Rituelle Gewalt

Eine Paralellwelt mitten unter uns

Überlebende von ritueller Gewalt reagieren meistens mit Traumafolgestörungen wie einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), einer Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) und anderen Dissoziativen Störungen. Sie werden konditioniert und programmiert, deswegen empfiehlt sich eine traumaspezifische Therapie.

1. Definition

Rituelle Gewalt ist eine schwere Form der Misshandlung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern. Intention ist die Traumatisierung der Opfer. Rituelle Gewalt umfasst physische, sexuelle und psychische Formen der Gewalt, die planmäßig und zielgerichtet im Rahmen von Zeremonien ausgeübt werden. [...] Ziel ist es, die Opfer zu verwirren, in Angst zu versetzen, gewaltsam einzuschüchtern und mit religiösen, spirituellen oder weltanschaulich-religiösen Glaubensvorstellungen zu indoktrinieren. Meist handelt es sich bei rituellen Gewalterfahrungen nicht um singuläre Ereignisse, sondern um Geschehnisse, die über einen längeren Zeitraum wiederholt werden.

Handbuch Rituelle Gewalt S.25/26 - die Definition bezieht sich auf Becker / Fröhling 1998,:in Becker 2008

Frau Igney und Frau Fliß haben 2010 im Kapitel Definition viele weitere Aspekte ergänzt.

Rituelle Gewalt findet in der Regel statt in Gruppierungen mit hierarchischen und männlich dominierenden Strukturen, oft generationsübergreifend und mit langer Tradition. In manchen Gruppierungen sind die Handlungen in ein Glaubenssystem eingebettet. Andere Gruppierungen täuschen ein Glaubenssystem nur vor, um andere Interessen (Macht, Geld, Sadismus) verwirklichen zu können.

Verbindungen zu anderen Bereichen der Organisierten Kriminalität (Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung jeglicher Art, Drogen etc.) sind üblich (vgl. Kap.4.2).

Es gibt unabhängig agierende Gruppierungen und solche, die sich untereinander vernetzen und zweckgebunden kooperieren, aber auch rivalisieren um Vorherrschaft.

In den Gruppen besteht ein Schweigegebot, dessen Bruch durch die Gruppe geahndet wird. Ausstiegswillige werden unter Druck gesetzt, erpresst, verfolgt oder als letztes Mittel getötet. Funktionalität und Gehorsam werden in manchen Gruppierungen durch lebenslange Konditionierung und Programmierung der Mitglieder gewährleistet, die mit Situationen von Todesbedrohung und Ausweglosigkeit verbunden sind (vgl. Kap. 1.7,1.8 und d2.3).

Dabei wird i.d.R. schon ab Geburt oder vorgeburtlich absichtlich eine Dissoziative Identitätsstruktur erzeugt, die im Inneren des Menschen die Machtausübung und Kontrolle fortsetzt (vgl. Kap. 1.2,1.3 und 1.8).

Die wechselseitige Kontrolle der Mitglieder untereinander wird zusätzlich verstärkt durch emotionale Bindungen untereinander (Eltern, Geschwister, eigene Kinder, Verwandte, Freundschaften). Manche der Persönlichkeiten haben nur in der Welt der rituellen Gewalt ihre Bindungen und ihre Bedeutung. Dies beinhaltet oft auch eigene Täterschaft - erzwungen oder aus eigener Überzeugung (vgl. Kap.2.2,2.3 und 1.1.)

2. Ideologie - Hintergründe
am Beispiel Satanismus/Luziferismus

Die Regel ist planmäßige, sexuelle, körperliche und psychische Gewalt bis hin zur Tötung. Satan/Luzifer ist der Herrscher der Welt und die Bibel ist gefälscht.

Nach außen führen sie ein "Biedermann"-Leben, sie tun alles um normal zu wirken. Menschen in diesen Kulten werden auf Perfektion getrimmt und das in wahrstem Sinne des Wortes.

