

1. Entwickle eine starke Überzeugung. Wie bereits erwähnt, sind vor allem diejenigen ein bevorzugtes Opfer der Gehirnwäsche, die sich schnell von anderen umstimmen lassen. Übernimm eine Ansicht nicht einfach deshalb, weil deine Bekannten sie akzeptieren. Vergewissere dich, dass deine Ansichten der Wahrheit entsprechen. Vergleiche sie vor allem mit Gottes inspiriertem Wort, das „Wahrheit“ ist (Joh. 17:17; 2. Tim. 3:16).
2. Frage nach dem Grund. Oft übernehmen wir ungewollt eine Einstellung, deren Hintergründe wir gar nicht kennen. Vielleicht haben deine Nachbarn eine negative Ansicht über bestimmte Rassen oder Volksgruppen. Wenn dir jedoch der Grund nicht einleuchtet, warum solltest du dann diesen Standpunkt übernehmen?
3. Widerstehe unrechten Gedanken ... In der heutigen Welt ist es nicht möglich, nie etwas Unrechtes zu sehen oder zu hören. Müssen wir aber unseren Sinn damit vollsaugen? Das würde unser Urteilsvermögen und unsere Handlungsweise ungünstig beeinflussen. Wieviel besser ist es doch, unrechten Gedanken zu widerstehen und sich mit etwas Erbaulichem zu befassen! (Eph. 5:3-5).
4. Tritt für das ein, was du als recht erkannt hast. Das gibt dir die Möglichkeit, selbst zu überprüfen, was du glaubst, und du kannst die Wahrheit in dir noch stärker Fuß fassen lassen. Bist du einmal — nach gründlichem Nachforschen — von der Richtigkeit einer Sache überzeugt, dann lass dich nicht durch den Spott anderer davon abbringen.
5. Lebe gemäß der Wahrheit. Suche nicht nach Ausflüchten, um das zu verwässern, was du als recht erkannt hast. Wenn etwas richtig und schicklich ist, wird es sich für dich zum Guten auswirken. Lass dich nicht dazu verleiten, zu meinen, du würdest etwas verpassen oder seist ungebührlich eingeschränkt, weil du dich an das hältst, was recht ist.

Die [Wachtturm-]Gesellschaft befürwortet Aufgeschlossenheit

Erwachet! vom 22. Februar 1985 enthielt zwei Artikel, „Bist du aufgeschlossen oder unzugänglich?“ und „Durch Aufgeschlossenheit Gottes Wohlgefallen erlangen“. Im ersten Artikel hieß es auf den Seiten 3 und 4:

Ein aufgeschlossener Mensch ist frei von Vorurteilen. Das Wort Vorurteil wird in einem englischsprachigen Wörterbuch wie folgt definiert: „eine Meinung oder ein Urteil (negativ und positiv), das vorschnell, ohne genaue Prüfung der Tatbestände gefällt wird; eine unüberlegte, ungerechte Entscheidung; besonders eine vorgefasste negative Meinung“.
Entscheiden und Urteilen ist unentbehrlich im Leben. Aber „ohne genaue Prüfung der Tatbestände“ zu entscheiden oder eine „unüberlegte, ungerechte Entscheidung“ zu fällen verrät einen Mangel an Aufgeschlossenheit.
Ein aufgeschlossener Mensch dagegen ist für Neues empfänglich. Er ist bereit, sich unvoreingenommen mit Neuem zu beschäftigen und es zu beurteilen. Wir können zu gutbegründeten, definitiven Schlussfolgerungen kommen, wenn wir das, was wir für wertvoll erachten, annehmen und Wertloses ablehnen, gleichzeitig aber für Korrekturen aufgeschlossen bleiben, die aufgrund zusätzlichen Aufschlusses, den wir später erhalten mögen, notwendig werden. Die Meinung, man wisse alles, hindert einen mit Sicherheit daran, etwas hinzuzulernen.
Einem unaufgeschlossenen Menschen fehlt es offensichtlich an Kenntnissen. Wir mögen über ein Thema so wenig wissen oder das, was wir wissen, mag so entstellt oder unvollständig sein, dass die für richtige Schlussfolgerungen notwendigen Tatsachen einfach fehlen...
Ein unaufgeschlossener Mensch ist uninteressiert oder abgeneigt, eine Sache zu prüfen. Unaufgeschlossenheit könnte sogar ein Zeichen von Unsicherheit oder Zweifel sein. Wenn wir zum Beispiel unsere Glaubensansichten nicht verteidigen können, mögen wir auf kritische Fragen nicht logisch antworten, sondern mit vagen Erklärungen oder spitzen Bemerkungen darauf reagieren. Das riecht nach Vorurteil und Unaufgeschlossenheit.
Ferner mögen Menschen unaufgeschlossen sein, weil sie den selbstsüchtigen Wunsch hegen, gewisse Vorteile nicht zu verlieren, was vielleicht geschehen könnte, wenn sie aufgeschlossen wären...

Im zweiten Artikel hieß es auf Seite 8-10:

AUS den Worten in Epheser 5:10 und 17 geht hervor, dass Aufgeschlossenheit eine wichtige Voraussetzung dafür ist, Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Sie lauten: „Vergewissert euch fortwährend dessen, was beim Herrn annehmbar ist ... Deshalb hört auf, unvernünftig zu werden, sondern nehmt weiterhin wahr, was der Wille Jehovas ist“...
Selbst religiöse Leute sind nicht immer aufgeschlossen. Sie sind nur an „ihrem“ Glauben interessiert und sind nicht bereit, sich andere Ansichten auch nur anzuhören...
Richtig kann nur der Glaube sein, der sich eng an das Wort Gottes hält. Ob unser Glaube diesem Kriterium standhält oder nicht, kann nur entschieden werden, wenn man ihn anhand der Bibel objektiv prüft...
Die Ermahnung des Apostels Petrus, ‘gesunden Sinnes zu sein’, schließt natürlich ein, aufgeschlossen zu sein, weil nur ein aufgeschlossener Mensch vernünftig schlussfolgern und urteilen kann. Einige Bewohner von Beröa waren aufgeschlossen, denn wir lesen über sie: „Sie nahmen das Wort mit der größten Bereitwilligkeit auf, indem sie täglich in den Schriften sorgfältig forschten, ob sich diese Dinge so verhielten“ (1. Petrus 4:7; Apostelgeschichte 17:11).
Wenn wir aufgeschlossen, ja vorurteilslos sind, werden wir fortfahren können, ‘täglich in den Schriften sorgfältig zu forschen’ und dann das Gelernte anzuwenden. Das ist im Einklang mit dem Rat der Bibel: „Werdet ... Täter des Wortes und nicht bloß Hörer“...

In der Wachtturm-Ausgabe vom 15. Januar 1989 hieß es in dem Artikel „Bist du für neue Gedanken aufgeschlossen?“ auf Seite 5:

EINIGE Leute verschließen ihren Sinn vor allen neuen Gedanken. Und womöglich tun sie es nur deshalb, weil diese von ihren persönlichen Ansichten abweichen.

Der Rest des Artikels schildert, wie man vorurteilslos wie die Beröer neue Ideen angeht, aber im Annehmen wählerisch ist und sie an Gottes Wort misst.

Die obigen Artikel ermuntern dazu, persönlich zu bestimmen, ob die Dinge, die man gelehrt wird und die man glaubt, wahr und bibelgemäß sind. Sie befürworten nicht eine Haltung des „Mitmarschierens“, nur um sich der Mehrheit oder den Ansichten einer bestimmten Gruppe anzupassen. Sie ermuntern zu eigenem Prüfen und Abwägen, persönlicher Annahme oder Ablehnung. Sie fordern dazu auf, bereit zu sein, für das, was man glaubt, einzutreten — im Vertrauen darauf, dass es immer zum Besten dient, kompromisslos an der Wahrheit festzuhalten.

Eine alternative Sichtweise

Ganz anders der Rat, der Jehovas Zeugen im Wachtturm vom 15. August 1984 Seite 31, in der Rubrik „Fragen von Lesern“, gegeben wird. Es wird argumentiert, es sei richtig, dass Zeugen, die den Leuten an den Türen Wachtturmliteratur anbieten, sich weigern, religiöse Literatur anzunehmen, die die besuchten Wohnungsinhaber ihnen vielleicht im Gegenzug offerieren. Unter anderem heisst es:

Die Zeugen gehen somit nicht an die Türen der Menschen, um nach der Wahrheit zu suchen oder um Aufklärung zu erhalten. Vielmehr haben sie bereits zahllose Stunden dafür eingesetzt, die Wahrheit des Wortes Gottes zu erforschen...

Mit anderen Worten: Die Wachtturm-Gesellschaft hat die Zeugen Jehovas bereits alles gelehrt, was sie über Religion zu wissen brauchen, und daher können sie von jemand anderem nichts mehr lernen.

Ebensowenig sind Jehovas Zeugen in Unkenntnis über die Glaubenslehren anderer. Sie haben beträchtliche Grundkenntnisse über die Glaubenslehren der in ihrer Umgebung vertretenen Religionen...

Kenntnisse voller Vorurteile und von der Gesellschaft stark gefiltert.

Daher wäre es sowohl Waghalsigkeit als auch Zeitverschwendung, wenn Jehovas Zeugen religiöse Literatur, die der Täuschung dienen soll, annehmen und sich damit auseinandersetzen würden...

Hier wird unterstellt, alle religiöse Literatur, die nicht von der Wachtturm-Gesellschaft herausgegeben wird, solle vorsätzlicher Täuschung dienen.

Als loyale Christen wollen wir uns an Gottes Maßstäbe halten, unseren Sinn mit Dingen nähren, die wahr und gerecht sind, und uns voller Wertschätzung und Loyalität an den Kanal halten, durch den wir die biblische Wahrheit kennengelernt haben.

Von der Aufgeschlossenheit, zu der die obigen Artikel ermuntern — dass man der Schöpfungslehre und nicht der Evolutionslehre glauben solle und wie Nichtzeugen den Glauben der Zeugen ansehen sollten —, wird für die Zeugen selbst abgeraten. Ist das nicht Heuchelei? Wie antwortet ein Zeuge wohl einem Wohnungsinhaber, der sagt, seine Religionsgemeinschaft verbiete es, sich die Zeugenliteratur näher anzusehen? In Matthäus 7:3-5 steht geschrieben, wie Jesus so etwas ansah. Gilt etwa ein Maßstab für die Zeugen und ein anderer für alle übrigen Menschen?

Die Frage wartet auf Antwort: Kann man jemanden als konsequent bezeichnen, der sich an die vernünftigen Grundsätze obiger Artikel hält, wenn es um Informationsquellen und Einflüsse außerhalb seiner eigenen Gemeinde geht, und der sich innerhalb der Gemeinde nicht daran hält? Was soll man von einer Organisation halten, die ihre Mitglieder auffordert, sich bei Informationsquellen von außen genau an diese Grundsätze zu halten, die aber allen abrät, sie herabsetzt oder gar in Verruf bringt, die sich auch bei ihren eigenen Informationen daran halten? Wie ehrlich ist eine solche Organisation, wenn sie das Anwenden dieser Grundsätze durch die eigenen Mitglieder als „rebellisches Reden“ bezeichnet? Ist das konsequent, wenn man unabhängiges Denken mit Bezug auf Außenquellen lobt, es aber als Zeichen von Unbescheidenheit und mangelnder Demut bezeichnet, wenn es um die eigenen Informationen dieser Organisation geht?

Ein weiterer Begriff, den George Orwell in 1984 prägt, beschreibt dieses zweierlei Maß ganz genau. Es geht um einen besonderen Typ von Doppeldenk, Schwarzweiß genannt:

Die ozeanische Gesellschaft fußt letztlich auf dem Glauben, dass der Große Bruder allmächtig und die Partei unfehlbar ist. Aber da in Wirklichkeit weder der Große Bruder allmächtig noch die Partei unfehlbar ist, bedarf es einer nicht nachlassenden Flexibilität im Umgang mit Tatsachen. Das Schlüsselwort lautet hier: Schwarzweiß ... Einem Parteimitglied gegenüber gebraucht, bedeutet es die loyale Bereitschaft zu sagen, Schwarz sei weiß, wenn die Parteidisziplin dies verlangt. Aber es bedeutet ebenfalls die Fähigkeit zu glauben, dass Schwarz Weiß ist, und darüber hinaus zu wissen, dass Schwarz Weiß ist, und zu vergessen, dass man jemals das Gegenteil geglaubt hat.
Teil 2, Kapitel IX; Seite 213, Ullstein 1995

AUF WAHRHEIT PRÜFEN

Andere Religionen bewerten

Welches Vorgehen empfiehlt die Gesellschaft für jemanden, der findet, dass seine Religion nicht den Anforderungen aus Gotte Wort genügt? Die Erwachet!-Ausgabe vom 8. September 1987 enthält Artikel, an Lutheraner gerichtet und mit der Antwort für sie. Ein Artikel dreht sich um Zitate aus Predigten von Dietrich Bonhoeffer, einem protestantischen Theologen, der von den Nazis hingerichtet wurde. Der Artikel trifft einige gute Feststellungen zu missbilligten Ansichten der Bibel von einigen protestantischen Theologen und über andere Defizite in protestantischen Religionen. Sehen wir uns die Punkte aus den Artikeln auf den Seiten 8, 10 und 11 näher an.

Interessant sind die folgenden Auszüge aus Predigten. Der Leser frage sich: Was bedeutet ein Beherzigen dieser Worte für die lutherische Kirche? Für meine Kirche?

„Darum ist es wichtig..., dass es der Religion wesentlich nur auf eins ankommt, nämlich wahr zu sein.“ [Zitat Bonhoeffer] Das stimmt mit den Worten Jesu überein, der sagte: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Johannes 4:24; siehe auch Johannes 8:32; 14:6; 16:13). Kann ich sicher sein, dass alles, was meine Kirche lehrt, wirklich wahr ist?

Dann hieß es unter der Überschrift „Persönlich etwas unternehmen, wenn die Kirche nichts tut?“ in dem Artikel weiter:

Falls jemand mit dem, was er sieht, nach einer ehrlichen Prüfung alles andere als zufrieden ist, ist es nicht damit getan, dass er sich über den Missstand beschwert. Ein Journalist, der die Worte Karl Barths kommentierte, wonach die Gläubigen selbst ja die Kirche seien, kam zu folgendem logischen Schluss: „Wer zur Kirche gehört, ist ... dafür verantwortlich, was die Kirche sagt und tut.“ Man sollte sich daher fragen: Bin ich bereit, die Verantwortung für alles mit zu übernehmen, was meine Kirche sagt und tut?...
Jemand könnte aufrichtig glauben, seine Kirche habe mit der falschen Religion, von der Gott sagt, er werde sie bald vernichten, nichts gemein. Aber man muss absolut sicher sein. Bist du dir so sicher?

Für Menschen anderer Religion wird absolute Wahrheit als Kriterium aufgestellt — alles sollte „wirklich wahr“ sein. Man sollte bezüglich der Religion „absolut sicher“ sein. Wenn man „alles andere als zufrieden“ ist mit dem, was man sieht, „ist es nicht damit getan, dass [man sich] beschwert“, weil man für „alles, was [seine] Kirche sagt und tut“, verantwortlich ist.

Die Gesellschaft bewerten

Nun drehe man die Sache um und stelle sich vor, was passierte, wenn ein aufrichtiger Zeuge diese Ermahnung auf seine eigene Religion anwenden wollte. Im Gegensatz zu der Person in obigem Artikel, die Kritik an seiner eigenen Religion übte, würde ein Zeuge deutlich davon abgehalten, dasselbe zu tun. Wenn er eindeutige Irrtümer, bibelwidrige Regeln und Glaubenssätze in seiner eigenen Religion erkennt, sollte er sich nicht beschweren, und ganz sicher nicht gehen, wie unterstellt wird, dass es obiger Lutheraner tun sollte. Statt dessen sollte er ruhig „warten, dass Jehova zu seiner Zeit die Dinge zurechtrückt.“ Was für Lutheraner gilt, ist zur selben Zeit falsch für Zeugen Jehovas! Und das Bemerkenswerte ist, dass die meisten Zeugen dieses zweierlei Maß nicht einmal sehen.

In der Praxis werden Zeugen, wenn man ihnen klare Irrtümer in den Lehren oder Regeln der Organisation zeigt, sich entweder weigern, sie anzuerkennen, oder sie werden ihre Bedeutung bestreiten. Sie streiten sie sogar vor sich selbst ab, um einem untragbaren inneren Konflikt zwischen dem zu entgehen, was sie tief im Innern als Wahrheit sehen, und dem, was sie gelehrt wurden. Das Leugnen geschieht automatisch und fast unbewusst, weil sie darauf seit den ersten Erfahrungen mit der Wachtturm-Gesellschaft geschult worden sind. Der Prozess erinnert stark an eine andere Art geistiger Verrenkung, die George Orwell in 1984 beschrieb:

Von einem Parteimitglied wird nicht nur verlangt, dass es die richtigen Ansichten, sondern auch, dass es die richtigen Instinkte hat. Viele der von ihm abgeforderten Überzeugungen und Verhaltensweisen werden nie direkt formuliert und könnten auch nicht formuliert werden, ohne die dem Engsoz innewohnenden Widersprüche aufzudecken. Ist das Parteimiglied von Natur aus orthodox (in Neusprech: ein Gutdenker), dann wird es in allen Lebenslagen ohne Nachdenken wissen, was der richtige Glaube oder die erwünschte Emotion ist. Doch auf alle Fälle macht eine in der Kindheit durchlaufene geistige Schulung, die ihr Zentrum in den Neusprechwörtern Delstop, Schwarzweiß und Doppeldenk hat, es unwillig und unfähig, über irgendein Thema gründlich nachzudenken...
Die erste und einfachste Stufe dieser Disziplin kann sogar schon kleinen Kindern beigebracht werden und heißt in Neusprech: Delstop. Delstop bezeichnet die Fähigkeit, geradezu instinktiv auf der Schwelle jedes riskanten Gedankens haltzumachen. Es schließt die Gabe mit ein, Analogien nicht zu begreifen, logische Fehler zu übersehen, die simpelsten Argument misszuverstehen, wenn sie Engsoz-feindlich sind, und von jedem Gedankengang, der in eine ketzerische Richtung führen könnte, gelangweilt und abgestoßen zu werden. Kurz gesagt, Delstop bedeutet schützende Dummheit. Aber Dummheit allein reicht nicht. Im Gegenteil, strikte Orthodoxie verlangt eine ebenso vollständige Kontrolle über die eigenen Denkvorgänge, wie sie ein Schlangenmensch über seinen Körper besitzt.
Teil 2, Kapitel IX; Seiten 212-213, Ullstein, 1995

Es gab einmal einen Führer der koreanischen Vereinigungskirche des Reverend Sun Myung Mun, bekannter als „Munies“. Nachdem er die Kirche verlassen hatte, schrieb er ein Buch über seine Erfahrungen. Es heißt in dem Buch:

Ein weiteres Schlüsselelement der Gedankenkontrolle besteht darin, die Anhänger darauf zu trainieren, jegliche kritische Information über die Gruppe abzublocken. Die normalen Verteidigungsmechanismen des Individuums werden dahingehend verdreht, die neue Sektenidentität gegen die alte Identität zu verteidigen. Die erste Verteidigungslinie beinhaltet Leugnung („Was Sie behaupten, geschieht gar nicht“), Rationalisierung („Dies geschieht aus einem guten Grund“), Rechtfertigung („Dies geschieht, weil es geschehen soll“) und Wunschdenken im Sinne einer „self-fulfilling prophecy“ („Ich möchte, dass es stimmt, also stimmt es vielleicht wirklich“).
Wenn ein Sektenmitglied eine Information als Angriff auf den Sektenführer, die Lehre oder die Gruppe empfindet, dann geht sofort eine Mauer der Feindseligkeit hoch. Die Mitglieder werden darauf gedrillt, jede Kritik für unwahr zu halten...
Loyalität und Hingabe sind die am meisten geschätzten Gefühle. ... Die Mitglieder dürfen miteinander niemals über etwas sprechen, was den Führer, die Doktrin oder die Organisation kritisiert. [Sie] müssen sich gegenseitig bespitzeln und unschickliche Äußerungen oder Aktivitäten der Führung melden. ... Insbesondere sollen [sie] jeden Kontakt mit Ehemaligen oder Kritikern meiden.
Steven Hassan, Ausbruch aus dem Bann der Sekten, Seiten 105, 106, 108, 110, Rohwolt, Reinbek 1993.

Passt diese Beschreibung nicht perfekt auf Jehovas Zeugen? Wenn Menschen die oben beschriebenen Verteidigungsmechanismen aufziehen, sind sie dann nicht unaufrichtig mit sich selbst? Und wenn man unaufrichtig mit sich selbst ist und sich weigert, sich die harten Tatsachen der Wirklichkeit anzuschauen, wie kann man dann aufrichtig gegenüber anderen sein? Wie kann man aufrichtig gegenüber Gott sein? Wie kann jemand behaupten, die Wahrheit zu lieben, wenn er seinen Verstand dazu gebrauchen kann, die Irrtümer anderer aufzudecken, aber unfähig ist, dasselbe bei sich selbst zu tun? Und doch zeigt die Erfahrung, dass dies genau der Weg ist, zu dem Jehovas Zeugen indoktriniert wurden.

Glaube und Verständnis

Die folgenden Aussagen aus Wachtturmpublikationen sind ganz vernünftig und in Übereinstimmung mit der Vorstellung, dass Gott möchte, dass seine intelligenten Geschöpfe ihren Verstand, den er ihnen gab, auch gebrauchen. Aber welcher Gegensatz besteht zischen dem, was gesagt wird, und dem, was erwartet wird. Aus dem Wachtturm vom 1. April 1988, Seite 30:

Jehova erwartet keinen blinden Gehorsam. Er wünscht von uns nicht die Art von Gehorsam, den ein Zureiter oder Dompteur einem Tier mittels eines Zügels oder einer Peitsche abverlangt. Daher sagte er zu David: „Werdet nicht einem Ross oder Maultier ohne Verstand gleich, deren Lebhaftigkeit sogar mit Zaum oder Halfter gebändigt werden muss“ (Psalm 32:9). Jehova hat uns vielmehr mit Denk- und Unterscheidungsvermögen ausgestattet, so dass wir — gestützt auf unser Verständnis — es uns erwählen können, ihm zu gehorchen.
In der japanischen Sprache schließt die Bedeutung des Wortes kiku (hören) nicht nur zuhören und gehorchen ein, sondern auch die Beurteilung, ob etwas gut oder schlecht ist. Wenn jemand zu uns spricht, ist es angebracht, in diesem Sinne zuzuhören, so dass wir nicht aus reiner Leichtgläubigkeit gehorchen, sondern weil es unser Wunsch ist.

Obwohl die Gesellschaft Feststellung wie diese trifft, scheinen die meisten ihrer Schriften eher der Empfehlung des Religionsphilosophen St. Anselm (1033-1109) zu entsprechen:

Ich muss glauben, damit ich verstehen kann.

Der Ansatz eines anderen Religionsphilosophen, Peter Abelard (1079-1142), stimmt mehr mit Psalm 32:9 überein:

Ich muss verstehen, damit ich glauben kann.

Zweifeln führt zum Infragestellen, und durch Infragestellen können wir die Wahrheit erkennen. Das Buch „Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt“ (von den Zeugen als „Wahrheits-Buch“ bezeichnet), wandte dies auf Seite 13 auf Religionen an:

Wir müssen nicht nur prüfen, was wir persönlich glauben, sondern auch, was die Religionsgemeinschaft lehrt, der wir angehören mögen. Sind ihre Lehren voll und ganz im Einklang mit Gottes Wort, oder stützen sie sich auf die Überlieferungen von Menschen? Wenn wir die Wahrheit lieben, brauchen wir uns vor einer solchen Prüfung nicht zu fürchten. Jeder von uns sollte aufrichtig wünschen, Gottes Willen uns betreffend kennenzulernen und ihn dann zu tun.

In der Watchtower-Ausgabe vom 15. Dezember 1991[nicht in deutsch] hieß es auf der Rückseite in einer Anzeige für das Buch Die Suche der Menschheit nach Gott:

Die meisten Menschen kennen nur die Religion ihrer Eltern, und das oft auch nur oberflächlich. Aber sollte deine Religion einfach nur die sein, in die du hineingeboren wurdest, oder solltest du eine vernünftige Wahl treffen, nachdem du deine Religion mit anderen verglichen hast? Das 384-seitige Buch Die Suche der Menschheit nach Gott wird dir helfen, diesen Vergleich anzustellen.