  • sie gehören der Elite Satans/Luzifers an
  • eine reine Blutlinie ist wichtig, es wird bestimmt mit wem man zusammen ist und wen sie Heiraten dürfen
  • sie teilen rechtsradikales Denken
  • Das höchste Geschenk an den Herrscher ist ein Säugling (Opferung). Die Kindesmutter muss das Menschenopfer an ihrem Säugling vollziehen, wenn sie sich weigert wird ihr die Hand geführt
  • sie streben Unsterblichkeit an
  • Menschen die sterben werden wieder auferstehen

Einige Aussteiger haben berichtet, dass der Kult sich anderen religiösen Gemeinschaften anschließt, um sich zu tarnen. Auch bei den Zeugen Jehovas soll es Gruppen geben.

3. Hierarchie – Die drei Stufen am Beispiel Luziferismus

Hierachiestufenmodell von Heike Müller

1. Stufe: Ich muss werden

In dieser Stufe wissen die Mitglieder noch nichts, sie müssen die Grundregeln lernen.

Das Schweigegebot wird eingetrimmt, sie dürfen keinen eigenen Willen und Bedürfnisse haben. Der absolute Gehorsam ist zwingend.

Schlafentzug, Nahrungsentzug, Misshandlungen, Missbrauch und Erleben von Todesangst, so wird die erste Dissoziation (Spaltung) erzeugt.

2. Stufe

Die Identifizierung mit dem Kult wird gefeiert, man gehört jetzt zur Elite. Es handelt sich dabei um eine Zeremonie. Man bekommt ein weißes Gewand an, welches man im laufe des Rituals ausgezogen und durch ein schwarzen getauscht bekommt. Man zieht die Kultpersönlichkeit an.

Das Mitglied beherrscht alle Verhaltensweisen perfekt und wird als Spitzel des Fußvolkes (1. Stufe) eingesetzt.

Ab da ist man der/die perfekt programmierte Sexarbeiter/in.

Das Kultmitglied tut alles, um nicht mit Folter oder anderen Grausamkeiten bestraft zu werden. Er ist süchtig nach der Anerkennung des Kultes.

3. Stufe

Man ist Luziferaner, es gibt kein zurück mehr. Das Mitglied ist Opfer und auch Täter.

Ein Ausstieg ist nur unter schwersten Bedingungen möglich, er wird schwer geahndet und kann zum Tod durch Ermordung führen.

4. Wer sind die Täter?

Bei der rituellen Gewalt werden laut der Psychologin Ellen Lacter aus den USA 3 Täterkreise unterschieden:

  1. Sex-Ringe (Kindes-Missbrauch, -Misshandlung, -Prostitution, -Pornografie) die Symbole verwenden, um Kinder einzuschüchtern, zu kontrollieren, zu täuschen und sadistisch sexuell auszubeuten, wobei häufig auch Geld mit den Kindern gemacht wird. Sie verfolgen häufig auch eine Ideologie - z.B. faschistische oder satanistische - oder kooperieren mit Gruppen, die eine solche Ideologie verfolgen.
  2. Einzeltäter und sogenannte Psychopathen die unter antisozialer Persönlichkeitsstörung leiden und satanische Symbole verwenden (z.B. Serienmörder, Vergewaltiger)
  3. Anhänger von Satan oder schwarzer Magie (Misshandlung dient hier zum Erreichen der spirituellen Ziele)

Die Täter agieren in Gruppen, die Opfer berichten von mehreren Tätern.

Die Täter sind Männer (97%) und Frauen (3%) und kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten. In den meisten Fällen werden sie bereits in die Kulte hineingeboren. Die Familien sind seit Generationen in der Gruppierung. Kinder werden von Anfang an auf die Aufgaben in der Gruppe konditioniert. Die Berufswahl wird vom Kult bestimmt. Häufig verlangt der Kult, dass sie Lehrer oder Ärzte werden. Häufig finden sich so unter den Tätern auch sehr angesehene Bürger in hohen Berufen, wie Lehrer, Anwälte, Staatsanwälte, Polizisten, Ärzte und auch Psychiater. Kinder werden häufig in Schulen eingeschult, in denen Kultanhänger als Lehrer oder Sozialarbeiter tätig sind. So wird gewährleistet, dass die Kinder sich niemandem anvertrauen oder auffällig werden.