Der Wachtturm vom 15. Juni 1985 gibt auf den Seiten 11 und 12 einen guten Rat für denkende Christen, den man auch für die Suche nach der wahren Erkenntnis ganz allgemein anwenden kann:

In Sprüche 2:4, 5 heißt es: „Wenn du ... wie nach verborgenen Schätzen ständig danach forschst, dann wirst du ... die wahre Erkenntnis Gottes finden.“ Im Kontext wird von der Notwendigkeit gesprochen, nach Jehovas „Reden“, „Geboten“ und „Weisheit“ zu forschen sowie nach „Unterscheidungsvermögen“ und „Verständnis“. Nach Schätzen zu suchen erfordert Anstrengung und Ausdauer. Viel Schürfarbeit ist dazu nötig. Ebenso verhält es sich mit der Suche nach der ‘wahren Erkenntnis Gottes’, nach „Unterscheidungsvermögen“ und „Verständnis“. Auch das erfordert viel Schürfarbeit, d.h., man muss unter die Oberfläche dringen ... Wir sollten wirklich dankbar sein für die geistige Schürfarbeit, die die „Sklaven“klasse bewältigt, um die „verborgenen Tiefen der Vorsätze Gottes“ für uns immer verständlicher zu machen ... Doch das enthebt den einzelnen Christen nicht der Pflicht, tief im Wort Gottes zu schürfen, um die ganze Tiefe der erklärten Gedanken auszuschöpfen. Dazu gehört, dass man die angegebenen Schriftstellen nachschlägt. Es bedeutet, dass man die Fußnoten in den Wachtturm-Artikeln liest, von denen einige den Leser auf eine ältere Publikation verweisen, die eine bestimmte Schriftstelle oder Prophezeiung noch umfassender erklärt. Es erfordert, dass man tiefer schürft und sich bemüht, diese ältere Publikation herauszusuchen, und dann den Stoff auf den angegebenen Seiten studiert.

Wer diesen Worten Glauben schenkt, sollte keine Angst haben, Vorstellungen zu untersuchen, die vielleicht dem widersprechen, was die Gesellschaft zu gewissen Dingen sagt. Man sollte auch nicht dem Beispiel des US-Kongresses folgen, der Gesetze erlässt, die alle befolgen müssen, sich selbst aber oft von diesen Gesetzen ausnimmt, weil sie lästig sind. Ein rotes Warnlicht sollte aufleuchten, wenn man Worte wie diese hört:

Wenn wir über Gesetz reden, dann reden wir über Organisation. Wir müssen ganzherzig nach dem Gesetz suchen. Jehova gibt einzelnen keine Auslegung (der Bibel). Wir brauchen einen Führer, den ‘treuen und verständigen Sklaven’. Wir sollten keine Gruppen bilden, um Ansichten anders als die des ‘treuen und verständigen Sklaven’ zu erörtern. Wir müssen die Quelle der Belehrung anerkennen. Wir müssen wie Esel sein, demütig, an der Krippe bleiben; dann werden wir nicht vergiftet.
Lloyd Barry, Glied der leitenden Körperschaft, am 29. Mai 1980, in einer Ansprache vor den Ältesten der Bethelfamilie
Wer zu ‘Abtrünnigkeit’ neigt, verschaffe sich ein Hobby und halte sich selbst beschäftigt, um den Sinn abzulenken. Er betreibe kein tiefschürfendes Bibelstudium, um die Bedeutung von Bibelstellen auszumachen.
Karl Klein, Glied der leitenden Körperschaft, am 30. April 1980, in einer Ansprache vor der Bethelfamilie

Widersprechen diese Worte nicht direkt den Gedanken Jehovas aus Psalm 32:9? Widersprechen sie nicht dem Geist Jehovas, der sagt, man solle in seinem Wort suchen, um Verständnis zu erlangen? Wenn ein Widerspruch besteht, auf wen sollte man dann hören — auf Jehova oder auf die leitende Körperschaft? Josua sagte: „Ich aber und mein Haus, wir wollen Jehova dienen.“

Niemand sollte zu jenen gehören wollen, die Jean-Paul Sartre als solche bezeichnete, die,...

...da sie Angst vor Argumenten haben ... einen Lebensstil führen wollen, in dem Argumentieren und Forschen eine untergeordnete Rolle spielen, wo niemand etwas sucht außer dem, was man bereits gefunden hat.
Walter Kaufman, Existentialism, Religion, and Death: Thirteen Essays, New American Library, New York, 1976.

Karl Klein sagte: „Er betreibe kein tiefschürfendes Bibelstudium, um die Bedeutung von Bibelstellen auszumachen.“ Das gemahnt uns an ein weiteres Zitat aus Orwells 1984:

Er sieht zu klar und redet zu unverblümt. Die Partei mag solche Leute nicht.
Teil 1, Kapitel V; Seite 57, Ullstein, 1995

Die Wachtturm-Gesellschaft rückt ständig die Organisation in den Mittelpunkt, und das ist zu einem ihrer herausragendsten Charakteristika geworden. Alles im Leben der Mitglieder muss sich den Wünschen der Organisation unterordnen. Ein britischer Parlamentarier fand ein paar ausgezeichnete Worte über Leute, die Organisationen allzu ergeben sind. Der Artikel wird im folgenden vollständig wiedergegeben.


IM EIGENEN DENKEN GEFANGEN

von W.P. Brown, MP

Ein Mitglied des britischen Parlamentes umreisst die Gefahren, Sklave von Institutionen oder Organisationen zu werden.

Man kann Menschen auf vielerlei Weise klassifizieren — als Ober-, Mittel- oder Unterschicht; reich, wohlhabend und arm; religiös, skeptisch und theistisch; konservativ, liberal, sozialdemokratisch, katholisch, protestantisch, sein eigener Herr usw. — ohne Ende. Doch ich glaube, die einzige Einordnung, auf die es wirklich ankommt, ist die, die Menschen als Diener des Geistes von Sklaven der Organisation trennt. Diese Einordnung, die quer durch alle anderen Einordnungen geht, ist tatsächlich die grundlegende. Die Idee, die Inspiration hat ihren Ursprung in der Innenwelt, der Welt des Geistes. Aber so, wie der menschliche Geist sich in einen Körper inkarnieren muss, so muss sich die Idee in eine Organisation inkarnieren. Ob es sich um eine politische, religiöse oder soziale Organisation handelt, spielt hier keine Rolle. Der entscheidende Punkt ist: Wenn die Idee als Organisation Gestalt angenommen hat, dann wird die Organisation die Idee, der sie ihr Dasein verdankt, langsam, aber sicher zunichte machen.

Wir können diesen Prozess auf vielen Gebieten am Werk sehen. Eins oder zwei davon möchten wir illustrieren. Auf dem Gebiet der Religion hat ein Prophet, ein Inspirierter, eine Vision der Wahrheit. Er äußert diese Vision in Worten, so gut er kann. Er sagt nicht alles, was er gesehen hat. Jede Äußerung von Wahrheit hat ihre Grenzen. Aber er wird sozusagen die Bedeutung seiner Vision ausdrücken. Wer ihm zuhört, versteht ihn nur zum Teil, und wenn er wiederholt, was er meinte, soweit er ihn verstanden hat, weicht dies bereits erheblich von der ursprünglichen Vision des Propheten ab. Auf das, was die Jünger des Propheten von seiner Botschaft verstanden haben, wird eine Organisation, eine Kirche gebaut. Die halb verstandene Botschaft wird als Glaubensbekenntnis Form annehmen. Über kurz oder lang besteht das Hauptinteresse der Kirche dann darin, sich selbst als Organisation am Leben zu erhalten. Zu diesem Zweck muß sie jedem Abweichen vom Glaubensbekenntnis mit Widerspruch begegnen; nötigenfalls muß sie es als Ketzerei zum Schweigen bringen. Was einmal als Bühne für eine neue und höhere Wahrheit gedacht war, ist innerhalb von ein paar dutzend oder auch einigen hundert Jahren zum Gefängnis für den menschlichen Geist geworden. Und Menschen bringen sich für die Liebe Gottes gegenseitig um. Die Sache hat sich ins Gegenteil verkehrt.

Auf dem Gebiet der Politik träumen die Entrechteten von einer Sozialordnung, die sich auf Gerechtigkeit gründet, ein System, in dem der eine den anderen nicht ausbeutet, in dem jeder nach seinem Vermögen seinen Beitrag leistet und nach seinen Bedrüfnissen erhält. Auf diesem Konzept ist eine politische Partei aufgebaut. Sie bekämpft über die Jahre die bestehende Ordnung. Wie bei der Kirche dauert es nicht lang, bis das Hauptanliegen der Partei die Selbsterhaltung ist. Auch hier muss jede Abweichung vom politischen Glaubensbekenntnis unterdrückt werden. Die „Parteilinie“ muss beibehalten und Abweichung niedergehalten werden. Im Laufe der Zeit wird die Partei mächtig. Jetzt wird sie nicht mehr von blauäugigen Idealisten geführt, sondern von äußerst Unnachgiebigen — die jetzt die neu gewonnene Macht dazu benutzen, einen schlimmeren Despotismus aufzurichten als den, den sie umgestoßen haben, und alle Löcher verstopfen, die sie in dem alten entdeckt haben. Das Ergebnis ist nicht Freiheit und soziale Gerechtigkeit, sondern eine umfassende und totalitäre Kontrolle, um eine neue Klasse von Privilegierten zu stützen, die wegen der früheren Erfahrungen ihrer Mitglieder noch rücksichtsloser als die alte ist.

Ähnliche Veranschaulichungen könnte man von jedem Gebiete des Lebens anstellen. Aber diese beiden genügen, um die Wahrheit zu zeigen, um die es mir hier geht. Hat die Idee einmal die Organisation hervorgebracht, entwickelt diese ein Eigenleben, das keine Verbindung zur anfänglichen Idee mehr hat und ihr zu schaden beginnt. Was diesen Abweichungsprozess ablaufen lässt, so dass die Organisation schließlich das Gegenteil der ursprünglichen Idee repräsentiert, ist die menschliche Neigung, sich in Organisationsdenken zu verfangen, statt dem Geiste zu dienen. In dieser Neigung gibt es viele Elemente. In einem gewissen Sinne kann man keine Organisation führen, ohne ihr Gefangener zu werden. Organisationen haben ihre eigenen Zwänge, in deren Interesse die ursprüngliche Idee etwas modifiziert werden muss. Sobald sich die unmanifestierte Idee konkretisiert, beginnt in sie das einzudringen, was der Dichter „das langsame Rosten der Welt“ nennt. Dabei muss von seiten der Führer keine bewusste Untreue im Spiel sein. Sie argumentieren vielleicht: Besser, die große Idee nimmt nur teilweise Form an, als dass sie nur als Idee im leeren Raum schwebt. Besser eine Scheibe, als gar kein Brot.

Dann: Je weiter das Gebiet, in das die Idee eingeführt wird, je größer der Kreis von Menschen, denen sie durch die Organisation propagiert wird, um so mehr muss sie aus Propagandazwecken „vereinfacht“ werden. Die Idee, die eine Partei hervorbringt, die eine gerechte Sozialordnung aufrichten will, muss in praktische Vorschläge übersetzt werden, wie den Acht-Stunden-Tag, die Fünf-Tage-Woche, und was nicht alles, wenn sie die Massen anziehen soll. Und so wird die Organisation weniger zur Bühne für die Idee als vielmehr zu einem Kanal, mittels dessen man bestimmten Interessen zu dienen hat. Das Dienen solch bestimmter Interessen zieht weitere Organisationen an, die mehr an den begrenzten Zielen interessiert sind, die sich die Organisation jetzt zu eigen gemacht hat, als an der großen Idee selbst. Und die Organisation fühlt den Druck solcher Gruppierungen, mit dem Ergebnis, dass die Idee zugunsten weniger ehrgeiziger Ziele in den Hintergrund tritt. In dieser Welt geht der Teufel um, und manchmal muss man ihm eine Kerze halten.

Ein weiteres Element ist dieses: Bei Propheten besteht immer eine gute Chance, dass sie kaltgestellt werden. Diese Chance nimmt zu, wenn sie von den Bergen in die Dörfer kommen, und noch mehr, wenn sie unbewaffnet sind. Propheten sollten nur dann unbewaffnet in die Dörfer gehen, wenn sie glauben, ihr Werk sei vollbracht, und bereit sind, abzutreten. Manche Propheten greifen zu Waffen. Der eigentliche Prophet tut das vielleicht nicht, aber seine Anhänger tun es. Man muss den Teufel mit seinen eigenen Waffen schlagen. Das ist von der Begründung her vernünftig, aber praktisch verheerend. Denn es heißt, dass ein Diener Gottes, der Anhänger der Idee, dazu neigt, auf die Ebene des Teufels hinabzusteigen. Die Organisation wächst und verdirbt dabei immer mehr. Ihre Führer sind nicht die Männer, die sie einmal waren.

Unter den einfachen Mitgliedern kommt vieles zusammen, das sie in der Organisation hält, selbst wenn ihnen beunruhigend bewusst wird, dass sich zwischen der Organisation und der Idee ein Riss aufzutun beginnt oder bereits eine gähnende Kluft besteht. Zuerst ist da die Trägheit. Es ist leichter, nicht zu gehen, als zu gehen. Sich treiben zu lassen ist einfacher, als eine Entscheidung zu treffen. Dann gibt es da die Sentimentalität. Wir alle neigen dazu, auf eine Organisation, deren Mitglieder wir sind, die guten Eigenschaften zu projizieren, die wir gerne hätten, und die Augen vor ihren Fehlern zu verschließen. Und schließlich sind Menschen Herdentiere. Sie tanzen nicht gerne aus der Reihe, weg von ihren Genossen. Allmählich ändert sich die Organisation. Und damit zieht sie neue Elemente an, die die Änderung gutheißen. Nicht aus bewusster Berechnung, was erst viel später kommt, wenn die Idee aufgegeben wird, sondern weil die Organisation ihre eigene Logik entwickelt, ihre eigene Daseinsberechtigung. Und weil Menschen dazu neigen, Gefangene der Organisation zu werden, kann es passieren, dass die Organisation schließlich für das genaue Gegenteil der Idee steht, der sie ihr Dasein verdankt.

Was ist die Moral von der Geschichte?

Eine Moral, so wäre es nicht gänzlich spöttisch vorzuschlagen, könnte sein, dass die erste Regel für eine Organisation die sein sollte, die dafür sorgt, dass sie sich in einer begrenzten Zeit selbst auflöst. „Diese Organisation wird nicht später als ... aufgelöst.“ Aber bei der tieferen Moral geht es um unsere Haltung gegenüber Organisationen als solchen. Die Moral ist, dass wir, selbst wenn wir Mitglieder einer Organisation sind, immer einen teilweisen Abstand von ihr einhalten. Selbst wenn wir ihr Mitglied sind, müssen wir über ihr stehen. Wir sollten in dem Wissen einig sein, dass wir keinen dauerhaften Platz in ihr haben. Wir sollten wochenweise Mieter sein, keine Dauerpächter. Wir sollten keine Verpflichtungen übernehmen, die uns daran hindern, zu gehen, wenn die Umstände es erfordern. Wir sollten darauf zählen, in fast ständigem Aufstand mit ihr zu sein. Über allem anderen sollten wir unsere Treue gegenüber einer Organisation als vorläufig und provisorisch ansehen. Die ganze Vorstellung von „meine Partei, im Guten wie im Bösen“, „meine Union, im Guten wie im Bösen“, „meine Kirche, im Guten wie im Bösen“ sollte unserem Denken völlig fremd sein. Wir müssen Diener des Geistes sein, nicht Gefangene einer Organisation. Wir müssen Kontakt zu den Quellen des Lebens halten, nicht uns in ihren zeitweiligen Werkzeugen verlieren. Und wann immer die Forderungen des Geistes, die Kategorischen Imperative der Seele, mit den Forderungen einer Organisation im Widerspruch stehen, ist alles mit einem der legendären Ausspüche Jesu gesagt, der alle Anzeichen der Authentizität in sich trägt:

Diese Welt ist eine Brücke. Ihr könnt über sie hinübergehen, aber ihr werdet keine Häuser auf ihr bauen.

Biwaks. Ja! Zelte. Vielleicht! Häuser. Nein!


GEFÄHRLICHE FRAGEN

Imperative der Organisation

Browns Artikel berührt das Problem, was zu tun ist, wenn man einen Unterschied zwischen Imperativen der Organisation und dem findet, was man selbst für recht hält. Diesen Konflikt zwischen dem, was einem die Vernunft gebietet, wenn man erkennt, dass die Wachtturm-Gesellschaft ganz und gar nicht das ist, was sie zu sein behauptet, und den Organisationsanweisungen der Gesellschaft, was man tun soll, veranschaulicht der Stoff, den sie über „Abtrünnige“ veröffentlicht. Nach der Bibel ist ein Abtrünniger jemand, der Gott aufgegeben hat oder ihm widersteht. Die Gesellschaft ist sich dessen bewusst, dass ein Unterschied besteht zwischen jemandem, der Gott, und jemandem, der ihre Organisation verlassen hat, aber sie bezeichnet jeden, der geht oder ihr auch nur öffentlich widerspricht, als Abtrünnigen. Damit kann die Gesellschaft biblische Ermahnungen bezüglich Abtrünniger auf jedermann anwenden, der nicht mit ihr übereinstimmt.

Gelegentlich hat die Gesellschaft in einem allgemeinen Sinne gesagt, ein Abtrünniger sei jeder, der eine Organisation verlässt. Doch wenn dieser Begriffsgebrauch stimmt, dann müssen die meisten Zeugen Jehovas, weil sie verschiedene Religionsorganisationen verlassen haben, Abtrünnige sein. Das Vernebeln von Definitionen durch die Gesellschaft macht es für sie einfacher, jeden zum Schweigen zu bringen, der ihr öffentlich widerspricht. Genau genommen ist jeder, der mit seiner Religionsgemeinschaft nicht übereinstimmt, ein Ketzer, aber der Gebrauch dieses Wortes trägt bestimmte schlimme geschichtliche Konnotationen über den Verwender, und deshalb vermeidet die Gesellschaft diesen Begriff.

Wenn Zweifel hochkommen

Das folgende Material veranschaulicht die Technik der Gesellschaft, ihre Begriffe nicht eindeutig zu definieren, weil ihr das Spiel zu dem Argument gibt, Jehovas Zeugen sollten auf niemanden hören, der nicht einer Meinung mit ihr ist. Der Wachtturm-Artikel, aus dem zitiert wurde, ist ein Musterbeispiel für die Propagandatechniken, vor denen in den genannten Wachtturm-Publikationen gewarnt wurde. Man vergleiche die Zitate mit den Techniken, wie sie oben in dem Buch Ausbruch aus dem Bann der Sekten genannt wurden. Man vergleiche sie insbesondere mit dem Artikel „Lässt du andere für dich denken?“ aus Erwachet! vom 8. Dezember 1978.

Im Wachtturm vom 15. März 1986 standen mehrere Artikel darüber, wie Jehovas Zeugen mit Vorstellungen umgehen sollten, die mit den Lehren der Gesellschaft im Widerstreit stehen. Der erste Artikel, „Lass dich nicht schnell in deinem vernünftigen Denken erschüttern“, beschreibt, beginnend auf Seite 10, wie die Zeugen den Glauben an die Gesellschaft als „Gottes Organisation“ verlieren könnten. Wie üblich, wird davon ausgegangen, dass die Wachtturm-Gesellschaft und Jehova praktisch identisch sind. Alle Schwierigkeiten sind auf die menschliche Unvollkommenheit zurückzuführen und belanglos. Interessant, wie subtil die geistige Manipulation vonstatten geht:

Doch der Teufel und andere Gegner der wahren Anbetung sind geschickt im Täuschen. Wir sollten nie vergessen, dass sie jederzeit darauf aus sind, möglichst unsere Lauterkeit zu brechen. Ihre Propaganda ist darauf angelegt, unseren Glauben zu schwächen, unsere Liebe zu Gott abzukühlen und Zweifel in unseren Sinn zu säen — ja, den Anschein zu erwecken, das geistige Paradies sei gar kein Paradies.

Zu den „Zweifeln“ gehören natürlich alle Zweifel, dass die Gesellschaft „Gottes Kanal“ sei. Gefühle über Gott werden mit Gefühlen über die Gesellschaft vermengt.

In Anlehnung an eine Redensart kann man sagen, es könnte so weit kommen, dass wir den Wald, nämlich das geistige Paradies, vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, weil wir die unvollkommenen menschlichen Bäume, die jetzt darin stehen, zu sehr aus der Nähe betrachten. Die Begeisterung, die wir hatten, als wir die Wahrheit kennenlernten, die großartige Hoffnung, die wir erlangt haben, die Liebe zu Gott und zu unseren geistigen Brüdern, die wir entwickelt haben, und der Eifer, den wir für Jehovas Dienst hatten, können nachlassen. Wenn nicht drastische Schritte unternommen werden, um einem solchen geistigen Verfall entgegenzuwirken, werden Gottes liebevolle Anforderungen schnell als bedrückend empfunden. Die bekömmliche Speise vom „treuen und verständigen Sklaven“ erscheint einem dann als etwas Verächtliches und die Bruderschaft der liebevollen Diener Jehovas als eine Hausgemeinschaft von Feinden.

Ganz unterschwellig wird die Vorstellung eingebracht, die Gesellschaft und Jehova seien nicht voneinander zu unterscheiden:

Die einzige, widernatürliche Befriedigung findet ein solcher Mensch dann darin, dass er sich abwendet und anfängt, seine Mitsklaven durch Verleumdungen und Halbwahrheiten zu schlagen.

Damit wird unterstellt, alle, die nicht völlig die Ansichten der Gesellschaft akzeptierten, seien widerwärtige, verleumderische Betrüger. Alle anderen Möglichkeiten werden dadurch ausgeschlossen, dass sie nicht erwähnt werden. Zweifel an der Gesellschaft bringen den Zweifler in Todesgefahr:

Ja, wir könnten nicht nur der Wohltaten des gegenwärtigen geistigen Paradieses verlustig gehen, sondern, was noch schwerwiegender ist, auch die Hoffnung auf ewiges Leben im buchstäblichen Paradies verlieren.

Sodann sagt der Artikel, wie Adam und Eva das Nachsehen hatten, weil sie einen von Gott unabhängigen Weg einschlugen. Das versetzt den Sinn des Lesers in einen Zustand, in dem er Abscheu vor der Idee des „unabhängigen Denkens“ empfindet. Was der oben erwähnte Artikel über Gehirnwäsche durch Evolutionisten sagte und was richtig war — eigenständig denken —, wird nun auf einmal gebrandmarkt:

Doch plötzlich war Unabhängigkeit — eine andersartige Lehre — für sie wichtiger als der Gehorsam gegenüber Jehova ... Welch einen hohen Preis sie doch für ihre sogenannte Unabhängigkeit bezahlten!

Dann werden Bibelstellen angeführt, dass sich niemand durch die List des Teufels verführen lassen sollte. Das soll wohl heißen, alle Gedanken, die den Lehren der Gesellschaft widersprechen, seien teuflisch.

Texte gegenübergestellt

Alsdann kommt der Artikel unter der Überschrift „Lass dich nicht mit Abgefallenen ein“ zum eigentlichen Kern. Im folgenden wird der Wachtturm-Artikel vom 15. März 1986 zitiert, und darunter in Kursiv befinden sich Zitate aus früher erwähnten Artikeln.

Nun, was wirst du tun, wenn du mit den Lehren Abgefallener konfrontiert wirst, mit spitzfindigen Überlegungen, durch die dein Glaube als Zeuge Jehovas zur Unwahrheit abgestempelt werden soll? Was wirst du beispielsweise tun, wenn du einen Brief oder eine Sendung von Schriften erhältst und beim Öffnen gleich erkennst, dass sie von einem Abgefallenen stammen?
Wachtturm, 15. März 1986, Seite 12

Symbole sprechen das Gefühl an. Wörter wie Mutter, Heim, Gerechtigkeit und Freiheit bewegen das Herz.
Erwachet!, 8. Dezember 1978, Seite 3

Dem Leser wird keine ausdrückliche Anweisung gegeben, wie er Literatur von Abtrünnigen erkennt, aber der erste Satz gibt ihm das Stichwort, wie er vorgehen soll. Das Symbol Abgefallener ist das Stichwort. Alles, was die Gesellschaft kritisiert, ist abtrünnig, weil alle Kritik an „Gottes Kanal“ unberechtigt ist. Die Frage muss auch gestellt werden, wie man „spitzfindige Überlegungen“ als solche erkennen kann, wenn man sich nicht genau mit ihnen befasst. Das liefert ein zweites Stichwort.