Die Eltern sind an der systematischen Abrichtung der Kinder für rituelle Misshandlungen meist beteiligt. Sie tragen Sorge dafür, dass das Kind unauffällig bleibt, wenn möglich pflegen die Familien keinen Kontakt zu Nicht-Kultmitgliedern. Innerhalb der Familie wird das Kind gefoltert, vergewaltigt, auf absoluten Gehorsam getrimmt und auf Schmerz konditioniert. Die Eltern bringen ihre Kinder zu den Kulttreffen, zu anderen Kultmitgliedern und/oder auch zu Kinderbordellen. Aber nicht alle Eltern sind involviert: es gibt Fälle, in denen nur die Kinder rekrutiert wurden. In diesen Fällen werden die Kinder damit zum stillschweigen gebracht, dass sonst ihre Familie getötet wird.

5. Erziehung

Eltern erziehen ihre Kinder zum Gehorsam und zum Schweigen. Diese lernen ihre Gefühle und Bedürfnisse zu unterdrücken. Den Kindern wird immer wieder suggeriert, dass der Kult ihre Heimat ist. Folter wird als Pflicht und gut angesehen, sie dient als Energiespender. Man tut somit dem zu Folternden einen Gefallen damit. Schmerz ist heilig und eine Erhöhung gegenüber Satan. Durch die Vergewaltigungen wird der "Same Satans" in sie eingepflanzt. Der "Same" ist gediehen, wenn das Kind gefühllos misshandeln und töten kann, auch Freunde. Wenn Kinder aus dem Kult sagen, sie fahren in ein Ferienlager, meinen sie damit, dass sie in ein Folterlager fahren. Die Erzieher lehren sie dort zu foltern, zu vergewaltigen und wie man Männer befriedigt. Sie müssen lernen, in zwei Welten zu leben: das Leben im Kult und das Leben in der Gesellschaft so wie wir es kennen.

6. Feiertage und ihre Rituale

Es gibt so einige Feiertage an denen Rituale stattfinden.
Feiertage sind:

  • Walpurgisnacht
  • Sommer-/Wintersonnenwende
  • Halloween
  • Weihnachten

Sie fordern alle ein Menschenopfer, teilweise ohne geschlechtliche Präferenz. Oft gibt es zuvor noch ein Tieropfer, meist wird ein Schafbock verwendet, weil er das Lieblingstier Satans ist und seine Kraft verkörpert.

Es gibt auch Freiwillige für das Menschenopfer, sie versprechen sich eine Belohnung im Jenseits. Aber es werden nicht alle genommen, nur wer ein besonders gelehriger und eifriger Schüler der Lehre Satans ist, wird als freiwilliges Opfer angenommen.

Wenn ein Menschenopfer erwählt werden muss, stellen sich die Mitglieder auf und der Priester sucht ein Mitglied aus. Dabei werden Gebete gemurmelt bis der Priester jemanden mit den Augen fixiert und dieser ist dann das auserwählte Blutopfer.

Viele dieser Feiertage laufen meist wie die Standard-Messen ab: eine Opferung eines Tieres, viele Gebete, oftmals mit bestimmten öffentlichen Folterungen, um zu erinnern, was ihre Aufgabe und Bestimmung ist. Schließlich gipfeln die Grausamkeiten in einem Menschenopfer.

Zur Walpurgisnacht und zur Sommersonnenwende finden Orgien statt. Alle Mädchen und Frauen kommen schon zu Beginn der Messe nackt und werden mit Schafsblut bemalt. Danach folgt das Menschenopfer: zur Walpurgisnacht immer weiblich, zur Sommersonnenwende oftmals, aber nicht immer. Das Blut des Menschenopfers wird dann in sich aufgenommen und dann beginnt die Orgie.

Ein Nicht-Erscheinen an Feiertagen wird schlimmer bestraft, als bei einer Standard-Messe. Es kommt vor, dass diese Feiertage auf einen Wochentag fallen. Rücksicht wird darauf nicht genommen. Wer nicht kommt, kann manchmal auch mit dem Tod bestraft werden. Diese Feiertage dauern in den meisten Fällen bis zum Sonnenaufgang. Speziell zu Halloween wird auf Friedhöfen gefeiert.

Dann gibt es noch so etwas wie ein Jahrestreffen mit anderen Gemeinschaften. Es ist eine große Messe, in denen mehrere Schafböcke und spontane Menschenopfer dagebracht werden. Auch da werden wieder Orgien gefeiert und die Priester stacheln gerne zu Folterungen an. Das ist außergewöhnlich, weil sie sich selbst nicht an den Folterungen beteiligen, sondern mehrere Mitglieder auf jemanden hetzen, den sie sich zuvor ausgesucht haben. Meist sind das Mitglieder, die einer solchen Messe nicht Stand halten können. Diese große Messen finden an unregelmäßigen Zeiten und an verschiedenen Orten statt, aber nur einmal im Jahr.

Zitat von einer Überlebenden, die lieber anonym bleiben will

Manche behaupten gerne, dass die Religion oder Ideologie nur vorgeschoben ist, um (Kindes-)Missbrauch und ähnliche Verbrechen zu begehen. Aber das ist ignorant und naiv ... es steht hinter dem Ganzen sehr wohl eine religiöse Lehre und die ist nicht gerade unkomplex. Vor allem, weil sie allem entgegen steht, was so die üblichen großen Weltreligionen predigen. Wir kommen mit einem Vorschlaghammer aus Hass, statt das ganze hinter "Liebe" zu verstecken. Manche verstehen das nicht und erst recht nicht, dass jemand tatsächlich an sowas glauben kann. Aber wieso denn nicht?! Der eine glaubt an einen christlichen Gott, der andere an Satan als Gott und beide stehen natürlich ganz selbstverständlich hinter ihrem Glauben und der damit verbundenen Ideologie.

8. Rituelle Gewalt in Deutschland - Stand 2014

Fälle in den verschiedenen Bundesländern

Ehemalige DDR
Ost-Deutschland
Berlin 10
Brandenburg 1
Mecklenburg-Vorpommern 0
Sachsen-Anhalt 13
Sachsen 4
Thüringen 0
Bundesländer mit Grenzen zuden Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Frankreich
Niedersachsen 36
Nordrhein-Westfalen 115
Rheinland-Pfalz 10
Saarland 8
 
Schleswig-Holstein 18
Hamburg 47
Bremen 15
Hessen 31
Baden-Württemberg 19
Bayern 14
U. Fröhling + M. Huber

9. Fälle die dokumentiert wurden

9. August 1969:

Charles Manson und seine "Family" beginnen mit Ritualmorden an der hochschwangeren damaligen Ehefrau von Regisseur Roman Polanski, der Hollywoodschauspielerin Sharon Tate, und am folgenden Tag der Doppelmord an dem Ehepaar Leon & Rosemary LaBianca und an vier anderen Menschen. Diese Morde gingen als die Tate/LaBianca-Morde in die US-Krimminalgeschichte ein und wurden weltweit bekannt.

Charles Manson gründete eine Kummune die sich "The Family" nannte, sie waren Vertreter des sog. Acid-Satanismus, 100 Anhänger dieses Kultes sind namentlich bekannt. Unter Drogeneinsatz feierte die Sekte orgiastische Messen. Zu den Kultpraktiken gehörten Tierrituale, sexueller Missbrauch und Folter sowie das begehen von Ritualmorden. Er hielt sich für die Wiedergeburt des Satanisten Crowley. Am 29. März 1971 wurde Chales Manson zum Tode verurteilt.

1992 in Deutschland:

Die satanische Sekte "Thelema-Society", gegründet 1979 von Michael Eschner. Es kam bereits 1985 zu einem Gerichtsverfahren in Berlin.