Wird dich deine Neugier veranlassen, sie zu lesen, nur um zu sehen, was er zu sagen hat? Möglicherweise denkst du: „Es wird mir nichts anhaben können; ich stehe zu fest in der Wahrheit. Und wenn wir die Wahrheit haben, brauchen wir nichts zu befürchten. Die Wahrheit wird der Prüfung standhalten.“ Einige, die so dachten, haben ihren Sinn mit dem Gedankengut Abgefallener genährt und sind Fragen und Zweifeln zum Opfer gefallen.
Wachtturm, 15. März 1986, Seite 12

Wie steht es mit dir? Lässt du andere für dich denken, oder denkst du für dich selbst? Wenn du das Denken nicht anderen überlässt, wird „Denkvermögen selbst stets über dich wachen“.
Erwachet!, 8. Dezember 1978, Seite 4

Entscheiden und Urteilen ist unentbehrlich im Leben. Aber „ohne genaue Prüfung der Tatbestände“ zu entscheiden oder eine „unüberlegte, ungerechte Entscheidung“ zu fällen verrät einen Mangel an Aufgeschlossenheit. Ein aufgeschlossener Mensch dagegen ist für Neues empfänglich. Er ist bereit, sich unvoreingenommen mit Neuem zu beschäftigen und es zu beurteilen.
Erwachet!, 22. Februar 1985, Seite 3

Fragen worüber und Zweifel woran? Nicht an Gott oder der Bibel, sondern an der Gesellschaft. Das ist es, was der Gesellschaft über allem anderen Sorgen bereitet.

Der Artikel beschreibt im weiteren die biblische Ansicht über Abtrünnige, wobei ständig unterstellt wird, die Gesellschaft sei die alleinige Quelle genauer Erkenntnis. Sie setzt sich im Denken des Lesers an Gottes Stelle. Das wird im folgenden Absatz stärkstens betont:

Wenn jemand zu uns sagt: „Das solltest du nicht lesen!“ oder: „Hör dir das nicht an!“, mögen wir versucht sein, seinen Rat zu übergehen. Bedenke jedoch, dass Jehova es ist, der uns durch sein Wort mitteilt, was zu tun ist. Was sagt er in bezug auf Abgefallene? „Meidet sie“ ... Wenn wir aus Neugier die Schriften eines Abgefallenen lesen würden, wäre das nicht dasselbe, als wenn wir diesen Feind der wahren Anbetung direkt in unsere Wohnung einladen, uns mit ihm zusammensetzen und ihn über seine abtrünnigen Ideen berichten lassen würden?
Wachtturm, 15. März 1986, Seite 13

Zu den Taktiken, die angewandt werden, um deinen Geist im Sturm zu erobern, gehören die Tyrannei der Autorität, andere lächerlich machen, beschimpfen, verleumden, verunglimpfen und sarkastische Bemerkungen über sie fallenlassen. Stichhaltige Beweise, verstandesmäßige Überlegungen, Logik? Das sind die schlimmsten Feinde des Propagandisten.
Erwachet!, 8. Dezember 1978, Seite 4

EINIGE Leute verschließen ihren Sinn vor allen neuen Gedanken. Und womöglich tun sie es nur deshalb, weil diese von ihren persönlichen Ansichten abweichen.
Wachtturm, 15. Januar 1989, Seite 5

Ein guter Erzieher beleuchtet alle Seiten einer Frage und fordert die Zuhörer auf, sich dazu zu äußern. Die Propagandisten hämmern auf ihrer Ansicht herum und suchen jede Meinungsäußerung zu verhindern.
Erwachet!, 8. Dezember 1978, Seite 3

Als nächstes vergleicht der Artikel das Lesen von Literatur „Abtrünniger“ mit dem Anschauen von Pornographie. Ständig werden Symbole und Stichwörter verwendet:

Nun, wenn wir unsere Kinder so entschieden vor dem Einfluss der Pornographie schützen würden, sollten wir dann nicht erwarten, dass unser liebevoller himmlischer Vater uns in ähnlicher Weise vor geistiger Unmoral schützt, wozu ja auch die Abtrünnigkeit zählt? Er sagt: Haltet euch von ihr fern!
Wachtturm, 15. März 1986, Seite 13

Zu den Taktiken, die angewandt werden, um deinen Geist im Sturm zu erobern, gehören die Tyrannei der Autorität, andere lächerlich machen, beschimpfen, verleumden, verunglimpfen und sarkastische Bemerkungen über sie fallenlassen.
Erwachet!, 8. Dezember 1978, Seite 4

An diesem Punkt empfindet der typische Leser so, als seien schwerwiegende Zweifel an der Wachtturm-Gesellschaft dasselbe wie Hurerei. Das ist in der Tat ein mächtiger Symbolismus.

Dann stellt der Artikel die Frage, was Jehovas Zeugen tun sollen, wenn aufrichtige Menschen dieselben Fragen wie „Abtrünnige“ aufwerfen (Wachtturm, 15. März 1986, Seite 13 ff.):

Wie verhält es sich jedoch, wenn wir beim Predigen der guten Botschaft Fragen oder Einwänden begegnen, die denen von Gegnern gleichen?

Man beachte, wie unterschwellig hier von „Abtrünnigen“ auf „Gegner“ geschwenkt wird. Das dient dazu, die Vorstellung zu betonen, jeder, der die Gesellschaft kritisiere, sei ein Gegner und damit ein Abtrünniger. Kein Raum dafür, dass aufrichtige Kritik auch berechtigt sein könnte.

Wenn der Betreffende nicht aufrichtig ist und nur streiten möchte, ist es gewöhnlich am besten, sich zu verabschieden und zur nächsten Tür zu gehen.

Wie stellt ein Zeuge fest, ob jemand aufrichtig ist? Er kann ja nicht seine Gedanken lesen. Daher ist die Erwiderung auf die Fragen des Zeugen entscheidend. Wenn diese Person nicht einer Meinung mit dem Zeugen ist, muss er unaufrichtig sein.

Was können wir aber tun, wenn uns jemand aufrichtig über gewisse Behauptungen Abgefallener befragt?

Man beachte wieder das subtile Stichwortgeben. Dieser jemand konnte nicht von sich aus mit den Fragen angekommen sein — er muss sie von den vom Teufel inspirierten Abtrünnigen haben.

Zunächst können wir den Betreffenden fragen, was der eigentliche Grund für seine Beunruhigung ist. Es kann sein, dass es sich lediglich um ein oder zwei Punkte handelt. Wir können uns dann auf diese konzentrieren und anhand der Bibel, der Publikationen der Gesellschaft und gemäß unserer gesicherten Erkenntnis über dieses Thema antworten. Wir sollten nicht meinen, wir müssten, um die falschen Behauptungen und Lehren der Gegner widerlegen zu können, deren Bücher oder Traktate lesen, die voller Verleumdungen und Halbwahrheiten sind.
Seiten 13-14

Ein unaufgeschlossener Mensch ist uninteressiert oder abgeneigt, eine Sache zu prüfen. Unaufgeschlossenheit könnte sogar ein Zeichen von Unsicherheit oder Zweifel sein. Wenn wir zum Beispiel unsere Glaubensansichten nicht verteidigen können, mögen wir auf kritische Fragen nicht logisch antworten, sondern mit vagen Erklärungen oder spitzen Bemerkungen darauf reagieren. Das riecht nach Vorurteil und Unaufgeschlossenheit.
Erwachet!, 22. Februar 1985, Seite 4

Hier wird davon ausgegangen, dass der Zeuge in der Lage sein wird, die aufrichtigen Fragen zu beantworten. Es wird nicht angedeutet, dass er manchmal vielleicht auf Fragen trifft, die innerhalb der Lehre der Gesellschaft nicht beantwortbar sind. Dieses Fehlen einer Warnung dient dazu, die Vorstellung zu verstärken, die Gesellschaft sei Gottes Kanal und sollte nicht angezweifelt werden: Sie kann sich unmöglich bei etwas irren. Wer also genug Erkenntnis hat, stichhaltige Zweifel anzumelden, muss daher bestenfalls unaufrichtig, schlimmstenfalls ein Gegner oder Abtrünniger sein. Der Rest des Artikels macht vollen Gebrauch von den in Ausbruch aus dem Bann der Sekten beschriebenen Propagandatechniken.

Der nachfolgende Artikel, „Gebt dem Teufel nicht Raum“, benutzt ähnliche Techniken, geht aber sogar noch so weit, vorsätzlich die Bibel falsch auszulegen, um sein Fazit zu beweisen.

Andere ... behaupten, die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas oder andere verantwortliche Brüder würden auf die Freiheit des Gewissens übergreifen oder auf das „Recht“ des einzelnen, die Bibel auszulegen. Denke aber an Josephs demütige Worte: „Sind Deutungen nicht Sache Gottes?“ (1. Mose 40:8).
Wachtturm, 15. März 1986, Seite 17

Sie sichten die Tatsachen: Von denen, die zu ihren Gunsten sind, reden sie viel, die anderen dagegen verbergen sie. Sie entstellen und verdrehen Tatsachen, spezialisieren sich auf Lügen und Halbwahrheiten. Sie haben es auf unsere Gefühle, nicht auf unsere Fähigkeit, logisch zu denken, abgesehen. Viele gehen ihnen ohne weiteres ins Garn, weil es keine Mühe kostet, Gefühle zu hegen, während das Denken harte Arbeit ist.
Die Propagandisten haben wenig Achtung vor der Denkfähigkeit der Leute. Hitler schrieb:„Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergesslichkeit groß ... Sie [die Propaganda] hat sich auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wiederholen.“
Erwachet!, 8. Dezember 1978, Seite 3

Betrug wird definiert als „Hintergehen eines anderen; Täuschung in der Absicht, sich einen Vorteil zu verschaffen, sich zu bereichern“, und als „Schwindel“
Erwachet!, 22. Januar 1990, Seite 8

Tatsächlich jedoch sprach Joseph über das Auslegen von Träumen, die gottgegebene Prophezeiungen waren, und nicht über das Auslegen der Bibel.

Die Zeugen sind oft beschuldigt worden, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate zu bringen, doch der Wachtturm vom 15. Dezember 1988 (Seiten 3-4) bemerkt, wie selbst der Apostel Paulus vorsichtig sein musste, um dies zu vermeiden:

Es wäre natürlich nicht richtig gewesen, wenn Paulus die Schriftstellen aus dem Zusammenhang gerissen und sie verdreht hätte, so dass sie zu seinen persönlichen Vorstellungen passten. Dessen kann man Paulus allerdings nicht beschuldigen. Doch offensichtlich taten dies einige der ersten Christen, denn der Apostel Petrus spricht von ‘Dingen, die schwer zu verstehen’ sind, „die die Ungelehrten und Unbefestigten verdrehen, wie sie es auch, zu ihrer eigenen Vernichtung, mit den übrigen Schriften tun“ (2. Petrus 3:16).

Der Artikel versucht auch zu zeigen, warum die fehlgeschlagenen Zeitvorhersagen der Gesellschaft sie nicht zu einem falschen Propheten machen. Der folgende Auszug ist ein gutes Beispiel für einen Streit ad hominem, wo, statt ein Argument anzusprechen, der Gegner attackiert wird:

Abschließend möchten wir das ansprechen, was die Gesellschaft in der Vergangenheit über Chronologie veröffentlicht hat. Einige Gegner behaupten, Jehovas Zeugen seien falsche Propheten. Sie sagen, es seien Daten festgelegt worden, aber nichts sei geschehen. Wiederum fragen wir, welches Motiv die Kritiker haben. Fördern sie die Wachsamkeit auf seiten des Volkes Gottes, oder versuchen sie nicht vielmehr, ihren Rückfall in eine schläfrige Untätigkeit zu rechtfertigen? (1. Thessalonicher 5:4-9).
Wachtturm, 15. März 1986, Seite 19

Beredsamkeit tritt häufig an die Stelle vernünftiger Argumente und lenkt die Aufmerksamkeit von unbequemen Wahrheiten ab, die nicht verheimlicht werden können. ... Zu den Taktiken, die angewandt werden, um deinen Geist im Sturm zu erobern, gehören die Tyrannei der Autorität, andere lächerlich machen, beschimpfen, verleumden, verunglimpfen und sarkastische Bemerkungen über sie fallenlassen ... Für ihre Behauptungen erbringen sie keine Beweise, und auch ihre Verleumdungen begründen sie nicht, sondern sie kehren nur ihre Autorität heraus und stellen ihre Meinung als unfehlbar hin, unterdrücken Einwände und schüchtern Andersdenkende ein.
Erwachet!, 8. Dezember 1978, Seite 3

Der Artikel sagt nicht, dass diese „Gegner“ Unrecht haben. Statt dessen wird die Person angegriffen:

Noch wichtiger ist die Frage: Was würdest du tun, wenn du eine solche Kritik hörst? Wenn jemand bezweifelt, dass wir in den „letzten Tagen“ des gegenwärtigen Systems leben, oder vielleicht die Vorstellung hegt, Gott sei so barmherzig, dass er sicherlich nicht den Tod so vieler Millionen Menschen während der „großen Drangsal“ herbeiführen werde, dann hat er bereits sein Herz für eine solche Kritik empfänglich gemacht.
Wachtturm, 15. März 1986, Seite 19

Ist eine „solche Kritik“ unangebracht? Die Gesellschaft sagte das Ende der Welt für 1914 voraus, dann für 1918, 1925 und 1975.* Sie sagte das Ende aller falschen Religion für 1918 vorher, und traf viele weitere falschen Vorhersagen, zu zahlreich, um hier erwähnt zu werden. Und was sagt der Schreiber dazu?:

Ja, Jehovas Volk musste von Zeit zu Zeit seine Erwartungen revidieren ... Außerdem sind wir dadurch, dass wir unser Verständnis etwas revidieren mussten, nicht zu falschen Propheten geworden.
Wachtturm, 15. März 1986, Seite 19

Wenn falsche Vorhersagen im Namen Gottes jemanden nicht zu einem falschen Propheten machen, was dann? Die Feststellungen in diesem Artikel tun nur eines: Jehovas Zeugen eine Entschuldigung für die Fehlschläge der Gesellschaft anzubieten. Auf kein einziges Argument, das von Gegnern stammen soll, wird eingegangen. Statt dessen werden Entschuldigungen angeboten.


*Die Gesellschaft behauptet, sie habe niemals das Ende der Welt für 1975 vorhergesagt, und soweit dies ausdrückliche Feststellungen in offiziellen Publikationen betrifft, stimmt das. Die Gesellschaft hat aber einen informellen Kanal für Kongressansprachen — mit Informationen, die nicht publiziert werden. Auf diese Weise werden Organisationsanweisungen verbreitet, aber es ist schwierig, später irgendetwas festzumachen, weil es nie zur „offiziellen“ Politik gehörte. Es folgt eine teilweise Mitschrift einer Ansprache mit dem Titel „Mit Sicht auf das ewige Leben dienen“ bei einem Kreiskongress im Frühjahr 1967 in Sheboygan, Wisconsin, durch den Vertreter der Gesellschaft. Der Sprecher betonte die Nähe Harmagedons, ohne ein bestimmtes Datum zu nennen. Doch von der Welt nach Harmagedon sagte er: „Nun, wer von uns heute abend wird dabei sein? Denn die Gesellschaft wendet diese Bibelstelle an, indem sie darauf hinweist, dass diejenigen unter uns Zeugen Jehovas, die ohne guten Grund nicht regelmäßig mit Seinem Volk zusammenkommen, nicht in der neuen Ordnung sein werden. Und dann sind wir es, die herbeikommen, wenn sich die Türen schließen, und sagen: ‘Ich möchte jetzt hinein. Herrn, öffne uns!’ Und Jesus muss dann sagen: ‘Es tut mir leid, ich erkenne euch nicht!’ Wäre das nicht schrecklich? Seht ihr jetzt, warum uns die Gesellschaft inständig bittet, jahraus, jahrein, immer dasselbe: ‘Brüder, geht in die Herde. Lasst uns keine Entschuldigungen dazwischenkommen. Nichts, aber auch gar nichts. Wenn die Zeit kommt, gibt es nur eins, das zählt, und das ist, dass wir drinnen sind.’ Und wir hoffen, dass alle von uns hier heute abend auf das Flehen der Gesellschaft hören werden. Wir werden auf die qualvoll flehentliche Bitte hören:’Brüder, geht hinein’, weil sie wissen, was kommt. Und sie wird sich noch vorher schließen.“

Organisation kontra Unabhängigkeit

Die Gesellschaft hat manchmal darauf hingewiesen, dass Christen sich nicht einer Organisation hingegeben haben.

Ohne eng mit Jehova, dem Quell des Lebens, verbunden zu bleiben, können wir den Blick nicht auf das ewige Leben gerichtet halten ... Mit diesem Gedanken im Sinn haben wir uns auch Jehova hingegeben. Wir haben uns weder einer Religion noch einem Menschen, noch einer Organisation hingegeben. Nein, wir haben uns dem höchsten Souverän des Universums, dem Schöpfer, Jehova Gott, hingegeben.
Wachtturm vom 15. Januar 1967, Seite 60

In Übereinstimmung damit enthielten die Tauffragen (die dem Täufling mit der Feierlichkeit eines Eides vorgelegt werden) bis Mitte der 1980er Jahre folgende Worte, erschienen auf Seite 501 des Wachtturm vom 15. August 1970:

Hast du dich aufgrund dieses Glaubens an Gott und an seine Loskaufsvorkehrung Jehova Gott rückhaltlos hingegeben, um fortan seinen Willen zu tun, wie dieser dir durch Christus Jesus und durch Gottes Wort geoffenbart und durch Gottes heiligen Geist verständlich gemacht wird?

Die neuesten Tauffragen aus dem Wachtturm vom 1. Juni 1985, Seite 30, zeigten, dass neue Zeugen Jehovas sich nicht mehr allein Gott hingeben, sondern praktisch auch der Wachtturm-Gesellschaft:

Bist du dir darüber im klaren, dass du dich durch deine Hingabe und Taufe als ein Zeuge Jehovas zu erkennen gibst, der mit der vom Geist geleiteten Organisation Gottes verbunden ist?

Diese Änderung zeigt an, dass die Gesellschaft möchte, dass die Mitglieder sie selbst ebenso in den Mittelpunkt rücken wie Gott. Alles läuft auf Organisationsdenken hinaus.

Der Wachtturm vom 15. April 1983 enthielt zwei Artikel, die die oben beschriebenen Problemgebiete veranschaulichen. Obwohl in einer Sprache formuliert, die den Leser ermahnt, Dinge wie sexuelle Unmoral und Untreue gegenüber Gott zu meiden, ist es die Hauptabsicht der Artikel, den Leser zu bestärken, die Wachtturm-Gesellschaft als Zentrum aller guten geistigen Dinge in den Mittelpunkt zu rücken. Auf Seite 22 wird unter dem Abschnitt „Vermeide unabhängiges Denken“ gesagt:

Satan zog schon zu Beginn seiner Auflehnung Gottes Handlungsweise in Frage. Er trat für unabhängiges Denken ein. ‘Du kannst selbst entscheiden, was gut und böse ist’, sagte er zu Eva. ‘Du musst nicht auf Gott hören. Er sagt dir in Wirklichkeit gar nicht die Wahrheit’ (1. Mose 3:1-5). Bis auf den heutigen Tag besteht einer der heimtückischen Anschläge Satans darin, Gottes Volk mit dieser Art des Denkens zu infizieren (2. Timotheus 3:1, 13).
Wie macht sich dieses unabhängige Denken bemerkbar? Im allgemeinen dadurch, dass der Rat, den Gottes sichtbare Organisation gibt, in Frage gestellt wird. Zum Beispiel hat Gottes Organisation von Zeit zu Zeit davor gewarnt, sich gewisse unsittliche und zweideutige Musikstücke anzuhören und Diskotheken oder andere Arten weltlicher Tanzsäle aufzusuchen, wo solche Musik gespielt wird und Leute verkehren, die für einen unsittlichen Lebenswandel bekannt sind (1. Korinther 15:33). Doch gewisse Personen wollten es besser wissen. Sie haben sich gegen diesen Rat aufgelehnt und das getan, was in ihren Augen recht war. Was war die Folge? Viele von ihnen haben sich in geschlechtliche Unsittlichkeit verstrickt und haben in geistiger Hinsicht ernsten Schaden genommen. Aber selbst wenn es sich auf sie persönlich nicht so ausgewirkt hat, sind sie dann nicht zu tadeln, wenn andere ihr Beispiel nachahmen und unter den schlechten Folgen zu leiden haben? (Matthäus 18:6).
Folgende Tatsache kann genug betont werden: Wir befinden in einem Krieg mit übermenschlichen Feinden müssen ständig dessen bewusst sein. Satan seine Dämonen eine Realität; kein Hirngespinst. Sie sind „die Weltbeherrscher dieser Finsternis“, haben einen geistigen Kampf gegen sie zu führen (Epheser 6:12). Es ist absolut wichtig, dass wir ihre heimtückischen Anschläge erkennen und uns davon nicht überwältigen lassen.

Der folgende Artikel im Wachtturm vom 15. April 1983 hat einen Abschnitt mit der Überschrift „Der Kampf gegen unabhängiges Denken“, in dem auf Seite 27 gesagt wird:

Durch das Studium der Bibel erfahren wir, dass Jehova seine Diener stets auf organisierte Weise geleitet hat. Wie es im ersten Jahrhundert nur eine wahre christliche Organisation gab, so bedient sich Jehova heute nur einer Organisation (Epheser 4:4, 5; Matthäus 24:45-47). Es gibt jedoch einige, die darauf hinweisen, dass die Organisation in gewissen Punkten Änderungen vornehmen musste. Deshalb sagen sie: „Das zeigt, dass wir uns selbst eine Meinung über das bilden müssen, was wir glauben sollten.“ Das ist unabhängiges Denken. Warum ist es so gefährlich?

Man beachte, was W. P. Brown, der vorhin ausgiebig zitiert wurde, darüber zu sagen hatte: „Über kurz oder lang besteht das Hauptinteresse der Kirche dann darin, sich selbst als Organisation am Leben zu erhalten. Zu diesem Zweck muß sie jedem Abweichen vom Glaubensbekenntnis mit Widerspruch begegnen; nötigenfalls muß sie es als Ketzerei zum Schweigen bringen.“

Solches Denken ist ein Zeichen von Stolz. Die Bibel sagt: „Stolz geht einem Sturz voraus und ein hochmütiger Geist dem Straucheln“ (Sprüche 16:18). Wenn wir auf den Gedanken kommen, wir wüssten es besser als die Organisation, sollten wir uns fragen: „Wo haben wir die biblische Wahrheit ursprünglich kennengelernt? Würden wir den Weg der Wahrheit kennen, wenn uns nicht die Organisation angeleitet hätte? Kommen wir ohne die Anleitung der Organisation Gottes aus?“ Nein, das ist uns nicht möglich. (Vergleiche Apostelgeschichte 15:2,28,29; 16:4,5.)
Wachtturm, 15. April 1983, Seite 27

Dies alles sagt nur, dass „unabhängiges Denken“ gefährlich und ein Beweis von Stolz ist. Dann appelliert der Absatz sofort an die Loyalität und die Empfindungen des Lesers: „Wo haben wir die biblische Wahrheit ursprünglich kennengelernt?“ Was geschah mit Psalm 32:9: „Werdet nicht einem Ross oder Maultier ohne Verstand gleich, deren Lebhaftigkeit sogar mit Zaum oder Halfter gebändigt werden muss“? Wie W.P. Brown sagte: „Der entscheidende Punkt ist: Wenn die Idee als Organisation Gestalt angenommen hat, dann wird die Organisation die Idee, der sie ihr Dasein verdankt, langsam, aber sicher zunichte machen.“ Wenn die ursprüngliche Idee zunichte gemacht ist, herrscht vereinheitlichtes Denken, und die Organisation schaut nach innen und nimmt eine Haltung von „Ihr gegen uns“ an. Das zeigt das letzte Zitát aus dem Wachtturm-Artikel (Seite 27):

Wenn wir an die einflussreichen Geistermächte denken, die gegen uns kämpfen, müssen wir zugeben, dass wir aus uns selbst nicht siegen könnten. Doch mit Gottes Unterstützung und mit der Hilfe und Unterstützung seiner Organisation — unserer weltweiten Bruderschaft — werden wir nicht verlieren (Psalm 118:6-12; 1. Petrus 5:9). Wir dürfen jedoch nie vergessen, dass wir uns in einem geistigen Krieg befinden und dass man es sich in Kriegszeiten nicht bequem machen kann, um mit Muße die Freuden des Lebens zu genießen, sondern man muss sich einer harten Schulung unterziehen, äußerst wachsam sein und sich aufopfern. Der Feind konnte einige von uns dazu verleiten, in ihrer Wachsamkeit nachzulassen, und diese sind ihm zum Opfer gefallen. Möge uns dies nie widerfahren! Wir werden davon verschont bleiben, wenn wir „die vollständige Waffenrüstung Gottes“ anbehalten, um gegen „[die listigen Anschläge] des Teufels standzuhalten“ (Epheser 6:11, 12).