Zu der von der Gruppierung praktizierten Umkonditionierung des Menschen zu einer höheren Bewusstseinsstufe führte das Gericht u.a. aus:

... dies soll erreicht werden durch die Zerstörung der bisherigen Moralvorstellungen (...) Unter anderem durch erzwungenen Sexualverkehr. Durch ein sog. Ekeltraining - Urin trinken und Kot essen - sollen die Betroffenen ihre natürliche Hemmschwelle überwinden, wobei Alkohol als Hilfsmittel eingesetzt wird... (vgl. Verwaltungsgericht Berlin 1985,AZ VG6A84,85)

Michael Eschner wurde 1992 verurteilt, das Gericht sah die Tatbestände der Vergewaltigung sowie der sexuellen Nötigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung erfüllt (vgl. Urteil gegen Michael Eschner, JS 2044/87,3.7.1992)

Die "Thelema-Society" gilt als gefährlichste Gruppierung Deutschlands.

Oktober 1998

Im Oktober 1998 bewilligte die australische Regierung für eine Überlebende ritueller Gewalt aus Deutschland, die vor 15 Jahren aus einem Kult mit dem Hintergrund von Kinderpornografie und Kinderhandel geflohen war, einen Flüchtlingsstatus und ein Schutzvisum. Das australische Gericht "Refugee Review Tribunal", das u.a. über die Aufnahme von Flüchtlingen entscheidet, sagte vor der Abschlussanhörung:

Es ist drittens anerkannt(...), dass solche Gruppen in Deutschland existieren und die Landesbehörden weitgehend erfolglos sind, diese illegalen Aktivitäten zu stoppen...

Notiz eines vorläufigen Schreibens der anschließenden Anhörung

Die letztinstanzliche Entscheidung, die durch die australische Regierung getroffen wurde, da es dort kein Gesetzt gibt, das für solche Fälle anwendbar ist, führte aus, dass diese Überlebende als ein Flüchtling gilt, der der Hilfe der Australier bedarf,

... weil die deutsche Regierung entweder unwillig oder unfähig ist, Opfer ritueller Gewalt zu schützen

Zitiert aus der Entscheidung

(Vgl. Handbuch Rituelle Gewalt - das (Un)heimliche unter uns S.129-131)

Beispiel Sex-Ring

Marc Dutroux, der belgische Mörder und Sexualstraftäter, entführte, missbrauchte und tötete bis Mitte der 1990er Jahre mehrere Kinder im Alter von 8-19 Jahren. Seine Ehefrau Michelle Martin wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt und ist seit 2010 nach 16 Jahren Haft wieder auf freiem Fuß.

Dutroux sagt selbst, dass er für ein Netzwerk arbeitet und dass man mit Kindern viel Geld machen kann. Die Mädchen seien nicht nur für ihn bestimmt gewesen, sondern auch für andere Personen, die teilweise "höchste Protektion von ganz oben" genießen würden. Einen Monat nach der Entführung von Melissa und Juli, im August 1995, gab der Komplize Claude Thirault zu, Detroux hat ihm ungerechnet ca. 3700 Euro geboten, wenn er junge Mädchen von einem Dorffest entführte. Er berichtete auch davon, dass Dutroux Zellen im Keller seines Hauses baute. Die eigene Mutter von Dutroux schrieb an die zuständige Behörde, dass sie zwei junge Mädchen in das Haus ihres Sohnes gehen sah und wies ausdrücklich darauf hin, dass es einen Zusammenhang mit den verschwundenen Kindern geben könnte. Es geschah nichts. Im Dezember 1995 wurde das Haus des Verdächtigen erst durchsucht. Keinen der Beamten fiel die neu eingezogene, frisch verputzte Wand im Keller auf. Die Kinderstimmen, die sie hörten, wurden als außerhalb vom Haus kommend identifiziert. Die Videokassetten, die sie im Haus fanden, wurden nicht gesichtet und als "unauffällig" klassifiziert. Sie enthielten Teile der Ausbaumaßnahmen der Zellen und Aufnahmen einer jungen nackten Frau.