Eine Untersuchung der Techniken

Als Übung für den Leser wird das folgende Material aus einem Watchtower aus dem Jahre 1943 vorgestellt. Der Leser wird eingeladen zu sehen, wieviele Propagandatricks benutzt werden.

Im Jahre 1943 hatte die Gesellschaft offensichtlich Schwierigkeiten, ihre Mitglieder dazu zu bringen, so viel in den Predigtdienst zu gehen, wie das Personal der Weltzentrale für wünschenswert hielt. So wurde ein Watchtower-Artikel geschrieben, um die Situation zu korrigieren und die Mitglieder anzuregen, öfter und in der von der Organisation vorgeschriebenen Weise zu predigen. Der Artikel ist ein klassisches Beispiel dafür, wie man durch Schuldgefühle und die Tyrannei der Autorität jemanden zu etwas bringt. Er veranschaulicht auch die Technik der Gesellschaft, alle möglichen plausiblen Argumente dafür zu finden, etwas zu tun, ohne ausdrücklich den wahren Grund dafür anzugeben. In dem Artikel erklärt die Gesellschaft explizit, ihre Anweisungen seien so, als spräche Gott selbst direkt zu den Mitgliedern. Man kann den Artikel in etwa wie folgt umreißen:

  1. Erkläre, dass es etwas Gutes ist, Gott zu dienen.
  2. Erkläre, dass die Wachtturm-Gesellschaft Gottes Vertreterin auf Erden ist.
  3. Erkläre, dass die Mitglieder auf die Gesellschaft hören müssen, weil ihre Anweisungen denen Gottes gleich sind.
  4. Gib ausdrückliche Anweisungen heraus.
  5. Stufe die herab, die bummeln, und lobe die, die günstig reagieren.

Der Artikel gebraucht immer wieder den Wachtturm-Jargon, ihre Standardwendungen und besonderen Symbolwörter:

Alte-Welt-Interessen ernannte Vertreter
Anweisungen befolgen freudig sein Teil annehmen
Ausflüchte ganzherzig
ausgesprochene Untreue gegenüber dem Herrn geistgezeugt
das Vorrecht haben, den Herrn zu vertreten gereinigt
den Namen des Herrn verherrlichen gerechte Erfordernisse
die den Herrn wirklich lieben gesalbt
Gottes Kanal getreu vollbringen
die den Sinn des Herrn haben geweiht
Dienst Gott gefallen
durch Gottes Gnade Haushalt des Glaubens
ernannt Jehovas Wille
Kämpfer für die Neue Welt sichtbares Mundstück
Neue-Welt-Interessen Speise zur rechten Zeit
Organisationsanweisungen Treue
Pflichten treuer und verständiger Sklave
Pflichten ernst nehmen untadelig
Rechtfertigung des Namens Jehovas Verantwortungen
Ruf zur Tat Volk des Herrn
seine Last vor dem Herrn tragen Vorkehrungen, die der Herr geschaffen hat
seine Lauterkeit erweisen Werk des Herrn
seinen Teil tun wertschätzen

Hier ein Auszug aus dem Watchtower-Artikel vom 1. Juli 1943, „Gerechte Erfordernisse“ [Anm. d. Übersetzers: Eigene Übersetzung; von Mitte 1940 bis September 1944 gab es keinen gedruckten deutschen Wachtturm]. Die eingestreuten Anmerkungen entstammen Erwachet! vom 8. Dezember 1978, dem Artikel „Lässt du andere für dich denken?“:

Das Königreich Gottes ist die höchste Regierung, der ein Geschöpf dienen kann. Jeder Dienst für das Königreich, der annehmbar sein soll, muss seinen Beweggrund in der Liebe zum Herrn haben. Ein intelligentes Geschöpf, das Gott gefallen möchte, muss diese Tatsache immer im Sinn behalten. Der Ruf zur Tat, der derzeitig an das Volk Gottes auf der ganzen Erde ergeht, ist ein gerechter Ruf, und zu handeln ist ein gerechtes Erfordernis ... Im Jahre 1918 kam der König zu seiner Tempelklasse, die sich aus geweihten, geistgezeugten und gesalbten Gliedern seines Leibes zusammensetzt. Diese hat er als gereinigt beurteilt und ernannt, als sein „treuer und verständiger Sklave“ zu handeln ...

Die Propagandisten hämmern auf ihrer Ansicht herum ... Sie haben es auf unsere Gefühle, nicht auf unsere Fähigkeit, logisch zu denken, abgesehen. (Seite 3)

Diesen Sklaven hat er über seinen irdischen Haushalt gesetzt und ihm die Verantwortung über alle seine Güter übertragen, mit der ausdrücklichen Anweisung, „Speise zur rechten Zeit“ für den Haushalt des Glaubens auszuteilen. Dieser Sklave wurde auch gesalbt, „den Sanftmütigen die gute Botschaft [zu] predigen“...
Die Schrift und die Tatsachen beweisen eindeutig, dass der Auftrag, der dem „treuen und verständigen Sklaven“ gegeben wurde, im Worte des Herrn begründet ist. Es gibt heute nur eine Organisation auf Erden, die die in diesem Auftrag des Herrn umrissenen gerechten Erfordernisse erfüllt. Die Gesellschaft, die durch die Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft vertreten wird, ist die einzige, die den Sanftmütigen die gute Botschaft predigt...

Der Propagandist achtet darauf, dass das, was er sagt, vernünftig, richtig und sittlich einwandfrei erscheint und dass du das Gefühl hast, geachtet zu werden und am richtigen Platz zu sein, wenn du entsprechend handelst. Du zählst dann zu den Tüchtigen, du stehst nicht allein, du hast es gut und bist geborgen — jedenfalls nach seinen Worten. (Seite 3)

Die „Gesellschaft“ setzt sich aus des Herrn geweihten, geistgezeugten und gesalbten Dienern zusammen und ist die Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“, der unter der Leitung des von Jehova beauftragten Königs Jesus Christus diesen Auftrag erfüllt. Wir sollten nicht erwarten, dass mehr als eine Organisation dieses Werk verrichtet, und die Tatsache, dass es keine weitere gibt, beweist eindeutig, wer der „treue und verständige Sklave“ ist, den der Herr über seinen Haushalt gesetzt hat. Der Herr hat nicht einer Anzahl von Dienern den Auftag erteilt, für ihn zu handeln; er hat sein Werk und seine Güter auch nicht über viele Organisationen verstreut. Nein! Es konnte nur einen „Sklaven“ geben; und wie Jephtha bewies, dass er vom Herrn erwählt war, indem er das Werk des Herrn im Geist und in der Kraft des Herrn tat, so beweist auch die Gesellschaft heute eindeutig gegenüber allen, die den Sinn des Herrn haben und an der Rechtfertigung des Namens Jehovas interessiert sind, dass sie der Herr erwählt hat und sein „treuer und verständiger Sklave“ ist, der das Werk des Herrn in der Macht und im Geiste Jehovas ausführt.

Aber selbst gebildete, intellektuell anspruchsvolle Personen fallen einer Form der Propaganda zum Opfer, die unfair und unsachlich ist. Diese Form der Propaganda tut den Standpunkt eines Andersdenkenden mit einer überlegenen Geste ab und behandelt ihn als bemitleidenswert, als einen Standpunkt, der keine Beachtung verdient ... Deshalb nehmen sie zu Behauptungen Zuflucht und verspotten jeden, der es wagt, diese anzuzweifeln ... Für ihre Behauptungen erbringen sie keine Beweise, und auch ihre Verleumdungen begründen sie nicht, sondern sie kehren nur ihre Autorität heraus und stellen ihre Meinung als unfehlbar hin, unterdrücken Einwände und schüchtern Andersdenkende ein. (Seite 4)

Diese Gesellschaft wurde vom Herrn ermächtigt, neue und alte Dinge für den Haushalt des Glaubens hervorzubringen und das Werk zu tun, für das der Herr sie organisiert hatte. Daher ist sie vollkommen befähigt und angemessen ermächtigt, einen „Ruf zur Tat“ an alle erschallen zu lassen, die den Anspruch erheben, auf der Seite des Herrn zu stehen, sich selbst im Werke des Herrn beschäftigt zu halten.

Zu den Taktiken, die angewandt werden, um deinen Geist im Sturm zu erobern, gehören die Tyrannei der Autorität ... (Seite 4)

Dieser „Ruf zur Tat“, ausgesandt vom Herrn durch die Gesellschaft, gründet sich auf die erfüllten Prophezeiungen aus seinem Wort, das allen deutlich offenbart wurde, die den Sinn des Herrn haben, durch solche Watchtower-Artikel wie denen über die Prophetie aus Daniel 11:27-45, „Micha“, „Lied-Ruf zur Tat“, „Niederlage der Verfolgung“, „Das einzige Licht“, „Kämpfer für die neue Welt“" usw. Auf diese faszinierenden Prophezeiungen wurden wir im Verlauf des letzten Jahres aufmerksam gemacht, und sie offenbaren deutlich die Erfordernisse des Herrn für die, die unter der Leitung seines Königs stehen. Es sind daher richtige und gerechte Erfordernisse für jeden geweihten Diener des Herrn.

Symbole sprechen das Gefühl an. Wörter wie Mutter, Heim, Gerechtigkeit und Freiheit bewegen das Herz. Schlagwörter sind einprägsam und erscheinen äußerst klug. (Seite 3)

Wie lässt der Herr den Ruf an sein Volk ergehen? Ergeht er in Form eines schroffen Ultimatums: Tue dies, sonst -- ? Nein! Solche Ultimaten sind nicht notwendig. Der Herr nimmt niemals eine solche Haltung gegenüber seinen Dienern ein, und niemand sonst hat das Recht dazu...
Der Ruf richtet sich daher an die, die den Herrn lieben und über seine gerechten Erfordernisse jubeln, die die Verantwortungen der Neuen Welt annehmen und in ihr leben möchten. Sie zeigen ihren Glauben und ihre Treue durch ihre Reaktion auf diesen Ruf zur Tat. Wenn diese Klasse das Problem sieht und den Ruf hört, ist nicht mehr nötig. Jesus sagt über sie: ‘Sie kennen die Stimme des guten Hirten, und sie werden keinem Fremden folgen.’ (Joh. 10:4,5) Der Herr lässt den Ruf in organisierter, systematischer Weise ergehen. Das wird in der ganzen Bibel betont, von den ersten Kapitel der Genesis bis zu den letzten Kapiteln der Offenbarung. Wir wollen eins oder zwei durch eine Veranschaulichung näher betrachten.
In Genesis 1:26 erließ Jehova mit folgenden Worten einen „Ruf zur Tat“ an seinen Sohn, den Logos, und andere, die für die Erschaffung des Menschen notwendig waren: „Und Gott sprach: Lasset UNS Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis.“ Das war alles. Jehova äußerte seinen Willen. Dieser ausdrückliche Wille wurde zu „Organisationsanweisungen“ an den Logos...
Jede Organisation benötigt besondere Anweisungen für alle, die in ihr dienen. In der Vergangenheit gab der Herr seine „Organisationsanweisungen“ durch seine Zentralorganisation, seinen Kanal, heraus. Jeder nahm freudig seinen Teil dabei an und führte ihn glaubensvoll aus.

Propheten wandten sich an keine Zentralorganisation um Anweisungen. Sie erhielten sie direkt von Jehova Gott. Selbst Propheten, die Zeitgenossen waren, berieten sich nicht miteinander über die Botschaft, die sie geben sollten. Das traf auch auf die Urchristenversammlung zu. Die Gaben des heiligen Geistes wurden nicht durch irgendeinen irdischen Kanal verliehen, sondern direkt. Wie Apostelgeschichte 15 und Galater 1 und 2 zeigen, wandte sich der Apostel Paulus nicht an die Jerusalemer Versammlung, um Befehle zu empfangen, als sei sie eine Zentralgewalt. Statt dessen wirkte er aus der Versammlung in Antiochia heraus und berichtete ihr über seine Tätigkeit. Tat-sächlich war der wichtigste Grund, warum Paulus nach Jerusalem ging, das Ergebniss einer Offenbarung, ein Problem zu bereinigen, das Männer aus Jerusalem geschaffen hatten, „von Jakobus“.

Der Apostel sagt uns, dass Gott jetzt durch seinen Sohn zu uns spreche. (Hebr. 1:1, 2) Der Sohn ist als König zurückgekehrt; er ist zu seinem Tempel gekommen. Er hat seinen „treuen und verständigen Sklaven“ ernannt, der sein sichtbares Mundstück ist, und sagt zu denen, die das Vorrecht haben, ihn auf Erden zu vertreten: „Und dieses Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zu einem Zeugnis“ (Matth. 24:14); und: „Die Bewohner der einen werden zur anderen gehen und sagen: Lasst uns doch hingehen, den HERRN anzuflehen und den HERRN der Heerscharen zu suchen“ (Sach. 8:21); und: „Siehe, ich will zu vielen Fischern senden, spricht der HERR, die sollen sie fischen. Und danach will ich zu vielen Jägern senden, die sollen sie jagen von jedem Berg und von jedem Hügel und aus den Felsenklüften.“ — Jer. 16:16.
Diese Äußerungen des Willens Gottes seitens des Königs und durch seinen eingesetzten Bevollmächtigten [englisch: established agency] stellen sein Gesetz oder seine Handlungsanweisung für den „treuen und verständigen Sklaven“ und dessen wohlgesonnene Gefährten dar, die in der Neuen Welt für immer auf der Erde weilen werden. Der Herr gliedert unsere Handlungsanweisungen weiter auf, damit sie besser durchführbar sind, und sagt uns durch seinen „treuen und verständigen Sklaven“ Genaueres. Er sagt: ‚Wir wollen den Sonderpionieren, den Pionieren und den Ortsversammlungen [englisch: companies] der Zeugen Jehovas das Feld, die Welt, in geordneter Weise zuteilen, genug, damit jeder darin gründlich Zeugnis geben kann, und wir wollen jedem die Verantwortung dafür übertragen, in seiner jeweiligen Zuteilung die Interessen der Neuen Welt zu vertreten.‘ Er sagt, dass das Erfordernis für Sonderpioniere 175 Stunden und 50 Rückbesuche im Monat betragen soll, was zu einer angemessenen Zahl von Studien führen sollte; und dass es für allgemeine Pioniere 150 Stunden und so viele Rückbesuche und Studien betragen sollte, wie in dieser Zeit vernünftig durchgeführt werden können. Und in bezug auf die Versammlungsverkündiger sagt er: ‚Wir wollen eine Quote von 60 Stunden und 12 Rückbesuchen und wenigstens einem wöchtentlichen Studium für jeden Verkündiger setzen.‘ Wir erhalten diese Anleitungen vom Herrn durch seinen eingesetzten Bevollmächtigten, sie zeigen uns, was von uns verlangt wird; und für diejenigen, die den Herrn wirklich lieben und sich von seinem Rat leiten lassen, ist das ein vernünftiges Erfordernis für den Dienst. Diese Willensäußerung des Herrn sollte jedem Streit ein Ende machen. Die Erfordernisse sind zu eurem Nutzen aufgestellt, denn durch sie seid ihr in die Lage versetzt, eure Redlichkeit unter Beweis zu stellen und den Namen des Herrn zu erhöhen.
Diese Anweisungen des Herrn betreffen uns als Einzelpersonen und als kollektive Einheiten, als Versammlungen [englisch: called “companies”]. Fast jeder dem Herrn Geweihte erkennt an, dass eine “company” Organisation erfordert, um vernünftig zu funktionieren, aber nicht alle Brüder sind sich dessen bewußt, dass sie, um als einzelne ihrer Verantwortung nachzukommen, eine ebenso vollständige Organisation benötigen wie die Versammlung. Zur Verdeutlichung: Jeder erkennt, dass allen Versammlungen ein fest umrissenes Gebiet für das Zeugniswerk zugeteilt sein sollte, aber nicht jeder versteht, dass jeder einzelne in der Versammlung sein persönliches Gebiet für die Zeugnistätigkeit haben sollte. Den Schluss zu ziehen, er könne dem Herrn ohne persönliche Zuteilung richtig dienen, ist für einen Verkündiger ebenso töricht, wie es das für eine Versammlung wäre, wenn sie entscheiden würde, sie könne in einer dem Herrn annehmbaren Weise auch ohne die Zuteilung eines Gebietes funktionieren. Von einer Versammlung erwartet man, dass sie ein Gebiet hat, dass sie systematisch von Haus zu Haus arbeitet, Rückbesuche macht, Buchstudien durchführt und ganz allgemein Menschen guten Willens beisteht. Sie soll alle Arten von Literaturdienst in ihrer Zuteilung durchführen. Sie bleibt logischerweise in der eigenen Stadt und den angrenzenden Gebieten, die sie angemessen bearbeiten kann. Es wäre höchst töricht, wenn sie die eigene Stadt verlassen und in eine Stadt zwanzig Meilen weiter gehen würde, wo jemand anders tätig ist, um dort systematisch Zeugnis zu geben. Jeder vernünftig denkende Mensch wird zugeben, dass das nicht bloß töricht wäre, sondern als untreu gegenüber dem Herrn eingestuft werden müsste. Derselbe Grundsatz trifft auf den Verkündiger zu, der sich weigert, die Verantwortung für das ihm zugeteilte Gebiet zu übernehmen, und nicht will, dass die Zuteilung so nah wie möglich bei seiner Wohnung ist. Je weiter von zu Hause entfernt die Zuteilung liegt, um so weniger Zeit wird er haben, sich ihr zu widmen, und um so schwieriger wird es sein, dem Gebiet vernünftig seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Folglich ist es gegenüber dem Herrn in gewisser Weise untreu, so seine Zeit und die Kraft, die ihm gehören, zu vergeuden.

Die Propagandisten haben wenig Achtung vor der Denkfähigkeit der Leute. Hitler schrieb: „Die Aufnahmefähigkeit der großen Masse ist nur sehr beschränkt, das Verständnis klein, dafür jedoch die Vergeßlichkeit groß ... Sie [die Propaganda] hat sich auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wiederholen.“ (Erwachet!, 8. Dezember 1978, Seite 3)

Die Zeit ist da, wo jeder völlig seine eigene Last vor dem Herrn tragen muss. Mit den Vorkehrungen, die der Herr jetzt getroffen hat, indem er uns neue Bücher, Fragebroschüren mit vollständigen Anweisungen, wie ein Studium richtig durchzuführen ist, usw., an die Hand gegeben hat, gibt es absolut für niemanden, ob Mann oder Frau, eine Entschuldigung, wenn er behauptet, er könne kein persönlich zugeteiltes Gebiet annehmen und dafür die volle Verantwortung übernehmen. Wer den Herrn wirklich liebt und für die Neue Welt streitet, wird nicht versuchen, sich aus dem einen oder anderen Grund herauszureden. Er wird vielmehr das Wort des Herrn hören, wenn er sagt: ‘Wir wollen dieses oder jenes tun’, und nie vergessen, dass das Wir den Herrn mit einschließt, der bei all euren Vorhaben mit euch sein wird. — Matthäus 18:20.
Jetzt sagt uns der Herr durch seinen „treuen und verständigen Sklaven“: „Wir wollen unser Gebiet viermal in sechs Monaten bearbeiten.“ Das wird zu unseren Organisationsanweisungen und hat dieselbe bindende Wirkung für uns, wie es seine Aussage für den Logos hatte, als er sprach: „Lasst uns Menschen machen in unserm Bild.“ Es ist unsere Pflicht, diese zusätzliche Anweisung anzunehmen und zu befolgen. Aber jemand sagt vielleicht: „Die Verhältnisse sind anders. Der Logos konnte das vollbringen, was der Herr ihm aufgetragen hat; wenn es aber darum geht, unser Gebiet viermal in sechs Monaten zu bearbeiten, so ist das völlig unsinnig. Wir haben es niemals öfter als einmal, höchstens zweimal in sechs Monaten bearbeitet. Das ist einfach unmöglich.“ Wir haben alle dieses Argument schon gehört. Und wenn es zuträfe, sähe die Sache wirklich schlimm aus und würde heißen, dass uns der Herr etwas aufgetragen hat, das wir unmöglich erfüllen können. Die Kinder Israels gingen am letzten Tag sieben Mal um Jericho herum.
Das Gebiet, das gegenwärtig ein oder zwei Mal in sechs Monaten bearbeitet wird, könnte sehr leicht auch fünf oder sechs Mal in der gleichen Zeit bearbeitet werden, wenn jedermann seine Königreichsverpflichtungen ernst nähme. Das ist keine Theorie, sondern eine Tatsache aufgrund der Zahlen, die von einer Anzahl Versammlungen in den letzten sechs Monaten zusammengetragen wurden. Hier scheint Psalm 116:12-18 einer näheren Betrachtung wert zu sein: „Wie soll ich dem HERRN vergelten alle seine Wohltaten an mir? Den Heilsbecher will ich erheben und den Namen des HERRN anrufen. Ich will dem HERRN meine Gelübde erfüllen, ja, vor seinem ganzen Volk! Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen. Ach, HERR, ich bin ja dein Knecht! Ich bin dein Knecht, der Sohn deiner Magd! Gelöst hast du meine Fesseln! Dir will ich ein Dankopfer bringen, anrufen will ich den Namen des HERRN! Ich will dem HERRN meine Gelübde erfüllen, ja, vor seinem ganzen Volk.“
Dies zu tun bedeutet vielleicht, sich die Zeit zu nehmen und die Anstrengungen zu unternehmen, die jetzt noch den Dingen der „alten Welt“ gelten, und sie auf die Interessen der Neuen Welt zu richten, die diejenigen Gottes sind und in Ewigkeit bestehen. In dieser Hinsicht treffen die Worte des Apostels Petrus genau zu: „Da dies alles so aufgelöst wird, was für Leute müsst ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit?“ (2.Petrus 3:11) Ehe bei der Zunahme unserer Tätigkeit wirklich Fortschritte gemacht werden, muss jeder einzelne von uns erkennen, dass diese Aufforderungen zur Tätigkeit vom Herrn kommen und ihm persönlich gelten, und von ganzem Herzen darauf reagieren.

Warum tun sie es?

Die Wachtturm-Gesellschaft hat eine Reihe von falschen Vorhersagen über „das Ende der Welt“ von sich gegeben. Viele Menschen haben sie deshalb beschuldigt, ein „falscher Prophet“ zu sein. Erwachet! vom 22. März 1993 versuchte, auf diese Kritik zu antworten, aber es tat es in einer Weise, die als Musterbeispiel Orwellschen Doppeldenks gelten kann. Der Rationalisierungsprozess, zu dem die Gesellschaft greift, um ihre falschen Vorhersagen und Kehrtwendungen in der Lehre unter den Teppich zu kehren, sind offensichtlich. Schon sind die falschen Vorhersagen über das Jahr 1975 fast aus dem Kollektivbewusstsein der Zeugen Jehovas verschwunden. Die fehlgeschlagenen Prophezeiungen vorangehender Jahrzehnte sind fast vergessen.

George Orwell beschrieb diesen Prozess ganz genau:

Die Vergangenheit wurde getilgt, die Tilgung wurde vergessen, die Lüge wurde Wahrheit.
Teil 1, Kapitel VII; Seite 78, Ullstein, 1995
Und da die Partei die absolute Kontrolle über alle Dokumente ausübt und eine ebenso absolute Kontrolle über das Denken ihrer Mitglieder, folgt daraus, dass die Vergangenheit immer so aussieht, wie es die Partei gern haben möchte.
Teil 2, Kapitel IX; Seite 214, Ullstein, 1995

Die Bibel sagt, dass Jehova der Gott der Wahrheit ist, und uns scheint, dass hier ein Abschnitt aus der Scofield-Übersetzung von Hiob 13:7-11 anwendbar ist:

Wollt ihr für Gott Verkehrtes vorbringen und für ihn Falsches vortragen? Wollt ihr seine Partei ergreifen, oder wollt ihr für Gott den Rechtsstreit führen? Wird es gut für euch sein, wenn er euch erforscht? Oder wollt ihr ihn täuschen, wie man einen Menschen täuscht? Hart zurechtweisen wird er euch, wenn ihr insgeheim die Person anseht. Wird seine Hoheit euch nicht aufschrecken und sein Schrecken nicht auf euch fallen?

Aber anscheinend will die Wachtturm-Gesellschaft nicht, dass ihre Mitglieder ihr Denkvermögen gebrauchen.