Die ZDF- Reportage "Die Spur der Kinderschänder - Dutroux und die toten Kinder" berichtete, dass 2001 während der Ermittlungen 27 Zeugen, die im Prozess aussagen wollten, starben. Darüber hinaus beging der Staatsanwalt Hubert Messa im Juli 1999 Suizid. Keiner konnte bisher ein eindeutiges Motiv für seine Tat finden. Es ist nicht auszuschließen, dass Zeugen umgebracht wurden, um sie zum Schweigen zu bringen. Der Untersuchungsrichter Jacques Langlois ermittelte weiter. Langlois lehnte die These eines Netzwerkes ab. Seine Untersuchungsakte enthielt nur den Hauptangeklagten Dutroux, seine Frau Michelle Martins und seinen Komplizen Claude Thirault. Alle Ermittlungen, die auf ein Netzwerk schließen lassen, werden in eine Akte namens "Bis" abgelegt für einen Prozess, der wahrscheinlich nie stattfinden wird.

Spuren die auf ein Netzwerk schließen lassen: Im Kellerversteck wurden Blut- und Spermaspuren gefunden, die Analyse der Mikrospuren hat ergeben, dass neben der DNA der Mädchen auch noch andere DNA-Spuren gefunden wurden. Ferner kam heraus, dass es sich nicht nur um die Spuren von der Angeklagten handelte. Die Spuren von Spucke, Fäkalien, Sperma und Blut, die man bei Milissa und Juli fand, stammen von 4 unbekannten Männern und 5 unbekannten Frauen. Das ist ein eindeutiger Hinweis auf andere Täter und vielleicht auch Opfer. Der Untersuchungsrichter Langlois veranlasste in dieser Sache nicht weiter zu ermitteln.

Zu dem Vater von An, Paul Marchal sagte Langlois, dass kleine Mädchen von 8 Jahren nicht vergewaltigt werden können. "Dies sei technisch unmöglich".

Es gab am 17. August 1996 eine Autopsie, die von medizinischen Experten durchgeführt wurde. Sie ergab, dass die Mädchen nachweislich vergewaltigt wurden. Langlois hat später ein Gegengutachten basierend auf Fotos der toten Kinder erstellen lassen. Und das alles, um die Tatsache in Frage zu stellen, dass die Mädchen vergewaltigt wurden.

Eine Crew Ermittler, die das Netzwerk leugnen, um den Angeklagten als perversen Einzeltäter zu präsentieren, spielen der Verteidigung Dutrouxs in die Hände.

Weitere Pannen:
Der Fluchtversuch im Jahre 1998, Dutroux entriss seinen Bewachern die Dienstwaffe und floh. Nach 4 Stunden fanden sie ihn in einem Waldstück und brachten ihn zurück ins Gefängnis. Er sagte nach seiner Verhaftung "Ich bin glücklich, wenn ich das Chaos sehe, in das ich Belgien gestürzt habe."

Nach dieser Flucht stand zum wiederholten mal die hintere Wagentür des Autos auf, mit dem Dutroux zum Prozess und wieder zurück gebracht wurde.

Am 22.Juni 2004 wurde Dutroux zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt.


Quellen:

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Marc_Dutroux
  • https://www.youtube.com/watch?v=NgFeRb396_c
  • https://www.youtube.com/watch?v=sRfEfN1sPRg
  • http://www.sueddeutsche.de/panorama/dutroux-prozess-ein-untersuchungsrichter-als-blitzableiter-1.676650
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Thelema_Society
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Manson
  • http://www.michaela-huber.com/files/vortraege/riituelle-gewalt-taeter-taeterinnenkontakt-13-02-13.pdf
  • Ein Interview mit einer Überlebende die gern anonym bleiben möchte
  • Tagung "Mutige Einblicke in düstere Welten Rituelle Gewalt verstehen und Handeln" vom 31.August bis 1. September 2016 in Münster

Literatur:

  • Rituelle Gewalt- das (Un)heimliche unter uns: Herausgegeben von Arbeitskreis rituelle Gewalt und Brigitte Hahn
  • Becker Thorsten, Organisierte und Rituelle Gewalt, in Handbuch Trauma und Dissoziation Lengerich 2008, S.23-37.
  • Fliß Claudia und Igney Claudia (Hrsg.)

Anmerkung:

Im Abschnitt 6. Feiertage und Ihre Rituale:
Es handelt sich dabei um eine Erfahrung einer Überlebenden, es kann sein das die Rituale in den verschiedenen Kulten ritueller Gewalt andere Abläufe und Riten haben.